Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

Zur Textversion für diese Seite wechseln. Zur Haupt-Navigation springen.

Startseite > Annäherung an den Buddhismus > Spirituelle Lehrer > Missverständnisse in der spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung vermeiden

Missverständnisse in der spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung vermeiden

Alexander Berzin, Mai 2001
erweitert, Mai 2002, mit Auszügen aus:
Alexander Berzin: Relating to a Spiritual Teacher: Building a Healthy Relationship.
Ithaca: Snow Lion, 2000.
Übersetzung ins Deutsche: Edith Zündel und Monika Dräger

[Als Hintergrund siehe: Schema zur Analyse der Dynamiken in der Beziehung mit einem spirituellen Lehrer.]

Empirische Fakten zur spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung

Um Missverständnisse in der spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung zu vermeiden, muss man bestimmte empirische Tatsachen zur Kenntnis nehmen:

  1. Fast jeder spirituell Suchende geht auf dem spirituellen Weg durch verschiedenen Stadien.

  2. Die meisten Praktizierenden studieren während ihres Lebens mit mehreren Lehrern und bauen mit jedem eine andere Beziehung auf.

  3. Nicht jeder spirituelle Lehrer hat die gleiche Entwicklungsstufe erreicht.

  4. Die jeweils richtige Beziehung zwischen einem bestimmten Suchenden und einem bestimmten Lehrer hängt vom Grad der spirituellen Entwicklung beider ab.

  5. Mit dem Fortschreiten ihrer spirituellen Entwicklung binden sich die spirituell Suchenden üblicherweise zunehmend tiefer an ihre Lehrer.

  6. Da der gleiche Lehrer verschiedene Rollen im spirituellen Leben eines Suchenden spielen kann, kann auch die am besten angemessene Art der Beziehung, die jeder Suchende zu seinem Lehrer hat, variieren.

Unterschiedliche Entwicklungsebenen bei spirituellen Lehrern und Suchenden

Wegen der oben genannten empirischen Faktoren gibt es viele Entwicklungsebenen bei spirituellen Lehrern und Suchenden:

  1. Buddhismus-Professoren, die ähnlich wie in einer Universität Informationen weitergeben,

  2. Dharma-Ausbilder, die zeigen, wie man den Dharma in den Alltag integrieren kann,

  3. Meditations-Trainer, die Methoden lehren, ähnlich wie Tai-Chi oder Yoga, und

  4. spirituelle Mentoren, die unterschieden werden je nach Ebene der Gelübde, die sie dem Schüler geben: Laien- oder Mönchsgelübde, Bodhisattva- oder tantrische Gelübde.

Dementsprechend gibt es:

  1. Buddhismus-Studierende, die nach Informationen suchen,

  2. Dharma-Schüler, die lernen möchten, wie man den Dharma im Leben anwendet

  3. Meditationslernende, die Methoden erlernen möchten, wie sie den Geist entspannen und trainieren, und

  4. Schüler, die ihre zukünftigen Leben verbessern wollen, die Befreiung oder Erleuchtung zu erlangen suchen und bereit sind, eine bestimmte Stufe von Gelübden abzulegen, um diese Ziele zu erreichen. Auch wenn solche Schüler ihr jetziges Leben verbessern wollen, betrachten sie dies als einen Trittstein auf ihrem Weg zur Befreiung und Erleuchtung.

[Siehe: „ Dharma light“ versus „Der echte Dharma“ .]

Jede Ebene hat ihre Voraussetzungen, und man muss den eigenen Hintergrund und den des Lehrers berücksichtigen: asiatisch oder westlich, Student, Mönch, Nonne oder Laie, Bildungsgrad, emotionaler und ethischer Reifegrad, Grad der Verpflichtung und so weiter. Deshalb ist es wichtig, langsam und sorgsam vorzugehen.

Qualifikationen eines potentiellen Schülers und eines potentiellen spirituellen Lehrers

Als potentieller Schüler muss man seinen eigenen Entwicklungsgrad überprüfen, so dass man sich nicht auf eine Beziehung einlässt, für die man noch nicht bereit ist. Die wesentlichen Qualitäten, die ein Schüler aufweisen sollte, sind:

  1. Offenheit des Geistes, d.h. keine Anhaftung an eigene Vorurteile und Meinungen,

  2. gesunder Menschenverstand, um unterscheiden zu können, was richtig ist und was nicht,

  3. ein starkes Interesse am Dharma und daran, einen richtig qualifizierten Lehrer zu finden,

  4. Anerkennung und Ehrerbietung dem Dharma und qualifizierten Lehrern gegenüber,

  5. einen aufmerksamen Geist,

  6. eine grundlegende Ebene emotionaler Reife und Stabilität, und

  7. einen grundlegenden Sinn für ethische Verantwortlichkeit.

Je nachdem, auf welcher Ebene der Lehrer oder die Lehrerin ist, braucht er oder sie ein zunehmendes Maß an Qualifikationen. Die wesentlichen sind:

  1. eine gesunde Beziehung zu den eigenen spirituellen Lehrern,

  2. mehr Wissen über den Dharma als der Student,

  3. Erfahrung und einen gewissen Grad an Erfolg bei der Anwendung der Methoden des Dharma in der meditativen Praxis und im täglichen Leben,

  4. die Fähigkeit, ein inspirierendes Beispiel zu geben für die nutzbringenden Ergebnisse, die man erhält, wenn man den Dharma im täglichen Leben anwendet. Dies bedeutet, dass man folgende Voraussetzungen mitbringt:

  5. ethische Selbstdisziplin,

  6. emotionale Reife und Stabilität, basierend auf der Freiheit von groben emotionalen Problemen,

  7. ehrliches Interesse für das Wohl der Studenten als primäre Motivation des Lehrens,

  8. Geduld beim Lehren,

  9. keine Anmaßung (zum Beispiel, nicht vorgeben, man habe Qualitäten, die man nicht hat) und keine Heuchelei (kein Verbergen eigener Fehler, z.B. Mangel an Wissen oder an Erfahrung).

Wir müssen uns dabei der Realität der Situation anpassen: Welche Qualifikationsebene haben die am Ort verfügbaren Lehrer, wie viel Zeit und Engagement hat man selbst, welches sind die eigenen spirituellen Ziele (realistisch betrachtet, nicht nur „zum Wohle aller fühlenden Wesen“) usw. Überprüft man die Qualifikationen eines möglichen Lehrers, bevor man sich in eine spirituelle Beziehung begibt, kann man Extreme wie das Verteufeln oder die Vergötterung des Lehrers vermeiden. Wenn wir aus dem spirituellen Lehrer einen Gott machen, dann öffnet uns unsere Naivität einem möglichen Missbrauch. Wenn wir aus ihm oder ihr einen Teufel machen, dann hindert uns unsere Paranoia daran, dass wir von ihm oder ihr profitieren.

Der Unterschied zwischen dem Schülerverhältnis zu einem spirituellen Lehrer und dem Klientenverhältnis zu einem Therapeuten

Eine der Hauptquellen für Missverständnisse in der spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung ist der Wunsch, dass der spirituelle Mentor wie ein Therapeut sein soll. Denken Sie zum Beispiel an jemanden, der emotionales Glück und gute Beziehungen für den Rest seines oder ihres Lebens haben möchte. Wenn man der Schüler eines spirituellen Mentors wird, um dieses Ziel zu erreichen, ist das in vieler Hinsicht so, als ob man mit dem gleichen Ziel Klient eines Therapeuten würde.

Sowohl für Buddhismus als auch für Therapie gilt Folgendes:

  1. Sie entstehen aus dem Erkennen und Anerkennen des Leidens in unseren Leben und dem Wunsch, es zu lindern.

  2. Sie erfordern, dass wir mit jemandem arbeiten, um unsere Probleme und ihre Ursachen zu erkennen und zu verstehen. Tatsächlich stimmen viele therapeutische Schulrichtungen mit dem Buddhismus darin überein, dass Verstehen der Schlüssel für eine Selbsttransformation ist.

  3. Sie umfassen Lehrmeinungen, die auf das Verstehen der Ursachen unserer Probleme größten Wert legen, und Richtungen, die das Arbeiten mit pragmatischen Methoden zur Überwindung dieser Faktoren betonen, sowie Systeme, die eine ausgewogenen Kombination dieser beiden Ansätzen empfehlen.

  4. Sie empfehlen eine gesunde emotionale Beziehung zwischen dem Mentor oder Therapeuten als wichtigen Teil im Prozess der Selbstentwicklung.

  5. Obwohl sich die meisten klassischen Therapieformen scheuen, ethische Richtlinien zu benutzen, um das Verhalten und die Denkweise des Klienten zu ändern, befürworten einige postklassische Schulen ethische Prinzipien, die denen des Buddhismus ähneln. Zu diesen Prinzipien gehören u.a., alle Mitglieder einer dysfunktionalen Familie gleichermaßen zu respektieren und destruktive Impulse wie z.B. Wut nicht auszuagieren.

Trotz der Ähnlichkeiten gibt es mindestens fünf Unterschiede in Bezug darauf, der Schüler eines buddhistischen Mentors oder der Klient eines Therapeuten zu werden:

  1. Die emotionale Stufe, auf der man die Beziehung beginnt. Potentielle Klienten gehen im Allgemeinen zu einem Therapeuten, wenn sie emotional gestört sind. Es kann sogar sein, dass sie psychotisch sind und eine Medikation als Teil ihrer Behandlung benötigen. Für potentielle Schüler hingegen ist die Herstellung einer Beziehung zu einem spirituellen Mentor nicht der erste Schritt auf ihrem spirituellen Weg. Sie haben zuvor schon Buddhas Lehren studiert und begonnen, an sich selbst zu arbeiten. Demzufolge haben sie bereits einen ausreichenden Grad an emotionaler Reife und Stabilität entwickelt, so dass die Schüler-Mentor-Beziehung, die sie aufbauen, konstruktiv in der buddhistischen Bedeutung dieses Begriffes ist. Mit anderen Worten: Buddhistische Schüler müssen schon relativ frei von neurotischen Geisteshaltungen und neurotischem Verhalten sein.
  2. Die Interaktion, die man in der Beziehung erwartet. Potentielle Klienten sind hautsächlich daran interessiert, jemanden zu haben, der ihnen zuhört. Deshalb erwarten sie, dass der Therapeut ihnen und ihren Problemen konzentrierte Aufmerksamkeit widmet, sogar innerhalb einer Gruppentherapie. Dagegen teilen Schüler normalerweise ihren Mentoren nicht ihre persönlichen Probleme mit und erwarten oder verlangen keine individuelle Aufmerksamkeit. Selbst wenn sie ihren spirituellen Mentor wegen eines persönlichen Rates konsultieren, so tun sie es doch nicht regelmäßig. Der Schwerpunkt der Beziehung liegt darauf, den Lehren zuzuhören. Buddhistische Schüler lernen in erster Linie von ihren Mentoren Methoden, um allgemeine Probleme, denen sich jeder gegenübersieht, zu überwinden. Sie übernehmen dann die persönliche Verantwortung, diese Methoden in ihren spezifischen Situationen anzuwenden.
  3. Die Ergebnisse, die man von einer funktionierenden Beziehung erwartet. Therapie zielt darauf, die Probleme in unserem Leben zu akzeptieren und mit ihnen zu leben, oder sie zu verkleinern, sodass sie ertragbar werden. Sollten wir an einen spirituellen Mentor mit dem Ziel unseres emotionalen Wohlergehens in dieser Lebensspanne herantreten, dann würden wir auch erwarten, dass unsere Probleme verkleinert werden. Obwohl das Leben schwierig ist – die erste Tatsache des Lebens (die erste edle Wahrheit), die der Buddha lehrte – könnten wir es weniger schwierig machen.

    Unsere Leben emotional weniger schwierig zu machen, ist allerdings nur ein vorbereitender Schritt, um sich dem klassischen buddhistischen Weg anzunähern. Schüler spiritueller Mentoren richten sich wenigstens auf die größeren Ziele wie eine günstige Wiedergeburt, Befreiung und Erleuchtung aus. Darüber hinaus haben buddhistische Schüler ein intellektuelles Verständnis von Wiedergeburt, so wie sie im Buddhismus erklärt wird, und nehmen wenigstens ansatzweise an, dass es sie gibt. Psychotherapeutische Klienten müssen nicht über Wiedergeburt nachdenken oder über Ziele, die darüber hinausgehen, ihre momentane Situation zu verbessern.
  4. Der Grad der Verpflichtung zur Selbsttransformation. Klienten von Therapeuten zahlen einen bestimmten Betrag pro Stunde, aber sie verpflichten sich nicht zu einer lebenslangen Änderung ihrer Geisteshaltungen und ihres Verhaltens. Dagegen mögen buddhistische Schüler für Belehrungen zahlen oder auch nicht; aber dessen ungeachtet ändern sie formell ihre Ausrichtung im Leben. Indem sie eine sichere Ausrichtung (Zuflucht) nehmen, verpflichten sie sich, dem Weg zu folgen, den die Buddhas bis zum Ende gegangen sind und dann gelehrt haben und den die hoch verwirklichte spirituelle Gemeinschaft anstrebt. 

    Darüber hinaus verpflichten sich buddhistische Schüler zu einer ethischen, konstruktiven Lebensführung bezüglich Handeln, Sprechen und Denken. Sie versuchen, so gut wie möglich, destruktive Muster zu vermeiden und stattdessen konstruktive zu übernehmen. Wenn Schüler ernsthaft wünschen, Befreiung von den wiederkehrenden Problemen der unkontrollierbaren Wiedergeburt zu erlangen, dann nehmen sie eine noch größere Verpflichtung auf sich, indem sie formell Laiengelübde oder monastische Gelübde ablegen. Schüler auf dieser Stufe ihrer Entwicklung geloben, dass sie sich ihr Leben lang bestimmter Verhaltensweisen enthalten werden. Diese Verhaltensweisen sind entweder von Natur aus destruktiv oder der Buddha hat aus einem bestimmten Grund spezifischen Gruppen von Menschen empfohlen, sich ihrer zu enthalten. Ein Beispiel für letzteres ist, dass Mönche und Nonnen keine Laienkleidung mehr tragen, sondern stattdessen Roben, um Anhaftung zu vermindern. Schon bevor sie den Wunsch nach vollkommener Befreiung entwickelt haben, legen Schüler häufig Laien- oder Mönchsgelübde ab.

    Klienten von Therapeuten dagegen verabreden, bestimmte Verfahrensregeln als Teil des therapeutischen Vertrages zu befolgen, wie z.B. sich an die Zeit von 50-minütigen Therapiestunden zu halten. Diese Regeln treffen allerdings nur während der Behandlung zu. Sie gelten nicht außerhalb des therapeutischen Settings, sie beinhalten nicht, dass man von Natur aus destruktive Handlungen unterlässt, und sie gelten auch nicht ein Leben lang.
  5. Einstellung gegenüber dem Lehrer oder Therapeuten. Schüler sehen ihre Mentoren als lebende Beispiele an für das, was sie sich bemühen, selber zu erreichen. Sie betrachten sie so auf der Grundlage eines korrekten Erkennens der guten Qualitäten des Mentors und sie pflegen und stärken diese Sicht während ihres Stufenpfades zur Erleuchtung. Klienten dagegen mögen ihre Therapeuten vielleicht als Vorbilder für emotionale Gesundheit ansehen, aber sie benötigen kein korrektes Gewahrsein der guten Qualitäten des Therapeuten. Das Ziel der Beziehung ist nicht, ein Therapeut zu werden. Während des Verlaufs der Therapie führen Therapeuten ihre Klienten über Projektionen von Wunschbildern hinaus.

Unangemessener Gebrauch des Begriffes Schüler

Manchmal bezeichnen sich Menschen als Schüler eines spirituellen Lehrers trotz der Tatsache, dass entweder sie oder der Lehrer oder beide die wirkliche Bedeutung des Begriffes nicht erfüllen. Ihre Naivität führt häufig zu unrealistischen Erwartungen, Missverständnissen, verletzten Gefühlen und sogar Missbrauch. Ein Objekt von Missbrauch zu werden bedeutet in diesem Kontext, sexuell, emotional, oder finanziell ausgebeutet zu werden oder durch Machtspiele von jemandem manipuliert zu werden. Lassen Sie uns drei häufige Arten von Pseudo-Schülern, wie sie im Westen vorkommen, untersuchen, die besonders anfällig für Probleme mit spirituellen Lehrern sind.

  1. Einige Menschen kommen zu Dharma-Zentren und suchen die Erfüllung ihrer Fantasien. Sie haben etwas über den „mysteriösen Osten“ oder über Superstar-Gurus gelesen oder gehört und hoffen, ihr anscheinend wenig aufregendes Leben zu transzendieren, indem sie exotische oder mystische Erfahrungen machen. Sie treffen spirituelle Lehrer und erklären sich sofort zu deren Schülern, besonders wenn die Lehrer Asiaten sind oder Roben tragen oder beides der Fall ist. Sie neigen zu einem ähnlichen Verhalten bei westlichen Lehrern, die asiatische Titel oder Namen führen, egal, ob diese Lehrer Roben tragen oder nicht.
     
    Die Suche nach dem Okkulten destabilisiert häufig die Beziehungen, die diese Suchende mit ihren spirituellen Lehrern eingehen. Auch wenn sie sich zu Schülern von richtig qualifizierten Lehrern erklären, verlassen sie diese Lehrer häufig, sobald sie erkennen, dass nichts Übernatürliches passiert, außer vielleicht in ihrer Vorstellung. Zudem vernebeln die unrealistischen Einstellungen und hohen Erwartungen dieser „Instant-Schüler“ häufig ihre Kritikfähigkeit. Solche Menschen sind besonders empfänglich für Täuschungen durch spirituelle Scharlatane, die geschickt eine gute Show abziehen.
  2. Andere wiederum mögen zu Zentren kommen und verzweifelt Hilfe suchen, um emotionale oder körperliche Schmerzen zu überwinden. Sie mögen bereits verschiedene Therapieformen ausprobiert haben, aber ohne Erfolg. Jetzt suchen sie eine Wunderheilung durch einen Magier/Heiler. Sie erklären sich als Schüler von jedem, der ihnen eine gesegnete Pille gibt, ihnen ein spezielles Gebet oder Mantra sagt, das sie wiederholen sollen, oder der ihnen die machtvolle Praxis (z.B. 100 000 Niederwerfungen zu machen) gibt, die automatisch ihre Probleme in Ordnung bringen wird. Gerade sie wenden sich auch an den schon erwähnten Typ von Lehrer, der Menschen auf der Suche nach dem Okkulten fasziniert. Die „Bring-es-in-Ordnung“-Mentalität der Wundersucher führt häufig zu Enttäuschung und Verzweiflung, wenn das Befolgen des Rates – sogar eines qualifizierten Lehrers – nicht zu wundersamen Heilungen führt. Die „Bring-es-in-Ordnung“-Mentalität zieht auch Missbrauch durch spirituelle Quacksalber an.
  3. Wieder andere, insbesondere desillusionierte, arbeitslose Jugendliche, kommen zu Dharmazentren von Sekten in der Hoffnung, existentielle Ermächtigungen zu erhalten. Charismatische Größenwahnsinnige, die „spirituell-faschistische“ Methoden benutzen, ziehen sie an. Die versprechen ihren so genannten Schülern messbare Stärke, wenn diese der Sekte vollkommene Treue entgegenbringen. Weiterhin locken sie ihre Schüler mit dramatischen Beschreibungen von wilden Beschützern, die ihre Feinde zerstören werden, insbesondere die Anhänger von inferioren, unreinen buddhistischen Traditionen. Mit grandiosen Geschichten über die übermenschlichen Kräfte des Gründungsvaters ihrer Bewegung, versuchen sie die Träume des Schülers von einem mächtigen Führer zu erfüllen, der sie zu spirituellen Machtpositionen erheben wird. Menschen, die auf solche Versprechungen ansprechen, erklären sich schnell zu Schülern und folgen blind allen Instruktionen oder Befehlen, die autoritäre Lehrer ihnen geben. Die Ergebnisse sind in der Regel verheerend.

Zusammenfassung

Kurz gesagt: Genauso, wie nicht jeder, der an einem buddhistischen Zentrum unterrichtet, ein authentischer spiritueller Mentor ist, ist auch nicht jeder, der in einem Zentrum etwas lernt, ein authentischer spiritueller Schüler. Es ist notwendig, dass wir die Begriffe Mentor und Schüler präzise gebrauchen. Dies erfordert spirituelle Ehrlichkeit und Freiheit von Anmaßung.