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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Einführung in die „Vierhundert Verse“

Alexander Berzin
Englisch und Deutsch, Berlin, Deutschland, Juni 2007

Teil 4: Überwinden der fehlerhaften Auffassungen in Bezug auf die tiefste Wahrheit (Leerheit) der Dinge

Unbearbeitete Abschrift
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Introduction and Question about Concepts and Nonexistent Phenomena

We started going through the second half of the text, the chapters that deal with voidness, (specifically the topic is refuting or overcoming the incorrect views regarding voidness and the deepest nature of how things exist).

Ja, wir hatten mit der zweiten Hälfte dieses Kapit, der, des Textes begonnen mit den Kapiteln, die sich mit Leerheit beschäftigen. Und insbesondere geht es ja hier bei diesen Diskussionen um die Überwindung falscher Ansichten über die Leerheit, über die tiefste Natur der Dinge.

And we finished chapter nine, which was “indicating the meditations for refuting static functional phenomena,” and now we’re ready to begin chapter ten, which is “Indicating the Meditations for Refuting a Static Impossible ‘Self’ or ‘Soul.’”

Und wir hatten das neunte Kapitel abgeschlossen, was eben ein Aufzeigen von, ein ein ja, ein „Aufzeigen der Meditation für die Widerlegung statischer funktionierender Phänomene“ war. Und jetzt kommen wir also zum zehnten Kapitel, dem Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegung eines statischen unmöglichen „Selbst“ oder einer statischen unmöglichen „Seele“.

And, as we did with chapter nine, what I’ll do is just briefly go through some of the major points of argument or lines of reasoning that Aryadeva uses to refute the various wrong positions from the Prasangika point of view, without going into too much detail about this.

Und hier ist es so, dass Arya, also weiterhin eben Aryadeva fehlerhafte Positionen aus dem Blickwinkel der Prasangika, fehlerhafte Positionen widerlegt.

And, again, the method that is going to be used here is to point out the absurd conclusions that follow from everybody’s assertions.

Und die Methode, die er eben anwendet, ist, dass er widersprüchliche Schlussfolgerungen zieht aus den Annahmen, die die anderen eben behaupten oder die die anderen haben.

We did see in chapter nine, if you recall, Aryadeva was showing the inconsistency within logic –
there was the argument that if something is not produced, that means that it’s permanent.

Und im neunten Kapitel gab es auch ein Beispiel für ne logische Unstimmigkeit, wo eben behauptet wurde, dass etwas, wenn etwas nicht erzeugt ist, also wenn etwas erzeugt ist, dass es dann unbeständig ist, und dass wenn etwas nicht erzeugt ist, dass es dann damit beständig sein müsste.

And Aryadeva pointed out that just because something is not produced, that doesn’t mean – it’s not logically pervasive – that it is permanent, because nonexistent things also are not produced.

Und das ist aber ne fehlerhafte Schlussfolgerung. Es ist nicht so, dass, wenn etwas nicht produziert ist, dass es dann davon durchdrungen ist, beständig zu sein. Denn es gibt auch Phänomene, die überhaupt nicht existieren. Die sind dann auch, ja, nicht, nicht erzeugt und nicht unbeständig.

So this is going more in the direction of Svatantrika, trying to actually prove or disprove something in terms of logical pervasions;

Das ist aber eher an der Stelle dem Svatantrika-Ansatz ähnlich, weil dort mit logischen Durchdringungen etwas widerlegt wird.

whereas the actual Prasangika method is just showing the contradictions and absurd conclusions that follow from the other person’s assertion, rather than actually going through fallacies in logic. To work with fallacies in logic is the Svatantrika method.

Die Prasangika-Herangehensweise ist dann stattdessen eigentlich mehr, dass logische, absurde logische Konsequenzen aufgezeigt werden, die aus der entsprechenden Position folgen statt dass fehlerhafte Auffassungen eben mit Hilfe von Logik widerlegt werden.

Question: Things that don’t exist are, nevertheless, concepts, and concepts are permanent. So isn’t this a problem with this example that we just mentioned?

Die Frage war nach diesem Beispiel oder nach diesem logischen Trugschluss, den wir vorhin angesprochen hatten, und Katja meinte eben, aber wenn etwas nicht existiert, dann gibt es doch zumindest ein Konzept oder einen Begriff davon. Und Konzepte sind doch wiederum etwas  Beständiges. Wenn man also das Konzept eines Hasenhornes hat, wäre das dann nicht tatsächlich etwas Beständiges, auch wenn es eben vielleicht kein existierendes Phänomen ist. Und wäre dann also diese Widerlegung, von der wir gesprochen haben, nicht fehlerhaft.

Alex: No. There is a difference. You can have a concept of something that doesn’t exist, but that doesn’t mean that the thing that doesn’t exist exists.

Und Alex meinte, nee, dieses Problem besteht nicht, sondern man kann durchaus ein Konzept von etwas haben, was dann, wobei die Sache auf das, auf die sich das Konzept bezieht, nicht existiert. Und es ist aber trotzdem nicht so, dass dann das Phänomen, auf das sich das Konzept bezieht, dadurch existieren würde.

There’s a difference between a concept or an appearance of true existence and actual true existence.

Also beispielsweise wenn man ein Konzept oder ne Erscheinung von wahrer Existenz hat, dann bedeutet das nicht, dass die wahre Existenz vorhanden ist, obwohl eben diese Erscheinung existiert.

Now the big question comes: How could a nonexistent thing actually appear?

Auch da gibt’s wieder ne Diskussion zu diesem Punkt, wo dann eben die Frage aufgeworfen wird, wie kann eigentlich ne nicht vorhandene Sache überhaupt erscheinen?

And a nonexistent thing doesn’t actually appear. (This is an objection, actually, that is raised, I believe, by one of the Karmapas to Tsongkhapa’s explanation of dealing with nonexistent phenomena. I have an article on this on the website.)

Das ist einer der Karmapas, der dieses Argument gegen Tsongkhapa anführt. Alex weiß nicht mehr genau welcher, aber er hat auch nen Artikel dazu auf seiner Website.

And it’s not that true existence itself is appearing;

Jedenfalls laut der Gelug-Position ist es nicht so, dass die wahre Existenz wirklich einem erscheinen würde;

it’s something that represents or seems like true existence, but not actual true existence that is appearing when the mind makes an appearance of true existence.

sondern man hat eine Erscheinung von etwas, das einer vermeintlich wahren Existenz ähnelt, das eben eine vermeintlich wahre Existenz zu sein scheint für einen, weil eben das Bewusstsein eine solche Erscheinung hervorbringt, aber es ist nicht so, dass eine wahre Existenz existieren würde, die einem dann erscheint.

And so when we have conceptual thought about a rabbit’s horn, it’s not actually… I don’t want to get into a complicated explanation about conceptual thought and permanent phenomena and nonpermanent phenomena, or static and nonstatic – they’re involved in that – so let’s leave that aside. That’s also discussed quite thoroughly on my website, and it’s quite complicated. But, in any case, you would have an appearance, let’s say, of a rabbit and goat horns – or cartoon horns, or something like that – on the rabbit, but you couldn’t have actual rabbit horns, an appearance of rabbit horns, on the rabbit.

Und das ist auch ein schwieriges Thema, wie man dann eben Dinge erfassen kann, oder wie man die Nichtexistenz von Dingen überhaupt erkennen kann. Auch dazu hat Alex einen Artikel, und das würde jetzt wirklich den Rahmen sprengen, das zu sehr im Detail zu erklären. Aber jedenfalls wenn man zum Beispiel ein Hasenhorn, die Erscheinung eines Hasenhorns hat, dann wird eher die Erscheinung eines Hasens eben mit Zeichentrickhörnern oder mit Ziegenhörnern oder wie auch immer vor Augen haben, aber nicht wirklich die Erscheinung von Hasenhörnern.

Or the example that I often use is chicken lips.

Oder ein anderes Beispiel, was Alex gern verwendet, ist Hühnerlippen.

There is no such thing as chicken lips. You can picture some cartoon lips on a chicken, but not actual chicken lips on a chicken.

Also man kann sich natürlich irgendwie Zeichentricklippen auf einem, an einem Huhn vorstellen, aber es gibt keine tatsächlichen Hühnerlippen.

[See: The Appearance and Cognition of Nonexistent Phenomena.]
Question: The concept is impermanent?

Dann kam nochmal die Frage, wie das dann aber eigentlich mit diesem Konzept beispielsweise eines Hasenhornes ist.

Alex: Concept – I will not go into that. There are permanent and impermanent aspects, and there is no equivalent of the word “concept.” Because we’re dealing with, here, categories and the images that are involved with thinking in terms of categories, and so on. Far too complicated to go into. Let’s simply say that categories are static.

Und Alex meint, also ein Konzept hat beständige oder statische und nichtstatische Aspekte. Es gibt, also da spielen einerseits Kategorien hinein und andererseits Bilder oder Vorstellungen, die Kategorien selbst sind, sind statisch, aber es gibt eben kein genaues Äquivalent der Vorstellung von oder des westlichen Begriffes „Konzept“ in diesem System. Wie gesagt das ist eben eher von Kategorien und Bildern dort die Rede.

Participant: But that’s the problem. You have the category of rabbit horn.
Alex: You have a category of “rabbit horn,” but you don’t have rabbit horn.
Participant: And the category exists.
Alex: The category exists.
Participant: But then this example doesn’t fit.
Alex: Why not? The category isn’t the same as an individual member of the group. You can have a word “rabbit horn” and you could have a category “rabbit horn.” It doesn’t necessarily refer to actually existent phenomena; it can refer to nonexistent things which are represented or mistaken for existent things. Let’s really not get into this. This is going to take far too long. There isn’t time. I would suggest reading the article on cognition of nonexistent phenomena on my website, and then we can discuss it.

Wenn man eben die Kategorie eines Hasenhornes hat, dann mag die Kategorie zwar ein statisches Phänomen sein, aber die Kategorie, die ist auch was, was existiert. Das Hasenhorn, worauf sich diese Kategorie bezieht, das würde dann allerdings nicht existieren. Es kann also Kategorien geben, deren einzelne Vertreter dann nicht existieren können. Man kann also das Wort Hasenhorn und die Kategorie Hasenhorn haben, aber das bedeutet noch nicht zwingend, dass die sich auf etwas tatsächlich Existierendes bezieht. Sie kann sich eben auch auf nichtexistierende Dinge beziehen.

Logical pervasion is what we’re talking about in the example.

Das ist einfach ne, ne schlichte logische Durchdringung.

If something is static, it is pervasive that it is not produced; if it’s not produced, it’s not pervasive that it is static. Simply logical pervasion. If it’s a dog, it’s pervasive that it is an animal; if it is an animal, it’s not pervasive that it’s a dog.

Wenn etwas statisch ist, dann ist es davon durchdrungen zu existieren, ah, what did you exactly say?

If something is static, it’s pervasive that it’s not produced by causes and circumstances;

Gut, also nochmal, wenn etwas also statisch ist, dann ist es zwingend davon durchdrungen, dass es nicht erzeugt worden ist.

but just because something is not produced, it’s not pervasive that it is static.

Aber wenn etwas nicht erzeugt worden ist, dann ist es noch lange nicht zwingend davon durchdrungen, dass es auch statisch ist. Also wenn eben zum Beispiel ein, wenn man einen Hund als Beispiel nimmt, dann ist der immer zwangsläufig ein Tier, aber ein Tier ist nicht immer zwangsläufig ein Hund.

Chapter Ten: Indicating the Meditations for Refuting a (Static, Impossible) “Self” or “Soul”

Okay. Chapter ten. As I said before: every single point here, one could probably spend one or two (if not more) classes on.

Also, wie Alex schon mal angesprochen hatte, ist es eben so, dass man zu jedem dieser Punkte wahrscheinlich ein, zwei Stunden jeweils machen könnte.

This really does require a year-long course to study, if not longer.

Und es ist einfach wirklich ein Text, den man einfach mal ein Jahr, über ein Jahr studieren müsste oder vielleicht auch länger.

Remember how long it took us to do even the ninth chapter, just by itself, of Shantideva? It took us five years to do that. And that was only – I forget exactly the number – a hundred and something verses. This is four hundred verses.

Für das neunte Kapitel von Santideva hat es, hat Alex fünf Jahre gebraucht, um es zu erklären, und das waren nur irgendwie um die hundert Verse und hier geht’s, sinds also vierhundert Verse.

Okay. So let’s go into this tenth chapter, which is about the refutation of a static impossible “self” or “soul.” “Self” or “soul.”

Ja also jetzt im zehnten Kapitel geht’s eben um die Widerlegung eines statischen unmöglichen „Selbst“ beziehungsweise einer statischen unmöglichen „Seele“.

This is struggling to translate the word “atman”; this is what is being translated here.

Und dieser Begriff „Selbst“ oder „Seele“ ist der Versuch einfach das Wort „Atman“ zu übersetzen.

Is it a soul?

Es ist nun die Frage, ist es eine Seele?

Well, in many ways it is a soul.

In vielerlei Hinsicht entspricht er der Vorstellung einer Seele.

Or is it a self? Or what actually is it? But that’s the word.

Oder eben auch eines Selbst. Jedenfalls das Wort „Atman“ ist, was hier übersetzt wird.

Certainly in the non-Buddhist systems, I think, it’s closer to our Western concept of a soul.

Zumindest in den nichtbuddhistischen Systemen ist es sicherlich dem westlichen, der westlichen Vorstellung einer Seele näher.

(10.1) A (static, truly existent) internal “self” (or atman as asserted by you Vaisheshikas) can be neither female, nor male, nor hermaphroditic, (otherwise you would always have to be reborn as the same gender). When this is so, then it is only out of unknowing (naivety) that you can think in terms of being a (truly existent) male “self” (and so on).
In any case, the assertion of a permanent, static, truly existent “self” or “soul” leads to many further logical inconsistencies.

Auch die Annahme eines beständigen statischen wahrhaft existierenden „Selbst“ oder einer solchen „Seele“ führt also zu vielen logischen Unstimmigkeiten.

For example, such a “self” or “soul” cannot be a male one, or a female one, or a hermaphroditic one, as Vaisheshika asserts.

Denn so ein „Selbst“ oder so eine „Seele“ kann weder männlich noch weiblich noch zweigeschlechtlich sein, wie das, what exactly did the Vaisheshika say?

They say that a “soul” or a “self” – some of them are male, some of them are female, and some of them are hermaphrodites.

Okay, also die Vaisheshikas nehmen eben dies an, dass manche Seelen männlich, manche weiblich und manche zweigeschlechtlich sind.

Because, if it were, then everybody would always be reborn as the same gender, and that’s not the case.

Wenn das aber eben so wäre, dann würde jeder immer mit dem gleichen Geschlecht wiedergeboren.

(10.2) And when it is so that none of the elements (constituting the body) exist as male, female, or hermaphroditic, then how can (an external “self”) that relies on these be (truly existently) male or female or hermaphroditic? 
Moreover, since the elements of the body – earth, water, fire, and air – have no gender, a “self” that relies on them couldn’t have gender.

Und da andererseits die Elemente des Körpers, also Erde, Wasser, Feuer und Wind, ohne Geschlecht sind, könnte ein Selbst, was auf ihnen beruht, kein Geschlecht besitzen.

There are certainly some people in the West who identify very, very strongly with their gender; and for them the gender issue is the most important issue of them all. So this is a relevant discussion.

Im Westen gibts ja ne ganze Menge Menschen, die sich sehr stark mit ihrem Geschlecht identifizieren und für die die Geschlechterproblematik eine der wichtigsten Fragen überhaupt ist.

And some who also say that everybody has a male and a female part;

Und es gibt auch die Vorstellung, dass jeder einen männlichen und einen weiblichen Teil besitzt;

I mean, look at Carl Jung, type of thing.

wie bei Carl Jung.

So one shouldn’t ever think, in terms of these Indian systems – as I tried to emphasize so much when we studied Shantideva – that they’re just talking about some weird things that have absolutely no relevance to our Western way of thinking.

Also ist das nicht nur in den indischen Systemen so. Und man sollte sich also, wie Alex auch bei dem Santideva-Kurs immer wieder betont hat, nicht denken, dass das einfach nur merkwürdige Ansichten sind, die keine Relevanz haben.

You just have to look a little bit more deeply and you find out that they are talking about issues that we talk about as well, but perhaps in different terms and different contexts.

Sondern wenn man ein bisschen genauer hinkuckt, dann sind das Dinge, über die wir auch sprechen, nur dass eben die Begriffe und der Kontaxt manchmal ein bisschen anders ist.

(10.3) That which is your “self” is not my “self.” Therefore, this (object of your self-preoccupation) cannot be a (truly existent) “self,” because (if it were, it would also have to be the object of my self-preoccupation and this) cannot be ascertained (to be so). Doesn’t the thought (of a “self”) arise (merely as an imputation) on the nonstatic functional phenomena (of one’s own aggregate factors of experience)? 
Then the next point is: If a “self” were truly existent as “THE self,” it would have to be the “self” of everyone.

Gut und wenn es andererseits so wäre, dass ein bestimmtes Selbst wahrhaft als „DAS Selbst“ existieren könnte, dann müsste es wiederum das Selbst von allen sein.

And therefore your “self” should be the object of my self-preoccupation too.

Und dann müsste die eigene Selbstvoreingenommenheit, die man besitzt, sich auch auf das „Selbst“ von anderen beziehen können.

But it’s not.

Das ist ja aber nicht der Fall.

(10.4) A “person” (or “self”) would have to change aspects from rebirth to rebirth in accordance with (the change in) body (and life form). Therefore, it is unreasonable for you (to maintain) that (the “self”) is a different (substantial) entity from the body and static. 
Also, a “self” can’t change aspects in each rebirth and still be static.

Es ist auch nicht so, dass ein Selbst mit jeder Geburt einen anderen Aspekt annehmen kann und trotzdem andererseits statisch sein kann.

(10.5) It can never happen that something that cannot have contact (with anything) can be said to incite a functional phenomenon (into action). Because of that, the “living one” (or “self”) cannot become the agent for (causing) the body’s motion. 
And a static “self” couldn’t incite the body’s movements, because a static object can’t do anything.

Und es ist auch nicht möglich, dass ein statisches Selbst die Bewegungen des in irgend ner Form anregt, denn ein statisches, ein statisches Objekt kann überhaupt nichts bewirken.

So it can’t be that there’s some sort of static “self” inside you and then it activates and works the machinery of the body.

Es kann also nicht so sein, dass jetzt also ein statisches Selbst irgendwie in einen eintritt und dann die gesamte Maschinerie des Körpers, ja, in Gang setzt.

(10.6) (If) it cannot be harmed, how can you think there is any use in causal (actions to prevent suffering) for a static “self”? In no respect, would you ever need to protect a diamond-hard scepter from wood-worms! 
And if you assert that a static permanent “self” can’t be harmed, why bother to do any actions to prevent suffering or pain?

Und wenn man behauptet, dass ein beständiges Selbst nicht, keinen Schaden erfahren kann, warum sollte man sich dann mit Handlungen abmühen, die darauf ausgerichtet sind, Leiden zu beseitigen oder zu verhindern.

Do you understand that first example here – the first point – a “self” can’t change aspects in each rebirth and still be static?

Und Alex meinte, versteht ihr den ersten Punkt hierbei, dass ein „Selbst“ nicht mit jeder Geburt einen anderen Aspekt annehmen und dennoch statisch sein kann?

That would be the idea that now Alex is reborn as Fifi the poodle.

Also wenn eben Alex jetzt in nem bestimmten Leben als Fifi der Pudel geboren wird,

You know, that there’s Alex, static, and now I am a poodle,

dann wäre das die Vorstellung, dass er ein statisches Ich ist und dass es dann der Pudel wird.

now I am a worm, now I am a woman, as if it’s the same Alex now as this or that. That’s false.

Dann ist eben das Ich ein Wurm oder dann ist das Ich eine Frau. Und dann wäre da eine Art, da wäre ein Alex und der ist dann dieses oder der Alex ist jenes, und das ist natürlich ne falsche Vorstellung.

That doesn’t make any sense.

Das ist unsinnig.

But that’s a common misunderstanding of rebirth.

Das ist aber ein sehr häufiges Missverständnis, was viele über Wiedergeburt haben.

That it’s “me” still, but I’m something else.

Dass sie dann eben denken, da ist ein „Ich“ und dieses „Ich“ ist dann aber mal was anderes, mal dies, mal das.

(10.8) And if (you say it is) a “self” that possesses (the quality of) having consciousness that indeed is the knower (of previous lives and so on), well then such a “person” (or “self”) that is not conscious (on its own, but then comes to) have consciousness (as its quality) could not be static. 
If, like the Nyayas, you say that the “self” is not conscious on its own but gains consciousness by connecting with a physical mind – sort of plugs into a mind and now it’s conscious – how could you say that it’s static and permanent if it changes by connecting with a mind?

Wenn man jetzt wie die Nyayas meint, dass das Selbst von sich ausgehend nicht bewusst ist, aber dann Bewusstheit gewinnt, indem es sich mit einem körperlichen Bewusstsein verbindet, das heißt, das klinkt sich dann irgendwie in so ein körperliches Bewusstsein ein, wie könnte dann das Selbst statisch und beständig sein, wenn es sich dadurch verändert, dass es sich eben mit nem Bewusstsein verbindet?

(10.10) But if, (according to you Samkhyas, the “self” or “person,” which) has (a nature) of consciousness, is static and permanent, then (its needing to rely on cognitive sensors for) the action (of cognizing objects) becomes contrary (to this). If fire were static and permanent, (its reliance on) fuel (in order to burn) would not be meaningful. 
And if, like the Samkhyas, you say that a static permanent “self” is inherently conscious, then what’s the need for it to rely on cognitive sensors, like the photosensitive cells of the eyes, to have sensory cognition of a physical object?

Und wenn man andererseits wie die Samkyas annehmen würde, dass es ein statisches beständiges „Selbst“ gäbe, welches von sich aus inhärent bewusst ist, dann wär die Frage, warum es sich auf Wahrnehmungssensoren, also zum Beispiel auf die lichtempfindlichen Zellen des Auges stützen muss, um Dinge wahrzunehmen?

It should be able to do that without having to rely on anything else.

Denn wenn es so beschaffen wäre, wenn es von sich aus bewusst wäre, dann sollte es sich doch auf nichts anderes mehr stützen müssen, um bewusst sein zu können, um Dinge erkennen zu können.

(10.11) As long as there is a substantially existent (potential for awareness, which is not different from the static “person” or “self” and which has) the function (of causing the “person” to have cognitions), it will never fluctuate (from doing this) until (the “person”) disintegrates. But, as (you assert that) the “person” exists (statically, forever), it is unreasonable to say its cognitions ever cease to exist. 
And also, if a conscious “self” is static and permanent, it should not ever stop being conscious of something that it’s conscious of.

Und wäre das „Selbst“ darüber hinaus statisch und beständig und zugleich ein bewusstes „Selbst“, dann sollte es niemals aufhören, sich eines bestimmten Objektes, dessen es sich bewusst ist, bewusst zu sein.

That was an argument that Shantideva used. If it’s conscious of something and static, that means it never changes, so it should be conscious of the thing forever.

Denn wenn man etwas hat, was bewusst ist und sich einer bestimmten Sache bewusst ist und das gleiche Phänomen ist statisch, ja dann müsste es ja, das Bewusstsein nie aufhören sich dieser Sache bewusst sein.

(10.17) (A “self,” as asserted by you Vaisheshikas, that) has actions cannot (also) be static. And (also), one that extends to all (times and places) cannot have actions (such as coming and going. Thus, your assertions about it are self-contradictory). Further, (a “self”) that did not have actions would be tantamount to its being nonexistent. (Therefore,) why not rejoice in (the fact that there is) no (truly existent) “self”? 
Also, a “self” that pervades the whole universe all of the time – as asserted by the Nyaya-Vaisheshikas – that’s illogical, because then it couldn’t come here or go there.

Und auch die Samkya-Vorstellung, dass das „Selbst“ das gesamte Universum ständig ausfüllt, wie eben die Nyaya-Vaisheshikas annehmen, die ist widersprüchlich und unlogisch, weil das Selbst dann weder dahin noch dorthin kommen könnte.

You know, this idea that the “self” is the whole size of the whole universe – I’m the whole universe.

Das heißt, es gibt ja vielleicht die Vorstellung, dass das „Selbst“ das gesamte Universum ausfüllt, dass man das gesamte Universum ist.

This idea doesn’t make any sense, because then how could you go from here to there if you’re pervading the whole universe?

Aber wenn das so wäre, wie könnte das Selbst eben mal da und mal dort sein, wenn es doch andererseits das gesamte Universum durchdringt.

(10.21) But suppose (you say that although there is no truly existent “self” in recurring samsaric existence, yet the liberated “self” has truly established existence. Well then,) the liberated (“self”) must be non-truly existent, as it previously also was non-truly existent. (This is because) whatever is seen concerning (the voidness of a “self”) that does not possess (any relation with anything else) is explained as being its nature (whether liberated or not). 
And also the Vedanta assertion is illogical – to say that a non-liberated “self” is an illusion.

Und die… Und einige Vedantas sind der Meinung, dass es ein, dass ein unbeständiges „Selbst“ eine Illusion ist.

They say the atman is maya, in terms of (in samsara) illusion, and not truly existent;

Also sie sagen Atman ist Maya, solange, also Illusion, eine Illusion, solange man sich im Samsara befindet.

but a liberated “self” is truly existent.

Aber dass dann dieses „Selbst“ eben andererseits zu etwa, und dass das „Selbst“, während es eben im Samsara befindlich ist, nicht wahrhaft existiert, aber dass es dann mit der Befreiung wahrhaft existiert und keine Illusion mehr ist.

How can an illusion turn into something truly existent?

Und dann stellt sich halt die Frage, wie kann eine Illusion sich in etwas wahrhaft vorhandenes verwandeln?

And all of this, you’re saying, is on the basis of a static “self.”

Und all das auch noch auf der Grundlage eines wahrhaft existierenden, also eines wahrhaft,… wie könnte diese Verwandlung sich auf der Grundlage eines statischen „Selbstes“ vollziehen? Das ist also auch unlogisch.

So your system is completely illogical.

Also ist das gesamte, dieses gesamte System in sich logisch widersprüchlich.

Also, of course, they don’t really address the issue of some systems answering back and saying, “Well, of course our system isn’t logical; it’s beyond logic.”

Und ein Punkt, der hier natürlich nicht angesprochen wird, oder der hier nicht angesprochen wird, ist, dass dann einige Systeme auch antworten, natürlich ist unser System nicht logisch, weil das eben jenseits der Logik ist.

But that is a very difficult issue to debate.

Das ist dann natürlich ein bisschen ne schwierige Frage, wenn man über diese Punkte debattieren will.

This is why Shantideva, in the beginning of his ninth chapter, says that in order to engage in a debate between two systems there has to be at least some commonly-accepted ground.

Aber Shantideva macht eben am Anfang seines neunten Kapitels auch klar, dass man zumindest ne gewisse gemeinsame Basis braucht, um überhaupt in ne Debatte und nen Dialog eintreten zu können.

The minimum is that you both have to accept the validity of logic, and the same system of logic, in order to engage in a debate.

Zumindest muss man eben sich einig sein über die Gültigkeit von Logik und über, und muss sich einig sein, dass ein bestimmtes logisches System gültig ist, damit man eben in eine Debatte eintreten kann.

That actually is an issue that is debated between Svatantrika and Prasangika.

Das ist auch ne Frage, die zwischen den Svatantrikas und Prasangikas debattiert wird,

Is there such a thing as inherently existent logic?

ob es eben so was wie inhärente Logik im Universum selbst gibt.

Is the universe inherently, from its own side, logical?

Ob das Universum von sich aus etwas Logisches ist.

It’s an interesting metaphysical question.

Und das ist echt ne interessante metaphysische Frage.

Just as a comment on that:

Und nur als ne Anmerkung:

There are many different ways that a mind could explain the universe.

Das Bewusstsein kann natürlich oder Bewusstseine können das Universum natürlich auf die verschiedensten Arten erklären.

And one way is through logic, but that is only established through mental labeling and concepts.

Und eine Erklärungsweise ist eben aufgrund von Logik. Aber diese Logik selbst existiert also auch wieder nur oder wird nur, ja, untermauert aufgrund von geistiger Benennung.

That would be the Prasangika answer.

Das wäre also die Prasangika-Antwort auf diese Frage.

There’s nothing on the side of the universe, findable, that would be the laws of logic – or the laws of physics, for that matter – it’s just the attempts of a mind to make sense out of what it perceives.

Es wäre also dann laut ihrer Meinung nichts im Universum wirklich auffindbar vorhanden, was dann die Gesetze der Logik sind oder beispielsweise auch die Gesetze der Physik. Sondern das sind alles Versuche des Geistes, das, ja, dem einen Sinn zu verleihen oder das zu verstehen, was man erfasst, was man wahrnimmt.

That’s an important point for the philosophy of science.

Und das ist auch ein wichtiger Punkt in der Wissenschaftsphilosophie,

Is there really only one law which is correct that explains the universe

obs nur ein einziges Gesetz gibt, was dann korrekt das Universum beschreibt. Das ist also ne wesentliche Frage.

 

Chapter Eleven: Indicating the Meditations for Refuting (Truly Existent) Time

Chapter eleven is “Indicating the Meditations for Refuting Truly Existent Time.”

Dann kommen wir zum elften Kapitel, dem „Aufzeigen von Methoden zur Widerlegung von Wahrhaft existenter Zeit“.

This is perhaps the most difficult chapter.

Das ist vielleicht das schwierigste Kapitel.

(11.1) When the vase has not yet come about, the vase that will be present does not exist, nor does (the vase) that will later have passed away. (Otherwise, if the past, present, and future were static and truly existent as you Vaidantikas claim, then) since both (the vase that will be present and the one that will have passed would already be existing when they had) not yet come about, then (in fact) there would be no (time when they had) not yet come. 
If the past, present, and future were static and truly existent, as the followers of Vedanta assert, then the no-longer-existing vase, the presently-existing vase, and the not-yet-existing vase would all exist forever and there would be no need to produce anything.

Also wenn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft statisch und wahrhaft existent wären, dann wäre eine nicht mehr existierende Vase eine gegenwärtig existierende Vase und eine noch nicht existierende Vase ewig vorhanden und es wäre keine, es würde keine Notwendigkeit bestehen, irgendwas zu erzeugen.

These are actually really very, very interesting questions because, at least from science fiction, they somehow have the view or opinion that you could travel to the future.

Okay, also das sind dann sehr interessante Fragen, die das ganze berührt. Und man hat ja dann zumindest in der Science Fiction so Vorstellungen und Ansichten, dass es vielleicht möglich sein könnte in die Zukunft zu reisen.

Well, if the future is happening now but just in some sort of different dimension, then why would you have to do anything to bring the future about?

Aber wenns eben so wäre, dass die Zukunft in irgend ner Form auch jetzt mit passiert und nur irgendwie in ner Art anderen Dimension, warum sollte man überhaupt irgendwas machen müssen dann; um die Zukunft herbeizuführen?

So it becomes very, very interesting and complicated. In fact we’ll have a weekend here in September about “Time.”

Also wir werden im September dann auch nen Wochenende haben, wo es eben um das Thema „Zeit“ geht.

[See: The Nature of Time as a Temporal Interval.]
Question: Like time-traveling?
Alex: About the whole analysis of time. And try to bring in relativistic time from Western science as well.

Um verschiedene Analysen des Themas Zeit und wo dann auch die relativistische Ansicht der Zeit ein bisschen vom Blickwinkel der westlichen Wissenschaft einbezogen wird.

Question: You’re not talking about Star Trek then?
Alex: Just a little about Star Trek.
(11.6) (If the three times were substantially existent, nonstatic functional phenomena, as you Vaibhashikas claim, and the past and future of an object were the same as that object itself, then) if the (vase) not yet come has (already) arisen, how could it not become (equivalent to) a present (vase that is here and now, since it has arisen and not yet ceased)? Either that (would be so), or if it has no arising, would the (vase) not yet come become eternal or what? (It would have to be eternal, since what is eternal and static has no arising.) 
If, like the Nyaya-Vaisheshikas and the Vaibhashikas, you assert that past, present, and future are impermanent and yet also truly existent, then how could anything change from being a truly not-yet-existing vase into a truly presently-existing vase and then into a truly no-longer-existing vase?

Würde man andererseits wie die Nyaya-Vaisheshikas annehmen, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unbeständig sind und trotzdem wahrhaft existent sind, wie könnte sich dann was verändern und erst eine wahrhaft noch nicht existierende Vase sein und sich dann zu einer wahrhaft gegenwärtig existierenden Vase verändern und dann zu einer wahrhaft nicht mehr existierenden Vase werden?

(11.8) As for the (vase) already passed away and the (vase) of the present, since these could not become impermanent (if they had substantial existence, because what has truly passed cannot disintegrate and what is truly present cannot be associated with a process of disintegration), then the third (time, namely that not yet come), which in aspect is different from these (two), cannot exist (as both substantially existent and impermanent either, since then it would be independent of the other two times). 
Also it’s illogical to assert, like some Vaibhashikas do, that there is a common denominator of the three times.

Und es ist auch widersprüchlich, wie einige Vaibhashikas das behaupten, dass es ein einen gemeinsamen Nenner eines Objektes in den drei Zeiten gibt.

In other words, the not-yet-existing vase and the presently-existing vase and the no-longer-existing vase are truly existent and identical with the truly existent vase itself – it’s the same vase that’s in the past, present and future (not-yet-happened, happening, and already-happened).

Das heißt, dass eine noch nicht existierende Vase, eine gegenwärtig existierende Vase und eine nicht mehr existierende Vase wahrhaft existieren und identisch mit der wahrhaft existierenden Vase selbst sind.

If that were the case, then all three times would be identical and nothing could disintegrate and pass away.

Denn dann wären ja alle drei Zeiten identisch und dann könnte auch nichts zerfallen und verschwinden.

I warned you this is the most difficult chapter to understand.

Und Alex hat ja schon darauf hingewiesen, dass dieses Kapitel das schwierigste ist wahrscheinlich.

One has to always keep in mind, in the discussion of time in Buddhism – and I think in the Indian schools as well – we don’t talk about “the past” and “the present” and “the future”;

Wie auch immer, wenn man im Buddhismus über Zeit spricht, da, oder auch generell in den indischen Schulen wahrscheinlich, dann gibt es nicht „die Vergangenheit“, „die Gegenwart“ und Zukunft;

we’re talking about “not yet happened,” “presently happening,” and “no longer happening.”

sondern es ist die Rede von „noch nicht geschehen“, „gegenwärtig geschehen“ und “nicht mehr geschehen“.

If you recall (some of you might have been here for the weekend that we had on negation phenomena), it all involves negation phenomena – “not yet happened” and “no longer happening.”

Das sind also, wenn einige in Er, erinnern sich vielleicht daran das Wochenende über Negation, das sind alles, oder sind Negationsphänomene, die hier, von denen, die hier im Spiel sind. Das heißt, dass „noch nicht geschehen“ und „nicht länger geschehen“, das sind Negationen.

[See: Negation Phenomena: How to Focus on Voidness (Emptiness).]
And this position in the Vaibhashika that we just mentioned – a lot of us have that.

Und was diese Vaibhashika-Ansicht über Zeit betrifft, die werden viele von uns in dieser Form auch haben.

It’s the concept that there is a “me” that stays the same and moves through time.

Wir haben eben vielleicht leicht die Vorstellung, dass es da ein „Ich“ gibt und dieses „Ich“ bewegt sich dann durch die Zeit.

Like it’s “me” in the past, “me” now, and “me” in the future, but it’s the same “me,” so there’s a common basis there, a common denominator.

Dann gibt es eben das „Ich“ der Vergangenheit, das „Ich“ der Gegenwart und das „Ich“ in der Zukunft, aber es ist das gleiche „Ich“. Es gibt ne gemeinsame Basis, es gibt nen gemeinsamen Nenner.

That’s the conception of time that they’re talking about here.

Also um diese Vorstellung geht es hier.

(11.10) It is unreasonable to say that whatever is to come about (later already) exists beforehand (as the substantially existent future). If what already existed were to arise (later), it would amount to what has already arisen (needing to) come about again. 
The next point Aryadeva makes is:

Der nächste Punkt, den Aryadeva eben auch gegen diese Vorstellungen anbringt, ist folgender:

If what did not yet exist already existed as a truly existent future, there’d be no need for it to arise – it would already be happening.

Wenn das, was noch nicht existiert, gleichzeitig die wahrhaft existierende Zukunft dieses Phänomens ist, dann gäbs überhaupt keine Notwendigkeit, dass etwas erst noch entsteht.

(11.13) If your Dharma (vows of the time not yet come already had substantial) existence without need to have done (any practice to develop an interest in taking them), then definitely to restrain (yourself by taking them) would become pointless. Why make even a little (effort)? A result (of your effort) would be impossible, as (your vows of the time not yet come would already be substantially) existent. 
And the example that he uses is: If your not-yet-existing vows already truly existed, why bother to make any effort to take them?

Und ein Beispiel, was er dafür bringt, ist die, wenn die noch nicht existierenden Gelübde bereits wahrhaft existieren würden, warum sollte man sich dann überhaupt bemühen um sie zu nehmen?

Participant: Yes, I agree. But your first sentence says “if what did not yet exist already existed as a truly existent future,” not as a truly existent present.
Alex: It will arise as the present. You have the future truly exists. As I said earlier this morning, let’s not get into debates about each of these points of logic, otherwise we will need to spend a whole day on each point.
(11.14) (If disturbing emotions and suffering not yet come did not exist as nonstatic, functional, objective phenomena, but only as static, nonfunctional, metaphysical ones, as you Sautrantikas believe, then) you would already be liberated without need to tighten (your effort to develop true pathway minds that cognize voidness). Like (arhats) who were freed, (disturbing emotions and suffering) not yet come would not exist (objectively at all for you and therefore could never come to affect you). And if that were so, then when desire indeed came about in (your mental continuum, which should have been) without (any future) attachment, (it would come about without cause, as if in the mental continuum of an arhat). 
The next point: If, like the Sautrantikas, you assert that your not-yet-happening suffering existed as a truly existent static metaphysical entity, which they say doesn’t truly exist – I think we have to fill that in here in the written form – then you would already be liberated, and there would be no need for Dharma practice, since it could never become a presently-happening suffering... No. Forget what I said. Forget what I said. I got a little bit complicated here.

Und würde man jetzt wie die Sautrantikas annehmen, dass das noch nicht geschehende Leiden als ein

If, like the Sautrantikas, you assert that your not-yet-happening suffering existed as a truly existent static metaphysical entity – let’s leave aside this issue of true existence…
Participant: But you’re saying it is truly existent.
Alex: That why I said “let’s leave it aside.” Because there’s two different opinions on this, Panchen and Jetsunpa. So there would be two different ways of interpreting the verse.

Gut, wenn man also wie die Sautantrikas

If you do it the Panchen way, then the way that it’s written here in my outline – “truly existent metaphysical entity” – would count. If you wanted to explain it by Jetsunpa then you’d have to change that to “not truly existing,” which means...  Anyway, let’s leave it.
And, in any case, truly existing – now I’m getting a little bit more clarity on that – is being defined here in the Prasangika way, not the Sautrantika way. So, regardless of the two positions in Sautrantika, both of them assert that things have true existence – the metaphysical entities have true existence – the way that it’s defined in the Prasangika way.
That is why I don’t want to go into deep discussions of each point.

Also, jedenfalls, die… Gut, nochmal. Also die Sautantrikas sind jedenfalls der Meinung, dass es eine, dass ein, das Leiden, was noch nicht geschieht, als wahrhaft existente statische metaphysische Entität existiert. Und wenn das aber so wäre, dann wär man bereits befreit. Warum?  Dann würde ja, dann würde ja dieses Leiden, was eben wahrhaft als zukünftiges Leiden existiert, niemals gegenwärtig auftretendes Leiden werden, und dann bräuchte man natürlich auch andererseits keine Dharmapraxis, um sich vom Leiden zu befreien.

Of course I love this stuff, and His Holiness loves this stuff.

Und also dann kam bloß noch der Punkt, dass Alex sich unheimlich freut über diese Diskussion.

That is one of the characteristic features of somebody who should be taught voidness – is somebody who loves this stuff. If you don’t love this stuff, you’re not a proper vessel for learning about voidness. And that’s very true.

Und Alex meinte, ja, muss man sich auch drüber freuen. Das ist dann das Zeichen eines Gefäßes, der, das  bereit ist eben sich mit diesen Erklärungen zu beschäftigen. Dass einem das auch Spaß macht, man Interesse daran hat.

If you say, “Oh, this is too much. This is ridiculous. This is absurd!” you’re not ready yet to study voidness. Good point. Thank you.

Wenn man sagt ach nee, das ist alles unsinnig und lächerlich und absurd und so weiter, dann ist man eben nicht bereit diese Erklärungen wirklich zu studieren.

Question: If we find ourselves not to fit into this definition of being sufficiently receptive to understanding this type of depth of argument yet – so, in a sense, not ready yet to be a proper vessel for these deepest teachings on voidness – because, as Aryadeva says, we haven’t built up enough positive force to be open-minded enough and relaxed enough to be able to deal with this, then is it best not to go to the teachings on this?

Also die Frage war, was würde Alex empfehlen, wenn man jetzt das Gefühl hat, dass, man ist dann eben, man entspricht dieser Definition nicht und ist dann in diesem Sinne also kein geeignetes Gefäß für die Erklärungen über Leerheit. Sollte man dann bei den Erklärungen Seiner Heiligkeit nach dem zweiten Tag oder so, wenn eben diese Leerheitserklärungen vielleicht beginnen, einfach gehen?

Alex: No, that’s not the case.

Und Alex meinte, nein, nein, so ist das nicht gemeint.

Because Tibetans always say that it’s good to lay the instincts of hearing about this, even if you don’t understand it, because perhaps that will have some sort of contributing force in gaining the positive force.

Und, sondern die Tibeter sind der Meinung, dass es auch gut ist, die diese Instinkte zu setzen, indem man bei solchen Erklärungen dabei ist, selbst wenn man‘s vielleicht nicht sofort vollständig versteht. Und sie sind der Meinung, dass das mit dazu beitragen wird, positive Kraft aufzubauen, damit man diese Erklärungen besser verstehen kann.

That’s why Tibetans bring babies and bring their pet dogs to initiations and teachings – why you walk your dog around a stupa – to lay the instincts.

Was ja auch Aryadeva sagt, dass viel positive Kraft nötig ist, damit man diese Dinge verstehen kann. Und der Grund, das ist der Grund, warum die Tibeter dann sogar eben ihre Hunde oder kleine Kinder mit zu diesen tantrischen Einweihungen bringen. Oder der Grund, warum man vielleicht eben einen Hund auch mit um den Stupa rumführt. Eben um diese Instinkte zu setzen.

“Seeds for future lives,” the Tibetans would say.

Und damit dann, also die Tibeter nennen das dann eben „Samen für zukünftige Leben“ setzen.

However, one shouldn’t use that as an excuse for not trying to understand and not trying to follow.

Aber es ist natürlich auch kein, keine Ausrede dafür, dass man sich dann nicht bemühen sollte. Man sollte sich schon bemühen das zu verstehen und dem zu folgen.

Participant: Just sleep through the teaching.
(11.19) If (on the basis of true existence) time had an abiding (as something currently happening), it would never change (from being) the abiding time. (On the other hand, on the basis of true existence) how could (time) have no abiding, for then there could be no end to its not abiding (and nothing would ever occur)? 
If time had a truly existent occurring, then no moment of time could ever change from the state of occurring; it would always be occurring.

Und wenn man, wenn Zeit also ein wahrhaft existierendes Auftreten besitzen würde, dann wäre es so, dass kein einziger Augenblick sich jemals verändern würde, so dass er einen Zustand des Nichtauftretens erreichen würde.

And if time truly existently had no occurring, there could be no end to its not occurring, and so nothing could ever occur or happen.

Wäre andererseits Zeit als wahrhaft existent, also was Nicht-Auftretendes, dann könnte dieses Nicht-Auftreten niemals enden, und so könnte nie etwas auftreten oder geschehen. Und es würde also dann stets, es würde nie passieren, das würde also stets… 

That’s classic Prasangika.

Das ist ne klassische Prasangika-Argumentation.

Absurd conclusions that follow from both possibilities – whether time truly existently occurs or truly existently doesn’t occur.

Das ist also ne klassische Prasangika-Argumentation, dass mit absurden Schlussfolgerungen argumentiert wird und dass eben hier an dieser Stelle beide Möglichkeiten, ja, untersucht und widerlegt werden. Sowohl dass Zeit eben wahrhaft existieren könnte als etwas, das auftritt als auch dass Zeit wahrhaft existieren könnte, was nicht auftritt.

Is time happening? That’s the question.

Und, ja, kann man sich dann eben fragen, wie das mit der Zeit ist. Passiert die Zeit?

The clock is ticking. Does that mean time is happening?

Wenn die Uhr jetzt tickt, heißt das dann, dass die Zeit passiert?

Time is passing. Is there something that’s passing? Interesting questions.

Oder wenn Zeit vergeht, ist da wirklich was, was vergeht? Und so weiter.

 

Chapter Twelve: Indicating the Meditations for Refuting (Attraction to Distorted) Views

Chapter twelve: Indicating the Meditations for Refuting Attraction to Distorted Views.

Ja und dann kommen wir zum zwölften Kapitel, dem Aufzeigen von Methoden zur Widerlegung von Anhaftung an verzerrte Sichtweisen.

Here Aryadeva speaks particularly about the view of voidness and people’s attitudes towards voidness.

Hier spricht Aryadeva eben über die Sichtweise der Leerheit und insbesondere über die Einstellung von Schülern zur Leerheit.

(12.1) A listener who is upright and unbiased, has common sense (discrimination), and takes keen interest is described as being a proper vessel (for these voidness teachings. To the mind of such a suitable disciple,) the good qualities of the propounder (of the teachings) will not change into a different aspect (and appear as faults). Nor will (this change of good qualities into faults) happen with respect to the listener either
And he starts by explaining, with a very important line, a very famous line:

Und da gibt’s am Anfang eben nen sehr, ne sehr wichtige Zeile dazu:

A proper vessel for receiving the teachings on voidness is someone who is upright and unbiased.

Ein angemessenes Gefäß für das Erfahren der Lehren über Leerheit ist jemand, der aufrecht, unparteiisch oder unparteiisch ist.

That means that they’re not prejudiced to one view or another view, so they’re open-minded.

Der gesundes Unterscheidungsvermögen hat und der ein starkes Interesse an Leerheit besitzt. Und diese Unparteiischkeit, das bezieht sich eben darauf, dass jemand keine, kein Vorurteil für ne bestimmte Sichtweise hat, sondern eben offen ist.

And they’re honest; they’re willing to evaluate things honestly.

Die Ehrlichkeit bezieht sich darauf, dass jemand wirklich ernsthaft Dinge untersucht und dazu bereit ernsthaft dazu bereit ist Dinge zu untersuchen.

Has common sense (discrimination).

Dann sollte der Schüler eben auch gesunden Menschenverstand besitzen

So just general common sense – can discriminate between what’s correct and incorrect.

um Dinge zu unterscheiden, die korrekt oder eben fehlerhaft sind.

And takes keen interest in voidness.

Und es sollte eben ein starkes Interesse an Leerheit vorhanden sein.

You have to be really, really interested in it. This is what I was referring to with the aspect of really loving this type of stuff.

Das war, was Alex vorhin so ein bisschen angedeutet hat, als er meinte, es wär eben wichtig auch diese Sachen auch zu mögen.

And this verse is taken as the general definition for anybody who’s receptive for any aspect of the Dharma, not just concerning voidness.

Und diese Definition wird nicht nur als Definition eines passenden Schülers verwendet, der eben Leerheit verstehen möchte, sondern auch generell als Definition für jemanden, der offen und empfänglich ist für andere Aspekte des Dharma. Oder eben auch von Leerheit speziell.

(12.2) (Buddha) spoke of compulsive samsaric existence (as true suffering) and the method of (entering) compulsive existence (as the true origin of suffering), also the method of pacifying (both as the true pathway mind), and likewise their pacification (as a true stopping). But worldly ones, who (are improper vessels and therefore) cannot comprehend this at all, will attribute (the fault of their inability to understand) as if it were that of the Able Sage (Buddha). 
And, by way of contrast, those who are improper vessels for voidness say that the fault is Buddha’s if they can’t understand the four noble truths or voidness.

Und dann heißt es weiter im Gegensatz dazu, im Gegensatz dazu ist es so, dass jene, die keine gro, keine passenden Gefäße für den, keine passenden Gefäße sind, die nen Fehler beim Buddha sehen, wenn sie selbst die vier edlen Wahrheiten nicht verstehen können.

It’s like – I recall with Serkong Rinpoche that sometimes people, including myself, would complain about the way that the root texts were written, that it was really vague and difficult to understand, and so on.

Und also auch bei Serkong Rinpoche war es eben teilweise so, dass einige Leute, auch Alex selbst, sich dann teilweise beschwert haben, wie eben zum Beispiel diese Wurzeltexte geschrieben sind und dass sie eben vage geschrieben seien und schwer verständlich und so weiter.

And so first he scolded me saying that “Don’t think that Nagarjuna was stupid and a bad writer.

Und Serkong Rinpoche hat dann natürlich geschimpft und meinte, dass Nagarjuna sicher nicht dumm war und sicherlich nicht unfähig war

If he wanted to write more clearly, he certainly was capable of doing that.

vernünftig und verständlich zu schreiben.

It’s written in this way for a specific purpose.

Sondern dass diese Verse eben dann aus nem bestimmten Zweck in dieser Form geschrieben wurden.

And the problem is not the teachings – that it was Buddha’s fault or Nagarjuna’s fault and they didn’t explain more clearly – it’s your own fault that you’re not able to understand it.”

Und dass es nicht der Fehler des Buddhas oder der Fehler von Nagarjuna dann ist, wenn man etwas nicht versteht, sondern dass es an einem selbst liegt, dass es der eigene Fehler ist, wenn man etwas nicht versteht.

This is obviously in reference to great masters, like Buddha and Nagarjuna.

Das bezieht sich natürlich auf große Meister wie Buddha, wie den Buddha oder Nagarjuna

We’re not talking about some teachers who are in fact bad teachers and can’t explain things clearly. That’s something else.

und nicht auf schlechte Lehrer, die vielleicht Dinge einfach wirklich nicht gut erklären können,

Ordinary teachers.

auf gewöhnliche Lehrer.

(12.3) (You Samkhyas and Vaisheshikas) are really amazing – you wish to pass beyond sorrow (to nirvana) by giving up all (and yet you still cling to your belief in truly established existence). What reason is there (for you) not to be happy at these (teachings of voidness, since it’s the understanding of them that) will extricate all (your disturbing emotions and suffering)? 
It’s important, Aryadeva goes on, to rejoice in the teachings on voidness, to be happy about them, not grumble about them – that “Oh, this is so difficult. Let’s get to easier stuff.”

Aryadeva fährt dann fort und meint, dass es wesentlich ist, sich über die, sich an den Erklärungen über Leerheit zu erfreuen, das heißt auch, froh darüber zu sein, dass es sie gibt und nicht, ja, zu grummeln, ist ein blödes Wort, egal, nicht grummeln, dass die so schwer und so, ja, unverständlich sind.

Only by understanding them can you actually liberate yourself from suffering.
(12.5) Anyone who comes to develop indecisive wavering about the obscure phenomena spoken of by Buddha (can resolve his doubts by relying on the fact that his) teachings on voidness (are verifiably true. In this way,) he can develop confidence solely in this very (Sage also concerning phenomena extremely obscure). 
And then a point which is elaborated upon and considered a very important point in other aspects of the Buddha’s teachings. This is that by gaining confidence in Buddha’s teachings on voidness, you can become confident that Buddha is a valid source of information about extremely obscure phenomena as well, such as karma.

Und er sagt weiter, dass man, indem man Vertrauen in die Erklärungen über Leerheit gewinnt, die der Buddha eben gegeben hat, dass man dadurch auch Vertrauen gewinnen kann, dass der Buddha ne gültige Quelle für andere Informationen über äußerst verborgene Phänomene ist, wie zum Beispiel über Karma.

There’s the division of phenomena into obvious things (like objects that you can see or hear),

Das ist also ein wichtiger Punkt, der an anderen Stellen auch ausgedehnter besprochen wird. Also es gibt erst mal verschiedene Formen von Phänomenen, es gibt die offensichtlichen Phänomene, das sind also Dinge, die man sehen oder hören kann zum Beispiel.

obscure things that you can only know about by logic, and extremely obscure phenomena, which you can only know by relying on a valid source of information.  

Dann gibt es verborgene Phänomene, die kann man nur mit Hilfe von Logik erfassen. Und dann gibt es äußerst verborgene Phänomene, und die kann man nur erkennen, indem man sich auf eine gültige Quelle für diese Informationen stützt.

And then there is this big discussion in Dharmakirti’s Pramanavarttika proving that Buddha is a valid source of information about extremely obscure things such as karma.

Und Dharmakirti hat da in seinem Pramanavarttika einen Beweis oder eine Begründung dafür, warum der Buddha eben eine gültige Quelle für diese Art von Informationen ist.

And so an earlier discussion of this point, which is that if Buddha taught about voidness, which is obscure but can be established by logic, and if you gain the confidence that what he said about voidness is correct – and the only reason why Buddha was able to reach the point where he could explain and understand this was because of his compassion, then there’s no reason for a Buddha to lie about karma, about extremely obscure phenomena – therefore you can rely on Buddha as a valid source of information about it.

Und hier finden wir also ne frühere Diskussion, die diesen Punkt auch schon anspricht. Der Buddha hat eben Leerheit erklärt, die ein verborgenes Phänomen ist und die aufgrund von Logik begründet werden kann. Und wenn man dieses Verständnis von Leerheit dann eben für sich selbst gewinnt und wenn man versteht, dass der Buddha diese Erklärung nur geben konnte, indem er selbst aufgrund von Mitgefühl sich diese Möglichkeit erarbeitet hat, dann gibt es auch keinen Grund, die Aussagen des Buddhas bei anderen Dingen, wie zum Beispiel bei äußerst verborgenen Phänomenen, so wie Karma, zu bezweifeln.

That is, in brief, the line of reasoning that is used in Pramanavarttika.

Und das ist dann ganz kurz gefasst eben die Argumentation Dharmakirtis in seinem Pramanavarttika.

(12.8) Those who do not see (the advantages of meditation on voidness or the disadvantages of not so doing) do not (even) begin to fear (voidness), while those who do see (voidness) will in all ways turn away from (fearing it). Therefore, it is said that fear (of voidness) arises for sure (only) in those who know (only) a little (about it). 
Only those who know very little about voidness are afraid of it.

Es heißt weiter, dass eben nur diejenigen Angst vor Leerheit bekommen, die sehr wenig darüber wissen.

That’s very true in general – what you are afraid of is usually something that you don’t really know very well.

Und das ist auch, das ist generell auch sehr wahr, dass man eigentlich nur vor den Dingen Angst hat, die man nicht besonders gut kennt.

(12.9) What is completely certain about immature ones is that they are habituated to the (very) thing that causes them to enter (recurring samsaric existence, namely grasping for true existence); whereas, because they are not habituated (to voidness), they become frightened at that (very) thing which can turn them away (from samsaric existence). 
This is because they’re unaccustomed to voidness.

Der Grund dafür, dass man diese Angst bekommt, ist, dass man eben nicht mit Leerheit vertraut ist.

But because such people are very accustomed to ignorance and confusion, which leads them to further suffering, they are unafraid of that. So if we’re afraid of voidness, that is simply because we’re not used to it.

Sondern eben mit Verwirrung vertraut ist.

(12.12) (So,) to those who are unfit (vessels for the voidness teachings), it’s best (to teach in accord with their) grasping for impossible “souls” and not to teach (them) the lack of impossible “souls.” For (such a) one, (these teachings would cause him to) go to a worse rebirth state (by his misunderstanding); whereas for those who are out of the ordinary, (they will lead) to a state of peace. 
And if somebody is not used to it and afraid of it, Aryadeva says it’s better to teach them that there are truly existent selves, for those who are not fit vessels for teachings on voidness. Because if you teach them voidness prematurely, they might turn away from Dharma altogether.

Und wenn jetzt jemand wirklich Angst vor Leerheit besitzt und nicht daran gewöhnt ist, dann ist es besser, so ner Person zu erklären, dass die Phänomene wahrhaft existieren würden. Denn wenn jemand eben das ansonsten nicht verkraften kann, dann kann es sein, dass er sich sonst komplett vom Dharma abwendet, wenn man ihm voreilig Leerheit erklärt.

I forget where the quotation comes from, but the quotation that comes to my mind is that there isn’t anything which doesn’t become easy with familiarity.
Question: In Shantideva?
Alex: I think it’s in Shantideva, but I can’t remember exactly the verse. It’s in the patience chapter.

Also es gibt auch ein Zitat dazu, vermutlich von Shantideva aus dem Geduldskapitel, wo eben, wo es eben heißt, dass es nichts gibt, was durch Vertrautheit nicht leichter würde.

(12.15) This teaching (of voidness) was not spoken by the Thusly Gone (Buddhas) for the sake of debate; but be this as it may, it burns off (the wrong views of) the proponents of (all) other (teachings), like fuel by fire. 
Also, Buddha didn’t teach voidness just for the sake of debating.

Und der Buddha hat die Leerheit auch nicht mit dem Zweck der Debatte gelehrt.

But, still, it is able to burn off distorted views of opponents.

Auch wenn es so ist, dass sie trotzdem fehlerhafte Sichtweisen anderer ja, wie verbrennt.

(12.18) After seeing so many (Tirthika) holders of incorrect salvific views, which will become the seed for their meaningless (suffering in samsaric existence), who wouldn’t develop compassion for (these) beings who wish the teachings (for liberation)? 
But when you see holders of distorted views, whose distorted views just give them more and more suffering in samsara, they are appropriate objects of compassion, not to be seen as enemies to be defeated in debate “battle.”

Wenn man andererseits andere sieht, die eben fehlerhafte Sichtweisen haben und dadurch nur noch in mehr und mehr Leiden verstrickt werden, dann ist es doch schon so, dass sie eben angebracht, dass es angebracht ist, mit ihnen Mitgefühl zu haben. Und dass es nicht angebracht ist, sie eben als Feinde in nem Art Debatten-„Kampf“, Wettstreit zu sehen.

Good advice for people studying debate in the Buddhist monasteries.

Das ist dann auch ein guter Rat für Leute, die eben diese Debattenausbildung zum Beispiel im Kloster studieren.

(12.19) The ultimate Dharma of the Shakya(muni followers), the naked (Jains), and the brahmins – these three are upheld (respectively) by the mind, the eyes, and the ears. Because of that, the tradition of the classical texts of the Able Sage (Buddha) is the subtlest. 
Also, these teachings on voidness are far superior to the teachings of the brahmins and the Jains.

Und die Erklärungen über Leerheit sind den anderen Erklärungssystemen von Brahmanen oder Jainas bei weitem überlegen, heißt es.

(12.21) Just as (some) develop respect for the brahmins’ (tradition), because (they need only) have taken on (the recitation of) the Vedas: likewise (some) become kindly toward the naked (Jains’ tradition), because (they need only) take on deluded (actions such as exposing themselves to the elements). 
(12.22) Because the suffering (of the Jains’ asceticism) is the ripening of karma, how could it come to be (considered) a Dharma (practice)? It isn’t. And because birth (as a brahmin) is the ripening of karma, it’s not a Dharma (practice either). 
The Jains, in their final stages of their path to liberation, basically starve themselves to death.

Und bei den Jainas ist es so, dass sie auf der letzten Stufe ihres Pfades sich dann zu Tode hungern

This is because to do anything – to eat – you’re going to kill something.

aus, also einfach weil es so ist, wenn man was isst, dann würde es dazu führen, dass ein Lebewesen getötet wird.

And even to walk or to move, you’re going to step on something. And so, in the end, they don’t do anything like that.

Wenn man sich, wenn man läuft, wenn man sogar sich bewegt, und das ist eben der Grund, warum die dann irgendwann versuchen, überhaupt nichts mehr zu tun.

And Aryadeva points out that the suffering that the Jains impose on themselves for the sake of gaining liberation, like going naked in the winter and starving themselves, is the result of their karma – in the sense that they are imposing suffering, and so they experience this suffering as a result of karma – it’s certainly not a path to liberation.

Und Aryadeva meint eben, das Leiden, was sie sich dabei zufügen mit dem Ziel, dadurch Befreiung zu erreichen, wenn sie zum Beispiel dann im Winter nackt sind oder wenn sie eben sich selbst zu Tode hungern, das ist eine Wirkung ihres Karma, insofern eine Wirkung ihres Karma, weil sie eben sich dieses zufügen und entsprechende Ergebnisse erleben.

And being born as a brahmin and reciting the Vedas as your caste duty is also not a path to liberation, because that too is the result of karma – that you were born as a brahmin, and just doing your duty by reciting it.

Und auch bei der Geburt eines Brahmanen ist es so, dass das Rezitieren der Vedas einfach die die Pflicht ist, die man dann erfüllen muss, und deshalb kann es doch auch nicht Teil des Pfades zur Befreiung sein. Denn auch dieses, diese Pflicht, eben die, diese Schriften zu rezitieren und so weiter, ist einfach wieder ne Pflicht, die sich aus dem Karma mit der eigenen Geburt ergibt.

(12.23) The Thusly Gone (Buddhas) have said that the (practice of) Dharma is, in short, doing no harm (in order to attain a higher status rebirth) and (realizing) voidness, the (natural) state beyond sorrow (in order to attain liberation or enlightenment). In this (Buddha-Dharma), there are only these two. 
So, by contrast, Buddha taught that the practice of Dharma is simply two-fold:

Im Gegensatz dazu hat der Buddha eben erklärt, dass die Dharmapraxis einfach aus zwei Aspekten besteht oder auf zwei Aspekten beruht:

do no harm and understand voidness.

dass man einerseits keinen Schaden bewirkt und dass man andererseits Leerheit versteht.

Those are the two main points that Buddha taught.

Das sind also wirklich die zwei wesentlichen Punkte.

So “do no harm” goes in the area of discipline and also compassion;

Dann, wenn man, wenn kein Scha, keinen Schaden zuzufügen, das bezieht sich dann eben auf Disziplin und andererseits auch auf Mitgefühl;

and understanding voidness goes into the area of wisdom.

und das Verständnis von Leerheit ist dann eben die Seite der Weisheit.

So, therefore, Aryadeva concludes that everybody needs to try to develop interest in voidness.

Und Aryadeva weist eben darauf hin, dass es notwendig ist, dass es jeder ein Interesse an Entwicklung, an der Entwicklung des Verständnisses von Leerheit entwickeln sollte.

You might be a little bit surprised about this point, that Aryadeva says “don’t do harm” as one of the two most important aspects.

Es ist vielleicht erst mal ein bisschen überraschend, dass der Punkt „keinen Schaden anzurichten“ hier als einer der beiden wichtigsten Aspekte genannt wird.

But if you think about how His Holiness, citing other sources, explains a similar point – he says that one of the main things in Dharma, if you boil it down to its important points, is to try to help others;

Aber wenn man sich vor Augen führt, wie Seine Heiligkeit eben auf anderen Quellen beruhend teilweise Erklärungen gibt, dann läuft es oft auf nen, auf nen sehr, sehr ähnlichen Punkt hinaus. Und wenn man das eben letztlich auf das ganz Wesentliche runterbricht, dann läuft es eben darauf raus, dass man anderen helfen sollte, wenn man dazu in der Lage ist;

but if you can’t help, at least don’t do harm.

und wenn man das nicht kann, dann sollte man zumindest nicht schaden.

So that’s the bottom line – don’t do harm.

Das ist also das, woraus es dann letztlich rausläuft. Nicht zu schaden.

 

Chapter Thirteen: Indicating the Meditations for Refuting (Truly Existent) Cognitive Sensors and Cognitive Objects

Now for chapter thirteen:

Dann kommen wir zum dreizehnten Kapitel:

Indicating the Meditations for Refuting Truly Existent Cognitive Sensors and Cognitive Objects.

dem Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegung von wahrhaft existierenden Wahrnehmungssensoren und Wahrnehmungsobjekten.

Cognitive sensors are referring to the various physical cells, like the photosensitive cells of the eyes, the sound-sensitive of the ears, the smell-sensitive of the nose, and so on.

Wahrnehmungssensoren sind physische Zellen wie die photosensiti, lichtsensitiven Zellen im Auge oder klangempfindliche Zellen im Ohr, geruchsempfindliche Zellen in der Nase und so weiter.

Those are cognitive sensors;

Und diese sind eben diese Sensoren;

they’re a form of physical object, and cognitive objects.

das sind bestimmte Arten von physischen Phänomenen und die sind die Wahrnehmungsobjekte der als, also werden in ihrer wahren Existenz widerlegt.

That term “cognitive sensor” (dbang-po) most translators translate it as “sense power.”

Viele Übersetzer übersetzen den Begriff Wahrnehmungssensor als „Sinneskraft“.

I find that is not a clear translation, because “sense power” sounds like something much more abstract.

Aber der, aber Kraft ist ein recht abstrakter Begriff.

We’re talking about tiny little physical cells in the organs.

Und hier geht’s eigentlich um kleine körperliche Zellen, die innerhalb der Sinnesorgane existieren.

(13.1) You do not see absolutely everything about a vase at the time when you see (its) form. Who would state “(because) the vase (is perceived by) bare (visual) cognition” as a reason (to prove) its (truly existent) reality? 
(13.2) By this very (same) analysis, those with superior intelligence should refute fragrant odors, sweet (tastes), and smooth (tactile sensations as being truly existent and establishing the true existence of physical objects by the bare sensory cognition of them) – all (of them), each one. 
Aryadeva begins: you don’t see all qualities and aspects of a vase when you see its visible form.

Gut, Aryadeva fährt also fort und meint, dass man nicht alle Merkmale und alle Aspekte einer Vase sieht, wenn man ihre sichtbare Form sieht.

So how can bare visual cognition of a form establish the true existence of an object possessing other qualities as well, such as a touchable, tactile sensation and a smellable odor?

Wie kann dann die bloße sichtbare Wahrnehmung einer Form ihre wahre Existenz, die wahre Existenz eines Objektes etablieren, denn das Objekt besitzt ja eben nicht nur die Eigenschaft sichtbar zu sein, sondern eben auch andere Merkmale wie, dass es eben berührbar und von Tasterfahrung erlebt werden kann und dass es einen Geruch hat, den man riechen kann.

(13.3) Suppose that all (qualities of an object) were to become seen by (the visual cognition that) sees its form. Then, by (the fact that such visual cognition) does not see (that object’s odor – even if you would accept that) it sees its form – how could it not become the case that it does not see (the form either? This would absurdly follow because just as if it sees one quality, it should see all of them; likewise if it does not see one, it should not see any). 
Let us go over that. According to some assertions (some explanations of Sautrantika, for example), seeing something, the fact that something can be seen – can be an object of nonconceptual sense cognition – establishes that it truly exists.

Und es gibt also einige, es gibt also ne, die Ansicht, wie zum Beispiel bei einigen Svatrantika-Erklärungen, dass ein Objekt dadurch, dass man es zum Beispiel sehen kann, in seiner Existenz erwiesen ist.

And so if you can see, let’s say the vase, or we see an orange – the fruit – an orange, well, actually what you see is a colored shape;

Aber wenn man jetzt zum Beispiel ein Objekt wie ne Vase oder wie auch ne Orange, also die Frucht Orange sieht, dann sieht man eigentlich nur ne farbige Form.

you don’t see the smell of the orange, and you don’t see the taste of an orange.

Man sieht zum Beispiel nicht den Geruch des Objekts, den Geschmack des Objekts und so weiter.

But if just seeing the colored shape of an orange establishes that it truly exists – well, but it truly exists with all its other qualities.

Andererseits ist es aber trotzdem so, dass dieses Objekt diese Eigenschaften hat. Wenn man also meint, das Sehen einer farbigen Form alleine würde schon ausreichen, um die wahre Existenz, um die wahre Existenz des Objektes zu begründen, dann ist das schwierig, weil das Objekt eben mit all seinen Merkmalen existiert.

So if all of that comes in one package, then when you see the orange, you should also be able to know its smell and taste.

Und man ander und wenn man also, wenn es also wahrhaft existiert und man durch das Sehen das Objekt erfassen kann, dann müsste man es doch zwangsläufig auch mit all seinen Objekten erfahren, wenn man es eben, es eben sieht. Das ist also die Schlussfolgerung, die Aryadeva hier zieht.

And then the second part of that argument is:

Und der zweite Teil des Arguments ist dann eben umgekehrt:

And if it doesn’t truly cognize all the qualities of the vase or the orange when it sees it, then it can’t truly cognize any of them, including the visible form, if seeing it establishes that it truly exists, and if it truly exists it has all its qualities.

Wenn es so ist, dass man bestimmte Aspekte des Objektes nicht wahrnimmt, wenn man es zum Beispiel sieht, dann müsste es doch eigentlich dann daraus folgen, dass man überhaupt keine Aspekte des Objektes mehr sehen könnte, weil ja, inklusive der sichtbaren Form, weil ja diese Objekte alle Eigenschaften des Objekts sind, alle wahrhaft mit dem Objekt verbunden sind.

So, if you see it, you see all the qualities.

Das bedeutet also, wenn man behauptet, dass das Sehen die wahre Existenz des Objektes begründet, dann müsste man also, indem man das Objekt sieht, auch alle anderen Merkmale des Objektes, die wahrhaft mit ihm verbunden sind, erfahren können.

And if you don’t see all the qualities, you can’t see any of the qualities.

Oder andersrum, wenn man eben bestimmte Merkmale nicht erfahren würde, indem man es sieht, dann dürfte man auch die Form des, dieses Objektes nicht erfassen können.

That’s real Prasangika logic. This is because all the qualities are equally qualities present in the object if it truly exists.

Weil eben alle auf gleiche Art und Weise immerwährend gegenwärtig sind, alle diese Merkmale. Wenn es, wenn sie wahrhaft mit dem Phänomen verbunden sind.

(13.7) If the (truly existent) shape (of a vase) were different from (its truly existent) color, then how could (the visual cognition of the color) cognitively take the shape (as its object)? On the other hand, if they were not different, (but the same on the basis of true existence), then why, with your body (in the dark, does your visual cognition of the shape) not also cognitively take the color (as its object too)? 
Next: If the shape and color of a vase are truly existently different, how could a visual cognition of the color of a vase also cognize the shape of the vase?

Gut. Und wenn jetzt die Form und die Farbe einer Vase wahrhaft verschieden wären, wie könnte es dann sein, dass die Sicht, also die ja, Sichtwahrnehmung oder das Sehen einer Vase sowohl die Farbe als auch die Gestalt oder Form der Vase zugleich erfasst?

So, if they’re different, truly different, then when you see the color of the vase, you shouldn’t also be able to see the shape of the vase;

Denn wenn sie beide wahrhaft verschieden wären, dann dürfte man eben, wenn man die Farbe sieht zum Beispiel nicht die Gestalt sehen.

those should be separate things.

Denn wenn sie beide wahrhaft verschieden wären, dann dürfte man eben, wenn man die Farbe sieht zum Beispiel nicht die Gestalt sehen.

If they’re identical, truly existently identical, then when you hold a vase in your hand in the dark and you know the shape of the vase like that, why don’t you also know the color – if they are truly identical?

Und wäre es andererseits so, dass die Farbe und die Gestalt genau identisch wären, dann wäre es ja nicht möglich, dass man zum Beispiel im Dunkeln eine Vase berührt und durch das Ertasten der Form dann die Gestalt erkennt, ohne dass man zugleich auch die Farbe mit erkennen würde.

(13.9) Earth can be seen as firm and it can also be cognitively taken (as an object of tactile cognition) by the body. Therefore, (if the element of earth had truly established existence), you would need to say that earth could only be (an object of) touch (and not of sight and, moreover, could not be the cause of visible forms). 
Earth, for example – you can both see earth as something which is firm and solid, and you can also know it by tactile sensation, holding some earth or touching the earth, that it’s firm and solid.

Wenn man jetzt Erde als Beispiel nimmt, dann ist die etwas, was fest und solide ist und man kann sie als solches sehen und man kann sie auch durch Tasten als solches erkennen.

But if earth truly existed as an object of visual cognition, then it would have to exist only as that; it couldn’t also be an object of tactile cognition.

Wenn es aber so wäre, dass die Erde eben wahrhaft als Objekt des Sehens ex oder sichtbar als Objekt existiert, wie könnte sie dann gleichzeitig auch als Objekt des Tastens existieren.

(13.11) (The cognitive sensors of) the eye (do not truly exist and cognize form, because if they did, such cognition of a form) would arise (from something unrelated to it, and thus it could) likewise (arise from the cognitive sensors of) the ear. But what’s seen by the (cognitive sensors of) the eye is not (cognized) by any other (cognitive sensors. As this is difficult to comprehend), the ripening of karma (is even more difficult and) was therefore said by the Able Sage (Buddha) to be beyond imagination.
Now what about eye sensors? Truly existent eye sensors can’t cognize truly existent visible forms that are truly different from them.

Und wenn die Augensensoren, die, mit denen man eben etwas sieht, wahrhaft verschieden wären von dem, was sie erfassen, dann wäre eine solche Wahrnehmung eigentlich nicht, nicht tatsächlich möglich.

In other words, if you assert that the photosensitive [cells] of the eyes truly exist as one thing, and colored shapes or visible forms truly exist as something else, then they couldn’t be connected in any way; you couldn’t cognize them. And if you say that a visible form, a truly existent visible form, can be perceived by something which is truly totally different from it, then it could be perceived by ear sensors as well, because they also are truly different.
Do you follow that? If the two are totally different – the cells of the eyes and the visible form – as if they were encased in plastic, and you say that one can cognize the other, then you have something totally different and unrelated cognizing something else which is totally different and unrelated.

Also es ist klar, meint Alex, wenn man jetzt, wenn einerseits dieser Sensor völlig abgetrennt wäre und andererseits das Objekt völlig für sich wie so zwei Plastik, in Plastik abgekapselte Dinge, dann wären sie eigentlich überhaupt nicht miteinander verbunden, stünden überhaupt nicht in Beziehung.

So there’s no relationship, which means that anything could cognize anything.

Dann wäre es natürlich überhaupt nicht möglich, dass das eben dieses, dieser Sensor das Objekt erfassen könnte.

Now, for a large part of the discussion of this chapter, you have to understand the Indian analysis of sense perception, which you find in not only the Buddhist teachings but in the various non-Buddhist Indian teachings as well.

Jedenfalls ist es so, wenn sichtbare Form völlig verschieden wäre von dem, was sie wahrnimmt, dann wäre es überhaupt nicht möglich, dass diese Wahrnehmung tatsächlich passiert. Und es ist vielleicht ein bisschen wichtig für diese Diskussion von Sinneswahrnehmung zu verstehen, wie die indische Vorstellung von Sinneswahrnehmung eigentlich beschaffen ist, sowohl im Buddhismus als auch in nichtbuddhistischen Systemen.

According to this view of sense perception, the power of a cognitive sensor travels out to the sense objects in order to perceive them.

Wenn wir die Sinneswahrnehmung haben, dann ist die indische Vorstellung so, dass die Kraft oder die Energie der Sinneswahrnehmung zum Objekt hingeht.

That is something very difficult really to understand and to work out.

Es ist vielleicht ein bisschen schwierig vorzustellen oder zu verstehen.

It’s not that the sense information comes from outside in;

Aber die Vorstellung ist eben nicht so, dass die Sinnesinformation in die Sinne hineinkommt,

it’s that somehow sense perception works from the inside out.

sondern dass die Sinneswahrnehmung von innen nach außen arbeitet.

This allows for Indians to live, a thousand of them, on the floor of an Indian railway station and not go crazy.

Und diese Vorstellung erklärt dann eben, wie Inder es schaffen, dass sie eben zum Beispiel tausend von ihnen in ner Eisenbahnstation leben und schlafen,

Because you just don’t see the people that are on the cloth on the floor next to you, because your sense power doesn’t go out or your sense force or energy doesn’t go beyond the boundary.

Auf‘m, auf‘m Boden schlafen und einer neben dem andern, weil man den anderen dann eben einfach nicht wahrnimmt durch, also die Sinne  sozusagen darauf nicht richtet und nicht über die eigene Grenze hinausgeht.

Or if you’re on a crowded train and you put a cloth over your head, you’re not there, and so you can go to sleep like that and nobody will talk to you or bother you.

Und wenn man im Zug eben zum Beispiel sich das Gesicht mit nem Stück Stoff zudeckt, dann ist man sozusagen für die anderen nicht mehr existent und wird nicht belästigt.

If you don’t have something over your face, they will talk to you and bother you all night long.

Wenn man es aber nicht tut, dann ist man einfach da und dann wird die ganze Zeit mit einem geredet und die ganze Nacht wird man dann auf diese Art und Weise wach gehalten.

Or, on an Indian bus, they will be playing the video all night long, the same movie over and over and over again – or very loud music – because it’s a video coach, and if you complain they say, “Well, don’t listen to it.”

Oder wenn man eben in Indien Bus fährt, dann kann es eben sein, dass die ganze Nacht immer wieder der gleiche Film läuft mit enormer Lautstärke oder eben die ganze Zeit Musik läuft. Und wenn man sich dann beim Fahrer beschwert, kriegt man halt die Antwort, ja, man braucht ja nicht hinzuhören.

So you have to understand the Indian concept of sense perception, then their reply makes sense.

Und das ist also dann, wenn man indische, die indische Vorstellung von Sinneswahrnehmung versteht, dann hat das also ne gewisse Logik.

Now there are many logical fallacies, however, if all of this is based on true existence. But let’s first get the explanation of the general theory.

Allerdings wenn man diesen Prozess eben als wahrhaft existent ansieht, dann ergeben sich daraus ne ganze Menge Schwierigkeiten.

This is not so weird, actually, if you transpose the discussion from the energy of the cognitive sensors going out to our Western concept of attention. Does your attention go out to the object and you notice it? Or does the information come into your eye, and only then do you notice it and pay attention to it?
Participant: [missing]

Teilnehmer: [Das ist ja dann auch sehr interessant. Das heißt also, Wahrnehmung ist konditioniert. Also das Konzept ist in dem Menschen konditioniert. Die können das, wir können das nicht?]

Alex: Well, not really. The difference here is how you conceptualize and mentally label the process of cognition.

Ja, und Alex meint, es ist nicht wirklich so, dass die Wahrnehmung dann völlig anders ablaufen würde, sondern es ist eher ne andere Form den gleichen Prozess eben zu konzeptualisieren und zu benennen.

It’s not that it actually occurs differently in Indians than it does from Westerners;

Der eigentliche Ablauf ist natürlich bei nem indischen Menschen nicht anders als bei einem westlichen Menschen;

it’s just that they explain it differently.

Es ist einfach ne andere Form das zu erklären, was dann entsprechend abläuft.

So that’s mental labeling. It’s a good example of mental labeling. And a Western person, with a belief in “one God, one truth” etc., insists, “But how is it really?” wanting to find one true explanation of how it really exists.

Im Westen haben wir vielleicht so ein bisschen diese Einstellung „ein Gott, eine Wahrheit“ und wollen dann eben wissen, ja, wie ist es jetzt wirklich.

And this is a faulty way of thinking, according to all that we have been studying here. Everything is in terms of mental labeling.

Wie ist die eine wahre Erklärung, aber wie wir eben bei diesen Erklärungen jetzt hier vielleicht mitbekommen haben, ist es einfach ne fehlerhafte Vorstellung, dass es nun genau eine einzige unwiderlegbare Weise gibt was zu erklären und die anderen sind nicht korrekt.

How you conceptualize something.

Es ist eben einfach ne verschiedene Konzeptualisierung des gleichen Begriffs, ne andere Benennung.

And I think it’s very important to understand how our Western way of thinking is conditioned very strongly by the Abrahamic traditions – that’s the modern term for Christianity, Judaism, and Islam.

Das ist also ein gutes Beispiel dafür, wie geistige Benennung eben funktioniert. Aber diese Abrahamische, wie man sagt, also die christlich-jüdisch-islamische Denkweise,

The Abrahamic traditions have this idea of “one God, one truth.” That influences very much – we want to know, “But how is it really?” 

die hat eben im Westen nen relativ großen Einfluss, dass man eben so denkt „ein Gott, eine Wahrheit“. Und so ist es aber eben nicht. Und es ist aber trotzdem nicht so ein merkwürdiges Konzept auch, was die Inder da haben. Also wenn man jetzt diesen Begriff der Sensoren, die da mit ihrer Energie nach außen gehen, mal durch die westliche Vorstellung der Aufmerksamkeit ersetzt, dann wäre es sozusagen so, als ob man entweder denkt, dass die Aufmerksamkeit nach draußen geht oder eben, dass Information reinkommt und man dann entweder für diese Information aufmerksam ist oder nicht.

(13.13) If those (truly existent) eye (sensors) were to possess the motion (of traveling to their object in order to perceive it, then) that which is distant would be seen after a longer time, (that which is close would be seen sooner, in which case the eye sensors see things differently and therefore cannot be truly existent. But, if the eye sensors did truly exist, then) why are forms that are extremely near and those at a great distance not (equally) clear (since both should be cognized the same)? 
Buddhism is not objecting here to this conceptualization of how sense perception works.

Diese Widerlegungen beziehen sich aber nicht auf dieses grundlegende Konzept, dass die Energie eben nach außen geht.

They agree that the energy of the cognitive sensors goes out to an object, but it can’t be based on truly established existence, according to Madhyamaka.

Auch im Buddhismus wird das so erklärt, dass die Energie der Sensoren eben zum Objekt hingeht, sondern was die Madhyamakas hier kritisieren, ist eben die Vorstellung, dass dieser ganze Prozess auf wahrer Existenz beruht.

They say if the power of a truly existent eye sensor had to travel out to an object in order to look at it, then it should take longer to see a distant object than it does to take a nearby object.

Und das heißt eben, dass wenn die Kraft eines wahrhaft vorhandenen Sensoren, Augensensors, bis hin zum Objekt reisen müsste, um es zu betrachten, dann müsste es länger dauern, um ferne Objekte zu betrachten als es für nahe Objekte dauert.

And if it takes the same time, then why is the nearby object clearer than a distant one?

Und es ist, wenn man jetzt sagt, es ist dauert gleich lange, dann hat man immer noch, dann hat man immer noch das Problem, dass eben Objekte, die weiter entfernt sind, weniger klar sind.

They should be the same, on the basis of truly existent eye sensors.

Sie sollten aber auch ebenso klar sein.

Participant: They should be equally clear.
Alex: They should be equally clear. You should be able to see them at the same time and see them clearly with the same clarity; it should be exactly the same. This is assuming that you don’t need glasses.
We don’t need to bring in here the idea of the speed of light, and so on, in terms of how that affects our perception of information from light coming into the eye.

Okay. Und wir wollen jetzt hier vielleicht nicht zu sehr in Diskussionen hineingehen, wie die Lichtgeschwindigkeit dann unsere Wahrnehmung beeinflusst, wenn man jetzt das westliche Modell zugrunde legt, nach dem eben die Wahrnehmungsinformationen in uns hinein, ins Auge hineinfallen.

But you can see this is in fact a very profound problem and discussion when we start talking about seeing stars, astronomical distances, and the amount of time it takes for the light to reach us.

Aber das ist schon ein recht interessantes Problem. Und wenn man eben zum Beispiel astronomische Entfernungen zugrunde legt und beispielsweise eben Sterne ankuckt, dann braucht es ja ne gewisse Zeit, dass das Licht uns erreicht.

And then that starts to affect the whole concept of time – Do you see the past?

Das ist dann so, dass man zum Beispiel in die Vergangenheit hineinsehen kann und so.

(13.14) If after (noticing) a form, the eye (sensors) travel (out to perceive it), there would be no advantage in its having traveled out, (since they would already have seen it). Or, (if they travel to see an object they haven’t yet seen and are unaware of, then) to say, “(I’m) definitely (going to see this object that I) wish to perceive” would be a lie (because your eye sensors would always travel blind and never could find the desired object). 
Now, if the eye sensor travels out to an object after having noticed it, what is the need to see it?

Gut. Und wenn also der Augensensor hin zum Objekt reist, nachdem er es bemerkt hat, dann wär ja eigentlich keine Notwendigkeit, dass der Sensor dieses Objekt eben bemerkt.

You have already seen it if you noticed it.

Denn man hätte es ja schon gesehen.

And if it travels out without having noticed the object, then it’s traveling out to look at an object without knowing that it’s going out to look at anything;

Wenn es aber eben, wenn der Sensor zum Objekt hinreist ohne es zu bemerken, dann würde es überhaupt nicht wissen, dass es etwas erfasst;

it’s just going out blind if it didn’t notice something and then looks at it.

das heißt es wäre wie blind.

(13.15) If the (truly existent) eye (sensors) cognitively took (truly existent) forms without (need to) travel (out to see them, then) they would have to see all such things. Any (eye sensors) that do not (need to travel to see) cannot have (any difference in their perception of objects whether) far (or near) or even (whether) obscured (or not). 
But if the power of the eye sensor didn’t have to travel out to its object, then it should be seeing everything all the time whether nearby or distant.

Und wenn die Kraft des Augensensors nicht zum Objekt hinreisen müsste, dann müsste man alles ständig, zu jeder Zeit sehen, egal ob‘s weit weg entfernt oder in der Nähe wäre;

Because all the light is coming in, whether it’s obvious or obscured.

egal ob‘s verborgen wäre oder offensichtlich.

(13.16) If the (truly existent) nature of all functional phenomena first appeared (established) in themselves, for instance, in the cognitive sensors, then) for what reason would the eye (sensors) not take (as its object) the eye (sensors) itself? (This would absurdly follow because, being truly existent as the perceiving agent, there should be nothing excluded from its range of vision, including itself.) 
 And also it should be able to see itself.

Und dann wäre der, dann sollte der, das Auge auch in der Lage sein sich selbst zu erkennen.

 

Chapter Fourteen: Indicating the Meditations for Refuting Grasping at Extremes

Vierzehntes Kapitel: Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegens des Greifens nach Extremen

(14.1) Any functional phenomenon (having true existence) could not have come about from having relied on something else. (Furthermore, upon ultimate analysis,) its (independently existing) nature should be established (by itself alone). But nothing at all exists like that. 
Aryadeva starts out with a very general point:

Aryadeva beginnt also mit nem sehr allgemeinen Punkt:

that a truly existent functional phenomenon could not come about from relying on anything else, since it should then exist totally independently by its own power.

Wenn ein wahrhaft existierendes funktionierendes Phänomen, wenn es so was gäbe, dann könnte es eigentlich nicht dadurch zustande sein, zustande kommen, dass es sich auf etwas anderes stützt, denn es müsste ja schon völlig losgelöst und unabhängig von anderem aus seiner eigenen Kraft existieren.

That’s Prasangika. Something truly exists and something on its side establishes its existence by its own power.

Wenn also etwas wahrhaft existent ist, laut Prasangika, wie gesagt, dann müsste es etwas sein, was von seiner eigenen Seite, aus eigener Kraft existiert.

So how could it be a functional phenomenon?

Wenn aber etwas aus eigener Kraft existiert, wie könnte es dann andererseits ein funktionierendes Phänomen sein?

It should exist encapsulated in plastic, the example that I usually use, with something inside it making it and establishing that it exists.

Es wäre völlig isoliert, so als ob es völlig in Plastik eingekapselt ist. Und wenn, und es müsste etwas in diesem Phänomen drinstecken, was von seiner Seite her existiert und was seine Existenz dann begründet.

So it wouldn’t have to have depended on causes and conditions to establish it.

Dann könnte es aber eben nicht abhängig von Ursache und Bedingungen sein.

His Holiness may then go into the whole discussion of dependent arising. Things are established – their existence is established – by dependent arising, the fact that they dependently arise.

Es kann sein, dass Seine Heiligkeit dann dieses als Grundlage nimmt, um eben die die Existenz zu beschreiben, oder um zu beschreiben, wie Dinge in Abhängigkeit oder durch, aufgrund des abhängigen Entstehens existieren und etabliert sind.

On a conventional level, functional phenomena dependently arise from causes and conditions;

Es gibt da zwei Ebenen. Auf der Ebene der konventionellen Phänomene ist es so, dass Dinge aufgrund von Ursache und Umständen zustande kommen.

and, with reference to the deepest truth, they dependently arise in terms of what words and concepts refer to.

Und auf der Ebene der tiefsten Wahrheit ist es so, dass Dinge in Abhängigkeit von dem zustande oder als das zustande kommen, worauf Worte und Konzepte sich beziehen.

Two levels of dependent arising, in terms of explanation of conventional truth and explanation of deepest truth.

Das sind also zwei verschiedene Ebenen des abhängigen Bestehens. Das abhängige Bestehen im Sinne der konventionellen und das abhängige Bestehen im Sinne der endgültigen oder tiefsten Wahrheit.

(14.3) (You Vaisheshikas) see the two (namely the universal “existence” and the particular substance “vase”) as being in dissimilar (truly existent categories) by definition. But then, if a vase were (truly) different from the phenomenon (“existence”), it would not be (reasonable for it itself to exist). Likewise, for what reason would the phenomenon (of “being existent”) not become (truly) different (and separate) from the vase, (thus also rendering a vase nonexistent)? 
Then Aryadeva goes on to refute the Nyaya-Vaisheshika type of assertion.

Und als nächstes widerlegt er also eine Position der Nyaya-Vaisheshikas

For them, they assert that there are all sorts of various types of phenomenon that exist truly existently and they sort of connect;

Dort ist es so, dass es die verschiedensten Phänomene gibt, die wahrhaft existieren, die dann miteinander verbunden sind;

there’s connectors that put them all together.

und diese Verbinder zwischen den einzelnen Phänomenen, die bringen die Phänomene dann zusammen.

And so they say, for instance, that there is such a thing as a “vase”;

Und wenn man also eine „Vase“ hat.

that’s one type of truly existent phenomenon.

Dann wäre die wahrhaft existent.

And then there is a universal category called “existence,” and that also truly exists.

Aber es gibt andererseits auch ne universelle Kategorie, und das wäre die „Existenz“, und auch die wäre wahrhaft existent.

And so then Aryadeva points out that if “vase” and the universal category “existence” were both truly existent as separate types of truly existent phenomenon, then your assertion of a “vase” truly existing as a separate category from “existence” makes no sense.

Und Aryadeva weist eben darauf hin, dass es ziemlich widersinnig ist, dass man einerseits die „Vase“ hat und die existiert wahrhaft, andererseits die „Existenz“ und die beiden sind wahrhaft getrennt voneinander und wahrhaft existent für sich.

The vase would have to be truly nonexistent.

Und er weist darauf hin, dass, wenn die „Vase“ als etwas existiert und aber als etwas existiert, was getrennt von der „Existenz“ selbst ist, dann müsste das ja bedeuten, dass die „Vase“ an sich eigentlich nicht existent ist.

How can you assert that there is a separate category called “existence” from a “vase”? You say that there is such a thing as a “vase,” which truly exists, but there’s also another category called “existence”. If they’re two separate things, then how can you posit something called “vase”? It would have to be nonexistent. That only because it’s connected with a stick, or something like that, to this other ball over here called “existence,” it exists.

Das kann also nicht sein, dass also die „Existenz“ eine getrennte Kategorie ist, die jenseits der „Vase“ existiert und erst dann damit verbunden wird, so als würde man irgendwie so mit nem Stock diese zwei Dinge dann irgendwie zusammen verbinden.

This is absolutely absurd.

Insofern kann man das also schlecht werten.

And these are not so wild ideas.

Und das ist nicht unbedingt so abwegig.

Sometimes we speak in terms of “something has come into existence,” as if existence were sort of a place or a thing that something could come into.

Also wir, also im Deutschen zum Beispiel  muss ich n bisschen ein anderes Beispiel bringen, aber im Deutschen sagt man zum Beispiel, dass etwas Existenz annimmt, so als ob Existenz annimmt. Im Englischen sagt man come into existence, also das wäre dann in die Existenz hineinkommen, als ob‘s ein eigener Ort wäre. Wie auch immer. Jedenfalls haben wir sogar solche Ausdrucksweisen.

And then that gets into a whole big discussion, which we had in Shantideva: Does something exist or not exist before it comes to exist? Can a nonexistent thing turn into an existent thing?

Und in nem Shantideva-Kurs hatten wir auch ne große Diskussion über das Entstehen von Dingen, nämlich bezogen auf das Problem der Abtreibung. Und auch dort ist ja die Frage. Wie ist das? Existiert jetzt was, in welcher Form existiert jetzt was, bevor es zum Beispiel entstanden ist. Gibt es also etwas oder existiert etwas, bevor es schon entstanden ist zum Beispiel.

Let me just add something to that, because it was, I thought, a very important and interesting point. Remember, we related that to the whole discussion of abortion. Is it that before a certain period of time the human being doesn’t exist?

Ist es so jetzt, dass ein Mensch, bevor vor der und der Zeitspanne noch nicht existiert

And then, after a certain number of weeks, it does exist as a human being?

und nach so und so viel Wochen existiert dann auf einmal ein Mensch.

And so how can you have a nonexistent thing turn into an existent thing?

Wie kann sich also etwas nicht Existierendes in etwas Existierendes verwandeln?

This is behind a lot of the discussions about abortion.

Das ist also ne schwierige Frage und die liegt eben vielen dieser Diskussionen auch durchaus zugrunde.

It doesn’t exist yet as a human being – it’s not a human being – before a certain period of its development.

Dass es eben zu nem bestimmten Zeitpunkt der Fötus vielleicht noch nicht als Mensch existiert angeblich und zu einem bestimmten Zeitpunkt ist er dann ein Mensch.

So these are not just weird metaphysical abstract discussions. They have application.

Also sind das nicht einfach nur irgendwelche absonderlichen abwegigen Ideen.

(14.7) A vase cannot be (truly existent) as one (with its eight types of constituent sub-particles as you Sautrantikas assert. This is) because, being not separate (in nature from its eight types of sub-particles, which each have their own individual) defining characteristics, (it too, as a single unit, would have to exist as eight truly existent things). But, as each (of the eight sub-particles alone) is not the vase, it is not reasonable for (the vase to exist) in a multiple manner (as something truly existing separately from the eight). 
Then Aryadeva begins a long discussion with many examples with the example of a vase.

Dann kommen wir zur nächsten Diskussion. Und diese Diskussion wird von Aryadeva am Beispiel einer Vase abgehandelt.

They always love this example of the vase they use. The example of a vase being truly…

Vase ist immer ein sehr beliebtes Objekt.

You see, according to most Buddhist theories – and here he’s pointing particularly to Sautrantika – there are eight types of particles that constitute physical matter. This is from abhidharma, actually.

Wenn man also eine, und hier ist es so, dass er also ne Sichtweise aufgreift, die aus dem Abhidharma kommt und unter anderem bei den Sautantrikas verwendet wird, nämlich, dass jeder Gegenstand aus acht verschiedenen Arten von Teilchen zusammengesetzt ist

And to say that – this is the whole discussion of one and many – if the vase, as a truly existent thing, is made up of eight truly existent different types of particles, if it’s the same then all these different types of particles have to be one and the same, and if it’s many then there has to be eight different vases, because there are eight different types of particles.

und wahrhaft aus diesen besteht. Und das ist also die Diskussion der Beziehung von eins und vielem. Und wenn also die Vase wahrhaft aus diesen acht verschiedenen Arten von Teilchen besteht, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn diese Teilchen alle eins sind mit der Vase, dann wäre das Problem, dass auch die Teilchen gleich sein müssten und eben nicht acht verschiedene Arten von Teilchen sein könnten. Wenn es andererseits so wäre, dass eben es acht verschiedene Arten von Teilchen gibt, aus denen die Vase besteht, dann müsste man eigentlich sagen, dass es acht verschiedene Vasen gibt.

So this gets into the whole discussion of “neither one nor many,” which is a very detailed discussion – we don’t have time to go into it – but then Aryadeva applies it to many, many different examples, and the rest of the chapter is basically devoted to that.

Diese Diskussion, dass Dinge weder eins noch wahr, weder wahrhaft eins noch wahrhaft vieles sind, die wird dann von Aryadeva eben noch detaillierter ausgeführt. Und es, er wendet sie auf viele verschiedene Beispiele an, aber wir haben jetzt hier nicht die Zeit das weiter zu besprechen. Jedenfalls ist dann, ist es bei dieser Diskussion dann so, dass sie sich über den Rest dieses Kapitels erstreckt.

(14.21) For (refuting the various philosophical) positions of (asserting) existence, nonexistence, both existence and nonexistence and neither existence nor nonexistence, the learned should always apply (such lines of reasoning as analyzing whether things are truly existently) one and so on. 
And Aryadeva concludes that this line of reasoning – neither one nor many – needs to be applied to refute all extreme views concerning either existence, nonexistence, both, or neither.

Und am Ende schließt Aryadeva dann eben mit der Aussage, dass wir diese Analyse, ob die Dinge eins oder vieles sind oder die Erkenntnis, dass sie weder wahrhaft eins noch viele sind, wahrhaft vieles sind, auf alle fehlerhaften Existenzweisen anwenden sollten. Und die verschiedenen Existenzweisen, die es eben zu widerlegen gilt, sind, dass die Dinge nicht wahrhaft als, also Aryadeva sagt, dass man also damit die Existent, die die Ansicht von „Existenz – Nichtexistenz“, von beidem, und von „weder – noch“ widerlegen kann.

Chapter Fifteen: Indicating the Meditations for Refuting Grasping at Affected Phenomena as Ultimately (Truly Arising)

Chapter fifteen: Indicating the Meditations for Refuting Grasping at Affected Phenomena as Ultimately Truly Arising.

Dann kommen wir zum fünfzehnten Kapitel, dem Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegung des Greifens nach beeinflussten Phänomenen als endgültig wahrhaft entstehend.

So this is discussing the whole issue of the arising of phenomena. Affected phenomena or functional phenomena are those that arise having been affected by causes and circumstances.

Und wenn wir also, also bedingte Phänomene sind eben die, die entstehen, nachdem sie von Ursachen und Bedingungen beeinflusst sind.

So now Aryadeva analyzes these arisings – are they ultimately truly existing?

Und wenn etwas – also und er analysiert jetzt eben, ob diese Dinge, die von anderen beeinflusst sind, ob diese wahrhaft existent sein können.

And the basic argument that’s being used here is that things can’t arise from something that is either the same as themselves or something different from themselves – neither the same nor different.

Und das Grundargument, was er hier eben anbringt, ist, dass Dinge nicht aus etwas entstehen können, mit dem sie, die mit dem Entstehenden identisch sind, aber auch nicht mit etwas, was von dem Entstehenden völlig verschieden ist.

(15.1) If at the last (moment of the cause, the result is truly) nonexistent and then it comes to arise (as truly existent, this is unreasonable, because then even a rabbit’s horn could arise). Therefore, how can something truly nonexistent arise? And if you accept that (the result truly) exists (at the time of the cause) and then comes to arise, (this is also unreasonable, because it would already have arisen and thus have no need to arise again). Therefore, how can something truly existently arise? 
So something truly nonexistent at the time of the cause can’t arise at the time of the result.

Wenn also etwas wahrhaft nicht existent wäre, zum Zeitpunkt der Ursache wahrhaft nicht existent wäre, dann könnte es zur Zeit der Wirkung auch nicht entstehen.

If it truly doesn’t exist, it can’t ever come to exist.

Wenn also etwas wahrhaft nicht existent ist, dann kann es später auch nicht zustande kommen.

But if a truly existent result already exists at the time of the cause, there’d be no need for it to arise again;

Wenn andererseits aber etwas als Wirkung wahrhaft existiert, während die Ursache noch existiert, zum Zeitpunkt der Ursache, dann wäre überhaupt keine Notwendigkeit vorhanden, dass es später zustande kommt,

it already existed.

denn es würde ja bereits existieren.

So the result can’t be either truly existent or truly nonexistent, in terms of at the time of the cause.

Eine Wirkung kann also zum Zeitpunkt der Ursache weder wahrhaft existent sein noch wahrhaft nicht existent sein.

(15.4) Just as there is no arising in which something (truly existent produces) the phenomenon of itself (because there is no need), likewise there is no arising in which something (truly existent produces) another phenomenon, (because the two would be truly different and unrelated). 
And, likewise, a truly existent cause can’t give rise to a truly existent result that’s either the same as itself or different from itself.

Und andererseits ist es so, dass die, dass eine bestimmte Ursache kein Phänomen hervorbringen kann, das der Ursache gleicht oder das völlig von der Ursache verschieden ist.

(15.5) (An arising) at the beginning, (an abiding) in the middle, and (a ceasing) at the end do not exist before something arises. And at (the time of each), the other two do not exist, (but yet they are not truly independent of each other). Just as each comes to begin (and thus there is no abiding or ceasing without an arising, likewise each comes to abide and to cease). 
Also, you can’t say that there are a truly existent arising, abiding, and ceasing, all three of these – this gets back to our problem in terms of the three times – since at the time of one of these happening the other two would be truly nonexistent and either could never happen or could never have happened.

Und als nächstes wird eben darauf hingewiesen, dass es kein wahrhaft existierendes Entstehen, Verweilen oder Vergehen geben kann. Da kommen wir auch wieder ein Stück zurück zu den drei Zeiten. Und der Grund dafür ist, dass wenn eines der drei existierend ist und dann wahrhaft existiert, dann müsste daraus folgen, dass die anderen beiden zu diesem Zeitpunkt eben wahrhaft nicht existent sind. Und daraus würde dann folgen, dass sie eben niemals zustande kommen beziehungsweise dass sie niemals hätten geschehen können.

In other words, if they only happen one at a time, and when they happen they truly exist, then when they’re not happening, or the arising has not happened, or the ceasing has not yet happened – or whatever – the other two would be nonexistent.

Das heißt, wenn nur eins dieser drei zur, zu einem Zeitpunkt zustande kommen kann und es ist eben das Entstehen zum Beispiel grade der Fall, dann kann das noch nicht Entstehen und das nicht mehr Entstehen, also beziehungsweise das Verweilen, Vergehen können dann nicht gleichzeitig existieren.

So they could never come to happen or never be the case that they already happened.

Sie wären stattdessen also völlig nichtexistent und es wäre nie ne Gelegenheit, dass sie zustande kommen könnten oder auftreten könnten.

(15.8) As it is the case that (when something) first arises (it is not old) because (it is new), then (if it were truly existent as new), what first arises could not become old. Later, even after it has completely arisen, (it would not be old), and still afterwards what arose (as truly new) could never have become (old). 
Also, if something that arises is truly new, it could never become old.

Und wenn etwas, das zustande kommt, wahrhaft neu ist, dann könnte es niemals alt werden.

(15.9) (Further,) a functional phenomenon of the present is not produced from its own (truly existent time present); it is not produced from a (truly existent time) not yet to come; nor is it (produced) from a (truly existent time) already passed. 
(15.10) Something that has (truly existently) arisen can have no coming and likewise no going to a ceasing. As this is the case, for what reason is (conventional) existence not like an illusion? 
(15.11) As a (truly existent) arising, abiding, and ceasing cannot occur simultaneously and cannot occur in stages, when can they come to occur? 
And so Aryadeva goes on with various lines of reasoning to show that truly existent arising, abiding, and ceasing can’t occur either separately and independently of each other, and they can’t occur simultaneously with each other.

Und Aryadeva fährt eben fort und kommt zu der Schlussfolgerung, dass wahrhaftes Entstehen, wahrhaftes Verweilen und wahrhaftes Vergehen weder getrennt und für sich existieren können noch gleichzeitig existieren können.

And so the question is: When do they happen? When do they occur? They don’t occur as truly existent things separately from each other, unrelated to each other, or all at the same time.

Denn auf welche Art und Weise sollten sie existieren, wenn sie wahrhaft existent sind? Sie können nicht wahrhaft getrennt und ohne Bezug zueinander existieren und sie können auch nicht alle zugleich miteinander existieren.

(15.16) While (something) is arising, because it is half (already) arisen (and half not yet arisen) the process of arising cannot be a (truly existent) arising (apart from these portions). Or else there would be the absurd conclusion that all (three times, namely the portion of not yet having arisen, the portion of arising now and the portion of already having arisen) would be the (truly existently) arising. 
And then Aryadeva goes into a big discussion about how does something change from not yet arising into arising, or from arising into abiding, or from abiding into ceasing.

Und als nächstes wird also diskutiert, wie etwas sich verändern kann, um zuerst eben nicht wahrhaft entstehend zu sein und dann aber zu einem Entstehen zu kommen. Oder eben vom Entstehen zum Verweilen überzugehen oder vom Verweilen zum Vergehen.

Is there an interval in between the two?

Und Aryadeva fragt eben, ob jetzt da ein Zwischen,

In between any of these two?

also eine, ein zeitlicher Zwischenraum dazwischen ist.

For instance, is there an interval between when a truly existent result does not yet exist and when it truly exists?

Und wenn eben diese Zeit dazwischen wäre, ob es dann also ne Zeit gäbe, wo etwas übergeht vom nicht wahrhaft existent sein zum wahrhaft existent sein.

And during that interval it half truly exists and half truly does not exist?

Und während dieses Übergangszeitraums vielleicht halb wahrhaft nicht existent und halb wahrhaft existent sein solle.

(15.20) (Well, if as you claim, the process of arising had true existence separately from and before what is to have arisen, then) when what is to have arisen (truly exists), at such a time there cannot exist the process of its arising (because the arising will have already ceased. Thus, you cannot establish that what has arisen was produced from this process of arising that you inferred to truly exist separately and before it. The two would be unrelated. And if you grant this, but say that on the basis of true existence what is to have arisen is in the process of arising, well then) when what is to have arisen is in the process of arising, at such a time what reason is there for it to have to be made to arise (again – it would already have arisen, being truly existent)? 
Then he analyzes when does the process of a truly existing arising occur. How can a truly existent arising exist before an object that truly arises?

Die nächste Frage ist also, wann der Prozess des wahrhaft, wahrhaften Entstehens vor sich geht. Wie kann also und wie kann etwas, was

What’s the connection? If you make arising into a truly existent thing, what’s the connection between that and the object that arises?

(15.23) (And suppose you further assert that) the process of arising, even before it has occurred, can be proclaimed to be (truly) existent (as a functional phenomenon), because later (it will come to be connected with the action of arising. Well then,) by that, (you would) in fact (be forced to conclude that only) what has not yet arisen arises (and that is unreasonable on the basis of true existence. After all,) what has not yet arisen is said to have not occurred (and therefore has not acquired the status of being the functional phenomenon of itself. Thus, it could not enter into the action of arising and) could not arise. 
Also, how can an arising truly exist before it’s occurred and then become connected to a truly existent object that is not yet arisen and, by that connection, make that object arise?
In other words, is arising an actual “thing,” like the Nyayas make out (they had existence as some sort of separate little “thing” encased in a plastic ball).

Das heißt, kann es sein, dass das Entstehen also ganz losgelöst unabhängig und getrennt vom Objekt existiert, so ein bisschen wie die Nyayas sich das vorstellen, dass das ein getrenntes Objekt ist fast wie in, in Plastik abgetrennt existiert.

So what about arising?

Und wie und wann würde dieses Entstehen dann vor sich gehen?

Is that something in a plastic ball by itself and then it connects to an object? How can you have an arising existing separately from an object that arises? And when does the arising occur?

Denn das Problem ist, wenn also das Entstehen vom Objekt unabhängig ist und getrennt ist, wie kann dann das Entstehen eines Phänomens wahrhaft existieren, bevor das Phänomen selbst aufgetreten ist? Und wie könnte dieses Entstehen dann mit dem Phänomen selbst verbunden sein, wenn das Objekt eben vorher ein wahrhaft, wahrhaftes, wahrhaft existentes Objekt war, das noch nicht aufgetreten wurde und dann durch dieses Zusammenkommen mit dem Entstehen erst zustande kommt.

This historical event hasn’t happened yet, and now there’s this thing called “arising,” and the arising comes – and how does that sort of connect to this event which hasn’t happened yet and, by means of that, then this event happens? This is absurd.

Das heißt, das wär wie die Vorstellung, dass ein bestimmtes historisches Ereignis, geschichtliches Ereignis noch nicht eingetreten ist und dann kommt das „Entstehen“ und es verbindet sich mit diesem Ereignis und dadurch kommt das Ereignis dann tatsächlich zustande, eben durch die Verbindung mit dem „Entstehen“.

It’s not that you plug some sort of not-yet-happened event into the wall and then, based on that, it arises, is it?

Das ist also ne widersinnige Vorstellung. Es ist nicht so, dass man ein noch nicht zustande kommendes Ergebnis irgendwie in die Steckdose steckt und dann kommt es zustande oder tritt auf.

Chapter Sixteen: Indicating How to Cause Teachers and Disciples to Gain Certainty (about Voidness)

Okay, last chapter. Sixteen: Indicating How to Cause Teachers and Disciples to Gain Certainty about Voidness.

Dann kommen wir zum letzten, zum sechzehnten Kapitel: dem Aufzeigen davon, wie Lehrer ihre Schüler dazu bringen Gewissheit über Leerheit zu bekommen oder zu gewinnen.

And this is the chapter in which, basically, Aryadeva refutes truly existent logic.

Und dort widerlegt Aryadeva also wahrhaft existierende Logik.

In other words, you gain certainty about voidness through logic – whether we talk about standard logic or Prasangika type of logic – but it’s not through truly existent logic.

Und es ist ja so, dass man durch oder mit Hilfe von Logik eben Gewissheit über die Leerheit gewinnt, aber ganz gleich, welche Form von Logik man verwendet, die allgemeine Logik oder die Prasangika-Logik, diese Logik ist ebenfalls dann nicht wahrhaft existent.

(16.1) All these chapters have been to refute individually any reasons (that may be given why), although (everything is) void (of true existence, others grasp at them) to be as if not devoid. 
So Aryadeva explains that all these chapters that he’s written, he’s written them in order to refute any reason somebody might give for grasping at things to not be void the way that Prasangika says.

Und Aryadeva erklärt eben, dass er all diese Kapitel deshalb geschrieben hat, um jegliche Vorstellung zu widerlegen, die man vorbringen könnte, um das Greifen nach, von Dingen als nichtleer zu unterstützen.

In other words, for them to be truly existent.

Das heißt, ebenso wie die Prasangikas es verstehen, das also dem Greifen nach Dingen als wahrhaft existent.

(16.2) When you (object) that it is improper to say that the author, subject matter, and likewise (the words of these chapters) are void (because they exist; well then, since) whatever arises from depending on (something else) is (void of true existence, therefore) these three as well are not (truly) existent. 
But even the author, the subject matter, and the words of the text are void of truly established existence.

Und er weist auch darauf hin, dass eben sogar der Autor des Textes und das Thema des Textes und die Worte des Textes leer von wahrhaft erwiesener Existenz sind.

(16.4) To counter another’s position and establish your own position, (you need to rely on reasoning). If one faction (merely) took pleasure in criticizing (the other), why wouldn’t they (be happy) to establish (their own position based merely on opinion, but not on logic)? 
But to counter another person’s position, or to prove your own position, you need to rely on logic and logical reasoning.

Und er fährt eben fort und meint, dass man Logik benutzen muss, um die eigene Position vorzubringen und um fehlerhafte Ansichten anderer zu widerlegen.

(16.5) If a position becomes not (reasonable if), upon thorough analysis, (what it asserts is found) not to be (a validly knowable phenomenon), then all three (assertions of things being truly existently) one (or many or beyond speech) and so on become untenable positions. 
And when, through logic, what you assert is not found to exist, then you must understand that what you assert does not exist at all.

Aber wenn eben etwas aufgrund von Analyse mit Hilfe von Logik nicht zu finden ist, dann muss man eben verstehen, dass das entsprechende, was widerlegt wurde, nicht im geringsten existiert.

Und ich hatte da nochmal nachgefragt, weil ja bei Prasangika, wenn man dort etwas nicht auffinden kann, dass das nicht, dass das doch nicht zwingend bedeutet, dass etwas nicht im geringsten existiert.

So he is explaining here that you need to use logic and, with logic, you can refute the existence of certain things.
(16.6) (If you say that) anything seen by bare (sensory) cognition, (such as) a vase, has (true existence, well) this (tradition that asserts the voidness of true existence) does not have (as part of its tenets such faulty) lines of reasoning coming from other (Mahayana Buddhist) traditions, (although) in other respects we have (assertions in common, such as the bodhichitta aim). 
And then he says: we Prasangikas don’t use faulty lines of reasoning that even other Buddhists use. And he gives some examples of faulty lines of reasoning, which we won’t go into.
When you do this searching in a Prasangika sense, you are searching: is it findable?

Und Alex meinte dann eben, wenn man bei Prasangika sucht, auch etwas zu finden ist.

All of this is dealing with truly established existence. So when you show that truly established existence, let’s say truly existing aggregates and a truly existing “self,” that they’re neither one nor many, then you have to give up.

Und man geht zum Beispiel davon aus, dass die Aggregate wahrhaft existieren und dass das Selbst der Person wahrhaft existiert und dann untersucht man, ob die Aggregate und das Selbst wahrhaft eins miteinander oder wahrhaft getrennt sind, dann erkennt man, dass eben beides nicht der Fall ist.

If these two things exist truly, then they have to either exist as truly the same thing or truly different things.

Dass sie weder wahrhaft identisch noch wahrhaft verschieden sind.

There’s no other possibility. And if they can’t be found as either of those, then your whole basis for understanding this, the assertion of true existence, doesn’t exist. He’s referring to that.

Und wenn man dieses erkennt, dann ist auch die Grundlage für die Annahme, die beiden wären wahrhaft existent, nicht mehr gegeben.

And when it is said that, in Prasangika, that truly established existence can’t be found, not only when you analyze deepest truth, but when you analyze conventional truth, please remember that that’s a refutation of a Svatantrika point of view which says that, from a conventional point of view, things are established by self-nature (in other words, there’s something on its side that establishes it in connection with mental labeling), but from the deepest point of view, there’s nothing that can be found.

Und wenn man also zu dieser Schlussfolgerung kommt, dann muss man eben verstehen, dass diese Sichtweise der wahrhaften Existenz in dieser Situation vollständig aufzugeben ist. Dass sie nicht aufrechtzuerhalten ist. Und dass die Dinge, und andererseits kann man hier auch ne Svatantrika-Widerl, ne Widerlegung der Svatantrikas herauslesen, denn laut Prasangika ist es so, dass die wahrhaft begründete Existenz eines Phänomens auch nicht konventionell aufzufinden ist. Bei den Svatantrikas ist es ja so, dass sie die Sichtweise haben, dass die Dinge zum Teil aufgrund der Eigennatur des Objekts in ihrer Existenz erwiesen sind und zum anderen Teil aber eben erwiesen durch eine gültige Benennung, die mit dem Objekt in Verbindung gebracht wird.

That’s one aspect of Svatantrika. You can say, “Okay, on the deepest level you can’t find truly established existence. But conventionally things are truly established.” That’s the Svatantrika position.

Und die Svatantrikas sagen dann, dass aber wenn man eben nach der tiefsten Wahrheit des Phänomens sucht, dass es dann nicht aufzufinden ist.

And they [the Prasangikas] say that even conventionally you can’t find truly found existence – that’s not a reference to the actual conventionally existent phenomenon.

Und man kann aber es eben auch so verstehen, dass die Prasangikas dann diesen Punkt hier widerlegen, weil sie eben der Meinung sind, dass auch die konventionelle, es auch auf der konventionellen Ebene keine wahrhafte Existenz irgendeines Phänomens aufzufinden ist.

 (16.8) If (the position of voidness) were a truly existent position, then what is not that position (namely true existence) would (also) become truly existent as a position. (But since voidness is not truly existent,) what is not the position (of voidness) is not truly existent (either. As truly existent phenomena do not exist at all,) what could come to constitute the counter-set (of things that are not void of true existence, which would be necessary for establishing as a truly existent set everything that is void)? 
Also we Prasangikas, Aryadeva says, don’t even assert that voidness has truly established existence, the way that the Chittamatrins do.

Und er fährt eben fort und meint, dass Prasangikas keine fehlerhaften Begründungen benutzen, so wie das andere Buddhisten, zum Beispiel die Sautrantikas, tun, wenn sie der Meinung sind, dass die Wahrnehmung eines Phänomens durch bloße nichtkonzeptuelle Wahrnehmung wahrhaft existiert oder dass die Phänomene wahrhaft existieren, die von einer solchen bloßen nichtkonzeptuellen Wahrnehmung erfasst werden, eben weil sie erkannt werden können. Und außerdem nehmen die Prasangikas nicht an, dass einige Dinge wahrhaft erwiesene Existenz besitzen und einige nicht, wie die Chittamatrins dies denken.

Because if voidness, as a logical position to be proved, had true existence, then the counter-position (which is non-voidness) would also have to be truly existent, because the two components of a line of reasoning depend on each other.

Wenn man der Meinung ist, dass Leerheit als etwas, was man beweisen möchte, wahre Existenz besitzt, was die Chittamatrins denken, ihrer Meinung nach hat Leerheit wahre Existenz, dann wäre auch die Gegenposition, also Nicht-Leerheit, wahrhaft erwiesen, weil ja die zwei Teile einer logischen Begründung gegenseitig voneinander abhängig sind.

This is part of the structure of Indian logic. And so, since voidness is not truly existent, neither is non-voidness.

Da aber Leerheit nicht wahrhaft existiert, ist auch Nichtleerheit nicht wahrhaft existent.

(16.13) As there are no (truly existent) phenomena among all phenomena, it is unreasonable to divide (phenomena into truly existent and non-truly existent ones. The voidness) that is seen of all things cannot become a division (opposed to true existence, because everything is void). 
So it makes no sense, like the Chittamatrins do, to divide some phenomena into truly existent and some not truly existent, some void of true existence and some not void of true existence.

Aus genau diesem Grund kann man also nicht sagen, dass es eine Einteilung in zwei verschiedene Arten von Dingen gibt. In Dinge, die wahrhaft existieren und Dinge, die nicht wahrhaft existieren.

It’s because of that that you can’t say that there are two divisions – of things that truly exist and things that don’t truly exist. So things that are void and things that are not void.

Weil wahre Existenz und nichtwahre Existenz eben voneinander abhängig sind.

(16.14) If (we Prasangikas) were known as unanswerable to other positions because (we asserted the total) nonexistence (of everything), then why is it that your own position can be countered by the logic (of voidness) and not be established (by reason)? 
And if you accuse Prasangika as asserting that everything is totally nonexistent, then how is it that our logic is able to refute your position?

Gut. Und wenn die anderen die Prasangikas also beschuldigen, dass die Prasangikas behaupten würden, alles sei völlig nichtexistent, warum können die anderen dann mit ihrer Logik die Prasangikas nicht widerlegen?

(16.15) Even if you say (it is well known) in the world that lines of reasoning to undermine (voidness) are easy to find, why is it that you are unable to state (any) faults in our position of what is other (than true existence, namely voidness, which can withstand the test of logic)? 
And if you say that our Prasangika logic is absurd, then why can’t you find any faults in it?

Und wenn sie sagen, dass die Prasangika-Logik widersinnig ist, warum ist es den anderen dann nicht möglich, eben Fehler in der Prasangika-Logik zu finden?

(16.16) If by merely (your words) that (everything has) true existence, (everything) were to exist as truly existent phenomena, then why wouldn’t (everything) become non-truly existent merely by (our words) that (they are) non-truly existent? 
And if you can’t establish your position of non-voidness by logic, and it were correct simply because you say it is correct, then any position would be correct merely by saying that it’s correct.

Und wenn die anderen ihre Position der Nichtleerheit nicht beweisen können und wenn diese Position der anderen nur deshalb korrekt ist, bloß weil sie sie behaupten, dann wäre ja jede Position wahr, nur weil irgendjemand eben behauptet, dass dies der Fall ist.

(16.23) If functional phenomena existed with truly established existence, what benefit would there be from seeing voidness, (because it would be incorrect)? But since you are bound (with suffering in samsaric existence from) seeing with misconceptions (everything as being truly existent), therefore (an implied object of this grasping for true existence) is to be refuted here. 
Aryadeva concludes the text by saying:

Gut. Und zum Abschluss meint Aryadeva eben,

if phenomena had truly established existence, what benefit would there be in understanding voidness (because voidness would be incorrect)?

dass, wenn Phänomene wahrhaft erwiesene Existenz besitzen würden, dass es dann ja keinen Nutzen gäbe, wenn man Leerheit versteht. Denn dann wäre Leerheit ja fehlerhaft.

The Buddha taught voidness of truly established existence because it is correct, and it actually does get rid of suffering forever. It brings about a true stopping of suffering.

Der Buddha hat allerdings Leerheit gelehrt, die Leerheit von wahrhaft erwiesener Existenz. Und diese ist auch korrekt. Und ihr Verständnis beseitigt auch Leiden.

(16.25) (In short,) any position that (asserts either) true existence, total nonexistence, both true existence and nonexistence, (or neither) does not exist (as a valid one with the support of logic). Even after a very long time, (proponents of) such (positions) will never have the ability to expound an answer (that could refute voidness, because voidness is irrefutable).
So whether you assert truly established existence, truly established nonexistence, both, or neither, voidness refutes them all.

Das heißt, ganz gleich, ob man wahrhafte Existenz, wahrhaft erwiesene Nichtexistenz oder sowohl als auch oder nichts von beidem annimmt, in allen Fällen wird dies von der Leerheit widerlegt.

And with that he concludes the text.

Und damit endet der Text.

Conclusion

So this is a brief summary, then, of the sixteen chapters of Aryadeva’s Four Hundred Verses.

Und das ist also ne kurze Zusammenfassung dieser sechzehn Kapitel von Aryadevas Vierhundert Versen.

And we will just have to wait and see how His Holiness explains this, where he puts his emphasis, what he goes into detail about or not.

Und wir müssen uns einfach überraschen lassen, welche Punkte Seine Heiligkeit davon erklärt, wo er die Schwerpunkte setzt und ins Detail geht oder nicht.

But if we really want to study this text, we need to go through a long course of study, because each point in it is very deep, very profound, and, as we’ve seen, requires quite a lot of background knowledge in order to be able to understand it more fully.

Aber jedenfalls wer diesen Text wirklich ernsthaft studieren möchte, der sollte eben dann nen längeren, in nem längeren Verlauf diesen Text auch studieren, einfach weil jeder Punkt doch recht tiefgehend und recht tiefgründig ist. Und weil man ne ganze Menge Hintergrund braucht, um diese Diskussionen eben zu verstehen.

And we have to be very careful during these teachings not to feel frustrated, not to get annoyed, and not to get discouraged.

Und bei diesen Erklärungen ist es eben sehr, sehr wichtig, dass man dabei nicht jetzt frustriert wird darüber oder genervt oder entmutigt.

Because, as Aryadeva himself said very clearly, Buddha taught all of this, he taught all of this to eliminate suffering, and if you really want to gain liberation from suffering you have to understand this.

Denn wie Aryadeva eben auch, worauf Aryadeva auch hinweist, ist ja, dass der Buddha diese Dinge alle erklärt hat und dass er sie erklärt hat, um Leiden zu beseitigen. Und dass wir diese Dinge eben verstehen müssen, um letztlich Befreiung erreichen zu können.

Therefore, it is all taught for this purpose.

Und dass der Buddha all diese Dinge genau zu diesem Zweck gelehrt hat.

Therefore, if we really want to achieve liberation, it’s this type of material that we will need to understand, in one way or another.

Wenn man also wirklich Befreiung erreichen möchte, dann muss man sich eben mit diesem Material beschäftigen in der einen oder anderen Form.

Therefore, one develops great admiration for it, great intention to try to understand it, and inspiration from His Holiness and from Aryadeva etc. to be able to understand it.

Und muss eben ein Stück auch Bewunderung dafür aufbringen und ein Stück Intensität auch investieren. Und natürlich ist es auch wichtig Inspiration zu empfangen von Seiner Heiligkeit, von Aryadeva und so weiter, um diese Dinge wirklich verstehen zu können.

And then of course everything depends on the motivation.

Und es ist natürlich auch sehr abhängig von der eigenen Motivation.

Do we want to understand it because of renunciation of suffering and determination to be free of it ourselves?

Ob man das eben zum Beispiel tut aufgrund von Entsagung, weil man selbst frei von Leiden sein möchte.

Or, in addition to that, bodhichitta (we want to be able to help everybody else overcome suffering as well, through the understanding of this)?

Oder ob man es eben auch aufgrund von Bodhicitta tut, weil man anderen helfen möchte, ihr Leiden zu überwinden mit Hilfe dieses Verständnisses.

So, throughout the teaching, motivation is very, very important.

Und ob man, ja, und generell ist die Motivation sehr, sehr wesentlich.

Thank you – and dedication at the end.

Und es ist natürlich wesentlich dann am Ende jeweils eine Widmung durchzuführen.

Well, let’s end with a dedication. We think whatever understanding, whatever positive force has been built up by this, may it go deeper and deeper and act as a cause for reaching enlightenment for the benefit of all.