Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Einführung in die „Vierhundert Verse“

Alexander Berzin
Englisch und Deutsch, Berlin, Deutschland, Juni 2007

Teil 3: Hintergrundwissen zu Aryadevas achtem Kapitel über Leerheit, und eine Erörterung des neunten Kapitels (Widerlegung von statischen wirksamen Phänomenen)

Unbearbeitete Abschrift
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Introduction

We’ve been going through, in summary, the main points of the sixteen chapters of Aryadeva’s Four Hundred Verses.

Wir haben gestern begonnen uns mit den sechzehn Kapiteln von Aryadevas Vierhundert Versen und zu beschäftigen und dort die hauptsächlichen Punkte durchzusprechen.

And we saw that the first eight chapters speak about how to rid ourselves of incorrect views concerning conventional truth.

Und wir haben festgestellt, dass die ersten acht Kapitel sich damit beschäftigen, wie man fehlerhafte Ansichten über die konventionelle Wahrheit beseitigt.

And now we’re ready to look at the second eight chapters, which talk about how to overcome or rid ourselves of incorrect understanding of the deepest truth (in other words, voidness).

Und jetzt sind wir an der Stelle, dass wir zur zweiten Hälfte, zu den zweiten acht Kapiteln des Textes kommen können und dort wird erklärt, wie man fehlerhafte Ansichten über die tiefste Wahrheit überwinden kann, also über Leerheit.

And, as I mentioned yesterday, this second half of the text is extremely deep, profound, and difficult to understand, and requires a great deal of background.

Ja, und wie wir gestern bereits angesprochen haben, ist die zweite Hälfte des Textes sehr tief und sehr tiefgründig und deshalb schwer zu verstehen und es ist ne ganze Menge Hintergrundwissen notwendig, um diese zweite Hälfte des Textes wirklich zu verstehen.

The reason for that is that there are many different tenet systems of philosophical views about how things exist and what exists, both within the Buddhist sphere and the non-Buddhist Indian sphere,

Der Grund dafür ist, dass es sehr viele verschiedene Lehrmeinungssysteme gibt, die unterschiedliche Meinungen vertreten, wie bestimmte Dinge existieren, welche Dinge existieren. Und da gibt es sowohl verschiedene buddhistische als auch verschiedene indische nichtbuddhistische Lehrmeinungssysteme.

and Aryadeva refers to most of them and refutes the various assertions of them which are incorrect from the point of view of the school that he represents, which is the Prasangika school within Madhyamaka.

Und die meisten dieser Systeme, auf die meisten dieser Systeme bezieht sich Aryadeva und widerlegt verschiedene Ansichten, die aus dem, die vom Blickwinkel seiner eigenen Schule, der von ihm vertretenen Schule verkehrt sind und fehlerhaft sind und seine eigene Schule ist eben die Prasangika-Schule innerhalb der Madhyamaka-Schule.

And this is considered by all the Tibetan traditions to be the deepest and most sophisticated view, the view that is necessary for actually achieving liberation and enlightenment.

Und diese Schule wird von den verschiedenen tibetischen Schulen als die tiefgründigste Sichtweise betrachtet. Und alle sind der Meinung, dass man diese Sichtweise benötigt, um Befreiung und Erleuchtung zu erreichen.

Although the other schools say that you can achieve liberation with their view.

Natürlich ist es so, dass die anderen Schulen auch von sich behaupten, dass ihre Sichtweise notwendig ist und dazu führt, dass man Erleuchtung erreichen kann.

The ones that Aryadeva specifically mentions and deals with are, within the non-Buddhist schools, Nyaya-Vaisheshika – Nyaya and Vaisheshika are two schools, but they assert very similar things – then Samkhya and Vedanta.

Aryadeva erwähnt verschiedene indische Schulen, nichtbuddhistische indische Schulen, mit denen er sich beschäftigt und deren Positionen er widerlegt, und eine davon ist Nyaya-Vaisheshika – Nyaya und Vaisheshika sind einerseits zwar zwei verschiedene Schulen, haben allerdings in vielen Punkten auch sehr ähnliche Ansichten. Dann die Samkhya-Schule und Vedanta.

It doesn’t specify which aspect of Vedanta, but it would obviously be very, very early – what later is called Vedanta, but basically based on the Upanishads.

Und Aryadeva schränkt nicht genauer ein, auf welche Form von Vedanta er sich bezieht, aber es ist klar, dass es ne sehr frühe Form von Vedanta sein muss, das, was später als Vedanta bezeichnet wird, ist etwas, was hauptsächlich dann auf den Upanishaden basiert.

And, within the Buddhist fold, he speaks primarily about various assertions by the Vaibhashika school, with a little bit of mention of Sautrantika, and only very brief points about Chittamatra.

Und bei den Anhängern des Buddhismus erwähnt er verschiedene Annahmen hauptsächlich der Vaibhashikas und ein wenig auch einige Annahmen der Sautantrikas, und nur sehr kurz geht er auf die Cittamatrin ein.

(Both Vaibhashika and Sautrantika are within the Hinayana systems. Chittamatra is Mahayana.)

(Und die Vaibhashikas und die Sautantrikas sind Hinayana-Schulen, Cittamatra ist eine Mahayana-Schule.)

 He also makes a little bit of mention of the Jain position, which is also non-Buddhist, but doesn’t go into its philosophical assertions.

Und er erwähnt auch die Jain-Schule etwas, die auch eine nicht-buddhistische Schule ist, aber  geht nicht auf ihre philosophischen Ansichten ein.

And, within Madhyamaka, there isn’t really a discussion specifically in terms of Prasangika versus Svatantrika, because this text could be interpreted in several ways within Madhyamaka.

Und innerhalb der Madhyamaka-Tradition gibt es in diesem Text jetzt nicht ne offene Diskussion der Prasangika-Position im Gegensatz zur Svatantrika-Position. Auch weil man diesen Text sowohl von der Prasangika als auch der Svatantrika Tradition des Madhyamakas interpretieren kann.

But one could certainly understand certain points that are being made here from the point of view of a Prasangika refutation of Svatantrika.

Aber einige Punkte, die der Text anspricht, kann man durchaus auf eine Svatantrika-Widerlegung vom Blickwinkel der Prasangikas aus betrachten.

Now all of these are very deep, profound philosophical systems, both the Buddhist and the non-Buddhist.

Und diese verschiedenen Lehrmeinungssysteme sind alle recht tiefgängig, tiefgründige Systeme, sowohl die buddhistischen als auch die nichtbuddhistischen.

And, given the time restrictions of the teachings here and the teachings His Holiness will be giving, I don’t think that it’s going to be possible for either myself or His Holiness to give all the background that would be necessary to be able to really follow the text in its profundity.

In Anbetracht der zeitlichen Beschränkung wird es allerdings weder Alex jetzt noch dann Seiner Heiligkeit wahrscheinlich möglich sein, nen größeren Hintergrund für diese verschiedenen Punkte zu geben und diese verschiedenen Ansichten zu erklären, so dass die Tiefe des Textes eben nicht vollständig dann aufgezeigt werden kann.

Also, concerning this Svatantrika-Prasangika distinction, you should realize that it was the Tibetans who made that clear distinction by giving it those names.

Und es ist auch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese Unterscheidung oder Einteilung in Svatantrika und Prasangika eine ist, die in dieser Form dann von den Tibetern getroffen worden ist, indem die Tibeter eben diese Namen Svatantrika und Prasangika vergeben haben.

And they base this on Madhyamaka commentaries written by Indian masters who lived after Nagarjuna and Aryadeva.

Und es ist so, dass diese Unterscheidung auch sich auf Madhyamaka-Kommentare bezieht, die nach Nagarjuna und Aryadeva entstanden sind.

So what is taught by Nagarjuna and Aryadeva, although they can be interpreted as (and the Gelugpas certainly do interpret it as) being very strongly Prasangika, it basically predates that type of clear distinction in different Indian commentarial traditions.

Andererseits ist es dennoch so, dass man die Texte von Nagarjuna und Aryadeva im Sinne der Svatantrika-Lehrmeinung interpretieren kann, was die Gelug-Tradition auch tut, aber diese Texte sind selbst halt früher als diese klare Einteilung in Svatantrika und Prasangika die, in die dann ein verschiedene indische Kommentare eingeteilt werden.

Also what is often very confusing is that these various schools, particularly the Buddhist ones, will use common technical terminology concerning modes of existence, and so on, which each school will define differently.

Dann kann es zusätzlich noch verwirrend sein, dass die verschiedenen Schulen, vor allem die verschiedenen buddhistischen Schulen, oft gemeinsame Begrifflichkeiten verwenden, zum Beispiel gemeinsame Begriffe haben für verschiedene Existenzweisen, die Phänomene haben können, dass allerdings dann diese einzelnen Begriffe von den verschiedenen Schulen unterschiedlich definiert sind.

And so that makes the discussion rather complicated, because if you don’t know what definition they are using for a specific term, then you could very easily ascribe an inappropriate definition to it and get quite confused by the discussion.

Und das erschwert die Sache natürlich zusätzlich, denn wenn man dann die Definition innerhalb ner bestimmten Schule nicht kennt, dann kann es eben ganz schnell passieren, dass man diese, dass man ne falsche Definition zugrunde legt und der Schule dann ne Sichtweise zuschreibt, die dieser Schule gar nicht eigen ist.

And there are various Tibetan interpretations of what each of the Indian schools said as well. So it makes it even more complicated.

Und es ist, noch dazu kommt dann eben, dass es in den verschiedenen tibetischen Traditionen jeweils nochmal unterschiedliche Erklärungen gibt und unterschiedliche Interpretationen für die einzelnen indischen Schulen.

Now, as I said, I don’t even know whether His Holiness will go into a deep explanation of the Prasangika view of voidness – he may, and he probably will, but there’s no guarantee – because the text itself basically follows what later will be called the Prasangika method, which is to take a position of a certain school and point out the absurd conclusions and inconsistencies within it.

Alex kann nicht sagen, ob Seine Heiligkeit sehr tief in die Prasangika-Erklärungen hineingehen wird – es könnte sein, dass das der Fall ist und ist vielleicht auch etwas wahrscheinlich – einfach weil der Text vom Herangehen dem folgt, was dann später als Prasangika-Methode oder Prasangika-Herangehensweise bezeichnet wird.

So it doesn’t try to prove (which is the Svatantrika method) something else. What it does is try to show that what the other people are asserting is absurd and self-contradictory.

Aber, und diese Herangehensweise besteht darin, dass man die Position einer anderen Schule erst mal nimmt und dann innerhalb dieser Position, innerhalb dieser fremden Position die Unstimmigkeiten und die, ja, Widersprüche aufzeigt. Und es ist so, dass dieser Text nicht, also ach so, dass man dann aber nicht statt dessen versucht zu beweisen. Letzteres wäre der Svatantrika-Ansatz.

So, in the text itself, it doesn’t actually explain even the Madhyamaka view, let alone the Prasangika view.

In diesem Text ist es also so, dass Madhyamaka nicht mal direkt erklärt wird oder gar die Prasangika-Position erklärt wird,

But His Holiness might provide that as a background.

sondern, aber es könnte sein, dass Seine Heiligkeit diesen Hintergrund dann eben noch hinzufügt.

 

Truly Established Existence in the Various Tenet Systems

Now, just as a little bit of background, what I thought to do is to just explain one particular term which is going to appear over and again in the explanation, let’s put it that way, although you don’t actually find the term in the text itself.

Und um wenigstens ein bisschen Hintergrund zu vermitteln, möchte Alex zumindest einen einzigen Begriff erklären, der, von dem zu erwarten ist, dass er in den Erklärungen dann immer wieder auftauchen wird, auch wenn er im Text selbst nicht auftritt,

But this is the term which is usually translated as “true existence” (bden-par grub-pa).

und das ist der Begriff „wahre Existenz“.

And, just as an example, to show you how it has different definitions in each of the Indian schools – it doesn’t mean the same, but you will undoubtedly hear this term over again in the explanation –

Und der ist ein gutes Beispiel dafür, wie eben verschiedene Schulen unterschiedliche Definitionen für einen gleichen Begriff haben, weil dieser Begriff eben in den verschiedenen Schulen nicht dasselbe bedeutet. Und zweifellos wird also dieses, dieser Begriff immer wieder zu hören sein.

just one very, very basic difference is that, for the Vaibhashika, Sautrantika, and Chittamatra systems, they assert that truly existent phenomena really do exist;

Und erst mal ein ganz grundlegender Unterschied ist, dass der Begriff „wahre Existenz“ bei den Vaibhashikas, den Sautantrikas und den Chittamatrin so verwendet, also für Phänomene verwendet wird, die wirklich existieren.

“truly existent” does mean what the word says, that it really does exist.

Also es gibt Phänomene, die wahrhaft existent sind. Und das wahrhaft Existierende ist dann in diesen Schulen das, was eben wirklich existiert, so wie der Begriff es eben erst mal unmittelbar suggeriert.

Whereas for both Madhyamaka divisions – Svatantrika and Prasangika – truly existent existence doesn’t exist at all;

In den Madhyamaka-Schulen ist es allerdings anders, also bei den Svatantrikas und den Prasangikas. Dort ist es so, dass der Begriff „wahre Existenz“ etwas ist, was überhaupt nicht möglich ist.

you think it truly exists, but it doesn’t.

Man denkt zwar, dass Dinge wahrhaft existieren, aber es ist nicht tatsächlich der Fall, dass dies so ist.

So that’s clearly a very major difference in the usage of the terms.

Also das ist also schon mal ein sehr wesentlicher Unterschied.

Now, within those schools that say truly existent phenomena actually do exist, then we also have different definitions of “true existence.”

Und auch bei denen, die der Meinung sind, dass wahre Existenz wirklich etwas ist, was existiert, was, was vorkommt, gibt es dann auch noch mal verschiedene Definitionen von wahrer Existenz.

But, before we get into that, I think that there is a very important point that we need to understand in order to refine our way of understanding these terms.

Und bevor wir diese Diskussion weiter verfolgen, ist es, gibt’s nen der Punkt, der ganz wichtig ist, ganz wichtig zu verstehen ist, damit man sein Verständnis dieser Begriffe etwas verfeinern kann.

And this is that what they’re talking about in these discussions is not actual existence itself, in most cases;

Wenn hier in diesen, also worum es in diesen Diskussionen eigentlich geht, ist nicht so sehr, wie etwas selbst existiert,

what they’re talking about is what establishes that something exists, what establishes or proves or demonstrates that something exists.

sondern mehr, wodurch die Existenz von etwas begründet oder bewiesen wird. Das heißt, es stellt, es ist eher die Frage, es geht eher um die Frage, was begründet, was beweist, was demonstriert, dass etwas existiert.

Therefore, I like to translate it as “truly established existence” or “non-truly established existence,” and I’ll explain what is meant by this.

Deshalb übersetzt Alex das lieber als wahrhaft begründete Existenz oder nicht wahrhaft begründete Existenz.

Now another distinction that we need to understand, because this is discussed over and over again, and the term is used over and over again, and I don’t know how it will be translated, but I translate it as “functional phenomenon” (dngos-po) and “nonfunctional phenomenon” (dngos-med).

Ein weiterer Unterschiede, der wichtig ist und der immer wieder Verwendung finden wird, ist folgender, Alex weiß jetzt nicht, wie die Begriffe dann dort übersetzt werden werden, es gibt einerseits funktionierende Phänomene und andererseits nichtfunktionierende Phänomene.

And usually those two terms are equivalent to – “functional phenomenon” being so-called “impermanent,” and “nonfunctional” being “permanent.”

Und in der Regel sind funktionierende Phänomene auch das, was dann normalerweise als unbeständig bezeichnet wird und nichtfunktionierende Phänomene sind dann die sogenannten beständigen Phänomene.

However, the terms themselves very literally are “phenomenon” and “non-phenomenon,” and so sometimes they’re understood as existent and nonexistent things.
So, if the translator translates it as “existent phenomenon” or just “phenomenon” and “non-phenomenon,” please understand that that’s not the level of interpretation that Aryadeva is using throughout the text;

Und die Begriffe selbst bedeuten allerdings wörtlich eher Phänomen und Nichtphänomen, und das bedeutet, manchmal, wenn der Übersetzer dann vielleicht etwas als existierend oder nichtexistierend übersetzt, dann, oder eben als Phänomen und Nichtphänomen, dann ist das eine mögliche Übersetzung, aber das entspricht weniger der Ebene, der Interpretationsebene, die Aryadeva hier in diesem Text verwendet.

he’s speaking more in terms of functional and nonfunctional phenomena.

Bei Aryadeva ist mehr von funktionierenden und nicht funktionierenden Phänomenen.

But, for instance, in Shantideva’s text there are some places where he uses the terms and they have both meanings, and both ways of understanding it have sense in the verses referring to both levels of meaning of the term.

Bei Shantideva zum Beispiel ist es so, dass diese Begriffe dann teilweise sogar so verwendet werden, dass beide Bedeutungsebenen angesprochen werden und beide Bedeutungen der Begriffe Sinn ergeben.

Question: “Phenomenon” would be a functional phenomenon?

Und da kam nochmal die Frage, wie das genau gemeint war

Alex: Either it’s “functional” and “nonfunctional” (meaning impermanent and permanent), or it is “phenomenon” and “non-phenomenon” (meaning that it exists or it doesn’t exist).

und Alex meinte also, wenn von Phänomen die Rede ist oder Nichtphänomen, dann kann das einerseits bedeuten, dass funktionale Phänomene oder nicht funktionale Phänomene gemeint sind oder auch unbeständige beziehungsweise beständige, was auf das gleiche rausläuft, oder es kann bedeuten, dass wirklich Phänomen oder Nichtphänomen gemeint ist in dem Sinne, dass etwas eben existiert oder das etwas nicht existiert.

Question: What do you mean by “functional”?
Alex: I will explain that.
Question: And how does Shantideva use it?
Alex: Shantideva very often in his verses will use it in both senses, so that it makes sense both ways.

Und wie gesagt Shantideva benutzt eben beide Bedeutungsebenen an einigen Stellen und hat Verse, wo beide Ebenen eben Sinn ergeben, das erschwert dann natürlich zusätzlich die Übersetzung.

Question: Why?

Ja, dann kam die Frage, was eben der Unterschied zwischen, also warum nicht funktionierende Phänomene gleichzeitig beständig sind,

Alex: I will explain that. Thank you. Now it sounds like a Socratic dialog, where the student has to ask “Well, why is it?” and then you give the answer. So, very good.
“Functional” and “nonfunctional” means basically to perform a function, which means, more specifically, to act as a cause for bringing about a result.

und Alex meint eben, erst mal was sind „funktionierende“ beziehungsweise „nicht funktionierende“ Phänomene. „Funktionierende“ Phänomene sind Phänomene, die eine Funktion ausüben können. Das oder genauer Phänomene, die als Ursache dafür dienen können, dass eine Wirkung hervorgebracht wird.

So it performs a function; it brings about a result. And it’s something which is – a synonym for it is – it’s usually translated as “conditioned” and “unconditioned” phenomena, although I prefer “affected” and “unaffected.”

Ein Synonym dafür ist bedingte Phänomene oder den englischen Begriff, den Alex gern verwendet, könnte man maximal als beeinflusste Phänomene übersetzen.

It means that it is affected (or brought about) by causes, or it’s not affected or brought about by causes and circumstances. “Affected” is more broad, actually, more broad a term. So a functional phenomenon is affected by causes and conditions – it’s caused by them, brought about by them – or, even if it exists, it’s affected by them, and it brings about a result.

Das bedeutet, dass diese Phänomene eben durch Ursachen beeinflusst sind oder erst mal durch Ursachen bedingt sind, weil sie von Ursachen hervorgebracht werden und selbst, wenn sie existieren, dann werden sie eben beeinflusst von anderen Faktoren. Und nichtbedingte Phänomene oder nicht beeinflusste Phänomene sind eben dann Phänomene, die nicht durch Ursachen und Bedingungen hervorgebracht werden und die, wenn sie existieren, eben nicht von anderen Faktoren beeinflusst werden. Beeinflusste Phänomene ist also ein etwas weiter, weiterer Begriff, aber das ist, was damit gemeint ist. Und funktionierende Phänomene sind Phänomene, die selbst wie gesagt ne Wirkung hervorbringen.

 Because of that, it’s impermanent. “Impermanent” here – remember, I always prefer “nonstatic” –

Und für den, also und diese Phänomene sind unbeständig oder Alex benutzt lieber den Begriff „nicht-statisch“.

in other words, it’s changing. It changes.

Das bedeutet also, dass sie sich ständig in Veränderung befinden,

So it comes about, it does something, it changes. It doesn’t remain static.

dass sie sich, dass sie eben nicht starr oder statisch sind.

Whereas a nonfunctional phenomenon is something which is not affected – it’s unaffected or unconditioned – by causes and circumstances.

“Nicht funktionierende“ Phänomene andererseits, die sind wie gesagt, werden nicht, werden wie gesagt nicht von Ursachen und Bedingungen beeinflusst,

It doesn’t do anything, in the sense that it doesn’t produce an effect. It doesn’t produce anything. Therefore it is permanent, in the sense of static; doesn’t change.

sie bewirken nichts, sie erzeugen nichts und sie sind statisch in dem Sinne, dass sie nicht eben Ursache und Wirkung unterliegen und dass sie nicht ständig einem augenblicklichen Wandel unterliegen.

Because you always have to remember that when in Buddhism we talk about static and nonstatic phenomena, some of them in both classes last forever, and some of them last for only a limited period of time.

Allerdings muss man hier ein bisschen, also muss man hier das genau richtig verstehen, sowohl bei den statischen als auch bei den nicht-statischen Phänomenen gibt es Beispiele, die trotzdem für immer existieren oder anfangslos und endlos existieren.

A mental continuum lasts forever, but it changes from moment to moment; it’s nonstatic. So impermanent in that sense.

Wenn man zum Beispiel das geistige Kontinuum nimmt, dann ist es ein nicht-statisches Phänomen, das verändert sich laufend, aber trotzdem ist es so, dass es, dass es ewig existiert, also anfangs- und endlos existiert.

This point about an eternal nonstatic phenomenon – like, for instance, the mental continuum of a person – is a good example of why we need to be a bit precise in terms of it being an affected phenomenon.

Wenn man also solche ewigen nichtstatischen Phänomene nimmt wie das Kontinuum einer Person, dann muss man damit also recht präzise sein. Und dort ist es eben gut eher von einem beeinflussten Phänomen zu sprechen.

A mental continuum of somebody doesn’t arise from causes – it’s not created by anything – nevertheless, it is affected by circumstances.

Das Geisteskontinuum ist eben etwas, was nicht aus Ursachen und Bedingungen entsteht, durch Ursachen und Bedingungen geschaffen wird, aber es wird von anderen Phänomenen beeinflusst.

In other words, the presence or absence of certain objects affects it in terms of what that person is conscious of at any time.

Die Gegenwart oder Abwesenheit von anderen Phänomenen beeinflusst eben zum Beispiel, was das Bewusstseinskontinuum in einem Phänomen erlebt.

So it is affected, but it’s not created by anything.

In diesem Sinne ist es also ein Phänomen, was beeinflusst wird, aber was nicht erzeugt ist.

That’s why I prefer “affected” or “unaffected” phenomenon. I think it’s a little bit clearer than “conditioned” or “unconditioned,” although “conditioned” and “unconditioned” isn’t so bad.

Insofern ist Alex die Übersetzung „beeinflusst“ lieber als „bedingt“, auch wenn „bedingt“ auch ganz in Ordnung ist.

I have no idea how it’s going to be translated at the teachings.

Und Alex weiß eben nicht, wie es dann wirklich übersetzt werden wird,

But these are very central terms that are going to appear over and over again.

aber das sind auf jeden Fall sehr zentrale Begriffe, von denen man ein klares Verständnis haben muss, weil die eben immer wieder auftauchen

If you don’t understand them, you’re going to be completely lost.

und weil man eben nicht versteht, worum es geht, wenn man diese Begriffe nicht versteht.

One question here is:

Und dann war nochmal die Frage,

In terms of something being eternal, does it mean that something really has no beginning nor an end, or does it mean that you can’t show a beginning or an end?

wenn man jetzt von Phänomenen spricht, die ewig existieren, dann, ob das dann sich darauf bezieht, dass Phänomene ohne Anfang und Ende sind oder darauf, dass man nur Anfang und Ende dieser Phänomene selbst nicht erfassen kann, oder nicht, dass die nicht zu erfassen sind,

This is a point that is raised in the Buddhist texts,

und da meinte Alex, das ist auch ein Punkt, der in buddhistischen Texten aufgegriffen wird.

and the particular point in which this is discussed is about Brahma.

Es gibt dort das Beispiel von Brahma.

Brahma thinks that he is eternal and the creator of everything because he is unable (the mind of Brahma is unable) to see that things are without a beginning and an end, and so he looks at just his existence and the existence of the universe – this particular universe in which Brahma is born – as being without a beginning or without an end.

Brahma ist also ein Gott, der als erstes irgendwie in nem bestimmten Universum, ja, zur Welt kommt sozusagen, und der denkt, dass er und das Universum eben ewig sind und dass er der Schöpfer von allem wäre.

It’s just limited, however, because he can’t see beyond it.

Der Grund dafür ist aber, dass er dann eben noch ne geistige Einschränkung besitzt, die ihm nicht erlaubt, da drüber hinaus zu blicken,

So there is that distinction between a limited mind that thinks that something is eternal but is not, simply because the mind makes that mistake, simply because it’s limited because it can’t see further. But here what I’m talking about is actually no beginning and no end.

und dann kann er eben nur seine eigene Existenz ansehen und ansehen, wie das Universum existiert hat seitdem und kann dort keinen Anfang und Ende erkennen, was aber eben nicht bedeutet, dass das Universum wirklich anfangs- und endlos ist oder er selbst so wäre.

That’s the mental continuum from the Mahayana point of view.

Hier ist es allerdings zumindest laut Mahayana-Ansicht so, dass das Bewusstsein wirklich keinen Anfang und kein Ende besitzt. Das heißt, es ist einfach ständig vorhanden oder jederzeit vorhanden, könnte man vielleicht sagen. 

Hinayana says that the mental continuum does have an end, when you die in the lifetime in which you achieve liberation or enlightenment, so-called parinirvana, but Mahayana refutes that.

Im Hinayana gibt’s allerdings ne andere Ansicht zum Bewusstseinskontinuum. Dort wird gesagt, dass das Bewusstseinskontinuum endet, wenn man die persönliche Befreiung oder die Erleuchtung erreicht hat und dann in dem entsprechenden Leben stirbt. Das wird als Parinirvana bezeichnet. Im Mahayana wird das allerdings zurückgewiesen.

And Aryadeva in fact mentions and refutes that point as well in this text.

Und auch Aryadeva erwähnt diesen Punkt und widerlegt ihn.

And, again, it says in the Mahayana sutras (or in these Mahayana commentaries) that it’s the arhats who have limited minds still and so they think that, with parinirvana, the mental continuum ends. But it’s just that their mind is limited; they can’t see beyond that.

Und es gibt eben auch in den Mahayana-Sutras Stellen, wo der Buddha, Kommentare, wo der Buddha eben erklärt, dass auch Arhats noch geistige Einschränkungen besitzen, die ihnen eben nicht erlauben, über dieses Parinirvana hinaus zu sehen.

So this term which may only be translated as “phenomenon” and “non-phenomenon” is a very crucial term that has a lot of meaning to it.

Und mit diesem Begriff, der dann vielleicht einfach mal als Phänomen oder Nicht-Phänomen übersetzt wird, ist es also wirklich wichtig dann zu verstehen, was sich eigentlich dahinter verbirgt und welche Bedeutungen damit verbunden sind.

So if that’s the only way that it will be translated – and, as I say, I have no idea how it will be translated – please try to fill in some meaning;

Alex kann eben nicht sagen, wie es übersetzt werden wird. Ich würde mal vermuten, dass es vielleicht als Ding und Nicht-Ding übersetzt wird. Jedenfalls da ist es dann wichtig, die entsprechende Bedeutung geistig zu ergänzen,

otherwise, what is explained and translated might sound really much too confusing and meaningless.

weil es sonst eben sehr verwirrend wird oder, ja, nicht sehr viel Sinn ergibt.

 

Truly Established Existence in Vaibhashika

Now the term “true existence” or “truly established existence.”

Gut, dann kommen wir zu dem Begriff der „wahren Existenz“ oder „wahrhaft begründeten Existenz“ oder wir können auch sagen „wahrhaft erwiesene Existenz“, je nachdem.

For the Vaibhashikas this – “truly established existence” – is equivalent to the term “substantially established existence.”

Und bei den Vaibhashikas wäre das Synonym mit dem Begriff, dass etwas „substantiell begründet existiert“.

And please keep in mind that “substantially established existence” is not the same as what we were discussing yesterday – substantially, self-sufficiently knowable.

Und hier muss man auch wieder aufpassen. „Substantiell begründete Existenz“ ist nicht das gleiche wie substantiell eigenständig erkennbar zu sein.

Certain things that are – and I usually just leave out the word “substantial” there because it becomes too confusing – self-sufficiently knowable and non-self-sufficiently knowable (or imputably knowable), those are different terms, and Aryadeva won’t really be discussing that issue.

Bei dem Begriff waren wir gestern. Wenn etwas also, wenn etwas entweder ganz für sich oder losgelöst erkennbar ist, dann eben nicht ganz für sich erkennbar ist, sondern nur durch Zuschreibung erkennbar ist, dann ist das wieder ein anderer Punkt. Der wird bei Aryadeva nicht in dieser Form besprochen.

So here when we hear the term – and I don’t know how it will be translated, but I translate it as “substantially established existence” – for the Vaibhashikas that’s equivalent to “truly established existence,” and everything that exists exists that way, both functional and nonfunctional phenomena.

Hier geht’s um was anderes. Wenn also von „substantiell begründeter Existenz“ die Rede ist, dann meinen die Vaibhashikas eben da „wahre Existenz“ und die Vaibhashikas sind der Meinung, dass alles, was existiert, auf diese Weise existiert. Und die Definition für ein substantiell oder für ein wahrhaft, für „wahrhaft begründete Existenz“ ist, dass etwas eine Funktion erfüllt oder Funktion ausübt.

And, for the Vaibhashikas, the definition here of “substantially established existence” or “truly established existence” is that it performs a function. And so now what the Vaibhashikas are saying is that both – what I’ve called “functional” and “nonfunctional” phenomena – perform a function, in the sense that a static phenomenon may not produce something else, but it performs the function of serving as the object for a cognition of it.

Das heißt, auch wenn, und laut ihrer Ansicht ist es so, auch wenn man jetzt „nicht funktionierende“ Phänomene nimmt, dann, also oder statische Phänomene kann man sie auch nennen, dann ist es zwar so, dass diese keine Funktion ausführen, dass sie nichts direkt, dass sie nichts direkt erzeugen, aber sie führen trotzdem ne Funktion aus, auch wenn sie nichts erzeugen, weil sie die Grundlage dafür sind für eine Wahrnehmung, die sie erfassen kann.

And so, in that sense, it’s substantially existent. It doesn’t create anything, it’s not created by something else – so it’s nonfunctional in that sense – but, nevertheless, it performs the function of serving as an object of cognition.

Das heißt, in diesem System, bei den Vaibhashikas, können beständige Phänomene oder statische Phänomene zwar nichts erzeugen, aber sie können ne Funktion ausführen, weil sie die Grundlage für ihr Wahrgenommensein bilden.

Of course Aryadeva smashes them over the head with a hammer concerning the logical inconsistency of that.

Und Aryadeva folgt den Vaibhashikas dann zwar mit dem Hammer auf den Kopf bei dieser Position,

But that’s the Vaibhashika position.

aber das ist eben die Vaibhashika-Ansicht,

So everything has truly established existence by this explanation system.

dass alles wahrhaft, als wahrhaft existierend begründet ist.

By the way, all of this becomes really quite crucial in Aryadeva’s discussion, and in the general debates among all the various non-Buddhist and Buddhist Indian schools, because now they apply all of this to an analysis of such very central metaphysical themes or philosophical themes

Gut. Also, und dieser Punkt ist ebenfalls sehr wesentlich in Aryadevas Diskussion und generell auch in diesen verschiedenen Debatten zwischen den indischen und verschiedenen nicht-in, nee, zwischen den buddhistischen und nichtbuddhistischen Schulen in Indien. Und diese Diskussion ob etwas wahrhaft existiert oder nicht wahrhaft existierend, als wahrhaft existierend erwiesen ist, die wird eben vor allem auf wesentliche metaphysische und philosophische Diskussionen angewendet.

such as: What kind of phenomenon is space, and time, and the ultimately smallest particles that comprise things?

Zum Beispiel eben, was denn eigentlich Raum ist, was Zeit ist, was, wie die, was allerkleinste Teilchen sind, aus denen alles eben aufgebaut ist.

These are the topics about which all of this is discussed.

Und dann wird eben die Beschaffenheit dieser verschiedenen Arten von Phänomenen diskutiert.

So you can see that very quickly it becomes even deeper.

Das ist also auch wieder was, was dann die ganze Sache nochmal tiefgründiger macht.

For instance, does time do anything?

Da gibt’s dann eben zum Beispiel solche Fragen wie, ob Zeit eigentlich etwas bewirkt.

Well, time does do something, in the sense that it may be time for us to have our coffee break. So the time causes us to make a pause.

Zum Beispiel eben könnte dann, könnte man dann sagen, dass die Zeit durchaus was bewirkt, weil eben die Zeit vergeht und irgendwann dann Zeit ist um Teepause zu, oder Kaffeepause zu machen.

“But now it’s not the time.” “You are out of time.” “I have no time for this.”

Das ist allerdings jetzt nicht die Zeit dafür. Und sagt ja auch solche Dinge wie „seine Zeit ist abgelaufen“ oder „Ich hab keine Zeit mehr“ und so weiter.

 

Truly Established Existence in Sautrantika

True existence – truly established existence – for the Sautrantikas: there are two interpretations.

Wenn wir jetzt wieder zur wahrhaft erwiesenen Existenz zurückkommen, dann gibt es bei den Sautrantikas zwei verschiedene Interpretationen.

The Jetsunpa textbook interpretation – this is only in Gelugpa – the Jetsunpa textbook tradition says that “truly established existence” means the ability to perform a function, and so only functional phenomena have truly established existence, and only they have substantial existence.

Und zwar schon zwei verschiedene Interpretationen  innerhalb der Gelug-Tradition. Und die eine ist die Jetsunpa-Tradition, derzufolge werden die Phänom, oder demzufolge ist das Merkmal von wahrhaft erwiesener Existenz, dass etwas die Fähigkeit besitzt, eine Funktion auszuüben. Das heißt, laut diesem Erklärungssystem sind nur funktionierende Phänomene Phänomene, die wahrhaft erwiesene Existenz besitzen. Und nur sie sind auch Phänomene, die substantiell existieren.

 The Jetsunpa position is held by Sera Jey and Ganden Jangtsey monasteries, so the Geshes who come from there will usually explain this position.

Die Jetsunpa-Sichtweise oder – Tradition die wird in Sera Jey und in Ganden Jangtsey gelehrt und die Geshes, die von dort kommen, werden dann in der Regel diese Position erklären.

So “truly established existence” from this point of view of being synonymous with “substantially established existence” is used in the same way – I mean as synonyms – in both the Vaibhashika and Jetsunpa Sautrantika, except that the Sautrantikas say that this is limited to only functional phenomena – because, come on, how can you say that nonfunctional phenomena are nonfunctional, yet the fact that they serve as an object of the cognition of them counts as actually doing something?

Also Mark meinte nur, es wäre aber nicht genau die gleiche Position wie bei den Vaibhashikas, weil die Vaibhashikas der Mei, also die, dieser drei, also das Jetsunpa Sautrantika System ist auch der Meinung, dass wahrhaft existente, wahrhaft begründete oder wahrhaft erwiesene Existenz das gleiche ist wie substantielle Existenz und dass dies auf funktionierende Phänomene anzuwenden ist, aber bei den Sautrantikas wird nicht behauptet, dass auch beständige oder statische Phänomene eine Funktion ausüben könnten. Und Alex meinte, das ist richtig, also, die Sautrantikas sind nicht der Meinung, dass statische Phänomene in der Lage sind eine Funktion auszuüben, weil es doch ein bisschen eigenwillig ist zu sagen, ja, Phänomene sind nicht funktionierend, aber sie üben dann doch wieder ne Funktion aus insofern als sie eben als Grundlage für ihre Wahrnehmung dienen.

Everybody has problems with that Vaibhashika system, in terms of this assertion.

Und also damit haben, mit dieser Vaibhashika-Annahme haben auch alle ein Problem, außer den Vaibhashikas.

So, for the Sautrantikas (according to Jetsunpa), the so-called nonstatic impermanent phenomena (functional phenomena) are truly existent;

Das heißt für die Sautrantikas nach Jetsunpa ist es so, dass nichtstatische unbeständige funktionierende Phänomene wahrhaft existieren

and the static nonfunctional phenomena (or permanent phenomena), they’re not truly existent, because they don’t perform a function.

und dass die statischen, nicht funktionierenden beständigen Phänomene keine wahrhafte Existenz besitzen, weil sie eben keine Funktion ausüben können.

The other interpretation of Sautrantika within Gelugpa, the Panchen system, which is followed by Drepung Losel-ling monastery, and that His Holiness was basically trained with – and it’s also asserted by Ganden Shartsey.

Die andere Interpretation innerhalb der Gelug-Tradition ist dann die Panchen Sautrantika-Interpretation, die wird in Drepung Loseling und in Ganden Shartsey gelehrt.

Well, His Holiness’s two senior and junior tutors come from those monasteries and so, often, His Holiness will explain from this position.

Und die beiden Tutoren Seiner Heiligkeit, die kommen aus genau diesen beiden Klöstern. Das heißt, wenn Seine Heiligkeit Erklärungen gibt, dann ist es oft von dieser Position ausgehend.

According to their definition, “truly established existence” within Sautrantika means something is established from its own side.

Und laut dieser Position ist etwas als wahrhaft vorhanden erwiesen, wenn es von seiner eigenen Seite als erwiesen ist, von sich aus erwiesen ist.

And, because of that, both functional and nonfunctional phenomena, both static and nonstatic, both permanent and impermanent phenomena have truly established existence.

Und dies gilt dann sowohl für funktionierende nichtstatische oder unbeständige Phänomene als auch für die statischen nichtfunktionierenden beständigen Phänomene.

In other words, they really do exist.

Beide haben dann also wahrhaft erwiesene Existenz in diesem System und sind etwas, was wirklich existiert.

Jetsunpa agrees that both static and nonstatic phenomena exist from their own side, but they don’t call that “truly established existence.”

Die andere Interpretation, also Jetsunpa würde damit übereinstimmen, dass statische und nichtstatische Phänome beide von ihrer eigenen Seite ausgehend erwiesen sind, aber sie würden das eben nicht als Kriterium wählen für „wahrhaft Existierendes erwiesen sein“.

 

Truly Established Existence in Chittamatra

Chittamatra. Chittamatra says that – now we get into the Mahayana schools in Buddhism –

Ja dann kommen wir zu dem Cittamatra-System, das ist dann eine Mahayana-Schule.

Chittamatra defines “truly established phenomena” (truly established existence) as those phenomena whose existence is established by findable individual defining characteristic marks on the side of the object.

Dort ist ein Phänomen dann als, existiert ein Phänomen dann als „wahrhaft erwiesen“, wenn es ein Phänomen ist, das auffindbar ist. Und Auffindbarkeit bedeutet, dass es individuelle charakteristische Merkmale hat, die auf Seiten des Objektes existieren.

And that includes both functional phenomena (that’s nonstatic or impermanent phenomena) as well as voidness.

Und laut Cittamatra schließt dies einerseits funktionierende Phänoneme ein, also Phänomene, die nichtstatisch sind, aber andererseits auch Leerheit.

They include voidness there – defined in their own way of defining voidness, which is very different from the Madhyamaka ways of defining voidness.

Die Leerheit wird in diesem System dann sehr, sehr anders erklärt als bei Madhyamaka.

And they say that voidness, despite being a static, nonfunctional phenomenon, is also truly existent, because it has – its existence is established by the fact that it has individual defining characteristics on its own side.

Aber jedenfalls das Cittamatra-Verständnis von Leerheit, das wäre dann auch ein Phänomen, was zwar nicht, was zwar nichtfunktional ist und was statisch ist, aber was trotzdem wahrhaft existiert innerhalb dieses Systems.

Voidness has – its existence is established by an individual defining characteristic (rang-gi mtshan-nyid-kyis grub-pa) on its own side.

Und die Cittamatrin sind also der Meinung, dass die Leerheit aufgrund individueller definierender Merkmale erwiesen ist. Als einziges beständiges Phänomene dann wahrscheinlich, ja.

Other static phenomena, like space, don’t have that on their own side.

Ganz im Gegensatz zum Beispiel zum Raum, der auch ein beständiges Phänomen ist, aber der nicht aufgrund individueller charakteristischer Merkmale von seiner eigenen Seite her erwiesen ist laut den Cittamatrin.

That sounds like the definition of inherent existence?

Und da kam dann nochmal die Frage, was der Unterschied ist zwischen inhärent und wahrhaft existent, weil diese Erklärung von inhärent existent, ne von, diese Definition von wahrhaft begründeter oder wahrhaft erwiesener Existenz sehr nach der Cittamatra-Definition von inhärenter Existenz klingt.

I didn’t want to complicate this by getting into further terminology, so let’s leave inherent existence aside. “Inherent existence” (rang-bzhin-gyis grub-pa) literally means existence established by something’s self-nature.

Und Alex meinte eben, dass es generell „inhärente Existenz“ bedeutet, dass etwas aufgrund seiner eigenen Natur existiert oder auch durch seine eigene Natur erwiesen ist.

Self-nature is something on its own side, an individual defining characteristic.

Und wie ist es dann erwiesen, eben indem etwas auf Seiten dieses Phänomens existiert, was ein individuelles definierendes charakteristisches Merkmal ist.

But I don’t remember the exact logical pervasions – if everybody has these three terms as synonymous: established by individual defining characteristics, by self-nature, and from its own side. So let’s not complicate this further.

Alex weiß jetzt aber nicht sicher, ob individuell charakterisiert von Eigennatur aus erwiesen oder von seiner eigenen Seite her erwiesen, ob diese drei in allen Systemen jetzt als Synonym betrachtet werden.

For example: For Svatantrika, existence established by self-nature is not equivalent to truly established existence.

In Svatantrika zum Beispiel, meinte Alex jetzt nochmal, ist Existenz, die aufgrund von Eigennatur erwiesen ist, nicht das gleiche wie wahrhaft erwiesene Existenz.

For Prasangika, they are synonyms. So it gets complicated.

In Prasangika sind das Synonyme.

 

Truly Established Existence in Madhyamaka

Now, when we get to the Madhyamaka schools, Svatantrika and Prasangika, truly established existence is a false way of existing.

Und dann kommen wir zu dem Madhyamaka-System, also Svatantrika und Prasangika. Und in diesem System ist es so, dass es überhaupt nichts gibt, was als wahrhaft existierend erwiesen ist.

It doesn’t exist.

Diese Existenzweise ist ne fehlerhafte Existenzweise in diesem System.

Nothing can be established truly.

Nichts existiert wirklich als wahrhaft erwiesen.

Then Svatantrika and Prasangika define that differently.

Und eben demzufolge definieren die Svatantrikas und Prasangikas natürlich diesen Begriff wahrhaft erwiesene Existenz auch anders.

For both of them – the common aspect here is that truly established existence is unimputedly established.

Und in beiden Systemen ist es also so, wenn etwas als wahrhaft existierend erwiesen ist, dann ist es erwiesen als etwas, das ohne Zuschreibung, unabhängig von Zuschreibung existiert.

So it is established not by the fact that it is imputed on something or labeled onto something, but established… Truly established would be unimputed.

Das heißt, etwas, das existiert ohne einfach eine Benennung zu sein oder eine Zuschreibung auf etwas anderes.

So everything is established in terms of what labels or concepts or words refer to.

Das heißt, wenn man also ne, also ne Form hat, etwas, dass etwas, wenn also etwas dadurch erwiesen ist, dass nicht nur Worte oder Begriffe und so weiter sich darauf anwenden lassen, sondern eben noch mehr als das dafür zuständig ist, dass das Phänomen erwiesen ist.

So we have a basis. Let’s say the aggregates (body, mind, emotions, etc.). Then there is the word, or concept, or label “person,” and that’s labeled on these aggregates.

Wenn wir also zum Beispiel eine Benennungsgrundlage wie die Aggregate haben, also Körper, Geist, Emotionen usw., dann gibt es Worte, Konzepte, Bezeichnungen, die sich darauf beziehen.

And it refers to something – a person.

Eben zum Beispiel die Bezeichnung „Person“.

A person is not a word or a label. It refers to something – a person.

Und das ist eine Benennung, die auf die Aggregate angewendet wird. Und diese Benennung bezieht sich auf etwas, nämlich auf etwa, eine Person.

There is a person, although imputed on the basis of continuity of body and mind.

Das heißt, der Begriff bezieht sich auf etwas, er ist nicht völlig unsinnig oder bedeutungslos, aber die Person wird eben durch diese Benennung aufgrund des körperlichen und geistigen Kontinuums erwiesen oder begründet in ihrer Existenz.

So true existence, truly established existence, for Madhyamaka would be something that’s not like that.

Und wahrhaft erwiesene Existenz wäre jetzt eine Existenzform, die nicht so beschaffen ist.

Not just imputed.

Eine Existenzform, die nicht einfach bloß aufgrund von Benennung, von Zuschreibung erwiesen ist.

And this would include whole imputed on parts.

Und das heißt diese und das würde eben für nicht tatsächlich gelten. Das würde nichts einfach unabhängig von Zuschreibung existieren können. Und das bezieht sich dann eben auf solche Dinge wie das Ganze, welches in Abhängigkeit von seinen Teilen zugeschrieben wird.

And, according to Madhyamaka, nothing exists unimputedly; nothing truly exists.

Auch solche Dinge sind also nur laut Madhyamaka in Abhängigkeit von Benennungen erwiesen.

I mean, put it this way: The existence of things cannot be truly established.

Und es ist nicht so, dass die geistige Benennung selbst das Phänomen erzeugen könnte,

It’s only established in terms of labeling. Mental labeling. Mentally labeling it doesn’t create the object though, just how do you establish – How do you know that something exists? What establishes that it exists? Well, it’s the reference of a word.

aber wenn man sich eben fragt, wodurch ist seine Existenz erwiesen, dann ist es dadurch, dass diese Phänomene jeweils das Bezugsobjekt von bestimmten Worten oder Zuschreibungen sind.

That last point is an important point that is very frequently misunderstood, in terms of mental labeling.

Und das ist also, dieser letzte Punkt ist also ein sehr wesentlicher Punkt, der oft falsch verstanden wird.

My mentally labeling you a “person” doesn’t create you as a person.

Dass ich jemanden als ne „Person“ benenne, alleine das erzeugt die Person nicht.

Whether I mentally label you a “person” or anybody else mentally labels you a “person” is irrelevant.

Sondern, es ist nicht wichtig, dass ich das tue, es könnte irgendjemand die „Person“ als „Person“ benennen.

What is a person though?

Aber die Frage ist, was ist die Person.

A person is just what the word “person” refers to, on the basis of continuity of body and mind; that’s all.

Und die „Person“ ist eben einfach eine Benennung oder eine Zuschreibung, die in Abhängigkeit oder auf der Grundlage von Körper und Geist verwendet oder angewendet wurde.

That establishes what is a person, but doesn’t create a person.

Und das ist, was die Existenz der Person begründet oder wodurch die Existenz der Person erwiesen ist.

It is what the word or concept refers to on a basis.

Das heißt, es ist das, worauf ein Wort oder ein Konzept sich auf einer Grundlage beruhend bezieht.

It’s neither the word, nor is it the basis.

Es ist weder das Wort noch die Grundlage.

Question: This sounds as though we’re talking about everything existing in relation to language, and then the question is: If I label you “you,” although it doesn’t create you, is there a you? What am I labeling?

Also die Frage war, das klingt ein bisschen einfach wie, ja, Beziehungssprache oder wie das Verwenden von sprachlichen Beziehungen.

Alex: Yes, there is a conventionally existent you or a person.

Und da meinte Alex, das ist richtig. Und die Frage war dann eben, wenn ich jetzt sage, ich benenne die Person auf Grundlage von dir, dann ist ja die nächste Frage, was ist dann eigentlich dieses du? Und Alex meinte, konventionell gesprochen kann man sagen, dass eben ein du oder eine konventionelle Person existiert.

And this becomes a big further topic of investigation.

Das ist dann eben ein wichtiges weiteres Untersuchungsthema.

The Madhyamaka view is not a nihilist view.

Madhyamaka ist eben kein Nihilismus,

They are always being accused of being nihilist. They are not nihilists.

wie andere Schulen den Madhyamakas das oft vorwerfen.

There is a conventionally existent me, but what establishes that there’s a conventionally existent me?

Sondern es gibt tatsächlich ein konventionell existierendes Ich. Und die Frage ist aber eben, was begründet die Existenz, die konventionelle Existenz dieses Ichs?

It is what the word “me” refers to.

Und das ist das, worauf das Wort „Ich“ eben verweist.

Now, although we’re going a little bit past the time for the tea pause, I’d like to bring in the distinction between Svatantrika and Prasangika, so that we finish this.

Und auch wenn wir ein bisschen spät dran sind für die Teepause, für die Kaffeepause, will Alex wenigstens noch zu der Unterscheidung zwischen Svatantrika und Prasangika kommen, damit wir diesen Punkt dann erst mal abschließen können,

Otherwise, after the tea pause, you might have forgotten already what was said before.

bevor ihr alles gleich wieder vergessen habt.

So, within this context, there is a difference between Svatantrika and Prasangika in the context of true existence not existing at all and meaning unimputed existence.

Jedenfalls in diesem Kontext der wahren Existenz bzw. dessen, was überhaupt nicht existiert, gibt es bei den Svatantrikas nochmal nen Unterschied zu den Prasangikas.

Then the Svatantrika says yes, that it’s correct that you can’t establish the existence of something independent of what words and concepts refer to but, nevertheless, there is a findable individual defining characteristic on the side of the basis of labeling that, in connection with mental labeling, allows for a correct mental labeling.

Die Svatantrikas sind der Meinung, ja, es stimmt, dass nichts einfach unabhängig von dem erwiesen sein kann, worauf eben entsprechende passende Worte und Begriffe sich beziehen. Aber es gibt trotzdem auf Seiten der Benennungsgrundlage ein individuelles definierendes Merkmal. Und die entsprechende passende Benennung zusammen mit diesem individuellen definierenden Merkmal sorgen dann beide gemeinsam dafür, dass die Benennung eben eine korrekte Benennung sein kann oder tragen dafür Rechnung.

And so it’s not that this defining characteristic by its own power establishes that something exists, or that just the mental labeling itself by its own power establishes that it exists;
you need the two of them.

Und das bedeutet also laut den Svatantrikas, gibt es, ist weder dieses definierende Merkmal auf Seiten des Phänomens alleine, noch das, die entsprechende Benennung von ihrer Seite alleine in der Lage die Existenz eines Phänomens zu begründen.

And Prasangika says, “No such thing” – that there is no findable defining characteristic mark;

Die Prasangikas andererseits sagen, so was gibt’s überhaupt nicht.

there’s nothing on the side of the object that establishes its existence through its power.

Sie sind der Meinung, dass es keine definierenden, auffindbaren definierenden Eigenschaften auf der Seite des Objektes geben kann, auf der Seite irgendeines Objektes geben kann und dass nichts in seiner Existenz aufgrund seiner eigenen Kraft, kraft seiner selbst bewiesen werden kann.

Now existence established from the side of the object (rang-gi ngos-nas grub-pa), by its own power, is the same as inherent existence that is established by a self-nature.

Aber wie gesagt, ach so, und laut den Prasangikas ist dieses. Und dass ein Phänomen eben kraft seiner selbst erwiesen ist, das wird auch als inhärente Existenz bezeichnet oder, also und das ist also Existenz, die aufgrund der Eigennatur des Phänomens erwiesen ist.

So, for Svatantrika, that by itself doesn’t establish it; it has to be in combination with mental labeling.

Und bei den Svatantrikas ist es so, dass dies alleine nicht ausreicht, um die Phänomene zu, in ihrer Existenz zu begründen.

For other schools, it could establish it by itself – this individual defining characteristic.

Bei den unteren Schulen außerhalb der Madhyamaka-Schule ist es so, dass diese individuellen definierenden Merkmale sogar alleine unabhängig von geistiger Benennung als ausreichend betrachtet werden, um die Existenz eines Phänomens zu begründen.

So that’s the basic difference. And I’ll give an example for this, after this is translated, that perhaps will make it a little bit clearer.

Und Alex will da noch ein Beispiel dazu bringen.

Let’s use the example of the color orange. The color orange.

Gut. Wenn wir also die Farbe orange als Beispiel nehmen,

The universe doesn’t exist with colors, all by itself – you know, light existing with orange light, and yellow light, and red light, and so on.

dann ist es nicht so, dass das Universum selbst mit Farben ausgestattet ist, sondern also ganz, ganz von sich aus Farben besitzen würde, sondern es, wenn wir jetzt zum Beispiel oranges Licht oder gelbes Licht oder rotes Licht haben,

What establishes that there is such a thing as orange, yellow, or red?

dann ist die Frage, was begründet eigentlich, dass das gelb, rot oder orange ist?

Well, it’s the words “orange,” “yellow,” and “red.”

Und das sind eben die Worte „gelb“, „rot“ oder „orange“.

You can’t have, from the side of the universe, a meaning of a word independent of their being words.

Es gibt also nicht, es ist nicht so, dass diese Farben an sich von ihrer Seite aus das sind, worauf die Worte sich beziehen können.

The meaning of a word only exists in relation to a word.

Sondern das ist etwas, das Bezugsobjekt eines Wortes ist, das existiert wieder nur in Abhängigkeit vom Vorhandensein des Wortes selbst.

So orange, yellow, red – their existence is established in terms of what the words “orange,” “yellow,” and “red” refer to, on a basis of light.

Es ist also nicht so, dass orange, gelb und rot zum Beispiel unabhängig von den Worten begründet ist, sondern orange, gelb und rot sind als das begründet, worauf die Worte „orange“, „gelb“ und „rot“ sich beziehen.

So then the question is, well, what’s the definition? Are there defining characteristics on the side of the light or not?

Und dann stellt sich eben die Frage, gibt es eben trotzdem ein definierendes charakteristisches Merkmal auf Seiten des Objektes?

And Svatantrika says yes:

Und da würden die Svatantrikas also sagen, ja, das ist durchaus der Fall.

wavelength from this to that point is orange, wavelength from that to that point is red, and so on.

Da ist ne Wellenlänge vorhanden und dann kann man das eben einteilen und kann sagen, von da bis dort, die Wellenlänge das ist dann orange und von da bis dort ist dann rot und so weiter und so weiter.

So, in combination with that, with that findable defining characteristic, by its power in connection with the power of a mental label “orange,” “red,” or “yellow,” then you establish the existence of something.

Deshalb ist es bei ihnen also so, dass durch die Kraft einerseits eines definierenden Merkmals, das auf Seiten des Objektes vorhanden ist und andererseits durch die Kraft einer Benennung, die man korrekt anwendet, die eben zum Beispiel auf Seiten des Objektes die Existenz von „orange“ erwiesen wird oder begründet, begründbar ist.

And Prasangika says, “Hey, wait a second. That can’t be so.”

Und die Prasangikas sagen an der Stelle eben, Moment mal,

Defining characteristics. That was made up by somebody – by a concept – who wrote it in the dictionary that orange is from this wavelength to that wavelength, red is from this wavelength to that wavelength.

also, auch diese definierenden Eigenschaften sind was, was man sich ausgedacht, was man erfunden hat. Es ist nicht so, dass orange von sich aus existieren würde von dieser Stelle bis zu der Stelle des Spektrums,

That’s a mental label as well.

auch das ist wiederum ne zusätzliche Benennung, ne Zuschreibung.

It isn’t that, from the side of the object, there’s boundaries, and there’s the little mark that you find on a graph of the wavelength.

Es ist nicht so, dass auf Seiten des Objektes irgendwelche Abgrenzungen existieren würden wie wenn man so ein Diagramm hat, wo dann so kleine Trennpunkte irgendwo sind, so dass die Wellenlängen sauber auseinandergeteilt sind.

There’s a certain phenomenon and we’ve called it a “wavelength”; somebody made up the concept of a wavelength to refer to this.

Es gibt stattdessen einfach bestimmte Phänomene und wir haben eben dann zum Beispiel den Begriff einer „Wellenlänge“ erfunden und benutzen den um diese Phänomene zu erklären.

And, even within that, there’s the measurements, and so on.

Und auch unsere ganzen Messmethoden, die wir eben verwenden,

All of that is based solely on concepts and words.

die haben wir eben, auch die sind wieder nur aufgrund von bestimmten Worten,

In terms of establishing its existence, there’s nothing on the side of anything that you can find.

Benennungen, Begriffen in ihrer Existenz erwiesen.

When they talk about “you can’t find anything,” they’re talking about that.

Es gibt also „nichts, was auf Seiten des Objektes auffindbar“ ist. Also der wichtige Punkt, um den hier geht, ist die Auffindbarkeit von Merkmalen auf Seiten des Objektes.

You can’t find, on the side of an object, something that either by its own power, totally independently, or in conjunction with mental labeling, establishes or makes something what it is.

So etwas gibt es nicht. Es gibt nichts, was von Seiten des Objektes eben wirklich zu finden wäre. Was von seiner eigenen Seite in der Lage ist oder eben von seiner eigenen Seite zusammen mit geistiger Benennung in der Lage ist das Phänomen als das zu begründen, was es dann eben jeweils ist.

Even words aren’t truly established.

Selbst Worte sind eben nichts, was in ihrer Existenz wahrhaft erwiesen wäre.

Some people took meaningless acoustic patterns and decided that that was a word and gave it a meaning.

Auch wenn man Worte hat, dann ist das was, was sich, sind das was, sind das Dinge, die sich Menschen ausgedacht haben. Die haben eben irgendwelche bedeutungslosen Klangmuster zusammengenommen und haben ihnen eine Bedeutung verliehen.

There’s nothing inherent in this pattern of sounds.

Auch dies ist, auch bei Worten ist es also nicht so, dass die inhärent von sich ausgehend bedeutsam wären.

Let alone the fact that we imagine that, no matter how it’s pronounced, and what volume, and what voice, all of it’s the same word.

Auch wenn man sich mal überlegt, ist es ja so, dass Worte ganz unabhängig von ihrer Betonung, von ihrer Lautstärke, von der Stimme, mit der sie gesprochen werden, immer als das gleiche Wort betrachtet werden.

That’s also pretty weird.

Auch das ist ja eigentlich schon ein bisschen merkwürdig.

These are the topics that are behind the word “truly existent,” and what’s usually translated as “inherent existence,” and “functional phenomenon” or just “phenomenon” and “non-phenomenon.”

Es ist also wichtig, diese, wenigstens ein grundlegendes Verständnis dieser Begriffe zu haben, „wahrhaft existent“, „inhärent existent“, „funktionierendes Phänomen“, „nicht funktionierendes Phänomen“ und so weiter,

And these words will just be thrown out like that in the discussion, in the explanation,

weil eben dann bei den Erklärungen auch mit diesen Worten einfach rumgeworfen werden wird.

and it might sound completely beyond our ability to deal with, and meaningless.

Und wenn man also dann einfach diese ganzen Begriffe hört und eben nicht ein Stück diesen Hintergrund hat, dann wird es eben entweder bedeutungslos oder vielleicht auch verwirrend sein.

But when you have all this background that can be filled in, and you’re familiar enough with that background so that you can apply it very, very quickly, then we understand the profundity of this text and the discussion. So, with this type of background, even just an introductory talk, it at least gives us an idea of what is needed in the process of being able to approach a meaningful study of this type of text. It’s a very advanced text.

Wenn man allerdings den Hintergrund eben hat und weiß, was hinter diesen Begriffen steht, dann kann man eben den Erklärungen auch folgen und dann versteht man, wie tiefgründig diese Belehrungen eben sind. Und wenn man eben nen gewissen Hintergrund hat oder eben auch nur nen grundlegenden Überblick, dann ist es für einen auch klarer, was man tun muss, um diese Texte dann etwas genauer zu studieren. Und es ist eben einfach ein fortgeschrittener Text.

Being “findable” means that when you investigate – either from the point of view of the conventional truth of what things are, or the deepest truth of what things are – that you can actually point to something that’s sitting there on the side of light itself, for example, that has some power to establish the existence of something.

Ja, die Frage, die dann kam, war, was bedeutet eigentlich, dass etwas „auffindbar“ ist? Und Alex meinte dazu eben, Auffindbarkeit würde bedeuten, man sucht nach etwas, entweder nach der konventionellen oder nach der tiefsten Wahrheit eines Phänomens, sucht danach, was die Dinge wirklich sind und kann dann auf etwas zeigen, was da auf Seiten des Objektes wirklich vorhanden ist, wirklich existiert. Und aus sich heraus existiert, aus eigener Kraft existiert. Und das, was man da finden kann, hat dann eben dadurch die Kraft die Existenz des Phänomens zu begründen.

What is a vibration?

Wenn man jetzt aber sich fragt, was ist denn eigentlich ne Lichtschwingung,

Well, a vibration of light is made up of many little nanoseconds.

dann ist es doch so, dass das ne, in gewisser Weise was ist, was aus mehreren, was sich über mehrere Nanosekunden hin erstreckt.

So, at one nanosecond, you can only point to one.

Und dann kann man eben zu ner bestimmten Nanosekunde messen.

And then, at another nanosecond, you point to another.

Und dann kann man zu ner späteren Nanosekunde wieder auf nen anderen Zustand verweisen und so weiter.

And you’re measuring things, and so on.

Und dann sieht man, also dann und man misst eben irgendwie,

I mean, there isn’t anything that you can actually point to that’s there.

aber es gibt nix so richtig, was man direkt aufzeigen kann.

And this energy. Well, what is energy? What are you pointing to? Or is it a particle? There’s nothing that you can actually…

Dann kann man sich auch fragen, was ist das eigentlich, mit dem man sich da beschäftigt? Ist das ne Energie, ist das ein Teilchen, worauf kann man da eigentlich genau verweisen. Worauf kann man da genau zeigen?

His Holiness uses all these different terms which are very descriptive and sometimes they are not really translated. They’re all translated as the same thing – “inherent existence” or “findable existence.” But His Holiness uses very descriptive terminology.

Seine Heiligkeit benutzt dann bei diesen Erklärungen oft sehr, sehr viele auch recht bildhafte Begriffe, die in der Übersetzung dann oft einfach mit dem gleichen Begriff, zum Beispiel „wahrhaft erwiesene Existenz“, wiedergegeben werden.

 “As if there was something establishing the existence, on the side of an object, that you could point your finger to,” for example. That there is a place that the finger points to;

Aber er benutzt dann eben zum Beispiel Begriffe wie „als ob da etwas auf Seiten des Objektes existieren würde von seiner eigenen Seite, auf das man mit dem Finger verweisen könnte“

that something is established from the place that the finger points to. This is the type of terminology that you find in Tibetan. Not so easy to translate in an elegant way.

und das dann von seiner eigenen Seite in der Lage ist, die Existenz des Phänomens zu belegen oder zu begründen. Und diese Dinge kann man natürlich dann schlecht eben auf eine elegante Art und Weise auch so in dieser Form wortwörtlich übersetzen. Deshalb ist das dann in der Übersetzung selten in dieser bildhaften Form enthalten, aber auf diese Art und Weise drücken die Tibeter das dann aus mit solchen Bildern auch.

Everything Is Like an Illusion

Participant: The person and the finger, and all these things, do conventionally exist.

Dann kam  noch die Frage, dass doch aber dann schon vorausgesetzt ist, dass es den Betrachter gibt, also wenn man jetzt sagt, es ist so als ob man mit dem Finger auf was zeigt, dann würde man ja schon voraussetzen, dass der Finger existiert und der Betrachter, mit dem der Finger verbunden ist, auch schon existiert. Und wenn man versucht, die nacheinander eben zu begründen, dann kommt man ja in nen endlosen Regress, das hört ja nie auf.

Alex: Well, this is the whole point. The non-Prasangika schools say, “Hey, you’re nihilists. The consequence of what you’re saying is that nothing exists.” And this is not at all the Prasangika position.

Und Alex meinte, das ist wahr, aber andererseits wird eben von den Prasangikas die konventionelle Existenz der Dinge durchaus akzeptiert. Das ist ja das Problem, dass die Nicht-Prasangika-Schulen den Prasangikas vorwerfen, dass sie völlige Nihilisten sind, dass die Prasangikas oder dass die Prasangika-Position letztlich dazu führen müsse, dass ja gar nichts mehr existiert, und das ist aber nicht, was die Prasangikas tatsächlich behaupten oder tatsächlich meinen.

The Prasangika position is – this is why Gelugpa says Prasangikas actually are saying something, asserting something – that, well, but there is the conventional existence of things;

Deshalb ist, betont die Gelugpa-Tradition eben auch, dass es laut ihrem Prasangika-Verständnis durchaus positive Behauptung im Prasangika-System gibt.

there is convention and words do refer to something.

Und dass die Dinge eben durchaus konventionell existieren und das würde sich durchaus auf etwas beziehen.

And then the others will accuse them, “Well, if you say they refer to something then you mean that there is something findable.”

Und dann gibt’s eben wieder andere Schulen, die sagen, ja, ihr meint also, dass Worte sich auf etwas beziehen, dann meint ihr wohl, dass die Dinge auffindbar sind.

And so then they accuse them of going to the other extreme.

Und das ist dann also wieder das andere Extrem, wie man das verstehen kann, wie es auch nicht gemeint ist.

And this gets into the whole next topic, which I didn’t really plan to go into at all, and I don’t want to go into because we don’t have time, which is “everything is like an illusion.”

Und da kommt man aber auch ein bisschen wieder in das nächste Thema, das Alex jetzt aber allerdings wirklich nicht vertiefen möchte, was er weder vorgehabt hat und was auch andererseits zu weit führen würde, nämlich dass die Dinge wie eine Illusion existieren.

And what does that actually mean? Things that don’t exist – like truly established existence, from a Madhyamaka point of view – are an illusion; they don’t exist at all.

Und es ist also so, dass Dinge nicht aufgrund, als wahrhaft existent erwiesen sind, und andererseits ist es aber eben so, dass konventionelle Dinge aber durchaus existieren. In anderen Schulen, außerhalb der Prasangika-Schule ist es so, dass wahrhafte Existenz für etwas steht, was die Dinge tatsächlich besitzen. Und wenn etwas eben nicht wahrhaft existiert, dann würde es laut Meinung dieser anderen Schulen nicht im geringsten bestehen, nicht im geringsten vorhanden sein.

Conventionally existent things are like an illusion; they appear to exist in a way in which they don’t actually exist.

Bei den Prasangikas ist es so, dass konventionelle Dinge existieren, aber dass sie eben auf ne andere Art und Weise beschaffen sind als es uns erst mal erscheint.

That’s an important distinction to keep in mind. Because some schools will say that everything is an illusion, which is referring to the appearance of true existence – that’s an illusion – true existence is an illusion; it doesn’t exist at all. Some non-Gelugpa schools will speak like that.

Das ist auch ne wichtige Unterscheidung. In einigen Interpretationen wird dann eben gesagt, alle Dinge sind tatsächlich eine Illusion. Die wahre Existenz ist eine Illusion.

Gelugpa always says like an illusion –

Die Gelugpas verwenden dann eben ne andere Ausdrucksweise dafür und sagen, die Dinge sind wie eine Illusion.

that there’s a deceptive appearance. Deceptive appearance. The conventional truth of something, actual conventional truth of something, appears to exist in a way in which it doesn’t exist, like an illusion does. But let’s not go further into this discussion.

Es gibt ne täuschende Erscheinung, und die konventionelle Wahrheit der Dinge, die erscheint auf eine Art und Weise, die von dem abweicht, wie es tatsächlich der Fall ist. Und so wie eine Illusion eben ne Erscheinung ist, die von dem abweicht, was tatsächlich eigentlich der Fall ist.

So, as I said, we can’t guarantee how deeply and how profoundly His Holiness will discuss all of this.

Es gibt also keine Möglichkeit vorher zu wissen, auf welcher, bis zu welcher Tiefe Seine Heiligkeit diese Themen diskutieren wird.

If we can project from previous discourses of His Holiness, His Holiness likes to go into extreme complicated depth about all of this.

Aber wenn man eben aus früheren Diskussionen Schlussfolgerungen zieht, dann ist es so, dass er durchaus ziemliche Tiefe da hineinlegen könnte,

And, since he loves his discussions with the scientists so much, he might bring in quantum physics, which is very much related to this whole topic of the interaction of a mind that is measuring things, or observing things, and the actual existence of things. So be prepared that His Holiness might speak on an incredible high level.

weil er ja diese Themen gerne diskutiert und daher auch gerne diese Dialoge mit Wissenschaftlern führt und die sehr genießt, kann es auch sein, dass er vielleicht einige Punkte zur Quantenphysik sagt, wo es eben auch genau um diese Interaktion des Geistes geht, der etwas betrachtet und etwas misst und andererseits eben die Existenz der Dinge.

 

Aryadeva’s Eight Chapters on Voidness

Now let’s go briefly through the content of the eight chapters on voidness.

Gut, dann kommen wir also jetzt zu den Acht Kapiteln über Leerheit.

As I said, mostly what Aryadeva does is refute, by showing the absurd conclusions that would follow from them, the various assertions of this wide variety of non-Buddhist and Buddhist schools that we mentioned.

Wie Alex schon gesagt hat, ist es so, dass Aryadeva vor allem die Annahmen anderer buddhistischer und nichtbuddhistischer Systeme widerlegt, von denen es eben ne große Menge gibt.

So what I think to do is to – I just chose some of the points in each of these chapters to give you a little bit of an idea.

Und er führt diese Widerlegung eben durch, indem er absolute Konsequenzen aus diesen verschiedenen Annahmen und Aussagen zieht. Und es ist so, dass es Alex nur einfach durch für also einige Punkte in diesen verschiedenen Kapiteln stellvertretend durchnehmen kann.

There really isn’t any time to explain any of them in depth, and I doubt that His Holiness will do that either.

Es wird natürlich keine Zeit sein, die einzelnen Punkte sehr im Detail zu besprechen. Vermutlich wird auch Seine Heiligkeit das nicht allzu detailliert dann tun.

If I can extrapolate from previous discourses of His Holiness, His Holiness is likely to give a detailed explanation of voidness itself – a little bit like what I was doing, although maybe not going into the various schools, just sticking to Prasangika – and then go quickly through the verses without explaining each of the points, and maybe just explaining a few here and there that he finds of interest.

Sondern es ist eher anzunehmen, wenn man so so im Vergleich also so wie er‘s bei anderen Belehrungen getan hat, dass Seine Heiligkeit vielleicht eher ne grundlegende Einführung in Leerheit selbst geben wird, wie Alex das vorhin auch ein bisschen getan hat, und dass er dann vielleicht auch nicht alle Schulen durchnimmt, sondern eher bloß die Prasangika-Position dabei bespricht. Und es ist auch sehr gut möglich, dass er dann eben viele Ver, durch viele Verse einfach durchgeht ohne sie nochmal direkt zu erklären, und vielleicht hier und paar, hier und da einzelne Punkte dann herausgreift, die er für interessant und relevant hält.

But, by going through some of these examples of the points raised in the verses here, at least I think you’ll get some idea of the scope of topics that Aryadeva addresses.

Aber indem wir zumindest einige Vorstellungen besprechen, die von Aryadeva in seinen Punkten dann durchgenommen, in seinen Versen dann durchgenommen werden, bekommt man zumindest vielleicht wenigstens nen, ne Vorstellung vom Umfang dieses Textes.

 

Chapter Nine: Indicating the Meditations for Refuting Static Functional Phenomena

Chapter nine: Indicating the Meditations for Refuting Static Functional Phenomena.

Gut, dann kommen wir zum neunten Kapitel, dem Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegung statischer funktionierender Phänomene.

In other words, this whole issue that there can be certain things which are static, yet nevertheless can do something – can produce an effect.

Das bedeutet, dass eben in einigen Systemen, in einigen Schulen Phänomene behauptet werden, die einerseits statisch sind, aber andererseits diesen Systemen zufolge auch etwas bewirken können.

This is asserted by various schools in various different ways and concerning various different things that they consider to be both static and functional.

Und verschiedene Schulen haben dann, bringen dann verschiedene Dinge an, die eben ihrer Meinung nach angeblich statisch und andererseits funktionierende Phänomene sein sollen.

And, in addition, with truly established existence.

Und diese Phänomene besitzen laut deren Vorstellungen auch wahrhaft begründete Existenz oder wahrhaft erwiesene Existenz.

And whenever Aryadeva – I mean, Aryadeva doesn’t use the word “truly established existence” in the text.

Und Aryadeva spricht nicht direkt von „wahrhaft erwiesener Existenz“,

But, when it’s explained, what will be behind the explanation is, in addition to everything that all of these non-Prasangika schools say, is that they are asserting everything on the basis of truly established existence the way that Prasangika defines it.

aber wenn es erklärt wird, dann wird dies in dieser Form erklärt. Und es ist so, dass die Nicht-Prasangika-Schulen alle Phänomene, die sie als existent betrachten, auch als wahrhaft existent oder als wahrhaft, von wahrhaft erwiesener Existenz betrachten, so wie die Prasangikas wahrhaft erwiesene Existenz definieren.

(9.1) All (functional phenomena) arise as a fact of being the result (of a collection of causes and circumstances). Therefore, there’s no such thing as a static (functional phenomenon that is causeless and truly existent). Except for the Thusly Gone Able Sage (Buddhas), there isn’t anyone (who can simultaneously cognize, nonconceptually,) just how functional phenomena (are both nonstatic and devoid of true existence).
Functional phenomena, Aryadeva says, functional phenomena that arise from causes and circumstances – that’s the definition of functional phenomena – cannot be static with truly established existence.

Funktionierende Phänomene, die von, die aufgrund von Ursachen und Umständen zustande kommen, was eben die, also funktionierende Phänomene, die aufgrund von Ursachen und Umständen entstehen, was eben, das ist die Definition von funktionierenden Phänomenen, können nicht wahrhaft existent als statische Phänomene sein.

(9.2) Whatever (functional phenomena there are) do not exist just at any place or at any time without relying (on causes and circumstances). Therefore, there is no such thing whatsoever as a (functional phenomenon that is) static, anytime, anywhere. 
They depend on causes and circumstances, and they don’t just exist anywhere at anytime.

Das bedeutet also, es kann kein funktionierendes Phänomen geben, oder Aryadeva weist eben darauf hin, dass es kein funktionierendes Phänomen geben kann, was ohne Ursache ist.

(9.3) There is no such thing as a functional phenomenon without a cause, and no such thing as something static having a cause. Therefore, concerning (a static functional phenomenon) established from no cause, it is said that such indeed cannot be established (as an object of valid cognition even) by the Omniscient One. 
No functional phenomenon exists without a cause, and therefore it’s impossible to have a static one.

Es ist also laut seiner Meinung völlig ausgeschlossen, dass man ein statisches Phänomen hat, was andererseits ein funktionierendes Phänomen ist.

And the example for this that Aryadeva has in mind – he doesn’t say it explicitly – is the whole assertion of a creator god.

Und was Aryadeva wahrscheinlich im Sinn hat, auch wenn er‘s nicht direkt anspricht, ist die Vorstellung eines Schöpfergottes,

This is asserted by the Nyaya school, non-Buddhist school, for example.

wie er zum Beispiel im Nyaya-System angenommen wird.

And they assert that there is a creator god who is static, not affected by anything, but nevertheless creates;

Und dort ist eben die Rede davon, dass ein Schöpfergott einerseits statisch ist, also unbeeinflusst von anderen, aber andererseits eben erschafft.

so a functional phenomenon.

Und auf diese Weise eben auch ein funktionierendes Phänomen ist.

And there can’t be such a static functional phenomenon like a creator god, because anything that’s functional arises from causes and conditions.

Und es kann aber eben nichts geben, was ein statisches und zugleich funktionierendes Phänomen ist wie ein Schöpfer, weil alle funktionierenden Phänomene auch abhängig von Ursachen und Umständen sind. Und beeinflusst sind.

(9.4) (Suppose you Vaisheshikas say the criterion for knowing something to be) nonstatic is from seeing that it has been produced, while if (you can) not (see it) has been produced, (that makes it) static. (Well then,) from seeing that it has been produced, (you merely know something to be) existent. (Therefore, not seeing an atman or “soul” as having been produced) makes (such a so-called) static object nonexistent. 
Then Aryadeva goes on to refute the logic of other faulty systems.

Gut, als nächstes widerlegt eben Aryadeva logische Fehler im System der Vaisheshikas.

The Vaisheshikas argue that if something is produced, it’s impermanent;

Und die Vaisheshikas meinen eben, wenn etwas erzeugt ist, dann ist es unbeständig;

and if something is not produced, then it is permanent and static.

wenn etwas nicht erzeugt ist, dann ist es ein beständiges, statisches Phänomen.

And, by this line of reasoning, they say since an atman (or a “soul”) is not produced, that means that it is permanent – it is static.

Und sie sind eben der Meinung, dass Atman beziehungsweise die Seele, sie wird also nicht. Und sie sind also jetzt der Meinung, das Atman bzw. die Seele ist also nichts, was geschaffen wurde, also ist es ihrer Meinung nach etwas Beständiges. Also etwas Statisches.

And Aryadeva refutes this by arguing that: if something is produced, it exists; but if something is not produced, it’s not pervasive that it exists as static, because nonexistent things are also not produced.

Und Aryadeva widerlegt diese Aussage eben, indem er drauf hinweist, dass zwar, dass wenn etwas nicht erzeugt ist, es noch lange nicht als etwas Statisches existieren muss. Es könnte auch ein, etwas sein, was überhaupt nicht im Geringsten existiert. Also nur weil etwas nicht erzeugt ist, heißt es nicht, dass es als etwas Nicht-Erzeugtes wirklich vorhanden ist,  wirklich existent ist. Und insofern ist also diese, ja, diese Zwangsläufigkeit der Schlussfolgerung nicht gegeben. Und die die Nyayas anbringen.

So here you have an actual line of reasoning that is being used:

Das ist also ne Argumentation, ne formale Argumentation, die Aryadeva dann hier an dieser Stelle eben anbringt:

Just because something is not produced by causes and circumstances, doesn’t mean that it exists as static; because nonexistent things are also not produced.

Dass also wenn etwas nicht von Ursachen und Bedingungen erzeugt worden ist, dass es dann noch trotzdem nicht zwangsläufig als etwas Statisches existiert; weil es eben einfach auch nichtexistent sein könnte.

So your line of reasoning for proving that the atman or “soul” exists is a faulty line of reasoning. And we shall not go into deep discussions in arguing about the validity of the logic on either side of this.

Und Alex meinte noch, wir werden jetzt nicht hier in die, also die die Gültigkeit dieser verschiedenen logischen Aussagen von irgend ner Seite in der Tiefe beleuchten können, sondern wir müssen, also das ist einfach, was Aryadeva eben meint.

Also, please be aware that general Indian logic does not follow the exact same rules and structure as Aristotelian logic.

Außerdem ist es auch so, dass die indische Logik nicht genau den gleichen Regeln und der gleichen Struktur folgt wie die Logik von Aristoteles.

That also is a very deep and extensive topic of study which we have no time to go into.

Auch das ist ne tiefgreifende und umfangreiche, ein umfangreiches Thema, für das wir jetzt keine Zeit haben.

(9.5) Space and so forth are understood to be static (and substantially existent, because they perform the function of serving as objects of the cognition of them, only) by ordinary folk (such as you Vaibhashikas, who do not correctly understand Buddha’s texts). The wise do not see such things as objects (of valid cognition), even on a worldly (conventional level). 
Then Aryadeva goes on to speak about static space.

Und wenn man jetzt das Beispiel des statischen Raumes nimmt,

And he says that it can’t be considered substantially existent based on the argument that it performs the function of acting as an object of cognition of it, he says – this whole Vaibhashika assertion – because static things can’t do anything.

dann kann der Raum nicht als ein substantiell existierendes Phänomen betrachtet werden, einfach auf der Grundlage, dass er, also weil man, weil eben behauptet wird, dass er ne Funktion ausführt, indem er die Grundlage für seine eigene Wahrnehmung durch Bewusstseine bildet. Das war ja die Annahme, die Vaibhashikas haben.

So to say that serving as an object of the cognition of it therefore proves that it is substantially existent – because it does something – this is faulty.

Und Aryadeva widerlegt die eben und meint, dass statischer Raum überhaupt nichts bewirken kann und das ist, dass man nicht meinen kann, dass jetzt der statische Raum ne Funktion erfüllt, nur weil er eben die Grundlage für ne bestimmte Wahrnehmung ist. Das ist einfach ne fehlerhafte Aussage.

(9.6) Directional (space), such as (that of the eastern) direction, does not abide everywhere. Because of that, it’s extremely clear that directional (space) indeed has directions and other (divisions such as parts. Thus, it cannot be a static functional phenomenon in the way you Vaisheshikas define it as being both all-pervasive and partless). 
Also, static space can’t be all-pervasive and partless, as Vaisheshika asserts.

Und es kann auch nicht so sein, dass Raum allgegenwärtig ist und unteilbar ist, wie die Vaisheshikas das behaupten.

Vaisheshika asserts, and a lot of schools assert this, that space is all-pervasive (it’s everywhere) and static, of course, and it doesn’t have any parts.

Also laut den Vaisheshikas ist Raum eben allgegenwärtig, ist  überall vorhanden, ist statisch und hat ihrer Meinung nach keine Teile.

And the reason why this is illogical is because there are always directional parts: you can always divide it into east, west, south, and north.

Und auch das ist unlogisch, weil man Raum immer unterteilen kann eben in die verschiedenen Himmelsrichtungen.

(9.7) And any (type of time) that exists, allowing either the occurrence or prevention of a functional phenomenon to be seen (at its proper time) must, (in order to function as a cause), come under the influence of other (factors). Therefore, it itself becomes a result (and thus cannot be static as you Vaidantikas claim). 
Then the next point concerns time:

Und das nächste Thema ist Zeit.

And it’s also contradictory for time to be both static and to allow functional phenomena to appear now or not to appear now, as Vedanta asserts.

Es ist auch unlogisch, dass Zeit sowohl statisch ist und andererseits und es andererseits ermöglicht, dass funktionierende Phänomene entweder erscheinen oder zu nem bestimmten Zeitpunkt nicht erscheinen.

In other words, there’s a certain time, let’s say it’s spring, and it allows for flowers to appear.

Das heiß, wir haben eben nen bestimmten Zeitpunkt wie der Frühling oder so was und der ermöglicht es eben, dass wir Blumen haben.

Or it’s winter, and it doesn’t allow flowers to appear.

Im Winter ist es eben nicht möglich, dass Blumen auftreten.

It says that this is contradictory because, again, you would be asserting that something static, namely time – because they assert that time is static – would be performing a function.

Es ist also auch hier ne widersprüchliche Annahme, dass man meint, dass eben etwas wie die Zeit einerseits statisch wäre und andererseits ne Funktion erfüllen kann.

Time and the seasons are two different things?

Da kam dann eben die Frage, ob das nicht zwei unterschiedliche Dinge sind, einerseits Zeit und anderseits die Jahreszeiten.

I don’t know. A season; that is a certain time.

Und Alex meinte, dass die Jahreszeiten schon Zeiten sind.

Like it is 12 o’clock; it’s time for lunch. It allows for us to eat. Or it’s 1 o’clock; it’s time for lunch. Or it’s 10 o’clock; it’s not time to eat. A point in time, we’re talking about, would allow something to happen or not. Or in general.

Genauso wie es eben zwölf Uhr sein kann oder ein Uhr, und wie es eben, keine Ahnung, Essenszeit sein kann oder nicht Essenszeit, jedenfalls geht‘s hier um bestimmte Zeitpunkte, die eben etwas geschehen lassen oder nicht geschehen lassen.

As I said, I don’t think we have time to go into depth or discussion of all these individual arguments.

Und wie Alex schon gesagt hat, wir haben eben nicht die Gelegenheit, jetzt hier diese ganzen einzelnen Diskussionen im Detail zu besprechen.

But obviously I think you get the idea that each of them, one could spend an entire class on, if not more than one class.

Aber es ist klar, dass man zu diesen, zu dem einzelnen Thema eben auch schon ne ganze Stunde, ja, machen kann.

(9.12) (Consider the ultimately smallest particles, which you Vaisheshikas say are static and partless. How can they form an object?) Any (such particles) that had certain sides, (which when they met) were the cause (for an object’s forming, and certain sides, which were not the cause), would (therefore) have various (parts). How is it logical for that which has various (parts) to be static (by your definitions)? 
Then concerning ultimately smallest particles: they can’t be both static and also constitute objects, as the Vaisheshika asserts.

Und es ist auch nicht möglich, dass allerkleinste Teilchen zugleich statisch sein können und andererseits Objekte bilden können wie das die Vaisheshikas behaupten.

This is because the meeting of such particles functions as a cause for material objects – Vaibhashikas even say that – and therefore such particles are functional phenomena.

Der Grund dafür ist, dass das Zusammentreffen von solchen Teilchen als Ursache für das, für die Erzeugung von materiellen Objekten dient. Und aus dem Grund, weil Teilchen eben dazu in der Lage sind, sind sie auch funktionierende Phänomene.

(Vaibhashika does assert that various objects are made up of these ultimately smallest particles.)

Und auch die Vaisheshikas selbst akzeptieren durchaus, dass kleinste Teilchen diese Funktion erfüllen.

So how can they be static if their coming together – you’d have to say – causes the material object?

Also es ist widersprüchlich, dass sie einerseits eben Objekte bilden können in dieser Form und dadurch eine Funktion erfüllen und dass sie andererseits eben angeblich statisch sind, obwohl sie Objekte verursachen können.

Question: In Sautrantika as well? The smallest particles?

Und es kam die Frage, ob dieser Widerspruch auch für die Sautrantikas gelten würde, für die Vaibjashikas und die Sautrantikas.

Alex: Well, no this isn’t – this gets to the next point. He’s asking: Is this Sautrantika? No. Because, in the Vaibhashika and Sautrantika system, the ultimately smallest particles are nonstatic. They’re not asserted as static.

Und Alex meinte, dass ist nicht der Fall, weil bei den Vaibhashikas und den Sautrantikas die kleinsten Teilchen nicht statisch sind.

Do you understand this position of the Vaibhashikas [correction: Vaisheshikas]?

Gut. Also ist diese Vaisheshika-Position ungefähr klar?

It’s the assertion that there’s a certain number of particles in the universe, and that’s it.

Sie stellen sich das so vor, dass es eben ne feste Anzahl von Teilchen im Universum gibt, diese Teilchenanzahl ist festgelegt.

And they come together to form this object or that object, and then they come apart, and then the same particles come together again and form some other object, and then come apart.

Und diese Teilchen bilden eben bestimmte Objekte und zerfallen wieder, um dann andere Objekte zu bilden.

But actually there’s just a certain number of particles and that’s static, and they don’t change. That’s the position.

Und die Teilchen selbst sind statisch, unveränderlich und die Anzahl der Teilchen ändert sich auch nicht.

And so that is self-contradictory, because if they come together and actually constitute and form an object, they’re doing something. So you can’t say that they’re nonfunctional and static.

Und die Teilchen kommen aber trotzdem eben zusammen um etwas zu bewirken.

Participant: But you said Vaibhashika, and it should be Vaisheshika
Alex: I meant Vaisheshika. I’m sorry if I said Vaibhashika.
(9.13) (The objects that would be) the result of (the meeting of such static particles, which as) a cause are round, do not have (this same round shape and size). Therefore, it is (also) unreasonable for (such) particles to join with their entire natures (merging on all sides all at once to form an object). 
(9.14) (Suppose you said that they do not actually merge on all sides, since) you do not accept that the place occupied by one particle can also be (occupied) by another. Well then, because of that, (you are forced to say that in order to build up a gross, visible object, they must meet with at least some sides not joining, since) it cannot be accepted that (each of) the causal (particles) and the resultant (objects they form) are both equal in size. (But, then, if some sides join and some do not, these particles cannot be partless). 
Then Aryadeva goes on to say that such particles cannot be partless, either, as Vaisheshika asserts, because if they were partless they couldn’t meet on one side. So, for them to meet, they have to meet on one side.

Aryadeva erklärt weiter, dass es auch nicht möglich ist, dass es teilelose Teilchen gibt, wie das bei den Vaisheshikas behauptet wird. Wenn es teilelose allerkleinste Teilchen gäbe, dann wäre es so, dass sie sich nicht einfach nur auf einer Seite treffen oder berühren könnten.

And Shantideva repeats this last argument in refutation of the Vaibhashika assertion of ultimately smallest particles that are partless but are functional phenomena.

Und diese Argumentation wurde dann auch von Shantidevabei als Widerlegung der Vaibhashikas wiederholt. Das heißt, auch kleinste teilelose funktionierende Teilchen kann man auf diese Art und Weise nicht aufrechterhalten.

So the same argument can be used to refute either static nonfunctional partless particles, or nonstatic functional ones. If they constitute something, they have to meet at one side.

Und eben einfach weil sie sich berühren müssen, wenn sie sich treffen, um Objekte zu bilden, aber sie könnten sich nicht auf nur einer Seite berühren, wenn sie andererseits völlig ohne Teile sein sollen.

Shantideva gives many, many arguments in terms of this, and so does Aryadeva, actually.

Und wie gesagt, Shantideva bringt eben viele dieser Argumente an so wie es auch Aryadeva tut.

This is an important point in terms of science as well.

Das ist auch interessant vom wissenschaftlichen, ja, oder vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet.

Can you find the ultimately smallest particle or the ultimately smallest constituent of matter, energy, etc.?

Auch dort ist ja die Frage, ob es eben allerkleinste Teilchen gibt, die dann Materie oder, Materie, die die Materie bilden oder ob‘s allerkleinste Energiepartikel gibt.

And Buddhism says no – that no matter how small you get, you can still divide it into parts.

Und der Buddhismus würde eben sagen nein, das ist nicht der Fall. Egal, wie klein ein bestimmtes Teilchen ist, es lässt sich immer noch weiter unterteilen.

(9.22) At the time of liberation, when there is parting from craving, if (the atman or “self”) had (a nature of) consciousness (as you Samkhyas assert), what point would there be (to this, since according to you there would be no objects for it to perceive). And if it were to exist then and not be conscious, this amounts to what is clearly not so (according to your system, since you assert that the “self” with the nature of consciousness is static and permanent). 
Then Aryadeva goes on to refute as illogical both the Samkhya and then the Nyaya positions concerning liberated “self,” or truly existent permanent liberated “self.”

Und Aryadeva fährt dann fort und widerlegt bestimmte Annahmen über ein beständiges wahrhaft existierendes befreites „Selbst“, so wie die Samkyas und Nyayas dieses annehmen.

So he’s not talking here so much about such a “self” doing something, but just the concept in general. And the Samkhyas say that a self is “conscious” (has awareness of things); and Nyaya says that it doesn’t, in general.

Und es ist also die Samkyas also sind der Meinung, dass ein befreites Selbst mit Bewusstheit versehen ist,

And so, in terms of a Samkhya position, when you achieve liberation according to Samkhya, then that “self” becomes totally removed or isolated from all of the universe, yet it still has consciousness.

aber dass dieses „Selbst“ vom gesamten Universum getrennt und vom gesamten Universum losgelöst ist. Die Nyayas sind wiederum der Meinung, dass, ach so und das Problem ist aber, dass die Samkyas trotzdem der Meinung sind, dass das Selbst eben Bewusstheit besitzt, obwohl es mit dem gesamten Universum überhaupt nicht mehr verbunden ist.

And so this, Aryadeva says, is ridiculous.

Und Aryadeva weist eben darauf hin, dass das widersprüchlich ist.

You cannot have consciousness without being conscious of something, and so your assertion of a liberated permanent “soul” that is conscious but not conscious of anything is contradictory.

Dass es kein Bewu, keine Bewusstheit geben kann, ohne dass man sich irgendetwas bewusst ist. Und insofern kann es also auch nicht sein, dass es eine befreite Seele gibt, die überhaupt nicht sich irgendetwas bewusst ist, das ist einfach widersprüchlich.

(9.23) If a “self” that was liberated had (true) existence, then (even if) it existed (in this condition) as having (only) the potential for consciousness, (this would still be unreasonable, since by not actually being conscious, it contradicts your definitions). And if (a truly existent “self”) did not exist (with consciousness when liberated), it wouldn’t be (reasonable) for it ever to have thought about (becoming released from) recurring samsaric existence, (since being truly existent and static, it could never have been conscious at all). 
And then the Nyaya position is that the “soul” or “self” doesn’t have any consciousness, whether it’s liberated or not.

Und bei den Nyayas ist es so, dass laut ihrer Vorstellung die Seele ganz generell überhaupt keine Bewusstheit besitzt selbst,

And so then it just is some sort of little thing that comes into somebody’s head and then activates a brain, and activates things, and uses that in order to know anything.

sondern eben nur in Verbindung mit etwas anderem dann diese Bewusstheit, ja, erwirbt, wie zum Beispiel so ein kleiner, irgendetwas, was in, in den Kopp reinkommt und dann dort alles aktiviert und dann das Gehirn benutzen kann, um eben Dinge zu erkennen oder so in der Art.

And so he says, well, if you’re talking about a “soul” that in itself has no consciousness, then how could it ever have the thought to work to gain liberation?

Und Aryadeva weist eben darauf hin, dass wenn diese Seele tatsächlich von sich aus nicht bewusst wäre, dass sie dann auch nicht zum Beispiel den Wunsch nach, nach dem Erreichen von Erleuchtung haben könnte.

It couldn’t do anything, couldn’t have that type of thought. Because you are asserting that it could exist all by itself, independent of any mind or any brain.

Denn sie würde ja einfach getrennt vom Bewusstsein und getrennt vom Gehirn und so weiter existieren als etwas, das nicht bewusst ist.

So you have to understand that he actually is talking here about assertions of a static “self” that nevertheless is doing something.

Das Problem ist eben, dass diese Schulen beide der Meinung sind, dass dieses angenommene statische Selbst etwas tut.

According to the Samkhyas, the static “self” when liberated still has consciousness.

Bei den Samkyas ist man eben der Meinung, dass das befreite Selbst immer noch Bewusstheit besitzt.

So if there’s consciousness, the consciousness must be doing something; it has to be knowing something.

Das heißt, um bewusst zu sein, muss es eben etwas erkennen, etwas erfassen.

And if it’s not knowing something, then your assertion is absurd.

Und wenn es andererseits nicht erkennen würde, dann könnte man auch nicht behaupten, also, ja dann könnte man nicht behaupten, dass es sich bewusst ist. Aber das tun sie eben.

And for the Nyaya position, he’s saying that:

Und die Nyayas wiederum sind der Meinung,

You say that a “soul” or an atman doesn’t know anything, and it can be liberated and not know anything.

dass dieses Atman zwar also überhaupt nichts weiß, aber sie sind trotzdem der Meinung, dass es den Wunsch nach Befreiung besitzt.

So how can you say that the “soul” knows or is conscious that I want to work toward liberation?  

Und da ist die Frage, wie soll es diesen Wunsch nach Befreiung besitzen, sobald es eben sich mit einem Körper verbunden hat.

To say that the “soul,” by itself, doesn’t know anything, and then we connect it to a mind, and a mind knows or wants to gain liberation, that’s ridiculous – then you’d have to say that the mind wants liberation and not the “soul” wants liberation.

Dann könnte man maximal sagen, das Bewusstsein entsprechend, dass  dieses Bewusstsein den Wunsch nach Befreiung hat, aber nicht dass das, dass die „Seele“ diesen Wunsch nach Befreiung dann auf einmal hat, sobald sie eben mit nem Körper verbunden ist. Was eben die Nyayas aber annehmen.

So you can’t have a “soul” that does anything, like want to gain liberation, and yet is static.

Das heißt, es ist unmöglich, dass man einerseits ne „eele“ hat, die überhaupt nichts, die etwas bewirkt oder etwas möchte, aber die andererseits statisch ist.

These are the major points, then, in chapter nine.

Gut, das sind also die wesentlichen Punkte im neunten Kapitel.