Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die Beziehung zwischen Glücklichsein und Unglücklichsein, Wohlbehagen und Schmerz

Tsenzhab Serkong Rinpoche II
übersetzt, zusammengefügt und bearbeitet von Alexander Berzin
Bodhgaya, Indien, Dezember 2009

In dem Bestandteil der Aggregate, der die Empfindung unterschiedlicher Abstufungen von Glück beinhaltet (tshor-ba’i phung-po), gibt es Empfindungen von Glücklichsein (bde-ba) und Unglücklichseins (sdug-bsngal, Leid). Bei beiden gibt es sowohl physische (lus-kyi tshor-ba) als auch geistige Empfindungen (sems-kyi tshor-ba). Empfindungen physischen Glücklich- und Unglücklichseins gehen einher mit Sinneswahrnehmungen von bestimmten Arten physischer Phänomene (gzugs). Empfindungen geistigen Glücklich- und Unglücklichsein gehen einher mit geistigen Wahrnehmungen (sems-shes) irgendwelcher gültig erkennbarer Phänomene (shes-bya).

Empfindungen von Glücklich- und Unglücklichsein, seien sie physischer oder geistiger Art, sind nicht dasselbe wie physische Wahrnehmungen (reg-bya) körperlichen Wohlbefindens (bde-ba) und körperlichen Schmerzes (sdug-bsngal). Dies gilt ungeachtet der Tatsache, dass die tibetischen Ausdrücke für „ Glücklichsein“ und „Wohlbefinden“ und für „Unglücklichsein“ und „Schmerz“ die gleichen sind. Körperliches Wohlbefinden und Schmerz gehören zum Aggregatbestandteil physische Phänomene (gzugs-kyi phung-po). Sie sind Objekte (yul) der Wahrnehmung bestimmter Arten von physischen Phänomenen. Glücklichsein und Unglücklichsein hingegen sind Geistesfaktoren (sems-byung) – bestimmte Arten, sich eines Objekts bewusst zu sein.

Das, was im Abendland als „geistiges Wohlbehagen und geistiger Schmerz“ bekannt ist, ist keine Art physischer Phänomene. Es sind die Geistesfaktoren: geistiges Glücklich- und Unglücklichsein.

Wenn es sich um eine physische Wahrnehmung körperlichen Wohlbehagens handelt, so ist dies nicht mit der Empfindung von physischem Glücklichsein zu verwechseln; andernfalls würde die Person nicht Wohlbehagen erfahren. Das gleiche gilt für die physische Wahrnehmung von körperlichem Schmerz und die physische Empfindung von körperlichem Unglücklichsein. In beiden Fällen kann jedoch die geistige Empfindung, die der physischen Empfindung folgt, entweder eine geistige Empfindung geistigen Glücklichseins oder eine geistige Empfindung geistigen Unglücklichseins sein.