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Sie sind hier: Startseite > Grundlagen des tibetischen Buddhismus > Stufe 4: Das Verständnis des Pfades vertiefen > Offensichtliche, verschleierte und extrem verschleierte Phänomene
Offensichtliche, verschleierte und extrem verschleierte Phänomene
Alexander Berzin, November 2007
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn
Es gibt drei Arten von erkennbaren Phänomenen (tib.
gzhal-bya‘i gnas-gsum), die danach unterschieden werden, wie sie begriffen werden können.
Ein Phänomen wird begriffen (tib.
rtogs-pa)
, wenn es sowohl korrekt als auch entschieden wahrgenommen wird. Auf diese Weise umfassen
die drei Arten erkennbarer Phänomene nur wirklich vorhandene Phänomene (tib.
yod-pa)
.
- Offensichtliche Phänomene (tib.
mngon-gyur) sind solche, die durch gültige nichtkonzeptuelle, einfache Wahrnehmung (tib.
mngon-sum tshad-ma ) wahrgenommen werden können. Oder sie können als solche Phänomene
spezifiziert werden, die durch die Kraft persönlicher Erfahrung (tib.
myong-ba ) begriffen werden. Beispiele hierfür sind die fünf Arten der sensorischen
Objekte - Sichtbares, Klänge, Gerüche, Geschmack sowie körperliche und taktile
Sinnesempfindungen.
- Verschleierte Phänomene (tib.
lkog-gyur) sind solche, die nicht durch die Kraft persönlicher Erfahrung, aber durch die
Kraft einer Argumentationskette (tib.
rtags) begriffen werden können. Beispiele hierfür sind, dass es Feuer geben muss, wenn ein
rauchender Kamin da ist, die Tatsache, dass Klang nichtstatisch oder unbeständig ist, die Tatsache,
dass Personen keine unmögliche „Seele“ (tib.
gang-zag-gi bdag-med, Freiheit von Selbst der Personen) haben und die Tatsache, dass alle
Phänomene ohne wahrhaft begründete Existenz (tib.
bden-par ma-grub-pa ) sind.
- Extrem verschleierte Phänomene (tib.
shin-tu lkog-gyur) sind solche, die durch autorative Texte oder Rede begriffen werden
können, wie die erleuchtenden Worte des Buddha, welche durch die drei Analysen für vollkommen
angesehen werden. Oder es sind Phänomene, die durch die Worte von Personen, die gültige Quellen von
Information sind (tib.
tshad-ma‘i skyes-bu) begriffen werden können. Beispiele umfassen die Lokalisation
vergrabener Schätze, die Existenz der reinen Buddha-Bereiche und die Beziehung zwischen Ursache und
Wirkung.
Autorative Texte oder Rede, welche durch die drei
Analysen (tib.
dpyad-pa gsum-gyis dag-pa‘i lung) für vollkommen angesehen werden, sind solche, die Themen
darstellen, die die drei Arten erkennbarer Phänomene abdecken und die:
- indem sie auf offensichtliche Phänomene verweisen, nicht durch gültige nichtkonzeptuelle,
einfache Wahrnehmung unglaubwürdig werden
- und indem sie auf verschleierte Phänomene verweisen, nicht durch gültige schlussfolgernde
Wahrnehmung (tib.
rjes-dpag tshad-ma) unglaubwürdig werden
.
- Ferner, indem sie auf extrem verschleierte Phänomene verweisen, werden sie nicht
unglaubwürdige, indem sie sich durch ihre eigenen früheren und späteren Worte, noch durch eine
gültige, einfache Wahrnehmung, noch durch eine gültige schlussfolgernde Wahrnehmung oder durch ihre
eigenen Worte widersprechen.
Wir können die Unterscheidung innerhalb der drei Arten
von erkennbaren Phänomenen mit einem einfachen Beispiel verstehen:
- Ein Haus auf einem entfernten Berg, aus dessen Kamin Rauch aufsteigt, ist ein offensichtliches
Phänomen. Wir können es sehen.
- Das Feuer der Feuerstelle dieses Hauses ist ein verschleiertes Phänomen. Wir können auf seine
Gegenwart schließen. indem wir uns auf eine Argumentationskette verlassen: Wo Rauch ist, ist
Feuer.
- Der Name der Person, die im Haus lebt, ist ein extrem verschleiertes Phänomen. Um ihn zu wissen
müssen wir auf jemanden vertrauen, der den Namen der Person genau kennt,.
Ein noch grundlegenderes Beispiel für ein extrem
verschleiertes Phänomen ist unser Geburtstag. Wir müssen zum Beispiel auf unsere Mutter vertrauen
um ihn zu kennen.