Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Details über die Körper von Buddhas und Arhats

Alexander Berzin, August 2007
Der Artikel beruht auf einer Erläuterung von Tsenzhab Serkong Rinpoche II.
Deutsche Übersetzung von Tara Dorn

Die physischen Körper eines Buddha

Der allwissende Geist eines Buddha durchdringt alle erkennbaren Objekte und ist von einem Anuttarayoga-Tantra-Standpunkt aus lediglich eine subtilste Ebene des Geistes des Klaren Lichts. Da der subtilste Wind und der subtilste Geist des Klaren Lichts eines Buddha von derselben essentiellen Natur (tib. ngo-bo gcig) sind, durchdringt der subtilste Wind eines Buddha auch alle Erscheinungen - zum Beispiel alle Erscheinungen, die Formen physischer Phänomene (tib. gzugs, Skt. rupa, Form) sind. Dies ist dem Raum (tib. nam-mkha‘) ähnlich, der alle Formen physischer Phänomene durchdringt. Nehmen wir die vier Elemente – Erde, Wasser, Feuer und Luft – einer Form physischer Phänomene, wie die eines Tisches, als Grundlage für eine Zuschreibung (tib. gtags-gzhi) , können wir nicht nur Raum auf dieser Grundlage zuschreiben, sondern auch die Person (tib. gang-zag) eines Buddha.

[Siehe: Einführung in Leerheit und geistiges Bezeichnen.]

Da aber das Bezugsobjekt der Bezeichnung (tib. btags-chos) und die Grundlage für die Zuschreibung nicht gleich sind – so wie der Tisch nicht der Raum des Tisches ist – ist auch der Buddha, über den wir meditieren und ihn dabei auf die Grundlage des Tisches zuschrebien, nicht der Tisch. So können wir über den Buddha so meditieren, dass er auf alles und überall zugeschrieben ist. Das macht Buddha aber nicht mit dem Universum identisch oder dass Buddha die Größe des Universums hätte. Daher ist die buddhistische Annahme des allwissenden Geistes eines Buddha, der das Universum durchdringt nicht gleich der nicht-buddhistischen Annahme der Samkhya und Vaisheshika von Personen (tib. skyes-bu, Skt. purusha) oder einer „Seele“ (tib. bdag, Skt. atman, Selbst), die das Universum durchdringt und statisch, ohne Teile ist und unabhängig von einem Körper oder Geist existiert.

[Siehe: Zusammenfassung der „Vierhundert Verse“ von Aryadeva.]

Ein Buddha hat unbefleckte Aggregate (tib. zag-med-kyi phung-po). Das heißt, dass die vier Elemente der Ausstrahlungskörper eines Buddha (tib. sprul-sku, Skt. nirmanakaya, Emanationskörper) auch unbefleckt sind. Sie kommen nicht von störenden Emotionen und Geisteshaltungen und sind daher nicht die vier befleckten Elemente gewöhnlicher Körper. Da ein Buddha nur die subtilste Ebene des Geistes und des Windes innehat und diese unbefleckt sind, hat jeder besondere Ausstrahlungskörper auch nur unbefleckte subtilste vier Elemente.

[Siehe: Befleckte und unbefleckte Phänomene.]

Entsprechend dem Kalachakra sind diese unbefleckten subtilsten Elemente Teil des unbefleckten subtilsten Tropfen, während der Klang der Rede eines Buddha Teil des unbefleckten subtilsten „Nada“ -Klanges ist.

[Siehe: „Die Teilnahme an einer Kalachakra-Initation“ – Teil IV, Kapitel 11.]

Wir können (wie oben beschrieben) auf der Grundlage der vier befleckten Elemente des Tisches als Grundlage für die Zuschreibung über einen Buddha meditieren und ihn so bezeichnen   und daher auch den Ausstrahlungskörper eines Buddha. In ähnlicher Weise können wir auf der Grundlage der vier befleckten groben Elemente von Spermium und Ei der Eltern über einen Buddha und den Ausstrahlungskörper eines Buddha meditieren und sie so bezeichnen. So wie der Tisch nicht der Ausstrahlungskörper eines Buddha ist, ist der grobe Körper, der aus den befleckten vier Elementen von Spermium und Ei der Eltern entsteht, nicht der Ausstrahlungskörper eines Buddha. Der tatsächliche Ausstrahlungskörper eines Buddha besteht nur aus den vier unbefleckten subtilsten Elementen, Wind, Geist und Klang. So macht die Grundlage der Bezeichnung des Ausstrahlungskörpers eines Buddha Alter, Krankheit und Tod durch. Obwohl es so erscheint, als würde der Ausstrahlungskörper eines Buddha Alter, Krankheit und Tod durchmachen, machen die unbefleckten vier Elemente des Ausstrahlungskörpers eines Buddha weder Alter, Krankheit noch Tod durch.

Aber die buddhistische Annahme des unbefleckten Ausstrahlungskörpers eines Buddha und so eines Buddha, der auf befleckte Elemente -  zum Beispiel – einen gewöhnlichen menschlichen Körper zugeschrieben werden kann, ist überhaupt nicht dasselbe wie eine nichtbuddhistisch geartete Ansicht einer wirklich existierenden „Seele“, die unabhängig von einem Körper und Geist existiert und in die Elemente eines gewöhnlichen menschlichen Körpers eintreten kann.

Wir können eine ähnliche Analyse über die Körper machen, die den Körper vollen Gebrauchs eines Buddha (tib. longs-ku, Skt. sambhogakaya, „Genuss-Körper“) einschließt – subtile Formen, die Arya-Bodhisattvas in reinen Ländern (tib. dag-zhing) erscheinen um ihnen das Mahayana zu lehren. Die unbefleckten vier Elemente des Körpers vollen Gebrauchs eines Buddha würden auf die Grundlage der befleckten subtilen vier Elemente eines Körpers im reinen Land zugeschrieben werden. Diese befleckten subtilen vier Elemente gleichen den subtilen vier Elementen der Körper von Wesen auf der Ebene der ätherischen Formen (tib. gzugs-khmas, Skt. rupadhatu, Bereich der Form). Vom Standpunkt des Anuttarayoga Tantra aus sind die vier Elemente solcher Körper aber noch immer grobe Formen, nicht so subtile wie die eines Illusionskörpers (tib. sgyu-lus) .

Der physische Körper eines Arhat

In Bezug auf den Körper eines Arhat müssen wir folgende Punkte berücksichtigen. Entsprechend er Lehre des Gelug-Prasangika haben alle Shravaka-Aryas, Pratyekabuddha-Aryas und Bodhisattva-Aryas das gleiche Verständnis von Leerheit. Daher haben vom Gelug-Prasangika-Standpunkt aus alle Arhats - Shravaka, Pratyekabuddha und Bodhisattva – während der völligen Vertiefung (tib. mnyam-bzhag, meditative Ausgewogenheit) in Leerheit unbefleckte Aggregate und befleckte Aggregate während der nachfolgenden Phase des Erlangens (tib. rjes-thob, Periode der Nachmeditation). Das ist sowohl während der Lebenszeit, in denen sie Befreiung erlangen, der Fall als auch in folgenden Leben bis sie Erleuchtung erlangt haben.

  • Entsprechend der Lehre des Gelug-Prasangika sind die Aggregate einer Person befleckt, wenn sein oder ihr Geist Erscheinungen wahrhaft begründeter Existenz aufkommen lässt. Sie gelten als unbefleckt, wenn sein oder ihr Geist keine solchen Erscheinungen entstehen lässt.

Während der Lebenszeit, in denen Arhats Befreiung erlangen, werden ihre Körper – ob befleckt oder unbefleckt – zu den kognitiven Anregern gezählt, die Formen physischer Phänomene (tib. gzugs-kyi skye-mched) sind. Solche kognitiven Anreger können entweder durch das visuelle oder geistige Bewusstsein erkannt werden. Während der nachfolgenden Lebenszeiten bis zu ihrem Erreichen der Erleuchtung leben Shravaka- und Pratyekabuddha-Arhats, die kein Bodhicitta haben, in reinen Ländern. Die Folgenden dagegen können oder können auch nicht in reinen Ländern leben: Diejenigen, die Bodhicitta entwickelt haben und Bodhisattva-Arhats der bestimmten Linie (tib. rigs-nges-pa‘i byangs-sems) – d.h. die Bodhisattvas, welche sich über ihre Linie als Bodhisattvas sicher waren, bevor sie Arhatschaft erreicht haben, also Arhatschaft als Bodhisattvas und nicht als Shravakas oder Pratyekabuddhas. Arya-Bodhisattvas und Shravaka- und Pratyekabuddha-Arhats, die Bodhicitta entwickelt haben, erhalten in den reinen Ländern Mahayana-Belehrungen vom Körper vollen Gebrauchs eines Buddha. Sind sie in reinen Ländern, sind die Körper der Arhats für das eigene Sehbewusstsein als auch für das Sehbewusstsein anderer Arhats sichtbar, jedoch nicht für das Sehbewusstsein gewöhnlicher Wesen. Daher werden ihre Körper immer noch zu den kognitiven Anreger, die Formen physischer Phänomene sind gezählt. Nichtsdestotrotz werden diese Körper als Formen physischer Phänomene betrachtet, die die funktionelle Natur des Geistes (tib. yid-kyi rang-bzhin gyi gzugs) haben und manchmal „ geistige Körper“ (tib. yid-lus) genannt werden. In diesem Sinn ähneln sie den vier subtilen Elementen der Körper der Wesen auf der Ebene ätherischer Formen.

  • Ein „geistiger Körper“ zu sein und „die funktionelle Natur des Geistes zu haben“ bedeutet nicht, dass diese Formen physischer Phänomene Arten sind, sich einer Sache gewahr zu sein. Es bedeutet, dass ihre funktionelle Natur – wie sie arbeiten, um ihre Wahrnehmungen zu erzeugen - ähnlich der von Objekten ist, die durch ein geistiges Bewusstsein erkannt werden.

Gemäß Vasubandhu im Text „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“ (tib. Chos mngon-pa‘i mdzod, Skt. Abhidharmakosha) fallen die Körper von Arhats nur unter die kognitive Anreger, die Phänomene sind (tib. chos-kyi skye-mched). Mit anderen Worten sind ihre Körper subtile Formen physischer Phänomene die nur vom geistigen Bewusstsein gewöhnlicher Wesen erkannt werden kann. In diesem Sinn sind sie Traumkörpern (tib. rmi-lam-gyi gzugs) ähnlich.

[Siehe: Aggregat der Formen physischer Phänomene.]