Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ursachen, Bedingungen und Resultate

Alexander Berzin, Juli 2005

Die sechs Arten von Ursachen gemäß Vasubandhu

Ursachen (tib. rgyu, Skt. hetu) führen dazu, dass etwas erzeugt wird oder etwas entsteht. Bedingungen (tib. rkyen, pratyaya) tragen dazu bei, der Identität dessen, was erzeugt wird oder entsteht, Form zu geben.

Gemäß der Vaibhashika-Präsentation, wie sie in Vasubandhus Text Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens (tib. Chos mngon-pa'i mdzod, Skt. Abhidharmakosha) erklärt wird, gibt es sechs Arten von Ursachen:

1. Wirkende Ursachen (tib. byed-rgyu, Skt. karanahetu) – alle Phänomene außer dem Resultat selbst, die das Hervorbringen des Resultats nicht behindern. Es gibt a) machtvolle wirkende Ursachen (tib. byed-rgyu nus-ldan), wie ein Samen für einen Spross, und b) nicht-machtvolle wirkende Ursachen (tib. byed-rgyu nus-med), wie der Raum, der dem Keim ermöglicht zu wachsen, und die Mutter oder die Kleidung des Bauern, der den Samen gesät hat.

2. Gleichzeitig auftretende Ursachen (tib. lhan-cig 'byung-ba'i rgyu, Skt. sahabhuhetu) – Ursachen, die gleichzeitig mit ihren Resultaten auftreten. Dies bezieht sich auf zwei Phänomene, die als Ursache und Wirkung bezeichnet werden, die gegenseitig zum Hervorbringen oder Entstehen des anderen beitragen; mit anderen Worten, eines kann nicht ohne das andere existieren. Beispiele sind die vier Elemente, aus denen ein materielles Objekt besteht und das materielle Objekt, das aus ihnen gemacht ist, die geistigen Faktoren und das Primärbewusstsein, das sie begleiten, sowie die definierenden Charakteristika und die Basis, die diese definierenden Charakteristika besitzt.

[Siehe: Kongruente und nichtkongruente Einflussvariablen.]

3. Ursachen von gleichem Status (tib. skal-mnyam-gyi rgyu, Skt. sabhagahetu) – Ursachen, deren Resultate spätere Momente in derselben Kategorie von Phänomenen sind wie die Ursachen selbst. Dieselbe Kategorie bezieht sich darauf, dass sie in dieselbe ethische Kategorie (tib. rigs) fallen – konstruktiv (ob befleckt oder unbefleckt), destruktiv oder unspezifisch – als auch von gleicher Existenzebene (tib. sa) sind – der Ebene der Sinnesbegierden (Begierdebereich), der ätherischen Formen (Formbereich oder der formlosen Wesen (formloser Bereich). Beispiele sind vorangegangen Momente von etwas, zum Beispiel von Geduld, die Ursachen von gleichem Status wie ihre späteren Momente sind, und Momente von etwas, die Ursachen von gleichem Status wie ihre nächst höhere Ebene sind. Ein Beispiel für letzteres ist das unterscheidende Gewahrsein auf der Ebene der Sinnesbegierden, das dadurch entsteht, dass Zuhören die Ursache von gleichem Status für unterscheidendes Gewahrsein auf der Ebene der Sinnesbegierden ist, das durch Denken entsteht.

4. Übereinstimmende Ursachen (tib. mtshungs-ldan-gyi rgyu, Skt. samprayuktahetu) – Ursachen, die fünf Dinge mit ihrem Resultat gemeinsam haben: dasselbe Objekt der Ausrichtung, denselben geistigen Aspekt, denselben Sensor der Wahrnehmung, dieselbe Zeit und denselben Blickwinkel. Das bezieht sich auf das Primärbewusstsein und seine begleitenden Geistesfaktoren. Daher sind begleitende Ursachen eine Unterkategorie der gleichzeitig auftretenden Ursachen.

5. Treibende Ursachen (tib. kun-'gro'i rgyu, Skt. sarvatragohetu) – störende Emotionen und Geisteshaltungen, die weitere nachfolgende störende Emotionen und Geisteshaltungen auf der gleichen Existenzebene erzeugen. Ursache und Resultat müssen hier jedoch nicht den gleichen ethischen Status haben. So ist eine verblendete Auffassung gegenüber einem vergänglichen Netzwerk (tib. 'jig-lta, Skt. satkayadrshti) auf der Ebene der Sinnesbegierden zum Beispiel ein unspezifisches Phänomen; sie kann aber die treibende Ursache für Anhaftung auf der Ebene der Sinnesbegierden sein, die ein destruktives Phänomen ist.

6. Reifende Ursache (tib. rnam-smin-gyi rgyu, Skt. vipakahetu) – destruktive und befleckte konstruktive Phänomene, die nicht leer von der Feuchtigkeit des Verlangens (tib. sred-pa, Skt. trshna) sind, und die die Kraft haben, nicht-behindernde unspezifische Dinge (tib. ma-bsgribs-pa'i lung ma-bstan, Skt. anivrta-avyakrta) hervorzubringen, die in den fünf Aggregat-Faktoren zukünftiger Wiedergeburtszustände enthalten sind, wie beispielsweise dem Körper, den verschiedenen Arten von Bewusstsein und den Gefühlen.

[Siehe: Konstruktive, destruktive und unspezifische Phänomene .]

Die vier Bedingungen gemäß Vasubandhu

Gemäß Vasubandhu gibt es vier Arten von Bedingungen:

1. Ursächliche Bedingungen (tib. rgyu-rkyen, Skt. hetupratyaya) – alle Ursachen, die die Kraft haben, ein spezifisches Resultat hervorzubringen. Dies bezieht sich auf die fünf Arten von Ursachen außer den wirkenden Ursachen.

2. Unmittelbar vorausgehende Bedingungen (tib. de-ma-thag rkyen, Skt. samanantarapratyaya) – die unmittelbar vorausgehenden Gewahrseinsmomente, die als ihr Resultat zu dem Erscheinungs-Hervorbringen und der Wahrnehmung (tib. gsal-rig, Klarheit und Gewahrsein) des nächsten Gewahrseinsmoments führen. Nur das Primärbewusstsein und die Geistesfaktoren haben unmittelbar vorausgehende Bedingungen.

3. Fokale Bedingung (die Ausrichtung der Aufmerksamkeit betreffende Bedingung [Anm. des Lektors], tib. dmigs-rkyen, Skt. alambanapratyaya) – das, was einen Aspekt seiner selbst als Objekt der Wahrnehmung darstellt.

4. Dominante Bedingung (tib. bdag-rkyen, Skt. adhipatipratyaya) – das, was die essenzielle Natur (tib. ngo-bo) von etwas hervorbringt, wie die Augensensoren für das visuelle Bewusstsein und übereinstimmenden Geistesfaktoren einer visuellen Wahrnehmung. Diese Bedingung wird „dominant“ genannt – buchstäblich die „Befehlshaber-Bedingung“ – weil sie entscheidet, was die essenzielle Natur ihres Resultats sein wird. Ursächliche Bedingungen hingegen bringen die besonderen Merkmale (tib. khyad-par) von etwas hervor, wie beispielsweise den Geistesfaktor der Anhaftung, der ein visuelles Bewusstsein begleitet. Im Falle der Formen physischer Phänomene sind dominante und ursächliche Bedingungen dieselben.

Zusätzliche Arten von Ursachen und Bedingungen

In der allgemeinen Diskussion über Ursachen und Bedingungen werden einige weitere erwähnt.

1. Herbeiführende Ursachen (tib. nyer-len-gyi rgyu, Skt. upadanahetu, materielle Ursachen) – das, von dem man etwas als dessen Nachfolger erlangt, und daher das, was aufhört zu existieren, wenn sein Nachfolger entsteht. Die karmische Hinterlassenschaft (tib. sa-bon, Skt. bija, karmischer Samen) für eine visuelle Wahrnehmung eines Tontopfes ist die herbeiführende Ursache für das visuelle Bewusstsein in Bezug auf den Topf, da es sich in das visuelle Bewusstsein als seinen Nachfolger verwandelt und in diesem Moment aufhört zu existieren. Sie ist nicht die herbeiführende Ursache der visuellen Form des Tontopfes. Der ungebrannte Tontopf ist die herbeiführende Ursache für den Tontopf, genau wie der ungebackene Teig für einen Laib Brot und ein Samen für einen Spross.

2. Simultan wirkende Bedingungen (tib. lhan-cig byed-pa'i rkyen, Skt. sahakaripratyaya) – Dinge, die vor dem Entstehen von etwas existieren müssen und die dazu beitragen, dass das Entstehen geschehen kann, die sich jedoch nicht in das verwandeln, was entsteht. Zum Beispiel ist die karmische Hinterlassenschaft für eine visuelle Wahrnehmung einer visuellen Form eines Tontopfes die simultan wirkende Bedingung für eine visuelle Form des Topfes, genauso wie Wasser und Dünger die simultan wirkenden Bedingungen für einen Spross sind.

3. Gleiche-Familie-Ursachen (tib. rigs-‘dra’i rgyu, Skt. sajatiyakaranam) – Dinge in derselben Kategorie von Phänomenen wie ihre Resultate, für die sie als Vorlage fungieren. Zum Beispiel ist die karmische Hinterlassenschaft einer Wahrnehmung einer visuellen Form eines Tontopfes die Gleiche-Familie-Ursache für einen späteren Moment eines visuellen Bewusstseins eines Tontopfes. Ein zuvor existentes äußeres Modell der visuellen Form eines Tontopfes ist die Gleiche-Familie-Ursache für die visuelle Form eines Tontopfes. Anblicke als Formen physischer Phänomene hinterlassen keine karmischen Vermächtnisse; nur die Weisen, wie man einer Sache gewahr ist, hinterlassen karmische Vermächtnisse. Daher kann eine visuelle Form (ein Anblick) von etwas nicht die Gleiche-Familie-Ursache für ein karmisches Vermächtnis sein, und ein karmisches Vermächtnis kann nicht die Gleiche-Familie-Ursache für eine nachfolgende visuelle Form sein.

4. Geburtsquelle (Ursprungsquelle; tib. rdzas, Skt. dravya) von Dingen – das, was etwas entstehen lässt oder aus dem etwas entsteht. Zum Beispiel ist eine Töpferscheibe die Geburtsquelle eines Tontopfes; ein Ofen ist die Geburtsquelle eines Brotlaibes, und eine Gebärmutter ist die Geburtsquelle eines Babys. Eine Geburtsquelle kann zwei untrennbare Dinge hervorbringen, wie den Tontopf und den Bauch des Tontopfes (ein Ganzes und seine Teile). Alternativ kann sie zwei getrennte Dinge hervorbringen, wie zwei Tontöpfe. Einige Geburtsquellen hören auf zu existieren, wenn sie etwas entstehen lassen, wie beispielsweise ein Same, der als die Geburtsquelle für einen Spross dient. Andere Geburtsquellen existieren weiter, wie die Töpferscheibe, nachdem sie einen Tontopf produziert hat.

Die fünf Arten von Resultaten gemäß Vasubandhu

Vasubandhu spricht von fünf Arten von Resultaten:

1. Gereifte Resultate (tib. rnam-smin-gyi 'bras-bu, Skt. vipakaphalam) – die unbehinderten, unspezifischen Dinge in Verbindung mit dem geistigen Kontinuum eines begrenzten Wesens, wie beispielsweise der Körper, das Bewusstsein und die Gefühle, die aus einer reifenden Ursache entstehen, die auch mit seinem oder ihrem geistigen Kontinuum verbunden sind. Die reifenden Ursachen müssen entweder destruktiver oder befleckt konstruktiver Natur sein. Unspezifische Handlungen oder Impulse lassen keine gereiften Resultate entstehen.

2. Resultate, die ihrer Ursachen entsprechen (tib. rgyu-mthun-gyi 'bras-bu, Skt. nishyandaphalam) sind von zweierlei Art: a) Resultate, die ihrer Ursache in unserem Verhalten entsprechen (tib. byed-pa rgyu-mthun-gyi 'bras-bu), b) Resultate, die ihrer Ursache in unserer Erfahrung entsprechen (tib. myong-ba rgyu-mthun-gyi 'bras-bu). Sie können aus destruktiven, befleckten konstruktiven oder unspezifischen Handlungen entstehen. Erstere beziehen sich auf den Geistesfaktor, dass man es mag (tib. dga'-ba, Skt. priti), eine Handlung in einem bestimmten Moment auszuführen, die dem ähnlich ist, was wir in der Vergangenheit getan haben. Mit anderen Worten: Wir haben das Gefühl, eine bestimmte Handlung wiederholen zu wollen. Ein solches Resultat kann auch als Wunsch (tib. 'dod-pa) bezeichnet werden, eine derartige Handlung auszuführen. In diesem Falle ist das Resultat, das der Ursache in unserem Verhalten entspricht, mit einer Intention (tib. 'dun-pa, Skt. chandas) gleichzusetzen. Die Resultate, die ihrer Ursache in unserer Erfahrung entsprechen beziehen sich darauf, wie wir eine Situation erleben. Uns widerfährt in einer Situation etwas, das dem ähnelt, wie wir selber früher gehandelt haben.

3. Dominante Resultate (tib. bdag-po'i 'bras-bu, Skt. adhipatiphalam, vorherrschende Resultate, übergreifende Resultate) – beziehen sich auf das Umfeld oder die Art von Gesellschaftsstruktur, in die wir geboren werden oder eintreten, und beziehen sich auf die Art, wie uns unser Umfeld oder die Gesellschaft behandeln. Ferner beziehen sich die dominanten Resultate auf die die Objekte, wie beispielsweise Besitztümer, mit denen wir im Leben zu tun haben, und auch darauf, was mit diesen Objekten geschieht. Derartige Resultate können sich aus destruktiven, befleckten konstruktiven oder unspezifischen Handlungen ergeben. Man nennt sie „dominante Resultate“ – wörtlich „Befehlshaber-Resultate“ – weil sie sich wie ein Befehlshaber über alles, was wir in einer bestimmten Wiedergeburt erleben, erstrecken, und dabei alle unsere Erfahrungen dominieren. Eine weitere Variante dieses Begriffs ist „befehlende Resultate“ (tib. dbang-gi 'bras-bu). In vielen Fällen erstrecken sich diese Resultate auf das Leben vieler Wesen gleichzeitig und dominieren dabei zum Beispiel das Leben all jener Lebewesen, die sich in derselben Umgebung aufhalten, weil all diese Lebewesen gemeinsam die karmischen Ursachen dafür geschaffen haben, in eben dieses Umfeld hineingeboren worden zu sein oder in dieser Art von Umwelt zu leben.

4. Von Menschenhand geschaffene Resultate (tib. skyes-bu byed-pa'i 'bras-bu, Skt. purushakaraphalam) sind von zweierlei Art: von Menschenhand geschaffene Resultate, die hergestellt worden sind oder sich entwickeln (tib. bskyed-pa'i skyes-bu byed-pa'i 'bras-bu), und von Menschenhand geschaffene Resultate, die Errungenschaften sind (tib. thob-pa'i skyes-bu byed-pa'i 'bras-bu). Beides sind Resultate, die als das direkte Resultat der Bemühungen eines begrenzten Wesens entstehen; sie reifen nicht aus Karma. Ein Beispiel für die erste Art von Resultat ist ein blauer Fleck, den wir dadurch bekommen haben, weil wir mit dem Fuß gegen etwas gestoßen sind. Ein anderes Beispiel für diese Art von Resultat ist der Gewinn, den wir aus unseren geschäftlichen Aktivitäten ziehen. Ein Beispiel für die zweite Art von Resultat ist das Erlangen eines Pfadgeistes des Sehens (tib. mthong-lam, Pfad des Sehens), also wenn jemand – als Resultat von intensiver Meditation über die Abwesenheit von wahren Identitäten (tib. bdag-med, Skt. nairatmya, Identitätslosigkeit, Selbstlosigkeit) – die dritte der fünf Ebenen von spirituellem Pfadgeist erlangt.

5. Resultate, die Zustände der Trennung sind (tib. bral-'bras, Skt. visamyogaphalam) – statische Zustände, die durch Bemühung erlangt werden, die jedoch weder durch diese Mühe hervorgebracht noch zur Reife gebracht werden. Zum Beispiel fungiert das nichtkonzeptuelle Meditieren über die Abwesenheit von wahren Identitäten als ein Umstand für den Zustand der Trennung von einem Teil unserer störenden Emotionen und Geisteshaltungen. Doch da ein derartiger Zustand statisch ist und für immer andauert, reift er nicht aus dem Akt des Meditierens, noch ist er von ihm verursacht. Die Meditation über Leerheit resultiert im Erlangen des Zustands, in dem man teilweise frei von störenden Emotionen und Geisteshaltungen ist; die Meditation erzeugt diesen Zustand jedoch nicht selbst.

Varianten und Ausführungen von Asanga

Gemäß Asangas Chittamatra-Text, Eine Anthologie spezieller Themen des Wissens (tib. Chos mngon-pa kun-las btus-pa, Skt. Abhidharmasamuccaya), beziehen sich die wirkenden Ursachen auf alles außer dem Resultat selbst. Machtvolle wirkende Ursachen beinhalten alle nichtstatischen beeinflussten Phänomene, wohingegen die nicht-machtvollen wirkenden Ursachen nur statische nicht-beeinflusste Phänomene beinhalten. Zudem schließen die ursächlichen Bedingungen auch die wirkenden Ursachen mit ein.

Es gibt zwanzig Arten von wirkenden Ursachen:

1. Wirkende Ursachen, die etwas als ihr Ergebnis produzieren (tib. 'byung-ba'i byed-rgyu) – zum Beispiel erzeugt das karmische Vermächtnis für ein visuelles Bewusstsein zusammen mit den dominanten und unmittelbar vorausgehenden Bedingungen einen visuellen Bewusstseinsmoment.

2. Wirkende Ursachen für das Verweilen (tib. gnas-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel Nahrung und Wasser, die für das Überleben eines begrenzten Wesens notwendig sind.

3. Wirkende Ursachen, die als etwas Verlässliches dienen (tib. rten-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel die Erde oder der Boden als das, auf das sich Landlebewesen als ihren Lebensort verlassen; oder das Wasser für einen Fisch.

4. Wirkende Ursachen, um Dinge klar zu machen (tib. gsal-ba'i byed-rgyu) – zum Beispiel das Licht der Sonne oder einer Lampe, die dem visuellen Bewusstsein ermöglicht, visuelle Formen klar wahrzunehmen.

5. Wirkende Ursachen, um etwas zu ändern (tib. 'gyur-ba'i byed-rgyu) – zum Beispiel Feuer, um Holz in Kohle zu verwandeln.

6. Wirkende Ursachen, die etwas abtrennen (tib. 'bral-ba'i byed-rgyu) – zum Beispiel eine Sichel, um Gras zu schneiden und Heu zu machen.

7. Wirkende Ursachen, um etwas zu verwandeln (tib. bsgyur-ba'i byed-rgyu) – zum Beispiel ein Goldschmied, um Gold in ein goldenes Schmuckstück zu verwandeln.

8. Wirkende Ursachen, um Zuversicht zu haben (tib. yid-ches-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel der Anblick von Rauch, um dadurch mittels logischer Schlussfolgerung die Zuversicht zu gewinnen, dass ein Feuer vorhanden ist.

9. Wirkende Ursachen, die uns Zuversicht gewinnen lassen (tib. yid-ches-par byed-rgyu) – die drei Teile einer Argumentationskette, die einen Syllogismus beweisen.

10. Wirkende Ursachen, die Erlangungen ermöglichen (tib. 'thob-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel wahre Arten von Pfadgeist, mit deren Hilfe wir Befreiung und Erleuchtung erlangen können.

11. Wirkende Ursachen, die Konventionen sind (tib. tha-snyad-kyi byed-rgyu) – die definierenden Merkmale der Grundlage einer Benennung zu sehen oder den Klang eines Wortes zu hören, als Ursache für ein Verständnis dafür, was das Objekt ist oder was das Wort bedeutet.

12. Wirkende Ursachen, von denen etwas abhängt (tib. ltos-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel ein Hungergefühl als eine wirkende Ursache dafür, dass man etwas isst.

13. Wirkende Ursachen, die (aus der Entfernung) werfen (tib. 'phen-pa'i byed-rgyu) – zum Beispiel fungiert das erste Glied des abhängigen Entstehens – das Nicht-Gewahrsein – als wirkende Ursache für das zwölfte Glied – Alter und Tod. Ein weiteres Beispiel sind unsere Großeltern, die eine wirkende Ursachen für unsere eigene Existenz sind.

14. Wirkende Ursachen, die unmittelbar vollenden (tib. mngon-par 'grub-pa'i rgyu) – zum Beispiel das erste Glied des abhängigen Entstehens als eine wirkende Ursache für das zweite Glied – beeinflussende Variablen – , oder unsere Eltern als wirkende Ursachen für unsere eigenen Existenz.

15. Wirkende Ursachen, die sich kümmern (tib. yongs-su 'dzin-pa'i byed-rgyu) – die Faktoren, die einem Resultat helfen, aus seiner herbeiführenden Ursache heranzureifen. So sind zum Beispiel Erde, Wasser, Sonnenlicht und Dünger Ursachen für das Wachstum eines Sprösslings aus einem Samen.

16. Wirkende Ursachen, die beliebt machen (tib. rkud-par byed-rgyu) – zum Beispiel jemandem schmeicheln, gehorchen oder einen Gefallen tun als eine wirkende Ursache, um die Gunst der Person zu erlangen, und sich so selbst in eine günstige Lage zu bringen.

17. Wirkende Ursachen, um mit Gewissheit eine bestimmte Art von Wiedergeburt zu erlangen (tib. so-sor nges-pa'i rgyu) – das Netzwerk von karmischen und nicht-karmischen Ursachen und Bedingungen, um eine bestimmte Art von Wiedergeburt in einem der fünf Bereiche zu erlangen. (Die Gegengötter sind in diesem Fall entweder der Gruppe der Göttern oder der Klammergeistern zugeordnet).

18. Wirkende Ursachen, die gleichzeitig sind (tib. lhan-cig byed-rgyu) – das Netzwerk von Ursachen und Bedingungen, die gleichzeitig zusammenarbeiten müssen, um ein Resultat hervorzubringen, wie beispielsweise die dominanten und unmittelbar vorausgehenden Bedingungen, die nicht-degenerierte Kraft der Wahrnehmungssensoren, die Aufmerksamkeit, die Konzentration und so fort – in diesem Beispiel also Faktoren die für die Wahrnehmung eines Objekts erforderlich sind.

19. Wirkende Ursachen, die sich nicht (mit dem Resultat) im Einklang befinden (tib. mi-mthun-pa'i byed-rgyu) – jene Dinge, die das Hervorbringen von etwas unterbrechen oder behindern, zum Beispiel ein Hagelsturm als die auf eine Ernte einwirkende Ursache.

20. Wirkende Ursachen, die sich (mit dem Resultat) nicht im Gegensatz befinden (tib. mi-mthun-pa ma-yin-pa'i byed-rgyu) – die Abwesenheit einer gegensätzlichen Bedingung und das Vorhandensein einer übereinstimmenden Bedingung; zum Beispiel eine Wetterlage, die frei von Hagel und Trockenheit ist, als eine wirkende Ursache für eine Ernte.