Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Was erkennt ein Buddha, wenn er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkennt?

Alexander Berzin
Oktober 2007
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn und Albert Pichlmaier
Überarbeitet von Cornelia Krause

Teil Drei: Analyse der Gelug Prasangika Erklärung

Weiteres Material als Hintergrund

Der Umfang der Analyse

Da das Thema des freien Willens versus Determinismus vom Verständnis des „noch nicht Stattfindenden“ abhängt, lassen Sie uns in unserer Untersuchung zunächst darauf konzentrieren.

Wir wollen unsere Erörterung überdies auf die Gelug-Prasangika-Erklärung des „noch nicht Stattfindenden“ als nicht-statisches, implizierendes Negations-Phänomen beschränken. Anders als im Gelug-Chittamatra- und -Yogachara-Svatantrika-System wird im Gelug-Prasangika-System die Existenz äußerer Phänomene akzeptiert. Also kann das „noch nicht Stattfindende“ im Hinblick auf innerlich oder äußerlich auftretende Abfolgen von Ursache und Resultat spezifiziert werden. Innerlich auftretende Abfolgen sind Abfolgen von Momenten, die im geistigen Kontinuum von jemanden auftreten.

  • Innerlich auftretende Abfolgen können Abfolgen karmischer Erfahrung sein, z.B. destruktives Handeln als karmische Ursache und die Erfahrung von Leiden als karmisches Resultat.
  • Sie können auch Abfolgen von Episoden des Enstehens geistiger Faktoren sein, z.B. Wut oder Geduld als Resultat ursächlicher Tendenzen dafür.
  • Oder sie können kognitive Abfolgen sein, z.B. wenn man ein Blatt von einem Baum auf den Boden fallen sieht.

Zu den äußerlich auftretenden Abfolgen gehört z.B. die Positionsveränderung eines Blattes, während es vom Baum zu Boden fällt, oder der Prozess, wenn ungebrannter Ton zu einem Tonkrug wird.

Lassen Sie uns zuerst über die Abfolge der Erfahrungen von karmischer Ursache und Resultat bei jemandem sprechen, z.B. wenn jemand voller Wut eine andere Person mit einem Gegenstand schlägt und das karmische Resultat erlebt, dass er von jemanden mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen wird und dann die Person, die ihn geschlagen hat, wiederum schlagen will.

Karmische Impulse und karmische Tendenzen

Karma ist ein komplexes Thema, das viele Variablen beinhaltet. Karma (tib. las) ist ein befleckter Impuls im geistigen Kontinuum von jemandem, der eine konstruktive oder destruktive geistige, körperliche oder sprachliche Handlung begeht oder jemand anderen veranlasst, eine körperliche oder sprachliche Handlung zu begehen.

  • Karma ist in dem Sinne befleckt (tib. zag-bcas, „verunreinigt“), dass es von einer störenden Emotion oder Geisteshaltung herrührt oder auf irgendeine Weise mit einer störenden Emotion oder Geisteshaltung verbunden ist.

Im Prasangika-System gemäß Gelug-Tradition gilt:

  • Der karmische Impuls einer geistigen Handlung ist ein Geistesfaktor, nämlich der Drang (tib. sems-pa), etwas zu denken, zu tun oder zu sagen.
  • Der karmische Impuls einer körperlichen Handlung ist die offenbarende Form (tib. rnam-par rig-byed-kyi gzugs) der Gestalt der Ausführung einer körperlichen Handlung und die nicht- offenbarende Form (tib. rnam-par rig-byed ma-yin-pa‘i gzugs) oder „subtile Vibration“, die zeitgleich damit einhergeht und der körperlichen Handlung folgt.
  • Der karmische Impuls einer sprachlichen Handlung ist die offenbarende Form des Lautes, der bei der Ausführung der sprachlichen Handlung erzeugt wird, und die nicht-offenbarende Form oder „subtile Vibration“, die zeitgleich damit einhergeht und der sprachlichen Handlung folgt.

Ungleich körperlichen Abfolgen von Ursache und Resultat, z.B. dem Antreten eines Balls und dessen Bewegung als unmittelbares Resultat davon, ist die Verbindung zwischen einem karmischen Impuls als Ursache und dem „Reifen“ als deren Resultat nicht so, dass beides unmittelbar aufeinander erfolgt. Die dazwischen liegenden Stufen beinhalten eine „karmische Hinterlassenschaft“ , die aus verschiedenen Faktoren besteht. Lassen Sie uns die Darstellung der karmischen Hinterlassenschaft nur auf die Erörterung von karmischem Vermächtnis (tib. sa-bon, Skt. bija , karmische Samen) begrenzen und die Erklärung vereinfachen, indem wir karmische Tendenzen und karmische Kräfte nicht genauer voneinander unterscheiden.

  • „Karmisches Vermächtnis“ ist ein allgemeiner Begriff, der (1) karmische Tendenzen (tib. sa-bon) umfasst – die immer ethisch unspezifisch (tib. lung ma-bstan) sind – und (2) konstruktive karmische Kräfte (tib. bsod-nams, Skt. punya, Verdienst) und destruktive karmische Kräfte (tib. sdig-pa, Skt. papa, „Sünde“), wenn diese beiden die wesentliche Natur einer karmischen Tendenz (tib. sa-bon-gyi ngo-bor gyur-ba) angenommen haben.
  • Ein karmisches Vermächtnis ist eine nicht [mit den Kategorien Form oder Bewusstsein] kongruente, beeinflussende Variable, die einem geistigen Kontinuum zugeschrieben ist.

[Siehe: Logische Durchdringung der Fachbegriffe für die verschiedenen Arten karmischer Hinterlassenschaft.]

Da das Hauptaugenmerk in den folgenden Kapiteln auf dem „noch nicht Stattfindenden“ liegt, und weil der Begriff „karmisches Vermächtnis“ Bezug zur Vergangenheit und der Begriff „karmische Tendenzen“ Bezug zur Zukunft hat, werden wir der Einfachheit halber das karmische Vermächtnis hier mit dem Ausdruck „karmische Tendenzen“ bezeichnen, um das Verständnis zu erleichtern.

Das Reifen von Tendenzen

Karmische Tendenzen von karmischen Impulsen reifen zu etwas heran wie z.B.:

  • dem Primärbewusstsein (tib. rnam-shes), das beteiligt ist, wenn wir in unserem Verhalten oder unserer Erfahrung ein Resultat erfahren, das der Ursache ähnelt, z.B. das Körperbewusstsein der körperlichen Empfindung, mit einem Tonkrug von jemandem auf den Kopf geschlagen zu werden,
  • dem Geistesfaktor, der darin besteht, dass wir eine Handlung ausführen möchten (tib. ´dod-pa) oder Gefallen daran finden, eine Handlung auszuführen, die dem ähnelt, was wir früher schon getan haben, z.B. die Person zurückschlagen wollen, die uns mit dem Tonkrug auf den Kopf geschlagen hat,
  • dem Augenbewusstsein: dem Sehen der Person, die uns geschlagen hat, während wir sie zurückschlagen wollen,
  • dem Gefühl eines bestimmten Ausmaßes an Glücklichsein, Unglücklichsein oder etwas dazwischen Liegendem, das das Primärbewusstsein in jedem der obigen Fälle begleitet,
  • unserem menschlichen Körper und seiner physischen Elemente, jedoch nur in dem Zusammenhang, dass sie als körperliche Basis für das oben erwähnte Primärbewusstsein und die Geistesfaktoren dienen,
  • den physischen Sensoren unseres menschlichen Körpers, jedoch nur in dem Zusammenhang, dass sie als vorherrschende Bedingung (tib. dbag-rkyen) der betreffenden Körperwahrnehmung dienen, in diesem Fall der körperlichen Empfindung, auf den Kopf geschlagen zu werden.

Die obigen Phänomene reifen nicht alle aus derselben karmischen Tendenz heran. Gefühle des Glücklichseins und die Körper besserer Wiedergeburtszustände reifen im Allgemeinen aus konstruktiven Handlungen heran, Gefühle des Unglücklichseins und die Körper der Zustände einer schlechteren Wiedergeburt hingegen im Allgemeinen aus destruktiven Handlungen. Die anderen Phänomene, die im obigen Beispiel erwähnt sind, reifen aus der speziellen destruktiven Handlung heran, jemand anderen mit einem Gegenstand auf den Kopf geschlagen zu haben.

[Siehe: Ursachen, Bedingungen und Resultate.]

Karmische Tendenzen sind nicht die einzige Art von Tendenzen in unserem geistigen Kontinuum. Es gibt

  • Tendenzen, die aus den Geistesfaktoren herrühren, welche frühere Momente der Wahrnehmung begleitet haben.
  • Tendenzen, die mit Erinnerung zu tun haben – nämlich Tendenzen zu denken, etwas zu denken, das dem ähnelt, was wir früher erfahren haben, oder eine Handlung auf eine Art und Weise auszuführen, wie wir es früher getan haben, z.B. unseren Namenszug so zu schreiben, wie wir es auch früher schon getan haben.

Die erste dieser beiden Arten von Tendenzen ist hier relevant, nämlich die Tendenzen zu bestimmten Geistesfaktoren. Dabei kann es sich um Tendenzen handeln zu

  • destruktiven Geistesfaktoren wie z.B. Wut,
  • konstruktiven Geistesfaktoren wie z.B. Geduld,
  • ethisch nicht eindeutig bestimmten Geistesfaktoren wie z.B. Konzentration.

Lassen Sie uns hier nur über der ersten dieser drei Tendenzen sprechen. Die Tendenz, die zu einer störenden Emotion, wie z.B. Wut, führt, bringt die störende Emotion von Wut hervor, welche das Primärbewusstsein begleitet, das aus einer karmischen Tendenz heranreift. In unserem obigen Beispiel wäre dies die Wut, die wir während der physischen Empfindung von Schmerz erleben, wenn wir von jemandem mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen werden und die Person, die uns geschlagen hat, zurückschlagen wollen.

Karmische Tendenzen und Tendenzen, die aus Geistesfaktoren herrühren, reifen jedoch nicht zu Formen körperlicher Phänomene (tib. gzugs) heran, die Objekte unserer Wahrnehmung sind, aber nicht zu unserem geistigen Kontinuum gehören, z.B. dem Tonkrug selbst.

  • Äußere Objekte, z.B. ein Tonkrug, bewirken einen Eindruck davon in unserem Bewusstsein.
  • Dieser Eindruck ist ein geistiger Aspekt (tib. rnam-pa), der dem äußeren Objekt gleicht. Er entsteht in der Wahrnehmung etwa wie ein geistiges Hologramm, das dieses äußere Objekt repräsentiert.

Der Tonkrug selbst entsteht als Resultat zahlreicher Ursachen und Bedingungen, als da sind: der ungebrannte Ton, der Brennofen, die Hitze des Brennofens, die Töpferscheibe, der Töpfer usw. Die Beziehung zwischen unserem Karma und dem Tonkrug ist nur im Zusammenhang unserer Wahrnehmung der körperlichen Empfindung oder des Anblicks des Kruges erwiesen.

  • Karmische Ursachen im geistigen Kontinuum der Person, die uns den Krug auf den Kopf schlägt, reiften zu dem Wunsch dieser Person heran, uns zu schlagen, und das führte zu ihrer Handlung, uns mit dem Krug zu schlagen.
  • Karmische Ursachen in unserem geistigen Kontinuum reiften zu unserer Wahrnehmung der körperlichen Empfindung des Kruges, der auf unseren Kopf geschlagen wird, heran. Sie reiften nicht zu dem Wunsch der anderen Person heran, uns zu schlagen, oder zu deren Handlung, uns zu schlagen.

Obwohl unser Körper, der von jemandem mit dem Tonkrug auf den Kopf geschlagen wird, aus einer karmischen Tendenz herangereift ist, ist unser Körper nicht plötzlich als materielles Objekt aus einer karmischen Tendenz in unserem geistigen Kontinuum aufgetaucht. Unsere Körper haben viele andere Ursachen wie z.B. das Spermium und Ei der Eltern und der Bauch unserer Mutter.

Punkte, die zu untersuchen sind

Während des Zeitraums zwischen einem gegenwärtig stattfindenden karmischen Impuls, einer gegenwärtig stattfindenden karmischen Handlung, einer gegenwärtig stattfindenden karmischen Tendenz und einem gegenwärtig stattfindenden karmischen Resultat, die alle in einem individuellen karmischen Kontinuum auftreten, ist diesem geistigen Kontinuum nach dem Auftreten der gegenwärtig stattfindenden karmischen Handlung und vor dem Auftreten des gegenwärtig stattfindenden karmischen Resultats auch das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ zuzuschreiben. Bezogen auf unser Beispiel wären aber noch folgende Fragen zu klären:

  • Ist das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ das „Noch-nicht-Stattfinden“ des Körperbewusstseins der körperlichen Empfindung und des Schmerzes, von jemandem mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen zu werden?
  • Ist es das „Noch-nicht-Stattfinden“ des unglücklichen Gefühls, das dieses Körperbewusstsein begleiten wird?
  • Ist es das „Noch-nicht-Stattfinden“ von Wut, das dieses Körperbewusstsein begleiten wird?
  • Ist es das „Noch-nicht-Stattfinden“ des Tonkrugs, der uns auf den Kopf treffen wird?
  • Ist es das „Noch-nicht-Stattfinden“ unseres Körpers in dem Moment, in dem er mit dem Tonkrug geschlagen wird?
  • Ist es das „Noch-nicht-Stattfinden“ der Person, die uns noch nicht mit dem Tonkrug auf den Kopf geschlagen hat, uns aber schlagen wird, oder das „ Noch-nicht-Stattfinden“ ihres Körpers oder das „Noch-nicht-Stattfinden“ ihrer Handlung, uns mit dem Tonkrug zu schlagen?
  • Oder ist es das gesamte „ noch nicht stattfindende“ Ereignis, von jemandem mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen zu werden, das als ein „Ganzes“ all diesen Bestandteilen zugeschrieben wird?

Was ist überdies der gegenwärtig stattfindende Status

  • dieses Körperbewusstseins, das noch nicht stattgefunden hat?
  • dieses unglücklichen Gefühls, das noch nicht stattgefunden hat?
  • dieser Wut, die noch nicht stattgefunden hat?
  • dieses Tonkrugs in dem Moment, kurz bevor er auf unseren Kopf treffen wird, während er uns gegenwärtig noch nicht getroffen hat?
  • unseres Körpers in dem Moment, kurz bevor er geschlagen wird, wenn er gegenwärtig noch nicht geschlagen worden ist, usw.?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir weitere subtile Punkte hinsichtlich dessen unterscheiden, was genau ein „ noch nicht Stattfinden von etwas“ ist und wie wir eines wahrzunehmen pflegen.

Weitere Punkte, die zu unterscheiden sind

Nicht kongruente beeinflussende Variablen und Benennung

Das Prasangika-System gemäß Gelug-Darstellung akzeptiert die Unterscheidung, die von den anderen indischen buddhistischen Lehrsystemen gemacht wurde, dass einige Phänomene eigenständig erkennbar sind und andere nur auf zugeschriebene Weise erkennbar sind, vertritt aber, dass die Art, wie jene Lehrsysteme diese Unterscheidung machten, sich nur auf die grobe Ebene dieser beiden Gruppen von Phänomenen bezieht. Gemäß dieser groben Ebene des Verständnisses sind

  • eigenständig erkennbare Phänomene (tib. rang-rkya thub-pa´i rdzas-yod) gültig erkennbare Phänomene, die für ihre tatsächliche Wahrnehmung nicht von tatsächlicher Wahrnehmung von etwas anderem abhängen.
  • zugeschrieben erkennbare Phänomene (tib. btags-yod) gültig erkennbare Phänomene, die, wenn sie wahrgenommen werden, von tatsächlicher Wahrnehmung von etwas anderem abhängen.

Der Ausdruck „tatsächliche Wahrnehmung von etwas anderem“ bezieht sich auf die ausdrückliche Wahrnehmung der Basis für die Benennung (tib. gdags-gzhi, Grundlage für die Zuschreibung) des Objekts. Im Prasangika-System wird vertreten, dass auf der subtilen Ebene alle gültig erkennbaren Phänomene auf zugeschriebene Weise erkennbar sind und dass die Gruppe eigenständig erkennbarer Phänomene eine Nullgruppe ist.

Nicht [mit den Kategorien Form oder Bewusstsein] kongruente, beeinflussende Variablen, wie z.B. „ noch nicht Stattfindendes“, sind in jenem groben Sinne auf zugeschriebene Weise erkennbar. Das heißt, dass – um das „Noch-nicht-Stattfinden von etwas“ tatsächlich wahrzunehmen, sei es begrifflich oder unbegrifflich – gleichzeitig auch die Basis für die Benennung des „ Noch-nicht-Stattfindens“ wahrgenommen werden muss.

Bitte beachten Sie:

  • Der Ausdruck „Noch-nicht-Stattfinden“ ist die geistige Benennung (tib. btags).
  • Die „ Basis für die Benennung“, oder auch „Grundlage für die Zuschreibung“ ist dasjenige, dem die geistige Benennung zugeschrieben wird.
  • Das „Bezugsobjekt“ (tib. btags-chos) ist das, worauf sich die geistige Benennung – das Etikett auf dieser Basis – bezieht, mit anderen Worten: ein tatsächliches „Noch-nicht-Stattfinden“.
  • Im Prasangika-System gemäß Gelug-Darstellung ist das, was die Existenz des „Noch-nicht-Stattfindens“ begründet, die Tatsache, dass es lediglich das Bezugsobjekt (tib. btags-don) einer gültig zugeschriebenen geistigen Benennung ist. Dieses wird nicht als ein „Ding“ begründet, das auf Seiten der Basis der Benennung auffindbar ist.
  • Der konzeptuelle Akt der geistigen Benennung von etwas erschafft nicht das Bezugsobjekt der geistigen Benennung, geschweige denn ein auffindbares „Ding“, das der geistigen Bezeichnung entspricht.

Die Grundlage für die Zuschreibung

Während eine „karmische Tendenz, die zu einem Resultat führt“ einem geistigen Kontinuum zugeschrieben werden kann, ist die „Facette dieser Tendenz, zeitweilig ihr Resultat nicht hervorzubringen“ (tib. re-zhig-gis ma-skye-pa`i cha) das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“. Die Grundlage für die Zuschreibung des „Noch-nicht-Stattfindens des Resultats“ ist also eine Facette – oder, wörtlich: ein Teil (tib. cha) – der karmischen Tendenz, die zu diesem Resultat führt. Diese Facette bzw. der Teil ist das „zeitweilige Nicht-Hervorbringen des Resultats“ der karmischen Tendenz bzw., genauer gesagt, deren „zeitweiliges Nicht-Hervorbringen ihres Resultats, solange die Umstände, die zu seiner Hervorbringung beitragen, unvollständig sind“.

  • Wie das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ ist auch das „zeitweilige Nicht-Hervorbringen des Resultats“ ein nicht-statisches, implizierendes Negations-Phänomen und eine nicht [mit den Kategorien Form oder Bewusstsein] kongruente, beeinflussende Variable; und es ist auf zugeschriebene Weise auf der Grundlage dafür, nämlich einer karmischen Tendenz, erkennbar.
  • Die karmische Tendenz ist ein nicht-statisches Bestätigungs-Phänomen. Und auch sie ist eine nicht [mit den Kategorien Form oder Bewusstsein] kongruente, beeinflussende Variable, die auf zugeschriebene Weise auf der Grundlage dafür, einem geistigen Kontinuum, erkennbar ist.
  • Wenn wir hier sagen, dass die Grundlage für die Benennung „ karmische Tendenz“ das geistige Kontinuum (tib. sems-rgyud) ist, bestimmen wir diese Grundlage nur in einem sehr allgemeinen Sinne. Das Sautrantika- und das Svatantrika-System gemäß Gelug-Darstellung bestimmen das geistige Kontinuum als Kontinuum des geistigen Bewusstseins, das Chittamatra-System als Kontinuum des allumfassenden grundlegenden Bewusstseins (tib. kun-gzhi rnam-shes, Skt. alayavijnana, Speicherbewusstsein), während es im Anuttarayoga-Tantra gemäß Gelug-Darstellung als geistiges Kontinuum des Klaren-Licht-Geistes bestimmt wird. Im Gelug- Prasangika-System wird die Grundlage für die Zuschreibung einer karmischen Tendenz speziell als das bloße „ Ich“ (tib. nga-tsam) bestimmt, welches selbst ebenfalls eine nicht [mit den Kategorien Form oder Bewusstsein] kongruente, beeinflussende Variable ist und auf zugeschriebene Weise auf der Grundlage, einem geistigen Kontinuum, erkennbar ist. Das bloße „Ich“ ist gleichbedeutend mit dem konventionell existierenden „Ich“ (tib. tha-snyad-du yod-pa‘i nga).

Um das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ wahrzunehmen, müssen wir uns also auf tatsächliche gleichzeitige Wahrnehmung des gegenwärtig stattfindenden geistigen Kontinuums stützen, dem die karmische Tendenz, die zu dem Resultat führt, zugeschrieben werden kann; und diese Tendenz hat die „ Facette des zeitweiligen Nicht-Hervorbringens ihres Resultats“, welche auf zugeschriebene Weise auf ihrer Grundlage erkennbar ist.

Das Objekt, das negiert wird

Gemäß der Definition eines Negations-Phänomens müssen wir, um das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ zu erkennen, begreifen, was das negierte Objekt ist, das im Negations-Phänomen verneint wird, und es dann abtrennen. Das negierte Objekt, das in dem Negations-Phänomen „ Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ verneint wird, ist das „gegenwärtige Stattfinden des Resultats“, und dieses ist ein nicht-statisches Bestätigungs-Phänomen. Wie wir bereits festgestellt haben, ist es nicht erforderlich, die Einzelheiten des Resultats zu kennen, um das „gegenwärtige Stattfinden des Resultats“ zu negieren.

Die Grundlage für die Negierung

Die „Grundlage für die Negierung“ (tib. dgag-gzhi) ist der Gegenstand, der ohne das zu negierende Objekt ist. Im Fall des Negations-Phänomens „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats im geistigen Kontinuum“ ist die Grundlage, die ohne „Vorhandensein eines ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats im geistigen Kontinuum‘“ ist, die „Abwesenheit des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats im geistigen Kontinuum‘“ (tib. sems-rgyud-sgang-la da-lta-ba´i ´bras-bu med-pa).

  • Diese Abwesenheit ist ein statisches, nichts anderes implizierendes, Negations-Phänomen, das ebenfalls auf zugeschriebene Weise auf der Grundlage, dem geistigen Kontinuum, erkennbar ist. Um die „Abwesenheit des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats im geistigen Kontinuum‘“ wahrzunehmen, müssen wir auch das gegenwärtig stattfindende geistige Kontinuum wahrnehmen.
  • Solange diese Abwesenheit dem geistigen Kontinuum zugeschrieben werden kann, ist sie eine Tatsache, die sich nicht verändert: Das Resultat findet jetzt nicht statt. Nachdem die Töne der Worte, die diese Abwesenheit ausdrücken, ihr zu negierendes Objekt - das Vorhandensein des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats im geistigen Kontinuum“ - ausschließen, lassen sie in ihrer Folge nichts zurück, weder explizit noch implizit.

Für das Negations-Phänomen „Abwesenheit des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats im geistigen Kontinuum‘“ ist das geistige Kontinuum sowohl die Grundlage für die Zuschreibung als auch die Grundlage für die Negierung.

  • Nur wenn es die „Abwesenheit des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats‘ in dem geistigen Kontinuum“ gibt, kann es das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats in diesem geistigen Kontinuum“ geben.

Aber auch wenn es die „Abwesenheit des gegenwärtigen Stattfindens des Resultats‘ in dem geistigen Kontinuum“ gibt, kann es nur dann ein „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats in diesem geistigen Kontinuum“ geben, wenn es in diesem geistigen Kontinuum auch eine „karmische Tendenz zu diesem Resultat, die zeitweilig ihr Resultat nicht hervorbringt“ gibt.

Sobald die karmische Tendenz, die zu dem Resultat führt, aufgehört hat zu reifen oder von diesem geistigen Kontinuum bereinigt wurde, kann die „karmische Tendenz zu diesem Resultat, die zeitweilig ihr Resultat nicht hervorbringt“ diesem geistigen Kontinuum nicht mehr zugeschrieben werden. Folglich kann das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ nicht mehr mit diesem geistigen Kontinuum in Verbindung gebracht werden. Dies ist trotz der Tatsache der Fall, dass diesem geistigen Kontinuum immer noch die „Abwesenheit des ‚gegenwärtigen Stattfindens des Resultats‘ in diesem geistigen Kontinuum“ zugeschrieben werden kann.

  • Also ist die „karmische Tendenz zu dem Resultat, die zeitweilig ihr Resultat nicht hervorbringt“ und die dem geistigen Kontinuum zugeschrieben werden kann, die Grundlage für die Zuschreibung des „ Noch-nicht-Stattfindens des Resultats in dem geistigen Kontinuum“, aber nicht die Grundlage für dessen Negierung.

Ursprungsquellen und herbeiführende Ursachen

Die Ursprungsquelle (tib. rdzas) von etwas ist das, was es entstehen lässt. Zum Beispiel ist eine Töpferscheibe Ursprungsquelle eines Tonkrugs, ein Ofen ist die Ursprungsquelle für einen Laib Brot, und ein Mutterleib ist die Ursprungsquelle für ein Baby.

  • Eine Ursprungsquelle kann zwei voneinander untrennbare Dinge entstehen lassen, z.B. einen Tonkrug und die bauchige Wölbung des Tonkrugs – ein Ganzes und seine Bestandteile. Sie kann aber auch zwei verschiedene Dinge entstehen lassen, z.B. zwei Tonkrüge.
  • Einige Ursprungsquellen hören auf zu existieren, nachdem sie etwas entstehen ließen, z.B. wie ein Same als Ursprungsquelle für einen Keimling. Andere existieren weiter, z.B. eine Töpferscheibe, nachdem sie einen Tonkrug erzeugt hat.

Eine herbeiführende Ursache (tib. nyer-len-gyi rgyi, materielle Ursache) ist das, woraus das Resultat entsteht. Sie wirkt als Ursprungsquelle, indem sie als ihren Nachfolger das Resultat hervorbringt, und hört gleichzeitig mit dem Entstehen ihres Resultats auf zu existieren. Wenn etwas die herbeiführende Ursache von etwas ist, ist es also auch Ursprungsquelle davon. Aber wenn etwas Ursprungsquelle von etwas ist, ist es nicht notwendigerweise auch die herbeiführende Ursache dafür.

Ein Same z.B. ist sowohl Ursprungsquelle als auch herbeiführende Ursache für einen Keimling. Mit dem Hervorbringen des Keimlings hört er auf zu existieren.

  • Eine Töpferscheibe hingegen ist eine Ursprungsquelle für einen Tonkrug, aber nicht dessen herbeiführende Ursache. Der ungebrannte Krug jedoch ist sowohl Ursprungsquelle als auch herbeiführende Ursache für den Tonkrug. Der ungebrannte Krug hört mit der Erzeugung des gebrannten Tonkrugs auf zu existieren, die Töpferscheibe nicht.

Eine herbeiführende Ursache ist nicht dasselbe wie eine gleichzeitig auftretende Ursache (tib. lhan-cig ´byung-ba´i rgyu). Letzterer Ausdruck bezieht sich z.B. auf die Elemente, aus denen ein Same oder ein Tonkrug gemacht ist. Erd- und Wasserelemente eines Tonkrugs z.B. treten gleichzeitig mit dem Tonkrug auf.

Eine herbeiführende Ursache benötigt allerdings gleichzeitig wirkende Bedingungen (tib. lhan-cig byed-rkyen, begleitende Bedingungen), um ihr Resultat hervorzubringen. Ein Same z.B. braucht Feuchtigkeit, Wärme und Sonnenlicht, um einen Keimling hervorzubringen.

Untersuchung der ursächlichen Verbindung zwischen einer karmischen Tendenz und ihrem Resultat im Allgemeinen

Die „karmische Tendenz zu einem Resultat, die zeitweilig dieses Resultat nicht hervorbringt“ ist die Ursprungsquelle für dieses Resultat.

Erinnern Sie sich, dass in unserem früheren Beispiel die karmische Tendenz die Ursprungsquelle für das Körperbewusstsein der körperlichen Empfindung und den Schmerz, mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen zu werden, war. Dieselbe karmische Tendenz ist Ursprungsquelle für den Geistesfaktor, der in dem Wunsch besteht, die Person, die uns geschlagen hat, zurückzuschlagen. Dieser Geistesfaktor kann dieses Körperbewusstsein begleiten oder später auftreten.

  • Die karmische Tendenz kann diese Resultate nur einmal oder mehrere Male hervorbringen.
  • Obwohl die karmische Tendenz zu diesen beiden Resultaten auch deren herbeiführende Ursache ist, vergeht sie erst, wenn sie alle ihre Resultate hervorgebracht hat.

Eine andere karmische Tendenz ist Ursprungsquelle für das Gefühl von Unglücklichsein, welches das Körperbewusstsein der physischen Empfindung und den Schmerz begleitet. Die Wut, die dieses Körperbewusstsein begleitet, entsteht aus wieder einer anderen karmischen Tendenz als ihrer Ursprungsquelle; und diese Tendenz, die zu Wut führt, wird, mit Unterbrechungen, fortgesetzt weitere Vorfälle von Wut hervorbringen, bis die Person Befreiung erlangt hat.

Die karmische Tendenz, welche die herbeiführende Ursache für das Körperbewusstsein der körperlichen Empfindung und den Schmerz ist, mit einer Vase auf den Kopf geschlagen zu werden, ist nur die gleichzeitig auftretende Bedingung für die körperliche Empfindung der Vase. Sie ist auch die gleichzeitig auftretende Bedingung für unseren Körper, die körperlichen Sensoren und die physischen Elemente von beiden, allerdings nur im Zusammenhang mit unserem Körper und dessen körperlichen Elementen, welche Grundlage für dasjenige Körperbewusstsein, diejenigen körperlichen Sensoren und deren physischen Elemente sind, die als vorherrschende Bedingung (tib. bdag-rkyen) für diese Körperwahrnehmung dienen. Die karmische Tendenz muss notwendigerweise vorher existieren, damit die körperliche Empfindung als beteiligtes Objekt (tib. ´jug-yul) dieser Körperwahrnehmung entstehen kann. Aber die karmische Tendenz, die zu dem Körperbewusstsein dieser Wahrnehmung führt, verwandelt sich nicht in die körperliche Empfindung selbst oder in unseren Körper, der als Grundlage für die Körperwahrnehmung dieser körperlichen Empfindung dient. Die karmische Tendenz ist nicht die herbeiführende Ursache dafür.

Wenn wir unspezifizierte karmische Tendenzen von konstruktiven und von destruktiven karmischen Kräften unterscheiden, gilt:

  • Die karmische Tendenz ist die Ursache des gleichen Status (tib. skal-mnyam-gyi rgyu) von Körperbewusstsein, Körper, körperlichen Sensoren und deren physischen Elementen, denn die karmische Tendenz und diese körperlichen Phänomene haben denselben ethischen Status als unspezifizierte Phänomene.
  • Das Körperbewusstsein, der Körper, die körperlichen Sensoren und deren physische Elemente sind das gereifte Resultat (tib. rnam-smin-gyi ‘bras-bu) der destruktiven karmischen Kraft der destruktiven Handlung, dass wir selbst jemanden geschlagen haben. Die destruktive karmische Kraft ist die reifende Ursache (tib. rnam-smin-gyi rgyu) für das Körperbewusstsein, den Körper usw.

[Siehe: Der Mechanismus von Karma: Die Darstellung des Mahayana unter Ausschluss der Gelug-Prasangika Schule, Unterrichtseinheit 3: Die Hinterlassenschaft von Karma.]

Gemäß dem Gelug-Prasangika-System nimmt überdies das Körperbewusstsein der körperlichen Empfindung des Tonkrugs nicht nur die körperliche Empfindung wahr, sondern auch den Tonkrug selbst als allgemein bekanntes Objekt.

Wie wir festgestellt haben, ist die Töpferscheibe Ursprungsquelle des Tonkrugs. Seine herbeiführende Ursache sowie auch weitere Ursprungsquelle dafür ist der ungebrannte Krug; und die Elemente des Tonkrugs sind gleichzeitig auftretende Ursachen. Die karmische Tendenz, die Ursprungsquelle für das Unglücklichsein ist, und die Tendenz, die Ursprungsquelle für die Wut ist, die die Wahrnehmung des Tonkrugs begleiten, sind nicht einmal gleichzeitig wirkende Bedingungen für die körperliche Empfindung des Kruges, der uns auf den Kopf trifft, geschweige denn für den Tonkrug selbst.

Weitere Bedingungen tragen ebenfalls dazu bei, dass eine karmische Tendenz und eine Tendenz, die zu einer störenden Emotion führt, ihre Ergebnisse hervorbringt.

  • Wenn das Resultat eine Gewahrseinsart (tib. shes-pa) ist, z.B. das Körperbewusstsein der körperlichen Empfindung des Kruges, der uns auf den Kopf trifft, und das Unglücklichsein und die Wut, die dieses begleiten, dann dient der vorhergehende Moment der Wahrnehmung als unmittelbar vorhergehende Bedingung (tib. de-ma-thag rkyen).
  • Im Fall von Wut sind vorhergehende Momente von Wut die Ursache des gleichen Status (tib. skal-mnyam-gyi rgyu) und ein früherer Moment einer verblendeten Auffassung in Bezug auf ein vergängliches Netzwerk (tib. jig-lta) – z.B. dass ein wahrhaft existentes „Ich“ Besitzer eines wahrhaft existenten schmerzenden Kopfes sei – die treibende Ursache (tib. kun-´gro´i rgyu).

[Siehe: Ursachen, Bedingungen und Resultate.]

Untersuchung der ursächlichen Verbindung zwischen einer karmischen Tendenz und ihrem Resultat

Wir haben gesehen, dass es bei einem noch nicht stattfindenden Ereignis, z.B. wenn man mit einem Tonkrug auf den Kopf geschlagen wird, zahlreiche Bestandteile des Ereignisses gibt. Überdies ist jeder dieser Bestandteile das Resultat verschiedener Ursachen und Bedingungen, viele davon sind für jeden Bestandteil unterschiedlich. Um die Erklärung zu vereinfachen, lassen Sie uns im Folgenden den allgemeineren Fall einer karmischen Tendenz, die zu einem Resultat führt, untersuchen, aber dabei im Sinn behalten, dass ein Resultat nicht einfach nur aus einer Ursache, einer karmischen Tendenz dafür entsteht.

Wenn wir von einer „karmischen Tendenz, die zu einem Resultat führt“ sprechen, geht es, genauer gesagt, um eine „karmische Tendenz mit der Fähigkeit zum Entstehen-Lassen eines Resultats, das noch nicht stattgefunden hat“ (tib. ma-‘ong-pa‘i ‘bras-bu skye-nus-pa‘i sa-bon). Eine solche Tendenz hat die Facette „ zeitweilig ihr Resultat nicht hervorzubringen“, und diese Facette ist das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“.

  • In dem Ausdruck „karmische Tendenz mit der Fähigkeit zum Entstehen-Lassen eines Resultats, das noch nicht stattgefunden hat“ spezifizieren die Worte „noch nicht stattgefunden“ das Entstehen, nicht das Resultat. Was noch nicht stattgefunden hat, ist „das Entstehen des Resultats“.
  • Eine „karmische Tendenz mit der Fähigkeit zum Entstehen-Lassen eines Resultats, das noch nicht stattgefunden hat“ bringt also nicht ein „ Resultat, das noch nicht stattgefunden hat“ hervor. Sie ist eine Ursprungsquelle und herbeiführende Ursache, die nur ein „ Resultat, das gegenwärtig stattfindet“ hervorbringt. Wenn die karmische Tendenz ihr Resultat hervorbringt, wird dieses Resultat gegenwärtig stattfinden.
  • Die „Facette [der karmischen Tendenz], zeitweilig ihr Resultat nicht hervorzubringen“ – gleichbedeutend mit dem „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ – ist nicht Ursprungsquelle oder herbeiführende Ursache des „Resultats, das gegenwärtig stattfindet“. Mit anderen Worten: das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ bringt nicht selbst das „ Resultat, das gegenwärtig stattfindet“ hervor. Diese Facette ist nicht wie die Töpferscheibe oder der ungebrannte Krug, aus der bzw. aus dem der Tonkrug hervorgeht. Es ist die karmische Tendenz, die das „Resultat, das gegenwärtig stattfindet“ hervorbringt. Das „Noch-nicht-Stattfinden des Resultats“ ist bloß eine Facette bzw. ein Teil der karmischen Tendenz, wenn auch ein untrennbarer Teil der Tendenz.