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(Der edle achtfältige Pfad)
Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes (tib. ‘phags-lam yan-lag brgyad, der edle achtfältige Pfad) beziehen sich auf acht Aspekte oder Merkmale eines Pfadgeistes des Gewöhnens (tib. sgom-lam, Pfad der Meditation).
Der Pfadgeist des Gewöhnens ist die vierte von fünf Arten von Pfadgeist (tib. lam-lnga, fünf Pfade), den Shravakas, Pratyekabuddhas und Bodhisattvas im Prozess des Erlangens von Befreiung oder Erleuchtung stufenweise entwickeln. Mit der dritten Art dieser fünf Arten von Pfadgeist, dem Pfadgeist des Sehens (tib. mthong-lam, Pfad des Sehens) erlangen diese Praktizierenden eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten. Sie erlangen dabei auch entweder eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der Abwesenheit einer unmöglichen „Seele“ einer Person (tib. gang-zag-gi bdag-med, die Selbstlosigkeit der Person), die diese sechzehn Aspekte wahrnimmt, oder aber die nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der Abwesenheit einer unmöglichen „Seele“ aller Phänomene (tib. chos-kyi bdag-med, die Selbstlosigkeit der Phänomene), welche die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten umfasst. Diese Erlangung befreit die Praktizierenden für immer von den doktrinär bedingten störenden Emotionen und Geisteshaltungen (tib. nyon-mongs kun-btags) und macht sie zu Aryas (tib. ‘phags-pa, Edle, Erhabene), das heißt zu hoch verwirklichten Wesen.
Mit einem Pfadgeist des Gewöhnens, gewöhnen sich die Aryas an diese nichtkonzeptuelle Wahrnehmung, und, indem sie dies tun, befreien sie sich Schritt für Schritt von allen automatisch entstehenden störenden Emotionen und Geisteshaltungen (tib. nyon-mongs lhan-skyes). Wenn es sich bei diesen Aryas um Bodhisattvas handelt, befreien sie sich selbst nicht nur von diesen emotionalen Schleiern (tib. nyon-sgrib), sondern auch von den kognitiven Schleiern (tib. shes-sgrib).
Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes bilden einen Teil der siebenunddreißig Faktoren, die zu einem gereinigten Zustand (tib. byang-chub yan-lag so-bdun) führen. Es gibt drei gereinigte Zustände (tib. byang-chub, Skt. bodhi) – die eines Shravaka-Arhats, eines Pratyekabuddha-Arhats und eines Bodhisattva-Arhats, beziehungsweise den eines Buddhas. Die acht Zweige werden also sowohl von Hinayana-Aryas, als auch von Mahayana-Aryas praktiziert.
[Eine Auflistung der siebenunddreißig Faktoren befindet sich in dem Artikel: Die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung gemäß dem Mahayana.]
Hier werden wir der Darstellung der acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes gemäß der Gelug-Svatantrika-Schule folgen, wie sie von Tsongkhapa in seinem Werk „Ein goldener Rosenkranz ausgezeichneter Erklärungen“ (tib. Legs-bshad gser-phreng) erläutert werden, das ein Kommentar zu Maitreyas „Filigranschmuck der Verwirklichungen“ (tib. mNgon-rtogs rgyan, Skt. Abhisamayalamkara) ist.
Die acht Zweige eines Pfadgeistes des Gewöhnens sind:
In seiner Schrift „Die Mitte von den Extremen unterscheiden“ (tib. dBus-mtha’ rnam-‘ byed, Skt. Madhyantavibhanga) teilt Maitreya die acht Zweige in vier Gruppen von Zweigen ein:
Im Folgenden möchte ich die acht Zweige in Bezug auf diese vier Gruppierungen darstellen.
Rechte Ansicht ist der Zweig, der gründlich abtrennt. Die rechte Ansicht bezieht sich auf die korrekte Verwirklichung der sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und auf ihre Abwesenheit der zwei Arten einer unmöglichen „Seele“, die ein Arya in den nachfolgenden Phasen einer Erlangung (tib. rjes-thob, Periode der Nachmeditation) aufrechterhält. Die richtige Verwirklichung ist wie ein Fußabdruck, den einen Arya durch seine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung dieser Punkte mit der völligen Vertiefung (tib. mnyam-bzhag, meditative Ausgeglichenheit) eines Pfadgeistes des Sehens (tib. mthong-lam, Pfad des Sehens) hinterlassen hat.
Rechte Ansicht wird als „der Zweig, der gründlich abtrennt“ bezeichnet, weil ein Arya mit Hilfe dieses Zweiges alles unentschlossene Schwanken (tib. the-tshoms, Zweifel) in Bezug auf die vier edlen Wahrheiten und ihre Abwesenheit der zwei Arten von unmöglicher „Seele“ abtrennt. Das unentschlossene Schwanken existiert lediglich als doktrinär bedingte (tib. kun-btags) Form. Daher handelt es sich beim unentschlossenen Schwanken lediglich um einen störenden Geisteszustand, von dem man sich auf dem Pfadgeist des Sehens befreit und nicht etwas, von dem man sich mit mit einem Pfadgeist des Sich-Gewöhnens befreit (sgom-spang) Obwohl eine rechte Ansicht eine Verwirklichung ist, die während den nachfolgenden Phasen der Erlangung eines Pfadgeistes des Sehens aufrechterhalten wird, wird sie doch einem Pfadgeist des Gewöhnens zugerechnet, da ein Arya mit dieser rechten Ansicht die Fähigkeit erlangt, einen Pfadgeist des Sich-Gewöhnens zu entwickeln.
Der rechte Gedanke ist der Zweig, der Verständnis hervorbringt. Der rechte Gedanke bezieht sich auf den motivierenden Gedanken eines Aryas, der anderen Menschen die Schriften des Buddhas im Einklang mit der rechten Ansicht, die er oder sie in gewonnen hat, erklären möchte. „Schriften“ bezieht sich hierbei auf die niedergeschriebenen Unterweisungen des Buddha, in denen die vier edlen Wahrheiten und ihre Abwesenheit der zwei Arten der unmöglichen „Seele“ dargestellt werden. Rechter Gedanke entsteht lediglich in Phasen der nachfolgenden Erlangung.
Rechter Gedanke ist bekannt als „der Zweig, der ein Verständnis hervorbringt“, weil ein Arya mittels dieses rechten Gedankens anderen ein Verständnis von der rechten Ansicht vermittelt, die er oder sie verwirklicht hat.
Rechte Rede, rechte Grenze des Handelns und rechter Lebenserwerb sind die drei Zweige, die in andere Wesen Vertrauen hervorbringen. Auch diese Zweige entstehen nur in denen Phasen nachfolgender Erlangung.
Den Erläuterungen der Svatantrika-Schule zufolge beziehen sich diese drei Zweige auf Zustände des verwirklichten Gewahrseins (tib. mkhyen-pa), das heißt, auf die Geisteszustände eines Aryas, der die feste Absicht besitzt, eine reine ethische Disziplin in Bezug auf Sprache, körperliche Handlungen und Lebenserwerb aufrechtzuerhalten. Sie beziehen sich nicht auf tatsächliche körperliche oder sprachliche Handlung oder Mittel, sich einen Lebenserwerb zu beschaffen. Das ist so, weil es sich, gemäß dem Lehrsystem dieser indischen Schule, bei allen Arten von Arya-Pfadgeist um Zustände verwirklichten Gewahrseins handelt. Wenn diese drei Zweige jedoch als Praktiken erläutert werden, die von gewöhnlichen Wesen geübt werden, beziehen sich diese drei Zweige auf tatsächliche körperliche und sprachliche Handlungen und auf tatsächliche Methoden, seinen Lebenserwerb zu verdienen.
Rechte Sprache, rechte Grenzen der Handelns und rechter Lebenserwerb sind auch unter dem Namen „ die Zweige, die in anderen Vertrauen erzeugen“ bekannt, weil andere Wesen, wenn sie diese drei Zweige in Aryas erleben, Vertrauen gewinnen in die Reinheit der rechten Ansicht und der ethische Disziplin der Aryas, wie auch in die Reinheit der Ehrlichkeit und Begierdelosigkeit, in Bezug darauf, wie sich die Aryas mit den Gütern des täglichen Bedarfs versorgen.
Rechte Bemühung, rechte Vergegenwärtigung und rechter vertiefte Konzentration sind die drei Zweige, die als Gegenmittel dienen. Sie entstehen in den Phasen völliger Vertiefung.
[Siehe: Allgemeine Darstellung von Shamatha und Vipashyana. Eine Liste der sechs Arten von höher entwickeltem Gewahrsein findet sich im Ein Kommentar zum Gebet der Aspiration für die definitiven Bedeutung der Mahamudra , Kapitel vier.]
Richtige Bemühung, richtige Vergegenwärtigung und richtige vertiefte Konzentration werden auch als „Die Zweige, die als Gegenmittel dienen“ bezeichnet, weil:
Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes können auch in Bezug auf die Praxis gewöhnlicher Wesen erläutert werden, die ihrer Natur nach den acht Merkmalen eines Pfadgeistes des Gewöhnens ähnlich sind. Sie werden in Bezug auf die drei höheren Schulungen (tib. lhag-pa’i bslab-pa gsum) unterteilt in:
Die Schulung im höheren unterscheidenden Gewahrsein umfasst auch rechte Ansicht und des rechte Gedankens.
Die Schulung in höherer ethischer Disziplin umfasst auch rechte Rede, der rechte Grenzen des Handelns und rechten Lebenserwerb.
Die Schulung in höherer ethischer Disziplin umfasst auch die rechte Bemühung, rechte Vergegenwärtigung und der rechten vertieften Konzentration.
[Siehe: Die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung gemäß dem Mahayana.]
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