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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die acht Zweige des Pfadgeistes
eines Arya
(Der edle achtfältige Pfad)

Alexander Berzin, Oktober 2007
(basiert zum Teil auf Erläuterungen von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama,
die von der Ehrenwerten Thubten Chödron zusammengetragen
und bearbeitet worden sind)
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger

Einführung

Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes (tib. ‘ phags-lam yan-lag brgyad, der edle achtfältige Pfad) beziehen sich auf acht Aspekte oder Merkmale eines Pfadgeistes des Gewöhnens (tib. sgom-lam, Pfad der Meditation).

Der Pfadgeist des Gewöhnens ist die vierte von fünf Arten von Pfadgeist (tib. lam-lnga, fünf Pfade), den Shravakas, Pratyekabuddhas und Bodhisattvas im Prozess des Erlangens von Befreiung oder Erleuchtung stufenweise entwickeln. Mit der dritten Art dieser fünf Arten von Pfadgeist, dem Pfadgeist des Sehens (tib. mthong-lam, Pfad des Sehens) erlangen diese Praktizierenden eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten. Sie erlangen dabei auch entweder eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung des Nichtvorhandenseins einer unmöglichen „Seele“ einer Person (tib. gang-zag-gi bdag-med, die Selbstlosigkeit der Person), die diese sechzehn Aspekte wahrnimmt, oder aber die nichtkonzeptuelle Wahrnehmung des Nichtvorhandenseins einer unmöglichen „ Seele“ aller Phänomene (tib. chos-kyi bdag-med, die Selbstlosigkeit der Phänomene), welche die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten umfasst. Diese Erlangung befreit die Praktizierenden für immer von den doktrinär bedingten störenden Emotionen und Geisteshaltungen (tib. nyon-mongs kun-brtags) und macht sie zu Aryas (tib. ‘ phags-pa, Edle, Erhabene), das heißt zu hoch verwirklichten Wesen.

Mit einem Pfadgeist des Gewöhnens, gewöhnen sich die Aryas an diese nichtkonzeptuelle Wahrnehmung, und, indem sie dies tun, befreien sie sich Schritt für Schritt von allen automatisch entstehenden störenden Emotionen und Geisteshaltungen (tib. nyon-mongs lhan-skyes). Wenn es sich bei diesen Aryas um Bodhisattvas handelt, befreien sie sich selbst nicht nur von diesen emotionalen Schleiern (tib. nyon-sgrib), sondern auch von den kognitiven Schleiern (tib. shes-sgrib).

[Siehe: Die fünf Arten von Pfadgeist (fünf Pfade): eine grundsätzliche Darstellung . Siehe auch: Die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und die sechzehn falschen Weisen, sie zu begreifen .]

Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes bilden einen Teil der siebenunddreißig Faktoren, die zu einem gereinigten Zustand (tib. byang-chub yan-lag so-bdun) führen. Es gibt drei gereinigte Zustände (tib. byang-chub, Skt. bodhi) – die eines Shravaka-Arhats, eines Pratyekabuddha-Arhats und eines Bodhisattva-Arhats, beziehungsweise den eines Buddhas. Die acht Zweige werden also sowohl von Hinayana-Aryas, als auch von Mahayana-Aryas praktiziert.

[Eine Auflistung der siebenunddreißig Faktoren befindet sich in dem Artikel: Die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung gemäß dem Mahayana .]

Hier werden wir der Darstellung der acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes gemäß der Gelug-Svatantrika-Schule folgen, wie sie von Tsongkhapa in seinem Werk „Ein goldener Rosenkranz ausgezeichneter Erklärungen“ (tib. Legs-bshad gser-phreng) erläutert werden, das ein Kommentar zu Maitreyas „Filigranschmuck der Verwirklichungen“ (tib. mNgon-rtogs rgyan, Skt. Abhisamayalamkara) ist.

Die acht Zweige eines Pfadgeistes des Gewöhnens

Die acht Zweige eines Pfadgeistes des Gewöhnens sind:

  • rechte Ansicht (tib. yan-dag-pa’i lta-ba),
  • rechter Gedanke (tib. yan-dag-pa’i rtog-pa),
  • rechte Rede (tib. yan-dag-pa’i ngag),
  • rechte Grenze des Handelns (tib. yan-dag-pa’i las-kyi mtha’),
  • rechter Erlebenserwerb (tib. yan-dag-pa’i ‘tsho-ba),
  • rechte Bemühung (tib. yan-dag-pa’i rtsol-ba),
  • rechte Vergegenwärtigung (tib. yan-dag-pa’i dran-pa),
  • rechte vertiefte Konzentration (tib. yan-dag-pa’i ting-nge-‘dzin).

In seiner Schrift „Die Mitte von den Extremen unterscheiden“ (tib. dBus-mtha’ rnam-‘ byed, Skt. Madhyantavibhanga) teilt Maitreya die acht Zweige in vier Gruppen von Zweigen ein:

  • der Zweig, der gründlich abtrennt (tib. yong-su gcod-pa’i yan-lag),
  • der Zweig, der ein Verständnis hervorbringt (tib. go-bar byed-pa’i yan-lag),
  • die Zweige, die in andere Vertrauen erzeugen (tib. gzhan yid-ches-par byed-pa’i yan-lag),
  • die Zweige, die als ein Gegenmittel dienen (tib. gnyen-po’i yan-lag).

Im Folgenden möchte ich die acht Zweige in Bezug auf diese vier Gruppierungen darstellen.

Der Zweig, der gründlich abtrennt

Rechte Ansicht ist der Zweig, der gründlich abtrennt. Die rechte Ansicht bezieht sich auf die korrekte Verwirklichung der sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und auf ihr Nichtvorhandensein der zwei Arten einer unmöglichen „Seele“, die ein Arya in den nachfolgenden Phasen einer Erlangung (tib. rjes-thob, Periode der Nachmeditation) aufrechterhält. Die richtige Verwirklichung ist wie ein Fußabdruck, den einen Arya durch seine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung dieser Punkte mit der völligen Vertiefung (tib. mnyam-bzhag, meditative Ausgeglichenheit) eines Pfadgeistes des Sehens (tib. mthong-lam, Pfad des Sehens) hinterlassen hat.

  • Nachfolgende Phasen des Erlangens beziehen sich auf Zeiten, in denen solche Aryas mit anderen Meditationen befasst sind oder auf die Phasen zwischen zwei Meditationssitzungen.

Rechte Ansicht wird als „der Zweig, der gründlich abtrennt“ bezeichnet, weil ein Arya mit Hilfe dieses Zweiges alles unentschlossene Schwanken (tib. the-tshoms, Zweifel) in Bezug auf die vier edlen Wahrheiten und ihr Nichtvorhandensein der zwei Arten von unmöglicher „Seele“ abtrennt. Das unentschlossene Schwanken existiert lediglich als doktrinär bedingte (tib. kun-brtags) Form. Daher handelt es sich beim unentschlossenen Schwanken lediglich um einen störenden Geisteszustand, von dem man sich auf dem Pfadgeist des Sehens befreit und nicht etwas, von dem man sich mit mit einem Pfadgeist des Sich-Gewöhnens befreit (sgom-spang) Obwohl eine rechte Ansicht eine Verwirklichung ist, die während den nachfolgenden Phasen der Erlangung eines Pfadgeistes des Sehens aufrechterhalten wird, wird sie doch einem Pfadgeist des Gewöhnens zugerechnet, da ein Arya mit dieser rechten Ansicht die Fähigkeit erlangt, einen Pfadgeist des Sich-Gewöhnens zu entwickeln.

Der Zweig, der Verständnis hervorbringt

Der rechte Gedanke ist der Zweig, der Verständnis hervorbringt. Der rechte Gedanke bezieht sich auf den motivierenden Gedanken eines Aryas, der anderen Menschen die Schriften des Buddhas im Einklang mit der rechten Ansicht, die er oder sie in gewonnen hat, erklären möchte. „Schriften“ bezieht sich hierbei auf die niedergeschriebenen Unterweisungen des Buddha, in denen die vier edlen Wahrheiten und ihr Nichtvorhandensein der zwei Arten der unmöglichen „Seele“ dargestellt werden. Rechter Gedanke entsteht lediglich in Phasen der nachfolgenden Erlangung.

Rechter Gedanke ist bekannt als „der Zweig, der ein Verständnis hervorbringt“, weil ein Arya mittels dieses rechten Gedankens anderen ein Verständnis von der rechten Ansicht vermittelt, die er oder sie verwirklicht hat.

Die drei Zweige, die in anderen Vertrauen erzeugen

Rechte Rede, rechte Grenze des Handelns und rechter Lebenserwerb sind die drei Zweige, die in andere Wesen Vertrauen hervorbringen. Auch diese Zweige entstehen nur in denen Phasen nachfolgender Erlangung.

  • Rechte Sprache bezieht sich auf die Sprache eines Aryas, der korrekt die richtige Ansicht erläutert. Alternativ hierzu bezieht sich rechte Sprache und auf die Sprache eines Aryas, die karmische Impulse nach destruktiven sprachlichen Handlungen, wie beispielsweise dem Lügen, bereinigt.
  • Rechte Grenze des Handelns bezieht sich auf die Handlungen eines Aryas, mit denen er von destruktiven körperlichen Handlungen Abstand nimmt. Alternativ hierzu bezieht sich die Grenze des Handelns auf einen Arya, der karmische Impulse nach destruktiven physischen Handlung, wie beispielsweise dem Töten, bereinigt.
  • Rechter Lebenserwerb bezieht sich auf die Art und Weise, in der ein Arya sich die Güter des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmittel und Bekleidung, verschafft. Der rechte Lebenserwerb ist frei von falschen Methoden des Lebenserwerbs (tib. log-‘tsho). Zum falschen Lebenserwerb zählt, dass man sich die Güter des täglichen Bedarfs durch unehrliche oder verschlagene Methoden beschafft, wozu in erster Linie fünf Hauptarten falschen Lebenserwerb gehören. Wenn beispielsweise ein Mönch oder eine Nonne um Almosen oder Spenden bittet, sind die fünf Hauptarten von falschem Lebenserwerb: (1) der Gebrauch gekünstelten Verhaltens (tib. tshul-‘ chos), (2) Schmeichelei (tib. kha-gsag), (3) Andeutungen (oder Hinweise) (tib. gzhogs-slong), darauf hinweisen, dass man etwas braucht, oder darauf hinweisen, dass der potentielle Gönner schon zuvor einmal etwas gegeben hat, um den Gönner dadurch dazu zu bewegen, jetzt noch einmal etwas zu geben, (4) Erpressung (tib. thob-kyi ‘jal-ba), Wucher, (5) Bestechung (tib. rnyes-pas rnyes-pa ‘ tshol-ba), etwas Kleines geben, um etwas Größeres zurück zu erhalten. Alternativ hierzu, bezieht sich rechter Lebenserwerb darauf, einem Lebenserwerb nachzugehen, der die karmische Impulse nach körperlichen und sprachlichen Handlungen, wie beispielsweise nach gekünsteltem Verhalten zum Erlangen von Almosen oder Spenden, bereinigt.

Den Erläuterungen der Svatantrika-Schule zufolge beziehen sich diese drei Zweige auf Zustände des verwirklichten Gewahrseins (tib. mkhyen-pa), das heißt, auf die Geisteszustände eines Aryas, der die feste Absicht besitzt, eine reine ethische Disziplin in Bezug auf Sprache, körperliche Handlungen und Lebenserwerb aufrechtzuerhalten. Sie beziehen sich nicht auf tatsächliche körperliche oder sprachliche Handlung oder Mittel, sich einen Lebenserwerb zu beschaffen. Das ist so, weil es sich, gemäß dem Lehrsystem dieser indischen Schule, bei allen Arten von Arya-Pfadgeist um Zustände verwirklichten Gewahrseins handelt. Wenn diese drei Zweige jedoch als Praktiken erläutert werden, die von gewöhnlichen Wesen geübt werden, beziehen sich diese drei Zweige auf tatsächliche körperliche und sprachliche Handlungen und auf tatsächliche Methoden, seinen Lebenserwerb zu verdienen.

Rechte Sprache, rechte Grenzen der Handelns und rechter Lebenserwerb sind auch unter dem Namen „ die Zweige, die in anderen Vertrauen erzeugen“ bekannt, weil andere Wesen, wenn sie diese drei Zweige in Aryas erleben, Vertrauen gewinnen in die Reinheit der rechten Ansicht und der ethische Disziplin der Aryas, wie auch in die Reinheit der Ehrlichkeit und Begierdelosigkeit, in Bezug darauf, wie sich die Aryas mit den Gütern des täglichen Bedarfs versorgen.

Die drei Zweige, die als Gegenmittel dienen

Rechte Bemühung, rechte Vergegenwärtigung und rechter vertiefte Konzentration sind die drei Zweige, die als Gegenmittel dienen. Sie entstehen in den Phasen völliger Vertiefung.

  • Rechte Bemühung bezieht sich auf die Meditation über die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und ihr Nichtvorhandensein der zwei Arten von unmöglichen „Seele“, die, über einen längeren Zeitraum hinweg, als ein Gegenmittel angewendet werden, um den Geist von den Dingen zu befreien, von denen sich ein Pfadgeist des Gewöhnens (tib. sgom-spang, das auf dem Pfad der Meditation Aufgegebene) befreit. Rechte Bemühung arbeitet daran, den Geist von den unvorteilhaften Bedingungen der automatisch auftretenden störenden Emotionen und Geisteshaltungen oder auch von den kognitiven Schleiern zu befreien.
  • Rechte Vergegenwärtigung bezieht sich auf die Meditation über die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und ihr Nichtvorhandensein der zwei Arten der unmöglichen „Seele“ als ein Gegenmittel gegen die Schleier, welche ein verbundenes Paar von Shamatha und Vipashyana (tib. zhi-lhag zung-‘brel) verhindern – das heißt, die verhindern, dass sich die Einheit eines still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand mit einem Geisteszustand von außergewöhnlicher Wahrnehmungsfähigkeit fortwährend manifestieren kann, weil sie von der automatisch auftretenden Flatterhaftigkeit des Geistes (tib. rgod-pa) oder der geistigen Trägheit (tib. bying-ba) daran gehindert wird. Eine solche Vergegenwärtigung wird dadurch erlangt, dass man die Gründe für das Entstehen von Shamatha nicht vergisst. Die Ursachen für das Hervorbringen von Shamatha sind: das Akzeptieren (tib. rab-tu ‘dzin-pa), des offene Eingestehens der eigenen Meditationsfehler und emotionale Ausgeglichenheit (tib. btang-snyoms).
  • Rechte vertiefte Konzentration (tib. yan-dag-pa’i ting-nge-‘dzin) bezieht sich auf die Meditation über die sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten und ihres Nichtvorhandenseins der zwei Arten der unmöglichen „Seele“ als ein Gegenmittel gegen die Schleier, welche das Erlangen spezieller guter Qualitäten, wie beispielsweise der sechs Arten von höher entwickeltem Gewahrsein (tib. mngon-shes, außersinnliche Wahrnehmung), verhindern.

[Siehe: Allgemeine Darstellung von Shamatha und Vipashyana . Eine Liste der sechs Arten von höher entwickeltem Gewahrsein findet sich im Ein Kommentar zum Gebet der Aspiration für die definitiven Bedeutung der Mahamudra , Kapitel vier.]

Richtige Bemühung, richtige Vergegenwärtigung und richtige vertiefte Konzentration werden auch als „Die Zweige, die als Gegenmittel dienen“ bezeichnet, weil:

  • Rechte Bemühung als ein Gegenmittel dazu dient, den Geist für immer von den wurzelgleichen störende Emotionen und Geisteshaltungen (tib. rtsa-nyon) zu befreien, von die ein Pfadgeist des Gewöhnens aufgibt, nämlich die automatisch entstehenden wurzelgleichen störende Emotionen und Geisteshaltungen.
  • Rechte Vergegenwärtigung als ein Gegenmittel dazu dient, den Geist für immer von den zusätzlichen störende Emotionen und Geisteshaltungen (tib. nye-nyon) zu befreien, wie zum Beispiel von der Flatterhaftigkeit des Geistes und geistiger Trägheit, die ein Pfadgeist des Gewöhnens aufgibt, nämlich den automatisch entstehenden zusätzlichen störende Emotionen und Geisteshaltungen.
  • Rechte vertiefte Konzentration als ein Gegenmittel dazu dient, den Geist für immer von den Schleiern bezüglich der völligen Vertiefung (tib. mnyam-bzhag-gi sgrib-pa) zu befreien. Obwohl diese Art von Schleier weder den emotionalen noch den kognitiven Schleiern zugerechnet wird , wird er doch implizit als ein kognitiver Schleier mit einbezogen, weil dieser Schleier das Erlangen der Allwissenheit beeinträchtigt.

[Siehe: Geist und Geistesfaktoren: Die einundfünfzig Arten von Nebengewahrsein.]

Die acht Zweige in Bezug auf die Praxis gewöhnlicher Wesen

Die acht Zweige eines Arya-Pfadgeistes können auch in Bezug auf die Praxis gewöhnlicher Wesen erläutert werden, die ihrer Natur nach den acht Merkmalen eines Pfadgeistes des Gewöhnens ähnlich sind. Sie werden in Bezug auf die drei höheren Schulungen (tib. lhag-pa’i bslab-pa gsum) unterteilt in:

  • die Schulung in außergewöhnlichem unterscheidenden Gewahrsein (tib. lhag-pa shes-rab-gyi bslab-pa),
  • die Schulung in außergewöhnlicher ethischer Disziplin (tib. lhag-pa tshul-khrims-kyi bslab-pa),
  • die Schulung in außergewöhnlicher vertiefter Konzentration (tib. lhag-pa ting-nge-‘dzin-gyi bslab-pa).

Die Schulung im höheren unterscheidenden Gewahrsein

Die Schulung im höheren unterscheidenden Gewahrsein umfasst auch rechte Ansicht und des rechte Gedankens.

  • Rechte Ansicht bezieht sich auf ein Verständnis, das dem Verstehen der vier edlen Wahrheiten gleicht, nämlich dem Verstehen der Probleme und des Leidens, ihren Ursachen, dem Verstehen der Geisteszuständen und Verhaltensweisen, die diese Ursachen beseitigen, und dem Verstehen des Potenzials der Befreiung von den Problemen, Leiden und ihren Ursachen.
  • Rechter Gedanke bezeichnet das Kultivieren guter Absichten, die durch Wohlwollen (tib. phan-sems), Nicht-Grausamkeit (tib. rnam-par mi-‘tshe-ba, Gewaltlosigkeit) und emotionale Ausgeglichenheit (tib. btang-snyoms) gekennzeichnet sind.

Die Schulung in höherer ethischer Disziplin

Die Schulung in höherer ethischer Disziplin umfasst auch rechte Rede, der rechte Grenzen des Handelns und rechten Lebenserwerb.

  • Rechte Rede bedeutet, dass man beim Reden sich der vier destruktiven verbalen Handlungen enthält: der Lüge, der trennenden Rede, des Gebrauchs grober Worte und des Sprechens unnütze Worte. Derlei konstruktive Sprache umfasst auch, ehrlich zu reden, in einer Weise zu sprechen, die Harmonie erzeugt, sanft und freundlich zu sprechen, zur rechten Zeit und im rechten Maß zu sprechen, und etwas Sinnvolles zu sagen.
  • Die rechten Grenzen des Handelns beziehen sich auf die körperlichen Handlungen, bei denen man sich der drei destruktiven körperlichen Handlungen enthält. Die drei destruktiven körperlichen Handlungen sind: Leben zu nehmen, zu nehmen, was einem nicht geben wurde und unangemessenes sexuelles Verhalten. Ein solches konstruktives körperliches Verhalten umfasst: das Bewahren von Leben, die Besitztümer anderer zu schützen, und sich nur in angemessenem sexuellen Verhalten zu betätigen.
  • Rechter Lebenserwerb bezieht sich darauf, seinen Lebensunterhalt mit einer Beschäftigung zu verdienen, bei der andere nicht geschädigt werden. Schädigender Lebenserwerb umfasst: das Herstellen oder Handeln mit Waffen, das Schlachten von Tieren, das Fischen, das Jagen, die Herstellung oder der Verkauf von Alkohol oder Betäubungsmitteln, das Betreiben eines Spielcasinos und so weiter. Im Gegensatz dazu umfasst der rechten Lebenserwerb Beschäftigungen, die ehrlich sind und der Gesellschaft nutzen, wie zum Beispiel die medizinischen Berufe, Sozialarbeit und fairer Handel.

Die Schulung in höherer vertiefter Konzentration

Die Schulung in höherer ethischer Disziplin umfasst auch die rechte Bemühung, rechte Vergegenwärtigung und der rechten vertieften Konzentration.

  • Rechte Bemühung bezeichnet die Bemühung, seine Energien von schädlichen und destruktiven Gedanken wegzulenken und stattdessen nutzbringende Qualitäten zu entwickeln.
  • Rechte Vergegenwärtigung bezieht sich auf die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung (tib. dran-pa nyer-bzhag, vier Grundlagen der Achtsamkeit), die in Bezug auf den Körper, das Empfinden verschiedener Grade von Glücklichsein, den Geist und die Phänomene geübt werden.
  • Rechte vertiefte Konzentration beinhaltet die fortschreitende Entwicklung meditativer Fähigkeiten durch die tägliche Meditationspraxis.

[Siehe: Die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung gemäß dem Mahayana.]