Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

Zur Textversion für diese Seite wechseln. Zur Haupt-Navigation springen.

Schulung der Geisteshaltung in sieben Punkten

(Geistestraining in sieben Punkten)
(Version von Togmey-zangpo mit Anmerkungen)


(Blo-sbyong don-bdun-ma)
von Geshe Chekawa (dGe-bshes 'Chad-kha-ba)
in der Version von Togmey-zangpo (Thogs-med bzang-po)
Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin, Juni 2004
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger, Oktober 2007

Verneigung vor dem Großen Mitgefühl.

Erster Punkt: Die vorbereitenden Übungen

Übe dich zuerst in den vorbereitenden Übungen.
[kostbare menschliche Wiedergeburt
Tod und Vergänglichkeit
verhaltensbedingte Ursache und Wirkung
die Nachteile von Samsara]

Zweiter Punkt: Das eigentliche Einüben von Bodhichitta

Die Übung des tiefsten Bodhichitta

Reflektiere darüber, dass die Phänomene wie einen Traum sind.
Erkenne die grundlegende Natur des Gewahrseins, die kein Entstehen hat.
Das Gegenmittel selbst befreit sich selbst am eigenen Ort.
Die essentielle Natur des Pfades ist,
in einem Zustand der allumfassenden Grundlage zur Ruhe zu gelangen.
Handle zwischen den Sitzungen wie eine illusionsgleiche Person.

Die Übung des konventionellen Bodhichitta

Übe dich abwechselnd im Geben und Nehmen,
Lasse diese beiden auf dem Atem reiten.
(In Bezug auf) die drei Objekte,
[jene Wesen, die du attraktiv, unattraktiv oder neutral findest]
(Nimm) die drei giftigen Geisteshaltungen,
[sehnsüchtiges Verlangen, Abscheu, Naivität]
Und (gib) die drei Wurzeln dessen, was konstruktiv ist,
[Ablösung, Unerschütterlichkeit, Mangel an Naivität],
(Während) du dich mit Worten auf allen Pfaden des Verhaltens übst.
Was die Reihenfolge des Nehmens (angeht), beginne bei dir selbst.

Dritter Punkt: Widrige Umstände in einen Pfad zur Erleuchtung verwandeln

Unser Verhalten mithilfe unserer Gedanken verwandeln

Wenn die Umgebung und ihre Bewohner voller negativer Kräfte sind,
Dann verwandele widrige Umstände in einen Pfad zur Erleuchtung,
Indem du eine Sache [deine selbstbezogene Geisteshaltung]
Als alle Schuld (tragend) verbannst
Und allen Wesen gegenüber mit großer Güte meditierst.

Unsere Sichtweise mithilfe unserer Gedanken verwandeln

Leerheit, (die erkannt wird, indem man) trügerische Erscheinungen
In der Meditation als die vier Körper eines Buddhas sieht,
ist die unübertroffene Beschützerin

Uns selbst mithilfe unserer Handlungen verwandeln

Die überragende Methode beinhaltet vier Handlungen die zu nutzen sind,
[positive Kraft aufbauen,
dich selbst von negativer Kraft reinigen,
schädigenden Geistern Gaben darbringen, und
den erleuchtenden Einfluss der Dharma-Beschützer erbitten]

(Daher) wende, was auch immer dir begegnen mag, sofort auf die Meditation an.

Vierter Punkt: Verdichtung der Praxis in einer Lebensspanne

Während unseres Lebens

Kurz gesagt: die Essenz der Quintessenz-Lehren
Ist das Anwenden der fünf Kräfte.
[Absicht, weißer Same, Gewöhnung, alles sofort beseitigen, und Gebet]

Zum Zeitpunkt des Todes

Die Quintessenz-Lehren für
Die Übertragung des Bewusstseins im Mahayana
Sind die fünf Kräfte selbst,
Während du deinem Pfad des Verhaltens Gewicht verleihst.

Fünfter Punkt: Das Ausmaß, in dem wir unseren Geisteshaltung geschult haben

Wenn all deine Dharmapraxis zu einer Absicht zusammen kommt
[um die Selbstbezogenheit zu beseitigen];
Wenn du von den zwei Zeugen [andere Wesen und du selbst]
[dich selbst als] den Maßgeblichen nimmst,
[um zu prüfen, ob du folgendes geworden bist:
ein großherziges Wesen, das vornehmlich an andere denkt;
ein herausragendes Wesen, das sich in konstruktiven Verhalten geübt hat;
ein herausragendes Wesen, das in der Lage ist Schwierigkeiten zu er dulden, um negative Umstände zu überwinden;
ein großartiger Halter der Disziplin, in Bezug auf das Halten deiner Gelübde;
ein herausragender Yogi, der sich an die Bodhichitta-Ausrichtung angepflockt hat]
.
Wenn du dich fortwährend auf deinen Geist verlassen kannst,
Dass er nur glücklich ist;
Und selbst wenn du abgelenkt bist, noch in der Lage bist,
[nicht selbstbezogen zu sein],
Dann hast du dein Übungsziel erreicht.

Sechster Punkt: Achtzehn Praktiken der engen Bindung für die Schulung der Geisteshaltungen

Übe dich stets in den drei allgemeinen Punkten.
[Handle nicht im Widerspruch zu dem, was du versprochen hast.
Gib dich nicht mit empörendem (Verhalten) ab.
Sei nicht parteiisch.]

Verwandle deine Absichten, aber bleibe normal.
Spreche nicht über die unzulänglichen und verdorbenen Seiten (anderer).
Denke dir nichts bei den (Fehlern) anderer.
Beseitige bei dir zuerst die störende Emotion, die am größten ist.
Befreie dich von der Hoffnung auf Früchte.
Gebe vergiftete Nahrung auf.
Verlasse dich nicht (auf deine störenden Gedanken) als deine hervorragende Hauptstütze.
Lass dich nicht zu schlechtem Spiel verleiten.
Liege nicht im Hinterhalt.

Demütige (niemanden) aufgrund seines Schwachpunktes.
Belade einen Ochsen nicht mit der Last eines Dzo.
Mache keine Wettrennen.
Drehe das Amulett nicht um.
Veranlasse nicht, dass ein Gott sich in einen Dämon verwandelt.
Erstrebe nicht das Leiden (anderer) als Element (deines) Glücks.

Siebenter Punkt: Zweiundzwanzig Punkte für das Geistestraining, in denen es sich zu üben gilt

Übe alle Yogas mit einem
[Ziel oder Wunsch, besser dazu in der Lage zu sein, anderen zu helfen].
Erledige das Zurückweisen von allem Verdrehten mit der einen
[Praxis – dem Geben und Nehmen].
Führe am Anfang und am Ende die zwei Handlungen aus.
[die Absicht, besser dazu in der Lage zu sein, anderen zu helfen
und die Widmung positiver Kraft]
.
Welche der beiden auch immer erscheint,
[die Dinge gehen gut oder die Dinge entwickeln sich schlecht],
handle geduldig.
Beschütze die zwei auf Kosten deines Lebens
[Deine spirituellen Verpflichtung im Allgemeinen,
und diese Praktiken und Punkte, in denen du dich übst, im Besonderen]
.
Übe dich in den drei schwierigen Dingen
[Vergegenwärtige dir, was die Gegenmittel sind,
sei achtsam bei ihrer Anwendung,
und achte darauf, sie aufrechtzuerhalten]
.
Nimm die drei Hauptursachen
[um in der Lage zu sein, diese Punkte zu üben –
den spirituellen Lehrern dieser Punkte zu begegnen,
ihre Unterweisungen anzuwenden,
günstige Umstände zu erlangen]
.
Meditiere über die drei nicht-abnehmenden Dinge
[Vertrauen in und Wertschätzung für deine spirituellen Lehrer,
die Bereitwilligkeit ihre Unterweisungen zu üben,
Stabilität im Aufrechterhalten dieser Praktiken und Übungen]
.
Besitze die drei Untrennbaren
[dass dein Körper, deine Sprache und dein Geist,
untrennbar davon sind, anderen zu helfen]
.
Handle rein, ohne Parteilichkeit gegenüber Objekten.
Pflege (das Anwenden) einer weiten und tiefen Schulung allem gegenüber.
Meditiere immer über die, die (als Nahestehende) ausgesondert wurden.
Sei nicht abhängig von anderen Bedingungen.
Übe vor allem jetzt.
Habe kein verkehrtes Verständnis.
Setze nicht (zeitweilig) aus.
Übe entschlossen.
Befreie dich selbst sowohl durch Untersuchung als auch genaue Prüfung.
Meditiere nicht mit einem Gefühl des Verlustes.
Lasse dich durch Überempfindlichkeit nicht einschränken.
Handle nicht nur über einen kurzen Zeitraum hinweg.
Wünsche dir nicht (irgendeinen) Dank.

Abschließende Verse

(In gleicher Weise) verwandle in einen Pfad zur Erleuchtung
diese (Zeit in der) die fünf (Formen des) Verfalls weitverbreitet sind,
[der Lebensspanne, der störenden Emotionen,
der Auffassung, der Wesen und der Zeiten]

weit verbreitet sind.

Diese Essenz des Nektars von Quintessenz-Lehren
Stammt aus der Übertragungslinie von Serlingpa.

Aus dem Erwachen von den karmischen Überbleibseln,
vorangehenden Übens,
Ist meine [1] Bewunderung (für diese Praxis) im Überfluss vorhanden.
Und infolge dieser Ursache,
Leiden und Spott ignorierend,
Bat ich um die richtungsweisenden Anleitungen,
Um mein Greifen nach einem Selbst zu zähmen.
Nun werde ich, selbst wenn ich sterbe,
keinerlei Bedauern verspüren.

 


[1] Anmerkung der Lektorin: Im Englischen wird in allen Verse der Imperativ (Befehlsform) benutzt, bei einigen Zeilen aber mit „mir“ oder „mein“, es sind also Anweisungen, die man sich selber gibt. Das ist im Deutschen sprachlich schwieriger wiederzugeben, weshalb wir uns entschlossen, durchgängig Imperativ, aber zusätzlich „du“, „dein“ und „dich“ zu benutzen, nur hier im letzten Vers haben wir die „Ich-Form“ beibehalten.