Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Kurzkommentar zur „Schulung der Geisteshaltung in acht Versen“

Seine Heiligkeit der Vierzehnte Dalai Lama
Dharamsala, Indien, 7. Oktober 1981
übersetzt von Alexander Berzin
revidiert und nochmals redigiert im Juni 2007

deutsche Übersetzung von Tara Dorn
Ursprünglich von Nicholas Ribush herausgegeben und erstmals mit klärenden Anmerkungen durch Lama Thubten Zopa Rinpoche als kleines Erinnerungsbuch für die zweite Dharma-Feier des Tushita Mahayana Meditations-Zentrums in New Delhi, Indien, vom 5.-8. November 1982, herausgegeben.
Wieder veröffentlicht in: Teachings from Tibet: Guidance from Great Lamas (Nicholas Ribush, ed.), Boston: Lama Yeshe Wisdom Archive, 2005, p.159-180.

[Erläuterungen zu den Ausführungen von Seiner Heiligkeit sind in violetten, eckigen Klammern]

Die „Schulung der Geisteshaltung in acht Versen“ oder einfach „Geistestraining“, ein Text des Kadampa Geshe Langri Tangpa, erklärt die Praxis von Methode und Weisheit, wie sie im Paramitayana, dem Fahrzeug der weitreichenden Geisteshaltungen, dem „Fahrzeug der Vollkommenheit“, gelehrt wird. Die ersten sieben Verse befassen sich mit der Methode – besonders der liebevollen Güte und Bodhichitta – und der achte Vers mit Weisheit, dem unterscheidenden Gewahrsein.

1) Um das höchste Ziel zu erreichen,
möge ich stets alle begrenzten Wesen hochschätzen,
indem ich sie für wertvoller
als wunscherfüllende Juwelen betrachte.

Wir selbst und alle anderen Wesen wollen glücklich und vollkommen frei von Leiden sein. Dadurch sind wir uns alle genau gleich. Jeder von uns ist aber nur eine Person, während alle anderen Wesen nicht zu zählen sind.

Nun, hier gibt es zwei Geisteshaltungen zu bedenken: Die Geisteshaltung der Selbstbezogenheit, in der man sich nur um sich selber kümmert und. die Geisteshaltung, bei der einem das Wohl der anderen am Herzen liegt. Die selbstbezogene Geisteshaltung macht uns sehr verschlossen. Wir denken, dass wir außergewöhnlich wichtig seien und unser zugrunde liegendes Verlangen gilt unserem Glücklichsein und dass für uns alles gut läuft. Dennoch wissen wir nicht, wie das zu schaffen ist. Tatsächlich kann uns das Handeln aus Selbstbezogenheit niemals glücklich machen. Auf der anderen Seite betrachten diejenigen mit einer Geisteshaltung, bei der ihnen das wohl der anderen am Herzen liegt, alle anderen Wesen als sehr viel wichtiger als sich selbst und sie schätzen es über alles, anderen zu helfen. Indem sie so handeln werden sie selbst „nebenbei“ glücklich.

Es werden zum Beispiel Politiker, die aufrichtig damit befasst waren, anderen Menschen zu helfen und ihnen zu dienen, in der Geschichte mit Hochachtung erwähnt, während diejenigen, die andere ständig ausbeuteten und anderen schlimme Dinge angetan haben als Beispiele für schreckliche Menschen in die Geschichtsbücher eingehen. Aber auch, wenn wir Religion, zukünftige Leben und Nirvana für einen Moment beiseite lassen, ziehen selbstsüchtige Menschen sogar in diesem Leben negative Rückwirkungen durch ihre selbstbezogenen Handlungen auf sich. Andererseits wird man sich an Menschen wie Mutter Teresa, die ernsthaft ihr ganzes Leben und ihre Energie hingeben, um den Armen, Bedürftigen und Hilflosen zu dienen, immer mit Respekt für ihre noble Arbeit erinnern. Andere können nichts Negatives über sie sagen.

Das ist dann das Ergebnis, wenn uns das Wohl der anderen am Herzen liegt. Ob wir es wollen oder nicht, werden sogar diejenigen, mit denen wir nicht verwandt sind, uns immer mögen, sich mit uns wohlfühlen und uns gegenüber freundliche Gefühle haben. Aber wenn wir die Art von Menschen sind, die vor anderen immer freundlich sprechen, aber über andere hinter ihrem Rücken schlecht reden, dann wird uns natürlich niemand mögen. Daher werden wir sogar in diesem Leben viel Glück erfahren, wenn wir versuchen, anderen so viel wir können zu helfen und so wenige selbstsüchtige Gedanken wie möglich zu haben.

Unser Leben ist nicht sehr lang, höchstens hundert Jahre. Wenn wir während seiner Dauer versuchen, liebenswürdig, warmherzig und mit dem Wohlergehen anderer befasst zu sein, weniger selbstsüchtig und ärgerlich zu sein, so ist das wunderbar, ausgezeichnet. Das ist wirklich die Ursache für Glück. Wenn wir selbstsüchtig sind, uns immer selbst an die erste Stelle setzen und die anderen an die zweite, wird das Ergebnis sein, dass wir am Ende selbst an die letzter Stelle kommen. Uns selbst geistig an letzte Stelle zu setzen und andere an die erste, ist der Weg um vorne zu landen. Machen Sie sich also keine Sorgen um das nächste Leben oder Nirvana, diese Dinge werden mit der Zeit schon kommen. Bleiben wir in diesem Leben gute, warmherzige und selbstlose Menschen, dann werden wir gute Bürger der Welt sein.

Ob wir Buddhisten, Christen oder Kommunisten sind, ist unwichtig. Das Wichtige ist, dass wir, solange wir Menschen sind, gute Menschen sind. Das ist die Lehre des Buddhismus. Das ist die Botschaft, die alle Weltreligionen haben. Die Belehrungen des Buddhismus enthalten jedoch alle Methoden, um die Selbstsucht zu beseitigen und die Geisteshaltung zu verwirklichen, mit der einem das Wohl der anderen am Herzen liegt. Shantidevas wunderbarer Text, „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva, Bodhicharyavatara“, zum Beispiel ist dafür sehr hilfreich. Ich selbst praktiziere entsprechend dieses Buches. Es ist außerordentlich hilfreich.

Unser Geist ist sehr listig, sehr schwer zu bezähmen. Aber wenn wir uns stetig anstrengen und unermüdlich mit logischer Beweisführung und sorgfältiger Analyse arbeiten, werden wir fähig sein, unseren Geist zu kontrollieren und zum Besseren zu verändern.

Einige westliche Psychologen sagen, dass wir unsere Wut nicht unterdrücken sondern ausdrücken sollen. Sie sagen tatsächlich, dass wir Wut praktizieren sollen! Wir müssen hier aber einen wichtigen Unterschied zwischen geistigen Problemen machen, die ausgedrückt werden sollen und denen, die besser nicht geäußert werden sollten. Manchmal werden wir wirklich ungerecht behandelt und es ist richtig, unsere Beschwerde vorzubringen statt sie in uns schwären zu lassen. Es ist aber nie hilfreich, sie mit Wut auszudrücken. Nähren wir störende negative Emotionen wie Wut, werden sie Teil unserer Persönlichkeit. Jedes Mal, wenn wir Wut ausdrücken, wird es leichter, sie wieder auszudrücken. Wir machen das immer öfter, bis wir [schließlich] eine wütende Person sind, die völlig außer sich ist. In Bezug auf geistige Probleme gibt es sicher einige, die bei denen es passend ist, sie auszudrücken, jedoch andere, die bei denen es nicht so ist.

Wenn wir versuchen, die störenden Emotionen zu kontrollieren ist das zuerst schwierig. Am ersten Tag, in der ersten Woche, im ersten Monat, können wir sie nicht gut kontrollieren. Aber mit stetigem Bemühen wird unsere Negativität nach und nach weniger werden. Fortschritt in der geistigen Entwicklung kommt nicht dadurch zustande, dass wir Medizin einnehmen oder andere chemische Substanzen; er hängt davon ab den Geist zu kontrollieren. So können wir erkennen, dass wir unseren Geist vor der Selbstbezogenheit bewahren müssen um unsere Wünsche, seien sie weltlich oder letztendlich, zu erfüllen. Dafür sind wir viel mehr auf andere Wesen als auf wunscherfüllende Juwelen angewiesen. Mit anderen Worten, uns sollte das Wohl anderer Wesen über alles gehen, da es diese das Wohl anderer am Herzen liegende Geisteshaltung ist, die all unsere Wünsche wirklich erfüllt.

Frage: Was ist der Sinn und Zweck dieser Praxis: unseren Geist zu verbessern oder wirklich etwas zu tun um anderen zu helfen? Was ist wichtiger?

Seine Heiligkeit: Beides ist wichtig. Zunächst, wenn wir keine reine Motivation haben, dann könnte, was auch immer wir tun, ungenügend sein. Deshalb müssen wir als erstes eine reine Motivation kultivieren. Wir müssen aber nicht abwarten bis diese Motivation voll entwickelt ist, bevor wir tatsächlich etwas tun um anderen zu helfen. Natürlich, um anderen auf die möglichst wirkungsvollste Weise zu helfen, müssen wir vollkommen erleuchtete Buddhas sein. Sogar um anderen auf eine weitreichende und umfassende Weise helfen zu können, müssen wir eine der Bhumi-Ebenen des Geistes eines Arya-Bodhisattva erreicht haben. Das heißt, dass wir die nicht-konzeptionelle Wahrnehmung von Leerheit benötigen und die außersinnlichen Kräfte der Wahrnehmung erlangt haben müssen. Aber es gibt viele Ebenen der Hilfeleistung. Sogar bevor wir diese Fähigkeiten erlangt haben, können wir versuchen, wie Bodhisattvas zu handeln. Aber natürlich werden unsere Handlungen weniger effektiv als ihre sein.

Daher können wir – ohne zu warten bis wir völlig dazu befähigt sind – eine gute Motivation entwickeln und damit versuchen, anderen so gut wir können zu helfen. Das ist ein ausgewogenerer Ansatz und besser als nur irgendwo in Abgeschiedenheit zu leben und etwas Meditation zu üben und Rezitationen zu machen. Natürlich hängt das sehr vom Einzelnen ab. Wenn wir die Zuversicht haben, dass wir endgültige Verwirklichungen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erreichen werden, wenn wir an einem entlegenen Ort leben, ist das etwas anderes. Vielleicht ist es am Besten, die Hälfte unserer Zeit mit aktiver Arbeit zu verbringen und die andere Hälfte mit Meditationspraxis.

Frage: Tibet war ein buddhistisches Land. Wenn diese Werte, von denen wir gerade reden, buddhistische sind, warum gab es so viel Ungleichgewicht in der tibetischen Gesellschaft?

Seine Heiligkeit: Menschliche Schwäche. Obwohl Tibet sicherlich ein buddhistisches Land war, gab es auch einen Anteil von böswilligen, korrupten Leuten. Sogar einige der religiösen Institutionen, die Klöster, wurden korrupt und verwandelten sich in Zentren der Ausbeutung. Aber, verglichen mit vielen anderen Gesellschaften, war Tibet dennoch viel friedvoller und harmonischer und hatte weniger Probleme als sie.

2) Wann immer ich anderen begegne,
möge ich mich geringer als alle anderen sehen
und aus tiefstem Herzen andere
höher als mich selbst schätzen.

Egal mit wem wir zusammen sind, wir denken oft so: „Ich bin stärker als er.“, „Ich bin schöner als sie.“, „Ich bin intelligenter.“, „Ich bin reicher.“, „Ich bin qualifizierter.“ und so weiter. Wir entwickeln großen Stolz. Das ist nicht gut. Stattdessen sollten wir immer bescheiden bleiben. Auch wenn wir anderen helfen und wohltätig arbeiten, sollten wir uns nicht auf überhebliche Art als große Beschützer, die den Schwachen helfen, aufspielen. Das ist auch Stolz. Stattdessen sollten wir bei solchen Aktivitäten sehr bescheiden sein und es so sehen, dass wir unsere Dienste den Menschen anbieten.

Vergleichen wir uns zum Beispiel mit den Tieren, könnten wir denken: „Ich habe einen menschlichen Körper.“ oder „Ich bin eine Ordinierter.“ und denken, dass wir sehr viel höhergestellter sind als sie. Von einem Standpunkt aus gesehen könnten wir sagen, dass wir menschliche Körper haben, die Lehren Buddhas praktizieren und es daher besser haben als Insekten. Aber von einer anderen Sicht aus könnten wir sagen, dass Insekten sehr unschuldig sind und frei von Arglist, während wir oft lügen und uns selbst auf krummen Wegen falsch darstellen um unsere Ziele zu erreichen oder uns selbst besser aussehen zu lassen. Von diesem Gesichtspunkt aus müssen wir sagen, dass wir viel schlimmer als Insekten sind, die nur ihren Aktivitäten nachgehen ohne vorzugeben etwas zu sein. Das ist eine Methode, um Demut zu üben.

3) Was auch immer ich mache,
möge ich den Fluss meiner Gedanken prüfen
und in dem Moment, in dem Konzepte
oder störende Emotionen auftreten
möge ich mich ihnen entgegenstellen
und sie mit kraftvollen Mitteln abwehren
da sie mich und andere entkräften.

Untersuchen wir unseren Geist, wenn wir sehr selbstsüchtig und nur mit uns selbst unter Ausschluss der anderen beschäftigt sind, erkennen wir, dass störende Emotionen und negative Geisteshaltungen die Wurzeln dieses Verhaltens sind. Da sie unseren Geist beträchtlich stören, müssen wir in dem Moment, in dem wir unter ihren Einfluss geraten, einige Gegenmittel anwenden.

Der Hauptgegner aller störenden Emotionen und Geisteshaltungen ist die Meditation über Leerheit. Es gibt aber auch Gegenmittel zu spezifischen störenden Emotionen und Geisteshaltungen, die wir als Anfänger anwenden können. So meditieren wir bei Anhaftung über Hässlichkeit, bei Wut über Liebe, bei Naivität über abhängiges Entstehen, bei vielen störenden Gedanken über den Atem und die Energiewinde.

Frage: Welches abhängige Entstehen?

Seine Heiligkeit: Die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens, beginnend mit der Unwissenheit oder Ignoranz und weitergehend bis schließlich zu Altern und Sterben. Auf einer subtileren Ebene können wir abhängiges Entstehen als Argument einsetzen um zu begründen, dass alle Phänomene leer von wahrhaft begründeter Existenz ist.

[Siehe: Die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens]

Frage: Warum sollten wir über Hässlichkeit meditieren um Anhaftung zu überwinden?

Seine Heiligkeit: Wir entwickeln Anhaftung an Dinge, weil wir sie als sehr attraktiv ansehen. Dagegen wirkt, wenn man versucht, sie als unattraktiv oder abstoßend zu sehen. Zum Beispiel könnten wir Anhaftung an den Körper einer anderen Person entwickeln und seine oder ihre Figur als etwas sehr attraktives ansehen. Wenn wir diese Anhaftung zu analysieren beginnen, entdecken wir, dass sie sich vornehmlich darauf gründet, dass wir nur die Haut betrachten. Die Natur dieses Körpers, der uns so schön erscheint, ist jedoch, dass er aus Fleisch, Blut, Knochen, Haut und so weiter zusammengesetzt ist.

Jetzt lassen Sie uns die menschliche Haut analysieren, nehmen wir zum Beispiel unsere eigene Haut. Fällt ein Stück ab und wir legen es für ein paar Tage auf unser Regal, wird es richtig abstoßend. Das ist die Natur der Haut. Alle Teile des Körpers sind genauso. Es gibt keine Schönheit in einem Stück Fleisch. Wenn wir etwas Blut sehen, könnten wir sogar Angst bekommen und nicht anhaften. Sogar an einem schönen Gesicht ist – wird es völlig zerkratzt – überhaupt nichts hübsch. Hässlichkeit ist dann tatsächlich die Natur des physischen Körpers. Menschliche Knochen, das Skelett, sind auch abstoßend. Das Symbol eines Totenkopfs mit gekreuzten Knochen hat eine sehr negative Bedeutung, nicht wahr?

Auf diese Weise analysiert man also etwas, dem gegenüber wir Anhaftung oder Liebe – das Wort im negativen Sinn von sehnsüchtigem Verlangen und Anhaftung gebrauchend – fühlen. Denken Sie mehr an die unschönen Seite des Objekts, analysieren Sie die Natur der Person oder des Gegenstands von diesem Gesichtspunkt aus. Auch wenn das unsere Anhaftung nicht völlig kontrolliert, wird es helfen, sie etwas zu dämpfen. Mit dieser Absicht meditiert man darüber oder baut die Gewohnheit auf, die hässlichen Aspekte der Dinge zu betrachten.

Die andere Art von Liebe oder Güte basiert nicht auf der Überlegung, dass „diese oder jene Person schön ist und ich sie deshalb bewundere und ich mich deshalb freundlich verhalten werde“. Die Grundlage für reine Liebe sieht so aus: „Dies ist ein Lebewesen, das sich Glück wünscht, nicht leiden möchte und das Recht hat glücklich zu sein. Darauf basierend fühle ich Liebe und Mitgefühl.“ Diese Art von Liebe ist völlig verschieden von der ersteren [Art von Liebe], die auf Naivität und Ignoranz basiert und deshalb völlig ungesund ist.

Die Gründe für liebevolle Güte sind vernünftig. Bei der Liebe, die nur Anhaftung ist, veranlasst uns die geringste Veränderung im Objekt, wie eine winzige Veränderung im Verhalten, zu einer Änderung. Das liegt daran, dass unser Gefühl auf etwas sehr Oberflächlichem basiert. Nehmen wir zum Beispiel [ein Paar, das] ganz frische verheiratet ist. Häufig wird das Paar nach ein paar Wochen, Monaten oder Jahren zu Feinden und dann enden sie damit, dass sie geschieden werden. Sie heirateten sehr verliebt – niemand würde aus Hass heiraten wollen – aber nach einer kurzen Zeit ist alles verändert. Warum? Durch die oberflächliche Grundlage der Beziehung. Eine kleine Veränderung in einer Person verursacht eine vollkommene Veränderung im Verhalten der anderen.

Wir sollten denken: „Die andere Person ist ein menschliches Wesen, so wie ich es bin. Ich wünsche mir zweifellos Glück; deshalb wünscht sich er oder sie auch Glück.“ Diese Art von gut fundierter Beweisführung lässt reine Liebe und Mitgefühl entstehen. Dann ist es unwichtig wie unsere Ansicht dieser Person sich verändert – von gut zu schlecht zu hässlich – er oder sie ist grundlegend das gleiche Lebewesen. Unsere Gefühle zum anderen bleiben daher vollkommen stabil, da der Hauptgrund, um liebevolle Güte auszudrücken, immer da ist.

Wenn wir mit jemanden zusammen sind, dem wir anhaften oder Freude an Objekten haben, denen wir anhaften, haben wir offensichtlich ein gewisses Vergnügen daran. Aber Nagarjuna sagte in „Die kostbare Girlande“ (169)

Eine juckende Stelle zu kratzen bereitet Vergnügen,
keine juckende Stelle zu haben ist aber
   vergnüglicher.
Ebenso ist das Stillen weltlichen Verlangens
   vergnüglich,
aber vergnüglicher als das ist es, kein Verlangen
   zu haben.

Das Gegengift zu Ärger andererseits ist Meditation über Liebe. Das ist notwendig, da Ärger ein sehr rauer und grober Geisteszustand ist, der mit Liebe besänftigt werden muss.

4) Wann immer ich zur Grausamkeit neigende
   Wesen sehe,
überwältigt von Negativität und ernsthaften
   Schwierigkeiten,
möge ich sie als seltenere Kostbarkeit,
als die Entdeckung eines Juwelenschatzes,
   wertschätzen.

Kommen wir in Kontakt mit jemandem, der von Natur aus sehr grausam, rauh, garstig und unfreundlich ist, ist es unsere gewöhnliche Reaktion, ihn zu meiden. In einer solchen Situation neigt unsere liebevolle Fürsorge für andere dazu, abzunehmen. Statt es zuzulassen, dass unsere Liebe für andere schwächer wird indem wir denken, was für eine schlechter Mensch er oder sie ist, sollten wir ihn oder sie als ein besonderes Objekt für Liebe und Mitgefühl zu ansehen und diese Person wertschätzen, als wären wir auf einen wertvollen Schatz gestoßen, der schwer zu finden ist.

5) Wenn andere mich aus Neid schlecht behandeln,
mit Beschimpfung, Verleumdung und dergleichen,
möge ich die Niederlage akzeptieren
und anderen den Sieg überlassen.

Wenn uns jemand beleidigt, beschimpft oder kritisiert und beispielsweise sagt, dass wir inkompetent seien und nicht wüssten wie irgend etwas zu tun sei, dann werden wir sehr leicht wütend und bestreiten, was die Person gesagt hat. Es ist wichtig zu versuchen, nicht auf diese Weise zu reagieren. Stattdessen ist es wichtig, dass wir mit Demut und Toleranz diese groben Worte annehmen.

Was den Rat betrifft, die Niederlage auf sich zu nehmen und den Sieg anderen zu überlassen, müssen wir zwei Arten einer Situation unterscheiden. Auf der einer Seite: wenn wir von unserem eigenen Wohlergehen besessen und sehr selbstsüchtig motiviert sind, sollten wir eine Niederlage annehmen und dem anderen den Sieg anbieten auch wenn unser Leben in Gefahr ist. Aber wenn auf der anderen Seite die Situation so ist, dass das Wohlergehen der anderen in Gefahr ist, sollten wir uns sehr bemühen und für die Rechte der anderen kämpfen und niemals eine Niederlage zu akzeptieren. Schließlich ist einer der sechsundvierzig Bodhisattva-Nebengelübde, dass man in Situationen, in denen jemand etwas sehr schädliches tut, es nicht unterlässt, energische Methoden zu benutzen oder was auch immer nötig ist, um die Handlungen dieser Person sofort zu stoppen, wenn alle friedvollen Methoden versagen. Mit anderen Worten haben wir dieses Gelübde übertreten wenn wir nicht – sofern wir die Möglichkeit dazu haben – energisch handeln.

[Siehe: Die Nebengelübde des Bodhisattva]

Es könnte so aussehen als ob dieses Bodhisattva-Gelübde und der fünfte Vers, der hier aussagt, dass man die Niederlage akzeptieren und den Sieg anderen überlassen soll, widersprüchlich seien, sie sind es aber nicht. Das Bodhisattva-Gelübde geht mit einer Situation um, in der unsere vordringliche Sorge das Wohlergehen anderer ist. Macht jemand etwas extrem Verletzendes und Gefährliches, ist es falsch, keine starken Gegenmaßnahmen zu ergreifen um dies, wenn nötig, zu stoppen.

In sehr konkurrierenden Gesellschaften sind heutzutage kraftvolle verteidigende oder ähnliche Handlungen erforderlich. Die Motivation hierfür darf aber keine selbstbezogene Sorge sein, sondern umfassende Gefühle von Güte und Mitgefühl anderen gegenüber. Handeln wir aus diesen Gefühlen heraus um andere davor zu bewahren, negatives Karma zu erzeugen, ist das völlig korrekt.

Frage: Es mag manchmal nötig sein, starke Maßnahmen zu ergreifen wenn wir etwas Falsches sehen, welchem Urteil trauen wir aber bei solchen Entscheidungen? Können wir uns dabei auf unsere eigene Wahrnehmung der Welt verlassen?

Seine Heiligkeit: Das ist kompliziert. Wenn wir erwägen, den Verlust auf uns zu nehmen, müssen wir sehen, ob es den anderen letztendlich oder nur vorübergehend hilft, wenn wir ihnen den Sieg überlassen. Wir müssen auch die Auswirkung auf unsere Kraft oder die Fähigkeit anderen in der Zukunft zu helfen bedenken, die es mit sich bringt, wenn wir die Niederlage auf uns nehmen. Es ist auch möglich, dass wir durch etwas, das jetzt für andere schädlich ist, sehr große positive Kraft oder Verdienst erzeugen, die uns befähigen wird auf lange Sicht hin gesehen weitreichend hilfreiche Dinge für andere zu tun. Das ist ein anderer Faktor, den wir in Betracht ziehen müssen.

Wie Shantideva in „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ (V 83-84) sagt:

Ich werde mich in den weitreichenden
   Geisteshaltungen
des Gebens und so weiter üben,
wobei eine nach der anderen
immer herausragender ist.
Ich werde eine erhabenere (Geisteshaltung)
nicht auf Kosten einer niederen fallen lassen:
Ich werde, als Allerwichtigstes,
das Wohl der anderen im Sinn behalten.
Wenn ich verstanden habe, dass dem so ist,
werde ich mich stets für das Wohl anderer einsetzen.
Der Weitblickende Mitfühlende hat einem solchen
   (Bodhisattva)
(daher Handlungen) gestattet, die (für andere)
   verboten sind.

Mit anderen Worten müssen wir untersuchen, sowohl oberflächlich als auch zutiefst, ob der Nutzen einer normalerweise verbotenen Handlung die Nachteile überwiegt. Manchmal ist das schwierig festzustellen, dann müssen wir unsere Motivation überprüfen.

In „Ein Kompendium von Schulungen (Shiksasamuccaya)“ , sagt Shantideva ähnliches, nämlich dass der Nutzen einer normalerweise verbotenen Handlung, die mit Bodhichitta ausgeführt wird, die Negativität der Handlung ohne eine solche Motivation überwiegt.

Obwohl es extrem wichtig ist, kann es manchmal sehr schwierig sein, die Trennlinie zwischen dem was zu tun ist und dem was zu lassen ist, zu sehen. Daher müssen wir die Texte studieren, die diese Themen erklären. In einfacheren Texten wird gesagt, dass bestimmte Handlungen verboten sind, während in höheren Texten dieselben Handlungen erlaubt sind. Je mehr wir über all das Bescheid wissen, umso einfacher wird es sein zu entscheiden, was in jeder Situation zu tun ist.

6) Selbst wenn jemand, dem ich geholfen habe
und in den ich große Erwartungen setze,
mir völlig unberechtigt schaden würde,
möge ich sie oder ihn als einen geheiligten
   Lehrer sehen.

Normalerweise erwarten wir, dass Menschen, denen wir sehr geholfen haben, sehr dankbar sind und wenn sie sich uns gegenüber undankbar zeigen, werden wir wahrscheinlich böse mit ihnen. In einer solchen Situation sollten wir uns nicht aufregen, sondern stattdessen Geduld üben. Außerdem sollten wir solche Menschen als Lehrer sehen, die unsere Geduld prüfen und sie deshalb mit Hochachtung behandeln. Dieser Vers fasst alle Belehrungen über die Geduld in Shantideva`s „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ zusammen:

[Siehe: Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva, Kapitel 6]

7) Kurz gesagt: Möge ich all meinen Müttern,
sowohl tatsächlich als auch indirekt,
geben, was immer ihnen hilft und Freude macht.
Und möge ich im Verborgenen,
all meiner Mütter Sorgen und Leiden
   auf mich nehmen.

Das bezieht sich auf die Praxis des Aufsichnehmens des ganzen Leidens von anderen und des Abgebens unseres Glücks an sie, angespornt von starkem Mitgefühl und Liebe.

Wir selbst wünschen uns Glück und wollen nicht leiden und wir können erkennen, dass alle anderen Wesen dasselbe fühlen. Wir können auch sehen, dass andere Wesen von Leiden überwältigt sind, sie wissen aber nicht, wie sie sich davon befreien können. Auf dieser Grundlage entwickeln wir die Absicht, all ihr Leiden und negatives Karma auf uns zu nehmen und zu beten, dass es sofort in uns selbst heranreift. Ebenso ist ersichtlich, dass andere Wesen ohne das Glück sind, das sie suchen und nicht wissen, wie sie es finden können. Somit geben wir ohne einen Anflug von Geiz unser ganzes Glück – unseren Körper, Reichtum und positive karmische Kraft – und beten, dass es sofort in ihnen heranreift.

Natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass wir tatsächlich fähig sind, die Leiden anderer auf uns zu nehmen und ihnen unser Glück zu geben. Geschieht eine solche Übertragung zwischen Wesen, ist es das Ergebnis einer sehr starken ungebrochenen karmischen Verbindung aus der Vergangenheit. Diese Meditation ist aber ein sehr kraftvolles Mittel, um in unserem Geist Mut aufzubauen und ist daher eine höchst nutzbingende Praxis.

In „Geistestraining in sieben Punkten“ sagt Geshe Chekawa:

„Übe dich abwechselnd in beiden – Geben und Nehmen – und setze beides auf den Atem“. Und hier sagt Langri Tangpa, dass das auf eine verborgene Art , im Geheimen, getan werden soll. Dasselbe sagt Shantideva in: „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ (VIII 120):

So soll jeder, der schnell sich selbst und anderen
eine sichere Richtung geben will
das heiligste Geheimnis praktizieren:
der Austausch zwischen selbst und anderen.

Die Praxis wird „geheim“ oder „verborgen“ genannt, da sie für den Geist des Bodhisattva-Anfängers nicht geeignet ist. Sie ist nur etwas für wenige, ausgesuchte Praktizierende.

Frage: An anderer Stelle sagt Shantideva in „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ (VIII126cd): „ Für die Ziele anderer mich abquälend, erwerbe ich alle Herrlichkeit“. Aber in „Die kostbare Girlande“ (11) sagt Nagarjuna: „Dharma (Praxis) besteht nicht im Schinden des Körpers“. Was meint Shantideva nun, wenn er sagt, dass wir uns mühen und selbst schaden sollen?

Seine Heiligkeit: Das heißt nicht, dass wir uns selbst auf den Kopf hauen oder etwas ähnliches tun sollen. Shantideva sagt, dass wir uns manchmal, wenn heftige, selbstsüchtige Gedanken entstehen, sehr kraftvoll mit uns selber streiten sollten und kraftvolle Methoden anwenden sollen um diese [Gedanken] zu bezwingen. Mit anderen Worten gesagt: Wir sollen unserem selbstsüchtigen Geist schaden.

Es ist wichtig, dass wir klar zwischen dem „Ich“, das völlig vom eigenen Wohlergehen besessen ist und dem „Ich“, das erleuchtet werden wird, unterscheiden. Es gibt da einen großen Unterschied. Wir sollten aber auch diesen Vers von Shantideva im Kontext der vorhergehenden und nachfolgenden Verse sehen.

Es gibt viele verschiedene Weisen, das „Ich“ zu erörtern. Da ist das Greifen nach einem wahrhaft vorhandenen „Ich“. Da gibt es die Selbstbezogenheit mit dem Namen „Ich“. Da ist das „Ich“ mit dem wir befasst sind, wenn wir Dinge vom Gesichtspunkt anderer aus sehen und so weiter. Wir sollten die Erörterung des Selbst, des „Ich“, in diesen verschiedenen Zusammenhängen sehen.

Hilft es wirklich anderen, hilft es auch nur einem begrenzten Wesen, dann ist es für uns angemessen, das Leiden der drei Ebenen samsarischer Existenz auf uns zu nehmen oder in eine der Höllen zu gehen und wir sollten den Mut entwickeln um das auszuführen. Um Erleuchtung zum Wohl aller begrenzten Wesen zu erlangen, sollten wir glücklich sein und bereit, unzählige Äonen in dem tiefsten Höllenbereich, Avichi, zu verbringen. Das ist mit dem Aufsichnehmen der Verletzungen, an denen andere leiden, gemeint.

Frage: Was müssten wir tun, um freiwillig in den tiefsten Höllenbereich zu kommen?

Seine Heiligkeit: Der springende Punkt ist, dass wir den Mut entwickeln in eine der Höllenbereiche gehen zu wollen. Das heißt nicht, dass wir wirklich dorthin zu gehen haben. Als der Kadampa Geshe Chekawa beim Sterben war, rief er seine Schüler zusammen und bat sie darum, besondere Opferrituale, Zeremonien und Gebete für ihn auszuführen, da seine Praxis nicht erfolgreich gewesen sei. Die Schüler waren sehr verstört, da sie dachten, es würde etwas Schreckliches geschehen. Der Geshe erklärte aber, dass er jetzt eine reine Vision von dem gehabt hätte, was kommt – obwohl er sein ganzes Leben gebetet hatte, zum Wohl von anderen in den Höllen geboren zu werden. Er sei dabei, in einem reinen Land statt in den Höllen wiedergeboren zu werden, und deshalb war er so erschüttert.

Genau so ist es, wenn wir einen starken, ernsthaften Wunsch entwickeln, in den schlechten Bereichen zum Wohl von anderen wiedergeboren zu werden, dann bauen wir eine große Menge positiver Kraft auf, die das entgegengesetzte Ergebnis hervorbringt. Darum sage ich immer, dass wir weise selbstbezogen sein sollen, wenn wir selbstbezogen sein wollen. Engstirnige Selbstbezogenheit verursacht unseren Niedergang, während kluge Selbstbezogenheit uns zur Buddhaschaft führt. Das ist wirklich weise!

Unglücklicherweise werden wir dann als erstes auf die Buddhaschaft fixiert. Aus den Schriften wissen wir, dass wir Bodhichitta brauchen, um Buddhaschaft zu erreichen und ohne dieses können wir nicht erleuchtet werden. Also denken wir widerwillig: „Ich möchte die Buddhaschaft, deshalb muss ich Bodhichitta praktizieren“. In Wirklichkeit sind wir weniger um Bodhichitta bemüht als um die Buddhaschaft selbst. Das ist vollkommen falsch. Wir sollten das Gegenteil tun, nämlich unsere selbstsüchtige Motivation vergessen und darüber nachdenken, wie wir anderen wirklich helfen [können].

Wenn wir in einen Höllenbereich kommen, können wir weder anderen noch uns selbst helfen. Wie können wir irgend jemanden helfen? Nicht, indem wir ihnen nur etwas Materielles geben oder Wunder vollführen, sondern indem wir ihnen Dharma lehren. Zuerst aber müssen wir zu Lehren qualifiziert sein. Zurzeit können wir nicht den gesamten Pfad erläutern – all die Praktiken und Erfahrungen, die jemand zu durchlaufen hat, von der ersten Stufe bis zur letzten, der Erleuchtung. Vielleicht können wir einige der frühen Stufen aufgrund eigener Erfahrung erklären, aber nicht viel mehr als das. Um fähig zu sein, anderen in der umfassendsten Weise zu helfen, indem wir sie den gesamten Pfad entlang bis zur Erleuchtung führen, müssen wir zunächst selbst Erleuchtung erlangen. Das ist der richtige Grund für das Gefühl, dass wir Bodhichitta praktizieren müssen. Das ist etwas ganz anderes als der übliche, selbstzentrierten Zugang, durch den wir, aus selbstsüchtiger Sorge für unsere eigene Erleuchtung, an andere denken und ihnen unsere Herzen mit Bodhichitta nur widmen, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen. Diese Art, mit der Angelegenheit umzugehen ist vollkommen falsch, eine Art von Lüge.

Frage: Ich las in einem Buch, dass wir allein durch die Dharmapraxis neun Generationen unserer Verwandten vor einer Wiedergeburt in einem Höllenbereich bewahren können. Ist das wahr?

Seine Heiligkeit: Das ist ein klein wenig Reklame! Es ist tatsächlich möglich, dass so etwas geschehen kann, aber im Allgemeinen ist es nicht so einfach. Nehmen Sie zum Beispiel, dass wir das Mantra OM MANI PADME HUM rezitieren und diese positiven Kraft für unser rasches Erlangen der Erleuchtung zum Wohl aller begrenzten Wesen widmen. Man kann nicht sagen, dass wir nur durch das Rezitieren von Mantras rasch Erleuchtung erlangen. Aber man kann sagen, dass solche Praktiken als beitragende Ursachen zur Erleuchtung wirken. Ebenso kann – auch wenn es nicht für sich alleine unsere Verwandten vor schlechten Wiedergeburten bewahrt – so kann es doch als beitragende Ursache wirken, wenn wir den Dharma praktizieren.

Wäre das nicht der Fall, würde also unsere Praxis als hauptsächliche Ursache eines Ergebnisses wirken das andere erfahren, dann würde es dem Gesetz des Karma, der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung des Verhaltens, widersprechen. Dann könnten wir uns einfach nur zurücklehnen und entspannen und all die Buddhas und Bodhisattvas alles für uns tun lassen. Wir müssten keine Verantwortung für unser eigenes Wohlergehen übernehmen. Der Vollkommen Erleuchtete sagte aber, dass alles was er tun könne, sei, uns den Dharma zu lehren, den Pfad der Befreiung vom Leiden – und dann liegt es an uns es in die Praxis umzusetzen.

Da der Buddhismus lehrt, dass es keinen Schöpfer gibt und dass wir alles selbst erschaffen, sind wir deshalb unsere eigenen Meister, jedoch innerhalb der Grenzen des Gesetzes von Ursache und Wirkung des Verhaltens. Und dieses Gesetz des Karma lehrt, dass wir positive Ergebnisse erfahren werden, wenn wir konstruktive Handlungen ausführen und Unglück, wenn wir destruktive Handlungen begehen.

Frage: Wie kultivieren wir Geduld?

Seine Heiligkeit: Es gibt viele Methoden. Das Wissen um und das Vertrauen in das Gesetz des Karma erzeugt von selbst Geduld. Wir erkennen: „Dieses Leiden, das ich erfahre ist allein mein eigener Fehler, das Ergebnis von Handlungen, die ich selbst in der Vergangenheit begangen habe. Da ich der Erfahrung nicht entkommen kann, die bereits heranreift, habe ich sie zu erleiden. Aber wenn ich zukünftiges Leiden vermeiden will, kann ich das durch konstruktive Geisteshaltungen wie Geduld tun. Wenn ich gereizt oder ärgerlich wegen dieses Leidens werde, wird dies nur negatives Karma, die Ursache für künftiges Unglück, erzeugen.“ Das ist eine Möglichkeit, um Geduld zu üben.

Etwas anderes, das wir tun können, ist über die leidvolle Natur des Körpers zu meditieren: „ Dieser Körper und Geist sind die Basis für alle Arten von Leiden. Es ist natürlich und keinesfalls unerwartet, dass durch sie Leiden entstehen wird“. So eine Erkenntnis ist sehr hilfreich bei der Entwicklung von Geduld.

Wir können uns auch ins Gedächtnis rufen, was Shantideva in „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ (VI 10) sagt:

Kann etwas dagegen getan werden,
warum deswegen schlechte Laune bekommen?
Und kann nichts dagegen getan werden,
was hilft es, deswegen schlechte Laune 
   zu bekommen?

Also wenn es eine Methode gibt, um unser Leiden zu überwinden oder eine Gelegenheit dafür, sollten wir uns nicht sorgen oder in schlechte Stimmung verfallen. Gibt es absolut nichts, was wir dafür tun können, dann wird sich zu sorgen und verstimmt zu sein uns überhaupt nicht helfen. Das ist beides sehr einfach und sehr klar.

Etwas anderes, was wir tun können ist, die Nachteile zu betrachten die es bringt, wütend zu werden und die Vorteile, Geduld zu üben. Wir sind menschliche Wesen und als solche ist eine unserer besseren Eigenschaften die Fähigkeit zu denken und zu beurteilen. Verlieren wir die Geduld und werden wütend, verlieren wir unsere Fähigkeit, angemessene Beurteilungen abzugeben und verlieren dadurch eines der kraftvollsten Instrumente, die wir haben um Probleme zu knacken – unsere menschliche Weisheit. Das ist etwas, das Tiere nicht haben. Verlieren wir die Geduld und werden gereizt, dann beschädigen wir dieses wertvolle Instrument. Wir sollten uns daher erinnern, dass es weitaus besser ist, Mut und Entschlusskraft zu haben und dem Leiden mit Geduld zu begegnen.

Frage: Wie können wir bescheiden sein aber gleichzeitig realistisch angesichts der guten Eigenschaften, die wir besitzen?

Seine Heiligkeit: Wir müssen zwischen dem Vertrauen in unsere Fähigkeiten und Eitelkeit unterscheiden. Es ist nötig, dass wir Vertrauen haben in jedwede unserer guten Eigenschaften und Fertigkeiten die wir haben, und dass wir sie mutig nutzen, jedoch ohne deswegen überheblich zu sein. Bescheiden zu sein heißt nicht, sich völlig unfähig und hilflos vorzukommen. Demut wird als Gegenmittel zu Stolz kultiviert, wir müssen jedoch jedwede gute Eigenschaft vollkommen nutzen.

Idealer Weise müssen wir sehr viel Mut und Stärke haben, sollten aber nicht damit prahlen oder eine große Show daraus machen. Dann zeigen wir uns – wenn nötig – der Lage gewachsen und kämpfen tapfer für das Richtige. Das ist perfekt. Haben wir keine dieser guten Fähigkeiten, gehen aber umher und prahlen damit, wie großartig wir sind und wenn es dann darauf ankommt schrecken wir vollkommen zurück, dann sind wir genau das Gegenteil davon. Die erste Person ist sehr mutig, ist aber nicht eitel und die andere ist sehr eitel, hat aber keinen Mut.

8) Durch einen Geist,
der während allem diesem unbeeinträchtigt ist von
   den Makeln,
die aus falschen Vorstellungen
über die acht flüchtigen Dinge des Lebens stammen,
und der alle Phänomene als Illusion erkennt,
möge ich meine Fesseln sprengen, ohne jede
   Anhaftung.

Dieser Vers befasst sich mit dem unterscheidenden Gewahrsein oder Weisheit. All die vorherigen Praktiken sollten nicht befleckt sein durch den Makel der Konzepte in Bezug auf die flüchtigen oder vergänglichen Dinge des Lebens, die sogenannten „acht weltlichen Dharmas“ [Lob oder Kritik, das Erfahren guter oder schlechter Neuigkeiten, Gewinn oder Verlust und Angelegenheiten, die gut oder schlecht verlaufen].

[Siehe: Unbehagen über die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens zerstreuen]

Diese acht können weiß, schwarz oder gemischt sein. [Übermäßig aufgeregt zu sein, wenn wir das jeweils erste der Paare erfahren oder übermäßig niedergeschlagen zu sein, wenn wir das jeweils zweite erfahren ist schwarz, wenn es aus Anhaftung an das Glück dieses Lebens zusammen mit einer selbstbezogenen Geisteshaltung und dem Greifen nach einem wahrhaft existierenden „Ich“ entstehen. Es ist gemischt, wenn es nicht aus der Anhaftung zum Glück dieses Lebens, aber noch aus den beiden letztgenannten Motivationen entsteht. Es ist weiß, wenn es weder aus Anhaftung zum Glück dieses Lebens noch Selbstbezogenheit, sondern nur aus dem Greifen nach einem wahrhaft existenten „Ich“ entsteht]. Ich denke aber, dass es in Ordnung sein wird, wenn ich diesen Vers einfach von folgendem Gesichtspunkt aus erkläre: dass die Praktiken, die in den ersten sieben Versen beschrieben sind, nicht befleckt durch die Konzepte sind, mit denen wir nach einem wahr vorhandenen „Ich“ im Angesicht der acht vergänglichen Dinge des Lebens wie Lob, Kritik und so weiter greifen.

Wie vermeiden wir, dass unsere Praxis auf diese Weise befleckt wird? Indem wir erkennen, dass alle existierenden Phänomene illusorisch sind und daher greifen wir nicht danach als hätten sie eine wahrhaft begründete Existenz. Auf diese Weise werden wir von der Fessel an diese Art von Greifen und Anhaften befreit.

Es ist aber wichtig, dass wir uns darüber klar sein was „illusorisch“ bedeutet. Wahrhaft begründete Existenz erscheint unserem Geist in Gestalt verschiedener Objekte, wo auch immer sie erscheinen. In Wirklichkeit ist aber keine wahrhaft begründete Existenz da. Mit anderen Worten gesagt erscheint wahrhaft begründete Existenz, obwohl es keine wahrhaft begründete Existenz gibt und deshalb ist eine solche Existenz eine Illusion. Das heißt, dass obwohl alles, das existiert, so erscheint, als hätte es wahrhaft begründete Existenz, sind alle Phänomene aber frei von solch einer unmögliche Art der Existenz.

Um das zu verstehen, braucht man ein festes und entschieden korrektes Verständnis von Leerheit. Zuerst müssen wir feststellen, dass alle Phänomene keine wahrhaft begründete Existenz haben. Daraufhin weisen wir, da alles, das diese leere Natur hat, so erscheint als hätte es wahrhaft begründete Existenz, später diese unmögliche Art der Existenz zurück, indem wir uns an unsere frühere Feststellung der vollkommenen Abwesenheit einer wahrhaft begründeten Existenz erinnern. Wenn wir beide zusammen nehmen – die Erscheinung der wahrhaft begründeten Existenz und ihre Leerheit, wie vordem erfahren – entdecken wir die illusorische Natur aller Phänomene. [Somit ist die Erscheinung der wahrhaft begründeten Existenz eine Illusion während die Phänomene, die als wahrhaft existent erscheinen, nur wie eine Illusion sind, indem sie so erscheinen, als würden sie auf eine Art existieren in der sie nicht wirklich existiert.]

Im Kontext dieses Textes braucht es keine separate weitere Erklärung der Art, wie Dinge als Illusion erscheinen. Dieser Text erklärt nur bis zur Meditation über bloße Leerheit. In den Anuttarayoga-Tantra-Belehrungen, wie im „ Guhyasamaja-Tantra“, aber ist die Erörterung dessen, was „illusorisch“ genannt wird, auch eine Präsentation, die völlig verschieden von der Erörterung der Leerheit ist [nämlich die Präsentation des Illusionskörpers]. In Bezug auf diesen Vers ist diese weitere Erörterung aber nicht nötig. Daher ist die wahrhaft begründete Existenz dessen, was eine tatsächliche Natur hat, die bar einer solchen unmöglichen Existenz ist, das Objekt der Widerlegung und muss widerlegt werden.

Frage: Wie kann etwas, das nicht aufzufinden ist und dessen Existenz nur durch Zuschreibung begründet ist, funktionieren?

Seine Heiligkeit: Das ist sehr schwer zu verstehen. Wenn wir erkennen können, dass die Existenz sowohl des Agens als auch der Handlung nur deshalb begründet ist, dass sie abhängig entstandene Phänomene sind, wird Leerheit im Sinne von abhängigem Entstehen erscheinen. Das ist am Schwierigsten zu verstehen. Haben wir die Existenz, die nicht durch eine auffindbare Selbstnatur begründet ist, korrekt erkannt – mit anderen Worten, die nicht-inhärent auffindbare Existenz – dann spricht die Erfassung von existierenden Objekten für sich selbst. Dass ihre Existenz durch eine auffindbare Selbstnatur begründet ist, wird durch Logik widerlegt. Logik überzeugt uns, dass es unmöglich ist, dass Phänomene eine auffindbare Selbstnatur haben, die ihre Existenz begründet. Dennoch: Phänomene existieren definitiv, da wir sie gültig erfahren.

Wie sind sie denn vorhanden? Mit anderen Worten, was begründet ihre Existenz? Ihre Existenz ist als abhängig entstanden nur durch die Kraft der Bezeichnungen begründet. Das heißt nicht, dass Phänomene überhaupt nicht existieren; es wurde nie gesagt, dass Dinge nicht existieren. Sondern es wird gesagt, dass die Existenz von Dingen nur durch die Kraft der Bezeichnungen begründet werden kann. Das ist ein schwieriger Punkt, etwas, das wir nur sehr langsam durch Erfahrung verstehen können.

[Siehe: Einführung in Leerheit und geistiges Bezeichnen]

Zuerst müssen wir analysieren, ob Dinge eine wahrhaft begründete Existenz haben oder nicht. Das heißt, zu analysieren ob ihre Existenz durch etwas auf ihrer Seite Auffindbares wahrhaft begründet wird oder nicht – oder einfacher ausgedrückt: ob Dinge wahrhaft auffindbar sind oder nicht. Tatsächlich können wir aber nichts finden, das die Existenz von Dingen von ihrer eigenen Seite aus begründet. In Wirklichkeit können wir gar nichts finden: Nichts ist auffindbar. Wenn wir aber [jetzt] sagen, dass Phänomene überhaupt nicht vorhanden seien, ist das ein Fehlschluss, da wir Dinge erfahren. Mit anderen Worten gesagt: Obwohl wir nicht logisch beweisen können, dass Dinge eine wahrhaft auffindbar begründete Existenz haben, wissen wir aus unserer Erfahrung, dass sie existieren sind. Daraus können wir sicher schließen, dass Dinge existieren.

Nun, wenn Dinge existieren, gibt es nur zwei Wege wie ihre Existenz begründet werden kann: entweder von ihrer eigenen Seite aus, aus ihrer eigenen Kraft oder durch die Kraft anderer Faktoren - mit anderen Worten gesagt, entweder völlig unabhängig oder abhängig entstanden. Da die Logik verwirft, dass die Existenz von Dingen unabhängig, aus eigener Kraft, begründet werden kann, ist der einzige Weg ihre Existenz zu begründen, dass sie von anderen Faktoren anhängen.

Wovon hängen Dinge ab, um ihre Existenz zu begründen? Sie hängen von einer Basis zur Bezeichnung ab und einem Konzept oder einem Namen der sie bezeichnet. Könnten Phänomene gefunden werden, wenn danach gesucht wird, dann müsste ihre Existenz durch ihre eigene Selbstnatur begründet werden. In diesem Fall würden die Madhyamaka-Schriften, die sagen, dass die Existenz von Dingen nicht durch ihre eigene Selbstnatur zu begründen ist, Unrecht haben. Aber wir können die Dinge nicht finden, wenn wir danach suchen: Wir können gar nichts auf ihrer eigenen Seite finden, das ihre Existenz begründet. Was wir entdecken ist nur, dass die Existenz von Phänomenen bloß durch die Kraft anderer Faktoren begründet ist, nämlich bloß durch die Kraft von Benennungen.

Das Wort „bloß“ verweist darauf, dass etwas abgeschnitten ist. Was aber abgeschnitten ist, ist nicht die Benennung selbst, noch was die Benennung bezeichnet oder worauf sie sich bezieht und was das Objekt einer gültigen Wahrnehmung ist. Wir sagen nicht, dass Benennungen nichts bezeichnen oder sich nicht auf etwas beziehen oder dass die Bezugsobjekte von Benennungen nicht die Objekte einer gültigen Wahrnehmung sind. Was das Wort „bloß“ abschneidet ist, dass die Existenz von Phänomenen durch etwas anderes als durch die Kraft der Benennungen begründet ist. Die Existenz von Phänomenen ist bloß durch die Kraft der Benennungen begründet, aber Benennungen beziehen sich auf etwas und worauf sie sich beziehen, sind die Objekte gültiger Wahrnehmung.

Die tatsächliche Natur von Dingen ist daher, dass ihre Existenz bloß durch die Kraft von Benennungen begründet ist. Es gibt keine andere Alternative, nur die Kraft der Benennungen. Das heißt aber nicht, dass es außer Benennungen nichts gibt. Da gibt es Phänomene: da gibt es Objekte der Benennungen und da gibt es Benennungen. Was begründet die Existenz der Bezugsobjekte der Benennungen? Ihre Existenz ist auch bloß durch die Kraft von Benennungen begründet.

Frage: Ist der Geist etwas, das wahrhaft existiert oder ist er auch eine Illusion?

Seine Heiligkeit: Es ist das Gleiche. Nach dem Prasangika-Madhyamaka, der höchsten, präzisesten Ansicht, ist es dieselbe Situation egal – ob etwas ein äußeres Objekt ist oder ein inneres Bewusstsein, das dieses Objekt erkennt. Die Existenz von beiden ist bloß durch die Kraft von Benennungen begründet, keine von beiden hat wahrhaft auffindbar begründete Existenz. Die Existenz von Gedanken und Konzepten wird auch bloß durch die Kraft von Benennungen begründet, ebenso ist es der Fall mit der Leerheit, Buddha, gut, schlecht und gleichgültig. Die Existenz aller Phänomene, von allem, ist nur durch die Kraft der Benennungen begründet.

Wenn wir „nur Benennung“ sagen, schneidet es Bezugsobjekte der Benennungen ab, die ihre Existenz nicht bloß durch die Kraft der Benennungen für sie begründen. Man kann „nur Benennung“ heißt auf keine andere Art verstehen. Aber [lassen Sie uns] eine wirkliche Person und ein Phantom als Person betrachten. Beide sind sich darin gleich, dass ihre Existenz nur bloß durch die Kraft der Benennungen für sie begründet werden kann. Es gibt aber einen Unterschied zwischen den beiden. Was auch immer existiert oder nicht existiert, kann geistig bezeichnet werden und das ist alles. [Wir können „wirkliche Person“ und „ Phantom-Person“ geistig bezeichnen]. In Bezug auf Benennungen aber beziehen sich einige Benennungen auf Dinge, die existieren und auf einige, die nicht existieren. [Die Benennung „wirkliche Person“ bezieht sich auf etwas das existiert, während die Benennung „ Phantom-Person“ sich auf nichts bezieht was existiert – es bezieht sich auf etwas, das nicht existiert.]

Nach der Nur-Geist-Schule, Chittamatra, erscheinen äußere Phänomene als wäre ihre Existenz durch ihre Selbstnatur begründet. [Mit anderen Worten gesagt erscheinen sie als wäre ihre Existenz durch die Tatsache begründet, dass sie aufgefunden werden können wenn nach den Bezugsobjekten für die Benennung von Dingen gesucht wird.] Sie sind aber in Wirklichkeit ohne äußere Existenz, die durch eine Selbstnatur begründet ist. Aber der Geist hat entsprechend dem Chittamatra wirklich begründete Existenz. [Das bedeutet, dass der Geist als kognitives Objekt existiert, das nicht bloß durch eine konzeptionelle Wahrnehmung zugeschrieben werden kann und seine Existenz als solches durch die Kraft seiner eigenen, individuellen, auffindbaren, bestimmten charakteristischen Merkmalen von sich aus begründet ist.]

Ich denke aber, dass wir uns für jetzt genug mit den buddhistischen Lehrsystemen beschäftigt haben.

Frage: Sind „Geist“ und „Bewusstsein“ gleichbedeutende Begriffe?

Seine Heiligkeit: Es werden im Tibetischen Unterschiede gemacht, es ist aber schwer zu sagen ob die englischen [oder deutschen] Worte die gleichen Konnotationen haben. Bezieht sich das tibetische Wort für mind (Deutsch: Geist) auf das Primär-Bewusstsein, so würde es vielleicht dem englischen Wort consciousness (Deutsch: Bewusstsein) gleichgestellt sein. Das tibetische Wort für awareness (Deutsch: Gewahrsein) andererseits ist ein sehr allgemeiner Begriff und ist in Primärbewusstsein und Nebengewahrsein oder geistige Faktoren unterteilt, beide von diesen haben viele weitere Unterteilungen. Und wenn wir von „Gewahrsein“ sprechen, gibt es geistige und sensorische Arten von Gewahrsein und erstere haben viele Unterteilungen in verschiedene Abstufungen von Grobheit und Subtilität. Ob das englische [oder deutsche] Wort mit dem Tibetischen in Bezug auf Genauigkeit und so weiter übereinstimmt oder nicht, ist schwer zu sagen.