Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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„Schulung der Geisteshaltung in acht Versen“

(tib. Blo-sbyong tshig-brgyad-ma)
von Langri-tangpa (dGe-bshes gLang-ri thang-pa)

Übersetzung ins Englische: Alexander Berzin, Juni 2001
Überarbeitung: Februar 2004
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger

1) Um das höchste Ziel zu erreichen,
möge ich stets alle begrenzten Wesen hochschätzen,
indem ich sie für wertvoller
als wunscherfüllende Juwelen betrachte.

2) Wann immer ich anderen begegne,
möge ich mich geringer als alle anderen sehen
und aus tiefstem Herzen andere
höher als mich selbst schätzen.

3) Was auch immer ich mache,
möge ich den Fluss meiner Gedanken prüfen
und in dem Moment, in dem Konzepte
oder störende Emotionen auftreten
möge ich mich ihnen entgegenstellen
und sie mit kraftvollen Mitteln abwehren
da sie mich und andere entkräften.

4) Wann immer ich zur Grausamkeit neigende Wesen sehe,
überwältigt von Negativität und ernsthaften Schwierigkeiten,
möge ich sie als seltenere Kostbarkeit,
als die Entdeckung eines Juwelenschatzes, wertschätzen.

5) Wenn andere mich aus Neid schlecht behandeln,
mit Beschimpfung, Verleumdung und dergleichen,
möge ich die Niederlage akzeptieren
und anderen den Sieg überlassen.

6) Selbst wenn jemand, dem ich geholfen habe
und in den ich große Erwartungen setze,
mir völlig unberechtigt schaden würde,
möge ich sie oder ihn als einen geheiligten Lehrer sehen.

7) Kurz gesagt: Möge ich all meinen Müttern,
sowohl tatsächlich als auch indirekt,
geben, was immer ihnen hilft und Freude macht.
Und möge ich im Verborgenen,
all meiner Mütter Sorgen und Leiden auf mich nehmen.

8) Durch einen Geist,
der während allem diesem unbeeinträchtigt ist von den Makeln,
die aus falschen Vorstellungen
über die acht flüchtigen Dinge des Lebens stammen,
und der alle Phänomene als Illusion erkennt,
möge ich meine Fesseln sprengen, ohne jede Anhaftung.