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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ein Kommentar zum Entwickeln des tiefsten Bodhicitta (das Verständnis von Leerheit) in den „siebenunddreißig Bodhisattva-Praktiken“

(tib. rGyal-sras lag-len so-bdun-ma)
von Togmey-zangpo (tib. Thogs-med bzang-po)
Seine Heiligkeit der Vierzehnte Dalai Lama

Übersetzt von George Dreyfus und überarbeitet von Alexander Berzin, 1978
Ergänzt von Alexander Berzin, August 2003
Übersetzung ins Deutsche: Nailu Sari

(22) Die Übung eines Bodhisattvas ist es, die inhärenten Eigenschaften der Objekt und des Geistes, der sie aufgreift, nicht geistig aufzugreifen, indem man genau erkennt, wie die Dinge existieren. Egal, wie die Dinge erscheinen, sie kommen von unserem eigenen Geist; und der Geist selbst ist von Anfang an getrennt von den Extremen der geistigen Fabrikationen.

Die Chittamatrins behaupten, dass alles, was erscheint und existiert, alle Phänomene, die Natur des Geistes hat. Doch Chandrakirti von der Madhyamaka-Schule vertritt den Standpunkt, dass alles, was erscheint und existiert, nicht inhärent als etwas durch seine eigene Kraft begründet wird. Es wird begründet als etwas, das nur dadurch begründet wird, wie unser konventioneller Geist es aufnimmt. Dies ist die konventionelle oder oberflächliche Existenz, die daher nicht letztendlich wahr ist.

Wenn die Phänomene letztendlich als etwas existieren würden und inhärent durch sich selbst begründet wären, dann müsste diese Existenzweise immer klarer werden, je mehr wir sie mit einem Geist, der die tiefste Wahrheit analysiert, untersuchen. Doch in Wirklichkeit verblasst die Art, in der die Dinge als etwas inhärent in sich selbst begründetes erscheinen, langsam, bis keine Basis oder Fundament gefunden wird. Dies liegt nicht daran, dass die Phänomene überhaupt nicht existierten, da wir dann weder Schaden noch Nutzen aus ihnen hätten. Da wir Nutzen und Schaden aus ihnen ziehen existieren die Phänomene. Doch wir können ihre scheinbare Existentweise, als etwas, das als Existenzweise inheränt aus ihnen selbst heraus begründet wird, nicht finden. Daraus folgt, dass die Phänomene nicht als etwas in sich selbst existieren, dass aus ihrer eigenen Kraft begründet ist, sondern nur begründet sind als etwas aufgrund der Art, wie der konventionelle Geist sie geistig aufnimmt, was durch geistiges Zuschreiben geschieht.

Daher, obwohl die Phänomene als wirklich und inhärent als etwas zu existieren scheinen widersteht diese Existenzweise nicht der Analyse. Dies beweist, dass unsere gewöhnliche Art, die Dinge wahrzunehmen trügerisch und verblendet ist. Wie der Siebte Dalai Lama sagte: „Die Objekte, die im Geist einer schlafenden Person vorüberziehen, sind nur ein Traum. Sie sind nur Erscheinungen; sie keine Objekte als ihre Grundlage. Sie sind nur geistige Erscheinungen.“

Wenn wir in diesem Augenblick davon träumen würden, dass wir in Tibet sind, dann wissen wir, wenn wir aufwachen, dass wir nicht wirklich in Tibet sind. Wir nehmen im Traum die Erscheinung von Tibet war, doch dieser Traumwahrnehmung unterliegt nicht die Basis des tatsächlichen Tibets, begründet als Ort, an dem wir uns tatsächlich befinden. In einer ähnlichen Weise werden wir selbst, die anderen, Samsara, Nirvana, die gesamte Existenz nur auf der Grundlage von Namen und Konzepten begründet. Eine inhärente Existenz dieser Dinge, die aufgrund einer Grundlage von ihrer eigenen Seite her begründet würde, hat nie existiert – noch nicht einmal ein Atom davon.

Wenn die Phänomene erscheinen, scheinen sie so zu existieren: inhärent begründet als etwas auf einer Grundlage, von der aus sie erscheinen. Doch tatsächlich existieren sie nicht in einer inhärenten Weise als etwas, das an irgendeinem Ort, auf den wir zeigen können, begründet ist. Und doch, was Sinnesobjekte angeht, alles, was Wesen wie uns erscheint, die wir vom Schlaf des Ungewahrseins betäubt sind, erscheint wirklich als etwas zu existieren, das inhärent auf einer Basis begründet wird. Wie der Siebte Dalai Lama fortfuhr: „Betrachtet euren betäubten Geist; erkennt wie er funktioniert.”

Doch obwohl dies eine trügerische Erscheinung ist, ist dies die Art, in der die Phänomene für Wesen wie uns zu existieren scheinen, die wir verblendet sind vom Schleier unserer Unwissenheit, der unsere sechs kognitiven Fähigkeiten verschleiert. Was auch immer erscheint, sei es groß oder klein, ob einzeln oder viele, scheint objektiv zu existieren, als etwas, das inhärent von seiner eigenen Seite her begründet ist, und nicht nur durch die Kraft der Namen und Konzepte, die es bezeichnen. Alles scheint als etwas zu existieren, das als etwas außerhalb von uns inhärent begründet ist: „Schau, da ist es! Da drüben!”

Tatsächlich gibt es nichts, das in dieser Weise existiert. Es ist eine unmögliche Existenzweise und doch ist dies die Art, in der uns die Dinge erscheinen. Wie der Siebte Dalai Lama weiter schrieb: „Was also ‚mich’ oder irgendetwas anderes betrifft, ist diese dem getäuschten Geist erscheinende Existenzweise als etwas, das inhärent in sich selbst begründet ist, das subtile Objekt der Negierung. Es zu negieren und aus unserem Geist zu beseitigen ist höchst kostbar und selten.“

Daher existiert alles das erscheint, sei es rein oder unrein, konventionell begründet as etwas aufgrund des Geistes. Und sogar der Geist selbst, der in allen existierenden Phänomenen eingeschlossen ist, wird nicht als etwas gefunden, wenn wir seine tiefste Wahrheit untersuchen. Der Geist existiert als ein Kontinuum von Momenten des Gewahrseins. Das Gewahrsein arbeitet immer, lebendig. Doch wenn wir da Kontinuum in seine Teile (seine Momente) unterteilen und sie untersuchen, dann können wir den Geist nicht als etwas finden.

Das Ganze existiert nicht als etwas, das getrennt von seinen Teilen begründet werden kann, und ein Teil kann nicht das Ganze sein. Die Teile und das Ganze sind etwas unterschiedliches. Wenn man es auseinandernimmt und seine Teile entfernt, kann das Ganze nicht als etwas überleben. Das Ganze existiert scheinbar als etwas in seinen Teilen, doch wenn wir diese untersuchen, können wir es nicht finden. Wir können nicht voller Zuversicht sagen: „Hier ist es.“

Deshalb ist der Geist seit anfangsloser Zeit jenseits der Extreme der Existenz inhärent als etwas begründet zu sein und vollkommen nicht-existent als nichts zu sein [unabhängig von seiner eigenen Seite her als ein blankes Nichts zu existieren oder überhaupt nicht zu existieren]. Er existiert in nicht-inhärenter Weise [er existiert nicht als etwas als irgendetwas inhärent begründetes]. So fuhr der Siebte Dalai Lama fort: “Eine Grundlage (samsarischer oder nirvanischer Existenz) ist immer bloß eine Interpolation, die von unserem Geist projiziert wird. Auch wenn man den Geist analysiert stellt man fest, das er weder ein wahres Entstehen noch ein wahres Vergehen hat. Die Art, in der die Dinge tatsächlich existieren ist erstaunlich.“

Daher ist alles, was erscheint und existiert, Samsara und Nirvana, von der Natur des Geistes, und der Geist hat kein wahres Entstehen und Vergehen. Außerdem hat auch die Person, die einen Geist besitzt, kein wahres Entstehen und Vergehen.

Wie ein großer Meister sagte: „Ich bin ein Yogi des Raumes, dem ein Entstehen fehlt. Nichts existiert wirklich. Ich bin ein großer Händler von in Unwahrheiten, der alle Erscheinungen als eine große Illusion sieht und alle Töne als eine große Illusion hört. Was erstaunlich ist, ist das große vereinte Paar von Erscheinung und Leerheit. Ich habe die Gewissheit des nicht in trügerischen abhängigen Entstehens erlangt. „Diesem Yogi, dem Händler von Unwahrheiten, erscheinen alle Erscheinungen und Töne inhärent begründet als etwas zu existieren und doch existiert gleichzeitig nichts inhärent als etwas begründetes. Wenn alles wirklich inhärent begründet als etwas existierte, dann könnte es nie irgendwelche Widersprüche geben. Aber ein Baum zum Beispiel hat im Frühling wunderschöne Blüten und Blätter, doch im Winter ist er nackt und hässlich. Wenn die Schönheit in einer inhärent begründeten Weise in dem Baum existieren würde, dann müsste sie immer da bleiben und könnte sich nie in etwas Hässliches verwandeln. Dasselbe gilt von Menschen, die manchmal schön und manchmal hässlich erscheinen. Wenn ihre Schönheit inhärent begründet in ihnen existieren würde, dann könnte sie sich nie in Hässlichkeit verwandeln. Außerdem: wenn unser verunreinigter Geist inhärent begründet als verunreinigt existieren würde, dann könnte er sich nie in den vollkommen reinen, allwissenden Geist eines Buddhas verwandeln.

Doch was verunreinigt ist kann sauber werden; was hässlich ist kann schön werden. Dies zeigt, dass nichts in einer inhärent begründeten Weise als das existiert, als was es erscheint. Wenn es eine Grundlage gäbe, die in einer inhärent begründeten Weise als etwas existieren würde, dann wären Veränderungen, die auf Ursachen und Wirkungen basieren, unmöglich. Doch es gibt Ursachen und Wirkungen, und es gibt Gut und Schlecht. Daher können diese Kategorien und Qualitäten nur angewandt werden auf der Grundlage nicht inhärent begründeter Existenz. Diese Kategorien und Qualitäten können nie angewandt werden auf Grundlagen, die inhärent als etwas existieren. Die Tatsache, dass widersprüchliche Kategorien auf ein und dasselbe Phänomen angewandt werden können beweist, dass das Phänomen nicht in einer inhärent begründeten Weise als etwas existiert.

Daher: „Was erstaunlich ist, ist das vereinte Paar von Erscheinung und Leerheit.“ Die Dinge erscheinen offensichtlich in verschiedenen Weisen, doch ihre tatsächliche Natur ist, dass sie leer davon sind, in der inhärent begründeten Weise zu existieren, in der sie zu existieren scheinen. Daher ändern sie sich den Umständen entsprechend. Sie erscheinen verschiedenen Arten von Geist und zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weisen, was bedeutet, dass ihre Leerheit von inhärenter Existenz ihre Erscheinung nicht negiert und dass ihre Erscheinung nicht ihre Leerheit negiert. Da es die Natur der Phänomene ist, leer von inhärenter Existenz zu sein, erscheinen sie in verschiedenen Weisen, und da sie in verschiedenen Weisen erscheinen, sind sie leer von einer inhärenten Existenz.

Mein Verständnis dieser Punkte ist nicht sehr gut, doch ich bemühe mich, es zu verbessern. Es handelt sich um sehr schwierige Themen und wir müssen unseren Geist an sie gewöhnen. Manchmal müssen wir über die Leerheit meditieren, manchmal über die Erscheinungen, und dies in einer ausgeglichenen Weise tun. Wir können hoffen, dass eines Tages Leerheit und Erscheinung in unserem Geist als sich gegenseitig stützend erscheinen werden. „Was erstaunlich ist, ist das vereinte Paar“ wie der Meister sagte, an dessen Namen ich mich im Augenblick nicht erinnern kann.

Was ich vermitteln will ist Folgendes: Wenn alle Phänomene in einer inhärent begründeten Weise als etwas von ihrer eigenen Seite her begründetes existierten, vollkommen unabhängig von allem anderen, dann würden sie permanent als [genau] das existieren. Doch wenn wir die Dinge richtig analysieren stellen wir fest, dass diese Dinge überhaupt nicht in dieser unmöglichen Weise existieren. Wenn endgültige Gewissheit über diese Schlussfolgerung in unserem Geist entsteht, dann bricht die trügerische Erscheinung der vormals klaren Erscheinungsweise plötzlich haltlos in sich zusammen – sie fällt weg. Vormals schien sie ein starkes Fundament zu haben und plötzlich löst sie sich auf, ohne dass irgendetwas dahintersteht.

Wenn wir unseren Geist sanft auf den Zusammenbruch dieser trügerischern Erscheinung gerichtet halten, werden wir schrittweise dazu in der Lage sein, aus der Tiefe unseres Herzens zu schwören, dass wir uns der absoluten Abwesenheit dieser unmöglichen Existenzweise sicher sind. Wenn unsere Konzentrationskraft nicht so stark ist, können wir uns nicht lange auf diese Abwesenheit und auf unsere Gewissheit der Abwesenheit konzentrieren. Doch selbst wenn wir es nur einen Augenblick lang tun ist es äußerst nützlich. In diesem kurzen Augenblick bricht die vormals klare Erscheinung dieser trügerischen Existenzweise in sich zusammen und nur die nichtimplizierende Negierung, die absolute Abwesenheit der inhärenten Existenz bleibt übrig. In diesem Augenblick können keine weiteren Erscheinungen in unserem Geist entstehen.

„Höre auf, dir irgendwelche Erscheinungen von einem Bewusstsein, das ein Objekt ergreift und eines Objektes, das ergriffen wird, auszudenken, und während sich keine weiteren Erscheinungen manifestieren verbleibe in dieser Abwesenheit (Leerheit).“ Wie gesagt wurde: „Nicht sehen ist das höchste Sehen.“ Wenn wir unseren Geist anhaltend auf diese bloße Negierung, auf diese absolute Abwesenheit oder Leerheit konzentrieren, dann wird das „raumgleiches tiefes Gewahrsein“ genannt.

„Illusions-gleiches tiefes Gewahrsein“ wird benutzt, um sich während der Perioden nachfolgender Verwirklichung (Post-Meditation) mit den konventionellen Phänomenen zu befassen, nachdem wir aus der Meditation über Leerheit herausgekommen sind.

(23) Die Praxis eines Bodhisattvas ist es, die ansprechenden Objekte, denen er begegnet, nicht als wirklich existierend anzusehen – auch wenn sie wunderschön erscheinen, wie ein sommerlicher Regenbogen – und sich so von Klammern und Anhaftung zu befreien.

Der Zweck davon, die Leerheit zu erkennen, ist zu verstehen, wie man mit der Existenz richtig umgehen kann. Wenn wir Leerheit verwirklichen sehen wir die tatsächlich andauernde Natur aller Phänomene, ihre tatsächliche Existenzweise. Dann verstehen wir, dass unsere normale Weise, alle Phänomene wahrzunehmen, falsch und verblendet war. Wenn wir erkennen, dass ihre Erscheinung trügerisch ist, dann wissen wir, wie wir dementsprechend reagieren können. Wenn wir wissen, wie wir mit etwas umgehen müssen, dass anders erscheint, als es tatsächlich ist, dann werden wir nicht in die Irre geführt werden.

Wenn wir Leerheit verwirklichen, bedeutet dies nicht, dass wir alle Erscheinungen zurückweisen und sie geistig abstreiten. Man bemüht sich, die Verwirklichung der Leerheit zu erlangen, um die Interpolation inhärenter Existenz zu beenden, die unser Greifen nach inhärenter Existenz auf die Objekte projiziert, wenn unser Geist Objekte erscheinen lässt. Wir müssen das Projizieren dieser Interpolation wonach die Dinge inhärent begründet als etwas existieren, beenden, um die Anhaftung und den Hass gegenüber den Dingen zu beenden. Ich glaube, dass dies das Ziel oder der Zweck der Meditation über Leerheit sein muss, und eine solche Meditation ist sicher sehr nutzbringend. Mit dem raumgleichen tiefen Gewahrsein meditieren wir über die Leerheit. Danach kommt es darauf an, nicht alles zu verwerfen, sondern alles ohne Interpolationen oder Übertreibungen zu sehen und dadurch starke Begierde und Anhaftung zu beenden.

Wenn wir etwas Attraktives sehen, aber seine tatsächlich anhaltende Natur verstehen, dann hindert uns dies nicht daran, die konventionelle oder relative Attraktivität zu erkennen. Doch es beendet eine zu starke Anhaftung an dem Objekt. Anhaftung wird immer durch Unwissenheit und dem Greifen nach wahrer Existenz unterstützt. Wenn wir also zuvor die tatsächliche Natur einer Sache verstanden haben, dann macht das einen großen Unterschied für unsere Art, damit umzugehen.

Wenn wir also einem attraktiven Objekt begegnen wird es für uns wie ein Regenbogen im Sommer. Es erscheint wunderschön – und konventionell und relativ mag es auch wunderschön sein – doch wir sehen es nicht als inhärent wunderschön. Deshalb wird das Klammern an es, als sei es inhärent wunderschön, gar nicht entstehen. Wenn wir langsam dieses Greifen nach einer inhärenten Schönheit des Objekts verlieren, dann wird die Anhaftung daran aufgrund der Unwissenheit nicht entstehen. „ Alle Anhaftung und alle Abneigung wird von störender Unwissenheit begleitet.“ Wie Aryadeva in seinem Text „Vierhundert Verse“ geschrieben hat: „Wie der Körpers kognitive Sensoren hat, genauso ist uns die Unwissenheit zu eigen. Alle störenden Emotionen und Geisteshaltungen, die es gibt, können besiegt werden, indem man die Unwissenheit besiegt.“

Daher, auch wenn ein Objekt als schön erscheinen mag: wenn wir erkennen, dass es nicht in einer inhärenten Weise als schön existiert und dass es vergänglich ist, dann zerstört dies unsere Anhaftung. Dies ist eine neue Weise, uns von der Anhaftung zu befreien. In den vorangehenden Versen dieses Textes „Siebenunddreißig Praktiken der Bodhisattvas“ haben wir uns von der Anhaftung befreit, indem wir erkannt haben, dass das Objekt unserer Anhaftung unrein ist. Hier befreien wir uns davon, indem wir erkennen, dass das Objekt keine Existenz hat, die inhärent begründet ist – etwa als schön.

Wenn wir beide Methoden üben, hat dies eine große Wirkung. Die erste Methode ist eine zeitweilige Lösung. Sie unterdrückt unsere Anhaftung, kann sie aber nicht an der Wurzel entfernen. Wenn wir die irreführende falsche Natur der Objekte unserer Anhaftung verstehen, und wenn wir eine starke Gewissheit entwickeln können und die tatsächliche Natur des Objekts klar sehen können, dann wird uns dies sehr helfen, unsere Anhaftung an das Objekt vollständig zu beenden.

[Siehe: Kurzkommentar zu den siebenunddreißig Bodhisattva-Praktiken von Seiner Heiligkeit dem Vierzehnten Dalai Lama.]

(24) Die Übung eines Bodhisattvas ist: wenn uns widrige Umstände begegnen, diese als trügerisch wahrzunehmen, denn die verschiedenen Leiden sind wie ein Traum vom Tod unseres Kindes und es ist eine ermüdende Verschwendung, solche trügerische Erscheinungen für wahr zu halten.

Hass kann aufgrund von unerfreulichen Umständen oder aufgrund von Leiden entstehen. Wenn wir daher erkennen, dass ein solches Leiden keine inhärente Existenz hat, und wir es betrachten, als sei es eine bloße Illusion, dann hilft uns dies, unseren Hass zu beenden. Die Übung eines Bodhisattvas besteht darin, sich unerfreulichen Umständen in dieser Weise zu nähern.