Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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„Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung“

(Tib. Byang-chub lam-gyi sgron-ma, Skt. Bodhipathapradipam)
von Dipamkara Shrijnana Atisha
ins Englische übersetzt von Alexander Berzin, 1980
in Übereinstimmung mit Erklärungen von Tsenzhab Serkong Rinpoche
dem Kommentar des Ersten Panchen Lama folgend
und überarbeitet im Jahr 2003
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger, 2012
Lektorat: Monika Dräger

Ich werfe mich vor dem jugendhaften Bodhisattva Manjushri nieder.

Das Versprechen (einen Text) zu verfassen

(1) Nachdem ich mich voller Respekt vor den Triumphreichen der drei Zeiten
vor ihrem Dharma und der Sangha-Gemeinschaft niedergeworfen habe,
möchte ich, da mich mein ausgezeichneter
Schüler Dschangtschub-Ö dazu gedrängt hat,
eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung anzünden.

(2) Da es (Praktizierende mit Fähigkeiten)
der anfänglichen, mittleren und höchsten (Stufe) gibt,
sind diese als die drei Arten von spirituellen Personen bekannt.
Ich möchte daher über diese speziellen Unterteilungen schreiben
und ihre jeweils definierenden Eigenschaften erläutern.

Die anfängliche Stufe

(3) Jeder Mensch, der großes Interesse an sich selber hat
– (und daran,) mithilfe von diversen Methoden –
lediglich das Glück des sich unkontrollierbar
wiederholenden Samsara (zu erlangen),
wird als Mensch mit geringstem spirituellen Horizont bezeichnet.

Die mittlere Stufe

(4) Jeder Mensch, der die Veranlagung hat,
den Vergnügungen der zwanghaften Existenz den Rücken zuzuwenden
und negative karmische Impulse umzukehren,
und der lediglich großes Interesse an seinem eigenen inneren Frieden hat,
wird als ein Mensch mit mittlerem spirituellen Horizont bezeichnet.

Bodhichitta als Zugang zur fortgeschrittenen Stufe

(5) Jeder, der sich von ganzem Herzen wünscht,
alle Leiden aller Wesen genauso vollständig zu beseitigen,
wie (er oder sie) die Leiden
in seinem eigenen geistigen Kontinuum (beseitigen möchte),
ist ein Mensch mit der höchsten Motivation.

(6) Für diese heiligen Wesen,
die den Wunsch entwickelten, die höchste Erleuchtung zu erlangen,
möchte ich die vollkommenen Methoden erläutern,
die uns die Gurus gezeigt haben.

Das Ritual (zum Erzeugen) des anstrebenden Bodhichittas in Verbindung mit Ratschlägen

(7) Vor Gemälden, Statuen und ähnlichen Dingen,
die vollständig erleuchtete Buddhas darstellen
wie auch vor Stupas und heiligen (Dharma-Texten),
bringe Blumen, Räucherwerk,
oder was immer du an materielle Gaben haben magst, dar.

(8) Auch mit der siebengliedrigen (Praxis) der Gabendarbringung,
die im „(Gebet für) ausgezeichnetes Verhalten“ erwähnt wird,
verbunden mit der geistigen Haltung, dass du niemals umkehren wirst,
bis du die letztendliche (Verwirklichung) deiner Buddha-Essenz erlangt hast,

(9) mit tiefstem Vertrauen in die Drei Höchsten Juwelen,
mit einem gebeugten Knie den Boden berührend,
und mit aneinander gelegten Handflächen,
gebe (deinem Leben) zunächst dreimal eine sichere Ausrichtung
[nimm dreimal Zuflucht].

(10) Von einem Geist voller Liebe
gegenüber allen begrenzten Wesen ausgehend
betrachte als nächstes alle (im Daseinskreislauf) umherwandernden Wesen
– und lasse dabei kein einziges (Wesen) aus –
wie sie unter Geburt, Tod, Zwischenzustand usw.
in den drei schlechten Bereichen leiden.

(11) Erzeuge dann, verbunden mit dem Wunsch,
dass alle umherwandernden Wesen von den Leiden des Schmerzes,
von Leiden und von den Ursachen des Leidens frei sein mögen,
das Bodhichitta des Versprechens,
mit dem du niemals wieder umkehren wirst.

(12) Die Vorzüge, die sich daraus ergeben,
eine solche anstrebende Geisteshaltung zu entwickeln,
sind von Maitreya ausführlich in seinem Werk
„Das Sutra, das sich wie ein Baumstamm ausbereitet“ erläutert worden.

(13) Wenn du dieses Sutra gelesen hast
oder von deinem Guru diesbezüglich etwas gehört hast,
und wenn du der grenzenlosen Vorteile des vollständigen
Bodhichittas gewahr geworden bist,
dann entwickle diese Geisteshaltung wieder und wieder,
als Ursache dafür, diese stabil (in deinem Geist) zu verankern.

(14) Die positiv Kraft (des Bodhichittas)
wird ausführlich im „Sutra, das von Viradatta erbeten wurde“ dargestellt.
Da sie dort lediglich in drei Versen zusammengefasst ist,
möchte ich diese hier zitieren:

(15) „Wenn die positive Kraft
von Bodhichitta eine Form besäße,
würde sie den Weltraum vollständig ausfüllen,
und sogar über ihn hinausgehen.

(16) Selbst wenn jemand die Buddha-Felder,
deren Anzahl den Sandkörnern des Ganges gleicht,
mit Juwelen füllen sollte,
und sie den Beschützern der Welt darbringen würde,

(17) so wäre doch die Gabe von jemandem,
der seine Handflächen aneinanderlegt,
und seinen Geist auf Bodhichitta ausrichtet,
wesentlich edelherziger; die Gabe wäre endlos.“

(18) Nachdem du die anstrebenden Stufen des Bodhichittas entwickelt hast,
unterstütze diese (Zustände) jederzeit durch zahlreiche Bemühungen;
und um sie sich zudem in diesem
und in anderen Leben stets zu vergegenwärtigen,
schütze auch die Schulungen sorgfältig, die in den Texten erwähnt werden.

Die Gelübde des ausübenden Bodhichittas nehmen

(19) Außer durch die Gelübde, die das eigentliche Wesen
des ausübenden Bodhichittas sind,
wird dein reines Bestreben niemals anwachsen.
Deshalb nimm sie, mit dem Wunsch, in Richtung
auf die angestrebte volle Erleuchtung voranzuschreiten,
definitiv an, energisch für eben diesen Zweck.

(20) Wer jederzeit die anderen Gelübde aufrechterhält,
von einer der sieben Gelübdegruppen der individuellen Befreiung,
hat die angemessene Voraussetzung
für das Nehmen der Bodhisattva-Gelübde;
(alle) anderen nicht.

(21) Bezüglich (der sieben Gelübdegruppen) der individuellen Befreiung,
hat der Entsprechend Vorangeschritten in seinen Erläuterungen erklärt,
dass jene der Glorreichen Enthaltung die Höchsten sind;
und das sind die Gelübde der voll ordinierten Mönche.

(22) Nimm die (Bodhisattva-) Gelübde
von einem vortrefflichen, voll qualifizierten Guru,
gemäß dem Ritual, wie es im „Kapitel über die ethische Disziplin“
in den „Bodhisattva-Stufen“ gut dargelegt wird.

(23) Wisse, dass ein vortrefflicher Guru jemand ist,
der erfahren im (Durchführen) der Gelübde-Zeremonie ist,
seiner Veranlagung gemäß entsprechend der Gelübde lebt,
das Vertrauen hat, die Gelübde zu übertragen,
und der Mitgefühl besitzt.

(24) Wenn du dich jedoch darum bemüht hast,
aber solch einen Guru nicht finden konntest,
dann gibt es noch ein anderes Ritual
als dieses zum Empfangen der Gelübde,
das ich (hier nun) vollständig erläutern werde.

(25) In Bezug darauf, werde ich hier
sehr klar (dargestellt) niederschreiben,
wie Manjushri in früheren Zeiten, als er der König Ambaraja war,
Bodhichitta erzeugt hat, genauso wie es im
Sutra „Ein Schmuck für Manjushris Buddha-Feld“ erläutert wird.

(26) „Vor den Augen meiner Beschützer
erzeuge ich Bodhichitta,
und, all die (in Samsara) umherwandernden Wesen
als meine Gäste einladend,
werde ich sie aus den unkontrollierbaren Wiedergeburten befreien.

(27) Von nun an, bis ich den höchsten
gereinigten Zustand erlangt habe,
werde ich niemals mehr mit üblen Absichten handeln,
auch nicht mit Wut, Geiz oder Eifersucht.

(28) Ich werde im Einklang mit dem enthaltsamen Verhalten leben;
ich werde mich von Negativitäten und Begierde befreien.
Mich an den Gelübden der ethischen Disziplin erfreuend,
werde ich mich beständig genauso üben,
wie es die Buddhas getan haben.

(29) Ich werde keine Freude daran haben,
Erleuchtung durch schnelle Methoden
lediglich für mich selbst zu erlangen,
sondern will bis ans Ende der Zeiten verweilen,
wenn dies die Ursache dafür ist,
auch (nur) einem einzigen begrenzten Wesen (zu helfen).

(30) Ich werde alles in unermessliche,
unvorstellbare Bereiche reinigen,
und überall in den zehn Himmelsrichtungen verweilen,
für diejenigen, die meinen Namen gerufen haben.

(31) Ich werde alle Handlungen
meines Körper und meiner Sprache bereinigen,
und auch die Handlungen meines Geistes:
Ich werde niemals irgendwelche destruktiven Handlungen begehen.“

Sich im Bodhisattva-Verhalten üben

Sich in der Höheren Ethischen Disziplin üben

(32) Wenn du dich in den drei Übungsgruppen
der ethischen Disziplin gut übst,
indem du im Einklang mit den Gelübden lebst,
die das eigentliche Wesen des ausübenden Bodhichittas sind,
und die die Ursache dafür bilden, dass du
deinen Körper, deine Sprache und deinen Geist vollständig reinigst,
wird sich dein Respekt gegenüber
den drei Übungsgruppen der ethischen Disziplin vergrößern.

(33) Dadurch wirst du den vollständig gereinigten,
vollkommenen Zustand der Erleuchtung erlangen;
denn wenn du dich in den Gelübden des Bodhisattvas übst,
wirst du die Netzwerke gänzlich vervollständigenden,
die (du) für vollkommene Erleuchtung benötigst.

Sich in der Höheren Konzentration üben

(34) Was die Ursache betrifft, die diese Netzwerke vervollständigen wird,
die das Wesen positiver Kraft und tiefen Gewahrseins haben:
Alle Buddhas haben bestätigt, dass es
die Entwicklung eines höher entwickelten Gewahrseins ist.

(35) Gleich einem Vogel, der ohne vollständig entwickelte Flügel
im Himmel nicht fliegen kann,
wirst du nicht in der Lage sein,
die Wünsche der begrenzten Wesen zu erfüllen,
wenn dir die Kraft des höher entwickelten Gewahrseins fehlt.

(36) Wie viel positive Kraft auch immer
an einem Tag und in einer Nacht,
bei jemanden mit höher entwickeltem Gewahrsein entsteht,
ein solche Kraft kann nicht einmal in einhundert Lebensspannen
von jemandem erlangt werden,
der kein höher entwickeltes Gewahrsein besitzt.

(37) Wenn du daher die Netzwerke der vollkommenen Erleuchtung
schnell gänzlich vervollständigen möchtest,
dann strenge dich an und erlange
dadurch ein höher entwickeltes Gewahrsein.
Man erlangt es nicht durch Faulheit.

(38) Wer noch keinen still gewordenen
und zur Ruhe gekommenen Geist entwickelt hat
wird auch kein höher entwickeltes Gewahrsein erlangen.
Darum übe dich wiederholt darin, einen still gewordenen
und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand zu realisieren.

(39) Sollten aber die Faktoren schwach sein, die zum Erlangen
eines still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geistes führen,
dann wirst du keine einsgerichtete Konzentration erlangen,
auch wenn du mit großer Bemühung
und für Tausende von Jahren meditiert haben solltest.

(40) Halte daher die Faktoren im Sinn, die im Kapitel
„Ein Netzwerk zum Erzeugen einsgerichteter Konzentration“ erwähnt sind.
Lenke dann dein Gewahrsein auf etwas Konstruktives:
nämlich auf eines der angemessenen Konzentrationsobjekte.

(41) Wenn ein Yogi oder eine Yogini
einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geist realisiert,
erlangt er oder sie auch ein höher entwickeltes Gewahrsein.

Sich in Höherem Unterscheidenden Gewahrsein üben

Wenn du es jedoch versäumt hast,
dich im weitreichenden unterscheidenden Gewahrsein zu üben,
wirst du nicht in der Lage sein,
deine Schleier zu beseitigen.

(42) Daher, wenn du alle Schleier in Bezug auf die störenden Emotionen
und auf alle erkennbaren Phänomene ausnahmslos beseitigen möchtest,
meditiere beständig über das Yoga
des weitreichenden unterscheidenden Gewahrseins
in Verbindung mit den Methoden.

(43) Denn unterscheidendes Gewahrsein ohne Methoden,
wie auch Methoden ohne unterscheidendes Gewahrsein,
werden gleichermaßen immer noch als Fesseln bezeichnet.
Verzichte daher niemals auf eines von beiden.

(44) Um alle Zweifel in Bezug auf die Frage zu beseitigen,
was das unterscheidende Gewahrsein ist und was zu den Methoden gehört,
möchte ich hier den Unterschied zwischen Methoden
und unterscheidendem Gewahrsein erläutern.

(45) Der Triumphreiche hat erläutert,
dass, abgesehen von dem weitreichenden unterscheidenden Gewahrsein,
alle Netzwerke konstruktiver Geistesfaktoren,
wie beispielsweise die weitreichende Großzügigkeit usw., Methode sind.

(46) Durch die Kraft, die daraus entsteht,
dass jemand über die Methoden meditiert hat,
kann jemand mit einer (Bodhichitta-) Natur,
indem er mit unterscheidendem Gewahrsein
gründlich über etwas meditiert hat,
schnell die Erleuchtung erlangen.
(Die Erleuchtung) kommt nicht dadurch zustande,
dass man allein über die Abwesenheit
von inhärenter Identität meditiert hat.

(47) Das Gewahrsein der Leerheit von inhärenter Existenz,
(mit dem man in tiefer Weise) erkannt hat, dass die Aggregate,
die Wahrnehmungsquellen und die Wahrnehmungsanreger
kein (inhärent existierendes) Entstehen haben,
wurde vollkommen als unterscheidendes Gewahrsein erläutert.

(48) Wenn die Dinge (zur selben Zeit wie ihre Ursachen)
inhärent existieren würden,
wäre es nicht logisch, wenn sie in Erscheinung treten müssten.
Wenn sie ferner (inhärent) überhaupt nicht existieren würden,
(dann könnten sie überhaupt nicht in Erscheinung treten) –
gleich Blumen aus dem (leeren) Raum heraus.
Da es darüber hinaus zu der absurden Schlussfolgerung
beider dieser Fehler kommen würde,
entstehen die Dinge auch nicht aus beiden
(also sowohl inhärent existent als auch
inhärent nicht-existent zur Zeit ihrer Ursachen).

(49) Die Phänomene entstehen nicht aus sich Selbst heraus,
noch aus etwas, das (inhärent) verschieden ist, auch nicht aus beidem.
Sie (entstehen) auch nicht aus überhaupt keiner Ursache heraus.
Deshalb hat alles seinem Wesen nach keinerlei inhärente Existenz.

(50) Wenn Du darüber hinaus alle Dinge in Bezug darauf analysiert,
ob sie (inhärent) eins oder viele sind,
dann – da niemand auf etwas zeigen kann,
was Existenz von seiner eigenen Natur her hat –
kannst du Gewissheit über die Nicht-Existenz
von inhärenter Existenz erlangen.

(51) Die Argumentationsketten, die du (in den Schriften):
„Siebzig Verse über Leerheit“ und
„Wurzeltext zum mittleren Weg“ usw. findest,
erläutern dir gleichermaßen, wie die Leerheit
als die Natur aller Phänomene begründet wird.

(52) Da dieser Text jedoch zu lang geworden wäre,
gehe ich an dieser Stelle nicht weiter auf das Thema ein.
Was ich erläutert habe, war zum Zwecke der Meditation
nur auf einem bewährten Lehrmeinungssystem (basierend).

(53) Da du nicht auf die inhärente Existenz
von irgendetwas abzielen kannst,
(und in Bezug hierauf gibt es) keine Ausnahme,
ist die Meditation über das Fehlen einer inhärenten Identität
eine Meditation über das unterscheidende Gewahrsein.

(54) Mit unterscheidendem Gewahrsein
wird man niemals die inhärente Natur
irgendeines Phänomens wahrnehmen;
und es wird erklärt, dass dies auch in Bezug auf den tatsächlichen Zustand
des unterscheidenden Gewahrseins selbst gilt.
Meditiere in dieser (Weise) nicht-konzeptuell (über Leerheit).

(55) Diese zwanghafte Existenz, die durch (unsere)
konzeptuellen Gedanken (über inhärente Existenz) entsteht,
besitzt eine (lediglich erfundene) wahre Natur –
(hervorgebracht) durch diese konzeptuellen Gedanken.
Der Zustand, in dem man sich von all diesen konzeptuellen Gedanken
ausnahmslos befreit hat, wird deshalb als der
„Höchste Nirvana-Zustand jenseits der Sorgen“ (bezeichnet).

(56) Der Alles Übertreffende Siegreiche Meister hat zudem gesagt:
„Konzeptuelle Gedanken (an inhärente Existenz) sind große Unwissenheit,
die dich in den Ozean der sich unkontrollierbar
wiederholenden Existenzen fallen lässt.
Indem du in einsgerichteter Konzentration verweilst,
frei von konzeptuellen Gedanken (von inhärenter Existenz),
wirst du (deinen Geist des klaren Lichts), der frei von diesen Konzepten ist,
klar (hervorbringen), der wie der Raum ist.“

(57) In der „Dharani-Formel für den Eintritt
in das Nicht-Konzepuelle“ hat er zudem gesagt:
„Wenn die Nachkommen des Triumphreichen,
die sich mit dieser reinen Dharmapraxis beschäftigen,
über diesen Zustand der Abwesenheit von konzeptuellen Gedanken
(an inhärente Existenz) meditieren würden,
würden sie diese konzeptuellen Gedanken überwinden,
die so schwierig abzuschütteln sind,
und würden schrittweise einen Zustand erlangen,
der frei von derlei Konzepten ist.“

(58) Wenn du mittels dieser Zitate und Argumentationsketten
die Gewissheit erlangt hast, dass alle Dinge
leer von inhärenter Existenz sind,
und ohne ein (inhärent existierendes) Entstehen,
(dann) meditiere in einem Zustand,
der frei von konzeptuellen Gedanken (an inhärente Existenz) ist.

Das Ergebnis verkörpern

(59) Wenn du in dieser Weise über den tatsächlichen Zustand meditiert hast,
und schrittweise die (Stufe) der Hitze und so weiter erlangt hast,
wirst du (die Stufe) äußerster Freude und so weiter verwirklichen,
und die Erleuchtung der Buddhaschaft ist nicht mehr fern.

(60) Wenn du aber durch die Handlungen
des Befriedens, des Anregens und so fort,
die du durch die Kraft der Mantras und durch die Kräfte
der acht großen Verwirklichungen und so weiter erlangt hast,
wie beispielsweise die Verwirklichung der ausgezeichneten Vase und so fort,

(61) und durch glückseliges Gewahrsein, wünschst,
die Erleuchtung-bildenden Netzwerke zu vervollkommnen,
und wenn du dir wünschst,
auch die Handlungen der Geheimen Mantras zu üben,
wie sie im Kriya-, Charya und den anderen Tantra-Klassen erörtert werden,

(62) dann – um die (Vajra-)Meister-Ermächtigung zu erhalten –
erfreue deinen heiligen Guru mit all solchen Dingen, wie beispielsweise:
respektvollen Diensten, ihm wertvolle Substanzen zu geben usw.
und indem du das tust, was er dir sagt.

(63) Indem dir die vollständige (Vajra-)Meister-Ermächtigung
übertragen wurde, weil du deinem Guru Freude bereitet hast,
wirst du dich vollständig von allen negativen Kräften reinigen,
und wirst, in (deiner essentiellen) Natur,
mit den geeigneten Anteilen ausgestattet,
um die tatsächlichen Verwirklichung zu erlangen.

(64) Da es gemäß dem „Großen Tantra des ursprünglichen Buddha“
grundsätzlich untersagt ist, werden die geheimen Ermächtigungen
und die Ermächtigung des unterscheidenden Gewahrseins
von denen, die enthaltsam leben,
nicht (auf wörtliche Weise übertragen oder) empfangen.

(65) Wenn du diese Ermächtigungen so übertragen nehmen würdest,
solange du noch im Einklang
mit der (mönchischen) Übung der Enthaltsamkeit lebst,
würdest du dadurch verbotene Handlungen begehen,
und weil dem so ist,
würden deine Gelübde der (mönchischen) Entsagung verloren gehen.

(66) Mit anderen Worten: Als ein Übender des gezügelten Verhaltens
würdest du einen Gelübde-Bruch der vollständigen Niederlage eingehen,
und da du definitiv in einen der üblen Wiedergeburtszustände fallen würdest,
würdest du niemals irgendwelche Verwirklichungen erlangen.

(67) Wenn du jedoch (in einer nicht-wörtlichen Weise)
die Übertragung der (Vajra-)Meister-Ermächtigung empfangen hast,
und wenn du des tatsächlichen Zustandes gewahr bist,
ist es kein Fehler, wenn du (Erläuterungen zu) allen Tantras anhörst,
sie selber erläuterst, Feuer-Pujas durchführst,
oder Gabendarbringungs-Pujas machst, und so weiter.

Ich, Shri Dipamkara der Ältere, der erkannt hat, (dass alles genauso ist,) wie es in den Dharma-Lehren der Sutras etc. erklärt wird, und der ich von Dschangtschub-Ö darum gebeten wurde, habe diese kurze Zusammenfassung der Erklärungen zum Pfad der Erleuchtung verfasst.

Dies schließt den Text „Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung“ ab, der vom großen Meister Dipamkara Shrijnana zusammengestellt worden ist. Der Text wurde vom indischen Abt (Dipamkara Shrijnana) selbst und dem tibetischen Übersetzer und Mönch Gewe Lodrö übersetzt, redigiert und endgültig fertig gestellt. Dieser Dharma-Text wurde im Toling-Tempel in Zhang-Zhung verfasst.