Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Erläuterung zur „Grundlage für gute Eigenschaften“

Tsenshab Serkong Rinpoche I
Übersetzt von Alexander Berzin
Ulverston, England, Oktober 1982
(redigierte Abschrift)
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn

Teil eins: Der spirituelle Meister und eine wertvolle Wiedergeburt als Mensch

Tsongkhapa, der Autor des Textes

Sie alle hier haben großes Interesse am Dharma und große Vorsätze den Vorträgen zu folgen. Sie haben mich hierher eingeladen, um Ihnen Unterweisungen zu geben und ich bin sehr glücklich mit Ihnen hier zusammen zu sein. Ich wurde gebeten den Text zu lehren, der „Die Grundlage für gute Eigenschaften“ (tib. Yon-tan gzhi-gyur-ma) genannt wird und der von dem großartigen tibetischen Meister Tsongkhapa (tib. Tsong-kha-pa Blo-bzang grags-pa) stammt.

Der Text „Die Grundlage für gute Eigenschaften“ ist nicht sehr lang. Er wurde mittels sehr weniger Worte verfasst. Worüber aber in diesen wenigen Worten gesprochen wird, ist außerordentlich umfassend. Dieser besondere Text ist in solchen Pujas wie dem Jorcho (tib. sByor-mchod) enthalten – Die vorbereitende Puja, manchmal Die Lamrim-Puja genannt. In dem Text „Die vorbereitende Puja“ macht er den Teil aus, in dem Bitten gemacht werden. Dieser Text führt alle wichtigen Punkte der großen Klassiker an und ist in der Reihenfolge angeordnet wie man praktiziert. Er ist besonders in Abstimmung mit den Stufen oder Praktiken für Individuen mit einem anfänglichen, mittleren und fortgeschrittenen Motivationsniveau angeordnet, wie diese in dem Werk „Die Lampe für den Pfad zur Erleuchtung“, dem Bodhipathapradipa (tib. Byang-chub lam-sgron), des überragenden Meisters Atisha, dem größten aller gelehrten Pandits von Indien, zu finden ist.

[Siehe: Die Lampe für den Pfad zur Erleuchtung.]

Die persönlichen Anweisungen und Unterweisungen in unserem Text stammen aus den Übertragungslinien der großen Pioniere von Indien, Nagarjuna und Asanga. Diese beiden waren wie die Sonne und der Mond, und ragen unter den verschiedenen gelehrten Meistern von Indien heraus. Nagarjuna erhielt seine Unterweisungen vom immer-aufmerksamen Manjushri, während Asanga seine Unterweisungen von Maitreya erhielt. Die Übertragungslinien, die von diesen beiden Meistern ausgingen, werden als „die Linie der tiefgründigen Sicht“ und „die Linie des umfassenden Verhaltens“ bezeichnet. Der vierte Buddha unserer Zeit, der universelle Lehrer Buddha Shakyamuni, ist aber die letztendliche Quelle für beide Übertragungslinien.

Buddha Shakyamuni drehte das Dharmarad drei Mal. In diesen drei Runden der Übertragung gab er die Unterweisungen zu den verschiedenen Pfaden, mit deren Hilfe sich das Bewusstsein aller begrenzten Wesen (alle fühlenden Wesen) zur Reife bringen lässt. Der Buddha hatte viele Schüler unter denen sich auch der ursprüngliche Kreis seiner fünf ersten Schüler befand und zudem auch die Hörer von Unterweisungen (Shravakas), die Alleinentwickler (Pratyekabuddhas) und die hingebungsvollen Wesen (Bodhisattvas). Viele seiner Anhänger erreichten den Zustand eines befreiten Wesens (eines Arhat).

Pema Nangsu-chen, einer der Schüler des Buddha, brachte dem Buddha einen Rosenkranz aus Kristall dar. Er hatte dabei ernsthaft das hingebungsvollen Herzen einer Bodhichitta-Motivation kultiviert. Er sprach in ernsthafter Weise Gebete, dass die Lehren sich überall ausbreiten mögen. Der Buddha sagte dann voraus, dass derjenige, der den kristallenen Rosenkranz mit hundert Perlen dargebracht hat, im nördlichen Land, „Tibet“ genannt, wiedergeboren würde. In einem zukünftigen Leben würde diese Person die Lehren überall verbreiten, würde eine Statue des Buddha in Tibet krönen und ihr zahlreiche Gaben darbringen.

Zu einer anderen Zeit, als der Buddha Shakyamuni sich auf seiner sommerlichen Meditationszeit befand, brachte der kleine Knabe Luchig dem Buddha bei einer Versammlung der Teilnehmer der Meditationszeit die Gabe einer Dharma-Muschel dar. Der Buddha vertraute sie seinem Schüler Maudgalyayana (tib. Mo´u ´gal-gyi bu) an, der höchste Fertigkeit in den Kräften der Emanation hatte und hieß ihn, sie im nördlichen Land des Schnee an einem Platz zu vergraben, an dem sich ein See und Steilhänge begegnen. Er sagte, dass von diesem Platz aus in der Zukunft eine umfassende Verkündigung des Dharma ausgehen würde.

In Übereinstimmung mit dieser Prophezeiung wurde der bedeutende Tsongkhapa im nördlichen Schneeland geboren und grub die Dharma-Muschel, die dort vergraben war, wieder aus. Er vertraute diesen Schatz einem seiner Schüler, Jamyang Chojey (tib. ´Jam-dbyangs Chos-rje) an, der das große Kloster Drepung (tib. ´Bras-spungs) erbaut hatte, in dem später einmal 7700 Mönche leben würden. Auf diese Weise verbreitete Tsongkhapa die Lehre des Buddha in Tibet.

In Übereinstimmung mit der Prophezeiung unternahm Tsongkhapa ebenfalls ausführliche Studien im Bereich von Sutra und Tantra. Er erreichte vollkommene Meisterschaft im Studium und dem Hören von Unterweisungen. Tsongkhapa hörte nicht nur Dharma-Lehren, sondern dachte auch darüber nach und meditierte über sie, und er etablierte dadurch in seinem Geist positive Gewohnheiten. Auf diese Weise erreichte er vollständige Meisterschaft über den gesamten Pfad, bei dem man Vorträge hört, über die Inhalte nachdenkt oder kontempliert und dann schließlich über die Inhalte der Vorträge meditiert. Dadurch war er fähig, die Geistströme von unzähligen Schülern zur Reife zu bringen und dadurch viele erleuchtende Taten zu veranlassen.

Von allen erleuchtenden Taten seines erleuchtenden Körpers, seiner erleuchtenden Rede und seines erleuchtenden Geistes entwickelte Tsongkhapa höchste Meisterschaft über die guten Eigenschaften der erleuchtenden Rede. Seine Lehren wurden in den vielen Bänden seiner gesammelten Werke, die alle wichtigen Themen der großen indischen Klassiker abdecken, zusammengefasst. Die Texte, die er verfasst hat, sind die maßgeblichen Werke, die wir nun studieren. Seine Lehren sind außerordentlich klar, außerordentlich umfassend und außerordentlich würdig als maßgebend Werke zu gelten. Sie sind für uns so etwas wie eine Hauptverkehrsstraße oder eine Autobahn auf der wir außerordentlich leicht reisen können.

Unter diesen Werken haben wir hier nun einen einzelnen Text, der mit sehr wenigen Worten auskommt, aber ein außerordentlich umfassendes Thema behandelt. Dieser Text wird „Die Grundlage für gute Eigenschaften“ genannt und ist derjenige Text, mit dem wir uns heute befassen werden.

Die Motivation

Um diesen Text richtig zu studieren, ist es notwendig, eine möglichst außerordentliche Art von Geisteshaltung als unsere Motivation zu entwickeln. Hören wir den Vorträgen zu und studieren den Text lediglich deshalb, weil wir denken, dass darin irgendwelche wunderlichen Dinge zu finden sind, oder vielleicht einfach aus intellektueller Neugier, um auf etwas Interessantes zu stoßen, das wir früher nicht gekannt haben, wäre das nur eine sehr geringe, triviale Motivation. Hören wir den Unterweisungen zu, um uns dadurch selbst in die Lage zu bringen, die Umstände in diesem Leben zu verbessern oder damit es uns besser geht, so hat ein solches Denken ebenfalls nur eine sehr geringe Reichweite.

Vielleicht sind wir uns zukünftiger Leben gewahr und der Möglichkeit in eine der schlechten Daseinsbereiche der Wiedergeburt zu stürzen. Wir könnten an all die Leiden und Probleme denken, die wir dort haben könnten, und wir könnten uns auf diese Weise des Todes und der Vergänglichkeit bewusst werden. Die Möglichkeiten bedenkend, in eine niedere Wiedergeburt zu fallen, könnten wir diesen Unterweisungen zuhören, um dadurch diesen Umstand zu vermeiden und unsere Situation in zukünftigen Leben zu verbessern. Derlei Überlegungen als unsere Motivation zu haben, ist auch keine große Sache.

Denken wir über all die unkontrollierbar sich wiederholende Situationen von Samsara nach, so ist der höchste Bereich, den wir erlangen können, eine Wiedergeburt als ein Gott. Unter diesen Wiedergeburten könnten wir zum Beispiel als Gott Indra wiedergeboren werden. Auch wenn wir als Indra wiedergeboren sind, würden wir aber nichts anderes als Probleme und Leiden erfahren. Da wir uns dessen gewahr sind, könnten wir einen Geisteszustand entwickeln, mit dem wir uns wünschen, frei von allen Arten unkontrollierbar sich wiederholende Situationen von Samsara zu sein. Eine solche Motivation zu haben, ist ebenfalls nicht sehr großartig.

Es gibt niemanden der liebenswürdiger zu uns ist, als andere Wesen, andere fühlende Wesen. Genauso wie wir glücklich sein wollen und keine Probleme oder Leiden mehr erfahren wollen, so fühlt auch jedes andere Lebewesen genau das gleiche. Denken wir über diese Punkte nach, so können wir erkennen, dass jeder auf die eine oder andere Art gut zu uns war. Daher ist es nur recht und billig, dass wir uns mit all diesen liebenswürdigen Wesen befassen. Wir würden dann mit dem Ziel darüber nachdenken zu versuchen, ihnen alle möglichen Arten von Glück zu bringen und ihnen all ihre Problemen und Leiden zu erleichtern. Wenn wir uns selbst fragen, ob wir die Fähigkeit haben, anderen Lebewesen alles Glück der Welt zu schenken und sie von alle ihren Leiden zu befreien, und die Antwort dann „Nein“ ist, nun gut, wer ist denn überhaupt in der Lage, so etwas zu tun? Nur ein vollkommen erleuchteter Buddha, jemand, der einen völlig klaren Geist hat und vollständig entwickelt ist, hat diese Fähigkeit. Was wir zu tun haben, ist dann zu versuchen, den Zustand eines vollkommen erleuchteten Buddha zu erlangen, um dadurch in der Lage zu sein, allen Wesen so gut wie möglich von Nutzen sein zu können.

Mit dieser höchsten Motivation sollten wir diesen Unterweisungen zuhören. Wir sollten als unsere Motivation ein vollkommen hingebungsvolles Bodhichitta-Herz entwickeln und mit dieser Motivation als Grundlage diesen Unterweisungen zuhören.

Warum die Person, auf die die Unterweisungen zurückgehen, so wichtig ist

Der heilsamste Weg, um den Dharma-Unterweisungen zuzuhören, enthält eine Anzahl von Schritten. Der erste Schritt ist, dass man die Herkunft der Unterweisungen schätzt. Darauf haben wir uns heute schon zu Beginn bezogen. Die Quelle dieser Unterweisungen ist der Buddha Shakyamuni. Der Buddha Shakyamuni widmete sein Herz zuallererst alleinig anderen Lebewesen, und er widmete es ferner dafür, die Erleuchtung zu erlangen – mit anderen Worten: Er entwickelte eine Bodhichitta-Ausrichtung. Er baute dann einen umfassenden und reichlichen Vorrat an positivem Potenzial (eine Ansammlung von Verdienst) auf. Am Ende wurde er vollkommen erleuchtet und vollbrachte viele erleuchtende Handlungen. Seine Linie setzte sich durch Manjushri und Maitreya fort, und von diesen zu Nagarjuna und Asanga, und schließlich über Atisha bis hin zu dem bedeutenden Meister Tsongkhapa. Diese sind die Linienlehrer des Stufenwegs des Pfadgeistes (tib. lam-rim), und jeder von ihnen hat eine erleuchtende Biographie. Es ist gut, diese Biographien zu studieren. Vielleicht sind sie bereits ins Englische (oder Deutsche) übersetzt worden oder falls nicht, sollten sie übersetzt werden. Wenn ich auf all die Einzelheiten dieser Biographien eingehen, würde das sehr umfassend werden, und es wäre dann schwierig damit zu einem Ende zu kommen.

Die Hauptquelle dieser Unterweisungen sind „Die drei Sammlungen“ oder „Drei Körbe der Lehren“ (Der Tripitaka) und besonders „Die Sutra Sammlung“, „Die Prajnaparamita-Sutras“ – d. h. die Sutras über das weitreichende unterscheidende Gewahrsein („Die Sutras über die Vollkommenheit der Weisheit“). Diese Sutras sprechen direkt über Leerheit (Leere) oder Realität und indirekt über die verschiedenen Stufen ihrer Verwirklichung. Dieses Thema wurde in den Texten herausgearbeitet, die von Maitreya und Asanga stammen. Besonders das Abhisamayalamkara (tib. mNgon-rtogs rgyan), „Ornament der Verwirklichungen“, erörtert diese Stufen, die von den verschiedenen Punkten der Sutras und den Shastras (d. h. von den indischen Texte, die diese Texte weitergehend erläutern) herrühren. Bis hinein in unserer Zeit stehen uns die verschiedenen Kommentare und Texte des großartigen Tsongkhapa zur Verfügung, die die wichtigen Punkte dieser Texte herausarbeiten und verdichten.

Die wesentlichen Quelltexte für die Unterweisungen zu dem Text „Die Grundlage für gute Eigenschaften“, sind die verschiedenen Texte, die ich eben erwähnt habe. Tsongkhapa schrieb zwei weitere umfassende Texte, die diese Instruktionen enthalten, die sich mit den Stufenwegen des Pfades befassen: Lam-rim chen-mo („Eine umfassende Darstellung der aufeinander folgendem Stufen des Pfades“ ) und Lam-rim chung-wa („Eine kleine Darstellung der aufeinander folgenden Stufen des Pfades“) . Der Text „Die Grundlage für gute Eigenschaften“ enthält alle wichtigen Punkte, die Tsongkhapa in seiner umfassenden und kleinen Darstellung der aufeinander folgenden Stufen des Pfades des Geistes genannt hat und ordnet sie in einer Weise an, dass sie einfach zu praktizieren sind, und auch so, dass sie einfach zu begreifen sind.

Wie man die Hindernisse vermeidet, die verhindern könnten, diesen Text zu verstehen

Um die Aussagen in diesem Text erfolgreich umsetzen zu können, müssen wir uns von verschiedenen Geisteshaltungen befreien, die ein Hindernis darstellen könnten. So könnte es zum Beispiel ein Hindernis sein, zu denken, dass bestimmte Lehren des Buddha gut wären, wohingegen andere Lehren schlecht seien. Dadurch würden wir ein großes negatives Potenzial im Hinblick auf die Lehren des Buddha aufbauen und dieses negative Potenzial würde uns jegliche Möglichkeit des Erfolgs nehmen. Es gibt einige Menschen, die das bescheidene Fahrzeug des Geistes (Hinayana) herabsetzen, und es gibt andere Menschen, die sagen, dass die Lehren des bescheidenen Fahrzeugs gut seien, wohingegen die Lehren des umfassenden Fahrzeugs (Mahayana) nicht die Worte des Buddha seien. Auf diese Weise verachten beide Seiten Teile der Lehren. Es gibt ferner Menschen, die behaupten – auch wenn sie die Lehren des umfassenden Fahrzeugs akzeptieren – , dass die tantrischen Lehren keine Worte des Buddha seien. Auf diese Weise setzen sie diese Lehren herab. Lehren in dieser Weise herabzusetzen, zerstört alle Hoffnung auf Erfolg.

Wir müssen die wichtigsten Punkte der Lehren des bescheidenen Fahrzeugs im Sinn behalten. Das bescheidene Fahrzeug enthält zum Beispiel die verschiedenen Lehren über die Vergänglichkeit und über die vier festen Ausrichtungen der Vergegenwärtigung (vier Grundlagen der Achtsamkeit) – d. h. die verschiedenen Arten, wie wir unsere Vergegenwärtigung eng auf vier verschiedene Arten von Objekten ausrichten. Diese sind außerordentlich wichtige Punkte, die wir alle verwirklichen und in die Praxis umsetzen müssen.

Es gibt einige Menschen, die auf das umfassende Fahrzeug in Hinsicht auf die Anweisungen blicken, die das Verhalten und die Handlungen der hingebungsvollen Bodhisattvas betreffen. Dann betrachten sie die Lehren des bescheidenen Fahrzeugs in Hinblick auf ihre Betonung der Übung der Vinaya-Regeln, in denen die Übung der ethischen Selbstdisziplin beschrieben sind. Dann setzen sie das Bodhisattva-Verhalten oder die Vinaya-Regeln der ethischen Selbstdisziplin herab, indem sie denken, dass die beiden Sammlungen an Regeln nicht harmonisch zusammenpassen. Eine solche voreingenommen Haltung verhindert gleichfalls die Möglichkeit, Erfolg zu haben.

Wir müssen erkennen, dass all diese Punkte der Lehren des Buddha gleichermaßen in die Praxis umzusetzen sind; zudem müssen die Punkte in ihrer richtigen Reihefolge in die Praxis umgesetzt werden. Folgen wir ihnen in einer aufeinander folgenden oder geordneten Reihung, wird es leichter ihre Verwirklichungen zu erlangen. Das ist deshalb so, weil die Verwirklichungen dann in ihrer richtigen Reihenfolge zustande kommen. Indem wir dem Weg aufeinander folgender Stufen beschreiten, können wir mithilfe der Dharma-Praxis vollen Nutzen aus der Arbeitsgrundlage unseres wertvollen menschlichen Lebens mit all seinen Ruhepausen und Bereicherungen ziehen und einen erleuchteten Zustand erreichen.

Eine aufrichtige Verpflichtung einem spirituellen Meister gegenüber

Um fähig zu sein, diesem gestaffelten Pfad zu folgen, ist es notwendig dessen Wurzel, aus der all seine Nahrhaftigkeit herrührt, zu kennen. Die Wurzel des Pfades ist es, den Anweisungen eines liebenswürdigen und vollkommenen spirituellen Meister zu folgen, der über alle Aspekte Bescheid weiß, die diese Pfade des Geistes betreffen, ohne dass er dabei irgendwelche Fehler macht. Der spirituelle Mentor und Freund ist die Grundlage, auf die man sich verlassen kann, um in der Lage zu sein, alle guten Eigenschaften selbst zu entwickeln. Wie erfolgreich wir sein werden, hängt in der Tat vollständig davon ab, dass wir einer solchen Person begegnen.

Dass ein spiritueller Meister von seiner Seite aus ein Buddha ist, d. h. ein vollkommen erleuchteter Mensch, ist allein von sich aus noch keine besondere Hilfe für uns. Was uns in Bezug auf unsere eigene Praxis als Schüler vielmehr hilft, ist in der Lage zu sein, unseren spirituellen Meister als ein erleuchtetes Wesen zu erkennen. Das ist der Punkt der Praxis, bei der man erkennt, dass der eigene spirituelle Meister ein Buddha ist. Da diese Fähigkeit die Grundlage dafür ist, auf dem Pfad erfolgreich zu sein, ist es außerordentlich wichtig, eine sorgfältige Untersuchung des spirituellen Meisters oder der spirituellen Lehrerin durchzuführen, bevor wir uns ihm oder ihr anvertrauen und ihm oder ihr gegenüber verpflichten.

Eine solche Untersuchung und Analyse des Lehrers, geschieht nicht in gleicher Weise, wie man an einem Patienten in einem westlichen Krankenhaus eine medizinische Untersuchung durchführt. Es handelt sich nicht um eine körperliche Untersuchung. Was wir durch unsere Untersuchung herausfinden wollen ist, ob dieser Mensch sich in den drei höheren Schulungen vervollkommnet hat. Wir prüfen demnach also, ob der Lehrer ethische Selbstdisziplin, vertiefte Konzentration und unterscheidendes Gewahrsein (Weisheit) besitzt. Hat dieser Mensch ein warmes, liebenswürdiges Herz? Besitzt dieser Mensch große Weisheit und Unterscheidungsvermögen? Diese Dinge müssen wir untersuchen. Wenn der Mensch solche Eigenschaften hat, dann ist es richtig, ihm zu vertrauen und uns selbst mit ganzem Herzen diesem Menschen zu verpflichten.

Diese Art von Untersuchung sollten wir nicht erst durchführen, nachdem wir uns einem spirituellen Meister verpflichtet haben. Wir müssen es vorher tun. Wenn wir, nachdem wir uns einmal einem spirituellen Meister verpflichtet haben, nicht gut aufpassen, und uns dann von dieser Verpflichtung abwenden und jegliches Vertrauen verlieren, können die Folgen für uns sehr schrecklich und verheerend sein. Es ist beispielsweise möglich, dass wir uns von dem negativen Potenzial, das wir aufgebaut haben, reinigen, falls wir während dieses Lebens eine äußerst destruktive Handlung begangen haben, sagen wir eines der abscheulichen Verbrechen. Es ist in diesem Fall möglich das negative Potenzial zu reinigen, wenn wir offen und ehrlich bekennen, etwas Falsches getan zu haben, und wenn wir all die passenden Gegenkräfte gegen diese Handlung anwenden. Auf dieser Grundlage können wir innerhalb dieses Lebens Erleuchtung erlangen. Wenn wir uns aber, nachdem wir uns mit ganzem Herzen einem spirituellen Meister verpflichtet haben, von unserer Verpflichtung abwenden, die Verbindung abbrechen und unser Vertrauen verlieren, besteht die große Gefahr, dass wir nicht fähig sein werden, innerhalb unserer Lebenszeit erleuchtet zu werden.

Wie sollen wir uns verpflichten? Wir verpflichten uns sowohl mit unseren Gedanken als auch durch unsere Handlungen. Die Art und Weise, uns mit unseren Gedanken zu verpflichten besteht darin, die sogenannte „Wurzel“ der Verpflichtung zu entwickeln, nämlich den Glaube daran, dass eine Tatsache wahr ist. Es gibt drei verschiedene Wege daran zu glauben, ob eine Tatsache wahr ist oder nicht. Diese drei Arten sind: Mit klarem Verstand an eine Tatsache glauben; einer Tatsache glauben schenken, verbunden mit einem Anstreben in Bezug auf die Tatsache; und einer Tatsache aus Vernunftgründen glauben schenken. Es ist nicht wichtig, welcher Art zu glauben wir fähig sind. Wir müssen jedoch einen respektvollen Glauben und respektvolles Vertrauen in die Tatsache entwickeln, dass unser spiritueller Meister tatsächlich ein vollkommen erleuchteter Buddha ist.

Aus einer solchen Verpflichtung, bei der wir uns aus ganzem Herzen kommend mit unseren Gedanken verpflichten, ergeben sich verschiedene Vorteile; aber es ergeben sich auch viele Nachteile und Unheil daraus, wenn wir eine solche freiwillige Selbstverpflichtung nicht einhalten. Es handelt sich hierbei um sehr umfassende Themen, die zu komplex sind, als das wir an dieser Stelle auf sie eingehen könnten. Sie haben aber Ihre Lehrer hier vor Ort, mit denen Sie diese Dinge studieren können. Sie müssen diese Themen sorgfältig studieren, da Sie außerordentlich wichtig sind.

Was die Art und Weise angeht, wie wir uns mit unseren Handlungen verpflichten, auch wenn es in Bezug darauf viele Möglichkeiten gibt, so ist der wichtige Punkt, den Lehren und Anweisungen genau so zu folgen, wie es uns unser spiritueller Meister sagt. In diesem Kontext ist es am wichtigsten, die ethische Selbstdisziplin strikt einzuhalten, indem wir alle zehn destruktiven Handlungen (die unheilsamen bzw. untugendhaften Handlungen) vermeiden und wir uns gut verhalten. Dies ist die beste Art wie wir uns bezüglich unserer Handlungen aus ganzem Herzen unserem spirituellen Meister gegenüber verpflichten.

Wenn wir noch einmal darauf zurückkommen, wie wir uns mit unseren Gedanken verpflichten, so müssen wir als Grundlage nicht nur den Glauben entwickeln, dass die Tatsachen wahr sind, sondern es ist auch wichtig, Respekt für unseren Lehrer zu entwickeln, indem wir uns ständig die Liebenswürdigkeit unseres spirituellen Meisters vergegenwärtigen. Es ist daher sehr wichtig, dass wir uns der Güte unseres Lehrers oder unserer Lehrerin bewusst sind.

Wie schon erläutert, war der Buddha Shakyamuni durch seine unvorstellbar großartigen erleuchtenden Handlungen fähig, den Geiststrom unzähliger Schüler zur Reife zu bringen. Wir sind aber nicht zu jener Zeit geboren worden und waren deshalb nicht imstande dieser höchsten Emanation, dem Buddha Shakyamuni, zu begegnen. Sogar wenn ein erleuchtetes Wesen mit all den zweiunddreißig großen und achtzig kleineren körperlichen Merkmalen heute erscheinen würde, haben wir vielleicht noch nicht das positive Potenzial oder Karma aufgebaut, das uns in die Lage versetzen würde, einem solchen Lebewesen zu begegnen. Was wir aber besitzen, ist die Fähigkeit spirituellen Meistern zu begegnen, die uns in einer körperlichen Form erscheinen, die für unsere Fähigkeiten und Bedürfnisse angemessen ist, und die uns unterweisen können. Daher ist es in einer so erbärmlichen Situation, in der wir uns befinden, außerordentlich gütig, dass uns unser spirituellen Meister unterrichten.

Da wir alle glücklich sein wollen und keine Probleme oder Leiden erfahren möchten, müssen wir die Ursachen dafür schaffen, die dazu führen werden, dass wir Glück erleben werden. Der spirituelle Meister verweist auf die verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen, die in ihrer aufeinander folgenden Anordnung anzuwenden sind, und die es uns ermöglichen, unser Glück zu vollenden. Unser Lehrer beziehungsweise unsere Lehrerin lehrt diese verschiedenen Methoden in der Weise, dass wir nicht allzu große Härten und Schwierigkeiten auf uns zu nehmen haben. Wenn wir all diese Methoden anwenden, werden wir vielleicht fähig sein, wirkliche Meditationserfahrungen und Verwirklichungen zu erreichen. Auf dieser Grundlage wird es uns vielleicht einmal möglich sein, einem Buddha zu begegnen, Unterweisungen von ihm zu erhalten und danach zu praktizieren. Doch das ist etwas, was erst zu einem Zeitpunkt geschehen wird, an dem wir bereits eine ziemlich hohe Ebene der Verwirklichung erreicht haben. An dem Punkt, wo wir jetzt sind, also einem Punkt, an dem wir uns noch in trübseligen Bedingungen befinden, haben wir zumindest Zugang zu den Manifestationen von Buddhas in Form von spirituellen Meistern, d. h. die Buddhas manifestieren sich in Erscheinungsformen, die besser für uns geeignet sind und zu denen wir in Beziehung treten können.

Denken wir über diese Punkte nach, erkennen wir wie gütig unser spiritueller Meister ist. Stellen wir uns einmal vor, dass wir uns in einer Situation befinden, in der wir sehr verzweifelt sind und Hilfe brauchen. Zum Beispiel, wenn wir nichts mehr zu essen haben und zu verhungern drohen, oder wenn wir keine Kleider hätten und es eiskalt wäre und wir kurz vor dem Erfrieren sind. Jemand der uns in einer solchen Situation etwas zu essen geben würde und uns etwas anzuziehen gäbe, würden wir als außerordentlich gütig bezeichnen. Wenn man sich aber in einer Situation befindet, in der einem großer Reichtum zur Verfügung steht, in der wir eine große Anzahl materieller Besitztümer haben, eine gute Ausbildung und viele Fähigkeiten und Eigenschaften, dann ist eine solche Handlung nicht als eine so große Tat zu betrachten, wenn uns jemand dann etwas zu essen oder anzuziehen gibt. Es würde sich dann um keine so große Güte uns gegenüber handeln.

Wenn wir uns fragen, was die wirkliche Bedingung dafür ist, dass wir unseren spirituellen Meister in der Tat als einen vollkommen erleuchteten Buddha erkennen können, und wenn wir fragen, warum wir uns in unseren Handlungen und in unseren Gedanken voll verpflichten müssen, so ist der zentrale Grund dafür, der essentielle Punkt: Wir müssen einen Zustand der Erleuchtung durch das erlangen, was diese Person uns lehrt. Wenn wir daher darüber nachdenken, so lehrt uns der spirituelle Meister alle Stufenpfade des Geistes und alle Praktiken, die uns zu einem Zustand der Erleuchtung führen werden. Dies ist die erleuchtende Aktivität eines Buddha. Daher können wir von dem Gesichtspunkt aus, dass unser Meister die erleuchtenden Aktivitäten eines Buddha ausführt, unseren spirituellen Meister als einen Buddha betrachten. Dies ist die große Güte unseres spirituellen Meisters, an die wir uns erinnern müssen und die wir umfassend wertschätzen müssen.

Es wird viel von Guru-Yoga gesprochen, Praktiken die uns mit dem spirituellen Meister verbinden. Dies ist eine sehr wichtige Praxis, die in allen vier Traditionen des Buddhismus in Tibet zu finden ist. Es gibt nichts, das sich mit einer dieser Praktiken nicht in Harmonie befindet. Sie alle stimmen völlig darin überein, dass es wichtig ist, eine ernsthafte, gesunde Verpflichtung gegenüber einem spirituellen Meister einzugehen.

Daher lautet der erste Vers des Textes:

1) In (gesunder) Weise auf einen gütigen, spirituellen Meister zu vertrauen,
Ist die Grundlage aller guten Eigenschaften, ist die Wurzel des Pfades.
Dies richtig erkennend, erbitte ich die Inspiration dafür,
Mich mit großer Wertschätzung und viel Bemühung auf ihn zu verlassen.

Dieser Vers deckt das Thema einer aufrichtigen Verpflichtung einem spirituellen Meister gegenüber oder der sogenannten „Hingabe an den Guru“ ab. Sie ist am Anfang, in der Mitte und am Ende des Pfades wichtig. Am Anfang ist sie das Wesentlichste, das dem Stapellauf unserer Praxis dient. Während des Verlaufs unserer Praxis ist sie die Grundlage dafür, alle guten Eigenschaften zu erlangen. Ob wir am Ende des Pfades die Vollendung all dieser Pfade des Geistes erreichen, hängt ebenso von unserer aufrichtigen Verpflichtung unserem spirituellen Meister gegenüber ab. Daher ist eine gesunde, angemessene Verpflichtung für den des gesamten Prozess bis hin zum Erlangen der Erleuchtung wesentlich.

Ganz gleich in welche weltlichen Angelegenheiten wir verstrickt sind, und ganz gleich, was wir in unserem Leben auch tun möchten, wir brauchen einen gut ausgebildeten Menschen, der uns zeigt wie das, was wir machen wollen, zu tun ist. Wenn es sich schon für weltliche Dinge in dieser Weise verhält, dann ist dies umso wichtiger – wenn wir einen Zustand jenseits aller weltlichen vergänglichen Dinge erlangen möchten – , einen spirituellen Meister zu haben, einen qualifizierten spirituellen Mentor und Freund, der uns den Weg zeigt, wie wir einen solchen Zustand erlangen können. Es ist daher wichtig, dass wir uns selbst mit ganzem Herzen einem solchen Menschen anvertrauen, uns ihm gegenüber verpflichten und diese Verpflichtung nicht zu brechen, und uns nicht von diesen Verpflichtungen abzuwenden. Daher wird in diesem ersten Vers ein äußerst entscheidendes und wichtiges Thema behandelt, das der Dreh- und Angelpunkt dafür ist, ob wir in unserer Dharma-Praxis erfolgreich sein werden oder nicht.

Die Arbeitsgrundlage: Eine wertvolle menschliche Wiedergeburt

Mit einer gesunden, aufrichtigen Verpflichtung als Grundlage, und die tatsächlichen Pfade des Geistes vertiefend, kommen wir zum nächsten Thema: Wertschätzung für die außergewöhnliche Arbeitsgrundlage, die uns zur Verfügung steht – nämlich die wertvolle Wiedergeburt als Mensch, die mit all den Ruhepausen und Bereicherungen für die Dharma-Praxis vollständig ausgestattet ist, und auch Wertschätzung dafür, wie schwierig es ist eine solche Geburt als Mensch zu erlangen und so weiter. Der nächste vierzeilige Vers stellt dieses Thema dar:

2) Diese vorzügliche Arbeitsgrundlage mit ihren Ruhepausen,
Nun einmal gefunden, ist schwierig zu erlangen.
Ihre enorme Bedeutung erkennend, erbitte ich die Inspiration,
um ohne Unterbrechung Tag und Nacht,
Mit allen Mitteln eine Geisteshaltung zu entwickeln,
um ihre Essenz in mir aufzunehmen.

Es gibt sehr viele menschliche Wesen und viele verschiedene Arten von Menschen. Die besondere Art der Arbeitsgrundlage, die wir als voll ausgestattete menschliche Wesen haben, ist sogar besser als die Ausgangsbasis eines einfachen normalen Menschen. Überhaupt einen menschlichen Körper zu haben, ist in Wirklichkeit nicht etwas, das wir im Griff haben oder unserer Kontrolle unterliegt. Zum Zeitpunkt unseres Todes, werden wir unseren Körper verlieren, und es gibt für uns keine Möglichkeit zu wissen, wo und als was wir wiedergeboren werden. Im Allgemeinen ist es sehr schwierig, irgendeine Art von menschlichem Körper zu erlangen.

Wenn wir uns fragen, warum es so schwierig ist, einen menschlichen Körper zu erlangen, so ist der Grund dafür, dass wir die Ursachen dafür schaffen müssen, um eine solche Wiedergeburt zu erlangen. Die wesentliche Ursache dafür ist, dass wir einen großen reichhaltigen Vorrat (Ansammlung) anlegen, beziehungsweise ein Netzwerk positiven Potenzials aufbauen, indem wir uns genau an ethische Richtlinien halten. Wenn wir uns in unserem Umfeld umschauen und diejenigen betrachten, die sich konstruktiv und positiv verhalten, und diese Menschen mit denen vergleichen, die negativ und destruktiv sind, dann ist es für uns einfach zu erkennen, auf welcher Seite sich die meisten Menschen in Bezug auf ihr Verhalten befinden. Ebenso ist es ziemlich offensichtlich, dass der Großteil der Erde aus Meer besteht, wie wir feststellen können, wenn wir in einem Flugzeug um die Welt fliegen und hinunterschauen. Die Meere, die wir dann unter uns sehen, werden von unterschiedlichen Arten von Meereswesen bewohnt, und keiner dieser Meeresbewohner hat einen menschlichen Körper. Wenn wir uns all die verschiedenen Länder vergegenwärtigen und uns all die Menschen in diesen Ländern anschauen, und wenn wir versuchen, diejenigen Menschen herauszufinden, die ein Interesse daran haben, konstruktiv auf ihre zukünftigen Leben und darüber hinaus einzuwirken, dann sind solche Menschen außerordentlich selten zu finden. Dies ist ein Punkt, den wir alle gut selbst erkennen können; es ist ziemlich offensichtlich. Nehmen Sie einmal dieses Land hier als ein Beispiel. Es gibt in diesem Land hier sehr wenige Menschen, die ernsthaft daran interessiert sind, einen Nutzen für ihre zukünftigen Leben zu erwirken und eine spirituelle Praxis aufzunehmen, um mittels der vorbeugenden Maßnahmen des Dharma auch in Zukunft eine menschliche Wiedergeburt zustande zu bringen. Dies ist ein Punkt, den wir uns deutlich selbst vor Augen führen können.

Daher ist es äußerst selten und schwierig, dass es vorkommt, als ein menschliches Wesen wiedergeboren zu werden, das Interesse an spirituellen Themen hat, und das Interesse daran hat, an der Verbesserung zukünftiger Leben zu arbeiten. Die Tatsache, dass wir als ein solch vollkommen ausgestattetes menschliches Wesen geboren worden sind, ist daher etwas äußerst Wertvolles, etwas äußerst Seltenes, das sehr schwierig zu erlangen ist. Wir können uns daher sehr glücklich schätzen, diese menschliche Wiedergeburt erlangt zu haben.

Der Grund dafür, dass wir uns über eine solche wertvolle menschliche Wiedergeburt freuen können ist, dass es außergewöhnlich bedeutend ist, ein solches Leben zu erlangen: Viele Dinge können mit einem menschlichen Leben als Grundlage bewerkstelligt werden. Es gibt diejenigen, die ihr menschliches Leben dazu verwenden, große Reichtümer, materiellen Besitz und Geld für die jetzige Lebenspanne anzuhäufen. Wenn wir unser Leben auf diese Weise vergeuden, kann man nicht davon sprechen, dass man aus dieser kostbaren Gelegenheit wirklich den besten Nutzen zieht. Wenn wir daher unsere ganze Energie nur dafür einsetzen, Dinge zum Essen zu besorgen und für unsere materiellen Bedürfnisse sorgen, dann handeln wir genauso wie das auch die Tiere machen. Auch ein unscheinbares Tier, wie beispielsweise eine kleine Maus, ist imstande, Nahrung für sich zu suchen.

Gibt es etwas Bedeutenderes, das wir auf der Grundlage unserer wertvollen menschlichen Wiedergeburt erreichen können? Wir können die verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen des Dharma durchführen, die es uns ermöglichen, dass wir in künftigen Leben nicht in einen schlechten Wiedergeburtszustand abstürzen werden. Solche vorbeugenden Maßnahmen zu treffen, ist in der Tat etwas, das wir tun können. Das wäre ein guter Gebrauch unserer Arbeitsgrundlage, eine nutzbringende Verwendung unserer Ausgangsbasis, das heißt unseres wertvollen menschlichen Lebens. Es ist ferner auf der Grundlage dieses menschlichen Lebens möglich, uns von allen Arten unkontrollierbar sich wiederholender Leiden zu befreien. Sich von den unkontrollierbar sich wiederholenden Leiden zu befreien ist gleichfalls etwas, das wir auf der Grundlage unserer wertvollen Wiedergeburt als Mensch erreichen können. Zudem können wir nicht nur unsere eigenen Probleme und Leiden eliminieren, sondern es ist uns auch möglich, die Fähigkeiten zu erlangen, die Probleme und Leiden anderen Lebewesen ebenfalls zu lindern. Wir können einen völlig klaren Geist und einen vollkommen entwickelten Zustand eines erleuchteten Buddha auf der Grundlage unserer wertvollen Wiedergeburt als Mensch erlangen. Dies ist ebenfalls etwas, das wir selbst erreichen können.

Der wesentliche Punkt, den wir im Sinn behalten müssen ist, dass wir die Fähigkeit haben, allen Wesen zu nützen, und dass wir die Möglichkeit haben, einen Zustand der Erleuchtung zu erreichen, der es uns ermöglichen wird, anderen Lebewesen in der denkbar umfassendsten Weise zu helfen. Innerhalb dieses Kontextes müssen wir uns an die Punkte in den Unterweisungen erinnern, die unsere wertvolles menschliche Leben, den Tod und die Vergänglichkeit betreffen. Wir müssen die verschiedenen Dharma-Methoden anwenden, um sicherzustellen, dass wir nicht in einem der schlechten Wiedergeburtzustände wiedergeboren werden.

Wenn wir das Bildnis eines Buddha malen, haben wir von Anfang an das vollständige Bild eines Buddha vor Augen. In derselben Weise haben wir beim Üben dieser Dharma-Praktiken bereits von Anfang an das letztendliche Ziel vor Augen, d.h. wir haben von Anfang an das Ziel vor Augen, einen Zustand der Erleuchtung zu erlangen, um dadurch am besten in der Lage zu sein, allen Lebewesen zu nützen. Dann gehen wir alle Übungen bereits von Anfang an durch, wobei wir ein Gewahrsein dieses Ziels stets aufrecht erhalten.

Uns stehen für diese Übung sowohl der Tag als auch die Nacht zur Verfügung, und wir müssen beide nutzen, um all unsere Anstrengungen dafür einzusetzen, aus der Essenz unseres wertvollen menschlichen Lebens wirklich Vorteile zu ziehen. Was ist die Essenz des Lebens? Der essentielle Punkt, weshalb wir leben, ist, dass wir den vollständig erleuchteten Zustand eines Buddha erreichen können, mithilfe dessen wir dann in der Lage sein werden, anderen Lebewesen bestmöglich zu helfen. Dies ist der essentiellste Punkt, weshalb wir als ein vollkommen ausgestatteter Mensch am Leben sind. Diesen wesentlichen Punkt müssen wir jederzeit im Gedächtnis behalten; wir dürfen diesen essentiellen Punkt niemals aus dem Gewahrsein verlieren.

Wir können uns außerordentlich glücklich schätzen, als ein Mensch geboren worden zu sein, der mit all diesen Ruhepausen und Bereicherungen ausgestattet ist, die uns unsere Dharma-Praxis ermöglichen, mittels derer wir die Erleuchtung erlangen können. Wenn wir uns dann in einem Zustand des Glücks darüber befinden, was wir als ein menschliches Wesen alles für Möglichkeiten haben, müssen wir ein warmes und gütiges Herz entwickeln. Wir können unser Herz in der Weise entwickeln, das wir es anderen Lebewesen und dem Erlangen der Erleuchtung widmen. Wir können all unsere Bemühungen dafür einsetzen zu versuchen, hilfreich zu sein, anderen Lebewesen zu nützen und niemals ein anderes Lebewesen zu verletzen.

Zusammenfassung

Heute habe ich die Wurzel aller Pfade des Geistes erörtert, eine tief empfundene Verpflichtung zu einem spirituellen Meister. Ich habe auch die Schwierigkeiten erörtert, eine wertvolle menschliche Wiedergeburt mit all ihren Ruhepausen und Bereicherungen zu erlangen, um überhaupt Fortschritte auf dem Pfad machen zu können. Ich habe diese Erläuterungen in Form einer kurzen, vorbereitenden Einleitung, dem eigentlichen Hauptteil und einem Widmungs-artigen Rückblick am Ende gegeben.

Es gibt sowohl provisorische als auch letztendliche Ziele, die wir auf Grundlage unseres menschlichen Lebens erreichen können. Auf der provisorischen oder oberflächlichen Ebene ist es möglich, wiederum als menschliches Wesen mit zahlreichen Möglichkeiten geboren zu werden, und ebenso ist es möglich, als ein göttliches Wesen wiedergeboren zu werden. Ferner ist es auf der Grundlage unseres wertvollen menschlichen Lebens ebenso möglich, auf der letztendlichen Ebene entweder einen Zustand der Befreiung oder einen Zustand der Erleuchtung zu erreichen. So ist es sowohl von einem provisorischen Standpunkt aus als auch von der letztendlichen Sichtweise aus betrachtet außerordentlich wichtig, ein wertvolles menschliches Leben zu haben. Es ist daher wichtig, über all diese Punkte zu meditieren, und zudem ein Gewahrsein und eine Wertschätzung dieser Themen als hilfreiche Gewohnheiten des Geistes aufzubauen.