Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Erläuterung zur „Grundlage für gute Eigenschaften“

Tsenshab Serkong Rinpoche I
Übersetzt von Alexander Berzin
Ulverston, England, Oktober 1982
(redigierte Abschrift)
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn

Teil fünf: Ein anstrebendes hingebungsvolles Bodhichitta-Herz

Wiederholung

Wir wollen nun zunächst die richtige Motivation entwickeln, um diesen Unterweisungen zuzuhören, nämlich ein Bodhichitta-Herz entwickeln, das einerseits gewidmet ist, anderen Lebewesen zu helfen, und andererseits gewidmet ist, dass man selbst die Erleuchtung erlangt, damit man auch tatsächlich in der Lage ist anderen Lebewesen zu helfen. Diese Unterweisungen wurden anhand von drei Ebenen der Motivation dargelegt. Auf der Ebene für Anfänger ist es wichtig, wie der Buddha gesagt hat, dass wir uns genau an die ethischen Richtlinien halten. Das bedeutet, dass wir uns bemühen, die zehn Arten von destruktiven Handlungen zu vermeiden, und dass wir versuchen, uns in jeder Situation stets konstruktiv zu verhalten. Wir handeln in dieser Weise, um zu vermeiden, dass wir in einen schlechten Wiedergeburtszustand hineingeboren werden. Auf der zweiten Ebene betrachten wir die ethische Selbstdisziplin des Einhaltens der verschiedenen Gruppen gelobter Zurückhaltungen für die individuelle Befreiung – das heißt die Pratimoksha-Gelübde. Wir richten uns nach dieser außergewöhnlichen ethischen Selbstdisziplin, damit wir für uns eine Grundlage schaffen, um uns dann in den Übungen des außergewöhnlichen unterscheidenden Gewahrseins zu trainieren. Schließlich verstehen wir, dass wir die Übung in fortgeschrittener vertiefter Konzentration benötigen, um das außergewöhnliche unterscheidende Gewahrsein zu entwickeln. Die Grundlage oder Wurzel dieser fortgeschrittenen vertieften Konzentration ist die Übung in außergewöhnlicher ethischer Selbstdisziplin. Daher ist die Essenz der Praxis auf dieser mittleren Ebene, das wir uns in der ethischen Selbstdisziplin üben oder eine der Gruppen von Pratimoksha-Gelübden einhalten.

Auf der dritten oder fortgeschrittenen Motivationsebene denken wir dann darüber nach, dass wir nicht die einzigen Lebewesen sind, die sich in einer Situation befinden, in der sie gerne glücklich sein wollen und in der sie nicht unglücklich sein zu wollen. Jedes Lebewesen befindet sich diesbezüglich in der gleichen Lage. Daher reicht es nicht aus, wenn wir nur uns selbst von unseren eigenen Problemen befreien wollen. Wir müssen auch daran arbeiten, alle anderen Wesen darin zu unterstützen, dass sie sich von ihren Leiden und Problemen befreien können. Um das tun zu können, müssen wir den Zustand der Erleuchtung erreichen. Daher entwickeln wir ein hingebungsvolles Bodhichitta-Herz, das wir einerseits anderen Lebewesen widmen und andererseits dem Erlangen der eigenen Erleuchtung widmen, um uns so in die Lage zu bringen, anderen so gut wie möglich darin von Nutzen sein zu können, sie von all ihren Problemen zu befreien und ihre Leiden zu lindern – soweit uns das möglich ist. Dies ist die Essenz der Praxis auf der fortgeschrittenen Ebene.

Die beiden Stufen eines hingebungsvollen Bodhichitta-Herzens

In Bezug auf die Natur eines hingebungsvollen Bodhichitta-Herzens gibt es zwei Stufen, das anstrebende Bodhichitta und das ausübendes Bodhichitta. Wenn wir uns lediglich wünschen oder anstreben, die Erleuchtung zu erlangen, um dadurch allen Wesen zu helfen, so wird dieser Wunsch als ein „anstrebendes hingebungsvolles Herz“ (wünschendes Bodhichitta) bezeichnet. Engagieren wir uns tatsächlich in den Praktiken, die uns diesem Ziel näher bringen werden, so wird das als ein „ausübendes hingebungsvolles Herz“ (handelndes Bodhichitta) bezeichnet.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie wir uns darin üben können und darauf hin arbeiten können, unser Herz allein der anstrebenden Stufe zu widmen. Diese zwei Möglichkeiten sind:

1) Die siebenteilige Kernanweisung über Ursache und Wirkung 2) Unsere Geisteshaltungen in Bezug auf uns und andere auf gleiche Ebene zu bringen und auszutauschen.

Die siebenteilige Kernanweisung über Ursachen und Wirkungen zur Entwicklung eines anstrebenden hingebungsvollen Bodhichitta-Herzens

Bei der siebenteiligen Kernanweisung über Ursachen und Wirkungen zur Entwicklung eines hingebungsvollen Bodhichitta-Herzens steht Mitgefühl im Zentrum der Übung. Man erwägt bei dieser Übung die Wirkungen, die sich aus dem Mitgefühl entwickeln werden und man bedenkt die Ursachen, die notwendig sind, um die Wirkungen eines Bodhichitta-Herzens hervorzubringen. Bevor wir das große Mitgefühl entwickeln können, benötigen wir warmherzige Liebe – das heißt die Art von Liebe, beziehungsweise den Wunsch, dass andere glücklich sein mögen. Wenn wir eine solche warmherzige Liebe entwickeln, entsteht in uns automatisch das Gefühl, anderen Wesen nah zu sein und andere wertzuschätzen. Wir sind dann ernsthaft um ihr Wohlergehen besorgt und traurig, wenn ihnen jemals etwas Schlimmes widerfährt.

Um diese Art von warmherziger oder herzerwärmender Liebe zu entwickeln, müssen wir uns nicht in irgendeiner separaten Praxis üben. Diese Art der warmherzigen Liebe entsteht automatisch, wenn wir die drei Geisteshaltungen zur Entfaltung gebracht haben, die wir davor entwickelt haben. Diese drei Geisteshaltungen sind: 1) zu erkennen, dass alle Wesen in früheren Leben einmal unsere Mutter gewesen sind 2) Sich an die Güte der mütterlichen Liebe zu erinnern und 3) Dankbarkeit für diese Güte zu empfinden und sich zu wünschen, die Güte erwidern zu können.

All diese positiven Geisteszustände entstehen dadurch, dass wir uns darin geübt haben, gewahr zu sein, dass jedes Lebewesen zu irgendeiner Zeit einmal unsere Mutter gewesen ist. Wenn wir darüber nachdenken, wer uns von all unseren Freunden am meisten geholfen hat, so ist das tatsächlich unsere Mutter gewesen. Als wir kleine Kinder gewesen sind, ging es uns nicht besser als einem kleinen Käfer. Wir waren nicht in der Lage, uns selbst zu helfen. Wir wussten nicht, wie man geht, und wir hatten noch keine Zähne. Wir waren vollkommen nackt. Die Tatsache, dass wir diesen hilflosen Zustand überlebt haben, verdanken wir der Güte unserer Mutter, die für uns gesorgt hat. Und daher ist es unsere Pflicht zu versuchen, uns an die Güte unserer Mutter, die uns so viel geholfen hat, zu erinnern. Wenn wir uns beispielsweise in einer Situation befunden hätten, in der wir todkrank gewesen sind und ein sehr begabter Arzt wäre zu uns ans Krankenlager gekommen und hätte uns dann eine besondere Behandlung und spezielle Medizin gegeben, die uns wieder geheilt und unser Leben gerettet hätte, dann wären wir außerordentlich glücklich und dem Arzt gegenüber sehr dankbar. In gleicher Weise denken wir darüber nach, wie unsere Mutter unser Leben stets geschützt und häufig gerettet hat, als wir noch ein Baby oder ein kleines Kind waren.

Auch wenn jemand sich uns gegenüber sehr liebenswürdig verhalten hat und wir uns wünschen, diese Güte zu erwidern, so ist es nicht die beste Art, die Güte zu vergelten, indem wir die Menschen mit Essen, Trinken, Geld oder Gegenständen versorgen. Menschen wurden unzählige Male wiedergeboren. In all diesen Wiedergeburten waren sie gewiss zu bestimmten Zeiten zweifellos außerordentlich reich und haben sich irgendwann einmal in wohlhabenden Verhältnissen und glücklichen Umständen befunden. Doch all diese guten Voraussetzungen haben ihnen nicht geholfen. Wenn wir jedoch all unsere persönlichen Probleme überwinden und lösen könnten, und wenn wir völlig frei von Problemen und Sorgen sein könnten, und wenn wir dann unser vollständiges Potenzial entwickeln würden und zu einem erleuchteten Buddha werden würden, dann hätten wir die Fähigkeit, unserer Mutter aus all ihren unkontrollierbar sich wiederholenden Problemen und Leiden herauszuhelfen. Das wäre eine wirklich bedeutungsvolle Art, die Güte unserer Mutter zu erwidern.

Die Art und Weise, wie man solch förderliche Gedankengänge aufnimmt, die dazu führen, dass wir unser Herz dem Bodhichitta widmen, ist, dass wir uns an unsere eigene Mutter erinnern und daran denken, wie liebenswürdig sie zu uns war. Wir versuchen uns all die liebevollen Dinge ins Gedächtnis zu rufen, die sie für uns über all die Jahre hinweg getan hat, und dann zu denken, dass sie nicht nur in diesem Leben so liebenswürdig war, sondern auch in unzähligen vergangenen Leben. Dann weiten wir unsere Denkweise in Stufen aus. Wir denken an unseren Vater; und wir denken daran, dass auch er in einigen früheren Leben einmal unsere Mutter war. Dann weiten wir diese Meditation weiter aus und denken vielleicht auch an unsere Feinde. Wir denken an die Menschen, die wir hassen – auch sie waren tatsächlich in vergangenen Leben einmal unsere Mütter und sehr gütig zu uns. Wir weiten diese Denkweise vielleicht noch weiter aus, indem wir uns vorstellen, dass alle begrenzten Wesen einmal unsere Mütter gewesen sind und in der Vergangenheit sehr gütig zu uns waren.

Gleichmut entwickeln

Es ist außergewöhnlich schwierig, ein „Mutter-Gewahrsein“ als eine heilsame Gewohnheit im Bewusstsein zu verankern. Der Grund dafür ist, dass es uns an Gleichmut mangelt. Wir haben verschiedene Freunde und Menschen, in die wir ganz vernarrt sind, von denen wir betört sind und an denen wir anhaften. Wir fühlen uns ihnen auf eine anhängliche Art sehr stark verbunden. Es gibt andere Menschen, die uns auf die Nerven gehen und die wir nicht ausstehen können. Wir betrachten sie als unsere Feinde, empfinden ihnen gegenüber sehr feindselig und sind von ihnen abgestoßen. Wenn wir in dieser Weise empfinden, haben wir noch keinen Gleichmut gegenüber allen Wesen entwickelt. Die Art des Gleichmuts, über den wir hier in diesem Kontext sprechen, ist der Gleichmut, mit dem wir jegliche Gedanken des Angezogenseins und des Abgestoßenseins überwinden und beenden. Können wir diese Art des Gleichmuts sehr gut und ernsthaft entwickeln, dann werden all die anderen Geisteshaltungen, die aus dem Gleichmut hervorgehen, leichter zu entwickeln sein.

Wir entwickeln diese Art des Gleichmuts, indem wir uns drei Menschen vorstellen, die sich vor uns befinden: Zuallererst einen Menschen, der uns sehr viel geholfen hat; dann einen Menschen, der uns sehr tief verletzt hat; und dann einen dritten Menschen, der uns weder geholfen noch verletzt hat, also jemanden, der für uns einfach nur ein völlig fremder Mensch ist. Wir denken an diese drei Arten von Menschen und betrachten die Geisteshaltungen und Gefühle, die entstehen, wenn wir an jeden dieser Typen von Mensch denken. Gegenüber dem Menschen, der uns sehr viel geholfen hat, ist die Art der Geisteshaltung, die entsteht, dass wir uns angezogen fühlen, anhänglich sind und uns wünschen, ihre Hilfe zu erwidern. Der Grund dafür, dass wir diesem Menschen gegenüber diese starken positiven Gefühle hegen, dass wir uns also zu diesem Menschen hingezogen fühlen, ist lediglich, dass dieser Mensch sehr nett zu uns war und uns geholfen hat. Das ist aber überhaupt kein guter Grund. Auch wenn der Mensch uns geholfen hat und wir ihn aus diesem Grund als Freund betrachten und an ihm hängen, ist es nichtsdestotrotz möglich, dass er uns irgendwann einmal verletzt hat und uns große Leid zufügt hat. Es ist daher überhaupt nicht sicher, dass dieser Mensch uns stets helfen wird.

Wenn wir uns zudem den Geisteszustand des Verlangens und der Anhaftung näher betrachten, so handelt es sich dabei um einen Zustand der Vernarrtheit. Wenn wir uns in einem Geisteszustand vernarrten Begehrens befinden, überschätzen wir die Qualitäten eines Menschen. Es ist ein sehr störender Geisteszustand. Da es eine störende Emotion ist, wird sie uns in eine schlechtere Art von Wiedergeburt führen. Es gibt daher tatsächlich viele Nachteile, die sich daraus ergeben, so vernarrt in jemanden zu sein. Wenn wir uns in dieser Weise Gedanken machen, versuchen wir unsere Anhaftung und Anhänglichkeit zu verringern. Zum Beispiel gibt es bestimmte Arten von männlichen und weiblichen Kannibalen-Geistern, die sich in dem Sinne wie Sirenen verhalten, dass sie in sehr lieblichen und verlockenden Formen erscheinen. Sie können alle möglichen Arten von wunderlichen Formen annehmen. Sie täuschen Menschen dahingehend, dass sie nach ihnen verlangen und vorgegeben, sich zu ihnen hingezogen zu fühlen, und die sich dann, wenn die Menschen näher kommen, in ihre wirklichen Formen zurückverwandeln und die Menschen verschlingen. Sind wir sehr in jemanden vernarrt, der uns so verlockend erscheint, müssen wir uns an diese Geschichte von dem Sirenen-Mann oder der sirenen-gleichen Frau erinnern, und daran denken, wie solche Wesen uns einfach hinunterschlingen können. Auf diese Weise können wir versuchen, unsere Vernarrtheit und Anhänglichkeit zu verringern.

Wenn wir uns den Menschen näher anschauen, den wir nicht ausstehen können, so ist der Grund dafür, warum wir vielleicht gegenüber diesem Menschen so feindselig empfinden und uns abgestoßen fühlen, weil dieser Mensch uns auf irgendeine Art verletzt hat. Wir sollten aber versuchen, uns von diesem Gefühl und diesem Denken zu befreien, das voreilige zu der Schlussfolgerung kommt, dass dieser Mensch uns immer wieder verletzen wird. Es ist sehr gut möglich, dass er uns in der Zukunft eine sehr große Hilfe sein wird. Wir können zudem darüber reflektieren, dass wir in Abhängigkeit von diesem Menschen, unsere Wut und Feindseligkeit überwinden und diese in Toleranz und Geduld transformieren. In der Tat können uns diese Menschen möglicherweise dabei helfen, die weitreichende Geisteshaltung der Geduld zu perfektionieren, so das wir dadurch ein Buddha werden können, der einen vollkommen klaren Geist besitzt und sich zur Vollkommenheit entwickelt hat. Daher ist dieser Mensch in Wirklichkeit sehr liebenswürdig, da er uns die Gelegenheit bietet, diese weitreichende Geisteshaltung der Geduld zu vervollkommnen.

Zudem wäre es eine großartige spirituelle Praxis, wenn wir im Angesicht von jemandem, der uns wütend macht, gelassen bleiben und dem Menschen aus seiner Situation heraushelfen. Wenn wir aber in solchen Situationen stets wütend werden, wird uns unsere eigene Wut und unser Hass in einen der schlechten Wiedergeburtszustände befördern. Auf der anderen Seite gibt es überhaupt keinen Grund in einen der schlechten Daseinsbereiche wiedergeboren zu werden, wenn wir unseren Wut und unseren Hass überwinden und eliminieren können.

Einige Menschen haben an diesem Punkt Zweifel und könnten hier Fragen erheben. Im Götterbereich gibt es so etwas wie Ärger und Hass nicht. Da das der Fall ist und Götter niemals wütend werden, wie kann es dann sein, dass Götter in schlechten Wiedergeburtszuständen wiedergeboren werden? Gibt es da nicht einen Widerspruch? Denn wenn wir die Stufen der Praxis betrachten auf denen unsere Wut nachlässt, und wenn wir die Stufe der Praxis erreichen, die die Geduld-Stufe genannt wird, so werden wir an diesem Punkt niemals wieder Wut empfinden und daher auch niemals mehr in einem der üblen Daseinsbereichen wiedergeboren werden. Was geht hier vor sich? Worin besteht in diesem Fall der Unterschied zwischen dem Erreichen eines Geisteszustands der voll entwickelten Geduld einerseits, durch den wir folglich nie mehr in einem der niederen Daseinsbereiche wiedergeboren werden, und dem Lebensbereich der Göttern andererseits, die niemals Ärger und Wut empfinden?

Die Antwort ist, dass die Götter in ihrem besonderen Wiedergeburtszustand nie mehr irgendeinen offensichtlichen Ärger oder Hass empfinden, sie den Ärger oder Hass aber noch nicht vollständig eliminiert haben. Wut und Hass können bei ihnen irgendwann einmal wieder auftreten. Daher können die Götter auch irgendwann einmal wieder in einem der niederen Daseinsbereiche wiedergeboren werden.

Wenn wir tiefe Feindseligkeit, Wut und Hass gegenüber einem Menschen empfinden, der uns provoziert und verletzt hat, dann sollten wir darüber nachdenken, dass wir uns nicht von einem Skorpion oder einer Schlange unterscheiden, wenn wir so impulsiv zurückschlagen. Bei diesen Geschöpfen ist es so, dass wir sie nur mit einem Stock aufstöbern müssen und sie sofort angreifen. Wenn wir schnell feindselig werden und zurück beißen, dann reagieren wir nicht anders als ein Skorpion oder eine Schlange. Wenn wir uns in dieser Weise Gedanken machen, können wir lernen unsere Wut zu kontrollieren und zu überwinden.

Betrachten wir den dritten Menschen in unserer Übung, also den Menschen, der uns völlig fremd ist, der uns bislang weder in irgendeiner Weise geholfen hat, noch verletzt hat. Das Gefühl, das wir einem uns fremden Menschen gegenüber entwickeln, ist, dass wir uns nicht wirklich um ihn scheren. Weder wollen wir ihm helfen, noch wollen wir uns dazu aufraffen, dem Menschen Leid zuzufügen. Wir haben diesem Menschen gegenüber das Gefühl, dass wir ihn besser nicht beachten wollen und ihn lieber allein lassen. Diese Haltung ist jedoch gleichfalls nicht ausreichend, da es tatsächlich möglich ist, dass dieser Mensch uns in Zukunft bei irgendwelchen Dingen unterstützen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und daher ist es nicht richtig und auch nicht fair, wenn wir uns so einem Menschen gegenüber indifferent und gleichgültig verhalten.

Wenn wir in dieser Weise Gedanken kultivieren, entwickeln wir allen Wesen gegenüber ein Gefühl des Gleichmuts. Ganz gleich ob es sich um Freunde, Feinde oder Fremde handelt, wir werden ein ausgeglichenes Gefühl empfinden und ihnen allen wünschen, dass sie glücklich sein mögen, und wir werden ihnen auch wünschen, dass sie keinerlei Probleme und Leiden erleben mögen. Wir entwickeln dadurch einen Zustand des Gleichmuts, dass wir nicht länger Gefühle von starker, verblendeter Anhaftung, Feindseligkeit und Wut oder von Gleichgültigkeit empfinden.

Wir beginnen mit dieser Praxis, indem wir versuchen die Gefühle der Leidenschaft und Vernarrtheit in diejenigen, die uns geholfen haben, wie auch die Gefühle der Feindseligkeit gegenüber denen, die uns verletzt haben, zu eliminieren. Wir versuchen eine ausgeglichene, ungestörte Geisteshaltung allen Lebewesen gegenüber zu entwickeln. Diese ausgeglichene Geisteshaltung es vergleichbar mit der Haltung, die wir einem Menschen gegenüber haben, der uns noch niemals etwas Gutes oder Böses getan hat. Dann arbeiten wir daran, die Gefühle der Gleichgültigkeit, die wir vielen Wesen gegenüber empfinden, zu überwinden.

Die nächsten Schritte in der siebenteilige Kernanweisung über Ursache und Wirkung zur Entwicklung von Bodhichitta

Dem folgt dann der Schritt, bei dem wir uns gewahr werden, dass jedes Lebewesen einmal unsere Mutter gewesen ist. Wir erinnern uns an ihre Güte, dass sie uns ihre mütterliche Liebe zuteil werden ließen, und versuchen dann ernsthaft ein Gefühl der Dankbarkeit den Wesen gegenüber zu entwickeln. Dann versuchen wir eine Einstellung zu entwickeln, bei der wir die von ihnen erfahrene Güte erwidern möchten. Wenn wir als letztes noch die Entwicklung des Gleichmuts mit einschließen, dann haben wir hier vier Punkte. Schließen wir den Gleichmut nicht mit ein und beginnen nur vom „Mutter-Gewahrsein“ aus zu zählen, dann haben wir lediglich drei Punkte, aber das macht keinen Unterschied.

Nachdem wir diese drei oder vier Geisteshaltungen entwickelt haben, die aufeinander folgend ein Fundament bilden, folgt dann die Kultivierung der warmherzigen Liebe allen Lebewesen gegenüber. Für die Entwicklung der warmherzigen Liebe benötigen wir keine zusätzlichen Praktiken, denn die warmherzige Liebe wird sich indirekt und automatisch als Resultat der früheren Übungen ergeben.

Der nächste Punkt besteht darin, das Mitgefühl zu entwickeln, mit dem wir allen Lebewesen wünschen, dass sie frei sein mögen von all ihren Problemen und Schwierigkeiten. Wir müssen einen mitfühlenden Geisteszustand entwickeln, der vollkommen ernsthaft ist, der also das Leiden all der anderen Lebewesen ernst nimmt und nicht verlogen ist. Es ist außerordentlich wichtig, dass wir ein solches Mitgefühl entwickeln. Diese Art von Mitgefühl ist die Grundlage, die uns befähigt, uns völlig zu reinigen und den höchsten Entwicklungsstand zu erlangen. Mitgefühl ist die Wurzel des Pfades und das Fundament für all die verschiedenen Fahrzeuge des Geistes. Daher ist es außergewöhnlich wichtig, dass wir uns in einem solchen Mitgefühl üben.

Der große indische Meister Aryashura sagte: „Alle wandernden Wesen sind durch ihre störenden Emotionen und Geisteshaltungen gebunden. Aber Du, Buddha, hast den Wunsch, sie alle davon zu befreien. In der Tat, Du hast alle Wesen mit Deinem Mitgefühl gebunden.“ Dann stellte er die Frage: „In wessen Richtung sollte ich mich daher zuerst wieder wenden? Sollte ich dem Mitgefühl im Geistesstrom des Buddha Niederwerfungen darbringen oder Dir selbst, O Buddha?“ Im Begrüßungsvers zu seiner „Ergänzung zu (Nagarjunas „Wurzelversen zum) Mittleren Weg“ beantwortete der herausragende Meister Chandrakirti diese Frage. Er sagt dort: „Ich mache die Niederwerfungen zuerst dem großen Mitgefühl gegenüber, da dies die Wurzel für alle konstruktiven und positiven Dinge aller drei Fahrzeuge des Geistes ist.“ Daher müssen wir die Texte, die diesen Hauptgegenstand des Mitgefühls betreffen, lesen und sie sehr gut studieren. Und danach müssen wir versuchen, die Inhalte dann auch zu praktizieren.

Das ist die Tradition der siebenteiligen Anweisung zu Ursache und Wirkung – sechs Teile der Anweisung beziehen sich auf die Ursachen, und der letzte Teil, das hingebungsvolle Bodhichitta-Herz, ist die Wirkung oder das Resultat.

Die anfänglichen Schritte der Praxis des Angleichens und Austauschens unserer Geisteshaltungen uns selbst und anderen gegenüber

Die zweite Methode, mit der wir ein hingebungsvolles Bodhichitta-Herz entwickeln können, ist, dass wir unsere Geisteshaltungen uns selbst und anderen gegenüber angleichen und austauschen. Diese Methode beginnt damit, dass wir denselben Zustand des Gleichmuts entwickeln wie zuvor. Wir entwickeln demnach das Gewahrsein, dass andere Lebewesen auch einmal unsere Mütter gewesen sind. Wir vergegenwärtigen uns ihre Güte und entwickeln eine Gefühl der Dankbarkeit, für die Güte, die wir von ihnen erfahren haben. Dann entwickeln wir den Wunsch diese Güte zurückzugeben, wie wir es auch davor schon getan haben. All diese Schritte, bis zur Entwicklung einer warmherzigen Liebe, sind genau dieselben Schritte wie zuvor, abgesehen davon, dass es hier bei dieser Methode einen besonderen Weg gibt, wie wir uns an die Güte erinnern, die wir von anderen erfahren haben.

In der vorherigen Übung haben wir uns an die Güte anderer innerhalb des Kontexts erinnert, dass jedes andere Lebewesen irgendwann einmal unsere Mutter gewesen ist. Bei der Methode hier vergegenwärtigen wir uns die Güte anderer, auch wenn diese Wesen nicht unsere Mütter gewesen sind, da es in der Tat niemanden gibt, der gütiger ist, als andere Lebewesen. Wir bedenken, dass wir aufgrund der verschiedenen Dinge, die wir in unserem Leben genießen, völlig abhängig von der Güte anderer Wesen sind. Wenn es zum Beispiel draußen kalt ist und wir einen schön warmen Wollpullover tragen – woher kommt die Wolle? Sie stammt von einem Schaf. Ohne das Schaf gäbe es keine Wolle für unsere kuscheligen Pullover. Das gleiche gilt beispielsweise auch dann, wenn wir krank sind, uns sehr schwach fühlen und dann Fleisch essen. Dieses Fleisch stammt vom Körper eines Tieres. Das Fleisch steht uns dann nur durch die Güte der Tiere zur Verfügung. In gleicher Weise genießen wir Honig. Der Honig stammt aus der emsigen Arbeit vieler Bienen, denn es ist eine Menge Arbeit, herumzufliegen und Pollen zu sammeln. Wir sind sehr abhängig von der Arbeit dieser kleinen Lebewesen. In Bezug auf alle anderen Arten von Tierprodukten, die wir genießen, gilt dasselbe – so zum Beispiel auch mit der Milch und vielen weiteren Tierprodukten.

Wenn wir uns in dieser Weise Gedanken machen, werden wir zunehmend gewahr, wie gütig all die Lebewesen und Geschöpfe um uns herum zu uns gewesen sind. Tatsächlich gibt es keine Wesen, die gütiger sind, als diese Wesen. Denken Sie dann an einen Feind, an jemanden, den wir nicht leiden können. Dieser Mensch gibt uns die Gelegenheit, uns in Geduld und Toleranz zu üben. Dadurch, dass wir die weitreichende Geisteshaltung der Geduld und Toleranz entwickeln, können wir selbst zu einem erleuchteten Buddha werden, der einen vollkommen klaren Geist hat und sich vollständig entwickelt hat. So können wir diesen Menschen, den wir nicht ausstehen können und den wir als unseren Feind betrachten, tatsächlich als außerordentlich gütig ansehen, weil er uns eine so gute Gelegenheit dafür bietet, dass wir uns entwickeln können.

Um Geduld und Toleranz zu entwickeln, brauchen wir jemanden, der uns auf die Nerven geht, jemanden den wir nicht ausstehen können. Es kann nur mit einem solchen Menschen funktionieren, dass wir Geduld entwickeln. Geduld ist kein Geisteszustand, den wir gegenüber den Buddhas oder Bodhisattvas entwickeln müssen. Wir entwickeln Geduld gegenüber einem Feind, also gegenüber jemandem, den wir hassen. Daher ist ein Mensch sehr gütig, der uns diese Gelegenheit bietet, dass wir uns entwickeln können und durch den wir die Erleuchtung erlangen können. Betrachten Sie bitte einmal meine eigene Lage, in der ich mich als tibetischer Flüchtling befinde. Wir haben unser Land an Menschen verloren, die wir als unsere Feinde betrachteten. Als Resultat dieser Vorgänger, sind wir auf gut Glück in diesen Teil der Welt geraten. Wir können nun reisen und wunderbare Länder besuchen, wie beispielsweise dieses Land hier. Und wir können uns hier begegnen. Dies alles geschieht durch die Güte der Feinde unserer Nation.

Wenn wir in dieser Weise Überlegungen anstellen, wenn wir betrachten, was all diese begrenzten Wesen für uns getan haben, können wir erkennen, dass sie sich außerordentlich gütig verhalten haben. Vergleichen wir die Güte aller begrenzten Wesen mit der Güte der Buddhas, so sind beide tatsächlich gleich gütig. Shantideva bestätigt diese Aussage. Wenn wir unser Denken in diese Richtung lenken, entwickeln wir einen Geisteszustand, mit dem wir andere Lebewesen wertschätzen. Zugleich wären wir, wenn wir eine solche Einstellung hätten, ungehalten darüber, wenn bei anderen irgendetwas schief laufen würde. Eine solche Geisteshaltung wird auch als „warmherzige Liebe“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Geisteshaltung, mit der wir andere schätzen, und bei der wir uns nicht wohl fühlen, wenn bei anderen etwas schief läuft.

Einmal fragte ein herausragender Mentor aus der Kadam-Tradition seinen Schüler worüber er gerade meditiere. Mit anderen Worten: Er fragte ihn, was er gerade versuche als eine gute Gewohnheit im Geist zu etablieren. Der Schüler antwortete: „Ich versuche stets Liebe als eine gute Gewohnheit im Geist zu etablieren. Liebe ist das Thema über das ich die ganze Zeit meditiere.“ Voller Respekt nahm der Meister seinen Hut vor ihm ab und sagte zu seinem Schüler: „Du übst dich wirklich in der besten Art von Praxis.“

Unsere geistigen Einstellungen uns selbst und anderen gegenüber angleichen

Nun müssen wir zusätzlich unsere Einstellung uns selbst gegenüber und anderen gegenüber angleichen. Erforschen wir uns ernsthaft, so können wir erkennen, dass wir alle extrem selbstsüchtig sind – wir haben eine hohe Meinung von uns selbst und ignorieren andere. Ferner leben wir in einer Vetternwirtschaft; wir spielen den Liebling. Da gibt es einige Menschen, denen wir uns eng verbunden fühlen, und dann gibt es wiederum andere Menschen, denen wir distanziert gegenüber stehen. Denjenigen Menschen, die uns geholfen haben und die wir daher mögen, fühlen wir uns nah und wir wollen ihnen helfen. Da gibt es die anderen Menschen, die nichts für uns getan haben und denen wir uns fern fühlen. Es kommt uns nicht einmal in den Sinn zu versuchen, etwas für sie zu tun. Womit wir uns hier beschäftigen ist, dass wir hier die zweite Art des Gleichmuts entwickeln möchten – den Gleichmut, bei dem wir nicht das Spiel des Günstlings, Favoriten oder Lieblings spielen.

Um diese Art des Gleichmuts zu entwickeln, denken wir zuerst daran, wie alle Lebewesen uns gegenüber in den verschiedensten Situationen gleichermaßen freundlich gewesen sind. In der Vergangenheit mussten wir uns in verschiedenen Angelegenheiten auf andere verlassen und in der Zukunft werden wir uns ebenfalls auf sie verlassen müssen.

Wenn wir darüber nachdenken, dass andere Wesen uns gegenüber gleichermaßen gütig gewesen sind und uns in so vielen verschiedenen Situationen geholfen haben, könnte uns der Gedanke in den Sinn kommen: „All diese Lebewesen haben uns aber nicht die ganze Zeit über geholfen. Manchmal haben sich andere uns gegenüber sehr ekelhaft verhalten und uns verletzt. Was ist damit?“ Nun gut, wenn wir in dieser Weise denken, müssen wir bedenken, dass jedes einzelne Lebewesen einmal auch unser Feind gewesen ist, unsere Feinde uns jedoch nur bei relativ wenigen Anlässen verletzt haben. Die viele Hilfe und Unterstützung, die sie uns im Großen und Ganzen gewährt haben, überwiegt bei weitem jegliche kleine Verletzung oder Schikane, mit der sie uns verärgert haben. Auf diese Weise müssen wir über die großen Wohltaten nachdenken, die andere Wesen uns zuteil werden ließen, die insbesondere unsere Feinde uns angedeihen ließen. Führen Sie bitte in dieser Weise Gebete durch, dass wir unsere geistige Einstellung uns selbst gegenüber und anderen gegenüber angleichen.

Der nächste Punkt, der zu bedenken ist, ist die Vergänglichkeit. Keine Situation bleibt jemals unveränderlich oder statisch. Wenn wir beispielsweise an einen Feind denken, so wäre es absurd, ihm am Morgen Leid zuzufügen, wenn dieser Feind am Abend hingerichtet werden würde. Es wäre eine komplett sinnlose Handlung, wenn er noch in dieser Nacht sterben würde. Wenn wir gleichfalls am Abend sterben würden, wäre es die Sache auch nicht wert, diesen Menschen noch am gleichen Morgen zu verletzen. Wenn wir in dieser Weise über den Tod und die Vergänglichkeit nachdenken, wird uns diese Reflektion ermöglichen, Gefühle der Feindseligkeit und einen Mangel an Gleichmut zu überwinden.

Darüber hinaus können wir feststellen: Ebenso wie wir selbst glücklich sein wollen, wollen auch alle anderen Lebewesen glücklich sein. Niemand mag überdies unglücklich sein, und niemand hat gerne Probleme, und niemand leidet gerne. Es ist gut, über diese Punkte viel nachzudenken. Wenn wir uns vorstellen, ein Arzt zu sein, und es gäbe da zehn Patienten, die alle an derselben schrecklichen Krankheit verzweifeln, so wäre es völlig unpassend nur einen oder zwei dieser Patienten zu behandeln und den Rest der Patienten zu übergehen. Alle zehn kranken Menschen haben das gleiche Recht darauf, behandelt zu werden. Es gibt da keinen Raum oder Platz für Günstlings- oder Vetternwirtschaft von Seiten des Arztes. Ebenso müssen wir versuchen, die gleiche Art von Einstellung im Hinblick darauf zu entwickeln, dass wir allen Lebewesen gleichermaßen helfen wollen und jedem von Nutzen sein möchten, ohne dabei irgendjemanden zu bevorzugen. Das Beispiel vom Arzt mit seinen zehn Patienten, kann sehr hilfreich sein, um diese Art der Geisteshaltung zu entwickeln.

Kämen gleichermaßen zehn hungrige, durstige Menschen an unsere Tür, so empfinden alle zehn Menschen das gleiche Leiden, und alle zehn Menschen haben das gleiche Problem, hungrig und durstig zu sein. Es wäre wiederum völlig unfair und unpassend, nur einem oder zweien dieser Menschen Essen und Trinken zu geben und die anderen wegzuschicken. Es ist überhaupt nicht fair und nicht gerecht, seine Favoriten oder Lieblinge zu bevorzugen. Alle Lebewesen haben ein gleiches Recht, und es ist unsere Pflicht, allen Lebewesen gleichermaßen zu helfen. All diese Punkte sind in einem Vierzeiler der „Lama Chöpa“ (Die Zeremonie zum Darbringen von Gaben an den spirituellen Meister; Guru Puja) enthalten: „Inspiriert uns dahingehend, das Wohlgefühl und die Freude anderer zu vermehren: Niemand wünscht sich das geringste Leiden, noch ist ein Wesen jemals mit dem Glück, das er oder sie erfährt, zufrieden.“ Wir müssen an diese Punkte denken, wenn wir diesen Text rezitieren.

Zudem hätte der Buddha selbst dann verschiedene Individuen nicht im Licht dieser Kategorien betrachtet, wenn es so etwas wie diese wahren Kategorien von „Freunden“ und „Feinden“ tatsächlich geben würde. In Wirklichkeit hat der Buddha andere Lebewesen niemals in dieser exklusiven Weise betrachtet und ganz klaren Kategorien von Freunden und Feinden zugeordnet. Wenn wir uns die Frage stellen, wie es kommt, dass der Buddha niemanden in solchen Kategorien beurteilt hat, dann können wir über die Geschichte von Devadatta, dem Cousin des Buddha, nachdenken.

Devadatta hat immer wieder versucht, den Buddha zu ermorden, indem er Felsen auf ihn schleuderte und anderes mehr. Einmal gab ein Arzt dem Buddha eine sehr große Dosis einer starken Medizin. Devadatta, der immer versuchte, mit dem Buddha zu wetteifern, bestand darauf, dass der Arzt ihm dieselbe Dosis derselben Medizin geben solle. Der Arzt sagte: „Diese Dosis ist für dich nicht geeignet. Du verfügst nicht über die körperliche Stärke des Buddha.“ Devadatta bestand aber weiterhin darauf und blieb hartnäckig an dem Arzt dran. So gab ihm der Arzt eine sehr große Dosis Medizin, worauf Devadatta sehr, sehr krank wurde. Devadatta befand sich in einem schrecklichen Zustand. Der Buddha besuchte ihn und platzierte seine Hand auf seinen Kopf und sagte: „Da ich keine Vorlieben zwischen dir, der mich immer zu schädigen versucht, und meinem eigenen Sohn Rahula habe, so sollst du durch die Kraft der Wahrheit dieser Behauptung geheilt sein.“ Und Devadatta wurde geheilt. Jedoch statt ihm zu danken, blickte Devadatta lediglich zum Buddha auf und knurrte: „Nimm deine schmutzige Hand von meinem Kopf!“

In diesem Beispiel hat der Buddha selbst gezeigt, dass er seinen Sohn niemals als seinen einzigen Liebling betracht hat, der ihm näher stand als alle anderen Menschen. Und er veranschaulichte durch sein Verhalten, dass andere Lebewesen ihm nicht fern waren oder sogar seine Feinde waren. Ohne Lieblinge zu haben, empfand er jedem Lebewesen gegenüber eine gleichmütige Geisteshaltung. Wir sollten daran denken, wie er auf der Grundlage dieser Art von Geisteshaltung fähig war, sein volles Potenzial auszuschöpfen und ein erleuchtetes Wesen, ein Buddha, zu werden.

Wir sollten weitergehen und darüber nachdenken wie wir anscheinend immer in Bezug auf diese beiden Möglichkeiten denken: Es gibt einige Menschen, die unsere Freunde und unsere Lieblinge sind, die uns stets helfen, und dann gibt es andere Menschen, die wir als durch und durch verdorbene Menschen betrachten und die wir überhaupt nicht leiden können. Sie sind unsere Feinde. Wir müssen uns aber dann daran erinnern, dass es in Wirklichkeit keinerlei Gewissheit in Bezug auf den Status gibt, den Wesen in der zwanghaften Existenz des Daseinskreislaufs zukünftig einnehmen werden. Dies ist ein Punkt, der aufkam, als wir uns auf der mittleren Ebene der Motivation übten – in den unkontrollierbar sich wiederholende Situationen von Samsara gibt es keinerlei Gewissheit, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Wir müssen diese Aussage hier anwenden, damit wir erkennen können, dass es wirklich keine solchen Dinge gibt, wie definitive, konkrete, unveränderliche Kategorien. Es gibt keine Gruppe von Menschen, die unveränderlich als Freunde oder unveränderlich als Feinde existieren.

Zusätzlich sollten wir darüber nachdenken, dass all diese Begriffe und Kategorien nur relativ sind. Wir neigen dazu, in festgeschriebenen Kategorien von „Ich“ und „die anderen“ zu denken. Wir denken in Begriffen von „Freunden“ und „Feinden“, so als ob diese Kategorien aus sich selbst heraus begründet wären und von ihrer eigenen Seite her existieren würden. Wir denken, dass diese Kategorien aus sich selbst heraus irgendwo „da draußen“ existieren. In Wirklichkeit gibt es kein solches Ding wie eine festgelegte Kategorie, die von ihrer eigenen Seite aus begründet existiert und die in den verschiedenen Gegenständen selbst drinnen sitzt.

Betrachtet Sie einmal das Beispiel eines entfernt gelegenen und eines nahe gelegenen Berges. Es erscheint uns so, dass der entfernte Berg etwas ist, das da draußen existiert, dass der Berg uns auf der anderen Seite gegenüber steht. Und es erscheint uns so, als würde der sich uns gegenüber liegende Berg von seiner Seite aus als der wirklich „entfernte Berg da drüben“ existieren. Dann durchschreiten wir jedoch das Tal und begeben uns auf die andere Seite des Tals, und besteigen den sogenannten weit entfernten Berg, so als wäre der Berg nicht länger der „weit entfernte Berg“. Stattdessen wäre nun der Berg, auf dem wir uns zuvor befunden haben, zum „weit entfernten Berg“ geworden. Wenn wir in dieser Weise nachdenken, können wir erkennen, dass es sich bei all den Kategorien wie „Freund“ und „Feind“, „nah“ und „fern“ und so weiter, um relative Begriffe handelt. Nichts existiert inhärent in diesen Kategorien, nichts existiert von seiner eigenen Seiten aus, als eine festgeschriebene, definitive und solide Sache irgendwo da draußen, und sogar die Kategorien selbst, existieren nicht auf diese unmögliche Art und Weise.

Kurz gesagt, bislang haben wir uns sehr selbstsüchtig verhalten. Wir haben uns nur mit uns selbst beschäftigt und haben jegliche Fürsorge für andere Lebewesen missachtet. Was wir nun tun können, ist unsere Geisteshaltung uns selbst gegenüber mit der Geisteshaltung, die wir anderen Lebewesen gegenüber haben, anzugleichen: Wir befassen uns nicht mehr ausschließlich mit uns selbst, sondern bringen für andere Menschen das gleiche Interesse auf wie für uns selbst. Wir entwickeln allen Lebewesen gegenüber eine ausgeglichene, gleichmütige Geisteshaltung.

Die Nachteile der Selbstbezogenheit

Wenn wir nun über diese Selbstbezogenheit sprechen, so handelt es sich bei der Selbstbezogenheit um eine außerordentlich destruktive Angelegenheit. Wenn wir unser Augenmerk auf verschiedenen Krankheiten lenken, die in der heutigen Zeit auftreten, wie beispielsweise Krebs, so wird diese Krankheit als eine der schrecklichsten Krankheit überhaupt angesehen. Die Krankheit der Selbstbezogenheit ist aber viel schrecklicher. Selbstbezogenheit ist deshalb schlimmer, weil wir uns selbst sehr hoch schätzen und uns vor allen anderen Wesen an die Spitze setzen. Als Ergebnis einer solchen Einschätzung, könnten wir dann losziehen und stehlen, morden und alle Arten von destruktiven Handlungen verüben. Diese Handlungen werden uns dann zu Grunde richten. Sie werden uns nicht nur jetzt ins Verderben stürzen, sondern auch in zukünftigen Leben dazu führen, dass wir in üblen Daseinsbereichen Wiedergeburt annehmen werden. Wenn wir uns all die Streitigkeiten und die Disharmonie in verschiedenen Gruppierungen, Familien oder zwischen Ländern anschauen, so können wir erkennen, dass die Ursache all dieser Probleme die Selbstbezogenheit ist. Da die einzelnen Gruppierungen und Parteien selbstbezogen sind, nur mit sich selbst und ihren eigenen Standpunkten beschäftigt sind, entstehen all diese Schwierigkeiten, all der Ärger und all die Zerwürfnisse.

Betrachten wir die Lage der befreiten Wesen, der Arhats, so haben sie all ihre innere Feinde überwunden – das heißt sie haben ihre emotionalen Schleier beseitigt – und sie haben wirklich etwas erreicht; das ist wahr. Sie sind aber nicht imstande, einen Zustand der vollkommenen Erleuchtung zu erlangen. Sie sind nicht in der Lage, die kognitiven Schleier zu zerreißen, die ihre Allwissenheit verhindern. Der Grund dafür ist ihr selbstbezogenes Interesse. Sie sind nur daran interessiert, ihre eigenen Probleme und Schwierigkeiten zu überwinden. Sie sind nicht daran interessiert, all die Methoden und Details in Erfahrung zu bringen, die sie dazu befähigen würde, alle anderen Lebewesen ebenfalls zur Befreiung zu führen. In gleicher Weise wie ein Beamter, der sich sehr selbstsüchtig verhält und nur mit seinem persönlichen Fortkommen beschäftigt ist, hat auch ein Arhat ein nicht so hohes Ansehen bei anderen. Einen Beamten, der sich in dieser Weise verhält, würde andere lediglich als einen sehr selbstsüchtigen und ehrgeizigen Politiker oder Beamten betrachten. Ebenso verhält es sich in einer Gruppe von Menschen, die miteinander leben. Sagen wir mal, dass fünf oder sechs Menschen in einer Gruppe zusammen leben. Wenn es in der Gruppe dann einen Menschen gibt, der extrem selbstbezogen ist und nur daran denkt, Dinge zu tun, die ihm selbst in den Kram passen, und der keinen Gedanken an die Interessen und Befindlichkeiten der anderen verschwendet, dann würden ihn all die anderen Gruppenmitglieder natürlich nicht mögen.

Es ist daher notwendig über die Punkte nachzudenken, die im nächsten Vers der Guru-Puja aufgeworfen werden. Und es ist gut, diese Geisteszustände als eine nutzbringende Gewohnheit im eigenen Geist zu etablieren: „Inspiriert uns zu erkennen, dass diese chronische Krankheit der Selbstbezogenheit der Grund für unser unsägliches Leiden ist. Die Selbstbezogenheit dafür verachtend, wofür sie verantwortlich ist, bitte ich daher um die Inspiration dafür, den monströsen Dämon der Selbstbezogenheit zu zerstören.“

Die Vorzüge erwägen, dies es hat, andere Wesen wertzuschätzen

Ferner ist die fürsorgliche Haltung für andere Wesen, die Geisteshaltung, bei der man andere Lebewesen wertschätzt und an ihnen Interesse zeigt, die Grundlage für die Entwicklung aller guten Eigenschaften. Die Tatsache, dass wir als menschliche Wesen wiedergeboren worden sind, ist dadurch zu Stande gekommen, dass wir andere Lebewesen in dem Sinne geschätzt haben, dass wir uns davon abgehalten haben, sie zu töten. Wir haben uns anderen gegenüber außerordentlich ethisch verhalten und als Resultat dieser ethischen Handlungen, sind wir als menschliche Wesen wiedergeboren worden. Das ist dadurch zu Stande gekommen, das wir anderen Lebewesen Wertschätzung entgegengebracht haben. Der Buddha selbst hat alle anderen Lebewesen wertgeschätzt und als Resultat dieser Haltung hat er einen vollkommen klaren Geist hervorgebracht und sich vollständig entwickelt. Wenn es in einem Land einen Beamten gibt, der sich um alle anderen Lebewesen in diesem Land sorgt und auf ihr Wohlergehen bedacht ist, dann wird jeder im Land diesen Bediensteten mögen. Würde dieser Beamte sterben, so würden die Menschen einen großen Verlust empfinden und echte Trauer verspüren. Auch an diesem Beispiel können wir erkennen, wie die Geisteshaltung der Wertschätzung für andere Lebewesen als Grundlage dafür fungiert, dass die Dinge im eigenen Leben erfreulich verlaufen, und auch, dass alle guten Dinge sich aus einem solchen Fundament hervorgebracht werden.

Damit beschäftigt sich der nächste Vers der Guru Puja: „Inspiriert uns zu erkennen, dass die Geisteshaltung, mit der wir unseren Müttern Wertschätzung entgegenbringen und die sie in Glückseligkeit schützt, das Tor ist, das zu der Entwicklung unendlicher Tugenden führt. Daher mögen wir diese wandernden Wesen mehr als unser eigenes Leben schätzen, auch wenn andere uns als unsere Feinde erscheinen mögen.“

Noch einmal gesagt: Da wir die Guru Puja häufig rezitieren, müssen wir unsere Achtsamkeit darauf lenken, was wir eigentlich sagen, und versuchen, die konstruktiven Geisteshaltungen als eine gute Gewohnheit in unserem Geist zu etablieren.

Kurz gesagt, hat der Buddha sein vollkommenes Potenzial verwirklicht und die Erleuchtung erlangt. Dieses Resultat ist dadurch zu Stande gekommen, dass er an anderen Lebewesen Interesse gezeigt hat und ihnen Wertschätzung entgegengebracht hat. Wir hingegen erfahren weiterhin unsere Probleme und Leiden, da wir so selbstbezogen sind und nur uns selbst schätzen. Daher müssen wir daran denken, dass es keinen anderen Weg gibt, als anderen Wesen nun Wertschätzung entgegenzubringen, statt nur uns selbst zu schätzen – solang wir uns nicht von der Selbstbezogenheit befreit haben und unsere Selbstbezogenheit noch nicht überwunden haben. Der nächste Vers in der Guru-Puja behandelt diesen Punkt: „Kurz gesagt, inspiriert uns, das Unterscheidungsvermögen zu entwickeln, dass zwischen den Fehlern infantiler Wesen, die allein für ihr selbstbezogenen Zwecke schuften, und den Tugenden der Könige der Heiligen, die allein für das Wohl anderer arbeiten, zu unterscheiden, und so in der Lage zu sein, dass wir unsere Geisteshaltung anderen gegenüber und uns selbst gegenüber angleichen und austauschen.“

Auf diese Weise bedenken wir all die Fehler und Nachteile, die es hat, sich selbstbezogen zu verhalten und andere Wesen zu ignorieren. Wir denken stattdessen an all die Vorzüge und Vorteile, die sich daraus ergeben, andere wertzuschätzen und unsere eigenen selbstbezogenen Belange zu ignorieren.

Unsere Geisteshaltung, die wir über uns selbst haben, mit der Geisteshaltung, die wir anderen gegenüber haben, austauschen

Auf diesem vorhergehenden Schritt basierend, beschließen wir nun sehr entschieden unsere Geisteshaltung zu ändern: Statt nur an uns selbst zu denken, denken wir nun an andere Lebewesen, und statt andere zu ignorieren, werden wir nun uns selbst ignorieren. Dies ist das, was mit „unsere Geisteshaltungen uns selbst und anderen gegenüber austauschen“ gemeint ist.

Darauf bezieht es sich der nächste Vers in der Guru-Puja: „Da uns selbst zu schätzen das Tor zu aller Qual ist, während unseren Mütter Wertschätzung entgegenzubringen die Grundlage für alles Gute ist, bitte ich um die Inspiration dafür, dass wir das Yoga, bei dem wir uns selbst mit anderen auszutauschen, zu unserer Kernpraxis zu machen.“

Unsere Geisteshaltungen uns selbst und andere gegenüber auszutauschen, bedeutet nicht zu denken, dass ich nun du bin und du ich bist. Es ist nicht so naiv. Was gemeint ist, ist die Geisteshaltung, die wir uns selbst gegenüber haben, mit der Geisteshaltung, die wir anderen gegenüber haben, auszutauschen. Wir waren vordem immer selbstbezogen und haben andere ignoriert. Nun wollen wir diese Geisteshaltung verändern und unsere eigenen selbstbezogenen Bedürfnisse ignorieren. Unsere größere Fürsorge soll anderen Lebewesen gelten. Diese Übung ist die Grundlage dafür, um erleuchtet zu werden. Das ist die einzige Methode. Wenn wir gar nicht erleuchtet werden wollen, dann ist das eine andere Sache. Wenn wir aber erleuchtet werden wollen, dann gibt es keinen anderen Weg als unsere Geisteshaltungen uns selbst und anderen gegenüber auszutauschen. Diese Übung ist eine notwendige Voraussetzung, um Mitgefühl zu entwickeln.

Die übrigen Schritte, die dazu führen, ein hingebungsvolles Bodhichitta-Herz zu entwickeln

Wir können Mitgefühl entwickeln, indem wir die armen Käfer und die Geschöpfe um uns herum bewusst wahrnehmen. Wir können an all die schrecklichen Probleme denken, mit denen sie in ihrem Leben konfrontiert sind, und wir können uns einfühlen, wie Schauderhaft es sein muss, ein solches Geschöpf zu sein. Was uns selbst anbelangt, so haben wir das Potenzial aufgebaut als ein ebensolches Geschöpf wiedergeboren zu werden. Daher müssen wir darüber nachdenken, wie schrecklich es wäre, wenn wir so ein kleiner Käfer oder ein ähnliches Tier wären. Wir setzen diese Betrachtungsweise fort, indem wir in gleicher Weise an unsere Mutter denken und wie grässlich es wäre, wenn unsere Mutter als eine solche kleine Kreatur wiedergeboren würde. Wir dehnen diese Betrachtungsweise dann auch auf unseren Vater aus, auf unsere Freunde, auf unsere Feinde, und schließlich auf alle Wesen aus. Auf diese Weise entwickeln wir ein ernsthaftes, tief empfundenes Mitgefühl – das heißt wir entwickeln den ernsthaften Wunsch, dass kein Lebewesen jemals mehr irgendwelche Probleme oder Leiden erfahren möge.

Dann denken wir darüber nach, dass jedes Lebewesen glücklich sein möchte und kein Wesen irgendwelche Probleme erfahren möchte, wir aber nicht wissen, wie sie Probleme vermeiden können. Denn wir befinden uns in Wirklichkeit selbst in unkontrollierbar sich wiederholenden Situationen, die mit Problemen und Frustrationen erfüllt sind. Wir entwickeln nicht nur ein ernsthaftes Mitgefühl für diese Wesen, sondern auch ein Gefühl der Liebe – das heißt den Wunsch, dass sie glücklich sein mögen – sowie den außergewöhnlichen Entschluss, das heißt den Wunsch selbst in der Lage zu sein, alle andere Lebewesen zum vollständigen Zustand des Glücks zu führen und sie von all ihren Problemen und Leiden zu befreien. Die Entwicklung dieser Emotionen führt dazu, dass wir ein hingebungsvolles Bodhichitta-Herz entwickeln.

Wir müssen in der Tat das Gefühl oder die Geisteshaltung entwickeln: „Ich werde mein Herz ernsthaft anderen Lebewesen schenken, ich möchte einen Zustand der Erleuchtung erlangen, und ich werden dieses Ziel niemals aufgeben, bis ich einen solchen Zustand wirklich erreicht habe.“ Wenn wir ein derartig großes Versprechen abgeben wie: „Ich werde niemals aufgeben!“, dann wird ein solches Versprechen als „versprochenes anstrebendes hingebungsvolles Herz“ bezeichnet. Dies wird hier im Text von Tsongkhapa beschrieben:

7) So wie ich selbst in den Ozean
zwanghafter Existenz gefallen bin,
So auch alle wandernden Wesen –
sie waren alle meine Mütter.
Dies erkennend, erbitte ich die Inspiration daf
ür,
dass meine Bodhichitta-Herz
bis hin zur h
öchst möglichen Bodhichitta-Ausrichtung
anwachsen mögen,
Damit ich die Verantwortung dafür zu übernehmen kann,
diese wandernden Wesen zu befreien.

In den folgenden Versen werden hauptsächlich die Punkte vertieft, die sich mit einem ausübenden hingebungsvollen Herz befassen, und diese Punkte werde ich heute Nachmittag erörtern.