Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Untersuchung des Themas Karma unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Centre am 11. September 2001

Alexander Berzin
Mexiko Stadt, Mexiko, 21-23 September 2001
Leicht editierte Fassung
Übersetzung ins Deutsche: Susan Schmieder
Vollständige Überarbeitung und Lektorat: Christian Dräger

Teil 1: Karmisches Bingo

Einführung: Die Komplexität von Karma

Karma ist ein Thema, das sich damit beschäftigt, was wir erleben und weshalb wir bestimmte Dinge erleben. Karma ist ein Thema, dass für uns alle auf einer persönlichen Ebene sehr bedeutsam ist, und nicht etwas, das sich außerhalb unseres eigenen Lebens abspielt. Wenn wir nach und nach verstehen, was Karma eigentlich ist und wie es funktioniert, dann können wir beginnen zu verstehen, was uns in unserem Leben widerfährt, was mit uns geschieht und wie wir damit umgehen können. Das Thema Karma führt uns zum Thema Ethik, das sich damit befasst, wie wir uns am besten verhalten und wie sich unser Verhalten darauf auswirkt, was uns im Leben widerfährt.

Karma bezieht sich auf die Ursachen und Wirkungen von Verhalten. Mit anderen Worten: Es geht hier nicht nur um Ursache und Wirkung in Bezug auf materielle Objekte, sondern um die Beziehung von Ursache und Wirkung zwischen dem eigenen Verhalten und den Erfahrungen, die wir machen. Wir klopfen auf einen Tisch, und weil der Tisch hart ist, tut uns das weh. Faktoren wie das Wetter, die Geschichte, die Politik, die Wirtschaft und so weiter beeinflussen ebenfalls unser Erleben der Welt. Tatsache ist: Wenn wir anfangen darüber nachzudenken wie Ursache und Wirkung funktionieren, können wir erkennen, dass absolut alles, was jemals in der Geschichte passiert ist, das beeinflusst, was wir erleben.

Wenn wir damit beginnen darüber nachzudenken, was Geschichte ist, so ist auch dies nicht ganz einfach zu verstehen. Geschichte ist lediglich eine Abstraktion dessen, was alle Lebewesen im Universum jemals getan haben. Es ist einfach eine bestimmte Art, die Dinge, die Abermillionen von Lebewesen getan haben, zu kategorisieren und zu erklären. Geschichte ist unglaublich komplex. Deshalb sind historische Ereignisse, wie beispielsweise der Terroranschlag in der letzten Woche, bei dem zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York City geflogen sind, nicht nur einfach fest umrissene, monolithische Ereignisse, die das formen, was wir alle als Konsequenz unseres eigenen Handelns in der Zukunft erleben werden. Sehr viele verschiedene Faktoren haben zu diesem tragischen Ereignis beigetragen. Viele Dinge haben bei diesem Ereignis zusammengewirkt. Jeder wird verschiedene Aspekte dieses Ereignisses in seiner eigenen Erinnerung behalten. Und sehr viele Situationen werden erst noch in der Zukunft durch dieses tragische Ereignis beeinflusst werden. Das ist Geschichte.

Das, was wir erleben, und auch das Verhalten, das auf unserem Erleben basiert, gehören zu den kompliziertesten Sachen, die es gibt. Auch wenn wir kein richtiges Verständnis von verhaltensbedingter Ursache und Wirkung haben, und auch wenn wir nicht an Wiedergeburt glauben, dann ist es dennoch so, dass alles, was jemals jemand getan hat, das eigene Erleben und Verhalten beeinflusst. Zudem wirkt sich auch alles, was wir im Leben getan haben, auf unser eigenes Erleben und Verhalten aus. Aus einer buddhistischen Perspektive betrifft dies alles, was wir jemals selbst getan haben, und auch alles, was alle anderen Lebewesen jemals getan haben – und zwar nicht nur in diesem Leben, sondern auch in ihren früheren Leben.

An dieser Stelle ist der Ausdruck Netzwerk sehr hilfreich. Wenn wir über Karma nachdenken, dann müssen wir über dieses unglaublich komplexe Netzwerk nachdenken, das aus allem besteht, was jemals getan wurde, und das mit allem anderen verbunden ist, und das auch beeinflusst, was jeder einzelne von uns erlebt und tut. Das ist sehr interessant, denn es ist kein symmetrisches Netzwerk. Wenn es symmetrisch wäre, dann wäre das Verhalten und das Erleben von allen Lebewesen das Gleiche. Nehmen wir hier analog dazu das Beispiel vom Urknall. Wenn alles aus einem Punkt entstanden wäre, müssten dann nicht alle Galaxien und das ganze Universum, das aus einem Punkt entstanden ist, symmetrisch sein? So ist es aber nicht. Was lässt sich daraus schließen? Wir alle sind Individuen. Wir sind nicht identisch. Auch wenn wir von denselben Dingen beeinflusst sind, hat jeder sein eigenes Karma. Und es gibt keinen Anfang. Wenn es einen Anfang gäbe, dann wäre alles symmetrisch. Denken Sie darüber nach! So fängt man an zu begreifen wie, komplex das Thema Karma ist.

Wir müssten allwissend sein, um das Thema Karma vollständig zu verstehen

Wenn wir das alles verstehen wollten, müssten wir allwissend sein, weil wir in der Lage sein müssten, alles zu verstehen und auch wie alles miteinander verbunden ist. Und nur ein Buddha kann Karma vollständig verstehen. Wenn wir über Allwissenheit nachdenken, dann müssen wir versuchen zu verstehen, dass es dabei nicht um kleine Kapseln von isolierten Informationen oder Daten über jemanden geht, wie bei einem Super-Spionage-Netzwerk. Vielmehr ist es das Wissen um dieses ganze Netzwerk, das alles mehrdimensional miteinander verbindet. Es gibt so etwas wie isolierte Daten nicht. Wenn wir über eine Sache sprechen, dann haben wir den Eindruck, dass es sich dabei um isolierte Daten handelt. Ein Buddha kennt das ganze Netzwerk, d. h. dieses unglaublich riesige Netzwerk von Karma. Dieses unglaublich große Netzwerk ist das, was ein allwissender Geist in einem Augenblick erkennt,. Wenn wir das ganze Netzwerk erkennen, dann wissen wir alles auf einmal.

Es ist jedoch nicht so, dass im Geist eines Buddha eine Billion Dateneinheiten gleichzeitig verarbeitet werden. Warum ist das nicht so? Das ist nicht so, weil wir uns fälschlicherweise vorstellen, dass der Geist eines Buddha konzeptionell arbeitet. Konzeptionelles Denken bedeutet, eine Stimme im Kopf zu haben, die sagt: „Die Telefonnummer von Person X ist soundso“ Der Buddha hat jedoch keine Stimme im Kopf, die alle Informationen des Universums gleichzeitig wiedergibt. Wenn wir Schwierigkeiten mit der Vorstellung von Allwissenheit haben, dann deshalb, weil wir die Allwissenheit konzeptionell betrachten. Sie ist aber nicht-konzeptionell. Es gibt keine Stimme in unserem Kopf, die jede Information durchgibt. Das wäre direkt. Das allwissende Bewusstsein sieht dieses ganze Netz, und wenn wir ein bestimmtes Stück davon separat betrachten und es in Worte fassen möchten, dann können wir das tun.

Wenn wir über individuelle Bestandteile sprechen, dann handelt es sich dabei eigentlich nur um die Dinge, die wir durch Begriffe und Konzepte aus diesem vielschichtig miteinander verbundenen Netz isolieren können. Wenn wir diese Dinge durch Worte und Konzepte isolieren, dann sind sie das, worauf sich die Worte und Konzepte beziehen. Aber sie existieren nicht wirklich auf diese Weise, weil sie in Wirklichkeit nur im Kontext der wechselseitigen Verbundenheit existieren. Das ist es, was Leerheit und abhängiges Entstehen bedeuten. Die Dinge existieren nicht als isolierte, kleine Dateneinheiten. Alles ist miteinander verbunden und kann durch Worte und Konzepte isoliert werden und das ist es dann, auf was sie sich beziehen, aber sie existieren nicht auf diese Weise.

Das Erkennen unserer falschen Wahrnehmung

Wenn das Thema Karma etwas ist, das nur ein Buddha verstehen kann, dann ergibt sich die Frage: Wie betrachten wir normalerweise die Dinge, die uns und anderen Menschen passieren? Die buddhistische Methode lehrt uns nicht nur eine genaue Beschreibung davon, was im Universum passiert. Die buddhistische Methode lehrt uns vielmehr, die eigenen irrtümlichen oder ungenauen Wahrnehmungen zu erkennen, und uns selbst davon überzeugen, dass diese absurd sind. Diese inakkuraten Ansichten sind wirklich falsch und deshalb können wir sie fallen lassen. Und wenn wir gleichzeitig die präzise Beschreibung der Dinge verstehen, dann müssen wir auch die Überzeugung darin entwickeln, dass diese Beschreibung tatsächlich richtig ist.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass das Wort ‚Buddha‘ im Tibetischen (Tib. sang-gyay) aus zwei Silben besteht. Die erste Silbe, sang, bedeutet „ausmisten, entrümpeln, reinigen, alle Verwirrung loszuwerden, falsches Verstehen, Begrenzungen loswerden“ und so weiter. Die zweite Silbe, gyay, bedeutet „sich entfalten; mittels eines richtigen Verständnisses und mit Hilfe von positiven Qualitäten zu wachsen“. Das Wort beschreibt den Prozess, in welchem wir ein Buddha werden: Wir beseitigen unsere Verwirrung und den Unrat, und wir entfalten unsere positiven Qualitäten. Um den Unrat aus dem Haus zu entfernen, müssen wir ihn zuerst aufspüren.

Auf dem Computer müssen wir die Fehlfunktionen und Viren erst finden, ehe wir sie löschen können. Wir müssen uns alternative Beschreibungen anschauen, die uns erklären, was mit uns selbst passiert und was im Universum geschieht. Dann können wir beurteilen, ob es sich bei den Bugs und Viren um etwas handelt, das wir aus dem internen Computersystem unseres eigenen Geistes löschen können. Wenn wir das innere System gereinigt haben, dann können wir geeignetere Programme „installieren“. Wenn wir also über diese Alternativen sprechen, dann müssen wir gleichzeitig versuchen zu erkennen, ob wir selbst tatsächlich auch so denken.

Zufall

Viele Menschen glauben, dass das, was ihnen passiert, nur Zufall ist. Zufall bedeutet, dass es keine Wahl gibt. Passieren Dinge zufällig? „Ich habe dich zufällig hier auf der Straße getroffen. Einfach so.“ „Ich bin einfach mal so in dieses Geschäft hier gegangen und da gab es tolle Sonderangebote.“ Wenn wir so denken, dann würde das bedeuten, es gibt keine Ursachen für das Geschehen. Wie kann es sein, dass es keine Ursache für etwas gibt? Was für eine Art von Leben wäre das, wenn es keine Ursachen gäbe? Das würde bedeuten, dass es für nichts, das passiert, eine Ursache gäbe. Ist es einfach aus Zufall passiert, dass letzte Woche diese zwei Flugzeuge in das World Trade Center geflogen sind? Das ist eine nicht sehr hilfreiche Art und Weise, die Dinge, die uns im Leben widerfahren, zu betrachten, nicht wahr?

Es ist interessant, dass wir es als eine unbefriedigende Erklärung zurückweisen, wenn wir sagen, dass ein Flugzeug zufällig in ein Gebäude hineinfliegt, aber dass wir den Zufall als Erklärung nicht zurückweisen, wenn wir jemanden auf der Straße treffen. Jeder muss da seine eigenen Beispiele finden. Wir akzeptieren den Zufall nicht als Erklärung für alles, aber wir tendieren dazu zu glauben, dass der Zufall einige Dinge erklären kann. Wo führt das hin? Wenn einige Dinge im Universum nicht zufällig passieren und andere schon, was sind dann die Regeln, nach denen sich Dinge ereignen? Solche Regeln zu finden wird sehr schwierig, oder nicht? Zufall ist also keine befriedigende Lösung oder Erklärung. Ein großes Warnfenster erscheint auf unserem inneren Bildschirm: Löschen!

Es wäre sehr schön, wenn wir solche Vorstellungen einfach durch einen Knopfdruck von der internen Festplatte löschen könnten. Aber es handelt sich um einen sehr widerstandsfähigen, heimtückischen und fiesen Virus, der immer wieder und wieder in unserem System auftaucht. Wir müssen sehr aufmerksam sein, um zu erkennen, wann dieser Virus wieder auftaucht und wir müssen sicher gehen, ihn tatsächlich zu löschen. Wenn wir ihn oft genug löschen, verschwindet er vielleicht aus unserem System. Das wiederholte Löschen entspricht dem Prozess der inneren Reinigung.

Man muss ein bisschen aufpassen, wenn man den Vergleich mit dem Computer wählt, denn wenn man es mit dem Vergleich übertreibt, würde man der nihilistischen Sicht Vorschub leisten, dass man seine Festplatte komplett leeren könnte und nichts übrig bleibt.

Es ist schwierig, diese infizierten Programme komplett zu löschen, aber es ist möglich, sie für immer los zu werden. Wenn wir einmal die richtigen Programme installiert haben und eine gewisse Stufe erreicht haben, auf der wir gut mit ihnen arbeiten können, dann wird das System nie mehr zusammenbrechen. Wenn wir noch nicht gut mit der neuen Software arbeiten können, kann das System abstürzen, weil wir uns noch nicht an die neue Software gewöhnt haben. Wenn wir ein neues Programm haben, dann müssen wir die Systemfehler auskundschaften und sie loswerden. Das ist analog damit zu verstehen, wenn wir noch kein richtiges Verständnis vom Dharma erworben haben. Wenn wir einmal die Bugs los ist, dann läuft das Programm stabil.

Mit dieser Analogie, kann man den Vorgang des Debattierens, wie es in der tibetischen Tradition der Brauch ist, schätzen lernen. Wenn wir versuchen, alle Bugs selbst zu entdecken und zu löschen, ist das sehr schwierig. Es ist nicht nur schwierig, sondern wir werden müde, dies wieder und wieder selbst zu tun. Wir führen diese Reinigung nicht ausdauernd genug durch. Wenn wir jedoch viele tatkräftige Experten zur Verfügung haben, die das System auf die Probe stellen, es testen und versuchen alle Fehler und Bugs im System zu finden – und das Gleiche geschieht in den Debatten, wenn andere Debattierende unser eigenes Wissen herausfordern – dann können wir alle Bugs erkennen und sie effektiver beseitigen.

Mathematische Wahrscheinlichkeit

Eine Variante der Vorstellung, dass Dinge durch Zufall geschehen, ist, dass sich die Dinge gemäß einer mathematischen Wahrscheinlichkeit ereignen. Das ist eine schöne wissenschaftliche Erklärung: „Wenn ich dich nur oft genug anrufe, dann gibt es eine mathematische Wahrscheinlichkeit, dass du zu einem bestimmten Zeitpunkt den Hörer abnimmst und ich mit dir telefonieren kann.“ Es gibt eine mathematische Wahrscheinlichkeit, dass, wenn genug Flugzeuge in der Nähe herumfliegen, eines davon in das World Trade Center fliegt. Ist das eine gute Erklärung?

Können wir eine solche Wahrscheinlichkeit auf einem Super-Computer ausrechnen und mit einer korrekten Antwort aufwarten? Es hört sich sehr schön und wissenschaftlich an, aber so funktionieren die Dinge nun einmal nicht, oder? Man kann nicht alles auf eine mathematische Wahrscheinlichkeit reduzieren. Auch wenn die Wissenschaftler versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass, wenn eine Million Affen vor Computern sitzen und sie nur genug Zeit dazu haben, einer von ihnen das gesamte Werk von Shakespeare schreiben wird, so bin ich überhaupt nicht davon überzeugt. Und wieder geht der Alarm auf dem inneren Bildschirm los: Löschen!

Glück

Die nächste Alternative ist Glück. Dinge passieren aufgrund von Glück: „Es war großes Glück, dass ich nicht so früh zur Arbeit gegangen bin und noch nicht in meinem Büro im World Trade Center war.“ „Diese andere Person hatte großes Pech, dass sie in dem Gebäude war, als die Flugzeuge hineinflogen.“ Passieren die Dinge auf diese Weise? Was würde das bedeuten? „Heute ist mein Glückstag.“ Manchmal denken wir so.

Das impliziert, dass es ein inhärentes Glück gibt, eine inhärent existierende Person, die Glück erfährt oder ein inhärent existierender Glückstag, der ganz ohne Grund existiert. Das ist nicht wirklich die Art und Weise wie die Dinge sind. Auch wenn wir glauben, dass wir, wenn wir nur genug meditieren, irgendwann einmal das Glück haben, ein Buddha zu werden. Wir müssen eine solche Haltung bis zu ihrer absurden Schlussfolgerung durchdenken. Und dann erkennen wir: Auch die Variante „Glück“ müssen wir löschen.

Schicksal

Die nächste Variante ist, dass sich die Dinge durch Fügung oder Schicksal ereignen: „Es war mein Schicksal dich zu treffen, mein Geliebter.“ Man kann darüber auch unpersönlich denken: „So ist es nun einmal.“ „Es war nun einmal das Schicksal all jener Menschen, bei diesem Anschlag zu sterben.“

Schicksal impliziert allerdings auch, dass es etwas Festes, inhärent Existierendes gibt, das nicht veränderbar ist, und so weiter. Dieses Konzept erklärt die Dinge auch nicht. Wir neigen manchmal dazu so zu denken: „Was ist mein Schicksal im Leben? Was sieht das Schicksal für mich vor?“ Ich sage es noch einmal: Wir müssen bei uns selbst anfangen und diese Geisteshaltungen bei uns selbst untersuchen. Denken wir wirklich manchmal so? „Es ist mein Schicksal, in diesem Leben etwas Großartiges hervorzubringen, etwas Bedeutendes zu tun, deshalb kann ich mich einfach zurücklehnen, muss nichts weiter tun und kann es einfach geschehen lassen?“

Wille Gottes

Wir können, das, was uns widerfährt, auch aus einer anderen Richtung heraus betrachten und sagen, dass mein Schicksal nicht unpersönlich ist, sondern dem Willen Gottes entspricht: „Diese Angriffe auf die Gebäude in New York und Washington waren Gottes Wille.“ Für manche Menschen ist das eine zufriedenstellende Erklärung. Aber dann fragt man sich, warum hat Gott das geschehen lassen? Man kann einfach sagen, dass man zwar Gottes Willen, Gottes Wege nicht verstehen kann, dass Gott aber gute Gründe für sein Handeln haben muss. Ist das eine effektive Art mit dem Leben umzugehen?

Was ist mit den Menschen, die sagen, dass es Gottes Wille sei, dass sie das Flugzeug kapern und in das Gebäude hineinfliegen? Viele Menschen behaupten, sie wüssten was Gottes Wille ist und sagen es auch. Wir müssen diese Aussagen dahingehend untersuchen, ob sie tatsächlich befriedigende Erklärungen dafür sind, was in der Welt und im eigenen Leben passiert. Warum sollte ein allmächtiges, mitfühlendes und vergebendes Wesen eine Tragödie verursachen wollen? Das ist in den religiösen Systemen ein problematisches Thema. Es ist eines der zentralen Themen. Wenn Gott allmächtig und mitfühlend ist, weshalb würde er dann Leiden erlauben? Das ist ein schwieriges Thema.

Geschick
(Vorsehung der Göttin Fortuna; engl.
good fortune; Schicksal, Glück, Los)

Die nächste mögliche Erklärungsmöglichkeit stammt aus dem antiken Rom: das Konzept des guten Geschicks. Gutes oder schlechtes Geschick. Wenn jemand eine Schlacht gewinnt bedeutet das, dass die Göttin Fortuna ihm zugelächelt hat. Die Römer warfen Gladiatoren in eine Arena mit Löwen und beobachteten, wer der von Fortuna (d. h. vom Glück oder Schicksal) begünstigte ist, wer der Gewinner ist. Dahinter steht die Vorstellung, dass der Stärkere im Recht ist. Der Sieger hat das Recht, das Geschick bzw. Schicksal auf seiner Seite.

Dieser Vorstellung entsprechend hatten die Kidnapper des Flugzeugs die Göttin Fortuna/das Schicksal auf ihrer Seite, da sie vollenden konnten, was sie taten und die Menschen, die dabei getötet wurden, hatten das Los der Göttin Fortuna nicht auf ihrer Seite. Die Menschen, die durch das Ereignis in den Tod gerissen worden sind, sind die bei der Katastrophe nicht vom Glück begünstigten Verlierer. Was für eine Art von ethischem System bringt eine solche Vorstellung hervor? „Wenn ich Erfolg habe, dann bin ich der vom Glück oder Schicksal begünstigte, und das ist gut so. Und es spielt dabei keine Rolle, wie ich gewonnen habe.“ Man macht Geschäfte und glaubt, dass es keine Rolle spielen würde, wie bestechlich man ist, denn wenn man Erfolg hat, zeigt sich dadurch, dass man Recht hat. Wer Erfolg hat, hat Recht. Es ist schon sehr erhellend zu sehen, wie sehr wir heute noch von diesen antiken Glaubenssystemen beeinflusst werden. Wir können auch diese Vorstellungen als fehlerhaft von unserer Festplatte löschen.

Recht und Ordnung

Das nächste Glaubenssystem ist, dass wir denken, Ereignisse würden wie Gerichtsverfahren oder gesetzliche Vorgänge ablaufen. Eine Sichtweise ist dabei die, dass es himmlische Gesetze gibt, und einen Gott, der uns belohnt und bestraft. Wir denken hier, es gäbe Gesetze, die von einem höheren Wesen im Himmel gemacht wurden. Wenn wir diesen Gesetzen folgen, werden wir belohnt, und wenn wir ihnen nicht folgen, werden wir bestraft. Dieser Sichtweise entsprechend sind die Anschläge am 11. September in den Vereinigten Staaten aufgrund des starken moralischen Verfalls der Einwohner der USA passiert. Es gibt religiöse Führer, welche die tragischen Vorfälle tatsächlich auf die Weise erklären, dass Gott die USA aufgrund ihres moralischen Verfalls bestraft, also aufgrund der erlaubten Homosexualität, der Abtreibungen usw. Ist das eine Erklärung, die man akzeptieren kann? Das ist gleichfalls keine gute Erklärung, nicht wahr? Vor allem ist dies deshalb kein befriedigendes Erklärungsmodell, weil es in den verschiedenen Religionen so viele Versionen von Gottes Gesetzen gibt. Wie wissen wir, welches Gottesgesetz nun stimmt – wenn wir einmal die Vorstellung beiseite lassen, dass sowieso „die eigene Meinung“ stimmt?

Eine Variante dieses Erklärungsmodell stammt von den alten Griechen, und sie besagt, dass das, was passiert, auf der Grundlage von Gesetzen passiert, die von einer weltlichen Gesetzgebern gemacht wurden. Das ist eine sehr kurzgreifende Erklärung. Diese verführerische Erklärungsweise ist in den USA sehr präsent: Was am 11. September passierte ist deshalb geschehen, weil sich die Menschen nicht an das Gesetz gehalten haben. „Wenn wir die Gesetz besser durchsetzen würde, dann würde so etwas nie wieder passieren.“

Ist das nicht ein bisschen naiv? Das ist das Denken des antiken Griechenlands: Wenn sich alle an die Gesetze halten und gute Bürger sind, dann geht es der Gesellschaft gut. Wenn die Menschen die Gesetze nicht befolgen, dann müssen sie bestraft und ins Gefängnis gesteckt werden. „Man muss Bin Laden fangen und bestrafen, dann ist das Problem gelöst.“ „Das Problem wurde nur durch die schlechten Bürgern verursacht. Es gibt keine anderen Gründe.“ „Diese Menschen halten sich nicht an das Gesetz, sie sind schlecht. So betrachtet, sind eine Verschärfung der Gesetze und mehr polizeiliche Kontrolle die Lösung.“ Ist das eine gute Erklärung für das, was im Leben geschieht? Wir müssen auch diese Erklärung als fehlerhaft zurückweisen.

Karmisches Schicksal

Im Folgenden wollen wir einige nicht-westliche Denkweisen betrachten. In der hinduistischen Erklärung wird Karma als eine Art von Schicksal beschrieben. Alle Lebewesen werden in bestimmte Kasten hineingeboren. Wenn man sich an die vorgeschriebenen Verhaltensweisen dieser Kaste hält, dann läuft alles rund und man wird eine bessere Wiedergeburt erlangen. Wenn man als Frau geboren wurde, dann hat man offensichtlich die Aufgabe zu heiraten, Kinder zu bekommen und eine gute Hausfrau zu sein, den Ehemann zu umsorgen und der Schwiegermutter die Füße zu waschen usw. Wenn alle Frauen das tun und auch die Männer die Pflichten ihrer Kaste erfüllen, dann funktioniert die Gesellschaft harmonisch und alles geht einen guten Gang. Wenn man jedoch die Pflichten der Kaste zurückweist und versucht, etwas außerhalb der Kaste zu tun, dann entsteht Chaos. In der Bhagavad Gita war es zum Beispiel so, dass, als Arjuna vor dem Dilemma stand, ob er gegen seine Verwandten in den Krieg ziehen sollte oder nicht, Krishna ihm sagte, dass er seine Pflichten erfüllen müsse, und dass es besser sei, seine Pflichten zu erfüllen als vor ihnen davonzulaufen.

Dieses Verhalten hat wahrscheinlich zu einer großen Stabilität der indischen Gesellschaft geführt. Aber welche Folgerungen könne wir daraus für die Situation in unserer modernen Welt ziehen? Die USA ist die Supermacht. Das wäre die Kaste. Was sind die Pflichten dieser Kaste? Dass Amerika die Weltpolizei ist und den Kampf der „Infinite Justice“ bzw. der „unendlichen Gerechtigkeit“ führt, um das Böse aus der Welt zu vertreiben. Wenn Amerika diesen Pflichten der Kaste nicht nachkommt, dann werden das Chaos und das Böse in der Welt regieren. Die Dämonen werden dann kommen und die Herrschaft an sich reißen. Das ist ein perfektes Beispiel für den alten hinduistischen Glauben, nicht wahr? Ist diese Art von ethischem System und deren Erklärung, was in der Welt passiert, befriedigend oder muss man wiederum die Lösch-Taste drücken?

Konformismus

Lassen Sie uns einen Blick auf das chinesische Erklärungssystem werfen. Im Konfuzianismus existieren bestimmte Normen in Bezug auf Rollenvorstellungen in der Gesellschaft. Wenn man diesen Rollenvorstellungen folgt, dann entwickelt sich in der Gesellschaft alles harmonisch. Diese Normen werden sich verändern und man muss den Veränderungen folgen. Wenn man mit den Veränderungen, die vom Kaiser oder dem Präsidenten vorgegeben werden in Einklang steht, dann wird sich alles wunderbar entwickeln. Das ist die Ethik und Mentalität des Konformismus. Dem Trend folgen. Dass z. B. die Hosen so und so lang sind usw. „Suche dir einen gut bezahlten Job und alles ist gut, und du wirst glücklich sein.“ Wenn ein Mode-Papst oder eine Mode-Queen vorgibt, dass die Röcke eine andere Länge haben sollen, dann wird alles gut, wenn man sich daran hält, und dann wird man glücklich sein. Wenn man sich nicht daran hält, dann gehört man nicht dazu.

Viele denken auf diese Weise: Wenn man ein schönes Haus hat, eine gute Arbeit und ein schönes Auto, dann wird man endlich glücklich sein. Konformität bringt Glück. Jedes Jahr muss man seinen PC aufmotzen. Es fühlt sich fast so an, als müsste man das tun, stimmt‘s? Wohin führt uns diese Art des Denkens? Wenn der Kaiser den Krieg erklärt, dann müssen alle die Fahne schwenken und der Armee beitreten. Wenn das alle tun, dann wird die Gerechtigkeit siegen. Wenn man es nicht tut, dann wird man niemals glücklich sein. Jetzt ist es Zeit, kurzen Prozess zu machen und schnell Gerechtigkeit zu schaffen, weil der Kaiser das so gesagt hat, und der weiß, was richtig ist. Die Tragödie ist allein deshalb geschehen, weil die Menschen nicht patriotisch genug waren. Wenn alle dem amerikanischen Weg gefolgt wären, wäre das nie passiert.

Karmische Investition

Als nächstes wollen wir uns die simplifizierende Weise, Dinge zu betrachten anschauen, wie sie unter chinesischen Buddhisten verbreitet ist. Das Sanskritwort karma wurde ins Chinesische mit dem Schwerpunkt auf eine Bedeutung übersetzt, die oft mit Wirtschaft in Verbindung gebracht wird. Deshalb wird Karma bei chinesischen Buddhisten vereinfacht wie eine wirtschaftliche Investition betrachtet. Wenn man Gutes tut, dann ist das wie eine gute Investition, und man wird einen Gewinn erzielen. Die Menschen, die während der Anschläge im World Trade Center eingeschlossen waren, sind demnach keine guten Geschäftsleute gewesen, zumindest was ihr Karma anbelangt. Glauben wir, dass wir uns Karma in dieser Weise erkaufen können? Glauben wir, dass die Dinge gut laufen, wenn wir gute Taten vollbringen? Können wir positive Verdienste in der Weise ansammeln wie wir unser Bankkonto mit Geld füllen? Es ist interessant, uns selbst zu untersuchen, wie wir in Bezug auf dieses Thema denken. Gute Taten sind eine karmische Investition, eine gute Versicherung. Das ist auch nicht die ganz richtige Weise, den Buddhismus zu betrachten, stimmt’s?

Humanistische Ethik

Häufig tendieren wir dazu, über das, was passiert, im Sinne von „humanistischer Ethik” nachzudenken. „Wenn wir anderen kein Leid zufügen, werden wir selbst glücklich sein. Wenn wir anderen Schaden zufügen, wird es auch für uns nicht gut laufen.“

Das ist für die meisten von uns eine angenehme Art Ethik zu betrachten, aber erklärt das tatsächlich unsere Erfahrungen? Viele Menschen, die in New York gestorben sind, waren gute Menschen. Sie waren nett und zu allen freundlich. Sie hätten keiner Fliege etwas zu Leide getan und trotzdem starben sie bei dem Anschlag. Jetzt fangen wir an, unser Verständnis des Buddhismus ernsthaft herauszufordern, nicht wahr? Der Buddhismus ist kein System humanistischer Ethik, auch wenn wir das liebend gerne so hätten. Es ist nicht so einfach, dass wir nur niemanden verletzen bräuchten, und alles ist gut. Was der Buddhismus erklärt, ist, dass die Auswirkungen unserer Handlungen auf andere ungewiss sind. Ich kann etwas ganz unschuldig zu dir sagen, und du kannst es total missverstehen und tief verletzt sein. Wie gehen wir im Sinne von humanistischer Ethik mit so einer Situation um? Ich habe ein schönes Essen für dich vorbereitet. Meine ganze Intention war, dir eine Freude zu machen und dir hat es überhaupt nicht geschmeckt. Oder noch schlimmer: Du hast dich am Essen verschluckt und bist daran gestorben. Wie erklärt man das im Sinne von humanistischer Ethik? Auch das ist keine ausreichende Erklärung, für das was uns im Leben widerfährt.

Die Sichtweise des indisch-tibetischen Buddhismus

Auch wenn wir natürlich versuchen uns so zu verhalten, dass wir andere nicht verletzten, ist das nicht die tatsächliche Grundlage der buddhistischen Erklärung von Karma und Ethik. Die buddhistische Erklärungsweise gemäß der indisch-tibetischen Tradition ist, dass wenn die Handlungen von störenden Gefühlen begleitet sind, wie etwa Wut, Gier oder Unwissenheit, dann wirken sie destruktiv. Es ist unerheblich, welchen Effekt meine Handlungen auf irgend jemand anderes haben; meine Handlungen werden einen destruktiven Effekt auf mich selbst haben und die Erfahrungen, die ich in Zukunft machen werde, beeinflussen. Wenn ich beispielsweise dein Auto stehle, könnte es sein, dass du dich sogar darüber freust, weil du dann das Geld von der Versicherung kassieren und dir ein neues Auto kaufen kannst. Was gewiss ist, ist der Effekt, den unsere Handlungen auf uns selbst haben; es ist nicht gewiss, welche Auswirkungen unsere Handlungen auf andere haben.

Wenn wir uns selbst untersuchen, dann erkennen wir, dass wir nicht nur in Form von einem einzigen der erwähnten Glaubenssysteme denken, sondern dass wir normalerweise verschiedene Erklärungsmodelle miteinander kombinieren. Einige Dinge erklären wir im Sinne von „da habe ich aber Glück gehabt“ und andere im Sinne von „Recht und Ordnung“. Es ist sehr wichtig, dass wir versuchen zu erkennen, wie wir in unserem eigenen Denken verschiedene Glaubenssystemen miteinander vermengen, und sich diese Verhaltensweise ins Bewusstsein zu bringen – oder wie man im westlichen Sprachgebrauch sagen würde: Es ist gut, sich dieser verschiedenen Erklärungsmodelle gewahr zu werden. Wenn wir jedes dieser Erklärungssysteme für uns selbst untersuchen und erkennen, dass sie nicht akzeptabel sind, dann erkennen wir bei uns selbst, dass wir auf diese Weise denken und fühlen, und dann können wir das jeweilige System entsprechend ablehnen.

Dies ist ein wichtiger Prozess, um gegen die eigenen Leiden anzugehen. Viele Menschen leiden darunter, dass sie das Ereignis miterlebt haben und denken über die Dinge nach, die in den USA am 11. September 2001 passiert sind. Warum? Sie tun das deshalb, weil viele Menschen ihr Leben verloren haben. Aber wären die Menschen genauso betroffen, wenn ein Flugzeug in ein afrikanisches Dort geflogen wäre und die gleiche Anzahl an Menschen getötet hätte? Für die meisten Menschen wäre das nicht so schockierend. Man kann sagen, dass es von den Medien übertrieben dargestellt wurde; aber das ist nur ein Medien-Hype.

Wenn wir unsere eigene Situation analysieren, dann entdecken wir, dass das, was uns so aufwühlt und bestürzt macht, ein Gefühl großer Unsicherheit ist. Amerika schien bisher unangreifbar und jetzt ist das Leben unsicher geworden. Die Menschen fürchten sich nun davor im Flugzeug mitzufliegen und so weiter. Man kann sich selbst fragen: „Weshalb fühlen wir so? Welche Erklärung der Ereignisse verwende ich hier, dass ich mich so fühle? Habe ich das Gefühl, dass das, was passiert ist, keine Ursache hat, dass es einfach willkürlich ist?“

Zuvor haben wir vielleicht gedacht, dass wir selbst alles unter Kontrolle haben oder dass die Regierung alles unter Kontrolle hat. Dass wir denken, es gäbe eine Autorität, die stark genug wäre, alles Schlechte zu verhindern, ist jedoch lediglich eine weitere fehlerhafte Sichtweise. Es ist die Sichtweise eines Kindes: „Wenn mein Vater stark genug ist, bin ich vor allem Übel geschützt.“ Wenn diese Sichtweise herausgefordert wird, dann heißt das, dass die Dinge außer Kontrolle sind. Alles kann dann passieren, was wiederum impliziert, dass alles aus Zufall geschieht, ohne Ursachen. „Und jetzt haben die Teufel, die den Gesetzen nicht folgen, die Macht an sich gerissen.“ Das macht uns unsicher, weil wir glauben, dass das, was passiert, nur deshalb geschieht, weil Recht und Ordnung zusammengebrochen sind. Wenn die kriegerische Operation „Infinite Justice“ durchgeführt wird (deutsch wörtlich: „Operation unendliche Gerechtigkeit“; die Operation Infinite Justice war eine vom Verteidigungsministerium der USA geplante militärische Vergeltungsaktion als Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon. Anm. des Lektors) und wir gewinnen, werden wir uns dann wieder sicher fühlen? Weil ja die, die gewinnen, diejenigen sind, die Recht haben und die das Schicksal auf ihrer Seite haben? Wird das wirklich so funktionieren? Ergibt das wirklich Sinn? Denken wir wirklich so? Wenn wir nur genug die Fahnen schwenken, werden wir uns dann sicherer fühlen?

Es ist sehr interessant. Wenn wir damit beginnen, unser Denken in dieser Weise zu analysieren, dann fangen wir an die Wahrheit zu entdecken, die uns der Buddhismus aufzeigt: Wenn wir eine störende Geisteshaltung haben, die auf einer falschen Art der Wahrnehmung der Welt beruht, dann erzeugt dies Leiden. Das Wort klesha im Sanskrit wird manchmal als „negative Emotion“ übersetzt. Emotionen sind jedoch nur die Hälfte der Sache. Man kann eben auch eine störende Geisteshaltung bzw. eine verdrehte Sichtweise auf das Leben haben, die gleichfalls Leiden verursachen.

Überlegungen zu Karma

Wir erkennen, dass das, was sich im Leben ereignet, sehr komplex ist. Viele Faktoren sind an dem, was geschieht, beteiligt – es gibt historisches, politisches, individuelles Karma und so weiter. Tatsache ist, dass wir niemals die Kontrolle darüber erlangen können, was mit uns und anderen passiert. Wenn wir plötzlich empfinden, dass wir die Dinge nicht mehr unter Kontrolle haben, so handelt es sich dabei um die störende Emotion, die ich als „Naivität“ bezeichne. Vor vielen Jahren habe ich diesen Ausdruck als „Engstirnigkeit“ übersetzt, aber das ist keine wirklich genau Übersetzung des Begriffs. Es handelt sich um Naivität oder Unbedarftheit. Wir können erkennen, wie es Leiden verursacht, wenn wir naiv denken.

Was ist die Lösung für etwas so Komplexes? Es geht nicht darum, dass wir einfach daran arbeiten, mehr positives Karma aufzubauen, sodass uns solche Dinge nicht mehr passieren. Genauer gesagt ist es so, dass wir nicht mehr in irgendwelche schwierigen Situationen hineingeraten werden, wenn wir uns von unserem Karma vollständig befreien. Wir müssen daran arbeiten, dass wir alle Lebewesen dabei unterstützen können, sich von ihrem Karma zu befreien. Es ist viel komplexer, als nur eine Sache zu erledigen, wie etwa Bin Laden zu fangen, und zu glauben, dass es dann keine Tragödien mehr geben würde. Auch wenn die USA ihre Politik in Bezug auf die Dritte Welt und die islamische Welt ändert, ist das Leben immer noch komplexer, als dass es ausreichen würde, einfach solche Veränderungen herbeizuführen.

Eines der karmischen Gesetze ist, dass Dinge nicht als Resultat von nur einer Ursache hervorgehen. Was geschieht, ist das Resultat von unzähligen, miteinander verbundenen Ursachen. Das heißt nun nicht, dass wir uns einfach zurücklehnen und nichts tun sollten. Wir können einen Tropfen Wasser in ein Fass geben, ohne den Effekt dieses weiteren Tropfens zu übertreiben oder zu verleugnen. Eine Aussage des Buddha war, dass das Fass weder vom ersten noch vom letzten Tropfen gefüllt wird, sondern durch die Summe einer Vielzahl von Tropfen. Wir können daran denken, dass wir an unserem eigenen Karma arbeiten, bezüglich der Art, wie wir mit einer Situation umgehen. Wir können Mitgefühl für die Menschen empfinden, die gestorben sind, und für deren Familien, aber wir werden wegen der Geschehnisse nicht ausflippen. Wir arbeiten daran, so positiv wie möglich zu sein. Aber passen Sie dabei auf, dass Sie nicht in das extreme Denken verfallen, dass Sie sich ihr Glück und ihre Sicherheit mit positivem Potenzial erkaufen können.

Eine konstruktive Art, wie wir uns in Bezug auf diese Situation verhalten können, ist zu erkennen, dass die Situation uns dabei unterstützt, auf eine weitere grundlegende Lehre aufmerksam zu werden: Der Tod kann jederzeit eintreten. Besser als darüber auszuflippen, dass der Tod jederzeit eintreten kann, können wir von unseren Möglichkeiten Gebrauch machen und nicht einfach unsere Zeit verschwenden, ohne dabei in ein selbstzerstörerisches Extrem zu verfallen und fanatisch zu werden. Wie eines meiner liebsten Zen-Koans besagt: „Der Tod kann jeden Moment eintreten, also entspann dich.“

Wenn wir über Karma und das Aufbauen positiver Kraft nachdenken, dann müssen wir die naive Vorstellung vermeiden, dass alles in unserem Leben als Resultat unserer Bemühungen immer besser und besser wird. Nur weil wir positiv denken und handeln, macht uns das nicht immun gegen Katastrophen – es nicht so als hätten wir durch unsere positiven Kräfte eine unbezwingbare, karmische Blase um uns herum. Wir denken sonst vielleicht: „Ich bin durch meine Zuflucht geschützt! Ich bin unverwundbar! Ich visualisiere meinen Guru über meinem Kopf und habe daher besondere Kräfte. Ich bin unbesiegbar! Ich trage mein rotes Schutzband um meinen Hals!“ Wie ein Lehrer gesagt hat: „Glaube nicht, dass du ein Schwein, das geschlachtet werden soll, dadurch vor dem Tod bewahren wirst, dass du dem Schwein ein rotes Schutzband um den Hals bindest!“ Auch wenn die Menschen im World Trade Center alle rote Schutzbänder um den Hals getragen hätten, bezweifle ich, dass sie den Aufprall der Flugzeuge und den Einsturz der Türme überlebt hätten.

Wir müssen erkennen, dass es auch dann in unserem Leben auf und ab gehen wird, wenn wir viele positive Dinge in einer richtigen Weise tun. Das Auf und Ab ist die Natur von Samsara. Wir haben seid anfanglosen Zeiten alle möglichen Arten von Karma aufgebaut. Entsprechend unseres Bewusstseinszustandes, den Umständen und so weiter, werden verschiedene Dinge in unserem Bewusstseinskontinuum heranreifen. Deshalb gehen wir davon aus, dass uns beispielsweise auch die Astrologie nicht alle Antworten darauf geben kann, was uns im Leben widerfahren wird.

Karma und Astrologie

Es gibt zahlreiche Debatten zum Thema Karma und Astrologie, die ich sehr interessant finde. Können wir vorhersagen, was mit uns und der Welt geschehen wird? In einigen buddhistischen Lehren findet die Astrologie Verwendung – speziell im Kalachakra-Tantra. Ein großer tibetischer Meister hat jedoch gesagt: Wenn die Astrologie alles erklären könnte, dann müssten ein Mensch und ein Hund, die zur selben Zeit und am selben Ort geboren wurden, exakt die selbst Persönlichkeit haben, und es müssten ihnen dieselben Dinge im Leben widerfahren. Wir können zu dem Schluss kommen, dass Karma weitaus komplexer ist, als das was ein Horoskop aufzeigen kann. Es gibt noch viel mehr Kräfte, die dabei involviert sind, was mit uns und der Welt geschieht, außer den Himmelskörpern (Planeten) und den Winkeln, in denen sie sich zueinander bewegen.

Ich glaube, wenn wir alle Horoskope der Menschen, die im World Trade Center umgekommen sind, genau anschauen und analysieren würden, dann hätten wir große Schwierigkeiten, einen Weg zu finden, wie wir das Ereignis hätten vorhersagen können. Auch wenn wir die vereinfachende Sichtweise der Astrologie zurückweisen, die besagt, dass das, was wir erleben, aufgrund der Bewegung dieser Planeten da draußen passiert, oder aufgrund der Götter und Göttinnen, die auf diesen Planeten oder Sternen leben, müssen wir trotzdem in Bezug auf unser Verständnis von Astrologie etwas vorsichtig sein. Die Astrologie erlaubt uns eine Reflexion bestimmter grundlegender karmischer Themen, sie zeigt uns jedoch nicht das ganze Bild. Ich glaube, dass das Model der mathematischen Wahrscheinlichkeit hier passender ist, um die Astrologie zu verstehen. Es gibt eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, dass sich ein bestimmter Typ von Persönlichkeit entwickelt und dass sich bestimmte Ereignissen entfalten, wenn jemand zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geboren wird. Aber es gibt auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas ganz anderes passiert. Was wir versuchen müssen ist, dass wir die störenden Geisteshaltungen, die sich hinter dem Aberglauben verbergen, nämlich die Haltung, dass es da ein großes, stabiles „Ich“ gibt und dass dieses „Ich“ die Kontrolle über das, was passiert, haben muss: „Wenn ich weiß, was passieren wird, dann kann ich die Situation kontrollieren, ich kann mich darauf vorbereiten und einstellen.“

Das ist die Mentalität eines „Kontroll-Freaks“. Wir schauen uns unser Horoskop an, legen Tarot-Karten oder das I Ging, oder wir gehen zu einem tibetanischen Lama, der uns mit Würfeln ein Mo legt, um so Voraussagen für unsere Zukunft zu machen. Wir hoffen darauf, dass wir, wenn wir so handeln, genau wissen, was passieren wird. Wir hoffen, dass wir dann alles unter Kontrolle haben werden. Solche eine Mentalität basiert auf Naivität, nicht wahr? Diese Naivität ist deshalb ein störender Geisteszustand, weil wir uns stets unsicher fühlen werden. Wir haben noch immer ein falsches Empfinden von Sicherheit, und wenn die Dinge dann nicht so klappen wie wir uns das gedacht haben, ist unser Vertrauen erschüttert. All das ist Leiden.

Es ist besser, wenn wir solche Konsultationen und Ratschläge von Astrologen und Lamas in etwa so wie einen Wetterbericht auffassen. Wenn es eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass es regnet, dann nehmen wir einfach einen Regenschirm mit, aber wir wissen, dass es vielleicht auch nicht regnen wird. Es ist gut, dass es Wetterberichte gibt, aber wenn wir den Wetterbericht sehr wörtlich nehmen, können wir in große Schwierigkeiten geraten. Ich persönlich halte die Astrologie für hilfreich, aber wir benötigen ihr gegenüber eine besonnene und wohlüberlegte Einstellung.

Karmisches Bingo und die Vier Edlen Wahrheiten

Wir können erkennen, dass Karma davon handelt, wie wir uns verhalten und was uns widerfährt. Hier wird das Verhalten ganz speziell vor dem Hintergrund betrachtet, ob es von einer störenden Emotion begleitet ist oder nicht. Wir können die buddhistische Herangehensweise an Karma am besten verstehen, wenn wir die Struktur verwenden, die der Buddha selbst gelehrt hat, nämlich die Vier Edlen Wahrheiten. Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, betont stets, dass es wichtig sei, jede buddhistische Lehre innerhalb des Rahmens der Vier Edlen Wahrheiten zu betrachten. „Edel“ bezieht sich auf die Aryas, also jene, die die Realität nicht-konzeptionell wahrgenommen haben. Diese Wahrheiten sind das, was die Aryas als wahr ansehen. Menschen, die die Realität nicht direkt wahrgenommen haben, würden die Vier Edlen Wahrheiten überhaupt nicht begreifen. Manchmal nenne ich sie „die vier Tatsachen des Lebens“. Es sind Tatsachen. Es ist einfach so.

Die erste dieser Wahrheiten wird gewöhnlich als „Die Wahrheit des Leidens” übersetzt. Ich spreche hier gerne von „echten Problemen“. Sie bezieht sich auf das Empfinden von Glück, Unglücklichsein oder Neutralität. Alle drei Empfindungen sind problematisch und sie reifen aus Karma heran. Sich unglücklich fühlen, Schmerz empfinden und Leid erfahren sind ganz offensichtlich Probleme. Dann gibt es da auch noch das „befleckte“ Glück. Das ist das gewöhnliche Glück. Auch das ist ein Problem. Das Problem ist, dass es nicht andauernd ist und es keinerlei Probleme oder Fragen löst. Das Gefühl glücklich zu sein ist schön, na und? Was haben wir davon? Selbst dann, wenn wir unser ganzes Leben im Urlaub verbringen würden, wären wir nicht glücklich, sondern würden uns langweilen.

Der dritte Aspekt ist die Neutralität. Die Dinge gehen einfach ihren Gang. Aber das wahre, das tiefste Problem ist, dass wir keine Ahnung haben, was als nächstes passieren wird. Dies wird als „all-umfassendes, alles-durchdringendes Problem“ bezeichnet. Es gibt absolut keine Garantie dafür, wie wir in der nächsten Minute empfinden werden, nicht wahr?

Wir schauen vielleicht entsetzt zu, wie die Flugzeuge in das World Trade Centre krachen und denken, dass dies das Schlimmste sei, was es in Samsara überhaupt geben kann. Aber diese Anschläge sind nicht das Schlimmste. Das Schlimmste in Samsara ist die andauernde Ungewissheit. Ein Krieg ist wirklich eine äußerst schreckliche Angelegenheit. Wirklich schlimm ist jedoch, dass es in Samsara immer wieder und wieder Kriege geben wird. Und es kann jederzeit zu einem Krieg kommen.

Wir müssen Samsara in seiner Natur erkennen. wir müssen uns aus dieser samsarischen Situation befreien. Wir sprechen hier nicht nur darüber, einen Krieg zu beenden und dann in Frieden zu leben, und dass dann endlich alles gut ist. Wenn wir über Entsagung sprechen, dann sprechen wir über darüber, dass wir diese Ungewissheit, dass alles Mögliche zu jederzeit passieren kann, ablegen und sie ein für alle Mal loswerden. Wir möchten da wirklich raus.

Die erste Tatsache des Lebens bezieht sich also auf die Auswirkungen von Karma: Wir erleben Leid, haben schöne Erlebnisse, die nicht von Dauer sind, und wir sind mit dem Phänomen des Auf und Abs konfrontiert, ohne Gewissheit darüber zu haben, was als nächstes passieren wird.

Die zweite Tatsache besagt, dass diese Erfahrungen als Auswirkungen unseres Karma zustande kommen, also aufgrund unserer störenden Emotionen und Geisteshaltungen. Wenn wir Schmerzen und großes Leid erleben, dann deshalb, weil wir früher destruktiv gehandelt haben. Wir handeln destruktiv, weil wir von störenden Emotionen beeinflusst sind – insbesondere von Gier und Hass. Wir sind gierig und stehlen deshalb etwas. Wir sind wütend und töten deshalb jemanden. Das Glück, das uns nicht letztendlich zufriedenstellt, ist das Ergebnis von konstruktiven Handlungen, die unter dem Einfluss einer störenden Geisteshaltung ausgeführt wurden, und die mit Naivität vermischt sind. Wir glauben, dass es uns glücklich machen wird, wenn wir nur hart genug arbeiten, eine positive Einstellung dem Leben gegenüber haben und Geld für einen Urlaub sparen. Vielleicht haben wir im Urlaub eine schöne Zeit, aber das führt nicht zu einer Lösung unser wirklichen Probleme. Wir müssen nach dem Urlaub wieder zurück an unsere Arbeit. Wir haben in Bezug auf die wahren Ursachen des Glücks mit einer störenden Geisteshaltung und mit Naivität gehandelt.

Dass sich die Dinge in unserem Leben positiv und negativ entwickeln, dass es auf und ab geht, ist eine Auswirkung unserer eigenen positiven oder negativen Handlungen, die jeweils mit Verwirrung verbunden. Deshalb sind unsere Erfahrungen auch so unterschiedlich. Wir haben solch einen enormen Vorrat von karmischem Potenzial, und es gibt Billionen von Umständen, die noch eine Rolle spielen. Bei so vielen Einflussfaktoren geht es natürlich auf und ab. Wenn man das Bild eines Bingo-Spiels heranzieht, in dem die nummerierten Ping-Pong-Bälle aus einer Maschine herausgeschossen kommen, wenn wir auf einen Knopf drücken, dann ist das in etwa so, dass wir eine grenzenlose Anzahl von Ping-Pong-Bällen karmischen Potenzials angesammelt haben. Und wir haben keine Ahnung, welcher Ping-Pong-Ball als nächstes aus der Maschine herausgeschossen kommt. Auch wenn wir begreifen, dass die Ping-Pong-Bälle durch die sehr komplexen karmischen Gesetzen entstanden sind, so ist es immer noch ein blödes Spiel – karmisches Bingo! So lange wie wir das karmische Bingo mitspielen, werden wir nie gewinnen.

Das führt uns zu der Dritten Edlen Wahrheit, der wahren Beendigung des Leidens und seiner Ursachen. Durch die wahre Beendigung des Leidens und seiner Ursachen erlangen wir die Freiheit, dieses Spiel nicht mehr mitspielen zu müssen. Wäre das nicht wundervoll? Die dritte Tatsache besagt, dass es möglich ist, eine solche Freiheit zu erlangen und wir diese auch tatsächlich selber erlangen können. Wir können das Spiel des karmischen Bingo für immer beenden.

Die Vierte Edle Wahrheit beinhaltet, wie wir das Verständnis und die Verwirklichungen und so weiter erlangen, mit denen wir Karma eliminieren können, und wie wir die störenden Gefühle, störenden Geisteshaltungen und ihre Tendenzen beseitigen können. Das karmische Bingo ist ein äußerst heimtückisches Spiel. Jedes Mal, wenn wir den Knopf drücken und ein Ball herausschießt, wird dem Spiel ein weiterer Ball hinzugefügt. Um aus diesem Spiel herauszukommen, müssen wir die Verwirrung loswerden, die uns glauben lässt, dass wir den Knopf immer wieder und wieder drücken müssen. Wenn wir die Verwirrung erst einmal losgeworden sind, dann sind wir raus aus dem Spiel. Es ist nicht so, dass wir alle Ping-Pong-Bälle aus dem Korb herausholen müssen. Das wäre eine endlose Aufgabe. Die störenden Gefühle und Geisteshaltungen führen dazu, dass Karma heranreift und wir immer mehr Karma aufbauen. Wenn wir die Verwirrung beseitigen und durch ein korrektes Verständnis ersetzen, dann beenden wir die störenden Emotionen und Geisteshaltungen, weil sie in Verwirrung wurzeln.

Ich habe das Thema hier sehr vereinfacht dargestellt, aber vielleicht können wir damit beginnen, eine Verbindung zum buddhistischen Weg herzustellen, d. h. unter anderem zur Vierten Edlen Wahrheit, die es uns erlaubt, die dritte Tatsache zu erreichen, was wiederum bedeutet, dass wir nicht mehr der Naivität erliegen. Frei zu sein von Naivität bedeutet wiederum, dass wir nicht mehr daran glauben, dass wir jeden karmischen Müll, der im Geist auftaucht, ausleben müssten,. Diese Analogie kann uns auch dabei unterstützen, eine gute Einstellung gegenüber der Entsagung zu entwickeln, was bedeutet, dass wir einen grundlegenden Widerwillen und einen absoluten Überdruss gegen dieses dumme karmische Bingo-Spiel entwickeln. Wenn wir Entsagung entwickelt haben, denken wir: „Ich bin das Spiel leid; mich langweilt dieses Spiel, ich möchte kein karmisches Bingo mehr spielen. Ich möchte hier raus!“

Lassen Sie uns darüber einen Moment lang kontemplieren.