Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Eine kurze Geschichte des Klosters Katog

Alexander Berzin, 1991, ergänzt im September 2003
Originalversion publiziert in
"Nyingma Monasteries." Chö-Yang, Year of Tibet Edition
(Dharamsala, Indien), (1991).
Deutsch: Nailu Sari

Das Kloster Katog Dorjeden (tib. Ka:-thog rDo-rje gdan dGon-pa, Kloster Kathog) liegt im Distrikt von Derge (tib. sDe-dge) in der südöstlichen tibetischen Provinz Kham (tib. Khams). Es handelt sich um eines der sechs wichtigsten Klöster der Nyingma-Tradition und wurde 1159 vom Kadampa Desheg (tib. Ka-dam-pa bDe-gshegs) (1122-1192) gegründet.

Guru Rinpoche Padmasambahva (tib. Gur-ru Rin-po-che Pad-ma ‘byung-gnas) hatte folgende Prophezeiung gemacht: im Osten, in Kham, würde auf den Flanken eines Felsberges mit einer Löwenform ein Kloster namens Ka sein. Dieses würde Lehren und künftigen Schülern unumkehrbaren Nutzen bringen. Außerdem hatte Jamton Rinpoche (tib. ‘Jam-ston Rin-po-che), Kadampa Desheg’s Lehrer, gesagt, dass es äußerst dienlich für die Praxis zahlloser Wesen gewesen wäre, wenn er nach Katog (wörtlich: „obenliegend auf Ka“) ginge. Aufgrund dieser Voraussagen machte sich Kadampa Desheg auf die Suche nach einem solchen Ort. Er fand ihn auf den Flanken des Yülri-Berges (tib. Yul-ri). Nicht nur, dass der Berg eine löwenartige Form hatte: er fand außerdem auf einem Fels auch einen natürlich geformten Buchstaben „Ka“. Er erbaute den Haupttempel des Klosters auf diesem „Ka“ und nannte das Kloster „Katog.“ So wurden alle Prophezeiungen erfüllt.

Auch das Kommen von Dampa Desheg selbst war von Padmasamhava prophezeit worden. Dieser hatte gesagt: „In der Zukunft werden ich mich in der Form eines Mönches manifestieren und Katog gründen. Ich werde das Tantra fördern, alle Lehren aufrechterhalten und diejenigen anleiten, die eine Verbindung zum Reinen Land Sukhavati (tib. bDe-ba can) haben.“ Bevor er bei Jamton Rinpoche die Nyingma-Tradition studierte, hatte Dampa Shegpa unter Gampopa (tib. Dvags-po Lha-rje sGam-po-pa bSod-nams rin-chen) (1079-1153) die Lehren des Kagyü-Mahamudras (tib. phyag-chen, Großes Siegel) und die Kadampa-Lehren gemeistert.

Katog hat 112 Zweigklöster – nicht nur in Tibet, sondern auch in der Mongolei, im Inneren China, in Yünnan und in Sikkim. So gründete beispieslweise Katog Rigdzin-Tsewang-Norbu (tib. Ka:-thog Rigs-‘dzin Tshe-dbang nor-bu) (1698-1755) eine große Zweigniederlassung in Sikkim, und als der Achte Tai Situ Rinpoche, Situ Panchen Chökyi-Jungne (tib. Si-tu Pan-chen Chos-kyi ‘byung-gnas) (1700-1744) China besuchte, residierte er im Zweigkloster von Katog auf dem fünfgipfeligen Berg des Manjushri (tib. Ri-bo rtse-lnga, Chin: Wutai Shan) im Südwesten von Beijing.

Rigdzin Tsewang-Norbu ist dafür wohlbekannt, dass er die Sicht des „Zhentong” (tib. gzhan-stong, Anderesleerheit) an Situ Panchen vermittelte. Diese Sicht, die sich ursprünglich in der Jonang-Linie (tib. Jo-nang) der Sakyas findet, wurde während der Zeit des Fünften Dalai Lamas, Ngawang-Losang-Gyatso (tib. rGyal-dbang lnga-pa chen-po Ngag-dbang blo-bzang rgya-mtsho) (1617-1682) zurückgewiesen und unterdrückt. Situ Panchen von der Karma Kagyü-Linie verbreiteten die Sicht der Anderesleerheit aber wieder. Sie findet sich vor allem bei zahlreichen Meistern der Karma Kagyü-, der Shangpa Kagyü- und der Nyingma-Schulen. Ihre Interpretation dieser Sicht unterscheidet sich allerdings von der, die man den Jonangpas zuschreibt und die von Meistern aller vier tibetischen Traditionen zurückgewiesen wurde. Außerdem unterscheiden sich die Interpretationen in den Kagyü- und Nyingma-Schulen voneinander.

Der traditionelle Verlauf von Studium und Praxis im Kloster Katog umfasst Sutra, Tantra, Medizin, Astrologie, Grammatik und Dichtkunst. Das Kloster stand 1959 in voller Blüte und hatte damals 1050 Mönche.