Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Eine kurze Geschichte des Klosters Ganden

Alexander Berzin, 1991
ergänzt mit Tsenzhab Serkong Rinpoche II, September 2003
Originalversion publiziert in
"Gelug Monasteries." Chö-Yang, Year of Tibet Edition
(Dharamsala, Indien), (1991).

Deutsch: Nailu Sari

Die Gründung des Klosters Ganden Nampar-Gyalway-Ling (tib. dGa’-ldan rnam-par rgyal-ba’i gling dGon-pa) durch Je Tsongkhapa Losang-Dragpa (tib. rJe Tsong-kha-pa Blo-bzang grags-pa) (1357-1419) war von Buddha Shakyamuni vorausgesagt worden. Im Wurzeltantra des Manjushri (‘Jam-dpal rtsa-rgyud) sagte Buddha: „Nachdem ich diese Welt verlassen habe und wenn die Erde trostlos wird, dann wirst du die Form eines Kindes annehmen und die Taten eines Buddhas ausführen. Zu dieser Zeit wird es im Land des Schnees ein großes Kloster Namens Rabga (tib. Rab-dga’) geben.” „Ga“ ist die erste Silbe von „Ganden.“

Als Tsongkhapa dem Buddha in einem früheren Leben als Junge einen Kristallrosenkranz schenkte, prophezeite der Buddha in der Lehrrede „Sutra, das an König Dam-Ngag-Bogpa gelehrt wurde“ (tib. mDo-sde gDams-ngag ‘bog-pa’i rgyal-po’i bstan-pa): „Oh Ananda, dieser kleine Junge, der mir einen Kristallrosenkranz geschenkt hat, wird meine Lehren wiederherstellen. In einer zukünftigen Zeit des Verfalls wird er ein Kloster gründen, das ‚Ge’ (tib. dGe) heißen wird und das auf der Grenze zwischen Dri (tib. ‘Bri) und Den (tib. lDan) liegen wird. Sein Name wird Losang sein.“ „Ge“ ist eine Variante der ersten Silbe von „Ganden.“ Als Gegengeschenkt erhielt der Junge vom Buddha eine Muschelschale, die dieser seinerseits von einem Naga-König erhalten hatte. Buddha vertraute diese Muschel seinem Schüler Maudgalyayana an, der sie in Tibet vergrub, als einen glücksverheißenden Schatz für die zukünftige Verbreitung der Lehren.

1409 begründete Tsongkhapa das Große Gebetsfestival (tib. sMon-lam chen-mo) am Jokang Tempel von Lhasa (tib. Lha-sa Jo-khang, Jokhang). Danach waren Tsongkhapas Schüler besorgt, dass das ständige Reisen seiner Gesundheit abträglich sein könnte. Daher boten sie im nach dem Gebetsfestival an, ein Kloster zu gründen wo auch immer er es wünschen würdee. Tsongkhapa nahm das Angebot an und wählte den Drogri-Berg (tib. ‘Brog ri- bo-che), etwa 50 Kilometer östlich von Lhasa. Er weihte das Land persönlich und nannte das Kloster „Ganden“, was auf Sanskrit „Tushita“ heißt, der Name des Reinen Landes des zukünftigen Buddha Maitreya.

Noch im selben Jahr 1409 wurden der Haupttempel und mehr als siebzig Gebäude unter strikter Beachtung der indischen monastischen Regeln fertiggestellt. Im darauffolgenden Jahr barg Tsongkhapa auf einem Hügel hinter Ganden die Schatz-Muschelschale aus der Erde, die Maudgalyayana dort vergraben hatte. So hatten sich alle Prophezeiungen über das Ganden-Kloster erfüllt. Im Jahr 1416 schenkte Tsongkhapa die Muschelschale von Ganden seinem Schüler, Jamyang Chöje (tib. ‘Jam-dbyangs Chos-rje bKra-shis dpal-ldan) (1379-1449), der später im selben Jahr das Drepung-Kloster (tib. ‘Bras-spungs dGon-pa) gründete. Die Muschelschale wurde seitdem in Drepung aufbewahrt. Ein weiterer enger Schüler, Jamchen Chöje (tib. Byams-chen Chos-rje Shakya ye-shes) (1354-1435) gründete 1419 – im Todesjahr von Tsongkhapa – das Kloster Sera (tib. Se-ra dGon-pa).

Tsongkhapa residierte bis an sein Lebensende oft in Ganden. In diesem Kloster starb er und seine Überreste wurden hier aufbewahrt. Der Bau des Haupttempels von Ganden mit seinen großen Statuen und dreidimensionalen Mandalas wird als die vierte große Tat im Leben Tsongkhapas angesehen.

Seit seiner Gründung ist Ganden der Sitz des Ganden Tripa (tib. dGa’-ldan Khri-pa) gewesen. Der Ganden Tripa ist der Halter des Goldenen Thrones von Ganden und das Haupt der Gelug-Tradition. Diese Tradition, die auf Tsongkhapa zurückgeht, wird auch nach dem Ganden-Kloster als „Ganden-Tradition“ (tib. dGa’-ldan lugs) bezeichnet. „Lug“ bedeutet Tradition und „Gelug“ ist eine Abkürzung für „ Ganden Lug.“

Der erste Ganden Tripa war Gyaltsabje (tib. rGyal-tshab rJe Dar-ma rin-chen) (1364-1432), dem Tsongkhapa seine Robe und seinen Stab überreichte, bevor er starb. Der zweite war Kedrubje (tib. mKhas-grub rJe dGe-legs dpal-bzang) (1385-1438). Der jetzige Thronhalter Tri Rinpoche Yeshe-tubten (tib. Khri Rin-po-che Ye-shes thub-bstan) ist der neunundneunzigste dieser Linie. Die Amtszeit beträgt sieben Jahre.

Das Ganden Kloster ist in zwei Colleges aufgeteilt: Jangtse (tib. Byang-rtse Grva-tshang) und Shartse (Shar-rtse grva-tshang), was Nördlicher Gipfel bzw. Östlicher Gipfel bedeutet. Einer Tradition zufolge erhielten sie diese Namen, weil sie nördlich und östlich vom Haupttempel von Ganden liegen.

Zur Zeit des Zweiten Ganden Tripas, Kedrubjes, war das Kloster Ganden in vier Colleges geteilt worden. Später in seiner Amtszeit fusionierten das College Palden (tib. dPal-ldan Grva-tshang) und das College Yardrog (tib. Yar-‘brog Grva-tshang) zu einem einzigen, dem Ccollege Jangtse-. Das College Panchen Shakya-Shri (Pan-chen Sha-kya-shri Grva-tshang) und das College Chodrag (tib. Chos-grags Grva-tshang) dagegen fusionierten zum College Shartse. Der Autor des Textes „ Sonnenstrahlengleiches Geistestraining“ (tib. Blo-sbyong nyi-ma’i ‘od), Horton Namka-Palsang (tib. Hor-ston Nam-mkha’ dpal-bzang), wird als der Begründer des Colleges Jangtse angesehen, während man Neten Rinchen-Gyaltsen (tib. gNas-brtan Rin-chen rgyal-mtshan) als den Vater des Shartse-Colleges ansieht. Während der Amtszeit des einundzwanzigsten Ganden Tripa fusionierte auch das später entstandene College Sangpu Nyarong (tib. gSang-phu nyag-rong Grva-tshang) mit Shartse.

Das Jangtse-College, in dem sich der Wohnsitz Tsongkhapas befand, hatte ursprünglich dreizehn Unterabteilungen oder „Kangtsen“ (tib. khang-tshan): dies waren die Kangtsen von Lubum (tib. Klu-‘bum Khang-tshan), Tsawa (Tsha-ba Khang-tshan), Samlo (tib. bSam-blo Khang-tshan), Hardong (tib. Har-gdong Khang-tshan, Hamdong Khamtsen), Serkong (tib. gSer-skong Khang-tshan), Trehor (tib. Tre-hor Khang-tshan), Gyalrong (tib. rGyal-rong Khang-tshan), Bati (tib. sBa-ti Khang-tshan), Ngari (tib. mNga’-ri Khang-tshan), Dora (tib. rDo-ra Khang-tshan), Dranyi (tib. Bra-nyi Khang-tshan, Banyi Khamtsen), Gowo (tib. Go-bo Khang-tshan) und Kongpo (tib. Kong-po Khang-tshan). Die Mönche traten den verschiedenen Unterabteilungen je nach ihrem Ursprungsort bei. So gingen beispielsweise die mongolischen Mönche ins College Hardong. Später gab es nur noch zwölf Abteilungen. Bati und Ngari Kangtsens wurden aufgelöst während das Para-Kangtsen (tib. Pha-ra Khang-tsan) neu hinzukam. Jede Unterabteilung hatte mehrere Häuser (tib. mi-tshan), die ebenfalls nach dem Ursprungsort der darin lebenden Mönche untergliedert waren.

Das College Shartse hat elf Unterabteilungen: die Kangsten von Dokang (tib. rDo-khang Khang-tshan), Pukang (Phu-khang Khang-tshan), Nyag-Re (Nyag-re Khang-tshan), Lhopa (tib. Lho-pa Khang-tshan), Zungchu (tib. Zung-chu Khang-tshan), Tepo (tib. The-po Khang-tshan), Choni (tib. Co-ni Khang-tshan), Ta-On (tib. rTa-‘on Khang-tshan, rTa-dbon Khang-tshan), Ngari (tib. mNga’-ris Khang-tshan), Sogpa (tib. Sog-pa Khang-tshan) und Gungru (tib. Gung-ru Khang-tshan).

Die beiden Colleges von Ganden, Jangtse und Shartse, haben ein Studienprogramm, das sich aus Sutra und Tantra zusammensetzt. Das ist ein Unterschied zu Sera (tib. Se-ra dGon-pa) und Drepung, den beiden anderen Hauptklöstern der Gelug-Tradition in der Lhasaregion. In Drepung gibt es vier Colleges. Davon studieren das College Losal-Ling (tib. Blo-gsal gling Grva-tshang) und das College Gomang (sGo-mang Grva-tshang) nur Sutra, während im College Ngagpa (tib. sNgags-pa Grva-tshang) nur Tantra studiert wird. Nur im College Deyang (tib. bDe-dbyangs Grva-tshang) werden beide gelehrt. In Sera gibt es drei Colleges: am College Je (tib. Byes Grva-tshang) und am College Me (tib. sMad Gvra-tshang) wird nur Sutra gelehrt, während am College Ngagpa (tib. sNgags-pa Grva-tshang) nur Tantra studiert wird. In Indien haben das College Drepung Ngagpa und das College Sera Ngagpa Sutrastudien in ihre Programme aufgenommen. Das College Deyang von Drepung wurde nicht wiederhergestellt.

Das College Jangtse folgt den Sutra-Lehrbüchern (yig-cha) von Jetsunpa Chökyi-Gyaltsen (tib. rJe-btsun-pa Chos-kyi rgyal-mtshan) (14­69-1544), wie es auch im College Sera Je und im College Sera Ngagpa getan wird. Das College Shartse dagegen benutzt die Textbücher des fünfzehnten Ganden Tripa, Panchen Sönam-Dragpa (tib. Pan-chen bSod-nams grags-pa) (1478-1554), wie es auch das College Drepung Losal-Ling und das tantrische College Drepung Ngagpa tun. Was die anderen Colleges an den drei wichtigsten Klöstern der Gelug-Tradition in der Lhasaregion (tib. gdan-sa gsum) angeht: das College Sera May benutzt die Sutra-Lehrbücher, die von Kedrub Tendarwa (tib. mKhas-grub dGe-‘dun bstan-pa dar-rgyas) (1493-1568) geschrieben wurden. Die Colleges von Drepung Gomang und Drepung Deyang benutzen die Lehrbücher, die von Künkyen Jamyang-Zhepa dem Ersten, Ngawang-Tsondrü (tib. Kun-mkhyen ‘ Jam-dbyangs bzhad-pa Ngag-dbang brtson-‘grus) (1648-1721), verfasst wurden. Alle Colleges folgen den Texten, die von Tsongkhapa, Gyeltsabje und Kedrubje geschrieben wurden. Die verschiedenen Lehrbücher unterscheiden sich nur in Feinheiten der Interpretation.

Monks study the preliminary subjects of logic for three years

Studiert wird mit Hilfe des Auswendiglernens, der Logik und der Debatte. Die Mönche studieren zuerst drei Jahre lang die vorbereitenden Unterrichtsfächer der Logik. Das Hauptstudium der fünf großen Texte findet in den folgenden elf Jahren statt. Nach jedem Studienjahr müssen die Mönche eine Prüfung (tib. rgyugs-sprod) bestehen, um in die nächste Klasse befördert zu werden. Diejenigen, die nach dem Abschluss dieser elf Jahre ihre Sutra-Studien beenden und eine förmliche Debatte vor der “ gemischten Versammlung” ihres gesamten Collges abhalten (tib. gling-bsre dam-bca’), erhalten den Titel eines Geshe Tsogrampa (tib. dGe-bshes Tshogs-ram-pa). Diejenigen, die weitere fünf Jahre lang studieren und während dem Großen Gebetsfestival am Jokhang-Tempel von Lhasa eine förmliche Debatte vor der gemeinsamen Versammlung der Mönche der drei Hauptklöster der Gelugtradition in der Lhasaregion abhalten, erhalten den Titel Geshe Lharampa (tib. dGe-bshes Lha-ram-pa). Mönche, die bloß Prüfungen im Auswendiglernen der Haupttexte ablegen, aber ihre Geshe-Erziehung nicht abschließen, erhalten den Titel Kyerimpa (tib. bsKyed-rim-pa).

Die Geshe Tsogrampas und die Geshe Lharampas müssen dann mit ihren tantrischen Studien entweder am Gyüme niedrigeres Tantra-College (tib. rGyud-smad Grva-tshang) oder am Gyüto oberes Tantra-College (tib. rGyud-stod Grva-tshang) fortfahren. An welches der beiden sie gehen hängt von ihrem Herkunftsort ab. Auch das Tantra wird mit dem Mittel der Debatte studiert. Nach Abschluss dieser Studien müssen die Schüler an einer förmlichen, öffentlichen Debatte teilnehmen. Dann erhalten sie den Titel Geshe Ngagrampa (tib. dGe-bshes sNgags-ram-pa). Sie können dann entweder am Tantrischen College bleiben oder nach Ganden zurückkehren. Wenn sie zurückkehren müssen sie in ihrem Heimat-College eine weitere förmliche Debatte über Tantra abhalten.

[Siehe: Eine kurze Geschichte von Gyüme und Gyütö, dem niedrigeren und dem oberen Tantra-College .]

Mönche, die nur den Kyerimpa-Abschluss gemacht haben, können in ihrem eigenen College Tantra studieren. Die in Jangtse folgen den Lehrbüchern von Gyüme , die von Rgyü Sherab-Sengge (tib. rGyud Shes-rab seng-ge) (1383-1445) verfasst wurden. Die in Shartse folgen den Lehrbüchern von Gyütö, die von Gyüchen Kunga-Dondrub (tib. rGyud-chen Kun-dga’ don-grub) (1419-1486) geschrieben wurden. Diejenigen aus Jangtse, die die förmliche Tantra-Debatte abhalten, erhalten ebenfalls den akademischen Grad „Geshe Ngagrampa“. Die in Shartse erhalten den Grad Uma-Shering (tib. dBu-ma bshad-ring).

[Siehe: Überblick zum monastischen Ausbildungssystem der Gelug-Tradition.]

Das College Jangtse als ganzes ist auch verantwortlich dafür, dass die jährliche Ausführung der vollständigen Rituale der Akshobhya-Form (tib. Mi-bskyod-pa) des Guhyasamaja (gSang-ba ‘dus-pa) aufrechterhalten wird. Das College Shartse hat dagegen die Verantwortung für den Erhalt der Rituale des Dreizehn-Paare-Vajrabhairavas mit (tib. rDo-rje ‘ Jigs-byed Lha bcu-gsum). Zusätzlich hat jede Unterabteilung innerhalb der beiden Colleges die Verantwortung für die jährliche Abhaltung der vollständigen Rituale spezifischer tantrischer Gottheiten aus den vier Klassen der Tantras. In Ganden Jangtse erhalten, was die Anuttaryoga-Klasse (tib. rnal-‘byor bla-med rgyud) des Tantras angeht die Unterabteilungen von Para, Kongpo und Dranyi die Akshobhya-Form des Guhyasamaja aufrecht, während Hardong die Mahachakra-Form des Vajrapani (tib. Phyag-rdor ‘Khor-chen) aufrechterhält. Innerhalb des Yoga Tantras (tib. rnal-byor rgyud) erhalten Lumbum und Tsawa die Rituale von Vajradhatu (tib. rDor-dbyings) aufrecht. Im Charya (Verhaltens-) Tantra (tib. spyod-rgyud) erhalten Serkong, Dora und Samlo die Rituale von Vairochana Abhisambodhi (tib. rNam-snang mngon-byang) aufrecht. Im Kriya (Handlungs-) Tantra (tib. bya-rgyud), erhalten Gowo, Trehor und Gyalrong die Rituale von Akshobhya (tib. Mi-‘khrugs-pa) aufrecht.

In Ganden Shartse erhalten, was die Anuttaryoga-Klasse des Tantra angeht Dokang, Ta-On und Gungru die Rituale des Dreizehn-Paare-Vajrabhairava aufrecht; Tepo und Lhopa erhalten die Luipa-Linie (tib. Lu’i-pa) von Chakrasamvara (tib. bDe-mchog); und Nyag-Re erhält Kalachakra (Dus-‘khor) aufrecht. In der Yoga-Klasse erhalten Choni und Sogpa Samvid (tib. Kun-rig) aufrecht. In der Kriya-Klasse erhält Zungchu die Neun-Gottheiten-Form von Amitayus (tib. Tshe-dpag-med lha-dgu); Ngari erhält die Acht-Sugata-Praxis von Bhaishaja (dem Medizinbuddha) (tib. sMan-lha bDe-gshegs-brgyad) und Pukang erhält die Sechzehn Arhats (tib. gNas-brtan phyag-spyod) aufrecht.

Der besondere Beschützer (tib. srung-ma) der Gemeinsamen Versammlung des gesamten Klosters Ganden (tib. dGa’-ldan Bla-spyi) ist Chögyal (tib. Chos-rgyal, Dharmaraja). Der besondere Beschützer von Ganden Jangtse ist Palden Lhamo (tib. dPal-ldan Lha-mo). Die Mönche von Jangtse führen täglich und ausführlicher bei besonderen Gelegenheiten die Rituale dieser Beschützerin zum Wohl Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas und der tibetischen Regierung aus. Die besonderen Beschützer des Dalai Lamas sind Palden Lhamo und Nechung (tib. gNas-chung). Bei denen der tibetischen Regierung handelt es sich um Palden Lhamo und Jamsing (tib. ‘Jam-sing). Beide Paare werden als “Das Schwarz-Rote Paar” (tib. dMar-nag gnyis) bezeichnet – Palden Lhamo ist von schwarzer Farbe, während Nechung und Jamsing beide rot sind. Der besondere Beschützer von Ganden Shartse ist Setrab (tib. Se-khrab).

Am 29. und 30. Tag jedes tibetischen Monats führen die Mönche von Jangtse einen ganzen Tag und einen ganzen Abend lang die vollständigen Rituale ihres Beschützers aus, während die Mönche von Shartse das selbe am 28. und 29. Tag tun. Jede Kangtsen-Unterabteilung hat ebenfalls ihren eigenen besonderen Beschützer. Am 15. Tag jedes tibetischen Monats führt jeder Khangtsen einen ganzen Tag und einen ganzen Abend lang die vollständigen Rituale seines Beschützers aus.

Was die beiden anderen wichtigen Gelug-Klöster in der Lhasa-Region angeht, ist Nechung der besondere Beschützer der allgemeinen Versammlung von Drepung. Drepung Losal-Ling hat ebenfalls Nechung zum Beschützer, während in Drepung Gomang der Sechsarmige Mahakala (tib. dGon-po phyag-drug) diese Rolle hat. Der besondere Beschützer der gemeinsamen Versammlung von Sera ist Jamsing; Sera Jey hat ebenfalls Jamsing und dazu auch die Yangsang (Yang-gsang, Besonders Versteckte-) Form von Hayagriva (tib. rTa-mgrin). Der Beschützer von Sera Me ist Teu (The’u).

Seit den Tagen des achten Ganden Tripa haben abwechselnd der Jangtse Chöje (tib. Byang-rtse Chos-rje) und der Shartse Chöye (tib. Shar-rtse Chos-rje) die Position des Ganden Tripa innegehabt. Der Jangtse Chöye, „der Dharma-Meister von Jangtse“, ist der älteste im Ruhestand befindliche Abt (tib. mKhan-zur Rin-po-che) des Gyüme Niedrigeren Tantra-Colleges (tib. rGyud-smad Grva-tshang). Er hat seinen Sitz im Jangtse-College. Der Shartse Chöye, „der Dharma-Meister von Shartse”, ist der älteste im Ruhestand befindliche Abt des Gyütö Höheren Tantra-Colleges (tib. rGyud-stod Grva-tshang). Er hat seinen Sitz im Shartse College.

Wie Sera und Drepung folgt das Kloster Ganden der Tradition des frühen Sommer-Retreat (tib. dbyar-gnas snga-ma) vom 16. Tag des sechsten tibetischen Monats bis zum 30. Tag des siebten Monats. Traditionellerweise wird während des Retreats ein Vortrag über Tsongkhapas „ Lamrim-chenmo“ (tib. Lam-rim chen-mo, „Eine große Darstellung der geordneten Stufen des Pfades ) gehalten. Die Lehren zur Anfangsebene werden vom Jangtse Chöye oder vom Sharje Chöye gegeben – je nachdem wer von den beiden jünger im Amt ist. Die Lehren zur Mittleren Ebene werden vom Amtsälteren der beiden vorgetragen, und der Ganden Tripa halt die Vorlesungen zur fortgeschrittenen Ebene.

Die Mönchspopulation von Ganden betrug offiziell 3,300, doch bis zum Jahr 1959 war sie auf 7,500 gestiegen. Das Kloster wurde von den Chinesen vollkommen zerstört. Derzeit wird es in Tibet teilweise wiedererbaut. In Indien hat das Kloster Ganden in Mundgod im Staat Karnataka, einen neuen Standort gefunden .