Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Eine kurze Geschichte des Klosters Yungdrungling

Alexander Berzin, 1991, ergänzt im September 2003
Originalversion publiziert in
"Bön Monasteries." Chö-Yang, Year of Tibet Edition
(Dharamsala, Indien), (1991).
Deutsch: Nailu Sari

Obwohl man im Jahre 1405 das Kloster Menri (tib. sMan-ri dGon-pa) mit der Hoffnung gegründet hatte, die Bön (tib. Bon)-Debattiertradition fortzuführen, wie sie im Ensaka-Kloster (tib. dBen-sa-kha dGon-pa) gepflegt worden war, hatte sich dieses Ziel nicht erfüllt.

[Siehe: Eine kurze Geschichte des Klosters Menri .]

Im Jahr 1836 gründete Nangtön Dawa-Gyaltsen (tib. Nang-ston Zla-ba rgyal-mtshan) (geb. 1796) gerade unterhalb von Menri das Kloster Yungdrungling (tib. g.Yung-drung gling dGon-pa). Yungdrungling wurde zum wichtigsten Debatten-Kloster der Bön-Tradition, obwohl man im zwanzigsten Jahrhundert in Kham (tib. Khams) und Amdo (tib. A-mdo) neun weitere derartige Institutionen gründete.

Die Mönche studierten nur Sutra im Debatten-Stil, während sie Tantra und Dzogchen privat mit ihren Lehrern studierten. In Yung­drungling und im Debatten-College, das 1947 in Menri gründete wurde, wurde auch ein eigener Geshe-Grad (tib. dGe-bshes) verliehen. Die Mönche, die diesen Grad erhielten, konnten ihre Studien am Losal-Ling-College (tib. Blo-gsal gling Grva-tshang) des Klosters Drepung (tib. ‘Bras-spungs dGon-pa) der Gelug-Tradition fortsetzen und dort die Prüfungen machen, um den Abschluss Geshe Lharampa (tib. dGe-bshes Lha-ram-pa) zu erlangen. Einige Mönche absolvierten ihre gesamte Debatten-Ausbildung in Drepung Losal-Ling.

Das Kloster Yungdrungling hatte vier Colleges: Yungdrungling (tib. g.Yung-drung gling), Künsaling (tib. Kun-gsal gling), Künkyabling (tib. Kun-khyab gling) und Kündragling (tib. Kun-grags gling) mit acht Unterabteilungen. 1959 lebten hier etwa 400 Mönche. Außer dem Studium der Sutra-Dialektik wurde am Kloster auch die Praxis der wichtigsten tantrischen Rituale der Bön-Tradition aufrechterhalten.

Die Sutra-Debatten-Tradition in Yungdrungling, und später auch in Menri, ähnelte stark der Tradition, die sich in den buddhistischen Klöstern findet. Die großen Texte und die Themen, die studiert werden, sind sehr ähnlich. Zuerst lernen die Mönche die gesammelten Themen der Mengenlehre (tib. bsdus-grva, dura), Arten der Wahrnehmung (tib. blo-rig, lorig), Weisen, etwas logisch zu beweisen (tib. rtags-rig, tagrig) und Lehrsysteme (tib. grub-mtha’, drubta). Dann studieren sie das, was in der Bön-Schule Prajnaparamita (tib. phar-byin) entspricht, wo es um die Einsichten auf den Stufen und Pfaden geht; dann die Madhyamaka-Philoso­phie (tib. dbu-ma), die Pramana-Logik (tib. tshad-ma), die Metaphysik des Abhi­dharma (tib. mdzod) und die Disziplinregeln des Vinaya (tib. ‘ dul-ba). Um Tantra und Dzogchen praktizieren zu können machen die Mönche vorbereitende Praktiken, wie es bei den Buddhisten getan wird, wie etwa Zuflucht nehmen, Bodhichitta entwickeln, Mandalas darbringen, offen negative Handlungen anerkennen, die man begangen hat, und Reinigungen.

Das Yungdrungling-Kloster hatte einen Abt, Disziplin-Aufseher, Chormeister und andere Mönche mit offiziellen Aufgaben, wie in jedem buddhistischen Kloster. Die Regeln der Mönchsdisziplin sind in der Bön-Tradition sehr streng. Zusätzlich zu einer Reihe von Gelübden, die den buddhistischen sehr stark ähneln, haben die Bön-Mönche die Gelübde, weder Fleisch noch Knoblauch zu essen und sich regelmäßig zu waschen.