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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Kurze Erläuterung der Mandala-Darbringung der Bitte um Unterweisung

Alexander Berzin
Morelia, Mexiko, April 2004
[leicht editiertes Transkript]
Übersetzung ins Deutsche: Susanne Schmieder

Es wichtig, dass man, bevor man eine Unterweisung erhält darum in Form einer Mandala-Darbringung bittet. Und wenn man das macht ist es wichtig, die Bedeutung der Verse zu verstehen, die man bei dieser Darbringung rezitiert.

„Durch das Ausrichten und Darbringen an die Buddhafelder,
diesen Boden, der mit duftendem Wasser getränkt und
   mit Blumen bestreut ist,
und der geschmückt ist mit dem Berg Meru, vier Inseln,
   einer Sonne und einem Mond,
mögen all jene, die umherwandern, in reine Länder
   geführt werden.
Om idam guru ratna mandala-kam nir-yatayami.
Ich sende dieses Mandala zu euch aus, teure Gurus.“

Dieser Vers, in dem es um ein Buddha-Feld geht, um ein reines Land und in dem wir dafür beten, dass alle fähig sein mögen daran Teil zu haben, ist etwas schwer zu verstehen, nicht wahr? Zuerst muss man verstehen, was ein Buddha-Feld oder reines Land überhaupt ist. Es ist ein Ort, an dem alles vorhanden ist, damit man den Dharma studieren und praktizieren kann und zwar vierundzwanzig Stunden am Tag. Man braucht nicht zu arbeiten; man braucht nicht zu essen; man braucht keinen Schlaf; man braucht keine Miete zu bezahlen; man braucht nicht auf die Toilette zu gehen; man braucht überhaupt nichts zu tun außer die gesamt Zeit zu studieren und zu praktizieren. Es ist kein Ort, an den man geht und in Swimmingpools herumhängt und den ganzen Tag Karten spielt.

Buddhafelder sind voller Arya-Bodhisattvas, jenen Bodhisattvas, die die nichtkonzeptionelle Wahrnehmung der Leerheit erreicht haben und dort von Sambhogakaya-Formen der Buddhas unterrichtet werden, das sind materielle Formen, in denen sich Buddhas offenbaren und die vollen Gebrauch der Mahayana-Unterweisungen machen. Das passiert also in Reine-Land-Buddhafeldern. Auf der untersten Ebene aber bezieht sich Reines-Land-Buddhafeld auf die Stufe des Geistes des klaren Lichts, welche die subtilste Ebene des Geistes darstellt, die von einem Araya-Bodhisattva verwirklicht ist. Und wie wunderbar wäre es tatsächlich, wenn wir nichts anderes zu tun bräuchten, als mehr zu lernen und zu praktizieren und wir diesen Geisteszustand hätten und in einer Situation wären, die dafür am förderlichsten ist.

Wenn wir die Mandala-Darbringung machen stellen wir uns vor, dass uns in solch einer Situation befinden und dass unser Geist in dem förderlichsten Zustand ist. Wir wünschen, und dass alle dazu fähig sein mögen, diese Bedingungen zu teilen und zu studieren. In diesem Kontext erbitten wir die Unterweisung, während wir uns vorstellen, dass alles perfekt, alles förderlich ist.

Eigentlich sagen wir mit dem Vers “Ich bin vollkommen vorbereitet und offen die Unterweisung zu empfangen, und mögen alle in diesem Zustand sein.” Das ist die Essenz der Mandala-Darbringung als Bitte um eine Unterweisung.

Wenn es uns zu heiß ist oder wir hungrig sind und so weiter, dann versuchen wir, dies mit dem starken Wunsch es loszuwerden, zu ignorieren, damit wir wirklich gut zuhören können und nicht von solchen Dingen gestört werden. In dem Vers der Mandala-Darbringung bringen wir den Berg Meru, die vier Inseln und so weiter dar. Diese repräsentieren unsere alltägliche Welt und unsere alltägliche Situation, wie zum Beispiel, dass es uns zu heiß oder zu kalt ist. Indem wir das darbringen, zeigen wir nicht nur unseren Willen an, alles auf der Welt zu geben, um diese Unterweisung anzuhören, sondern auf eine tiefgründigere Art bringen wir den Buddhas die gesamte alltägliche Welt dar und bitten darum, sie in ein reines Land zu transformieren. Also ist die Darbringung eines Mandalas tatsächlich eine Form der Praxis um Geisteshaltungen zu bereinigen – nämlich negative Umstände in positive zu transformieren. Welch schwierige Situationen wir auch immer in unserem Dharmazentrum, im Vortragsraum oder in unserem Leben im Allgemeinen haben, wir transformieren es in unserem Geist. Wir stellen uns vor, dass wir jetzt im Buddhafeld sind, einem reinen Land, und wir werden gleich Unterweisungen erhalten. Das Reine-Land-Buddhafeld ist in diesem Zusammenhang nämlich ein Geisteszustand. Wir halten es nicht für ein Paradies irgendwo in einer anderen Galaxis.

Die Mandala-Darbringung der Bitte um Unterweisung ist eine sehr tiefgründige Praxis, die nicht trivialisiert werden darf. Sie kann mit einer formalen Mandascheibe, mit Ringen und so weiter durchgeführt werden, so wie es auch im Vers erwähnt ist, wir können sie aber auch entweder mit der entsprechenden Geste machen, einem Mudra, oder sogar ohne Repräsentation des Berges Meru und der vier Inseln.

[Siehe: Die Bedeutung und Verwendung eines Mandala]

Aber womit auch immer wir die Darbringung machen, es ist wichtig, sich zuvor einige Minuten Zeit zu nehmen um zu versuchen, den Geist zu klären und sich vorzustellen, in einem Reinen-Land-Buddhafeld zu sein. Und dann – in diesem Zustand – vollziehen wir die Mandala-Darbringung. Und denken Sie daran, wir wünschen uns nicht nur, dass wir alleine in dem Buddhafeld oder in einem Geisteszustand des klaren Lichts sind, oder dass wir persönliche Unterweisungen bekommen, weil wir so wichtig und besonders sind. Wir machen diese Darbringung mit dem starken Wunsch, dass alle anwesend seien und diese Unterweisung erhalten mögen.