Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die historische Interaktion zwischen den buddhistischen und islamischen Kulturen vor der Zeit des mongolischen Reichs

Alexander Berzin, 1996
leicht revidiert, Januar 2003, Dezember 2006
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn

Teil II: Die frühe Periode der Abbasiden (750 – Mitte des 9. Jhs. u. Z.)

10. Die sektiererische Kontroverse im Islam und die Erklärung des Dschihads

Die Abbasiden vertrieben die Streitkräfte der Tang-Chinesen erfolgreich aus Westturkistan und die von An Lushan angeführte Rebellion hatte die Gewalt der Tang auf Kashgar, Kucha, Turfan und Beshbalik ernsthaft geschwächt. Nichtsdestoweniger waren es nicht die Araber, sondern die Karluken und Tibeter, die Vorteile aus dem Machtvakuum zogen. Die Karluken zogen nach Süden, eroberten Suyab, Fergana und schließlich Kashgar, während die Tibeter ihren Einfluss auf die Stadtstaaten des südlichen Tarimbeckens, insbesondere auf Khotan, das sie im Jahr 790 erneut einnahmen, wieder verstärkten. Die Tibeter schnitten den Kontakt zwischen dem khotanesischen Königtum und dem Tang-Hof vollständig ab. Die Tang behielten jedoch einen kleinen Außenposten in Kucha und kämpften einen sich hinziehenden Dreierkrieg gegen die Tibetern und Uiguren, in dem es um die Herrschaft über Turfan und Beshbalik ging.

[ Siehe Karte siebzehn: Zentralasien, spätes achtes Jahrhundert.]

Den Abbasiden war es nie möglich, sich in irgendwelche der früheren Gebiete der Tang nach Westturkistan hin auszudehnen, da sie beinahe sofort in islamisch-sektiererische Kämpfe in Sogdien verwickelt wurden. Sobald der zweite Kalif al-Mansur (reg. 754 -775) den Thron bestieg, ließ er Abu Muslim, den schiitischen Baktrier, der den Abbasiden geholfen hatte ihre Dynastie zu begründen, zum Tode befördern. Obwohl sein Vorgänger Abu l‘Abbas allen nicht-arabischen Untertanen in seinem Reich eine unparteiische versprochen hatte, führte Abu l‘Abbas wieder ein, dass den ethnischen Araber und der sunnitischen Linie des Islam der Vorzug gegeben wurde, wie das bei den Umayyaden der Fall war. Nachträglich erhoben die sogdischen Gegner der Umayyaden Abu Muslim nach seinem Tod zum Verteidiger ihrer iranischen Kultur gegen die arabische Herrschaft. Sein Martyrium benutzen sie dazu, bei ihrer Rebellion Geschlossenheit zu zeigen, um seinen Tod zu rächen. Letztendlich betrachteten sie Abu Muslim sogar als Propheten.

Abu Muslim hatte ursprünglich eine schwarze Flagge als seine Standarte verwendet, die das Haus des Ali symbolisiert. Die Abbasiden folgten diesem Präzedenzfall und verwendeten die Farbe Schwarz sowohl für ihre Standarte als auch für die Kleidung. Die Rebellen des Abu Muslim verwendeten als Protest dagegen die Farbe Weiß für ihre Fahnen und Bekleidung, die auch die heilige Farbe der Manichäer zu sein pflegte und für ihre Roben im Gebrauch war. Das syrische Beiwort für die Manichäer war: „Die mit den weißen Gewändern“.

Den Manichäismus gab es in vielerlei Gestalt; er vermischte sich mit dem Zoroastrianismus, dem Christentum oder dem Buddhismus, um mit Menschen aus verschiedenen Kulturen im Einklang sein zu können. Seine kultivierten Ideen sprachen viele intellektuelle Beamte am Hof der Abbasiden an, die daraus eine islamische Sekte entwickelten, die den Manichäismus mit dem Schia-Islam verband. Die abbasidischen Autoritäten, als Wächter der Orthodoxie, sahen die manichäisch-schiitische Sekte schließlich als Bedrohung an. Die Sekte als Häresie brandmarkend, verdächtigten sie die Anhänger als anti-abbasidischen Sympathisanten, in gleicher Weise wie sie Abu Muslims Rebellen in Sogdien betrachtet hatten, und verfolgten sie. Auch wenn die manichäische Schia nicht als eine separate islamische Sekte überlebte, verschmolzen viele ihrer Anhänger später mit der ismaelitischen Sekte der Schia. Auch sie waren schließlich hartnäckiger Verfolgung durch die Abbasiden ausgesetzt.

Während der Regierungszeit des nächsten Kalifen, al-Mahdi (reg. 775 -785), gerieten die meisten Sogdier unter die Herrschaft der weißgekleideten Rebellen, die von al-Mukanna angeführt wurden, dem „Verschleierten Propheten“, einem Gefährten von Abu Muslim. Die Oghusen-Türken, die ebenfalls weiß trugen, gaben den Rebellen militärischen Beistand, auch wenn sie selbst nie zum Islam übertraten. Zu der Zeit hatten sich die sogdischen Rebellen gerade der neu gegründeten islamischen Glaubensgemeinschaft Musalemiyya angeschlossen, bei der etliche Bräuche vieler orthodoxer Traditionen aufgegeben wurden, wie beispielsweise das täglich ausgeführte fünfmalige Gebet. Die Feldzüge der Abbasiden, mit denen sie die sogdischen Rebellen und ihrer oghusisch-türkischen Verbündeten unterdrückten, wurden sodann auch als Feldzüge zur Bewahrung der Reinheit des Islam deklariert.

Im Jahr 780 schlugen die abbasidischen Streitkräfte eine Rebellion in Baktrien nieder, aber es gab weitere Aufstände. Die Abbasiden waren hauptsächlich damit beschäftigt, diese Rebellionen zu unterdrücken und die Reinheit des Islam gegen die Musalemiyya-Sekte und die manichäischen Schia-Sekten aufrechtzuerhalten. Die Dringlichkeit und Härte, mit der sie gegen die Häretiker durchgriffen, auch gegen jene, deren Glaube manichäische Elemente umfasste, wurde vielleicht noch durch die früheren, zum Islam übergetretenen zoroastrischen Priester verstärkt, welche der Regierung den Rat gaben, dem Vorbild der Sassaniden in Bezug auf die Ausübung von Autorität in religiösen Angelegenheiten zu folgen.

Die Zerstörung von Valabhi durch die Abbasiden

In den frühen 780er-Jahren attackierten die abbasidischen Herrscher in Sindh Saurashtra und zerstörten den großen Komplex der buddhistischen Klöster von Valabhi. Nach dem Sturz der Rashtrakuta-Dynastie im Jahr 775 standen diese religiösen Institutionen ohne königlichen Schutz da und waren außerordentlich verletzlich. Diese Zerstörung muss aber innerhalb des Kontexts des Aufstands in Sogdien verstanden werden, wie auch im Zusammenhang mit der Verfolgung der Musalemiyya-Sekte und der manichäischen Schia-Bewegungen betrachtet werden.

Valabhi war nicht nur ein Zentrum buddhistischer Studien, sondern auch eine der heiligsten Stätten der Shvetambara-Sekte des Jainismus. Die Stadt Valabhi besaß eine sehr große Anzahl von Jain-Tempeln, also nicht nur buddhistische Tempel, welche die Soldaten der Abbasiden ebenfalls schliffen. Tatsächlich waren die Jain-Tempel sehr wahrscheinlich ihr vordringliches militärisches Ziel. „Shvetambara“ heißt: „Die in weiß Gekleideten“, da die Mönche in dieser Tradition weiße Roben trugen. Die Mitglieder dieser Jain-Sekte wurden zweifelsohne fälschlicherweise für Verbündete der weiß-gekleideten Partei der Musalemiyya-Rebellen von Abu Muslim gehalten wurden, d.h. sie wurden fälschlicherweise für Unterstützer der Oghusu-Türken und der manichäischen Schiiten gehalten. Deshalb haben die arabischen Führer von Sindh sie natürlicherweise als eine Bedrohung wahrgenommen und haben sich wohl gedacht, dass diese vernichtet werden müssten. Als sie erst einmal in Valabhi eingerückt waren, hätten sie wohl zwischen den Jain-Tempeln und den buddhistischen Klöstern kaum einen Unterschied erkennen können und zerstörten daher alle Gebäude.

Da die allgemein verbreitete Geschichtsschreibung in Bezug auf die Zerstörung der Stadt Valabhi, wird häufig als ein Beispiel dafür verwendet, dass der Islam anderen Glaubensvorstellungen gegenüber intolerant eingestellt wäre. Lassen Sie uns im folgenden Abschnitt die Religionspolitik der Abbasiden als Ganzes untersuchen, um dadurch die Beurteilung der Historiker objektiver auszuwerten zu können.

Welche Unterschiede die Politik der Abbasiden gegenüber dem Manichäismus und anderen nichtmuslimischen Religionen macht

Trotz ihres heiligen Krieges gegen die Musalemiyya-Sekte und die Sekte der manichäischen Schiiten und trotz ihres Krieges in Saurashtra gegen die Jain und Buddhisten, die sie sehr wahrscheinlich als Unterstützer dieser Sekten missverstanden, setzten die frühen abbasidischen Kalifen die umayyadische Politik der Toleranz gegenüber den nicht-muslimischen Religionen fort. Den unter ihnen lebenden Buddhisten, Zoroastrern, Nestorianer-Christen und jüdischen Untertanen gewährten sie weitgehend den geschützten dhimmi-Status. Die einzigen Nicht-Muslime, die sie in ihrem Gebiet verfolgten, waren diejenigen Nicht-Muslime, die sich zum manichäischen Glauben bekannten.

Unabsichtlich setzten die Araber die anti-manichäische Politik ihrer Vorgänger in Sogdien, der iranischen Sassaniden und der Tang-Chinesen fort, aber aus verschiedenen Gründen. Erstens setzen die Araber die Manichäer in der Vorstellung ohne Zweifel mit den manichäischen Schiiten gleich. Zweitens forderte der Manichäismus mit seiner starken missionarischen Bewegung und der Berufung dazu, die Dunkelheit und den Schmutz dieser Welt zu transzendieren, den Anspruch des orthodoxen Islam heraus, wie er unter den intelligenten Muslimen am Abbasiden-Hof verbreitet war. Jeder Muslim, der dem Manichäismus aus spirituellen Gründen zuneigte, wurde daher bezichtigt, ein manichäischer Schiite, mit anderen Worten, ein anti-arabischer Rebell zu sein.

Das starke Interesse der Abbasiden an der indischen Kultur

Die frühen Abbasiden gewährten den nicht-manichäischen Nicht-Muslimen in ihrem Einflussgebiet einen geschützten Untertanen-Status, und hatten darüber hinaus auch großes Interesse an fremden Kulturen, besonders an der Kultur Indiens. Obwohl Araber und Inder schon in vor-islamischen Tagen sehr viele wirtschaftliche und kulturelle Kontakte pflegten, indem sie mit Kaufleute und Siedler zu tun hatten, die jeweils in der ihr fremden Volksgruppe lebten, regte die Eroberung der Umayyaden und der nachfolgenden Besetzung von Sindh sogar einen noch größeren Austausch an. Im Jahr 762 vollendete zum Beispiel Kalif al-Mansur (reg. 754 -775) die Errichtung von Bagdad, der neuen Hauptstadt der Abbasiden. Nicht nur, dass die indischen Architekten und Ingenieure die Stadt entwarfen, sie gaben ihr sogar den Sanskrit-Namen Bhaga-dada, was soviel bedeutet wie „ Geschenk Gottes“.

Im Jahr 771 brachte eine politische Gesandtschaft aus Sindh indische Texte über Astronomie nach Bagdad. Dieses Geschehnis markiert den Beginn des Interesses der Araber an der Astronomie. Der abbasidische Kalif erkannte die Bedeutung präziser astronomischer und geographischer Kalkulationen für den religiösen Gebrauch, denn mit Hilfe dieser Kalkulationen konnten man nämlich genau bestimmen, in welcher Richtung Mekka liegt, auch konnte man mittels dieser Kalkulationen das Auftreten des Neumonds berechnen. Der Kalif konnte auch wertschätzten, dass die indische Zivilisation in diesem Teil der Welt nicht nur auf dem wissenschaftlichen Gebiet der Astronomie am höchsten entwickelt war, sondern auch auf den Gebieten der Mathematik und Medizin.

Die Tatsache, dass diese Wissenschaften sich innerhalb eines nicht-muslimischen Kontexts entwickelten, schließt überhaupt aus, dass die Araber nicht auch für die Wissenschaften offen waren.

Der nächste Kalif, al-Mahdi (reg. 775 – 785), dessen Streitkräfte Valabhi zerstörten, errichtete ein Übersetzungsbüro (arab. Baitu´l Hikmat) mit Gelehrten, die von allen regionalen Kulturen und Religionen Texte sammelten, besonders über wissenschaftliche Themen und sie ins Arabische übersetzten. Eine große Anzahl dieser Werke kamen aus Indien und nicht alle Übersetzer aus Sindh waren Muslime. Viele Übersetzer waren Hindus und Buddhisten. Die Abbasiden waren eindeutig pragmatisch und an Wissen interessiert. Grundlegend waren sie nicht gegen die Inder oder andere nicht-manichäischen, fremde Religionen eingestellt. Die Kalife der Übersetzer aus Sindh scheinen die Hadith ernst genommen zu haben, d.h. die Verfügung des Propheten, „Wissen zu suchen, auch wenn man sich dafür nach China aufmachen muss“.

Diese aufgeschlossene, nicht-sektiererische Politik, nach Erkenntnissen zu streben, war keine vorübergehende Liebhaberei, sondern setzte sich beim nächsten Kalifen, Harun al-Rashid (reg. 786 - 809) fort, der diese Politik noch weiter ausbaute. Sein Minister Yahya ibn Barmak zum Beispiel war ein muslimischer Enkel eines der buddhistischen Verwaltungsoberhäupter (Skt. pramukha ) des Nava-Vihara-Klosters. Unter seinem Einfluss lud der Kalif noch mehr Gelehrte und Meister aus Indien nach Bagdad ein, insbesondere mehrere Buddhisten. Dort wurde den buddhistischen Gelehrten unzweifelhaft bewusst, dass es bei den Intellektuellen des Abbasiden-Hofes eine Entwicklungstendenz in Richtung der manichäischen Schia-Sekte gab, und muss ihnen bewusst gewesen sein, dass diese Tendenz für die Obrigkeit als eine Bedrohung wahrgenommen wurde.

War das Übersetzungsbüro früher auf wissenschaftliche Texte spezialisiert, begann es nun auch Werke religiöser Natur anzufertigen. Zu dieser Zeit erschien zum Beispiel eine arabische Version der Erzählungen über Buddhas frühere Leben, Kitab al-Budd, basierend auf zwei Texten in Sanskrit: Jatakamala und Ashvaghoshas Buddhacharita. Teile davon wurden in das von Aban al-Lahiki (750 -815), einem Dichter aus Bagdad, verfasste Epos Kitab Bilawhar wa Budhasaf eingefügt. Obwohl seine Version des Epos nicht mehr vorhanden ist, wurden danach noch viele weitere Fassungen in zahlreichen anderen Sprachen verfasst. Die älteste erhaltene arabische Fassung wurde von Ibn Babuya von Kum (gest. 991) erstellt. Dieses Werk erhielt über islamische Quellen Eingang in die christliche und jüdische Literatur, wo es dann als die Legende von Barlaam und Josaphat weitergereicht wurde – auch in dieser Form enthielt es noch immer viele buddhistische Lehren. Ein weiteres Beispiel für die Aufgeschlossenheit der Abbasiden dem Buddhismus gegenüber ist der Kitab al-Fihrist, ein Verzeichnis, das sowohl muslimische als auch nicht-muslimische Texte umfasst, die in der damaligen Zeit bearbeitet wurden. Das Verzeichnis beinhaltet auch eine Liste buddhistischer Werke.

Wie der Islam sich unter Nicht-Muslimen in Westturkistan verbreitete

Harun al-Rashid war der größte und kultivierteste der abbasidischen Kalifen. Unter seinem Einfluss florierte die gesamte arabische Dichtkunst, Literatur, Philosophie, Wissenschaft, Medizin und Kunst. Während seiner Zeit hatte die hohe islamische Kultur eine stetig wachsende Anziehungskraft auf die Nicht-Araber, wie auch auf nicht-muslimische Aristokraten, Landbesitzer und Städter aus Westturkistan, deren Mentalität völlig verschieden von der der nomadischen Krieger der Steppen war. Konsequenterweise konvertierten solche Menschen in zunehmender Anzahl zum muslimischen Glauben. Die vom Kalifen beschützten nicht-muslimischen Religionen wie der Buddhismus blieben vor allem unter den ärmeren Bauernklassen auf dem Land stark vertreten, die ihm sogar noch strenger als vorher folgten, als ihre Volksgruppe zu einer ethnischen und religiösen Minderheit wurde. Die Bauern versammelten sich insbesondere vor religiösen Schreinen, um dort ihre hingebungsvollen Übungen zu praktizieren.

Wie die Zerstörung der Stadt Valabhi zu bewerten ist

Die Zerstörung der buddhistischen Klöster in Valabhi durch die Abbasiden sollte daher im Kontext dieses größeren Bildes gesehen werden. Der Islam gewann damals in Sogdien und Baktrien seine Konvertiten nicht durch das Schwert, sondern dadurch, dass er Menschen durch sein hohes Niveau an Kultur und Gelehrsamkeit anzog. Dem Buddhismus mangelte es sicherlich nicht an kluger Gelehrsamkeit und Kultur. Um die Kultur aber vollständig aufnehmen zu können, musste man in ein Kloster eintreten. Das Kloster Nava-Vihara, obzwar es in dieser Zeit noch immer tätig war, verlor an Berühmtheit und war lediglich noch eine Institution des Lernens. Es gab dort viele Buddhisten. Die größten buddhistischen Klosteruniversitäten dieser Tage, wie beispielsweise die Klosteruniversität von Nalanda, lagen weit entfernt im zentralen Teil von Nordindien. Je gefestigter und zugänglicher daher die islamische Hochkultur und das Studium in Zentralasien wurden, desto mehr trat der Buddhismus bei der gebildeten, städtischen Oberschicht in den Hintergrund. Dieser Prozess lief vor allem friedlich ab.

Die Zerstörung von Vilabhi bildete daher eine Ausnahme im allgemein religiösen Trend und der offiziellen Politik der frühen Abbasiden-Periode. Es gibt zwei plausible Erklärungen dafür. Es war entweder das Werk eines militanten und fanatischen Generals, der von sich aus handelte, oder eine verfehlte militärische Operation, die deshalb angeordnet wurde, weil die Araber die einheimischen, „ weiß-gekleideten“ Jain mit den Unterstützern von Abu Muslim verwechselten, und die Buddhisten dann nicht von den Jain unterscheiden konnten. Es war nicht Teil eines dschihad, insbesondere kein heiliger Krieg gegen den Buddhismus.

Das arabische Wort bedeutet wörtlich „sich bemühen“, nämlich Allah zu dienen. Das Wort dschihad bezieht sich nicht auf die Art von heiligem Krieg, der darauf gerichtet ist, Ungläubige mit Gewalt zum einzig wahren Glauben zu bekehren. Beim dschihad handelt es sich vielmehr um eine Militäraktion, mit der Muslim-Brüder verteidigt werden sollen, die selbst zum Ziel eines Angriffes wurden, weil sie eine reine Form des Islam praktizieren oder die irgendwie von ihrem spirituellen Leben abgehalten werden. Die Buddhisten aus Valabhi stellten keine Bedrohung für den Islam dar und waren daher verfehlte Objekte eines berechtigten dschihad.

[Siehe: Heilige Kriege im Buddhismus und Islam: Der Mythos von Shambhala.]

Die Invasion der Abbasiden von Ganghara

Obwohl die Karluken und Abbasiden Tang-China 751 am Talas-Fluss besiegt hatten, brachen die Karluken, die nach Suyab, Fergana und Kashgar expandierten, bald ihre Allianz mit den Arabern und gesellten sich zu den Tibetern und deren Vasallen, den Turki-Shahi von Kabul. Die weiss-gewandeten Oghusen, die die Abu Muslim Rebellen unterstützt hatten, schlossen sich ihnen auch bei einem gemeinsam verabredeten Kraftakt an, der das Ziel hatte, die Kontrolle über das abbasidischen Sogdien und Baktrien zu gewinnen. Die Allianz unterstütze daher weiter das Aufbegehren im Stil der Rebellion Abu Muslims gegen die Abbasiden, so wie die Rebellion in Samarkand durch Rafi bin-Layth zwischen 806 und 808. Ihre gemeinsamen Streitkräfte belagerten sogar Samarkand, um den Rebellen zu helfen.

Der Kalif al-Rashid starb im Jahr 808 bei dem Versuch, die Rebellion niederzuschlagen. Nach seinem Tod wurde sein Reich nach seinem Wunsch zwischen seinen beiden Söhnen aufgeteilt. Die beiden Söhne schlossen aber zeitweilig Frieden mit den Tibetern und ihren Verbündeten, damit sie einen Bürgerkrieg ausfechten konnten, um so die völlige Kontrolle über das gesamte Erbe ihres Vaters zu erlangen. Al-Ma'mun gewann und wurde der nächste Kalif (reg. 813 – 833). Weil Al-Ma'mun zweifelsohne die Allianz der Tibeter mit den Turki-Shahi, Karluken und Oghusen für Tod seines Vaters verantwortlich machte und die Gruppe mit den Musalemiyya-Aufständen von Abu Muslim in Sogdien in Verbindung brachte, verkündete er einen heiligen Krieg und sandte den General al-Fadl bin-Sahl, damit dieser mit aller Kraft einen Angriff auf den Staat der Turki-Shahi in Gandhara lancieren würde.

Bis zum Jahr 815 erlangten die Abbasiden den Sieg und der Turki-Shahi-Herrscher, bekannt als der Kabul Shah, wurde dazu gezwungen, in Person vor dem Kalifen von Merv zu erscheinen und zum reinen Islam zu konvertieren. Als Zeichen für die Unterwerfung seines Landes sandte er eine goldene Buddhastatue nach Mekka, wo sie zwei Jahre lang in der Schatzkammer der Kaaba verblieb. Sie wurde der Öffentlichkeit mit der Anmerkung vorgeführt, dass Allah den König von Tibet zum Islam geführt hätte. Die Araber verwirrten den König von Tibet und seinen Vasallen, den Turki-Shah von Kabul. Im Jahr 817 schmolzen die Araber die Buddhastatue bei der Kaaba ein, um damit Goldmünzen zu prägen.

Nach seinem Erfolg gegen die Turki-Shahi, griffen die Abbasiden die von den Tibetern kontrollierte Region von Gilgit an und verleibten sie sich in kurzer Zeit auch ein. Sie sandten einen tibetischen Befehlshaber gedemütigt nach Bagdad zurück. Obwohl die arabischen Generäle im Kampf gegen die Tibeter erfolgreich waren und auch bei der Übernahme der Provinz Fergana von den Karluken die Oberhand hatten, führten sie ihren Siegeszug nicht weiter nach Osten oder Norden fort. Dies geschah deshalb, weil die Abbasiden schnell den Einfluss auf Westturkistan verloren und der östliche Iran, als militärisches Leittier der Region, damit begann diese Gebiete als Statthalter zu übernehmen und sie als autonome islamische Staaten zu regieren.

Die erste Region, die ihre Autonomie erklärte, war Baktrien, in der General Tahir die Tahirid-Dynastie (819 -873) gründete. Als die Abbasiden sich aus Kabul und Gilgit zurückzogen, weil sie Aufmerksamkeit diesen dringenderen Angelegenheiten zuwendeten, erhielten die Tibeter und die Turki-Shahi ihre früheren Besitztümer wieder zurück. Trotz der erzwungenen Bekehrungen der Anführer dieser Länder, haben die Abbasiden den Buddhismus dort nicht verfolgt. Tatsächlich behielten die Araber den Handel mit den Tibetern die gesamte Zeit bei und importierten vor allem Moschus. Die Muslime und Buddhisten schufen sogar kulturelle Verbindungen zueinander. Fazl Ullah zum Beispiel hat damals die persischen Klassiker Gulistan und Bostan ins Tibetische übersetzt.

Eine Analyse der Schlacht und des Sieges der Abbasiden

Der Kalif al-Ma'mun bezeichnete seinen Feldzug gegen die Allianz aus Tibetern, Turki-Shahi, Karluken und Oghusen als Dschihad, d.h. als einen heiligen Krieg. Er verteidigte seine islamischen Untertanen vor häretischen Fanatikern, die die Praxis des reinen Glaubens seiner Untertanen durch Terror-Feldzüge und Rebellionen behinderten. Nach einem erfolgreichen Feldzug bestand er deshalb darauf, dass der Shah von Kabul zum orthodoxen Islam übertren müsse, sandte aber auch die Buddhastatue zurück, die bei der Kaaba als Beweis für den Sieg des Islam gezeigt wurde.

Sich an das erinnernd, was zweifelsohne die Zerstörung von Valabhi durch die Abbasiden anfachte, ordnete al-Ma'mun wahrscheinlich fälschlicherweise seine besiegten Feinde als Mitglieder der Musalemiyya-Sekte und der manichäische Schia-Sekte zu. Sein Dschihad gegen sie sollte lediglich eine Erweiterung der zuvor durchgeführten innerstaatlichen Feldzüge seines Vaters sein. Doch obwohl die Mitglieder dieser ausländischen Allianz die Rebellen Abu Muslims unterstützten, folgten sie überhaupt nicht deren Glauben oder der manichäischen Schia. Hätten sie das getan, hätte es keinen Sinn ergeben, warum die Tibeter und Karluken in dieser Zeitspanne auch die Uiguren, die Helden der sogdisch-manichäischen Welt, bekämpfen hätten sollen.

Die Tibeter wussten zweifelsohne nichts über die islamischen religiösen Verwicklungen der sogdischen Rebellionen. Darüber hinaus war der Versuch der Tibeter, die Herrschaft der Abbasiden in Sogdien zu erschüttern, ähnlich wie es Tang-Chinesen sechzig Jahre zuvor versucht hatten, nicht Teil eines Programms, um Menschen zum Buddhismus zu bekehren. Der Versuch der Tibeter, die Herrschaft der Abbasiden in Sogdien zu erschüttern war eine rein politisch und wirtschaftlich motivierter Schachzug, bei dem es um Macht, Territorium und Steuern aus dem Handel entlang der Seidenstraße ging. Die religiösen Führer Tibets waren zu der Zeit vollauf damit beschäftigt, den Buddhismus innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu festigen und ihn sowohl von interner Korruption, als auch von säkularer Einflussnahme frei zu halten. Auch wenn diese Führer bei den Regierungsgeschäften mitwirkten, dehnte sich deren Einflussbereich nicht auf militärische Angelegenheiten aus. Ihr Interesse an äußeren Angelegenheiten richtete sich – im Anbetracht der Zukunft des Buddhismus in Tibet – alleinig auf den Aufbau kultureller Beziehungen mit Pala-Indien und Tang-China.

Die Abbasiden wiederum wussten zweifellos nichts über den religiösen Glauben der Turki-Shahi und der Tibeter. Was sie wahrnahmen, waren einfach nur fremdländische Streitkräfte, die einen Kult religiös-fanatischer Rebellen unterstützten, die sich nicht nur daran störten, wie ihre Untertanen den Islam praktizierten, sondern die auch versuchten – was noch zentraler war – sie aus ihrer politischen Machtposition zu verjagen. Der Dschihad, der heilige Krieg, richtete sich in Wirklichkeit gegen die Turki-Shahi und gegen die Politik der Tibeter, nicht aber gegen die Ausübung der buddhistischen Religion als solche.

Al-Ma'mun war in keinerlei Hinsicht ein engstirniger, religiöser Fanatiker. Wie sein Vater Harun al-Rashid, war er kulturell aufgeschlossen und unterstütze weiterhin die Übersetzung indischer Texte. Seine Herrschaft sah nicht nur neue Höhepunkte des wissenschaftlichen Zeitalters der Abbasiden, sondern auch eine zunehmende Verbreitung von positiven Informationen in Bezug auf das Gedeihen der indische Zivilisation. Die Informationen verbreiteten sich bei den Arabern und deren muslimischen Untertanen. Im Jahr 815 zum Beispiel, demselben Jahr als der Kalif den Kabul-Shah besiegte, publizierte al-Jahiz (geb. 776) in Bagdad die Schrift Fakir as-Sudan ala l‘ Bidan (Die Überlegenheit der Schwarzen über die Weißen), die einen Lobpreis über die großen kulturellen Errungenschaften Indiens enthielt. Es gab daher damals unter den Abbasiden positive Empfindungen gegenüber Indien und diese positive Stimmung dehnte sich zweifellos auf Inder aller Religionen aus, den Buddhismus mit eingeschlossen.

Wäre der Dschihad, den al-Ma'mun führte, gegen den Buddhismus selbst gerichtet gewesen, hätte er den heiligen Krieg nicht nur gegen die Allianz aus Tibetern, Turki-Shahi, Karluken und Oghusen geführt, sondern auch gegen die Bewohner des indischen Subkontinents, auf dem der Buddhismus deutlich sichtbarer und besser etabliert war. Nach dem Sieg in Kabul griffen die Streitkräfte des Kalifen jedoch Gilgit und Fergana an, nicht aber Oddiyana. Sie hatten andere Ziele im Sinn.

Lassen Sie uns die Situation in Tibet untersuchen, kurz bevor al-Ma'mun siegreich gegen Gandhara und Gilgit zu Felde zieht. Dadurch werden wir die damalige Situation besser würdigen können. Dies könnte uns auch dabei helfen herauszufinden, warum die Unterwerfung von Kabul-Shah und dem tibetischen Befehlshaber so wenig Wirkung auf die Verbreitung des Islam in Tibet oder seine Vasallenstaaten hatte.