Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die historische Interaktion zwischen den buddhistischen und islamischen Kulturen vor der Zeit des mongolischen Reichs

Alexander Berzin, 1996
leicht revidiert, Januar 2003, Dezember 2006
Übersetzung ins Deutsche: Tara Dorn

Teil II: Die frühe Periode der Abbasiden (750 – Mitte des 9. Jhs. u. Z.)

8. Die religiöse Bekehrung der Osttürken

Erste Begegnung mit dem Buddhismus

Nach dem Sturz der Han-Dynastie im Jahr 220 u. Z. gewann der Buddhismus in Nordchina an Stärke. Nordchina war zerstückelt und wurde von einer Aufeinanderfolge von Nicht-Han-Chinesen und Staaten regiert. Der größte Schützer des Buddhismus unter ihnen war die Nördliche Wie-Dynastie (386 – 535) der Stammesföderation der Tabgatsch, die die Innere Mongolei und das nördliche Han-China umspannte.

[ Siehe Karte sechszehn: Frühe Mogolei.]

Die Alten Türken, die erste Gruppe von der berichtet wird, dass sie eine türkische Sprache sprachen, hatten ihren ersten Auftritt in den Seiten der Geschichtsbücher als eine Gruppe von Metall bearbeitenden Menschen, die in den Städten des Gebietes der Tabgatsch lebten. Diese Gruppe stammte ursprünglich unzweifelhaft von einem nomadischen Stamm aus den Steppen im Norden ab, da sich ihr heiliger Berg Otukan in der Zentralmongolei auf der anderen Seite der Gobiwüste des von den Stämmen der Tabgatsch gehaltenen Landes befand.

Die Alten Türken folgten einer religiösen Tradition, die den Schamanismus mit einem Glauben vermischte, den westliche Gelehrte als „Tengrismus“ bezeichnen, einen Glauben, der den Himmel (türk. Tengri) als höchsten Gott verehrt und bei dem bestimmte Berge als Sitz der Macht angebetet werden. Tengrismus war nie eine organisierte Religion und erschien in verschiedenen Formen bei fast allen Menschen der zentralasiatischen Steppe – so fand sich dieser Glaube in gleicher Weise unter Türken, Mongolen und Tanguten. In seiner türkischen Form unterstützte er die türkische Sozialstruktur, die auf der Grundlage einer Hierarchie von Stämmen aufgebaut war. Ein Stamm ist dominant und sein Häuptling ist der Ursprung einer Erblinie von Herrschern über alle Stämme.

Die türkische Ausprägung des Tengrismus betrachtete dann jeden Häuptling, der den Otukan beherrschte, als höchsten Herrscher (Kaghan, türk. qaghan) über alle türkischen Stämme und als Verkörperung des Glücks der Gesellschaft. Verringerte sich das Glück der türkischen Gesellschaft, war der Kaghan verantwortlich und konnte sogar geopfert werden. Sein Sohn würde ihm dann in die Position des Herrschers nachfolgen.

Einem solchen Glaubenssystem anhängend, begegneten die Türken dem Buddhismus zuerst in den Städten der Stammesföderation der Tabgatsch. Dabei begegneten die Türken dem Buddhismus besonders in seiner nordchinesischen Ausprägung, die die Ergebenheit durch das Volk und die Untertänigkeit des Klerus zum Staat betonte. Dieser soziale Stil des Buddhismus passte gut zu den türkischen tengrischen Vorstellungen der Stammeshierarchie.

Unter der Herrschaft des Ruanruan-Staates (400 – 551) waren die Türken unzufrieden mit der Herrschaft der Tabgatsch, daher wanderte die Mehrheit der Türken in Richtung Westen nach Gansu aus. Die Ruanruan beherrschten die Wüsten, Weiden und Waldgebiete von Kucha bis zu den Grenzen von Korea, einen großen Teil der Mongolei eingeschlossen. Nachdem die Ruanruan nach und nach die tabgatschische und khotanesische Form des Buddhismus annahmen, den sie in den ostturkistanischen Oasenstädten, die sie beherrschten, vorfanden, und diese Formen des Buddhismus in ihrem Machtbereich verbreiteten, kamen die Alten Türken ebenfalls mit dieser vom Iran beeinflusste Form des Buddhismus in Kontakt. In einem zoroastrischen Milieu wurde Buddha zum „König der Könige“, einem „Gott der Götter“.

Bumin Khan besiegte die Ruanruan im Jahr 551. Die Schutzherrschaft des Berges Otukan übernehmend, erklärte er sich zum Kaghan und errichtete das Alte Türkenreich. Zwei Jahre später zerfiel es in einen östlichen und westlichen Teil.

Im sich in der Mitte der Mongolei befindlichen Ersten Türkenreich (553 -630), das von Bumin Khans Sohn Muhan Kaghan (553 – 571) gegründet wurde, übernahm man die von den Türken praktizierten Traditionen des Schamanismus und des Tengrismus. Da es diesen religiösen Traditionen an einer religiösen Struktur fehlte, waren sie zu schwach um eine einende Kraft zu formieren, mit der sie eine neue Nation hätten gründen können. Die Staaten der Ruanruan und der tabgatschischen Wei als Vorbilder betrachtend, erkannten die Kaghane, dass der Buddhismus für die Aufgabe der Gründung einer neuen Nation geeignet war. Da die Türken bereits mit der nördlich-chinesischen und tokarisch-khotanesischen Ausprägung des Buddhismus vertraut waren, waren die Kaghane begierig, engeren Kontakt mit diesem Glauben aufzubauen und ihn dem traditionellen türkischen Glauben einzuverleiben. Die Kaghane hofften, dass die buddhistischen Mönche, genauso wie sie für das Wohlergehen der nördlich-chinesischen, buddhistischen Staaten beteten, dasselbe auch für das osttürkische Reich tun könnten. Überdies könnte, genauso wie die Gefolgschaft des Buddhas sich nach und nach erweiterte, indem alle zoroastrischen Götter, mit dem Buddha als ihren König, aufgenommen wurden, sich der Buddhismus weiter verbreiten, indem er ebenso die Vielfalt der türkischen Götter (tengri) beherbergen würde.

Nach dem Zerfall des Nördlichen Wei-Reiches, setzten seine kleineren Nachfolgestaaten ihr Patronat des nördlich-chinesischen Buddhismus fort. Zwei dieser kleinen Nachfolgerstaaten, das Nördliche Qi (Ch´i) (550 – 577) und das Nördliche Zhou (Chou) (557 – 581), wurden zinspflichtige Staaten der Osttürken. Als Zeichen ihrer Freundschaft erbaute der Minister des Nördlichen Qi einen Tempel im nördlich-chinesischen Stil für sechstausend Türken, die noch immer in Chang´an lebten. Muhan Kaghan erwiderte die Geste erfreut, indem er einige Han-chinesische Mönche vom Norden seiner Festung in der Mongolei einlud, um die Menschen zu unterweisen.

Die Einführung der sogdischen Sprache für den säkularen Gebrauch

Als Nachfolger der Ruanruan herrschten die Osttürken über die tokarische Oase von Turfan. Viele frühere ethnische Gruppen von Nomaden der mongolischen Steppen oder Wüstenränder wie die tabgatschischen Wei, hatten die Han-chinesische Kultur angenommen und dann ihre Identität verloren. Dieses Präzedenzfalles gewahr, wollte Muhan Kaghan vermeiden, dass dies auch seinem Volk geschieht. Kurz nach der Errichtung seines osttürkischen Reiches wandte er sich daher an die Gemeinschaft der sogdischen Kaufleute von Turfan, um sie mit einer nicht-chinesisch geschriebenen Sprache für administrative und finanzielle Zwecke zu versehen.

Die Kaghane wählten Sogdisch, da es zu dieser Zeit die einzige zentralasiatische Sprache des Tarimbeckens war, die es in geschriebener Form gab. Ihr Gebrauch war auf den säkularen Bereich beschränkt und wurde ursprünglich nur für den Handel verwendet. Sogdisch wurde nicht nur in Turfan gesprochen und geschrieben, sondern auch entlang der Seidenstraße. Einheimische Sprachen wie Tocharisch und Khotanesisch gab es zu dieser Zeit nur in einer mündlich überlieferten Form.

Religiöse Verfolgung in Han-China und Sogdien

Zwischen 574 und 579, während der Herrschaft des zweiten osttürkischen Kaghan Tapar (reg. 572 - 581), führten die zollpflichtigen Staaten des osttürkischen Reiches, die Nördlichen Qi und Nördlichen Zhou, eine Verfolgung des Buddhismus ein. Die Verfolgung wurde vor allem aufgrund des Einflusses der taoistischen Minister eingeleitet, die eifersüchtig auf die Unterstützung der Klöster durch die Regierung waren. Viele Han-chinesische Mönche und vier gandharisch-buddhistische Übersetzer aus Kabul, die zu Besuch waren, flohen, angeführt von Jinagupta (528 – 605), aus Chang‘ an an den osttürkischen Hof. Dort trafen sie mit zehn Han-chinesischen Mönchen zusammen, die eben aus Indien mit 260 buddhistischen Texten zur Übersetzung zurückgekehrt waren und die, wie sie auch, Asyl erhielten.

Zu ungefähr derselben Zeit dieser Entwicklung im Nördlichen Han China, verfolgte der sassanidische Kaiser Chosrau I. (reg. 531 – 578) ernsthaft den Manichäismus und all jene religiösen Traditionen, die er als häretische zoroastrische Sekten im Iran und in Sogdien betrachtet. Das verursachte eine neue Migrationswelle religiöser Flüchtlinge in die Oasenstädte von Ostturkistan. Durch die Anstrengungen der manichäischen Mission, begann Mar Shad Ohrmizd (gest. 600), der die Immigranten, die Sogdier – besonders in Turfan – begleitete, zum ersten Mal manichäische Texte aus der originalen partischen und syrischen Version, wie sie in ihrer Heimat verwendet wurde, in ihre Sprache zu übersetzen. Sie unternahmen wahrscheinlich diesen Schritt, weil sie von der Notwendigkeit überzeugt waren, sich zum Wohle ihrer religiösen Gemeinschaft von den Wechselfällen der heimischen Politik unabhängig zu machen und sich selbst zu versorgen.

Die ersten schriftlichen Übersetzungen von buddhistischen Texten ins Tocharische

In Ostturkistan wurden bis zu dieser Zeit buddhistische Texte vor allem in der originalen indischen Sprachen Sanskrit oder gandharischem Prakrit, oder manchmal auch in chinesischer Übersetzung, geschrieben, studiert und gesungen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass buddhistische Schriften bis dahin je in zentral-asiatische Sprachen übersetzt worden wären, geschweige denn, dass sie in zentral-asiatischen Sprachen aufgeschrieben worden wären. Die ersten Anzeichen für solche Übersetzungsarbeiten, zeigten sich erst jetzt, in der Mitte des 6. Jahrhunderts.

Die ersten geschriebenen tocharischen Dokumente finden sich in diesem Zeitraum. Dabei handelt es sich um Übersetzungen buddhistischer Texte aus dem Sanskrit in den Dialekt von Turfan. Vielleicht wurden die tocharischen Buddhisten von Turfan durch die mit ihnen lebenden manichäischen Sogdier angeregt, diesen Schritt zu unternehmen, um so ihre unabhängige und persönliche kulturelle Identität zu sichern. Obwohl frühe tocharische buddhistische Meister wie Kumarajiva ( 344 – 413) sich aktiv daran beteiligten, indische Texte ins Chinesische zu übersetzen, hielten die Tocharer weiterhin an ihrer eigenen Form des Buddhismus fest, die auf den Sanskrit-Schriften basierte. Da sie die Oasen entlang des nördlichen Randes des Tarimbeckens als ihre Heimat betrachteten und keinen Kontakt mit ihren ursprünglichen europäischen Wurzeln hatten, und weil ihre Städte von einer Abfolge fremder Dynastien beherrscht wurden, könnte sehr wichtig für sie gewesen sein, sich eine unabhängig kulturelle Identität zu erhalten. Die Verfolgung des Buddhismus in Han-China beeinflusste unzweifelhaft ihre Entscheidung, ihre eigene Sprache niederzuschreiben und ihre Schriften zu übersetzen.

Wie die Sogdier zu jener Zeit beim Übersetzen buddhistischer Texte in ihre eigene Sprache vorgingen

Die buddhistische Gemeinschaft der Sogdier in Turfan folgte beim Übersetzen ihrer Schriften in ihre Sprache und beim Übertragen ihrer Sprache in eine schriftliche Form aber nicht dem Beispiel der sogdischen Manichäer oder tocharischen Buddhisten. Sie unternahmen diesen Schritt aus einer Vielfalt möglicher Gründe ein weiteres Jahrhundert lang nicht. Lassen Sie uns einmal voraussetzen, dass einige dieser möglichen Gründe wahr gewesen wären.

Erstens waren die Sogdier von Ostturkistan Kaufleute und Händler. Möglicherweise empfanden sie, anders als die Tocharer, keine besondere Verbundenheit zu den Stadtstaaten in denen sie lebten. Sie betrachteten die Stadtstaaten nie als ihre Heimat, sondern blickten stattdessen auf Sogdien. Da sie sich eine persönliche Identität schufen, stand die Beziehung zu dem besetzten Land, in dem sie lebten, nicht im Vordergrund.

Zweitens war die ehemals patriotische sogdische Gemeinschaft in Ostturkistan multireligiös. Sie waren durch ihre Besetzung und durch die geschriebene Sprache, die sie für ihren Geschäftsverkehr verwendeten, vereint. Anders als bei den Tocharern, musste diese sogdische Gemeinschaft die Religion nicht für diesen Zweck verwenden. Darüber hinaus konnten die sogdischen Buddhisten von Turfan aus Unterstützung in Han-China finden, nicht wie die manichäischen Sogdier, die niemand anderen hatten als Sogdien und den Rest des sassanidischen Reiches, an die sie sich mit Bitte um Unterstützung ihrer Religion hätten wenden können. Sie schienen daher nicht besonders an der Sprache ihrer religiösen Texte zu hängen. Sie schienen mit religiösen Texten in Sanskrit und in gandharischem Prakrit unmittelbar wohl gefühlt zu haben, die auch in ihrer Heimat verwendet wurden, ebenso wie mit den chinesischen Übersetzungen, die sie aufzubereiten halfen. Obwohl der Buddhismus in Han-China verfolgt wurde und es in Sogdien eine instabile religiöse Situation gab, sahen sie offensichtlich keinen Grund dafür, ihre Texte zu dieser Zeit in ihre eigene Sprache zu übertragen.

Wenn die sogdischen Buddhisten von Ostturkistan gerne mehr Abstand von der religiösen Unsicherheit in ihrer Heimat hätten nehmen wollen, so hätten sie in ihrer religiösen Praxis verstärkt die chinesische Sprache verwenden können. Ihre manichäischen Brüder waren andererseits mit einer ähnlichen Situation konfrontiert und hatten keine andere Wahl, als ihre eigene religiöse Tradition in ihre Heimatsprache zu übersetzen. Die sogdischen Buddhisten sahen ihre kulturelle Identität offensichtlich nicht dadurch bedroht, dass sie das Chinesische für ihre religiöse Zwecke verwendeten. Vielmehr gründete ihre kulturelle Identität sich auf Einflussfaktoren aus ihrem säkularen Leben. Die Tendenz der sogdischen Buddhisten in Ostturkistan, sich in ihrem religiösen Leben stärker auf die chinesische Sprache und Tradition zu verlassen, erhielt durch die Welle der manichäischen-sogdischen Flüchtlinge, die in ihrer Mitte lebten, ziemlich wahrscheinlich seinen Antrieb. Neuankömmlinge wiesen zudem die religiösen Sprachen ihrer Geburtsländer zurück.

Die Übersetzung buddhistischer Texte in Alttürkische

Tapar Kaghan setzte im Vergleich zu den Sogdiern jedoch ziemlich unterschiedliche Prioritäten. Als Herrscher eines neu errichteten Reiches wollte er nicht, dass sich seine Untertanen, die Osttürken, sich in irgendeiner Weise auf die chinesische Sprache verließen. Sein Vorgänger verfolgte zuvor noch die Politik, auf dem säkularen Gebiet eine Fremdsprache zu verwenden, indem er sowohl die sogdische Sprache als auch die sogdische Schrift in seinem Reich einführte. Da die Sogdier keinen eigenen Staat hatten, wurde diese Maßnahme nicht als Bedrohung empfunden. Mit einem Zustrom von Han-chinesischen Mönchen, die auf das Gebiet der Osttürken flüchteten, empfand Tapar Kaghan nun allerdings eine dringende Notwendigkeit, für sein Volk eine Identität zu schaffen, die von den Han-Chinesen auch auf dem religiösen Gebiet unabhängig war. Er kreierte daher eine Mischung aus der indischen, nordchinesischen und tocharisch-khotanesischen Form des Buddhismus, die er noch durch Aspekte der tengrischen Religion erweiterte. Die Verfolgung des Buddhismus in Nordchina erinnerte ihn genügend an die Verfolgung der Manichäer in Sogdien, um ihn zu überzeugen, den tocharisch-buddhistischen und manichäisch-sogdischen Beispielen in Turfan zu folgen. Er errichtete daher in seiner Hauptstadt in der Mongolei ein Übersetzungsbüro, um buddhistische Texte in eine einzigartige zentral-asiatische Form zu übersetzen.

Um mit der säkularen Sphäre eine Übereinstimmung zu schaffen und um eine vereinte Hochkultur für sein Volk zu schaffen, wollte der Kaghan die sogdische Sprache auch für religiöse Zwecke einführen. Es existierten zu dieser Zeit aber keine buddhistischen Texte in der sogdischen Sprache. Die Sogdier verließen sich für ihre persönliche Praxis zunehmend auf die chinesischen Ausgaben buddhistischer Texte. Da der Kaghan keine buddhistischen Texte in der sogdischen Sprache bereitstellen konnte und die neuen tocharischen Übersetzungen nur zu einer weiteren Komplikation für sein Volk geführt hätten, da die Untertanen dann noch eine weitere Fremdsprache hätten lernen müssen, gab es nur eine realisierbare Lösung, durch die sich eine kulturelle Einheit verwirklichen ließ: Die buddhistischen Texte mussten ins Alttürkische übersetzt werden, dabei jedoch in der sogdischen säkularen Schrift geschrieben werden. Daher lud der Kaghan weitere Sogdier in die Mongolei ein und bat sie, ihr Alphabet für die besonderen Bedürfnisse des Vorhabens zu adaptieren und den geflohenen Han-chinesischen Mönchen im Übersetzungsbüro zu helfen, die Aufgabe zu erfüllen.

Dem gandharischen Meister Jinagupta, der mit den Han-Chinesen gekommen war und anfänglich das Büro leitete, fiel es leicht, die Entscheidungen des Kaghans richtig einzuschätzen, da bereits aus frühren Zeiten in Khotan viel Erfahrungen besaß und daher nicht strikt Han-chinesischen Formen des Buddhismus anhing. In die alttürkischen Übersetzungen flossen daher, so wie der Kaghan es wollte, indische, nordchinesische und tocharisch-khotanesische buddhistische Elemente und auch Aspekten des Tengrismus ein. Das Projekt war sehr erfolgreich, der Buddhismus wurde bald unter den einfachen Menschen und sogar bei den Soldaten des osttürkischen Gebiets populär.

Analyse und Zusammenfassung

Ein gemeinsames Merkmal der Geschichte Zentralasiens ist, dass die Gründer neuer Dynastien eine bereits gut etablierte, gut organisierte fremde Religion als offiziellen Staatsglauben annahmen, um so ihr Volk zu einen. Dies geschah häufig dann, wenn die einheimischen religiösen Traditionen entweder sehr dezentralisiert waren oder aber von einflussreichen, konservativen Parteien beherrscht wurden, die gegen die neue Herrschaft waren. Die fremde Macht, deren Religion sie annahmen, sollte aber nicht zu stark sein, da die neue Dynastie sich sonst der Gefahr gegenübersah, ihre eigene Identität und Unabhängigkeit zu verlieren.

Die Osttürken wandten sich daher mit der Bitte, ihr Reich mit Hilfe bei der Einführung einer neuen Religion zu einen, an die Sogdier und nicht an die Han-Chinesen. Ein weiterer Grund dafür, dass die Wahl der Osttürken auf die Sogdier fiel, war unzweifelhaft, dass die städtischen sogdischen Kaufleute den nomadischen Türken der Steppen erklärten, welche wichtige Bedeutung die Gebiete der Seidenstraße haben, die die Osttürken erobert hatten, und dass die Sogdier den Osttürken die Tragweite dieser Eroberung deutlich machen konnten. Die türkischen Herrscher erkannten schnell, dass ein Bündnis mit den Sogdiern ihnen einen großen wirtschaftlichen Nutzen bringen würde.

Obwohl die Hauptreligion der Sogdier der Manichäismus war und nicht der Buddhismus, wandten sich die Osttürken zudem dem Buddhismus als einende Religion zu und nicht Manichäismus dem. Dies geschah vermutlich, weil der Buddhismus in dem Gebiet zu dieser Zeit die stärkste Religion war, trotz der Tatsache, dass der Buddhismus im nördlichen Han-China während der 570er-Jahre zeitweise einen Rückschlag erlebte.

Wieviel Weisheit in der Religionswahl der Osttürken lag, wurde nochmals im Jahr 589 bestätigt, als Wendi (Wen-ti), der Gründer der Sui (Sui)-Dynastie, bei der Wiedervereinigung von Han-China dadurch Erfolg hatte, dass er den Sieg unter dem Banner des Buddhismus feierte. Die indische Religion hatte dadurch ihre übernatürliche Macht dadurch bewiesen, dass sie eine neue Dynastie in ihrer Macht bestärkte. Wie weise die Entscheidung der Türken war, diese indische Religion in ihrer eigenen alttürkischen Sprache und in der sogdischen Schrift zu praktizieren, wurde gleichwohl nochmals dadurch bestätigt, dass sie es geschafft hatten, nicht in den militärischen Schlagwechsel der Sui im nördliche Han-China hineingezogen zu werden.

Als Tonyukuk die zweiten osttürkischen Kaghans mehr als hundert Jahre später davon überzeugte, den Buddhismus fallenzulassen und zu den Bräuchen und Praktiken des Tengrismus und der türkischen schamanischen Tradition zurückzukehren, war die maßgebliche Begründung dafür, dass der Buddhismus sich als schwach erwiesen hätte, da der Buddhismus den Tang-Chinesen gestattet hätte, die erste osttürkische Dynastie in den 630er-Jahren zu beenden. Erfolgreich dabei zu sein, transzendentale Macht für militärische und politische Siege zu gewinnen, schien daher das Hauptkriterium gewesen zu sein, das von den Türken und später von anderen türkischen und mongolischen Völkern benutzt wurde, um eine Religion zu wählen.