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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Startseite > E-Bücher > Unveröffentlichte Bücher > Ausgewogene Sensibilität entwickeln: Praktische buddhistische Übungen für den Alltag > 19 Das Unbehagen über die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens beseitigen

Ausgewogene Sensibilität entwickeln:
Praktische buddhistische Übungen für den Alltag

Ursprüngliche deutsche Veröffentlichung:
Berzin, Alexander. "Den Alltag meistern wie ein Buddha: Übungen für einen feinfühligen Umgang mit sich selbst und anderen". Übers. Tom Geist. München: Diamant Verlag, 2000.

Ursprüngliche englische Version:
Berzin, Alexander. Developing Balanced Sensitivity: Practical Buddhist Exercises for Daily Life. Ithaca, Snow Lion, 1998.

Teil V: Fortgeschrittenes Training

19 Das Unbehagen über die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens beseitigen

Die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens

Die Literatur des Lamrim (Stufenpfad) spricht von „acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens“. Diese sogenannten „acht weltlichen Dharmas“ wie sind: Lob oder Kritik, gute oder schlechte Neuigkeiten, Gewinne oder Verluste, und dass die Dinge gut oder schlecht laufen. Bei jeder dieser Angelegenheiten können wie sowohl der Handelnde als der „ Empfänger“ der Handlung sein. Doch egal ob wir der Handelnde oder der Empfänger sind: meistens verbindet sich das Tun oder Erleiden dieser Dinge mit einer Überreaktion, bei der wir unser Gleichgewicht verlieren, indem wir erregt, deprimiert oder unausgeglichen werden. Wenn die Dinge gut oder schlecht laufen, fühlen wir uns ähnlich aus der Balance geworfen, egal, ob wir in diesen vergänglichen Situationen der Handelnde oder einfach nur der Erleidende sind.

Eine traditionelle Methode, unsere Überempfindlichkeit gegenüber diesen flüchtigen Dingen zu überwinden, ist, die Relativität unserer Erfahrungen zu erkennen. Zum Beispiel: auch wenn uns jemand lobt, werden andere immer Fehler an uns sehen – und genauso umgekehrt. Wir können daher eine Szene, in der wir kritisiert werden, dekonstruieren, indem wir an die Tausende von Menschen denken, die uns in unserem Leben gelobt oder kritisiert haben, und an die, die dies in Zukunft tun werden. Und wenn wir selber jemanden kritisieren müssen, können wir ebenfalls an die unzähligen Male denken, in denen wir eine andere Person gelobt haben oder ihr unsere konstruktive Kritik mitteilen mussten – und daran, dass wir das gleiche sicher auch in Zukunft werden tun müssen. Dank solcher Gedanken und dank dem Gleichmut, den wir dadurch entwickeln, rücken wir unsere Erfahrungen ins rechte Bild, was uns hilft, nicht überzureagieren. Wir fühlen uns weiterhin in angebrachter Weise glücklich oder traurig, wenn wir irgendeines dieser Dinge empfangen oder austeilen, doch wir werden von dem Ereignis nicht emotional überwältigt oder umgeworfen.

Wenn wir diese „vergänglichen Angelegenheiten des Lebens“ erhalten, können wir auch bedenken, was uns den Eindruck vermittelt, die von diesem Menschen jetzt gesprochenen Worte einer würden seine tatsächlichen Gefühle uns gegenüber wiederzuspiegeln. Wenn uns zum Beispiel jemand anschreit, warum verlieren wir dann sofort all die freundlichen Dinge aus dem Blick, die er oder sie uns zuvor gesagt hat? Wenn sich die Person dann beruhigt hat und wieder liebevoll spricht, warum leugnen wir dann manchmal die Bedeutung der vorangehenden aufregenden Situation? Oder warum halten wir andererseits manchmal an der Erinnerung einer Wunde so fest, als habe sie einen größeren Wirklichkeitswert, egal wie sehr uns die andere Person ihre Zuneigung beteuert? Lob, Tadel und so weiter sind vergängliche Größen. Keine von ihnen hält an.

Die dualistische Erscheinung des Empfangens oder Austeilens einer der acht dekonstruieren

Eine andere Methode, um angesichts von Gewinnen, Verlusten, und so weiter die Balance zu bewahren, ist es, die dualistische Erscheinung zu dekonstruieren, die unser Geist auf diese Ereignisse projiziert. Zum Beispiel: wenn wir einen Dank erhalten oder die Freundschaft von jemandem verlieren, dann erzeugt unser Geist das Gefühl, es gäbe ein konkretes „ Ich“ und ein konkreten Gewinn oder Verlust. Da wir glauben, dass diese trügerische Erscheinung der Realität entspricht und uns verunsichert fühlen, halten wir diese Erfahrung für eine Bestätigung oder eine Verneinung unseres Wertes als Person. Deshalb reagieren wir nicht nur übermäßig auf die gegebene Situation, indem wir euphorisch oder deprimiert werden, sonder wir wollen wir auch weitere Gewinne und fürchten uns vor weiteren Verlusten in der trügerischen Suche danach, dieses imaginäre „konkrete Ich“ sicherer zu machen.

Das Überreagieren auf die acht vergänglichen Dinge entsteht deshalb, weil wir entweder an den natürlichen Qualitäten des Geistes haften oder aber uns ihnen gegenüber unwohl fühlen. Wenn wir Lob, Kritik oder gute oder schlechte Neuigkeiten erhalten, beinhaltet dies, dass man zum „Sender“ oder „Empfänger“ von sprachlichen Äußerungen, Sinneserfahrungen und Energie wird. Wenn man in einer Situation von Gewinnen oder Verlusten der Handelnde oder der Erleidende ist, dann impliziert dies dieselben Qualitäten wie im vorangehenden Beispiel und manchmal auch warme Anteilnahme. Wenn man der Empfänger oder der Handelnde ist, wenn die Dinge gut oder schlecht gehen, beinhaltet dies, dass man Freude oder die Abwesenheit von Freude empfängt oder austeilt.

Damit wir aufhören, auf diese Angelegenheiten des Lebens zu überreagieren, müssen wir die Art, in der wir sie erleben, dekonstruieren. Zum Beispiel: wenn wir etwas Angenehmes erhalten oder geben, dann ist dies kein Beweis dafür, dass ein imaginäres, „konkretes Ich“ wundervoll ist. Und ebenso wenig ist es eine Bedrohung der Unabhängigkeit eines solchen „Ichs“. Und genauso: wenn wir etwas Unangenehmes geben oder empfangen bedeutet dies nicht, dass dieses scheinbar konkrete „ Ich“ eine schreckliche Person ist. Ebenso wenig begründet es eine anscheinend konkretes „Ich“ oder „ du“ , das Schmerz verdient.

Weil unsere Verwirrung uns glauben lässt, dass etwas Ausgesprochenes real ist, verstärken unsere geistigen Kommentare und unsere Sorgen diese dualistischen Gefühle. Deshalb können wir anfangen, unseren Glauben an diese Mythen aufzulösen, indem wir weder laut noch innerlich Kommentare über sie machen bevor, während oder nachdem wir diese Dinge empfangen oder geben.

Dank einer korrekten Dekonstruktion werden wir dazu fähig, uns zu entspannen, wenn wir die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens geben oder empfangen. Wenn wir der Empfänger sind, leugnen wir nicht, dass sie uns betreffen – und nicht etwa sonst jemanden – und trotzdem nehmen wir sie nicht persönlich. Und wenn wir der „Gebende“ sind, leugnen wir nicht, dass wir und niemand anderes sie in dem Moment austeilt, doch wir tun es nicht in einer selbstbefangenen Weise. Wir erleben diese Ereignisse als Wellen der natürlichen Aktivitäten unseres Geistes des klaren Lichtes, wie sprachliche Ausdrücke zu empfangen oder zu äußern.

Außerdem: eine korrekte Dekonstruktion raubt diesen Ereignisse nicht die glücklichen oder traurigen Gefühlen, die sie natürlich begleiten. Sie beraubt sie nur ihrer Kraft, uns umzuwerfen. Dadurch vermeiden wir übersensible Reaktionen und unsensible Verhaltensweisen. Indem wir die Realität der betreffenden Situation akzeptieren, können wir sensibel mit ihr umgehen. Wenn wir zum Beispiel Lob oder Kritik in einer ruhigen Weise untersuchen, können wir etwas daraus lernen.

Übung 21: Das Unbehagen über die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens vertreiben

Während der ersten Phase dieser Übung arbeiten wir einzeln mit jeder der acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens. Zuerst betrachten wir den Fall, in dem wir der Empfänger sind, und dann den, bei dem wir eines dieser Dinge einer anderen Person „geben“. Wir beginnen, indem wir uns an eine Situation erinnern, in der wir auf eine der acht Angelegenheiten überreagiert haben. Egal, ob unser Muster darin besteht, dass wir nach der vergänglichen Angelegenheit Greifen oder dass wir Abneigung gegen sie haben: wir bereuen das Leiden, dass unser Mangel an Ausgeglichenheit uns selbst oder der anderen Person verursacht hat. Wir fassen den Entschluss, dieses künftig zu verhindern, und dekonstruieren dann unser störendes Syndrom.

Die Tantra-Praxis benutzt manchmal kraftvolle Bilder, um uns aus unseren gewöhnlichen neurotischen Gefühlsmustern “herauszuschütteln“. In der vorangehenden Übung haben wir mit den Bildern eines Diaprojektors, des Windes und so weiter, an eine sanfte Form der Dekonstruktion gewöhnt. Nun wollen wir ein stärkeres Bild benutzen, um die dualistischen Erscheinung und unser Glauben an sie, die uns überreagieren lassen, zu vertreiben. Wir werden das Bild aus Übung 11 benutzen, bei dem der Ballon unserer Fantasie explodiert.

Ein „konkretes Ich“ das in unserem Kopf sitzt und ein Gewinn oder ein Verlust, der so absolut ist, dass er den Wert oder die Wertlosigkeit eines solches „Ichs“ begründet – all dies sind groteske Fiktionen: sie entsprechen nichts real Existierendem. Wenn wir uns unsere Einsicht in diese Tatsache bildlich ausmahlen, indem wir den Ballon unserer Fantasie zum platzen bringen, versuchen wir die Schockwelle der Explosion als etwas wahrzunehmen, dass uns aus unserem Tagtraum weckt. Wir versuchen zu spüren, wie unsere Verwirrung und unser Anhaftung oder Abneigung in einem Augenblick verschwinden und keine Spur hinterlassen. Das Platzen unserer Fantasie hinterlässt uns nur eine Welle der Erfahrung, die als die Basis der Fantasie gedient hat.

Wenn wir versuchen, diese Welle aus der ozeangleichen Perspektive der Aktivität des klaren Lichtes zu verstehen, stellen wir uns als nächstes vor, die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens ohne Spannungen oder innere Kommentare zu empfangen und zu geben. Ohne dass wir die Erfahrung der Welle verleugnen oder das Gefühl von Glück oder Trauer, das sie in einer natürlichen Weise mit sich bringt, lassen wir diese Dinge zur Ruhe kommen und vorbeiziehen.

Dann erinnern wir uns an ein Gefühl der Spannung, wenn jemand überreagiert hat als er oder sie eine der vergänglichen Angelegenheit von uns erhalten oder uns gegeben hat. Wir erkennen die Verwirrung, die hinter der Übersensibilität der Person steht und dekonstruieren unsere dualistische Reaktion, indem wir uns vorstellen, dass sie plötzlich platz, wie ein Luftballon. Dann versuchen wir uns vorzustellen, wie wir urteilsfrei, mit ausgewogener Sensibilität reagieren, indem wir voller Mitgefühl Dinge wie die Wut oder die Depression der anderen Person, mit der sie auf unsere konstruktiven Kritiken reagiert, akzeptieren. Weder ignorieren wir die Emotionen der anderen Person noch lassen uns aus der Fassung bringen und bekommen Schuldgefühle. Stattdessen stellen wir uns vor, dass wir traurig über das Ereignis sind und sagen der Person was wir spüren. Obwohl wir ruhig sind könnte sich die Person noch mehr aufregen, wenn wir gar keine Emotion zeigen.

Für die anfängliche Praxis in einem Workshop oder Zuhause kann man üben, indem man die acht vergänglichen Angelegenheiten bloß erhält und nur ein persönlich relevantes Beispiel wählt. Um auf einer fortgeschritteneren, tiefer gehenden Ebene zu üben, können wir mit all den zitierten Beispielen arbeiten, in denen wir sowohl geben als auch empfangen.

Lob oder Kritik erhalten oder geben

(1) Wir erinnern uns, wie wir uns entweder selbstgefällig waren oder uns unwürdig gefühlt haben, als wir von jemandem gelobt wurden. Unser Vorgesetzter hat uns beispielsweise gesagt, dass wir ein guter Arbeiter sind, der freundlich zu den anderen Angestellten ist. Indem wir unser Gefühl, anscheinend konkrete Worte zu hören, die beweisen, dass es ein anscheinend konkretes „ Ich“ gibt, der ein Heiliger oder ein Schein-Heiliger ist, auflösen, versuchen wir uns vorzustellen, wie wir auf sie hören, ohne Spannung oder innere Kommentare. Es sind lediglich Wellen von sprachlichen Äußerungen und Sinneserfahrungen, nicht mehr und nicht weniger. Wir fühlen uns natürlich glücklich, wenn sie zutreffen, und unglücklich, wenn sie falsch sind, doch wir machen kein monumentales Ereignis daraus, dass wie diesen Lob erhalten haben. Aus Bescheidenheit können wir die Anerkennung höflich zurückweisen, doch wir machen protestierend keine störende Szene.

Dann erinnern wir uns an das Gefühl des Verärgertseins oder des Unwohlseins über jemanden, der zu sehr geprahlt hat oder zu sehr protestiert hat, als wir sie oder ihn für gute Arbeit gelobt haben. Indem wir die Verwirrung hinter der Überreaktion der Person verstehen, dekonstruieren wir unsere dualistische Reaktion darauf und versuchen uns vorzustellen, wie wir geduldig zuhören. Wir fühlen uns traurig über den Mangel an Reife und Ausgewogenheit dieses Menschen. Doch wir machen weder laut noch innerlich Kommentare und wir lassen die Erfahrung des Hörens vorbeiziehen. Das nächste Mal werden wir genauer überlegen, ob es sinnvoll ist, diesen Menschen direkt in seiner Anwesenheit zu loben.

(2) Wir wiederholen den Vorgang, indem wir uns daran erinnern, wie wir jemanden gelobt haben, beispielsweise für eine gut getane Arbeit. Möglicherweise haben wir uns, während wir die Worte aussprachen, herablassend freundlich, bloßgestellt oder unbehaglich gefühlt. Diese Gefühle entstanden aus dem Glauben an ein konkretes „Ich“, das seine Existenz beweisen kann, indem es konkrete Worte des Lobes aussprach oder fühlte, dass seine Überlegenheit durch das Aussprechen dieser Wort in Gefahr gebracht wurde. Doch das einzige, was geschehen ist, war nur das Auftreten des sprachlichen Ausdrucks unserer Natur des klaren Lichts. Indem wir uns diese Tatsache weiterhin vergegenwärtigen, versuchen wir, das Entstehen unserer Worte in einer nicht-dualistischen Weise zu erleben, und sie vorbeiziehen zu lassen. Wir erinnern uns dann an das Gefühl des Misstrauens oder der Beschämung über jemanden, der sich unwohl fühlte, als er uns lobte, und dekonstruieren dieses Gefühl.

(3) Als nächstes arbeiten wir mit Gefühlen der Wut, Kränkung oder des niedrigen Selbstwertgefühls als wir kritisiert oder getadelt wurden, etwa, weil wir schlecht gearbeitet haben. Nehmen wir an, dass wir die Erfahrung erfolgreich dekonstruieren, so dass wir nicht überreagieren, wenn wir solche Worte hören. Wir können weiterhin überempfindlich auf die negative Energie der Person reagieren. Um zu vermeiden, aus der Fassung zu geraten, müssen wir diese Energie durch uns fließen lassen, ohne Abneigung oder Angst zu verspüren, wie wir es in Übung 20 gelernt haben. Wenn wir uns entspannen und die Energie der anderen Person als eine Welle von Aktivität des klaren Lichts sehen, dann kann sie uns nicht schaden. Dann erinnern wir uns an das Gefühl des schlechten Gewissens oder der Kälte gegenüber einer Person, die überreagiert hat, als wir sie oder ihn konstruktiv kritisiert haben, und dekonstruieren dieses Gefühl.

(4) Als letztes dekonstruieren wir das Gefühl der Selbstgerechtigkeit, der Nervosität oder der Aufregung wenn wir jemanden konstruktiv kritisieren, beispielsweise bezüglich seiner oder ihrer Arbeitsleistung. Wir müssen unser Gefühl der Existenz eines scheinbar konkreten „Ichs“ loslassen, das auf einem Sockel steht und seine Existenz behauptet, indem es scheinbar konkrete Worte ausspricht, oder zittert aus Furcht vor Repressalien und aus einem Mangel an Sicherheit aufgrund dieser Worte. Wir versuchen noch einmal das Aussprechen von Kritik als eine Welle der Aktivität des klaren Lichtes zu sehen. In ähnlicher Weise erinnern wir uns daran, wie wir ärgerlich oder enttäuscht waren über jemanden, der zu schüchtern oder zu höflich war, um uns unsere Fehler zu nennen, als wir ihn um eine kritische Bewertung unserer Arbeit gebeten hatten. Dann dekonstruieren wir auch diese Szene.

Das Erhalten oder Mitteilen guter oder schlechter Nachrichten

(1) Nach derselben Prozedur erinnern wir uns an das Erhalten guter Nachrichten, beispielsweise, als wir eine Prüfung bestanden hatten. Wir haben möglicherweise reagiert indem wir derart überglücklich und falsch selbstbewusst wurden, dass wir danach nicht mehr ausreichend gelernt haben und bei der nächsten Prüfung durchgefallen sind. Oder wir haben gedacht, dass es nur ein Glückstreffer war; darauf waren wir bei der nächsten Prüfung voller Aberglauben und zu nervös, um gut abzuschneiden. Indem wir unsere dualistische Sicht entspannen, versuchen wir uns vorzustellen, dass wir die Nachrichten als eine Welle von Sinneserfahrungen hören. Wir fühlen uns glücklich, dass wir bestanden haben und lernen dann weiter hart für die nächsten Examen. Wir erinnern uns auch daran, wie wir jemanden herablassend betrachtet haben, der sich übermäßig aufgeregt und wie ein Kind verhalten hat, als wir ihm gute Nachrichten mitgeteilt haben. Dann dekonstruieren wir dieses Gefühl.

(2) Als nächstes erinnern wir uns daran, wie wir jemandem gute Neuigkeiten mitgeteilt haben, etwa, dass er oder sie eine Prüfung bestanden hat. Mögliche Überreaktionen wären, dass wir uns selbstgefällig als die Ursache für das Glück des anderen Menschen ansehen, oder dass wir noch aufgeregter werden als er oder sie, so dass er oder sie sich unwohl fühlt. Alternativ können wir sogar eifersüchtig gedacht haben, dass dieser Mensch es eigentlich nicht verdient hätte, durchzukommen. Indem wir die Gefühle des Dualismus beruhigen, die hinter diesen Reaktionen stehen, versuchen wir uns vorzustellen, wie das Mitteilen der guten Neuigkeiten eine Welle von verbaler Aktivität des klaren Lichtes ist. Wir fühlen uns natürlicherweise glücklich über die Nachrichten, blähen unsere Rolle dabei aber nicht auf. Dann erinnern wir uns an das Gefühl der Verlegenheit oder der Empörung über die anscheinend unpassende Gefühlsäußerung eines anderen, als er aufgeregter als wir war, während er uns gute Nachrichten mitteilte.

(3) Als nächstes erinnern wir uns an eine Situation, bei der wir schlechte Nachrichten erhalten haben, wie etwa, dass wir bei einer Prüfung durchgefallen sind. Möglicherweise verspürten wir Selbstmitleid, oder wir protestierten, dass die Prüfung unfair war, oder wir wurden wütend auf denjenigen, der uns die Nachricht mitgeteilt hat. Andererseits hatten wir vielleicht das Gefühl, dass dies beweist, dass wir eine gescheiterte Existenz sind und dass wir es verdienen, bestraft zu werden. Wir könnten sogar auf den Gedanken kommen, uns selbst zu bestrafen. Wir weisen diese dualistischen Eindrücke als absurd von uns und versuchen uns vorzustellen, wie wir die Nachricht mit nüchternem Gleichmut hören. Wir akzeptieren die Tatsachen und fassen den Entschluss, tüchtiger zu lernen.

Dann erinnern wir uns daran, wie wir uns emotional steif oder befangen gefühlt haben, als jemand weinte, weil wir ihm oder ihr schlechte Nachrichten mitteilten. Wir dekonstruieren unsere dualistische Reaktion und versuchen uns vorzustellen, wie wir stattdessen mit ruhiger Trauer und Sympathie handeln.

(4) Als Letztes erinnern wir uns an eine Situation, in der wir jemandem schlechte Nachrichten mitgeteilt haben, wie etwa, dass er oder sie ein Examen nicht bestanden hat. Mögliche Überreaktionen können etwa sein, dass wir uns schuldig fühlten oder dass wir uns in einer selbstgerechten Weise hämisch freuten, weil wir fanden, dass es derjenige verdiente. Manchmal haben wir soviel Angst davor, jemand anderem wehzutun, dass wir ihm die schlechten Neuigkeiten überhaupt nicht mitteilen. Wir beruhigen unsere dualistischen Gefühle und versuchen uns vorzustellen, wie wir die schlechten Nachrichten ohne Spannung mitteilen. Dann erinnern wir uns daran, wie wir uns unwohl oder ungeduldig gefühlt haben, als jemand sich befangen oder unbehaglich gefühlt hat, als er uns schlechte Neuigkeiten mitzuteilen hatte.

Der Empfänger oder Verursacher von Gewinnen oder Verlusten sein

(1) Wir fahren fort wie bisher und erinnern uns daran, wie wir von jemandem etwas erhalten haben, etwa ein Geldgeschenk. Einerseits kann uns dies sehr gefreut haben und wir können es als einen Beweis dafür empfunden haben, wie wundervoll wir sind. Andererseits können wir das Gefühl gehabt haben, dass wir das Geschenk nicht verdient haben oder dass uns durch diese Gabe unsere Unabhängigkeit geraubt wurde und dass wir dieser Person nun etwas schulden. Wir dekonstruieren beide Reaktionen und versuchen uns vorzustellen, wie wir das Geld voller Wertschätzung, Freude und Anmut annehmen.

Dann erinnern wir uns daran, wie wir uns zurückgewiesen oder frustriert gefühlt haben, als jemand unser Angebot zurückgewiesen hat, ihr oder ihm mit etwas Geld zu helfen. Wir dekonstruieren die dualistische Reaktion, die wir hatten, und insistieren nicht. Indem wir das Bedürfnis, dass die andere Person nach Selbstwürde hat, respektieren, stellen uns vor, wie wir versuchen, ihr auf anonyme Weisen zu helfen.

(2) Wir folgen derselben Prozedur, indem wir uns daran erinnern, wie wir jemandem unsere finanzielle Hilfe gegeben haben – etwa unseren Eltern, die in einem fortgeschrittenen Alter von einer nicht ausreichenden Rente leben müssen. Aufgrund eines früheren Schuldgefühls können wir nun gedacht haben, dass uns dieses Geschenk zu einer wertvolleren Person gemacht und bewiesen hat, dass wir ein guter Sohn oder ein gute Tochter sind. Andererseits haben wir uns möglicherweise beraubt gefühlt und es war uns mulmig dabei, uns von dem Geld zu trennen. Wir dekonstruieren jedes dieser Gefühle und versuchen uns vorzustellen, wie wir das Geld ohne Selbstbefangenheit verschenken, mit Wärme und Respekt.

Dann erinnern wir uns an das Gefühl der Wut, als jemand Erwartungen oder unvernünftige Forderungen an uns gestellt hat, weil wir ein Geschenk angenommen hatten. Wir dekonstruieren dieses Gefühl. Wir versuchen uns vorzustellen, wie wir das Geschenk höflich ablehnen oder zurückgeben, ohne darum ein großes Aufheben zu machen.

(3) Als nächstes erinnern wir uns daran, wie wir etwas verloren haben, beispielsweise die Freundschaft von jemanden. Möglicherweise haben wir dies als eine persönliche Zurückweisung erlebt und haben deshalb überreagiert: etwa indem wir uns niedergeschmettert und empört gefühlt haben, da wir fanden, dass wir diesen Verlust nicht verdienten, oder indem wir uns davon überzeugt haben, dass dies beweist, dass wir nicht gut sind. Indem wir die dualistischen Gefühle, die hinter unserer Reaktion stehen dekonstruieren versuchen wir uns vorzustellen, dass wir den Verlust als eine Welle von Aktivität des klaren Lichts erleben. Das Leben geht weiter. Wir fühlen uns nicht nur über den Verlust, den wir erlebt haben, traurig, sondern auch über den Verlust, den unser Freund erlebt hat. Wir senden ihm mitfühlende Gedanken und den Wunsch, dass er glücklich sein möge.

Dann erinnern wir uns an das Gefühl der Schuld oder der Kälte darüber, dass jemand deprimiert oder wütend wurde, als wir eine ungesunde Beziehung beendet haben. Wir dekonstruieren die dualistische Reaktion, die wir hatten und versuchen, die Emotionen des Anderen als eine Welle der Energie und der Worte des klaren Lichtes zu erleben. Indem Wir respektieren die Gefühle dieses Menschen und versuchen auch unser Mitgefühl zu steigern.

(4) Schließlich erinnern wir uns daran, wie wir jemandem etwas entzogen haben, etwa, in dem wir ihr „Nein!“ sagen mussten. Wir können uns davor gefürchtet haben, ihn oder sie zu verletzen und uns unwohl gefühlt haben, während wir sprachen. Oder wir können unsere Handlung genossen und das Gefühl gehabt haben, dass die Person es verdient hat. Es ist nie leicht oder angenehm, nein sagen zu müssen, doch indem wir die Erfahrung dekonstruieren, versuchen wir, es in einer nichtdualistischen Weise zu tun.

Dann erinnern wir uns daran, wie wir uns dumm oder verärgert gefühlt haben, jemanden auch nur um einen Gefallen gebeten zu haben, als die Person ablehnen musste, weil sie zum Beispiel nicht dazu in der Lage war, uns zu helfen. Wir dekonstruieren unsere dualistische Reaktion und versuchen uns vorzustellen, wie wir der Person freundlich versichern, dass wir sie verstehen. Wir werden jemand anderes finden oder es alleine schaffen.

Erwartungen und Bitten erhalten und erfüllen

Zusätzlich zum Thema, ob man der Empfänger oder der Verursachende bei Gewinnen oder Verlusten ist, können wir auch mit drei Ebenen sich steigernder Intensität der Überempfindlichkeit arbeiten, jemandem etwas zu geben. Wir können überreagieren, wenn wir aus eigener Initiative jemanden etwas geben; wenn wir jemandem etwas geben, weil es jemand von uns erwartet oder wenn er oder sie es von uns fordert. Hier arbeiten wir spezifisch damit, dass wir jemandem danken oder uns bei jemandem entschuldigen. Da das Danken und das Sich-Entschuldigen zu erfordern scheinen, dass wir etwas „von uns selbst“ geben, und nicht bloß irgendeine Form von Besitz wie Geld, sind wir oft besonders überempfindlich, wenn man diese Dinge von uns erwartet oder fordert.

Wir beginnen mit dem Danken. Als erstes erinnern wir uns einfach daran, wie wir jemandem gedankt haben. Wenn wir nicht wirklich dankbar waren, können wir uns gönnerhaft-herablassend dabei gefühlt haben. Andererseits können wir das Gefühl gehabt haben, dass wir uns durch das Danken in eine niedrigere, verletzliche Position begeben haben, und dass wir jetzt dazu gezwungen sind, der anderen Person den Dienst zu erwidern. Wir dekonstruieren die Erfahrung und versuchen, jemandem ohne diese dualistischen Gefühle zu danken. Das Danken ist schließlich nur eine sprachliche Äußerung. Auch wenn wir die Handlungen einer anderen Person nicht mögen oder wenn ihre Handlungen uns nicht geholfen haben, wird sie doch wahrscheinlich ein „ Dankeschön“ schätzen. Wir sollten hierbei allerdings auf den kulturellen Hintergrund achten. In manchen Kulturen ist es eine Beleidigung, jemandem für seine Höflichkeit oder Freundlichkeit zu danken: ein Dankeschön impliziert hier, dass man demjenigen ein solches Verhalten nicht zugetraut hätte.

Wenn wir als nächstes versuchen, eine Überreaktion zu überwinden, die entsteht, wenn jemand einen Dank von uns erwartet, sollten wir uns an diese Punkte erinnern. Hinter dem empörten, beleidigten oder schuldbeladenen Gefühl steht ohne Zweifel ein Glaube an ein scheinbar konkretes „ Ich“. Dasselbe gilt auch, wenn wir jemandem danken, weil er dies von uns erwartet, und dann mit herablassenden, nachtragenden oder gedemütigten Empfindungen überreagieren. In folgenden Fällen kann es hilfreicher sein, gar nicht zu danken: wenn eine Person auf unseren Dank hin vor Stolz aufgeblasen wird; wenn uns jemand nur hilft, um gelobt zu werden und wenn uns eine Person hilft, damit wir dann in ihrer Schuld stehen. Aber auch in solchen Fällen müssen wir alle dualistischen Gefühle, „moralisch überlegen“ zu sein, dekonstruieren.

Als letztes betrachten wir mögliche Überreaktionen wenn jemand ein Dank von uns fordert. Möglicherweise wir uns in einer selbstgerechten Weise und sind empört. Oder wir fühlen uns schuldig, weil wir der Person nicht schon früher gedankt haben. Falls wir in einer übersensiblen Weise auf die Forderung eingehen und uns bedanken, kann es vorkommen, dass wir dies in einer arroganten oder verächtlichen Weise tun, oder aber dass wir uns dabei unterlegen fühlen. Wir dekonstruieren all diese störenden Emotionen und Geisteshaltungen, und versuchen, uns vorzustellen, wie wir uns voller Anmut und Ehrlichkeit bedanken und uns entschuldigen, dass wir es nicht schon früher getan haben.

Wir wiederholen die Prozedur in Bezug auf das Sich-Entschuldigen. Als erstes erinnern wir uns daran, wie wir uns aus eigener Initiative entschuldigt haben. Wenn wir unsere Erfahrung in einer dualistischen Weise erlebt haben, dann waren wir hierbei vielleicht herablassend oder verlegen. Wir dekonstruieren das dualistische Gefühl hinter diesen Reaktionen, und stellen uns vor, dass das Entschuldigen einfach eine Welle von sprachlichen Äußerungen ist, die vom ehrlichem Bedauern und dem Berücksichtigen der Gefühle des Anderen begleitet wird.

Dann versuchen wir Gefühle der Wut, der Empörung oder der Schuld aufzulösen, die sich ergeben können, wenn jemand eine Entschuldigung von uns erwartet; und danach tun wir das selbe mit Gefühlen die sich ergeben können, wenn wir uns entschuldigen: z.B. dass wir selbstgefällig nichts bedauern, voller Ressentiments sind oder uns erniedrigt fühlen. Solche Überreaktionen kommen entstehen aus Verwirrung. Als letztes erinnern wir uns an eine Situation, in der jemand von uns eine Entschuldigung gefordert hat. Vielleicht haben wir uns geweigert und haben uns selbstgerecht und empört gefühlt, oder wir haben uns extrem schuldig gefühlt. Wenn wir der Bitte entsprochen haben, haben wir dies möglicherweise in einer arroganten oder hämischen Weise oder mit einem Gefühl der Erniedrigung getan. Diese Überreaktionen bringen uns nur Ärger und Schmerz. Wir müssen sie dekonstruieren. Sogar wenn jemand eine Entschuldigung von uns erwartet oder fordert ist diese Erfahrung weiterhin nicht anderes als eine Welle der Aktivität des klaren Lichts.

Nehmen wir mal an, dass wir keine Schuld haben und dass jemand ungerechtfertigter Weise von uns fordert, dass wir uns entschuldigen. die traditionelle Übung des Reinigens unserer Geisteshaltungen empfiehlt, dass wir den anderen den Sieg schenken. Wenn wir sagen, dass es uns leid tut, auch wenn wir keine Schuld haben, dann enden der Streit und die harten Gefühle. Wenn wir dies allerdings mit dualistischen Gefühlen tun, dann werden wir uns wieder erniedrigt oder voller Ressentiments fühlen. Wenn wir uns in einer nicht-dualistischen Weise entschuldigen, erlaubt uns dies, unsere Balance zu bewahren. Außerdem: wenn wir anerkennen, dass ganz sicher beide Seiten Fehler gemacht haben und wir uns dann für unseren Teil des Problems entschuldigen, dann lassen wir für die den anderen Menschen die Tür offen, so dass er sich auch für seinen Teil des Problems entschuldigen kann. Dies hilft dabei, dass der Andere nicht die Tatsache ausnutzt, dass wir zum Verzeihen tendieren.

Der Empfänger oder der Handelnde zu sein wenn die Dinge gut oder schlecht laufen

(1) Als nächstes erinnern wir uns daran, wie wir auf der Empfängerseite standen, als die Dinge gut liefen, beispielsweise in einer Beziehung. Die Person handelte voller Liebe und alles verlief harmonisch. Wir betrachten mögliche Überreaktionen, die wir gehabt haben können, indem wir euphorisch wurden oder vielleicht selbstgefällig gedacht haben, dass dies beweist, wie wundervoll wir sind. Andererseits können wir uns auch Sorgen gemacht haben, dass die Beziehung „zu gut um wahr zu sein“ war, weshalb wir dann an der Beziehung geklammert haben, aus Angst, sie zu verlieren. Möglicherweise haben wir uns sogar selbst überzeugt, dass der andere bald unser wahres Selbst – eine schreckliche Person entdecken und uns daher verlassen würde. Zusätzlich können wir befürchtet haben, dass wir die Beziehung ganz sicher mit „unserem gewöhnlichen dummen Verhalten“ zerstören würden. Indem wir solche dualistischen Gefühle dekonstruieren versuchen wir uns vorzustellen, wie wir einfach unser Glück in der Beziehung genießen, ohne irgendeine große Sache daraus zu machen.

Dann erinnern wir uns daran, wie wir uns ungeduldig oder verärgert gefühlt haben, als sich jemand in einer guten Beziehung zu uns unsicher gefühlt hat. Indem wir die dualistische Reaktion dekonstruieren, die wir gehabt haben, versuchen wir uns vorzustellen, wie wir unser Verständnis und unser Mitgefühl auf die andere Person ausweiten. Wir machen den anderen nicht noch nervöser oder unsicherer, indem wir ihn oder sie beschimpfen, weil sie oder er sich dumm verhält.

(2) Dann erinnern wir uns daran, den aktiven Part gehabt zu haben, als die Dinge in einer Beziehung gut funktionierten. Wir haben unser Bestes gegeben, um ein liebender Freund oder Partner zu sein und haben dabei Erfolg gehabt. Wir prüfen unsere Erinnerungen, ob es irgendwo das Gefühl gegeben hat, dass wir ein selbstaufopfernder Märtyrer seien oder aber dass wir Sorgen hatten, dass wir ganz sicher ausrutschen würden und sich unsere „wahre Natur“ offenbaren würde. Dann dekonstruieren wir diese Spannungen. Wir versuchen uns vorzustellen, wie wir weiterhin freundlich handeln, ohne selbstbefangen zu sein, und dies als eine Welle von physischer Aktivität, von warmer Anteilnahme und von positiver Energie ansehen. Dann erinnern wir uns an die Gefühle der Verzweiflung, wenn jemand niedriges Selbstbewusstsein verspürte, auch wenn er oder sie sich in unserer Beziehung vollkommen richtig verhielt.

(3) Wir folgen derselben Prozedur indem wir uns daran erinnern, wie wir in einer Beziehung, in der die Dinge schlecht liefen, auf der Empfängerseite standen. Als mögliche Überreaktionen können wir voller Selbstmitleid gedacht haben, dass sowieso nie etwas klappt, oder aber, dass die Person eben „die Wahrheit über uns“ herausgefunden hat und uns so behandelt, wie wir es „verdienen“. Wir dekonstruieren diese Gefühle und versuchen uns vorzustellen, wie wir die Situation akzeptieren und prüfen, wie wir die Beziehung retten können.

Dann erinnern wir uns an die Gefühle, enttäuscht oder ärgerlich zu sein, wenn sich jemand ständig beschwert, dass die Dinge in der Beziehung mit uns schlecht gehen, aber nichts Konstruktives dazu beigetragen hat, um die Situation zu verbessern. Indem wir diese dualistischen Reaktionen dekonstruieren versuchen wir geduldig zu sein.

(4) Abschließend erinnern wir uns daran, wie wir durch unser Handeln bewirkt haben, dass die Dinge in einer Beziehung schlecht funktioniert haben. Wir haben unüberlegt gehandelt und haben mit der anderen Person immer Streit vom Zaun gebrochen. Nun dekonstruieren wir alle dualistischen Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Depression, Schuldgefühlen oder Selbstzufriedenheit, die wir gehabt haben können. Wir versuchen, uns selbst nicht mehr als eine schrecklich Person oder als den selbstgerechten Rächer zu sehen. Und doch übernehmen wir die Verantwortung für unser Verhalten. Es ist als eine Welle der Aktivität des klaren Lichts entstanden, braucht aber nicht fortzufahren. Ohne von dieser Welle umgeworfen zu werden fassen wir den Entschluss, unsere Handlungsweise zu ändern. Dann erinnern wir uns an das Gefühl, hart zu sein und nicht verzeihen zu wollen, als jemand sich schrecklich fühlte, weil er oder sie uns in einer Beziehung verletzt hat und dekonstruieren auch dieses Gefühl.

Die emotionalen Berg- und Talfahrten vermeiden, wenn man sich direkt mit jemandem auseinandersetzt

Die zweite Phase dieser Übung besteht darin, dass wir mit einem Partner arbeiten und die acht vergänglichen Angelegenheiten des Lebens empfangen und geben. Ohne Spannungen zu entwickeln, indem wir uns selbstbefangen, dumm, euphorisch, freudig erregt, deprimiert oder verletzt fühlen, versuchen wir, jede Handlung in einer nicht-dualistischen Weise zu erleben, als eine Welle der Aktivität des klaren Lichte. Wenn irgendeine dieser störenden Emotionen auftritt, können wir der oben erläuterten Prozedur folgen und die dualistischen Erscheinungen dekonstruieren, die hinter ihnen stehen – indem wir uns vorstellen, dass der Ballon unserer Fantasie platzt und so weiter. Wir sollten allerdings vorsichtig sein, dass wir nicht in eine „Über-Dekonstruktion“ dieser Erfahrungen verfallen und sie so von ihrem ganzen Gefühlsgehalt entkleiden. Wenn wir uns daher spontan glücklich oder traurig fühlen, müssen wir versuchen, uns mit diesen Gefühlen zu entspannen und der Versuchung zu widerstehen, sie aufzublähen. Wir müssen auch darauf achten, dass wir diese Erfahrungen nicht unpersönlich werden lassen. Sonst werden wir gegenüber dem anderen Menschen unsensibel.

Als erstes loben wir unseren Partner, indem wir ihr oder ihm z.B. sagen, dass seine oder ihre Frisur gut aussieht. Wir versuchen dies zu tun, ohne gönnerhaft zu sein oder zu flirten. Dann empfangen wir ein ähnliches Kompliment und versuchen, jeglichem Gefühl, sexuell belästigt zu werden, zu widerstehen. Als nächstes versuchen wir zu vermeiden, aufdringlich oder grausam zu sein, während wir konstruktive Kritiken äußern, wie etwa, dass unser Partner einer Diät folgen sollte. Wir versuchen, diesen Ratschlag liebevoll zu geben, ohne Angst zu haben, dass wir die Gefühle der anderen Person verletzen könnten und ohne uns unsicher zu fühlen, dass die andere Person uns wegen dem, was wir gesagt haben, zurückweisen könnte. Dann erhalten wir einen ähnlichen Ratschlag und dekonstruieren das Gefühl, beleidigt oder verletzt worden zu sein.

Als nächstes teilen wir unserem Partner gute Neuigkeiten mit, wie dass wir morgen nicht zur Arbeit gehen brauchen, ohne in den übertriebenen Enthusiasmus zu verfallen, mit dem man spricht, wenn man sich an einen Zweijährigen wendet. Dann erhalten wir ähnlich gute Nachrichten, wobei wir versuchen, uns nicht voller Vorfreude übermäßig zu begeistern. Ohne Angst zu haben, dass wir den anderen verärgern könnten, teilen wir ihm oder ihr dann die schlechte Nachricht mit, das wir das Buch verloren haben, dass er oder sie uns geliehen hat. Dann erhalten wir dieselben Nachrichten und versuchen nicht verärgert oder deprimiert zu sein.

Als nächstes wenden wir uns Gewinnen und Verlusten zu und versuchen die dualistischen Spannungen zu vermeiden, die ihr Auftreten provoziert. Als erstes arbeiten wir damit, dass wir voneinander Geld erhalten, und dann damit, dass wir es dem anderen wegnehmen und wie es uns dann abgenommen wird. Dann danken wir der anderen Person aus eigener Initiative, verlangen im Gegenzug einen Dank und erhalten diesen. Danach erhalten wir von dem anderen aus eigener Initiative ein Dankeschön, worauf sie einen Dank von uns fordert und dann kommen wir dieser Forderung nach. Als nächstes entschuldigen wir uns bei dem anderen aus eigener Initiative, fordern eine Entschuldigung und erhalten die Entschuldigung. Wir beenden die Sequenz, indem wir von dem anderen aus seiner oder ihrer eigenen Initiative eine Entschuldigung erhalten, dann von ihm oder ihr zu einer Entschuldigung unsererseits aufgefordert werden und schließlich dieser Forderung nachkommen. Wir versuchen, all dies ohne störende Emotionen oder Geisteshaltungen zu tun.

Als nächstes erkennen die Bemühungen, die wir hier gemacht haben, um unsere Beziehungen zu verbessern, vor uns selbst an – ohne uns damit zu brüsten, und wir freuen uns über die Tatsache, dass sie Früchte zu tragen scheinen. Dann versuchen wir dem Gefühl zu widerstehen, dass wir als einzige für den Erfolg verantwortlich sind und geben vor uns selbst zu, dass auch der oder die andere hart gearbeitet hat, worüber wir uns freuen. Wir wiederholen den Prozess, indem wir mit Trauer anerkennen aber ohne uns deswegen schuldig zu fühlen, dass sich die Beziehung verschlechtert hat, weil wir uns nicht so gut verhalten haben. Möglicherweise hat sie sich auch nicht entwickelt, weil wir keine Bemühungen gemacht haben. Als letztes denken wir daran, wie die Beziehung degeneriert ist oder sich nicht entwickelt hat, weil die Person sich schrecklich verhalten hat oder unsere freundschaftlichen Signale ignoriert hat. Wir versuchen dies ohne Anklage zu tun, und uns doch traurig dabei zu fühlen.

Emotionale Extreme in unserem Verhältnis zu uns selber vermeiden

Während der dritten Phase der Übung überspringen wir die Arbeit mit einem Spiegel und fangen an, indem wir ohne Hilfsmittel ruhig da sitzen. Wir richten die acht vergänglichen Dinge auf uns selbst und versuchen sie zu erleben, ohne die Anwesenheit von zwei „Ichs“ zu verspüren: der Handelnde und der Empfänger. Sofern nötig, können wir die vorangehende Prozedur der Dekonstruktion benutzen. Durch diesen Prozess befreien wir die Erfahrungen von allen Spannungen und Gefühlen der Selbstbefangenheit.

Als erstes bestärken wir unsere positiven Bemühungen, indem wir uns selbst loben. Wir versuchen dies zu tun, ohne uns selbst gegenüber gönnerhaft herablassend oder befangen zu sein, oder zu denken, dass wir es nicht verdienen. Dann kritisieren wir uns selbst für die Fehler, die wir gemacht haben und versuchen dabei nicht anklägerisch zu sein oder ein niedriges Selbstbewusstsein oder Schuldgefühl zu verspüren.

Als nächstes teilen wir uns gute Nachrichten mit, z.B. „Es ist nur noch ein Tag bis zum Wochenende“. Wir versuchen dies zu tun ohne uns zu fühlen wie Vater oder Mutter, die einem Kind Hoffnung auf eine Belohnung machen oder wie ein Kind, dass dazu angetrieben wird, sich gut zu verhalten. Dann teilen wir uns selbst schlechte Nachrichten mit, etwa: „Morgen geht die Arbeit wieder los.“ Wir versuchen zu vermeiden, uns dabei als Zuchtmeister oder Sklave zu fühlen.

Danach versuchen wir uns vorzustellen, wie wir einen Gewinn erzielen; z.B. wie wir die Lösung zu einem persönlichen Problem finden, oder aber einen Verlust, ohne uns dabei wie ein brillanter Psychologe oder wie ein dummer Patient zu fühlen. Dann stellen wir uns vor, dass wir einen Verlust erleben, etwa, dass wir nicht mehr dazu in der Lage sind, uns an den Namen einer Person zu erinnern oder unbewusst das falsche Wort sagen, wenn wir etwas anderes meinen. Solche Dinge passieren oft wenn wir älter werden, und in den ersten Jahren kann das besonders entnervend sein. Wir versuchen uns vorzustellen, wie wir dies erleben, ohne ärgerlich zu werden und ohne das Gefühl zu bekommen, dass wir „reif fürs Altersheim“ sind.

Es ist auch hilfreich, die Erfahrung zu dekonstruieren, bei der wir uns selbst aktiv einen Gewinn geben oder einen Verlust verursachen. Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass wir etwas Schönes für uns selbst tun – etwa ein warmes Bad nehmen. Wir versuchen uns auszumalen, wie wir uns entspannen und das Bad genießen, ohne uns dabei wie ein selbstzufriedener Meister zu fühlen, der jemand anderes belohnt oder wie ein Lasttier, das belohnt wird. In ähnlicher Weise stellen wir uns vor, dass wir uns zurückhalten, beispielsweise, indem wir keinen Nachtisch nehmen, weil wir Diät halten. Wir versuchen, uns vorzustellen, wie wir dies tun, ohne uns wie ein Vorgesetzter zu fühlen oder wie ein unartiges Kind, dass bestraft wird.

Als nächstes denken wir an die Dinge, die in unserem Leben gut gelaufen sind. Dabei versuchen wir, nicht stolz zu werden als derjenige der diese Dinge verursacht hat – und ebenso wenig als unverdienten Empfänger. Dann kommen wir zum Abschluss, indem wir an die Dinge denken, die schlecht gelaufen sind. Wir fühlen uns traurig, versuchen aber das Gefühl zu vermeiden, dass wir der schuldige Täter oder das hilflose Opfer sind.

Während des zweiten Teils dieser Phase konzentrieren wir uns auf eine Reihe von Fotos von uns aus verschiedenen Perioden unseres Lebens. Dabei versuchen wir in einer nichtdualistischen Weise die acht vergänglichen Dinge wieder zu erleben, wie sie uns in diesen verschiedenen Perioden begegnet sind. Wir heben vor uns selbst die positiven Dinge heraus, die wir in diesen verschiedenen Lebensabschnitten getan haben, und kritisieren unsere Fehler. Als nächstes teilen wir uns selbst sowohl gute als schlechte Nachrichten mit von dem, was wegen unseres damaligen Verhaltens geschah. Danach denken wir an die Gewinne und Verluste, die wir aufgrund dieser Handlungen erlebt haben. Letztendlich erkennen wir die Dinge, die gut gelaufen sind, an und freuen uns darüber, und erkennen die Dinge zu jenen Zeiten schlecht gelaufen sind an und fühlen uns traurig darüber.