Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ausgewogene Sensibilität entwickeln:
Praktische buddhistische Übungen für den Alltag

Ursprüngliche deutsche Veröffentlichung:
Berzin, Alexander. "Den Alltag meistern wie ein Buddha: Übungen für einen feinfühligen Umgang mit sich selbst und anderen". Übers. Tom Geist. München: Diamant Verlag, 2000.

Ursprüngliche englische Version:
Berzin, Alexander. Developing Balanced Sensitivity: Practical Buddhist Exercises for Daily Life. Ithaca, Snow Lion, 1998.

Teil I: Konstruktiv mit Fragen der Sensibilität umgehen

5 Destruktives Verhalten unterlassen

Die Notwendigkeit ethischen Verhaltens

Um auf andere und auf uns selbst mit ausgeglichener Sensibilität reagieren zu können, müssen wir destruktives, schädigendes Verhalten wo immer möglich aufgeben und gleichzeitig versuchen, stets konstruktiv und hilfreich zu handeln. Das Vermeiden von destruktivem Verhalten bildet die Grundlage. Solange wir es zum Beispiel noch nicht konsequent vermeiden, verletzende, sarkastische Bemerkungen fallen zu lassen, werden die Anderen uns ihre persönlichen Gefühle nicht anvertrauen. Das wird sogar dann der Fall sein, wenn wir ihre Stimmungen bemerken und unsere Fürsorge zeigen. Das wäre genauso unnütz, als würden wir unseren Kaffee mit Süßstoff süßen, aber weiterhin fette Sahnetorten essen. Wir müssen also unsere natürliche Fähigkeit zur Selbstbeherrschung einsetzen, damit wir in unseren Begegnungen ethische Grundregeln einhalten.

Definition destruktiven Verhaltens

Jedes Ethiksystem, sei es religiöser oder weltlicher Natur, definiert destruktives Handeln auf seine eigene Art. Einige Systeme beinhalten eine Reihe von Gesetzen, die auf göttlicher Autorität oder auf weltlicher Gesetzgebung beruhen. In diesem Zusammenhang wäre destruktives Verhalten die Missachtung der Gesetze. Andere definieren destruktive Handlungen als diejenigen, die einem selbst oder anderen schaden. Dabei ist es allerdings schwierig, immer genau festzulegen, was schädlich ist. Ein und dieselbe Handlung kann für einige vernichtend sein, für andere aber hilfreich. Selbst wenn sie sich auf dieselbe Person bezieht, kann sie in einer Situation schädlich sein, unter anderen Umständen jedoch nicht. Jemanden grob anzuschreien kann beispielsweise die Gefühle einer Person verletzen oder sie aus einem Zustand von Faulheit oder Unaufmerksamkeit reißen.

Bei der Entscheidung, ob eine Handlung schädlich ist, betont die buddhistische Ethik die Wichtigkeit der Motivation und des Geis­teszustands. Neben der Tatsache, dass sie Schaden und Leiden verursacht, ist eine destruktive Handlung immer auch dadurch gekennzeichnet, dass sie von Zorn oder Gier motiviert und von Naivität bezüglich ihrer Konsequenzen getragen ist. Darüber hinaus wird destruktives Handeln auch dadurch gefördert, dass wir uns für nichts, was wir tun, schämen und keine Verlegenheit empfinden. Durch diese zusätzlichen Kriterien wird es bereits zu einer destruktiven Handlung, wenn wir jemanden voller Wut anschreien, er solle endlich aus dem Bett aufstehen, und uns keine Gedanken darüber machen, welch eine fürchterliche Szene wir da veranstalten und dass wir uns selbst lächerlich machen – gleichgültig ob wir damit wirklich die Gefühle des anderen verletzen oder nicht. Es handelt sich zumindest um eine selbstzerstörerische Handlung, die uns selbst Leiden verursacht. Unter Umständen sind wir viele Stunden lang aufgebracht.

Die zehn destruktiven Handlungen

Sehr viele körperliche, verbale und geistige Handlungen sind zerstörerisch. Der Buddhismus stellt zehn heraus, die besonders schädlich sind, weil sie fast immer aus störenden Emotionen, Scham- und Skrupellosigkeit entstehen. Diese zehn sind:

(1) Töten
(2) Nehmen, was nicht gegeben wurde
(3) unangemessenes sexuelles Verhalten
(4) Lügen
(5) Zwietracht säende Sprache
(6) Gebrauch grober Worte
(7) Klatsch
(8) Begehrlichkeit
(9) Übelwollen
(10) verdrehtes, antagonistisches Denken.

Unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit ist es für jeden, der eine ausgeglichene Sensibilität entwickeln möchte, unumgänglich, sich dieser Handlungen zu enthalten.

Die zuvor genannten zehn Kategorien beinhalten weitere destruktive Handlungen. Wir müssen nicht unbedingt töten, um körperlichen Schaden zu verursachen. Andere zu schlagen oder grob zu behandeln, ist ebenfalls destruktiv. „Nehmen, was nicht gegeben wurde“ bezieht sich nicht nur darauf, dass wir tatsächlich stehlen, sondern tritt bereits dann ein, wenn wir einen geborgten Gegenstand länger als nötig behalten oder ihn überhaupt nicht mehr zurückgeben. Unangemessenes sexuelles Verhalten besteht nicht nur aus Ver­gewaltigung oder Ehebruch, sondern schließt ebenso sexuelle Belästigung ein. Wenn wir an unserer Sensibilität arbeiten, müssen wir unser Verhalten und dessen Konsequenzen so umfassend wie möglich überdenken.

Motivation für die Ethik-Übungen

Im buddhistischen Zusammenhang motivieren wir uns dazu, ethische Selbstbeherrschung zu üben, indem wir an die karmischen Konsequenzen der zehn zerstörerischen Handlungen denken, die in erster Linie in zukünftigen Leben heranreifen. So werden wir zum Beispiel Gewohnheitsmuster zwanghaft wiederholen und außerdem impulsiv Beziehungen eingehen, in denen die Menschen uns auf die gleiche unsensible, grausame Weise behandeln, die wir anderen gegenüber an den Tag gelegt haben. Weil wir das Unglück frustrierender, unerfüllter, von einem Mangel an Güte oder Verständnis ge­kennzeichneter Beziehungen nicht wünschen, sind wir motiviert, die entsprechenden Ursachen in unserem jetzigen Verhalten zu vermeiden.

Wollen wir uns aber zu ethischem Verhalten motivieren, müssen wir nicht unbedingt an zukünftige Leben denken, falls wir nicht daran glauben. Die Berücksichtigung dieses jetzigen Lebens allein kann zum gleichen Ergebnis führen. Wir können uns an Vorfälle er­in­nern, bei denen andere uns auf destruktive Weise behandelten und uns erinnern, wie verletzt wir uns gefühlt haben. Dann können wir uns Geschehnisse vor Augen führen, bei denen wir ähnlich handelten und uns vorstellen, wie die anderen sich daraufhin gefühlt haben müssen. Wenn wir erkennen, dass sich unsere destruktiven Mus­ter wiederholen und wir mit Schrecken daran denken, dass wir in Zukunft wieder solch ungesunde Beziehungen erfahren werden, entsteht in uns die Entschlossenheit uns endlich von diesen schmerzlichen Syndromen zu befreien. Deshalb sind wir bereit, unsere negativen Verhaltensweisen aufzugeben. Unsere Entschlossenheit wird noch verstärkt, wenn wir es zu unserem Hauptanliegen machen, andere nicht länger zu verletzen.

Übung 5: Der Entschluss destruktives Verhalten aufzugeben

Während jeder Phase dieser Übung betrachten wir die zehn destruktiven Handlungen eine nach der anderen. Die erste Phase umfasst zwei Schritte. Wir beginnen damit, eine ruhige und liebevolle geistige Atmosphäre für uns selbst zu schaffen. Wir können dafür die vier Schlüsselformeln benutzen:

  • „Ich will keine Fantastereien über mich erfinden.“
  • „Ich liege mir selbst am Herzen.“
  • „Meine Gefühle sind mir wichtig.“
  • „Meine Gefühle gegenüber anderen sind mir wichtig.“

Dann versuchen wir uns an spezielle Vorfälle zu erinnern, bei denen wir uns durch das Verhalten anderer bedroht fühlten. So waren wir vielleicht krank und unser Begleiter ging zu schnell. Nun fühlen wir die Verzweiflung wieder, die wir empfanden, weil wir nicht Schritt halten konnten. Andererseits haben wir die mangelnde Rücksicht des anderen vielleicht auch einfach stoisch hingenommen und unsere Gefühle unterdrückt.

Um uns dann wieder einen Vorfall ins Gedächtnis zu rufen, bei dem wir ebenso rücksichtslos gehandelt haben – vielleicht bei einem Spaziergang mit einem greisen Verwandten – schauen wir uns ein Foto dieses Menschen an oder denken einfach nur an ihn oder sie. Dann denken wir darüber nach, wie er oder sie sich gefühlt haben muss. Wenn wir einsehen, welch ein Fehler unser rücksichtsloses Verhalten war, bedauern wir unser Handeln. Bedauern unterscheidet sich von Schuldgefühlen. Bedauern bezieht sich schlicht auf den Wunsch etwas nicht getan zu haben. So bedauern wir es etwa, etwas gegessen zu haben, das uns nicht bekommen ist. Schuldgefühle hingegen entstehen aus einer starken Identifikation unseres Handelns als „böse“ und damit unserer selbst als „bösem“ Menschen. Bei Schuld­gefühlen halten wir an diesen festgelegten Urteilen fest und lassen sie nicht mehr los. Es ist, als würden wir unseren Abfall ständig im Hause behalten und ihn nie wegwerfen. Um Schuldgefühle zu überwinden, müssen wir uns klarmachen, dass unsere früheren Handlungen der Vergangenheit angehören. Wir bedauern, dass sie geschehen sind, aber an der Tatsache, dass sie passiert sind, können wir nichts mehr ändern. Wir müssen unser Leben weiterleben, und es gibt keine guten Gründe, warum wir diese Fehler wiederholen müssten.

Der nächste Schritt besteht in dem Entschluss, uns von dieser zerstörerischen Gewohnheit zu befreien. Zum Wohle unseres Verwandten und anderer, denen wir noch begegnen. Auch unserer eigenen Entwicklung zuliebe müssen wir diese Art von Verhalten aufgeben. Während wir uns auf unseren greisen Verwandten konzentrieren, geben wir unser Wort, dass wir alles versuchen werden, damit wir unser rücksichtsloses Verhalten nicht mehr wiederholen. Dabei ist es egal, ob der Mensch, an den wir uns erinnern, mittlerweile gestorben ist. Um unseren Entschluss zu stärken, bekräftigen wir nochmals, in welche Richtung wir gehen wollen. Wir möchten jedermann mit ausgeglichener Sensibilität begegnen und behandeln. Wir wiederholen den Vorgang mit den übrigen neun zerstörerischen Handlungen. Was das Stehlen angeht, könnten wir uns zum Beispiel daran erinnern, wie jemand von unserem Telefon aus ein teures Ferngespräch geführt hat, ohne uns um Erlaubnis zu bitten. Was das unangemessene Sexualverhalten angeht, erinnern wir uns vielleicht an jemanden, der uns sexuell belästigte.

Im Zusammenhang mit dem Lügen denken wir vielleicht an jemanden, der uns getäuscht hat, was seine oder ihre Gefühle oder Ab­sichten bezüglich unserer Beziehung betrifft. Bei Zwietracht säender Sprache fällt uns vielleicht ein Mensch ein, der schreckliche Dinge über unseren Freund, unsere Freundin verbreitet hat, um uns auseinander zu bringen. Im Zusammenhang mit grober Rede denken wir vielleicht an einen Menschen, der uns brutal angebrüllt oder uns etwas ohne jedes Feingefühl gesagt hat, das uns tief verletzte. Was das Klatschen angeht, erinnern wir uns vielleicht an jemanden, der unser Vertrauen missbraucht und unsere intimsten Geheimnisse aus­geplaudert hat. Es könnte uns aber auch jemand einfallen, der un­sere Arbeit dauernd mit sinnlosem Geschwätz unterbricht oder uns nie ausreden lässt.

Im Falle der Habgier mag uns jemand in den Sinn kommen, der eifersüchtig wurde, als wir über unseren finanziellen Erfolg sprachen oder erzählten, wie gut sich unsere Kinder entwickeln. Als sich dieser Mensch den Gedanken darüber hingab, wie er das Gleiche erreichen könnte wie wir, hörte er auf uns zuzuhören. Das Nachdenken über Bosheit mag uns jemanden in den Sinn bringen, der wegen etwas, was wir gesagt haben, zornig wurde und auf Rache sann. Im Zusammenhang mit verdrehtem, antagonistischem Denken fällt uns vielleicht jemand ein, mit dem wir über etwas Positives oder in ethischer Hinsicht Neutrales gesprochen haben. Vielleicht handelte es sich um etwas, das wir unternehmen wollten, um anderen zu helfen oder uns selbst weiterzuentwickeln, etwa ein Medizinstudium, oder es ging nur um Basketball. Unser Gesprächspartner hielt uns daraufhin wegen unseres Interesses an derartigen Dingen für töricht.

Für jede der zerstörerischen Handlungen können wir mehr als einen Menschen wählen. Vielleicht fällt uns auch mehr als eine Form jeder negativen Handlung ein. Je umfassender die Bandbreite zerstörerischer Handlungen ist, die wir ins Auge fassen, desto mehr wird die Übung uns helfen, unseren Mangel an Feingefühl bezüglich der emotionalen Wirkung unserer Handlungen zu überwinden.

Der zweite Schritt der ersten Phase dieser Übung besteht darin, uns auf bestimmte Personen aus unserem Leben zu konzentrieren. Wir beginnen damit, dass wir uns einen Menschen vergegenwärtigen, mit dem wir eine warmherzige, enge Beziehung haben oder hatten, indem wir sein Foto betrachten oder einfach an ihn denken. Wie zuvor erschaffen wir eine ruhige, liebevolle Atmosphäre uns selbst gegenüber, so wie am Anfang. Dann bedenken wir das breite Spektrum möglicher Formen, die jede der zerstörerischen Handlungen annehmen kann, und überprüfen – eine nach der anderen – ob wir sie jemals im Zusammenhang mit dem Menschen begangen haben, den wir uns vorstellen. Ist das der Fall gewesen, denken wir an den Schmerz, den wir dadurch verursacht haben, gestehen unseren Fehler ein, empfinden Bedauern und fassen den Entschluss, die zerstörerische Gewohnheit abzulegen. Haben wir uns im Zusammenhang mit ihm oder ihr nicht auf diese spezielle Weise negativ verhalten, freuen wir uns darüber. Weil wir den Menschen ja nicht verletzen wollen, versichern wir ihm oder ihr, dass wir alles tun wol­len, damit wir niemals auf diese Weise handeln; dann wiederholen wir den gesamten Vorgang mit der nächs­ten zerstörerischen Handlung.

Wenn wir das oben erwähnte Versprechen laut aussprechen, fühlen wir uns mehr verpflichtet, als wenn wir es nur denken oder leise innerlich sagen würden. Um unsere Absicht zu bekräftigen, schließen wir daher diese Übungsphase ab, indem wir allgemeine Beispiele für jede der zehn zerstörerischen Handlungen als Schlüsselformeln laut aussprechen; entweder sprechen wir sie unserem Gruppenleiter nach oder wir sagen sie laut vor uns hin:

  • „Ich will dich körperlich nicht grob behandeln.“
  • „Ich will nichts, was dir gehört, ohne dei­ne Erlaubnis benutzen.“
  • „Ich will mich weder dir noch deinem Partner sexuell aufdrängen.“
  • „Ich will dich nicht belügen, was meine Ge­fühle und Absichten angeht.“
  • „Ich will nicht versuchen dich und dei­ne Freunde zu entzweien, indem ich schlecht über sie spreche.“
  • „Ich will dich nicht beschimpfen.“
  • „Ich will dein Vertrauen nicht missbrauchen, indem ich deine Privatangelegenheiten anderen gegenüber ausplaudere.“
  • „Ich will keine Eifersucht wegen Dingen empfinden, die dir gelungen sind.“
  • „Ich will nicht boshaft darüber nachsinnen, wie ich dir schaden kann, wenn du etwas sagst oder tust, was ich nicht mag.“
  • „Wenn du dich bemühst, dich weiterzuentwickeln oder anderen zu helfen, werde ich dich nicht für dumm halten, selbst wenn das, was du wählst, nicht meinen Interessen entspricht.“

Um uns die Übung zu erleichtern können wir diese Worte aus einem vor uns liegenden Text ablesen oder von einem Plakat, das wir in unserem Übungsraum aufgehängt haben.

Dann wiederholen wir den gesamten Vorgang, nur dass wir uns diesmal auf das Foto eines Menschen konzentrieren, den wir nur flüch­tig kennen, oder an ihn denken. Dann konzentrieren wir uns auf jemanden, mit dem wir eine schwierige Beziehung haben oder hatten. Schließlich konzentrieren wir uns auf Illustriertenfotos uns völlig fremder Menschen. Während dieser Runde jedoch sprechen wir nur die eben erwähnten Schlüsselformeln laut aus, blicken nach jedem Satz die Menschen auf den Fotos nacheinander an und versprechen dem entsprechenden Menschen, ihm oder ihr gegenüber wirklich niemals auf die angesprochene negative Weise zu handeln.

Wenn wir in einer Gruppe üben, beginnt die zweite Übungsphase damit, dass wir im Kreis sitzend dem gleichen Ablauf folgen wie bei den Illustriertenfotos. Während des zweiten Teils dieser Phase sitzen wir dann einem Partner, einer Partnerin direkt gegenüber. Mit dem Wunsch die Person niemals zu verletzen, wiederholen wir nochmals den ganzen Vorgang.

Am Anfang der dritten Übungsphase blicken wir in einen Spiegel, schaffen eine stille, liebevolle Atmosphäre und untersuchen, ob wir uns selbst auf eine der zehn zerstörerischen Weisen behandelt haben. Sollte das der Fall sein, erkennen wir an, welche Probleme und Schmerzen aus diesem Handeln erwachsen sind und bedauern unsere dummen Fehler. Danach geben wir uns selbst das Versprechen, dass wir uns alle Mühe geben wollen, mit unserem selbstzerstörerischen Verhalten aufzuhören.

Indem wir es entweder unserem Gruppenleiter nachsprechen oder für uns selbst sagen, geloben wir zum Beispiel:

  • „Ich will aufhören, mich selbst körperlich schlecht zu behandeln, indem ich mich überarbeite, schlecht ernähre oder mir nicht genug Schlaf gönne.“
  • „Ich will aufhören, mein Geld für Nebensächlichkeiten zu verschwenden.“
  • „Ich will sexuelles Verhalten einstellen, das meine Ge­sundheit gefährden könnte.“
  • „Ich will aufhören, bezüglich meiner Gefühle und Absichten mir selbst etwas vorzumachen.“
  • „Ich will auf­hören, so widerlich zu sprechen, dass meine Freunde mich angeekelt verlassen.“
  • „Ich will aufhören, mich selbst zu beschimpfen.“
  • „Ich will aufhören, wahllos über meine Privatangelegenheiten, Zweifel und Sorgen zu sprechen.“
  • „Ich will aufhören, darüber nachzudenken, wie ich mich selbst übertreffen könnte, weil ich ein Perfektionist bin.“
  • „Ich will aufhören, mich selbstzerstörerischen, irrationalen Gedankengängen hinzugeben, die meine Beziehungen zu anderen oder meine Stellung im Leben unterminieren.“
  • „Ich will aufhören, mich für dumm zu halten, weil ich versuche mich weiterzuentwickeln oder anderen zu helfen.“

Wir können die Beispiele in den Sätzen so abwandeln, dass sie sich auf unsere persönliche Geschichte beziehen.

Danach legen wir den Spiegel beiseite und wiederholen die Gelöbnisse uns selbst gegenüber. Schließlich schauen wir uns eine Reihe von Fotos an, die unsere ganze Lebensspanne umfassen, und bedenken, ob wir in der jeweiligen Situation negativ über uns gedacht haben. Sollte das der Fall sein, erkennen wir die Probleme und Schmerzen an, die daraus entstanden. Wir gestehen ein, dass unsere Art zu denken selbstzerstörerisch war, und empfinden Bedauern; wir entschließen uns, unsere emotionalen Probleme von damals zu lösen. Wir können zwar die Vergangenheit nicht verändern, aber unsere Einstellung ihr gegenüber, und wir können aus unseren Fehlern lernen. Laut geloben wir zu versuchen, negative Gedanken bezüglich uns selbst in der Situation zu vermeiden, wobei wir drei Schlüsselformeln benutzen:

  • „Ich will aufhören, mit mir selbst zur damaligen Zeit unzufrieden zu sein und zu wünschen, ich hätte anders gehandelt.“
  • „Ich will aufhören, mich selbst zur damaligen Zeit zu hassen.“
  • „Ich will aufhören, zu denken, ich sei dumm gewesen, weil ich versucht habe, mein damaliges Los zu verbessern oder anderen zu helfen.“

Diese Übung fordert uns auf, uns mit Aspekten unserer selbst zu konfrontieren, die wir meist lieber vergessen würden. Folglich fühlen wir uns vielleicht unwohl oder verlegen, besonders wenn wir einem Partner gegenübersitzen. Sollte das geschehen, können wir versuchen, die Emotionen wie eine Woge im Ozean vorübergehen zu lassen. Danach müssen wir unsere positiven Qualitäten wieder verstärken, die wir in der vorausgegangenen Übung entdeckt haben. Mit der rechten Anstrengung können wir sie nutzen, um unsere ne­gativen Gewohnheiten zu überwinden.