Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ausgewogene Sensibilität entwickeln:
Praktische buddhistische Übungen für den Alltag

Ursprüngliche deutsche Veröffentlichung:
Berzin, Alexander. "Den Alltag meistern wie ein Buddha: Übungen für einen feinfühligen Umgang mit sich selbst und anderen". Übers. Tom Geist. München: Diamant Verlag, 2000.

Ursprüngliche englische Version:
Berzin, Alexander. Developing Balanced Sensitivity: Practical Buddhist Exercises for Daily Life. Ithaca, Snow Lion, 1998.

Teil I: Konstruktiv mit Fragen der Sensibilität umgehen

3 Sich ideale Sensibilität vorstellen

Die Entwicklung ausgeglichener Sensibilität erfordert eine klare Vor­stellung von dem Ziel, das wir erreichen wollen, damit wir unsere Bemühungen entsprechend ausrichten können. Ein Buddha ist das unübertreffliche Beispiel für einen Menschen, der im positiven Sinne vollkommen sensibel und frei von allen negativen Aspekten ist. Die Beschreibungen der Qualitäten eines Buddha zeigen uns also die Eigenschaften auf, die auch wir erreichen müssen.

Qualitäten der Erleuchtungsnetzwerke

Ein Buddha ist – im wörtlichen Sinne – jemand der vollkommen wach ist, jemand der alle Unzulänglichkeiten überwunden und sein gesamtes Potenzial zur vollen Entfaltung gebracht hat, um optimal zum Wohle anderer wirken zu können. Die Qualitäten eines Buddha können in verschiedene Erleuchtungsnetzwerke (Buddhakörper, kayas) unterteilt werden, die bei einer solchen Person jederzeit einsatzbereit sind. Ein Erleuchtungsnetzwerk setzt sich aus einer gewaltigen Bandbreite von Bestandteilen zusammen, die nicht notwendigerweise nur materieller Natur sind. Weil diese Bestandteile als integriertes System zusammenwirken, sind sie mehr als eine bloße An­sammlung von Qualitäten.

Jeder Buddha verfügt über ein allumfassendes Netzwerk (dharma­kaya) sowie ein Netzwerk erleuchteter Formen (rupakaya). Ersteres ist das Netzwerk der Qualitäten, die einen völlig weisen Geist ausmachen, der mit seiner Liebe alles umfasst. Letzteres ist das Netzwerk zahlloser verschiedener körperlicher Formen, in denen ein Buddha sich manifestiert, um anderen zu helfen.

Wenn wir im positiven Sinne durch und durch sensibel sein möchten, benötigen wir ähnliche Qualitäten, wie sie in den beiden Er­leuch­tungsnetzwerken wirksam sind. Als würden wir ein aktives System vollkommen weisen, all-gütigen Gewahrseins besitzen, brauchen wir tiefes Interesse an allem und jedem und Aufmerksamkeit gegenüber sämtlichen Details. Verstehen wir jeden Menschen und alle Si­tu­ationen, verleiht uns das die Fähigkeit zu wissen, wie wir helfen können. Zusätzlich brauchen wir vollkommene Flexibilität, um angemessen reagieren zu können – nach dem Beispiel eines Buddha, der anderen durch sein Netzwerk erleuchteter Formen hilft. Darüber hinaus müssen all die unterschiedlichen Aspekte harmonisch als koordinierte Systeme zusammenwirken, wie im Falle der völlig Erwachten.

Formen sensibler Reaktion

Ein Netzwerk erleuchteter Formen (Rupakaya) beinhaltet wiederum zwei Systeme: ein Netzwerk vollständig einsatzbereiter Formen (sambhogakaya) und ein Netzwerk von Emanationen (nirmanakaya). Bei Ersterem handelt es sich um ein Netzwerk subtiler Formen – die vollständige Umsetzung aller Lehren des Buddha zum Altruismus. Beim Zweiten handelt es sich um ein Netzwerk grobstofflicher Formen, die aus dem Ersten hervorgehen. Die Literatur des Tantra – Tex­te über fortgeschrittene Methoden zur Selbsttransformation – be­­schreibt ein Netzwerk vollständig einsatzbereiter Formen als ein integriertes System aller Manifestationen erleuchteter Sprache. Ein Emanations-Netzwerk umfasst ein integriertes System aller sichtbaren erleuchteten Formen, wie subtil sie auch immer sein mögen.

Auf ähnliche Weise erfordert vollkommene Sensibilität den voll­ständigen Gebrauch unseres Körpers und unserer Kommunikationsfähigkeit. Wir brauchen Feingefühl, wenn wir mit anderen sprechen und wenn wir handeln. So müssen wir zum Beispiel vermeiden, Dinge zu sagen oder zu tun, die andere oder uns selbst verletzen können. Außerdem müssen unsere sensiblen körperlichen Reaktionen verschiedene Ebenen umfassen. Auf einer subtilen Ebene müssen wir durch unseren Gesichtsausdruck und unsere Körpersprache Sympathie zum Ausdruck bringen. Auf einer gröberen Ebene müssen wir den anderen vielleicht tröstend umarmen oder beim Abwasch helfen.

Ein Netzwerk von Formen ist etwas anderes als eine Sammlung von Anzügen im Kleiderschrank. Um einer Situation gerecht zu wer­den, sucht sich ein Buddha nicht etwa eine subtile oder grobe Form aus einem feststehenden Repertoire aus. Stattdessen erscheint er oder sie ganz spontan genau in der Form, die für andere am nützlichsten ist. Ebenso ist es auch bei uns: Wenn wir entsprechend sensibel für andere sind, reagieren wir nicht mit einem festgelegten Routinepro­gramm aus unserem erlernten Repertoire. Auf andere in einer festgelegten Weise zu reagieren macht uns steif und unnatürlich. Die anderen haben dann das Gefühl, wir wären unaufrichtig. Wir müssen flexibel sein und spontan mit aufrichtigen Worten und Handlungen reagieren.

Qualitäten von Geist und Herz

Ein allumfassendes Netzwerk (Dharmakaya) umfasst ebenfalls zwei Systeme: Ein Netzwerk Tiefen Gewahrseins (jnana-dhar­ma­kaya) und ein grundlegendes Netzwerk (svabhavakaya). In der tibetischen Tradition gibt es verschiedene Erklärungen dazu. Die Gelug-Tradition und einige Sakya-Autoren beschreiben Ersteres als den vollständig weisen, all-gütigen Geist eines Buddha, der ein tiefes Gewahrsein von allem hat. Der zweite ist die „ selbst-leere“ Natur oder „Selbst-Leerheit“ eines solchen Geistes. Die Selbst-Leerheit eines Objekts ist die völlige Abwesenheit jeder fantasierten, unmöglichen Existenzweise. Als das grundlegende Netz- oder Rahmenwerk von allem Existierenden ist die Abwesenheit des Unmöglichen für die Existenz und Funktion aller Erleuchtungsnetzwerke eines Buddha verantwortlich.

Die Kagyü- und Nyingma-Schulen sowie einige andere Sakya-Au­toren erklären ein Erleuchtungsnetzwerk Tiefen Gewahrseins als „leer von anderem“ oder die „Ander-Leerheit“ eines vollständig wei­sen, all-gütigen Geistes. Ander-Leerheit bezieht sich darauf, dass der Geist in seiner feinsten Form frei von allen gröberen Ebenen ist. Zu den gröberen Ebenen gehören u.a. begriffliches Denken oder störende Emotionen. Ander-Leerheit impliziert auch, dass die subtilste Ebene des Geistes mit allen Erleuchtungsqualitäten ausgestattet ist. Das beinhaltet Mitgefühl, Verstehen und die Fähigkeit, anderen zu helfen, indem man alle unangemessenen Handlungen unterlassen und das Passende tun kann. Dieser Sichtweise zufolge ist das grundlegende Netzwerk eines Buddha die Untrennbarkeit der individuellen Erleuchtungssysteme und ihr Zusammenwirken in einer Art „Metanetzwerk“. In der Literatur über Kalachakra (Zyklen der Zeit) findet sich noch eine weitere Erklärungsvariante. Hier stellt die tiefe Freude, die das vollständig weise, all-gütige Gewahr­sein charakterisiert, das grundlegende Netz- oder Rahmenwerk von allem dar.   

Beide Formen des allumfassenden Netzwerks weisen auf Faktoren hin, die auch zur Entwicklung ausgeglichener Sensibilität nötig sind. Rechte Sensibilität hängt nicht nur von Liebe und Verständnis ab. Sie beruht ebenso auf der Tatsache, dass wir, unser Herz und unser Geist, nicht auf fantasierte Art und Weise existieren. Niemand ist das Zentrum des Universums, ebenso wenig ist irgendjemand vollkommen von den anderen oder von sich selbst abgeschnitten. Darüber hinaus gibt es niemanden, der nicht zu ausgeglichener Sensibilität fähig ist. Der Grund dafür ist, dass der Geist eines jeden Menschen vollständig mit allen nötigen Fähigkeiten versehen ist – wie etwa der Fähigkeit zu lieben, zu verstehen und alle unangemessenen Dinge zu meiden.

Wenn wir nur auf die rechte Art und Weise sensibel sind, bleibt unser Geist von allen störenden Gedanken, aufwühlenden Emotionen und unausgewogenen Einstellungen frei. Unsere Gefühle, unsere Sprache und unser Verhalten sind integriert und beständig. Befreit von der Unsicherheit, die uns Befürchtungen und Fanta­sien projizieren lässt, ist unser Geist ganz natürlich freudvoll.

Allumfassendes Netzwerk (Dharmakaya):
Netzwerk Tiefen Gewahrseins
(Jnana-dhamarakya)
  • vollständig weise
  • all-gütig
  • leer von konzeptuellen Gedanken und störenden Emotionen
Grundlegendes Netzwerk
(Svabhavakaya):
  • leer von unmöglichen Formen der Existenz
  • Integration von Körper, Sprache, Geist und Herz
Netzwerk erleuchteter Form (Rupakaya):
Netzwerk vollständig einsatzbereiter Formen
(Sambhogakaya)
  • subtile Formen körperlichen Ausdrucks
  • verbale Kommunikation
Netzwerk der Emanation
(Nirmanakaya)
  • Verhaltensausdruck 
 
Schaubild 3: Die Erleuchtungsnetzwerke

 

Übung 3: Sich ideale Sensibilität vorstellen

Die folgende dreiteilige Übung beruht mehr auf dem intuitiven Ansatz als die vorige. Sie ist abgeleitet vom grundlegenden Vorgehen bei der tantrischen Visualisationspraxis. Im Tantra stellen wir uns vor, wir hätten bereits jetzt die erleuchteten Fähigkeiten eines Buddha. Wir stellen uns vor, mit allen um uns herum auf erleuchtete Weise umzugehen. In dieser Übung nutzen wir die Qualitäten, die den Eigenschaften der Erleuchtungsnetzwerke entsprechen. Wie bei den Proben vor der eigentlichen Theatervorstellung machen wir uns durch diese Übungen schon jetzt damit vertraut, wie wir gerne in Zukunft handeln würden. Damit schaffen wir die Ursache dafür, die gewünschten Fähigkeiten schneller zu entwickeln. Am Ende stärken wir unseren Entschluss, indem wir die Meditationsstruktur der „vier unermesslichen Geisteshaltungen“ entwickeln: Liebe, Mitgefühl, Freu­de und Gleichmut.

In der ersten Übungsphase konzentrieren wir uns auf ein Foto eines Menschen, mit dem wir eine positive emotionale Beziehung haben oder hatten. Alternativ können wir auch nur mit einem geistig vorgestellten Bild der Person arbeiten. Wir beginnen damit, in uns eine ruhige, liebevolle Atmosphäre zu schaffen wie in Übung Zwei. Wir können sie hier jedoch ein wenig abkürzen. Mit der dreifachen Methode des Loslassens, des Schreibens auf Wasser und der Welle im Ozean bringen wir den Geist zur Ruhe, während wir an den Menschen denken. Haben wir ein gewisses Maß an geistiger Stille erreicht, denken wir:

  • „Du bist ein Mensch und hast Gefühle.“
  • „Du liegst mir am Herzen.“
  • „Deine Gefühle sind mir wichtig.“

Als Nächstes nutzen wir den Atem und das Bild des Schreibens auf Wasser, um unseren Geist weiter von Voreingenommenheit und nichtverbalen Urteilen zu reinigen. Dann versuchen wir unser Gefühl der Selbstzentriertheit zu lösen, indem wir uns klarmachen, dass wir nicht der Mittelpunkt des Universums sind. Auch der andere Mensch existiert. Wir achten die herkömmlichen Grenzen des Anstands. Zum Beispiel stecken wir unsere Nase nicht ungebührlich in die Privatangelegenheiten des anderen. Dennoch versuchen wir zu empfinden, dass keine soliden Trennwände zwischen uns stehen, die eine herzliche Kommunikation verhindern würden. Auch wenn keine Trennwänden existieren, heißt das nicht, dass wir ungeschützt, ängstlich und unsicher dem anderen ausgeliefert sind. Ganz im Ge­genteil. Wir geben die Barrieren auf, die Liebe und das Verstehen zwischen uns behindern, versuchen unsere Verteidi­gungs­strategien fallen zu lassen und keine Angst zu haben.

Indem wir Freude über die Möglichkeiten empfinden, die sich aus unserer Begegnung ergeben können, richten wir jetzt unsere Aufmerksamkeit auf den anderen Menschen. Wir versuchen ihn oder sie mit Zuneigung und Verständnis anzublicken und geben unserer liebevollen Hinwendung auch mit passender Mimik und Körpersprache Ausdruck. Würden wir die Sorgen eines anderen mit einem leeren Gesichtsausdruck anhören, würde er oder sie wohl denken, sie seien uns gleichgültig. Würden wir andererseits jedoch ein blödes Grinsen aufsetzen, dürfte der andere sich von uns wohl nicht ernst genommen fühlen. Säßen wir mit verschränkten Armen da, könn­te der andere denken, wir wären distanziert und würden über ihn urteilen.

Wir üben Selbstbeherrschung, damit wir nichts sagen oder tun, was andere oder uns selbst verletzen könnte, und stellen uns vor, dass wir mit freundlichen Worten und wohlüberlegten Handlungen reagieren. Wenn wir zum Beispiel jemandem am Telefon zuhören, müssen wir zumindest ab und zu „mhm“ sagen, sonst denkt der an­dere, wir würden nicht zuhören. Wenn wir andererseits aber zu viel sagen, wird unser Gesprächspartner denken, wir wollten uns nur selbst reden hören. Häufig genügt es auch noch nicht, nur mit einem verständnisvollen Lächeln in den Augen und häufigem Kopfnicken zuzuhören. Wir müssen noch deutlichere Schritte machen und angemessen handeln. So könnten wir zum Beispiel unseren Arm um jemandes Schulter legen, wenn das als Trost spendend empfunden würde, oder wir könnten dem Menschen anbieten, ihm praktisch zu helfen.

Letztlich müssen wir uns mit all diesen Faktoren vertraut machen. Zu diesem Zweck kann unser Gruppenleiter oder wir selbst langsam die folgenden vierzehn Schlüsselformeln mehrmals nacheinander wiederholen:

  • „keine geistigen Geschichten“
  • „liebevolle Hinwendung“
  • „keine Urteile“
  • „ keine Selbstzentriertheit“
  • „keine festen Wän­de“
  • „keine Angst“
  • „Freude“
  • „ Konzentration“
  • „ Zuneigung“
  • „Verständnis“
  • „Gesichtsausdruck“
  • „Selbstbeherrschung“
  • „freundliche Worte“
  • „wohlüberlegte Handlungen“.

Mit jedem Satz ver­suchen wir, den Menschen mit dem entsprechenden Geisteszustand oder Gefühl anzuschauen.

Wir beenden die Übung, indem wir nacheinander über die folgenden drei Gedanken nachsinnen und versuchen, das jeweilige Gefühl aufrichtig zu empfinden.

  • „Wie wundervoll wäre es, wenn ich so wer­den könnte.“
  • „Ich wünsche mir so zu werden.“
  • „Ich will definitiv versuchen so zu werden.“

Dann versuchen wir, an ein strahlendes Vorbild ausgeglichener Sensibilität zu denken, sei es ein Buddha, ein spiritueller Lehrer oder jemand aus unserem persönlichen Umfeld. Indem wir ein entsprechendes Foto anschauen oder einfach nur an einen solchen Menschen denken, bitten wir um Inspiration. Wir ver­suchen uns vorzustellen, dass warmes, goldenes Licht von dem Men­schen ausstrahlt und uns mit inspirierender Kraft erfüllt, damit wir unser Ziel erreichen können. Wir stellen uns vor, dass sich die Figur in uns auflöst, und versuchen zu empfinden, dass wir selbst durch das Licht der Inspiration zu strahlen beginnen.

Danach wiederholen wir den Vorgang noch zweimal in abgekürzter Form, während wir uns auf Illustriertenfotos fremder Personen konzentrieren. Jedes Mal konzentrieren wir uns auf eine andere Per­son während des gesamten Prozesses, einschließlich der Wiederholung der Schlüsselformeln. Die darauf folgenden Schritte der Praxis lassen wir aus. Schließlich wiederholen wir den Vorgang noch einmal, während wir uns auf einen lauten, herrischen Verwandten oder auf einen nervtötenden Nachbarn oder Arbeitskollegen konzentrieren.

Ausgeglichene Sensibilität gegenüber einer anderen Person und gegenüber uns selbst empfinden

Während der zweiten Übungsphase sitzen wir mit den anderen Mitgliedern unserer Arbeitsgruppe im Kreis. Bei jedem Schritt versuchen wir nacheinander jede Person mit denselben vierzehn Geisteszuständen, Einstellungen, Gefühlen und Absichten zu betrachten, als würden wir mit einem Foto oder der bloßen Vorstellung eines Menschen arbeiten. Zur Unterstützung unserer Achtsamkeit können wir wieder dieselben Schlüsselformeln benutzen. Dann wiederholen wir den Vorgang, während wir einem Partner gegen­über­sitzen.

Die dritte Phase beginnen wir, indem wir in einen Spiegel blicken. Wieder wiederholen wir die Sequenz der vierzehn Haltungen, die wir nun wie folgt auf uns selbst richten. Wir klären unseren Geist von Fantasien und lieblosen Gedanken; ebenso versuchen wir unsere fixierten Einstellungen zu lösen und unsere ständigen Selbstvorwürfe über Bord zu werfen. Um unsere Fantasien aufzulösen, führen wir uns vor Augen, dass wir nicht der wichtigste Mensch auf der Welt sind oder der einzige, der Probleme hat. Darüber hinaus erkennen wir, dass uns keine Wände daran hindern, mit uns selbst umzugehen. Jede Selbstentfremdung, die wir vielleicht empfinden, beruht auf bloßer Einbildung. Furchtlos versuchen wir, Erleichterung und Freude darüber zu empfinden, dass wir offen und entspannt mit uns selbst umgehen können. Dann konzentrieren wir uns mit warmherzigem Verständnis und versuchen, Selbstbeherrschung auszuüben, damit wir nicht aus einem niedrigen Selbstwertgefühl heraus übertrieben reagieren und nicht selbstzerstörerisch sind. Gelassen und im Frieden mit uns selbst entspannen wir den Ausdruck auf unserem Gesicht und versuchen, zumindest ein Lächeln für alles in den Augen zu haben. Wir entscheiden uns freundlich mit uns selbst zu sprechen, uns nicht fertig zu machen und uns selbst wohlüberlegt zu behandeln.

Mit den vierzehn Schlüsselformeln wiederholen wir die Sequenz einige Male langsam. Dann legen wir den Spiegel nieder und durchlaufen die Abfolge noch einmal, wobei wir nun die Gefühle direkt empfinden. Schließlich wiederholen wir die Übung noch zweimal, während wir jedes Mal die Aufmerksamkeit auf ein Foto von uns selbst aus verschiedenen Lebensabschnitten richten. Besonders hilfreich ist es, mit Lebensphasen zu arbeiten, die wir lieber vergessen würden oder für die wir uns auch heute noch selbst hassen. Vielleicht können wir uns auf eine Zeit konzentrieren, zu der wir uns in einer unguten Beziehung töricht verhalten haben. Die Ausdrücke „freundliche Gedanken“ und „wohlüberlegtes Handeln“ ändern wir dabei in „freundliche Gedanken der Vergebung“ ab.