Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die Wichtigkeit des Dialoges

Seine Heiligkeit der Vierzehnte Dalai Lama
Erste Konferenz über tibetischen Buddhismus in Europa
Zürich, August 2005
Leicht überarbeitet von Alexander Berzin
Übersetzung ins Deutsche: Cornelia Krause

Gewaltlosigkeit und Dialog

Wir sind jetzt im 21 Jahrhundert, und die materielle Entwicklung hat natürlich einen sehr hohen, überaus fortgeschrittenen Stand erreicht. Doch gibt es immer noch eine erhebliche Anzahl von Menschen, die aufrichtiges Interesse an religiösem Glauben haben. Es gibt beklagenswerte Katastrophen, den so genannten Terrorismus und so etwas, aber solche Dinge sind offenbar bedingt durch Mangel an Weitsicht.

Um Gegenmaßnahmen gegen solche unheilvollen Dinge einzuleiten, müssen wir das Problem auf zwei Ebenen betrachten. Die erste Ebene ist die zeitweilige; diese Blickrichtung nehmen verschiedene Regierungen ein. Die zweite Ebene ist die langfristige; sie besteht darin, eine gesündere, mehr mitfühlende Gesellschaft anzustreben. Etliche Ausbildungs-Institutionen legen inzwischen mehr Gewicht auf Dialog und Gewaltlosigkeit. Das sind wichtige Konzeptionen, die verbreitet und gefördert werden müssen. Es ist wichtig für die jüngere Generation, solche Inhalte zu studieren, damit die Prinzipien von Dialog und Gewaltlosigkeit Teil ihres Lebens werden.

Erhaltung des buddhistischen Dharma

Die Erhaltung des tibetischen buddhistischen Dharmas und das Anliegen, in Tibet Freiheit zu haben, sind eng miteinander verknüpft. Tibet ist immer ein Land mit großer Ausdehnung gewesen, und es war sehr schwierig, über weite Strecken hinweg miteinander zu kommunizieren. Jeder Lama und jedes Kloster blieb in seinem heimischen Gebiet und es gab nicht viel Interesse an der Vorstellung von Gemeinschaftsgefühl. Aufgrund dieses Mangels an Kooperation und Kommunikation sowie auch bedingt durch den Mangel an einem Gefühl gemeinsamer Verantwortung kam es zu der jetzigen Tragödie. Aus der Erfahrung unserer Vergangenheit können wir also erkennen, dass ein Gefühl von Gemeinschaft und dafür, eine enge Verbindung miteinander zu haben, überaus wesentlich ist. Für die kleinen Enklaven von Praktizierenden des tibetischen Buddhismus, die es hier und da unabhängig voneinander und ohne jede zentrale Autorität in verschiedenen Ländern gibt, ist es wichtig, Treffen zu veranstalten und darüber zu sprechen, wie man enger zusammenarbeiten kann.

Wir folgen dem Buddha und all den Meistern der Tradition von Nalanda. Die Lehren des Buddha wurden in Übereinstimmung mit der Realität gelehrt, und all die Werke der Meister von Nalanda sind dazu da, uns die Realität verstehen zu helfen. Warum? Viel Unheil und unerwünschte Vorkommnisse geschehen aufgrund eines unrealistischen Ansatzes. Im Grunde entsteht jedes Fehlverhalten und jeder Fehler aufgrund von Unwissenheit bezüglich der Realität; eine falsche Methode bringt also weitere ungesunde Folgen hervor. Um das zu verhindern, müssen wir offen miteinander diskutieren, und das kann nur auf der Grundlage des Dialogs, mit engmaschiger Kommunikation und mehr Zusammenarbeit untereinander geschehen.

Die Tradition derBhikshuni-Gelübde wieder beleben

In den buddhistischen Ländern, in denen die Vinaya-Tradition erhalten blieb, wie etwa in Thailand, Burma und Sri Lanka, gibt es heutzutage keine Bhikshunis (vollständig ordinierte Nonnen) mehr. Was den chinesischen Buddhismus betrifft, so führen einige Klöster in Taiwan die Ordination zur Bhikshuni durch. Bei einem Treffen während meiner zweiten Reise nach Taiwan betonte ein chinesischer Bhikshu (vollständig ordinierter Mönch), wie wichtig es ist, die Bhikshuni-Gelübde auch in anderen Traditionen wieder einzuführen.

Wir befinden uns im 21 Jahrhundert und alle reden von Gleichheit. Ich habe kürzlich auch hervorgehoben, dass wir unter den Tibetern, Chinesen und Europäern eine erheblich größere Anzahl von Frauen finden, die wirklich aufrichtiges Interesse an Religion und insbesondere am buddhistischen Dharma zeigen. Wann immer ich in den Gebieten des Himalajas Unterweisungen gebe, befinden sich mehr Frauen als Männer unter den Zuhörern.

Wir brauchen daher Bildung und den Dialog mit den Senior- Bhikshus, und ich denke, ich würde es vorziehen, wenn diese Aufgaben nicht von tibetischen Nonnen genommen wird – vielleicht ist es effektiver, wenn westliche buddhistischen Nonnen das übernehmen. Natürlich ist keiner unserer Bhikshunis reich, und man braucht Geld für dieses Unterfangen; deswegen möchte ich von meinen Einnahmen eine Spende machen. Ich habe niemals Bücher geschrieben, um damit Geld zu verdienen, aber das Geld kommt automatisch! Deshalb möchte ich eine Art Stiftungs-Fonds dafür einrichten.