Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Die gegenwärtige Lage des Buddhismus
in der Welt (1996)

Ursprünglich publiziert als Teil von:
Berzin, Alexander. Buddhism and Its Impact on Asia. Asian Monographs, no. 8.
Cairo: Cairo University, Center for Asian Studies, June 1996.
Übersetzung ins Deutsche: Nailu Sari

Süd- und südostasiatischer Theravada-Buddhismus

Sri Lanka

Gegenwärtig steht der Buddhismus in einigen Ländern in Blüte, während er in anderen Ländern Schwierigkeiten gegenübersteht. Der Theravada beispielsweise ist am stärksten in Sri Lanka, Thailand und Burma (Myanmar), während er in Laos, Kambodscha und Vietnam ernsthaft geschwächt ist. Vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert war der Buddhismus in Sri Lanka aufgrund der Verfolgung durch die Inquisition und dann durch die Missionare seiner christlichen Kolonialherren verfallen. Im späten neunzehnten Jahrhundert wurde er mit Hilfe britischer Gelehrter und Theosophen neu belebt. Als Folge davon wird der Buddhismus Sri Lankas mit seiner Betonung des gelehrsamen Studiums, der pastoralen Aktivitäten von Seiten der Mönche für die Laiengemeinschaft und der direkten Meditationspraxis nicht nur für die Robenträger, sondern auch für die Laien, manchmal als „ protestantischer Buddhismus“ bezeichnet. Die Gemeinschaft der Laien-Haushälter hat großen Glauben, beschwert sich aber manchmal über den Mangel an Mönchen, die eine Balance zwischen Studium und Praxis verkörpern.

Indonesien und Malaysia

Srilankische Mönche haben dabei geholfen, den Theravada-Buddhismus auf Bali, in anderen Teilen Indonesiens und in Malaysia wiederzubeleben, wo er bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts langsam ausgestorben war. Dies geschah in einem äußerst bescheidenen Rahmen. Diejenigen, die auf Bali Interesse für den Buddhismus zeigen, sind die Anhänger der traditionellen balinesischen Mischung aus Hinduismus, Buddhismus und dem angestammten Geisterglauben. In anderen Teilen Indonesiens und in Malaysia ist es hingegen die Gemeinschaft der Überseechinesen, die dem Mahayana-Buddhismus anhängt. Es gibt auch einige neue sehr kleine indonesisch-buddhistische Sekten, die Hybriden aus Aspekten des Theravada, der chinesischen und der tibetischen Traditionen darstellen.

Nach der Panchashila-Politik der indonesischen Regierung müssen alle Religionen den Glauben an Gott vertreten. Obwohl der Buddhismus Gott nicht als ein individuelles Wesen ansieht und daher manchmal als atheistisch bezeichnet wird, wird er offiziell anerkannt, da er die Existenz von Adibuddha vertritt. Dies ist wörtlich der „Erste Buddha“. Er wird im „Kalachakra Tantra“ besprochen, das in Indonesien vor tausend Jahren in blühte gestanden hatte. Adibuddha ist der allwissende Schöpfer aller Erscheinungen, jenseits der Zeit, der Worte und aller anderen Beschränkungen. Obwohl er von einer symbolischen Figur dargestellt wird, ist er nicht wirklich selbst ein Wesen. Adibuddha ist eher abstrakt und findet sich in allen Wesen als die Klares-Licht-Natur des Geistes. Auf dieser Grundlage wird der Buddhismus zusammen mit dem Islam, dem Hinduismus und den katholischen und protestantischen Formen des Christentums als eine der fünf Staatsreligionen Indonesiens anerkannt.

Indien

In den Gebieten Indiens südlich des Himalajas verschwand der Buddhismus langsam in der Zeit bis etwa zum siebzehnten Jahrhundert. Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts gründeten allerdings die Sri-Lankesen mit Hilfe britischer Gelehrter die Maha Bodhi Gesellschaft mit dem Ziel, die heiligen Pilgerstätten in Indien wiederherzustellen. Sie waren hierin sehr erfolgreich und haben heute, ähnlich wie andere buddhistische Traditionen, Tempel mit Mönchen an jedem dieser Orte.

In den 1950er Jahren begann Ambedkar eine neobuddhistische Bewegung unter den Unberührbaren des westlichen Indiens. Hunderttausende sind dieser beigetreten, hauptsächlich, um dem Stigma zu entgehen, der niedrigsten Kaste anzugehören. Die Betonung liegt darauf, politische und soziale Rechte zu gewinnen. Ambedkar starb kurz nachdem er dieses Revival gegründet hatte. Seitdem wurde sie von Sangharakshita geleitet, einem Engländer, der die Organisation Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens gründete, die speziell für westliche Übende erdacht wurde.

Thailand

In Thailand hat die buddhistische Mönchsgemeinde, die vom Vorbild der thailändischen Monarchie beeinflusst wurde, einen Obersten Patriarchen und einen Ältestenrat, die die Verantwortung für die Reinhaltung der Tradition tragen. Es gibt zwei Arten von monastischen Gemeinschaften: die einen leben in den Wäldern, die anderen in Dörfern. Beide sind Gegenstand großer Verehrung und Unterstützung von Seiten der Gemeinschaft der Laien. Die starke Wald-Tradition von Bettelmönchen lebt in isolierten Dschungelgebieten und übt intensive Meditation. Sie folgt strikt den Regeln monastischer Disziplin, die Schwerpunkt ihres Studienprogramms bilden. Dorfmönche vollziehen zahlreiche Zeremonien zum Wohl der lokalen Bevölkerung. Ihr Studium allerdings besteht hauptsächlich im Auswendiglernen von Texten. Gemäss des Geisterglaubens, der Teil der thailändischen Kultur ist, versorgen diese Mönche die Laien auch mit Schutzamuletten. Es gibt eine buddhistische Universität für Mönche, derer Hauptziel es ist, sie in der Übersetzung buddhistischer Texte vom klassischen Pali ins moderne Thai auszubilden.

Myanmar (Burma)

In Myanmar (Burma) hat das Militärregime den Buddhismus unter die strikte Kontrolle seines Ministeriums für Religion gestellt. Es hat Klöster, in denen Dissidenten lebten, brutal zerstört, besonders im Norden des Landes. Jetzt zahlt die Regierung große Summen an die restlichen Mönche in der Bemühung, ihre Unterstützung zu gewinnen und jegliche Kritik zum Schweigen zu bringen. Burma hat eine lange Tradition einer ausgewogenen, gleichwertigen Betonung der Meditation und des Studiums, besonders, was das Abhidharma-System der buddhistischen Psychologie, Metaphysik und Ethik angeht. Viele Klöster, die diese Vorgehensweise haben, sind weiterhin offen und die Laienbevölkerung bewahrt großen Glauben. Seit dem späten neunzehnten Jahrhundert gibt es, möglicherweise aufgrund des Einflusses der britischen Kolonialbesetzung, zahlreiche Meditationszentren, in denen Mönche und Lehrer im Laienstand männlichen und weiblichen burmesische Laien grundlegende Meditationspraktiken zur Entwicklung der Achtsamkeit lehren.

Bangladesch

Im südlichen Bangladesch gibt es in den Hügeln entlang der burmesischen Grenze zahlreiche isolierte Dörfer, die traditionell der burmesischen Tradition des Buddhismus folgen. Da sie allerdings von Burma abgeschnitten sind, ist ihr Wissens- und Praxisniveau relativ niedrig.

Laos

In Laos wird der Buddhismus weiterhin in einem ländlichen Kontext auf die traditionelle Art gelehrt und praktiziert, doch die Klöster sind aufgrund des amerikanisch-vietnamesischen Krieges in einem schlechten Zustand. Die laotischen Laien spenden den Mönchen auf ihrem Almosengang weiterhin Essen und gehen an Vollmondtagen in die Tempel. Die Tradition der Meditation ist allerdings äußerst schwach. Zuvor mussten die Mönche den Marxismus studieren und lehren, was jetzt aber nicht mehr der Fall ist. Heutzutage wird von den Menschen nur noch ein Lippenbekenntnis zum Kommunismus verlangt und es ist leichter, Mönch zu werden.

Kampuchea (Kambodscha)

In Kampuchea (Kambodscha), wird der Buddhismus nach den Zerstörungen und Verfolgungen unter Pol Pot neu belebt. Besonders mit Prinz Sihanouk als König werden die Restriktionen allmählich gelockert. Trotzdem muss man weiterhin über 30 oder 40 sein, um ordiniert zu werden, da das Land Arbeitskräfte braucht. Der Hauptmönch der Khmer, Maha Ghosananda, erlernte die Meditation in Thailand, da sie in Kambodscha weitgehend verlorengegangen war und versucht ihre Praxis dort neu zu beleben. Was im Land von der Waldtradition übriggeblieben war, war mehr am Erlangen besonderer Kräfte interessiert als an der Meditation.

Vietnam

Obwohl es in Vietnam nie etwas Gleichwertiges zur Kulturrevolution gegeben hat, wird der Buddhismus dort weiterhin als Staatsfeind angesehen und die Mönche stellen eine Herausforderung für die Autorität und die Kontrolle des Staates dar. Es ist sehr schwierig, sich ordinieren zu lassen und zahlreiche Mönche werden inhaftiert. Nur ausgelesene Klöster sind offen, größtenteils zum Zweck der Propaganda. Im Norden, wo die monastischen Institutionen während des Vietnamkrieges mit den Kommunisten koexistiert haben, geht das Regime entspannter mit den Mönchen um. Im Süden ist es weit misstrauischer und härter gegen die Mönche.

Ostasiatischer Mahayana-Buddhismus

Taiwan, Hongkong, und die Gebiete mit Überseechinesen

Die ostasiatischen Traditionen des Mahayana-Buddhismus, die aus China stammen, sind am stärksten in Taiwan, Hongkong und Südkorea. Taiwan hat eine starke monastische Gemeinschaft von Mönchen und Nonnen, die sehr großzügig von den Laien unterstützt wird. Es gibt buddhistische Universitäten und soziale Wohlfahrtsprogramme. Auch Hongkong hat eine blühende monastische Gemeinschaft. Bei den Überseechinesen in Malaysia, Singapur, Indonesien, Thailand und den Philippinen liegt der Hauptakzent auf Zeremonien für das Wohlergehen der Vorfahren und für den Wohlstand und Reichtum der Lebenden. Es gibt zahlreiche Medien, durch die buddhistische Orakel in Trance sprechen und bei denen die Laienanhänger bei Gesundheitsfragen und psychologischen Problemen Rat einholen. Chinesische Geschäftsmänner, die Haupttriebkraft in diesen „asiatischen Tiger“-Wirtschaften, machen den Mönchen häufig großzügige Spenden, damit sie für ihren finanziellen Erfolg Rituale vollziehen.

Korea

Der Buddhismus ist in Südkorea weiterhin stark, obwohl er einer wachsenden Herausforderung von Seiten der evangelischen Missionsbewegungen gegenübersteht. Es gibt zahlreiche Klostergemeinschaften von Mönchen und Nonnen, die von der Bevölkerung stark unterstützt werden. Die Tradition der Meditation, vor allem die des Son, der koreanischen Form des Zen, steht besonders in Blüte. Andererseits wird der Buddhismus in Nordkorea, wenn man von einem ausgewählten Kloster absieht, das für Propagandazwecke geöffnet ist, streng unterdrückt.

Japan

Japan hat zahlreiche Tempel, die für Touristen und Besucher wunderschön erhalten werden, doch viele sind kommerzialisiert. Obwohl es einige ernsthaft Übende gibt, sind die Traditionen größtenteils extrem formalisiert und schwach. Die Japaner haben seit dem dreizehnten Jahrhundert eine Tradition verheirateter Tempelpriester, denen der Alkohol nicht verboten ist. Solche Priester ersetzten allmählich die Tradition der zölibatären Mönche. Die meisten Japaner folgen einer Kombination aus Buddhismus und traditionellem japanischen Shinto-Animismus. Sie lassen Priester shintoistische Bräuche und Zeremonien für Geburten und Heiraten und buddhistische für Beerdigungen zelebrieren, ohne ein großes Verständnis für die einen oder die anderen zu haben. Einige Maßnahmen haben darauf abgezielt, buddhistische Methoden anzuwenden, um den Arbeitsdruck in großen Firmen zu lindern. Eine große japanische buddhistische Sekte verfolgt ein ausgedehntes Programm, um auf der ganzen Welt Friedenspagoden zu bauen. Es gibt auch eine Reihe fanatischer Weltuntergangskulte, die sich selbst buddhistisch nennen, aber tatsächlich wenig mit den Lehren Buddha Shakyamunis zu tun haben. Historisch gesehen sind einige der Traditionen des japanischen Buddhismus extrem nationalistisch gewesen, was auf dem Glauben basierte, Japan sei ein buddhistisches Paradies. Dies leitet sich ab vom shintoistischen Kult des Kaisers und von der Wichtigkeit, der japanischen Nation zuzugehören. Solche Traditionen haben zur Entstehung buddhistischer Politparteien mit einer extrem nationalistischen und fundamentalistischen Couleur geführt.

Volksrepublik China

Im Inneren China, d.h. in den hanchinesischen Gebieten der Volksrepublik, wurde die Mehrheit der buddhistischen Klöster während der Kulturrevolution in den 1960er und 1970er Jahren zerstört und die meisten gutausgebildeten Mönche, Nonnen und Lehrer exekutiert oder inhaftiert. Dies geschah allerdings nicht in dem selben enormen Ausmaß wie in den Nicht-Han-Regionen, nämlich in Tibet, in der Inneren Mongolei und in Sinkiang. Heutzutage ist eine große Anzahl von Hanchinesen aller Altersgruppen im Inneren China am Buddhismus interessiert, doch ist das Hauptproblem der Mangel an Lehrern. Viele junge Menschen erhalten eine monastische Ordination, doch ihre Qualität ist niedrig. Die meisten Jugendlichen, die ein College besucht haben, ziehen es vor, zu arbeiten und Geld zu verdienen, während diejenigen, die den Klöstern beitreten, meist aus armen und/oder ungebildeten Familien kommen, hauptsächlich vom Land. Es gibt nur wenige qualifizierte ältere Mönche und Nonnen, die die kommunistische Verfolgung überlebten und die lehren können, und niemand in einem mittleren Alter, der irgendeine Ausbildung erhalten hat. In vielen größeren Städten und Pilgerorten Innerchinas gibt es buddhistische Regierungscolleges mit zwei- bis vierjährigen Programmen, mit politischer Bildung als Teil des Studienplans. Nur relativ wenige der neuordinierten Hanchinesen besuchen sie.

Im allgemeinen ist das Niveau der buddhistischen Ausbildung in den hanchinesischen Klöstern extrem niedrig. Man konzentriert sich zur Zeit vor allem auf den physischen Wiederaufbau des Buddhismus – Tempel, Pagoden, Statuen und so weiter – und dies erfordert, dass man Zeit und Arbeit ins Geldsammeln und Bauen investiert. In einigen Fällen hilft die chinesische Regierung bei der Finanzierung des Wiederaufbaus. Als Ergebnis sind viele buddhistische Tempel nun als Museen oder Touristenattraktionen geöffnet, wobei die Mönche und Nonnen am Ticketschalter sitzen oder Tempeldiener sind. Dies verbreitet einen Anschein von „Religionsfreiheit“, ein Bild, dass von der Regierung in Beijing stark gesucht wird. Der größte Teil des Wiederaufbaus wird allerdings von den Menschen vor Ort finanziert, manchmal zusammen mit ausländischen Wohltätern und oft von den Nonnen und Mönchen selbst. Einige traditionelle Praktiken des Ahnenkults, die vor der kommunistischen Verfolgung in den Tempeln zelebriert wurden, werden jetzt wiederbelebt. Es gibt allerdings in verschiedenen Teilen Innerchinas einige chinesische Klöster, die aktiv sind und ein gewisses Niveau an Studium und Praxis haben.

Zentralasiatischer Mahayana-Buddhismus

Exiltibeter

Von den tibetischen Traditionen Zentralasiens überlebt die stärkste in der tibetischen Gemeinschaft um Seine Heiligkeit den Dalai Lama, die sich seit dem 1959er Volksaufstand gegen die chinesische Besetzung Tibets im indischen Exil befindet. Sie haben die meisten der wichtigsten Klöster und mehrere der Nonnenklöster Tibets neu gegründet und besitzen das traditionelle volle Ausbildungsprogramm für Mönchsgelehrte, Meditationsmeister und Lehrer. Es gibt Strukturen für Erziehung, Forschung und Veröffentlichung, um alle Aspekte jeder Schule der tibetischen buddhistischen Tradition zu bewahren

Die Exiltibeter haben dazu beigetragen, den Buddhismus in der Himalayaregion Indiens, Nepals und Buthans einschließlich Ladakhs und Sikkims neu zu beleben, indem sie Lehrer aussandten und die Linien neu übertrugen. Zahlreiche Mönche und Nonnen aus diesen Regionen erhalten ihre Erziehung und ihre theoretische und praktische Ausbildung in den Mönchs- und Nonnenklöstern der tibetischen Flüchtlinge.

Nepal

Obwohl die tibetische Tradition des Buddhismus beim Volk der Sherpa in Ostnepal und unter den tibetischen Flüchtlingen im zentralen Teil des Landes praktiziert wird, existiert die traditionelle Form des Buddhismus weiter in beschränktem Maße beim Volk der Newari im Tal Katmandus. Sie folgen einer Mischung aus der späten indischen Form des Mahayana und des Hinduismus und sind die einzige buddhistische Gesellschaft, die die Kastenunterschiede innerhalb der Klöster aufrechterhält. Seit dem sechzehnten Jahrhundert dürfen die Mönche heiraten und es gibt unter ihnen eine erbliche Kaste der Tempelaufseher und der Ritualmeister. Diejenigen, die diese Funktionen ausüben, müssen aus diesen Kasten stammen.

Tibet

Die Situation des Buddhismus in Tibet selbst, das von der Volksrepublik China in die fünf Provinzen von Tibet, Qinghai, Gansu, Sichuan und Yünnan aufgeteilt wurde, ist weiterhin äußerst hart. Von den 6500 Mönchs- und Nonnenklöstern, die es vor 1959 gab, wurden alle bis auf 150 zerstört, zum größten Teil vor der Kulturrevolution. Die große Mehrheit der gelehrten Mönche und Nonnen wurde entweder exekutiert oder starb in Konzentrationslagern, und die meisten sonstigen Mönche wurden gezwungen, ihre Gelübde aufzugeben. Seit 1979 haben die Chinesen den Tibetern erlaubt, ihre Klöster wiederherzustellen und viel wurde bereits wiederaufgebaut. Die chinesische Regierung hat bei zwei oder drei davon geholfen, doch das Meiste wurde durch die Anstrengungen und die Finanzierung der ehemaligen Mönche, der Bevölkerung vor Ort und der Exiltibeter im Ausland geleistet. Tausende von jungen Menschen sind Mönche und Nonnen geworden, doch die chinesische Regierung verhängte jetzt wieder strenge Zahlenlimitierungen und Einschränkungen. Zahlreiche Spitzel der Polizei und der Regierung sind als Mönche verkleidet und üben innerhalb der Klöster eine strenge Kontrolle aus. Mönche und Nonnen haben oft Proteste gegen die chinesische Politik der Menschenrechtsunterdrückung geführt und wirkliche Autonomie und Religionsfreiheit gefordert.

Am sichtbarsten wurden die Bemühungen der chinesischen kommunistischen Behörden, den Buddhismus in Tibet zu kontrollieren, während der Wiedererkennung der Reinkarnation des Panchen Lama. Der erste Panchen Lama, der im siebzehnten Jahrhundert lebte, war der Tutor des Fünften Dalai Lama und wird unter Tibetern als der zweithöchste spirituelle Meister nach dem Dalai Lama angesehen. Wenn ein Dalai Lama oder ein Panchen Lama stirbt, wird sein Nachfolger als kleines Kind, das als Reinkarnation seines Vorgängers erkannt wird, ausgewählt. Das Kind wird durch das Befragen von Orakeln gefunden und wird eingehend auf präzise Erinnerungen an Menschen und Gegenständen aus seinem letzten Leben geprüft.

Während die Dalai Lamas seit der Zeit des Fünften, sowohl die spirituellen als die weltlichen Herrscher Tibets gewesen sind, haben die Panchen Lamas nie eine politische Position gehabt. Seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert haben die Chinesen allerdings erfolglos versucht, die Tibeter zu entzweien, indem sie den Panchen Lama als politischen Rivalen zum Dalai Lama unterstützten.

Die Mandschus, ein nichthanchinesisches, nordostasiatisches Volk, herrschten von der Mitte des siebzehnten bis zum frühen zwanzigsten Jahrhundert über China. Sie versuchten, die Mongolen und Tibeter als Verbündete in die Einflusssphäre ihres Reiches einzubinden, indem sie äußerlich den tibetischen Buddhismus unterstützten, während sie ständig versuchten, seine Institutionen zu manipulieren und zu kontrollieren und seinen Schwerpunkt von Lhasa nach Beijing zu verlegen. In der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts erklärten sie, dass nur der Mandschu-Kaiser die Autorität dazu habe, die Reinkarnationen der Dalai Lamas und Panchen Lamas durch ein System des Loseziehens aus einer goldenen Urne auszuwählen und anzuerkennen. Die Tibeter ignorierten ihre Anspruchserklärung; die Wahl der Panchen Lamas wurde immer von den Dalai Lamas bestätigt.

Die chinesische kommunistische Regierung ist nach eigener Erklärung atheistisch, greift angeblich nicht in religiöse Angelegenheiten ein und hat alle Maßnahmen der kaiserlichen Dynastien, die China zuvor regiert hatten, vollständig verdammt. Und doch proklamierte sie sich 1995 zum legitimen Erben der Mandschu-Kaiser, mit der Autorität, die Reinkarnation des 10. Panchen Lama, der 1989 starb, zu finden und anzuerkennen. Dies geschah kurz nachdem der Abt des Klosters des Panchen Lama die Reinkarnation lokalisiert und der Dalai Lama den Jungen offiziell anerkannt hatte. Darauf wurden der Junge und seine Familie nach Beijing gebracht und es wurde seitdem nichts mehr von ihnen gehört, der Abt wurde inhaftiert und das Kloster des Panchen Lamas einer strikten kommunistischen Kontrolle unterstellt. Die Chinesischen Behörden befahlen dann allen hohen Lamas, zu einer Zeremonie zusammenzukommen, auf der sie ihre eigene Reinkarnation des Panchen Lama auswählten. Darauf traf sich der Präsident Chinas mit dem bei dieser Versammlung gewählten sechsjährigen Knaben und gab ihm die Anweisung, der chinesischen kommunistischen Partei loyal zu sein.

Zusätzlich zu den Eingriffen der chinesischen Regierung ist das Hauptproblem, dem sich die Buddhisten in Tibet gegenübersehen der Mangel an qualifizierten Lehrern. Nur eine Handvoll alter Meister hat die kommunistische Verfolgung überlebt und die wenigen Lehrer, die verfügbar sind, haben nur zwei bis maximal vier Jahre Ausbildung in einem sehr eingeschränkten Studienplan an buddhistischen Regierungscolleges erhalten, die dank den Bemühungen des verstorbenen Panchen Lamas gegründet wurden. Obwohl im allgemeinen mehr studiert wird als in Innerchina sind viele tibetische Kloester als Touristenattraktionen geöffnet und die Mönche müssen am Ticketschalter und als Tempelwächter arbeiten. Die Bevölkerung der Laien hat im Allgemeinen einen sehr starken Glauben, doch ein großer Anteil der Jugendlichen ist durch den Mangel an Arbeitsplätzen, der sich aus dem massiven hanchinesischen Bevölkerungstransfer ergibt und durch den ständig zunehmenden Zufluss an billigem Alkohol, Heroin, Pornographie und Pooltischen fürs Glückspiel aus Innerchina demoralisiert.

Ostturkestan (Xinjiang, Sinkiang)

Die meisten Klöster der kalmukischen Mongolen, die in Ostturkestan (Xinjiang, Sinkiang) leben, wurden während der Kulturrevolution zerstört. Mehrere wurden jetzt wiederaufgebaut, doch es gibt einen noch größeren Mangel an Lehrern als in Tibet. Neue junge Mönche wurden angesichts des Mangels an Studieninfrastrukturen entmutigt und gingen wieder.

Innere Mongolei

Der schlimmsten Situation für tibetische Buddhisten unter der Kontrolle der Volksrepublik China sieht man sich allerdings in der Inneren Mongolei gegenüber. Die meisten Klöster in der westlichen Hälfte des Landes wurden während der Kulturrevolution zerstört. In der östlichen Hälfte, die ehemals ein Teil der Mandschurei war, waren viele Klöster bereits am Ende des Zweiten Weltkrieges von dem Truppen Stalins zerstört worden, als die Russen dabei halfen, Nordchina von den Japanern zu befreien. Die Kulturrevolution vollendete bloß die Zerstörung. Von den 700 Klöstern, die es in der Inneren Mongolei gegeben hatte, bleiben nur 27. Anders als in Tibet und Xinjiang gab es allerdings fast keine Bemühungen, sie wiederaufzubauen. Es hat eine derartige Zuwanderung von hanchinesischen Siedlern und derartig viele Mischhochzeiten gegeben, dass die örtliche mongolische Bevölkerung, besonders in den Städten, wenig Interesse an der eigenen Sprache, der eigenen traditionellen Kultur oder am Buddhismus hat. Einige Klöster sind als Touristenattraktionen geöffnet und es gibt eine Handvoll junger Mönche, doch sie erhalten praktisch keine Ausbildung. In extrem entlegenen Gebieten der Wüste Gobi gibt es noch ein oder zwei Klöster, wo die Mönche weiterhin die traditionellen Rituale vollziehen, doch keiner von ihnen ist jünger als siebzig. Anders als in den tibetischen Gebieten, wo das Grasland reich ist und die Nomaden die Ressourcen haben, um zu helfen, die Klöster wiederaufzubauen und die neuen Mönche zu ernähren, sind die innermongolischen Nomaden der Wüste Gobi, die weiterhin Glauben haben, extrem arm.

Mongolei

In der Mongolei selbst (Äußere Mongolei) hatte es Tausende von Klöstern gegeben. Alle wurden 1937 auf Befehl Stalins entweder teilweise oder vollständig zerstört. 1946 wurde ein Kloster in der Hauptstadt Ulan Bator als Scheinsymbol wiedereröffnet, und in den frühen 1970er Jahren wurde dort eine fünf-jährige Ausbildungshochschule für Mönche begonnen. Es hatte ein sehr gekürzten Lehrplan mit einer starken Betonung marxistischer Studien. Es wurde den Mönchen erlaubt, ein beschränktes Maß an Ritualen für die Öffentlichkeit zu vollziehen. Die Teilnehmer wurden von den Regierungsbehörden sorgfältig ausgefragt. Nach dem Sturz des Kommunismus im Jahr 1990 kam es mit Hilfe der Exiltibeter aus Indien zu einer starken Wiederbelebung des Buddhismus. Zahlreiche neue Mönche werden zur Ausbildung nach Indien geschickt und 150 Klöster wurden entweder wiedereröffnet oder in bescheidenem Umfang wiederaufgebaut, wobei mehrere Lehrer aus den Reihen der Tibeter in Indien kamen. Anders als in Tibet, wo die alten Mönche, die ihre Gelübde aufgegeben haben, nicht zurück in die Klöster kamen, sondern nur dabei halfen, sie wiederaufzubauen und sie zu unterstützen, sind in der Mongolei viele alte Mönche zurückgekehrt. Da die meisten nicht aufgehört haben, nachts bei ihren Frauen zu wohnen und Wodka zu trinken, gibt es ein ernstes Problem mit den monastischen Regeln der Disziplin.

Die größte Schwierigkeit, der sich der Buddhismus heute in der Mongolei gegenübersieht, sind allerdings die aggressiven christlichen Missionare der Mormonen und Baptisten aus Amerika. Sie kommen anfänglich um Englisch zu unterrichten, bieten dann aber Geld und Hilfe um den Kindern der Menschen dabei zu helfen, in den Vereinigten Staaten zu studieren- unter der Bedingung dass sie konvertieren. Sie verteilen wunderschön gedruckte, kostenlose Büchlein über Jesus in der gesprochenen mongolischen Sprache und zeigen Filme. Die Buddhisten können nicht mithalten. Es gibt bis jetzt über den Buddhismus keine Bücher in der gesprochenen Sprache, nur in der klassischen; und es gibt praktisch niemanden, der solche Übersetzungen herstellen könnte und kein Geld, um solche Bücher zu drucken, auch wenn sie übersetzt würden. Daher werden die jungen Menschen und die Intellektuellen vom Buddhismus zum Christentum weggezogen

Russland

Es gibt in Russland drei Gebiete, die traditionell tibetisch buddhistisch sind: Buryatien in Sibirien in der Nähe des Baikalsees, Tuva, das ebenfalls in Sibirien im Norden der westlichen Mongolei liegt, und Kalmykien, im Nordwesten des Kaspischen Meeres. Die Buryaten und Kalmyken sind Mongolen, während die Tuvaner ein Turkvolk sind. In jedem dieser Gebiete wurden alle Klöster in den späten 1930er Jahren von Stalin vollkommen zerstört, bis auf drei in Buryatien, die nur beschädigt wurden. In den späten 1940er Jahren lies Stalin in Buryatien unter strikter Kontrolle des KGB zwei Musterklöster wiedereröffnen. Ehemalige Mönche zogen während des Tages ihre Roben als Uniformen an und vollzogen einige Rituale. Mehrere gingen an das Ausbildungshochschulen in der Mongolei um dort zu studieren. Nach dem Sturz des Kommunismus im Jahr 1990 kam es in allen drei Gebieten zu einem starken Come-back des Buddhismus. Die Exiltibeter sandten Lehrer und zahlreiche neue junge Mönche absolvieren ihre Ausbildung in den tibetischen Klöstern in Indien. Es gibt nun in Buryatien siebzehn wiedergegründete Klöster. Wie in der Mongolei gibt es Probleme mit dem Alkohol und mit rückkehrenden Mönchen, die Frauen haben. Aber anders als in der Mongolei behaupten diese Mönche nicht, zölibatär zu sein. Es gibt Pläne, Klöster in Kalmykien und Tuva zu eröffnen. Christliche Missionare sind in allen drei Regionen aktiv, aber nicht so stark wie in der Mongolei.

Es besteht auch unter Asiaten anderer buddhistischer Traditionen ein großes Interesse am tibetischen Buddhismus. Zahlreiche tibetische Meister aus der indischen Exilgemeinschaft werden eingeladen, um in Südostasien, Taiwan, Hongkong, Japan und Korea zu unterrichten. Die Menschen finden die klaren Erklärungen der Lehren Buddhas, die sich in der tibetischen Tradition finden, eine nützliche Ergänzung, um ihre eigenen Traditionen zu verstehen. Die Menschen sind auch von den elaborierten tibetischen Ritualen für Wohlstand und Gesundheit angezogen.

Nicht traditionell buddhistische Länder

Alle Formen des Buddhismus finden sich auch auf der ganzen Welt in Ländern, die nicht traditionell buddhistisch sind. Zwei Hauptgruppen sind hieran beteiligt: asiatische Einwanderer und nichtasiatische Praktizierende. Die asiatischen Einwanderer haben, besonders in den Vereinigten Staaten und in Australien, zahlreiche ethnische Tempel. In einem schmaleren Umfang ist dies auch in Kanada, Brasilien, Peru und in mehreren westeuropäischen Ländern der Fall, besonders in Frankreich. Der Hauptakzent liegt auf Praktiken der Hingabe und darauf, ein Gemeinschaftszentrum zu bieten, das den Einwanderern dabei hilft, ihre individuelle kulturelle und nationale Identität zu bewahren.

Buddhistische „Dharmazentren“ aller Traditionen finden sich heutzutage in mehr als achtzig Ländern auf der ganzen Welt, auf jedem Kontinent. Diese werden hauptsächlich von Nichtasiaten besucht. Sie betonen die Meditation, das Studium und die Praxis von Ritualen. Die große Mehrheit dieser Zentren gehören den Traditionen des tibetischen Buddhismus, des Zen und des Theravada an. Die Lehrer an diesen Zentren sind sowohl Westler als auch ethnische Buddhisten aus Asien. Die größte Anzahl findet sich in den Vereinigten Staaten, in Frankreich und in Deutschland. Ernsthaft Studierende besuchen häufig Asien um eine tiefergehende Ausbildung zu absolvieren. Es gibt ferner buddhistische Studienprogramme an zahlreichen Universitäten auf der ganzen Welt und einen ständig wachsenden Dialog und Austausch zwischen dem Buddhismus und anderen Religionen, der Wissenschaft, der Psychologie und der Medizin. Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat in diesem Zusammenhang eine äußerst wichtige Rolle gespielt.