Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ein Porträt Tsenzhab Serkong Rinpoches

Alexander Berzin, 1998
Übersetzung ins Deutsche: Wolfgang Exler

Teil sechs: Rinpoches allgemeiner Rat für buddhistische Praktizierende

Serkong Rinpoche hat immer betont, allen Lamas gegenüber rücksichtsvoll zu sein und nicht ihre Zeit zu verschwenden. Er lud dazu ein, das Beispiel der hingebungsvollen Leute von Spiti zu vermeiden. Wenn sie sich anstellten, um ihm einen zeremoniellen Schal (Kata) zu überreichen, pflegten seine Anhänger in Spiti, zu warten, bis sie sich direkt vor ihm befanden und dann erst ihre Niederwerfungen darzubringen, jeder einzeln. Eine derartige Prozedur kann oft Stunden dauern. Weiterhin sagte Rinpoche, dass wenn man einen Lama befragt, sollte man nie eine große Geschichte erzählen oder eine Schau abziehen. Tatsächlich hat er mich angewiesen, derartige Fragen nie wörtlich zu übersetzen, sondern sie einfach auf den Punkt zu bringen.

Darüber hinaus wollte Rinpoche nicht, dass ihm Besucher andauernd Katas und was Rinpoche als „ lausige“ Keksschachteln bezeichnete schenkten. Er meinte, dass diejenigen, die einem Lama eine Gabe bringen wollen, ihm etwas wirklich Nettes schenken sollten, etwas, was die Person nutzen kann oder mag. Weiter sagte er zu Leuten, die ihn häufig aufsuchten, wie zum Beispiel ich selbst, dass sie aufhören sollen, Sachen zu bringen. Er wünsche und brauche nichts.

Rinpoche gab den Leuten immer den Rat, den gesunden Menschenverstand zu benutzen. Dementsprechend mochte er es nicht, wenn die Leute ihn um eine Weissagung in weltlichen Angelegenheiten baten. Die einzige Situation, in der eine Weissagung zu erbitten angemessen ist, ist, wenn gewöhnliche Mittel eine Sache nicht klären können, insbesondere in spirituellen Belangen. Einmal hatte ich ein Problem hinsichtlich meiner Miete und bat um eine Weissagung darüber, was ich tun solle. Rinpoche jagte mich fort und wies mich an, einen Rechtsanwalt aufzusuchen.

Weiter empfahl Rinpoche, für das Planen jedweder Aktivität immer mindestens drei mögliche Vorgehensweisen bereit zu haben. Die Flexibilität, die man aus einer derartigen Strategie erhält, verhindert hilflose Panik, wenn ein Plan nicht funktioniert. Mehrere Alternativen zur Hand zu haben versieht uns mit einem Gefühl der Sicherheit aufgrund der Zuversichtlichkeit, dass zumindest eine von ihnen funktionieren wird.

Schüler werden allerdings manchmal von Weissagungen abhängig und geben so ihrer Unfähigkeit nach, selbstständig zu denken. Während sie der Verantwortung für ihr Leben ausweichen, wollen sie, dass jemand anderes die Entscheidungen für sie trifft. Obwohl es oft hilfreich ist, einen spirituellen Lehrer bei großen Entscheidungen zu konsultieren, besteht der sicherste Weg dies zu tun darin, dass man seine bzw. ihre Werte verinnerlicht. Selbst wenn der Lama nicht da ist, stehen diese Werte immer zur Verfügung, um dabei zu helfen, die weiseste Vorgehensweise festzulegen.

Rinpoche riet insbesondere davon ab, viele Lamas um eine Weissagung zu derselben Frage zu bitten, bis man die Antwort erhält, die einem passt. Eine Weissagung zu erbitten impliziert Vertrauen in den Lama. Das bedeutet zu tun, was auch immer die Person rät. Zusätzlich warnte Rinpoche davor, zu einem Lama zu gehen und ihm mitzuteilen, dass ein anderer Lehrer gesagt habe, dies und jenes zu tun, und dann den Lama zu fragen, was er dazu denke. „Soll ich das befolgen?“ Einen Lama in die peinliche Lage zu bringen, sagen zu müssen, dass sich ein anderer spiritueller Meister irrt, zeigt einen Mangel an Feingefühl.

Tatsächlich verstehen es die meisten Westler nicht, Fragen an Lamas richtig zu stellen. Wenn sie zu ihm kamen und auf alberne Weise etwas fragten, korrigierte sie Rinpoche für gewöhnlich. Wenn jemand zum Beispiel nicht weiß, ob er an einer Ermächtigung teilnehmen soll oder nicht, ist es lächerlich zu fragen: „Ist es gut, an dieser Ermächtigung teilzunehmen?“ Natürlich ist es gut! Man kann nicht sagen, dass es schlecht sei. Und wenn jemand fragt: „Sollte ich teilnehmen oder nicht?“, dann impliziert das: „Bin ich zur Teilnahme verpflichtet oder nicht?“ Niemand ist verpflichtet, teilzunehmen. Wenn man den Rat eines spirituellen Meisters in solchen Angelegenheiten sucht, ist es am besten, stattdessen zu fragen: „Was empfehlen Sie mir zu tun?“ Wenn wir uns weiter an einen Lama wenden und ihn um Erlaubnis bitten, eine Ermächtigung, die er überträgt, zu erhalten, dann ist es albern zu fragen: „Kann ich die Ermächtigung erhalten oder nicht?“ Das impliziert: „Bin ich dazu fähig oder nicht?“, was völlig absurd ist. Die korrekte Art und Weise, diese Frage zu stellen, ist: „Kann ich bitte diese Ermächtigung erhalten?“ Das ist, wie wenn man versucht, eine Verlängerung für ein Visum zum Aufenthalt in einem fremden Land zu bekommen. Nur ein Idiot würde fragen: „Kann ich länger bleiben oder nicht?“ Die richtige Weise, darum zu bitten, ist: „Mit Ihrer freundlichen Erlaubnis würde ich gerne länger bleiben.“

Einmal belästigte Turner Rinpoche wiederholt für mehrere Monate damit, ihm die Erlaubniszeremonie für die Anrufung des spirituellen Schützers Sechsarmiger Mahakala zu übertragen. Als Rinpoche endlich zustimmte, fragte ihn Turner, was denn die tägliche Rezitationsverpflichtung sein würde. Rinpoche schlug ihn beinah und schimpfte ihn, dass er bereit sein sollte, alles als Verpflichtung zu akzeptieren.

Rinpoche war sehr wenig erfreut, wenn Westler es versuchten, mit ihm bezüglich der Rezitationsverpflichtung aus einer Initiation zu handeln. Er betonte stets, dass man eine Ermächtigung zu einer bestimmten Buddha-Gestalt nur aus dem ernsthaften Wunsch heraus nehmen sollte, in deren Praxis einzusteigen, um die Buddhaschaft zum Wohle aller Wesen zu erlangen. Nur wegen der „ Good Vibrations“ teilzunehmen oder einfach, weil alle anderen auch hingehen, empfand er als absurd. Ebenfalls unangebracht ist es, mit der Einstellung hinzugehen, lediglich eine kurze Eingewöhnungsklausur durchzuführen und dann die Meditationspraxis zu vergessen. Die Verpflichtung auf eine bestimmte tantrische Praxis besteht für das ganze Leben.

Rinpoche betonte die genaue Untersuchung von spirituellen Praktiken und Lehrern, bevor man sich einlässt, und nicht damit bis nachher zu warten. Dies war der Hauptmangel, den Rinpoche an Westlern wahrnahm. Wir tendieren dazu, unreif in Dinge hineinzurennen. Rinpoche warnte davor, sich wie eine verrückte Person zu benehmen, die auf einen gefrorenen See hinausläuft und dann hinter sich mit einem Stecken prüft, ob das Eis dick genug ist, ihr Gewicht zu tragen.

Rinpoche sagte, dass die Leute an jedermanns Belehrungen teilnehmen können und sich aus Höflichkeit auch vor den mönchischen Roben des Lehrers oder den Buddha-Gemälden im Raum niederwerfen können. Ein Schüler dieses Lehrers zu werden ist allerdings eine ganz andere Sache. Er teilte mir sogar mit, dass ich für jeden Lama übersetzen könne, dass aber für jemanden zu arbeiten diese Person nicht zu meinem spirituellen Lehrer macht. Dies treffe zu, erklärte er mir, selbst falls ich eine tantrische Ermächtigung übersetzen würde. Was zählt, ist die eigene Einstellung gegenüber dem Lehrer.

Rinpoche hatte auch das Gefühl, dass viele Westler zu schnell buddhistische Mönche oder Nonnen werden, ohne zu prüfen, ob es wirklich das ist, was sie für den Rest ihres Lebens machen wollen. Oft versäumen sie es, in Betracht zu ziehen, welche Auswirkung ihre Ordination auf ihre Eltern haben wird oder wie sie in Zukunft ihren Unterhalt beschaffen wollen. Wenn jemand natürlich so ist wie die großen entsagenden Praktizierenden der Vergangenheit, dann braucht er oder sie nicht an solche Faktoren wie Familie oder Geld zu denken. Dennoch wissen wir selbst am besten, ob wir Milarepas sind oder nicht. In diesem Zusammenhang brachte Rinpoche oft das Beispiel von Drubkang Geleg-Gyatso. Dieser große tibetische Meister hatte in seiner Jugend den Wunsch, ein Mönch zu werden. Seine Familie stimmte dem aber nicht zu und regte sich sehr darüber auf. Er diente seinen Eltern daher treu, solange sie am Leben waren, und nachdem sie verstorben waren spendete er sein Erbe einer guten Sache. Erst dann wurde er ein Mönch.

Rinpoche legte immer Wert darauf, dass man die Eltern respektiert und ihnen dient. Als westliche Praktizierende sprechen wir leichthin davon, dass jeder unsere Mutter und unser Vater in früheren Leben gewesen ist und dass wir ihre Güte erwidern wollen. Gleichzeitig ist es aber auf der persönlichen Ebene so, dass viele von uns noch nicht einmal mit den Eltern dieses Lebens gut auskommen. Unseren Eltern zu dienen und zu ihnen freundlich und gütig zu sein ist tatsächlich, wie Rinpoche lehrte, eine großartige buddhistische Praxis.

Rinpoche erklärte, dass wenn jemand sich zuvor intensiv kundig macht und dann ein Mönch oder eine Nonne wird oder wenn jemand bereits die monastische Ordination erhalten hat, er bzw. sie keine halben Sachen machen solle, wie die Fledermaus. Wenn eine Fledermaus sich unter Vögeln befindet und dem, was sie tun, nicht folgen möchte, dann sagt sie: „Oh, das kann ich nicht machen, denn ich habe Zähne!“ Wenn sie unter Mäusen ist, sagt sie: „Oh, das kann ich nicht machen, denn ich habe Flügel.“ Sich so zu verhalten wie in diesem Beispiel bedeutet schlicht, die monastischen Roben für die eigene Bequemlichkeit zu nutzen. Wenn eine derartige Person bestimmte Laien-Aktivitäten, wie zum Beispiel für den eigenen finanziellen Unterhalt zu sorgen, nicht mag, dann benutzen sie die Roben als Entschuldigungsgrund. Wenn sie kein Interesse an bestimmten monastischen Funktionen oder Formen haben, wie zum Beispiel an langen Ritualen teilzunehmen oder in Roben zu reisen, bringen sie als Entschuldigung an, Westler zu sein. Wie Rinpoche sagen würde: „Wen hältst du hier eigentlich zum Narren?“

Rinpoche machte klar, dass es nicht so ist, dass buddhistische Praktizierende nicht arbeiten sollten. Ob man nun Laie ist oder ordiniert – jeder muss praktisch bleiben und mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Rinpoche lehrte, dass es wichtiger ist, womit wir unseren Geist und unsere Sprache beschäftigen, als womit wir unseren Körper beschäftigen. Er riet daher intensiv Praktizierenden, die für den eigenen Unterhalt sorgen müssen, zu niedrigen Arbeiten. Während der Arbeit können wir Mantras rezitieren und warme Gefühle und gütige Gedanken aussenden. Wenn das Denken an die Lehren während der Arbeit zu schwierig ist und wir tantrische Ermächtigungen erhalten haben, können wir zumindest unser Selbstbild transformieren. Während des ganzen Tages können wir versuchen, uns selbst als die Buddha-Gestalt und unsere Umgebung als ein Reines Land vorstellen, das vollkommen für spirituelle Entwicklung förderlich ist. Dann können wir am frühen Morgen und nachts die ausführliche Visualisation der Sadhana üben. Rinpoche hat immer betont, den Buddhismus nicht zu etwas zu machen, das vom Leben abgetrennt ist.

Viele Jahre lebte Turner arbeitslos mit seiner Frau und zwei Kindern auf Sozialhilfe gestützt in England. Er verbrachte fast seine gesamte Zeit mit intensiver Klausur-Praxis. Er meinte: „Warum Zeit mit Arbeiten verschwenden, wenn ich stattdessen die Lehren praktizieren kann?“ Bereits früher hatte er von Rinpoche die Erlaubniszeremonie des Weißen Mahakala erhalten, einer Schützer-Gestalt, die mit Reichtum verbunden ist, und er betete jeden Tag dafür, dass seine finanziellen Probleme gelöst würden. Rinpoche war ganz und gar nicht erfreut. Er sagte, dass dies wie bei einer kranken Person sei, die zum Medizin-Buddha betet, um gesund zu werden, aber nie irgendwelche Medizin nimmt. Er wies Turner an, sich eine Arbeit zu suchen und seine intensiven Praktiken lediglich für einen kürzeren Zeitraum am Morgen und am Abend durchzuführen. Dann würde die Anrufung des Weißen Mahakala dabei helfen, dass seine Arbeit ein finanzieller Erfolg werden würde.

Rinpoche wollte, dass die Leute praktisch und effektiv sein sollten und nicht abgehoben. Dementsprechend zog er es vor, dass Praktiken und rituelle Rezitationen schnell durchgeführt werden. Einmal baten die Schüler des Ghepheling Centers im italienischen Mailand Rinpoche darum, eine Meditationssitzung anzuleiten, um seinen dortigen Kurs über den Stufenpfad (Lam-rim) und die Praxis von Avalokiteshvara abzuschließen. Rinpoche stimmte zu und leitete sie an, sich selbst mittels des sechsstufigen Prozesses als Avalokiteshvara hervorzubringen und dann über die mehrere dutzend Punkte des Lam-rim zu meditieren und all dies für zwei Minuten zu machen. Als die Schüler ihren Unglauben ausdrückten und dagegen protestierten, wie wenig Zeit er für all das zugestanden hatte, gab Rinpoche nach und sagte: „Okay, macht es drei Minuten lang.“ Dann erklärte er, dass ein guter Praktizierender fähig ist, den gesamten LamRim durchzugehen in der Zeit, die es beim Besteigen eines Pferdes braucht, sein oder ihr Bein über den Sattel zu schwingen. Wenn der Tod kommt, haben wir keine Zeit, uns nett hinzusetzen und eine Visualisation mittels eines langsamen, schrittweisen Prozesses aufzubauen.

Rinpoche betonte die Notwendigkeit, in allen Aspekten der buddhistischen Praxis realistisch zu sein. Das wird insbesondere entscheidend, wenn wir als anstrebende Bodhisattvas versuchen, anderen zu nutzen. Obwohl wir von unserer Seite aus immer zu helfen bereit sein müssen, müssen wir uns auch immer vor Augen halten, dass die Offenheit des Anderen für unsere Hilfe und letztendlich auch der Erfolg unserer Bemühungen von seinem Karma abhängen – den früheren Mustern, welche seinen Geist konditioniert haben. Deshalb riet Rinpoche zur Vorsicht beim Anbieten von Hilfe in Dingen, die uns nicht betreffen, oder wenn andere nicht daran interessiert sind, unsere Hilfe zu erhalten. Unsere Einmischung wird lediglich Ärger hervorrufen und, wenn unsere Hilfe scheitert, wird die ganze Schuld uns zugewiesen werden.

Am besten ist es, immer unauffällig zu bleiben. Wir können es andere wissen lassen, dass wir zu helfen bereit sind, und, falls sie uns darum bitten, können wir uns ganz klar auf ihre Angelegenheiten einlassen. Dennoch müssen wir es vermeiden, für uns selbst mit „Bodhisattva zu vermieten“ zu werben. Am besten ist es, einfach unsere tägliche Meditationspraxis zu machen und als bescheidener Mensch zu leben.

Rinpoche warnte insbesondere davor, zu versprechen, mehr zu tun, als wir erreichen können, oder zu verbreiten, dass wir in der Zukunft etwas angehen oder vollenden werden. Das verursacht lediglich mehr Hindernisse und wenn wir zu guter Letzt das, was wir angekündigt haben, nicht umsetzen, machen wir uns zum Narren und verlieren alle Glaubwürdigkeit.

Dieser Punkt, nicht mehr zu versprechen als wir verwirklichen können, wird insbesondere relevant in unserer Beziehung mit unseren spirituellen Lehrern. Rinpoche riet immer, den Richtlinien aus Ashvaghoshas „Fünfzig Verse über den spirituellen Meister“ zu folgen, die er täglich als Teil seiner Meditationspraxis rezitierte. Wenn uns unsere Lehrer darum bitten, etwas auszuführen, das wir aus irgendeinem Grund nicht tun können, müssen wir bescheiden und höflich erklären, warum es uns unmöglich ist, dem nachzukommen. Rinpoche betonte, dass es bei einer aufrichtigen Verpflichtung auf einen spirituellen Meister nicht darum geht, dass man zu einem Sklaven oder Roboter wird, sondern darum, zu lernen, auf eigenen Füssen zu stehen, selbständig denken zu können und erleuchtet zu werden. Wenn wir nicht fähig sind, zu tun, was unser Lehrer vorschlägt, ist es völlig unangebracht, sich schuldig zu fühlen, weil wir unsere Mentoren enttäuschen und also schlechte Schüler sind. Ein wirklicher spiritueller Lehrer ist kein unvernünftiger Tyrann.

Für den Fall, dass wir zustimmen, etwas für jemanden zu tun – ob das nun unser Lehrer ist oder irgendjemand anderes -, gab Rinpoche den Rat, die Dinge von vornherein klarzustellen. Wir beschwören eine Katastrophe herauf, wenn wir wie ein naiver Wohltäter allem zustimmen und dann, während wir die Aufgabe ausführen bzw. wenn wir sie abgeschlossen haben, verlauten lassen, dass wir etwas dafür erwarten. Rinpoche lehrte, dass wenn wir praktisch und realistisch sind und die Dinge zuvor durchdenken, sowohl die weltlichen wie auch die spirituellen Angelegenheiten gut laufen werden. Wenn wir unpraktisch und unrealistisch sind und geistlos auf die Dinge losrennen, werden beide keinen Erfolg haben.

Rinpoche riet westlichen buddhistischen Zentren zu demselben Ansatz. Er hielt sie dazu an, es zu vermeiden, so groß zu sein, dass sie sich selbst mit Schulden und Versprechen bzgl. von Projekten belasten, die sie unmöglich durchführen oder abschließen könnten. Er sprach sich dafür aus, klein und ohne anzugeben anzufangen und der Versuchung zu widerstehen, sich in abgeschiedenen ländlichen Gegenden niederzulassen. Buddhistische Zentren müssen für Stadtbewohner bequem zu erreichen und so gelegen sein, dass die dort Wohnenden in der Nähe Arbeit finden können. Die Gruppe kann das Zentrum jederzeit verkaufen und –  falls benötigt –  ein größeres erwerben, aber alles zu seiner Zeit.

Sinn eines buddhistischen Zentrums ist nicht, große Menschenmengen mittels großsprecherischer Werbung anzuziehen wie bei einem Zirkus. Rinpoche bevorzugte immer kleine Gruppen ernsthaft Studierender. Weiter besteht beim Auswählen eines spirituellen Lehrers der Hauptpunkt nicht darin, wie unterhaltsam die Person ist oder wie lustig die Geschichten sind, die er oder sie erzählt. Wenn wir lachen wollen oder etwas Exotisches sehen wollen, können wir in den Zirkus gehen und uns die Clowns anschauen oder das Beiprogramm besuchen.