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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Wie Gampopa seine spirituellen Verwirklichungen erlangte

Geshe Ngawang Dhargyey
Mündliche Übersetzung von Lobsang Gyeltsen
Dharamsala, Indien, 1979
Bearbeitet von Samaya Hart und Alexander Berzin,
November 2003
Übersetzung ins Deutsche: Nailu Sari

„Das Juwelenornament der Befreiung“ (auf Deutsch veröffentlicht unter dem Titel: „Der Kostbare Schmuck der Befreiung“ ) wird als Vereinigung der Lehrströmungen der Kadam- und der Mahamudra-Tradition bezeichnet (tib. bka'-phyag chu-bo gnyis-'dres). Der Autor dieses Textes, Gampopa (tib. sGam-po-pa bSod-nams rin-chen) (1079-1153) hatte zahlreiche Kadampa-Meister, die ihn in den Praktiken und Sichtweisen ihrer Linie unterwiesen. Nachdem Gampopa von seinem Guru Milarepa (tib. Mi-la Ras-pa bZhad-pa'i rdo-rje) (1040-1123) die Lehren und Traditionen des Mahamudras erhalten hatte, verband er diese zwei Lehrströmungen zu einer einzigen.

Um dieses Werk wertschätzen und studieren zu können, sollten wir etwas über seinen Autor, Gampopa, wissen. Ohne die Lebensgeschichte des Autors werden die Lehren keine so große Bedeutung haben. Wir sollten mit Gampopa vertraut werden und ihn als einen Mann kennen lernen, der als eine gewöhnliche Person wirklich gelebt und dann durch seine Praxis tatsächliche spirituelle Verwirklichungen erlangt hat. Diese Lehren sind das Ergebnis seiner Erfahrung und seiner Praxis des Dharmas.

Prophezeiungen

Bevor Milarepa seine verschiedenen Schüler aufnahm, erschien ihm in einer Vision die Buddhagestalt Vajrayogini. Sie prophezeite ihm, er würde in einer nicht allzu fernen Zukunft einen sonnengleichen Schüler, einen mondgleichen Schüler und zahlreiche weitere Schüler, haben, die wie die Sterne am Himmel sein würden. Gampopa erwies sich als der sonnengleiche, der auch als der Große Arzt von Dagpo (tib. Dvags-po lha-rje) bekannt ist. Neben Rechungpa (tib. Ras-chung-pa rDo-rje grags-pa) (1084-1161) und zahlreichen anderen wurde er einer der Hauptschüler Milarepas.

Gampopa war keine gewöhnliche Person. Seine Anwesenheit zu dieser Zeit in diesem Universum war in zahlreichen Sutras prophezeit worden, besonders im „Weißen Lotus-Sutra“, in dem es eine klare Voraussage seines Kommens gibt, die folgendermaßen lautet:

Zur Zeit Buddha Shakyamunis wandte sich der Buddha eines Tages an seinen Schüler Ananda und sagte: „Ananda, nach meinem Eintritt ins Parinirvana wird es in der nördlichen Richtung dieser Hemisphäre einen voll ordinierten Mönch geben, der als der Bhikshu-Arzt bekannt sein wird.“ Gampopa war ein Bhikshu und ein hervorragender Arzt, der ein natürliches Talent für die Medizin besaß. „Er wird jemand sein, der durch zahlreiche vorangehende Leben gegangen ist, in denen er sich vollkommen der Praxis des Dharma hingegeben hat, und der zahlreiche spirituelle Lehrer gehabt hat.“

Sein Leben als Laie

Gampopa wurde in einem kleinen tibetischen Dorf geboren, in der südlichen Region von Dagpo, nahe der nepalesischen Grenze. Sein Vater war ein berühmter Arzt in diesem Dorf. Gampopas Eltern hatten zwei Söhne, von denen Gampopa der ältere war. Als Kind war Gampopa sehr klug. Er lernte den Beruf seines Vaters und wurde auch selbst ein großer Arzt. Als er etwa 15 war, studierte er zahlreiche Nyimgma-Schriften und erlangte so eine außerordentliche Kenntnis dieser Tradition. Er unternahm zahlreiche spirituelle Studien und heiratete als er zweiundzwanzig wurde Chogme, die Tochter einer sehr reichen Familie aus dem Nachbardorf. Es wurden ihnen ein Sohn und eine Tochter geboren.

Doch nach einigen Jahren starb der Sohn unerwartet. Gampopa brachte den Körper seines Sohnes auf den Friedhof und vollzog dort alle Rituale entsprechend der Gepflogenheiten des dortigen Gebietes. Als er von der Bestattung zurückkam, fand er auch seine Tochter tot vor und kurz darauf wurde seine Frau von zahlreichen Krankheiten heimgesucht. Gampopa, der ja selbst Arzt war, gab ihr alle nur möglichen Medikamente, bat auch andere Ärzte um Rat und versuchte, durch verschiedene Pujas ihre Heilung zu bewirken. Doch nichts half: es ging ihr schlechter und schlechter und sie verloren alle Hoffnung. Schließlich setzte sich Gampopa an ihr Bett und las ihr als Vorbereitung auf den Tod ein Sutra vor. Doch sie starb nicht.

Gampopa wunderte sich, warum sie nicht sterben konnte. Was hielt sie zurück? Was war es, das sie in diesem Leben nicht aufgeben konnte, einem Leben ohne Hoffnung, das nur noch anhaltende Schmerzen und Leiden für sie bereithielt? Voller großen Mitgefühls mit seiner Frau, die so krank danieder lag, sprach Gampopa zärtlich: „Ich habe alles, was in meiner Macht stand getan, um dich zu heilen. Ich habe viele Ärzte und Heilmittel und alle Arten von Gebeten und Ritualen für deine Heilung ausprobiert, doch alle sind gescheitert. Sie waren aufgrund deiner vergangenen Handlungen nicht wirksam. Die karmischen Kräfte und die Gebete unserer vorangegangenen Leben vereinigen dich und mich. Doch nun, obwohl ich viel Zuneigung und Liebe für dich habe, muss ich dich fragen, was dich weiter hier festhält. Wenn dich irgendein Schatz hier im Hause oder irgendein materieller Besitz, den wir zusammen aufgebaut haben, hier zurück hält, oder wenn du ihnen gegenüber viel Anhaftung hast, dann werde ich alles weggeben. Ich werde diese Dinge verkaufen oder sie dem Kloster spenden oder sie an die Armen verteilen. Ich werde alles aus dem Wege räumen, das dich vom Sterben zurückhalten könnte. Ich werde tun, was auch immer du wünschst.“

Chogme antwortete: „Ich habe keine Anhaftung dem Reichtum gegenüber oder an irgendetwas hier im Haus. Das hält mich nicht zurück. Ich mache mir große Sorgen um deine Zukunft, deshalb kann ich nicht sterben. Nach meinem Tod wird es leicht für dich sein, noch einmal zu heiraten und zahlreiche Töchter und Söhne zu haben, mehr als wir zusammen hatten. Ich sehe allerdings, dass diese Art von Leben für dich keinerlei Sinn hat. Deshalb mache ich mir solche Sorgen um dich. Wenn du mir versprichst, dass du statt dessen hingebungsvoll den Dharma übst, weil dies die wirkungsvollste und effizienteste Methode ist, um dein eigenes Glück und das Glück aller fühlenden Wesen zu erlangen, dann werde ich dieses Leben friedlich verlassen können. Sonst werde ich noch lange in diesem Zustand verweilen.“

„Wenn es sich so verhält“ sagte Gampopa, „dann gebe ich dir sofort mein Ehrenwort, dass ich ein hingebungsvoller Dharmapraktizierender werden will und dass ich diese Lebensweise aufgebe.“

Chogme antwortete: „Obwohl ich dir vertraue, solltest du bitte, um mich vollkommen glücklich zu machen und mir volles Vertrauen in dein Versprechen zu geben, einen Zeugen hierher bringen.“

Gampopa bat seinen Onkel, Zeuge seines Gelübdes zu sein. Vor seiner geliebten Frau stehend und mit seinem Onkel als Zeuge gelobte Gampopa, sein Leben dem Dharma zu widmen. Dies machte Chogme sehr glücklich und sie sagte: „Selbst nach meinem Tod werde ich noch auf dich aufpassen.“ Während sie so sprach hielt sie seine Hand und schied unter vielen Tränen dahin.

Er bereitete eine prunkvolles Beerdigungsritual für die Einäscherung seiner Frau. Aus der Asche, den Knochen und Ton bereitete er zahlreiche Votiv-Statuetten erleuchteter Wesen. Der Stupa, den er ihr zu Ehren erbaute, der „Chogme-Stupa“ steht noch heute in Tibet.

Als er alleine geblieben war, teilte Gampopa sein gesamtes Habe in zwei gleiche Teile. Einen Teil verkaufte er. Mit dem Erlös machte er den drei Juwelen Spenden und beschenkte die Armen und Bedürftigen. Er behielt den zweiten Teil für seinen Lebensunterhalt und seine religiösen Praktiken.

Eines Tages besuchte der Onkel, der beim Tod Chogmes als Zeuge gedient hatte Gampopa. Er hatte erwartet, Gampopa in tiefer Trauer über den Tod seiner Frau vorzufinden. Er kam, um ihm Ratschläge zu geben, um ihm zu sagen, er solle sich keine Sorgen machen, und um ihn zu trösten, indem er ihm seine Situation im Lichte der Karmalehre erklärte.

Gampopa antwortete, dass er sich überhaupt keine Sorgen machte. Im Gegenteil: er war recht glücklich, dass sie gestorben war. Der Onkel wurde äußerst wütend über diese Worte. Er las eine Handvoll Staub auf und warf sie ins Gesicht Gampopas. „Was meinst du?“ schrie er „Du hättest keine bessere Frau finden können, einen so bewundernswerten Menschen!“

Überrascht über diesen Ausbruch fragte Gampopa seinen Onkel: „Was für eine Art von Zeuge bist du? Warst du nicht da, als ich versprach, mich der Dharmapraxis zu widmen? Hast du nicht zugehört?“ Hierauf schämte sich der Onkel zutiefst und sagte: „Das ist richtig. Obwohl ich ein alter Mann bin denke ich nie daran, den Dharma zu praktizieren, während du, der du so jung bist, einen solchen Mut hast, dem spirituellen Pfad zu befolgen. Ich wäre so glücklich, wenn ich dir irgendwie helfen könnte.“

Gampopa wird Mönch und studiert mit Kadam-Meistern

Eines Tages packte Gampopa einen großen Vorrat an Kleidern und Nahrungsmitteln zusammen: er war entschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Ohne seinen Verwandten und Freunden irgend etwas zu sagen, verließ er seine Heimatstadt und ging in die Region Penpo (tib. ‘Phan-po) um einen Guru zu finden.

Bald darauf traf er Sharwa-Lingpa (tib. Sha-ba gling-pa),, einen mitfühlenden Lehrer der Kadam-Tradition. Gampopa bat ihn um die Gelübde eines Novizen und eines Vollmönches. Er erhielt den Ordinationsnamen Sönam-Rinchen (tib. bSod-nams rin-chen). Als Mönch praktizierte er intensiv mit einer Reihe von Kadampa-Geshes, indem er mit diesen großen Meistern meditierte und studierte. Er verbrachte oft ganze Tage ohne Essen und ohne auch nur einen Tropfen Wasser, versunken in das wonnevolle geistige und körperliche Gefühl vollkommener Konzentration. Gampopa erreichte einen solchen Grad an Samadhi-Konzentration, dass er sieben Tage lang in vollkommener, tiefer Meditation sitzen konnte.

So hatte Gampopa bereits viel Einsicht und ein großes Vertrauen in seine Dharmapraxis erlangt, bevor er sich auf die Suche nach seinem Guru Milarepa machte. Er hatte alle Kadam-Lehren gemeistert und erlebte außerordentliche Träume – beispielsweise, dass er ein Bodhisattva der zehnten Stufe sei. Er träumte oft, das ein blauer Yogi mit einem Spazierstock seine rechte Hand auf seinen Kopf legte und manchmal nach ihm spuckte. Gampopa dachte, dass dieser merkwürdige Traum ein Hinweis auf einen schädlichen Geist sei, der versuchte, zahlreiche Interferenzen und Hindernisse für seine Dharmapraxis zu schaffen. Daher unternahm er ein intensives Retreat über Achala (tib. Mi-g.yo-ba),, den Unerschütterlichen. Achala ist eine grimmig aussehende Figur, über die man speziell in der Kadam-Tradition meditiert, um alle Hindernisse für die Praxis zu beseitigen. Nach seinem Retreat trat der Traum jedoch noch häufiger auf   stärker und klarer als je zuvor. Er ahnte jedoch nicht, dass dieser Traum ein Zeichen dafür war, dass er seinen zukünftigen Lehrer, den großen Yogi Milarepa, bald treffen würde.

Milarepa

Gampopa hörte folgendermaßen den Namen Milarepas zum ersten Mal: er war dabei, ein Stupa-Monument zu umkreisen, das nahe an einer Straße stand, als ihm das Gespräch von drei Bettlern zu Ohren kam. Der eine beschwerte sich ständig über die Hungersnot, die im Land herrschte, und dass er schon lange nichts mehr gegessen hätte. Ein anderer erwiderte, dass sie sich schämen sollten, ständig über Essen zu sprechen, da der Bhikshu, der den Stupa umwandelte, sie hören könnte, was sehr beschämend wäre. „Außerdem“ sagte er „sind wir nicht die einzigen, die nichts zu Essen haben. Es gibt den großen, berühmten, heiligen Yogi Milarepa, der nie irgendwelche Nahrung hat und einfach nur in den Bergen lebt, wo er sich vollkommen der Dharmapraxis widmet. Er beschwert sich nie übers Essen. Wir sollten alle darum beten, dass wir einen ehrlichen Wunsch entwickeln mögen, ein so einfaches Leben wie er zu leben.“

Als er Milarepas Namen hörte, verspürte Gampopa ein Gefühl der Wonne und des Glücks. Er berichtete dies seinem Lehrer, der sagte: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass du eine enge karmische Verbindung zu einem solchen Meditationsmeister hast. Begib dich zu ihm und alles wird gut gehen.“

In dieser Nacht konnte Gampopa kaum schlafen. Während dem größten Teil der Nacht betete und wünschte er intensiv, dass er den großen Yogi Milarepa sofort treffen möge. Als er schließlich einschlief hatte er einen sehr besonderen Traum, in dem er den Klang einer weißen Muscheltrompete hörte – der lautesten Muscheltrompete auf Erden. Als er auch dies seinem Lehrer berichtete, sagte dieser: „Dies ist ein äußerst glücksverheißendes Zeichen. Du solltest dich sofort auf die Suche nach Milarepa machen.“

Gampopa rannte zum Ort, an dem die Bettler ihr Lager aufgeschlagen hatten und fragte sie, ob sie Milarepa persönlich kannten, ob sie wussten, wo er sich befand und ob sie ihn gegebenenfalls zu diesem Meister führen konnten. Er sagte ihnen, dass er sechzehn Unzen Gold besäße und dass er ihnen die Hälfte davon geben würde und die andere Hälfte behalten würde, um sie dem großen Guru bei ihrem Treffen als Gabe darzubringen. Der älteste Bettler sagte, er kenne Milarepa und willigte ein, Gampopa zur Höhle des Yogis zu führen.

Doch der alte Bettler hatte Gampopa belogen und auf dem Weg gab er zu, dass er nicht wusste, wo die Höhle lag. Er behauptete, dass er sich schlecht fühle und dass er Gampopa nicht weiter führen könne. Sie waren an einem Ort angelangt, an dem es keine Häuser, Menschen oder Tiere gab: rund um sie erstreckte sich eine vollkommenen Einöde. Der Bettler verschwand und Gampopa war plötzlich vollkommen allein. Er wanderte zahlreiche Tage weiter, ohne zu essen, und traf schließlich auf eine Gruppe von Händlern. Gampopa fragte einen von ihnen, ob er wisse, wo sich Milarepa befand. Der Händler erwiderte, dass er Milarepa gut kenne und dass dieser ein großer Meditierender und ein großer Yogi sei. Er erzählte, dass Milarepa oft seinen Aufenthaltsort wechsele, indem er sich von Grotte zu Grotte und von Stadt zu Stadt bewegte. Doch gerade jetzt befand er sich in dieser bestimmten Stadt, in dieser bestimmten Höhle. Der Mann zeigte auf die Höhle und gab dem anstrebenden Schüler klare Anweisungen, um zum großen Yogi zu gelangen. Überglücklich und voller Dankbarkeit umarmte Gampopa den Händler und hielt ihn lange fest.

Es handelte sich um eine Strecke mehrerer Tagesmärsche. Da Gampopa keinerlei Nahrungsmittel bei sich hatte, brach er schließlich bewusstlos zusammen. Als er wieder zu sich kam, dachte er, dass er nun sicher sterben würde und dass er nicht das Karma habe, diesen großen Yogi kennenzulernen. Er legte also seine Hände zusammen und betete mit tiefer Dankbarkeit und tiefem Respekt, mit aller Kraft, dass er als menschliches Wesen und als Schüler Milarepas wiedergeboren werden möge.

Während Gampopa so auf dem harten Boden lag und auf den Tod wartete, sah ihn einer der Kadampa-Meister und eilte ihm zur Hilfe. Als er ihn fragte, was er an diesem Ort machte, antwortete Gampopa: „Ich suche nach dem großen Lehrer Milarepa. Ich bin viele Tage lang ohne Nahrung und Wasser gereist. Ich denke, dass ich jetzt sterben werde, und es tut mir Leid, dass ich nicht das Karma habe, diesen Guru zu sehen.“ Der Kadampa-Meister ging und holte etwas Wasser und zu essen. Dann führte er Gampopa zur Stadt, in der Milarepa verweilte.

Als Gampopa die Stadt erreichte, fragte er zahlreiche Menschen, wie er diesen Guru treffen könne und wie er die spezifischen Lehren erhalten könne, nach denen er suchte. Schließlich traf er jemanden, der selbst ein großer Meister und ein Schüler des vollendeten Yogis war. Gampopa erzählte ihm von seinem brennenden Wunsch, diesen Guru zu treffen und seine Lehren zu empfangen. Der Meister antwortete, dass er den großen Yogi nicht sofort sehen könne. Er müsse erst einige Tage warten und geprüft werden, bevor er tatsächlich Lehren erhalten könne.

Einige Tage zuvor hatte Milarepa sich mit seinen Schülern getroffen und ihnen vom Kommen Gampopas erzählt. Er hatte ihnen gesagt, dass er die Ankunft eines Bhikshu-Arztes erwarte, der, nachdem er bei ihm gelernt haben würde, alle Lehren von ihm erhalten und sie in alle zehn Richtungen verbreiten würde. Milarepa erzählte seinen Schülern den Traum, den er in der vorangegangenen Nacht gehabt hatte. In diesem Traum brachte ihm der Bikshu-Arzt eine leere Glasvase und Milarepa füllte sie mit Wasser. Dies bedeutete, dass Gampopa mit einem vollkommen offenen und empfangsbereiten Geist kommen würde, um die Lehren zu empfangen, und dass Milarepa die Vase seines Geistes mit dem Nektar seiner vollständigen Lehren und Einsichten füllen würde.

Darauf lachte Milarepa voller Freude und sprach: „Nun bin ich zuversichtlich, dass der Buddhadharma wie die Sonne in allen Richtungen erstrahlen wird.“ Und dann sang er denjenigen, die um ihn versammelt waren, folgendes Lied: „Die Milch des weißen Löwen ist zweifelsohne nahrhaft; doch jemand, der nicht davon kostet, hat nichts von ihrer Nahrhaftigkeit. Ihr müsst sie selbst kosten – und sei es auch bloß ein Tropfen – und dann könnt ihr die nahrhafte Wirkung erkennen. Das selbe gilt von meinen Lehren. Ihr müsst zuerst die Erfahrung von ihnen entwickeln, ihren Geschmack kosten, und dann wird dies so nahrhaft sein.“

„Die Gültigkeit und die Tiefe der Lehren, welche von Tilopas und Naropas Linie abstammen, stehen über jedem Zweifel. Doch wenn ihr nicht über sie meditiert, dann werdet ihr ihre Tiefe nicht verstehen. Nur nachdem ihr über sie meditiert habt und authentische Erfahrungen entwickelt habt, könnt ihr ihre Tiefen ergründen. Mein großer Guru Marpa, der wie ein Vater für mich ist, hat sie aus Indien gebracht und ich, der Yogi, habe über sie meditiert. Ich habe die Gültigkeit dieser Lehren geprüft und habe dementsprechend Erfahrungen entwickelt.“

„Die Milch des weißen Löwen braucht einen besonderen Behälter. Sie kann nicht in einen gewöhnlichen Behälter gegeben werden. Wenn sie beispielsweise in einen irdenen Krug gegeben wird, dann lässt sie ihn zerbersten, sobald sie ihn berührt. Für die weiten und tiefen Lehren dieser Linie braucht es eine besondere Art von Übenden. Ich weigere mich, die Tradition jenen zu vermitteln, die mich um die Lehren bitten, ohne für sie bereit zu sein. Ich werde nur Personen lehren, die vollkommen entwickelt und geeignet sind, die bereit sind, diese Lehre zu empfangen und sie zu praktizieren.“

Die Schüler fragten Milarepa: „Wann wird diese Person, von der du geträumt hast, kommen?“ Milarepa antwortete: „Er wird wahrscheinlich übermorgen hier ankommen. Er ist in Ohnmacht gefallen und hat nach meiner Hilfe gerufen. Ich habe meine Wunderkräfte benutzt, um ihn hierher zu leiten.“

Am nächsten Tag musste Milarepa während seiner Meditation immer wieder lachen. Da sie über diese Ausbrüche besorgt war, näherte sich ihm eine Förderin, die großes Vertrauen in ihn hatte, und bat ihn um eine Erklärung: „Aus welchem Grund sind Sie manchmal ernst und manchmal voller Lachen? Sie sollten Ihr Verhalten erklären, da die Menschen ansonsten denken könnten, Sie seien verrückt geworden. Was passiert hier? Seien Sie diesbezüglich bitte nicht so geheimnistuerisch!“

Milarepa antwortete: „Es geht mir sehr gut. Mein Geisteszustand ist vollkommen normal und ich halte nichts geheim. Ich sehe, dass einem meiner Schüler, der hierher kommt, um mich zu treffen, etwas Lustiges geschieht. Erst fiel er in Ohnmacht und nun hat er Schmerzen und Wunden am ganzen Körper, doch er ist weiterhin voller Mut und setzt all sein Mühen und Trachten daran, hierher zu kommen, um mich zu sehen. Darüber bin ich glücklich, und gleichzeitig finde ich, dass es sehr lustig ist.“

„Er wird bald diese Stadt erreichen, und wer auch immer ihn als erstes in sein oder in ihr Haus einlädt wird dank seines Segens in Kürze die Erleuchtung erlangen. Der großzügige Gastgeber oder die Gastgeberin wird viel an Einsicht und an Kräften gewinnen und wird hierdurch ihre oder seine Ziele mit großer Geschwindigkeit verwirklichen.“

Einige Tage später kam Gampopa an, sehr schwach und müde. Es ergab sich, dass die erste Tür die er erreichte gerade die der Förderin war, die Milarepa befragt hatte. Sie erwartete ihn bereits und kam sofort nach draußen. Sie fragte den Suchenden nach seiner Identität und nach dem Ziel seiner Reise. Gampopa erzählte ihr die Odyssee, die er auf der Suche nach Milarepa durchlaufen hatte. Die Förderin erkannte sofort, dass dies der Schüler war, von dem ihr Milarepa erzählt hatte. Sie bat ihn einzutreten und schenkte ihm zahlreiche Gaben, da sie sich an Milarepas Voraussage erinnerte.

Die Dame ergötzte Gampopa mit Erzählungen von Milarepas Voraussagen. Sie sagte: „ Dein Lama hat auf dich gewartet; er hat uns allen von dir erzählt. Er sagte, dass du in Ohnmacht gefallen seist und dass er dir durch seine Wunderkraft Hilfe geschickt hätte, und nun wartet er ungeduldig auf deine Ankunft. Du kannst sofort zu ihm gehen und wirst freundlich empfangen werden.“ Als er all dieses Lob hörte schwoll Gampopa an vor Stolz. Er dachte: „ Oh, ich muss jemand sehr wichtiges sein, mein Lehrer hat auf mich gewartet.“ Milarepa erkannte den Stolz, der sich in Gampopa gebildet hatte. Daher würdigte er ihn zwei Wochen lang noch nicht einmal eines Blickes. Er ignorierte und vernachlässigte ihn absichtlich, und Gampopa musste sich eine andere Bleibe suchen.

Nach den zwei Wochen führte die Dame Gampopa in die Nähe von Milarepas Behausung und ging vor, um zu fragen, ob der Meister Gampopa empfangen wolle. Milarepa willigte ein. Als Gampopa ankam, saß Milarepa in der Mitte; Rechungpa saß an seiner Seite, auf der selben Sitzhöhe wie Milarepa, und auf der anderen Seite saß ein anderer Schüler, ebenfalls auf der selben Sitzhöhe. Alle drei waren genau in derselben Weise weiß gekleidet. Sie sahen genau gleich aus und saßen in derselben Position. Sie hatten alle genau denselben Gesichtsausdruck. Milarepa wartete, um zu sehen, ob Gampopa ihn erkannt hätte. Möglicherweise bemerkte der schlaue Gampopa einen Hinweis, den ihm Rechungpa mit einem leichten Kopfnicken gab, um ihn verstehen zu lassen, das Milarepa der Mittlere des Trios war. Gampopa machte Niederwerfungen vor Milarepa, nahm all seine Gaben und stapelte sie vor ihm auf. Er sprach von seinem brennenden Wunsch, dem Guru zu begegnen, seine Lehren zu erhalten und die Erleuchtung zu erlangen.

Milarepa trat einige Sekunden in eine Meditation ein. Dann nahm er etwas von dem Haufen Goldstaub, den Gampopa ihm dargebracht hatte und warf ihn in die Luft: „Dies opfere ich meinem Guru Marpa“ erklärte er. Plötzlich erschallten Donnerschlägen, während Blitze den Himmel durchzuckten. Ein großer Regenbogen und zahlreiche andere glücksverheißende Zeichen erschienen.

Milarepa hatte etwas Chang getrunken, ein starkes alkoholisches Gebräu, dass er aus seiner Schädelschale, die auf dem Tisch stand, zu sich nahm. Nach eine Weile nahm er die Schädelschale mit dem Schnaps und reichte sie Gampopa. Dieser zögerte zuerst   schließlich war er ein voll ordinierter Mönch, der das Gelübde abgelegt hatte, sich vom Alkohol zu enthalten. Er war verlegen und wusste nicht, wie er sich vor all den anderen Schülern verhalten sollte. Milarepa sagte: „Mach dir keine weiteren Gedanken. Trink, was ich dir gebe.“ Darauf leerte Gampopa die Schale ohne zu zögern.

Dann fragte ihn Milarepa nach seinem Namen, und er antwortete, dass er Sönam-Rinchen lautete, da in sein Kadampa-Meister so genannt hatte. Milarepa fand, dass dies ein sehr glücksverheißender Name war. Sönam bedeutet „positive Kraft,“ und Rinchen „das große Juwel.“ Er war also das Große Juwel positiver Kraft. Liebevoll wiederholte Milarepa einen Lobvers, in dem dieser Name drei Mal erschien. Gampopa spürte, dass der Name, der ihm verliehen worden war, sehr signifikant und bedeutungsvoll war.

Der Meister erzählt seine Geschichte

Milarepa sagte dann: „Als erstes werde ich dir etwas von meinem Leben erzählen. Doch davor werden wir unserem großen Guru Marpa, der die Quelle aller Praktiken ist, denen wir folgen, unsere Huldigung und unsere Niederwerfungen darbringen.“ Nachdem sie die Huldigungen und Niederwerfungen dargebracht hatten, erzählte Milarepa seine Geschichte:

„In Indien sind Naropa und Maitripa gegenwärtig die berühmtesten Wesen, die als Mahasiddhas Realisierungen erlangt haben. Marpa ist der große spirituelle Sohn dieser beiden großen, berühmten indischen Mahasiddhas. Und unser großer Lehrer Marpa ist der Halter und die Quelle all dieser Lehren, die wir so intensiv geübt haben. Die Dakas, Dakinis und Dharma-Beschützer machen seinen Namen in allen Richtungen bekannt. Nachdem ich von Marpas fantastischem Ruf erfahren habe, habe ich mich von keinen Schwierigkeiten abbringen lassen: ich war entschlossen, ihn zu treffen. Als ich Marpa begegnete, hatte ich keine materiellen Gaben, die ich ihm hätte darbringen können, doch ich schenkte ihm meinen Körper, meine Rede und meinen Geist. Als Antwort auf meine ehrliche Bitte räumte Marpa freundlich ein, dass er über effektive Methoden verfügte, um die Erleuchtung in einer kurzen Lebensspanne zu erreichen, die ihm von seinem großen Meister, Naropa, übermittelt worden waren.“

„Ich verbrachte dort mehrere Jahre und erhielt intensive Belehrungen und Praktiken von meinem Meister, indem ich ein einfaches Leben vollkommener Hingabe lebte, mit einer reinen Motivation, voller großem Mut und großer Entschlossenheit, die Erleuchtung zum Wohle aller fühlenden Wesen zu erlangen. Ich habe alle Lehren Marpas vollständig erhalten. Mein Meister schwor, dass er nichts anderes mehr hätte, dass er mir hätte geben können. Ich habe die Vase meines Geistes randvoll gefüllt mit dem vollständigen Nektar der Lehren Marpas, meines Gurus“

„Marpa sagte mir Folgendes, es ist ein sehr wichtiger Ratschlag: ‚ Wir befinden uns nun in der Zeit der fünf Degenerationen; insbesondere degeneriert in dieser Zeit die menschliche Lebensspanne. Sie nimmt ab und nicht zu. Dürste nicht danach, alles zu wissen. Versuche, die Essenz der Dharmapraxis zu verstehen und versuche, diese Essenz perfekt zu praktizieren. Nur dann wirst du dazu in der Lage sein, in einer kurzen Lebensspanne die Erleuchtung zu erlangen. Versuche nicht, in allen Bereichen ein Meister zu werden.’“

„Ich habe zahlreiche fruchtbare Einsichten in diese Lehren verwirklicht und erfahren, indem ich mich ihnen mit außerordentlicher Entschlossenheit entsprechend der Anweisungen Marpas, meines Gurus sowie mit einem tiefgründigen Verständnis der Vergänglichkeit und mithilfe der Kraft der Beharrlichkeit gewidmet habe . Ich habe eine klare Erkenntnis der drei Kayas, der Körper Buddhas; dank meiner Erfahrung, meiner Praxis und meiner Meditation verstehe ich sie vollständig und habe volles Vertrauen in sie. Ich habe Vertrauen in das Erlangen dieser drei Kayas. Und genau wie ich diese Einsichten und Erfahrungen durch meine Praktiken erlangt habe, bin ich bereit dazu, dir alle Lehren zu geben, die ich von Marpa, meinem gütigen Guru, erhalten habe. Auch du sollst diese Lehren nicht bloß als eine Theorie betrachten, als ein bloß intellektuelles Verständnis des Dharmas. Du musst die tatsächlichen Erfahrungen erlangen, genau wie ich es getan habe.“

Dann sagte er zu Gampopa: „Nimm deine Gabe von Goldstaub zurück, denn ein alter Mann wie ich hat keine Verwendung für Gold. Und nimm auch den Tee zurück, den du mir geschenkt hast: ein alter Mann wie ich hat keine Töpfe und keine Küche, in denen er Tee vorbereiten könnte. Ich habe weder für Gold noch für Tee eine Verwendung; nimm all deine Opfergaben zurück. Wenn du dich vollständig bereit fühlst, dich mir anzuvertrauen und unter meiner Anleitung und meinen Lehren zu leben, dann musst du so leben, wie ich es tue. Du musst ein einfaches Leben führen und du musst nachmachen, wie ich lebe und praktiziere.“

Gampopa erwiderte: „Wenn Sie meinen Tee deshalb nicht akzeptieren, weil Sie keine Töpfe und keine Küche haben, dann werde ich ihn woanders vorbereiten gehen.“ Er ging zu einem nahegelegenen Haus, kochte den Tee und kehrte mit seiner Opfergabe zurück zu seinem Guru. Milarepa war sehr erfreut. Er rief die anderen Schüler und zusammen genossen sie den köstlichen Tee, den Gampopa bereitet hatte.

Milarepa unterrichtet Gampopa

Milarepa erkundigte sich nach den Lehren und Praktiken, die Gampopa erhalten hatte. Gampopa beschrieb ihm vollständig all seine Lehrer, die Lehren, die er von ihnen erhalten, und die Meditationen, die er praktiziert hatte. Milarepa bemerkte, dass es sich bei allen um ausgezeichnete Lehren handelte und dass Gampopa alle notwendigen Grundlagen besaß, um die Lehren über Tummo (tib.:gtum-mo), die „innere Hitze“, zu erhalten – eine geschickte Methode, um die wahre Natur der Realität, die Leerheit, zu verwirklichen.

Milarepa fuhr fort: „Obwohl all die Einweihungen, Lehren und Segen, die du von deinen vorangehenden Lehrern erhalten hast in meiner Tradition vollkommen annehmbar sind, muss ich dir eine weitere Initiation geben, einfach nur um sicherzugehen, dass all deine anderen Initiationen nicht aufgrund deiner Lebensumstände ungültig geworden sind. Ich werde dich in die Praxis der Vajrayogini initiieren.” Nach der Einweihung vermittelte Milarepa ihm in einer kurzen Zeitspanne alle Lehren. Gampopa tauchte sofort in die Praxis ein und entwickelte rasch Erfahrungen und Einsichten. Jeden Tag wuchsen und wuchsen seine Einsichten, wie ein Schössling, der aus der Erde treibt. Er war sehr zufrieden und glücklich über seinen Fortschritt.

Er meditierte über Tummo und hatte jeden Tag eine neue Erfahrung. In einer äußerst kalten Winternacht meditierte er vollkommen nackt in einer Höhle, um die innere Hitze zu testen, die er entwickelt hatte. Die ganze Nacht hindurch blieb er warm, doch am Morgen, als er aufhörte, Tummo zu praktizieren, fror er vollkommen ein. Daraufhin hielt er die Tummo-Meditation sieben Tage lang kontinuierlich aufrecht und hatte am Ende der Woche Visionen der fünf Dhyani-Buddhas. Als er sich zu seinem Lehrer begab, um ihm von all seinen Erfahrungen und den Visionen zu berichten sagte Milarepa: „Dies ist weder gut noch schlecht. Streng dich weiter an, es zu verwirklichen. Sei nicht angezogen von solchen Visionen, vervollkommne die Kraft der inneren Hitze.“

Gampopa meditierte intensiv drei Monate lang, und am Ende dieser Zeit hatte er das Gefühl, dass das gesamte Universum sich wie ein großes Rad drehte. Nachdem er dies eine lange Zeit gespürt hatte, ging er zu Milarepa, um ihn um seinen Ratschlag zu bitten. Sein Guru antwortete: „ Dies ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Zeichen, dass die verschiedenen Gedanken und Energien, die in die verschiedenen feinstofflichen Energiekanäle fließen, nun beginnen, in den zentralen Kanal einzugehen. Du musst dich weiter anstrengen und mehr meditieren.”

Nachdem er weiter meditiert hatte, hatte Gampopa die Vision, dass Avalokitesvara durch die Krone seines Hauptes in ihn einging, sich in ihm auflöste und eins mit ihm wurde. Als er Milarepa diesbezüglich befrage sagte sein Meister: „Dies ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Zeichen, dass sich das Chakra-Energiezentrum am Scheitelpunkt deines Hauptes öffnet.“

Während er weiter meditierte, erlebte Gampopa eine Reihe körperlicher Veränderungen. Er spürte einen heftigen Wind und einen Fluss warmer Luft, die entlang seines Rückrades auf und ab gingen. Als er dies Milarepa berichtete erwiderte dieser: „Dies ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Zeichen, dass die feinstofflichen Energiekanäle sich im Körper miteinander verbinden. Wenn man lernt, diese feinstofflichen Kanäle zu kontrollieren und sie sich verbinden, dann hat man diese Empfindungen. Jetzt musst du zurückgehen und mehr meditieren.“

Ein anderes Mal hatte er eine vollständige Vision der verschiedenen Zustände der göttlichen Wesen, der Devas. Er hatte eine reine Vision, in der die höheren Götter auf die niedrigeren weißem Nektar strömen lassen und sie initiierten. Milarepa erklärte: „Dies ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Zeichen, dass sich das Chakra-Energiezentrum am Kehlkopf öffnet. Die verschiedenen Quellen und Orte der Glückseligkeit entwickeln sich nun an jeder dieser Stellen deines Körpers.“

An diesem Punkt gab Milarepa Gampopa zahlreiche Yogaübungen, Handmudras und Körperbewegungen, die er üben sollte, um die anderen feinstofflichen Energiezentren des Körpers zu öffnen. Er sagte ihm: „Sei von diesen Dingen nicht zu stark angezogen. Nimm sie einfach als Zeichen deines Fortschritts, aber lass dich nicht von ihnen ablenken. Mach statt dessen einfach weiter und vervollkommne diese Praktiken.“

Auf dieser Ebene der Meditation ist es äußerst wichtig, dass der Übende in engem Kontakt zum Guru lebt, da er sehr spezifische Anleitungen erhalten muss. Wenn der Schüler zu weit weg vom Guru lebt, dann kann der Guru ihm nicht im richtigen Moment die persönlichen Anweisungen geben, die notwendig sind, damit der Schüler Fortschritte machen kann. Und wenn der Guru selbst keine persönliche Erfahrung von dem hat, was der Schüler durchgeht, dann ist dies ein großes Problem. Aller Fortschritt des Schülers endet an dem Punkt. Daher ist es essentiell, dass man einen äußerst verwirklichten und erfahrenen Guru hat, und dass man zu jedem Schritt der meditativen Erfahrung tägliche Anleitungen erhält.

Gampopas Fortschritte

Auf dieser Ebene konnte sich Gampopa nur noch von der Konzentration des Samadhis ernähren: er brauchte überhaupt keine gewöhnliche Nahrung mehr. Eines Nachts träumte er von einer Mond- und einer Sonnenfinsternis. In der tibetischen Astrologie glaubt man, dass eine Finsternis stattfindet, weil die Sonne und der Mond von einem Dämon gefressen werden. Im Traum sah er auch, dass die Sonne und der Mond von zwei verschiedenen Wesen verspeist wurden. Das eine Wesen war so groß wie ein Haar aus einem Pferdeschwanz, während es sich beim andern um einen schmalen Streifen von Insekten zu handeln schien. Als Gampopa Milarepas Ratschlag bezüglich des Traumes ersuchte, beruhigte ihn der Meister. Er brauche sich keine Sorgen zu machen, dass er falsch übe: der Traum sei weder gut noch schlecht. Es handele sich um ein Zeichen seines Fortschritts in der Meditation. Es bedeute, dass die feinstofflichen Winde der beiden seitlichen Energiekanäle nun begännen, in den Zentralkanal einzulaufen.

Milarepa ermutigte ihn weiter, mit seiner Praxis fortzufahren, da er erkannte, dass all diese Dinge Zeichen der Erlangungen seines Schülers waren. Wenn ein Übender dazu in der Lage ist, die Atemzüge und die feinstofflichen Energiewinde von den Seitenkanälen in den Zentralkanal umzuleiten, dann hat diese Person große Fortschritte erzielt. Das feinstoffliche Energiesystem aller fühlenden Wesen ist gleich. Normalerweise atmen die fühlenden Wesen entweder hauptsächlich durch den rechten Kanal, was zu großer Anhaftung führt, oder aber hauptsächlich durch den linken Kanal, weshalb sie dann viel Wut erfahren. Wir haben selten konstruktive Gedanken, die im Zentralkanal entstehen, da dieser Kanal durch Knoten blockiert wird. Wenn erfahrene Yogis dazu in der Lage sind, durch den zentralen Kanal zu atmen, dann haben sie die Knoten gelöst. Sie sind dazu in der Lage, den Atem und die feinstofflichen Energien von den beiden seitlichen Kanälen in den zentralen zu führen und entwickeln so nur noch positive Absichten.

Nun schien Milarepa jedes Mal sehr erfreut, wenn Gampopa ihn aufsuchte. Doch wenn ihm sein Schüler von seinen neuen Einsichten und Erfahrungen berichtete, sagte er immer nur: „Und jetzt danach (tib. de-nas), jetzt danach, jetzt danach“, womit er meinte, dass Gampopa wenn sich die Erfahrungen entfalten zur nächsten fortschreiten sollte, bis er die Erleuchtung erreichte. Milarepa wagte es nicht, seinem Schüler direkt zu sagen, was für Fortschritte er machte, da er Angst hatte, dass Gampopa dann stolz werden würde, was seinen weiteren Fortschritt auf dem Pfad behindert hätte.

Gampopa ging dann einen Monat lang in eine Höhle meditieren. Am Ende seines Retreats hatte er eine vollständige Vision der Buddhagestalt Hevajra gemeinsam mit seinem Mandala und seinem Gefolge. Sobald er diese Vision erblickte, dachte Gampopa, dass dies die Erfahrung sein musste, zu der ihn sein Lama führen wollte, wenn er immer sagte: „Jetzt danach, jetzt danach, jetzt danach“. Dies musste der Endpunkt sein, zu dem seine Praxis führte. Doch im Laufe der Zeit folgten auf diese Vision weitere Visionen von Mandalas und anderen Buddhagestalten. Eines Tages hatte er die Vision einer Form des Heruka, in der er auch das vollständige, aus Knochen gebaute Mandala der Gottheit sah. Milarepa warnte ihn, dass er dies nicht als eine große Errungenschaft ansehen sollte. Er sagte ihm, dass es weder gut noch schlecht sei. Es war nur ein Zeichen dafür, dass sich sein Nabelchakra öffnete. Wenn man das Nabelchakra vollständig öffnet, sieht man alles weiß   so weiß wie sonnengebleichte Knochen, da die Energie des weißen Bodhichittas sich voll entwickelt hat.

Dann hatte Gampopa eine Erfahrung, bei der es sich nicht wirklich um einen Traum handelte. Er fühlte sich, als sei er enorm groß geworden, wie ein Riese. Er spürte, wie alle Arten fühlender Wesen aus den verschiedenen Wiedergeburtszuständen auf seinen Gliedmaßen, seinen Zehen und all seinen verschiedenen Körperteilen herumkrabbelten. Dies war ein Zeichen, dass er ein vollständig realisiertes Energiesystem entwickelt hatte. Bis zu dieser Ebene hatte er nur die allgemeine Meditation über Tummo, die innere Hitze, geübt. Nun war er reif, um die Anweisungen für die fortgeschrittensten Ebenen der Tummo-Praxis zu erhalten.

Erfahrungen, Träume und Errungenschaften

Man sollte folgenden Punkt beachten: wann immer Milarepa die Berichte über die verschiedenen Erfahrungsebenen hörte, die Gampopa durchlief, sagte er immer: „ Dies ist weder gut noch schlecht. Meditiere mehr“ Er erklärte seinem Schüler ausführlich, was seine jeweiligen Erfahrung bedeuteten, doch er lobte ihn nie. Genau so sollte ein Guru seine Schüler anleiten. Wenn ein Guru zuviel Lob und Ermutigungen verteilt, indem er Dinge sagt wie: „Das ist sehr wichtig“ oder „Nun hast du eine große Erfahrung gemacht“ dann wird dies dem Schüler zu Kopf steigen, was ein großes Hindernis darstellen wird. Er wird sich nicht verbessern, wird seinen verschiedenen Erfahrungen gegenüber Anhaftung entwickeln und wird von ihnen überwältigt werden.

Obwohl seine Lebensgeschichte hier in einigen wenigen Seiten beschrieben wurde musste Gampopa Monate über Monate lang meditieren; es war nicht so leicht, diese Erfahrungen zu entwickeln: es braucht Jahre intensiver Meditation. Auf dieser Ebene erlebte Gampopa hintereinander dreiunddreißig besondere Träume. Da es aber zuviel wäre, sie alle zu besprechen, werden wir nur den letzten von ihnen beschreiben.

Als Milarepa seine drei Hauptschüler Gampopa, Rechungpa und Lingrepa (tib. Gling ras-pa) aufforderte, ihm ihre Träume zu berichten, erzählte Lingrepa, dass er von einem Sonnenaufgang geträumt hatte. Er erzählte seinem Guru, wie die Sonne in seinem Traum hinter den Bergen aufgestiegen sei; sofort hätten sich alle Strahlen in seinem Herzen konzentriert und dieses hätte sich in ein großes Licht verwandelt. Rechungpa dagegen erzählte Milarepa, er habe unter großem Lärm drei Städte durchquert.

Gampopa wollte Milarepa seinen Traum nicht erzählen. Er machte bloß Niederwerfungen, weinte und legte seinen Kopf in den Schoss des Lamas. Er war voller Trauer, dass sein Traum es nicht verdiente, erzählt zu werden: er war so schrecklich, dass er sicher bedeuteten musste, dass Gampopa eine schreckliche Person sei. Er fürchtete sich davor, dass der Traum bedeutete, er habe viele Hindernisse und flehte Milarepa an, ihn nicht zu zwingen, ihm den Traum zu erzählen. Doch Milarepa sagte Gampopa, dass er wüsste, wann ein Traum schlecht und wann ein Traum gut sei, und dass Gampopa ihm einfach seinen Traum erzählen solle.

Der Traum Lingrepas schien der beste von allen zu sein, und Lingrepa dachte, dass er der beste der drei Schüler sei, da sein Traum voller glücksverheißender Zeichen war. Doch Milarepa deutete diesen Traum als den schlechtesten. Er sagte, der Traum zeige, dass Lingrepas Mitgefühl sehr klein sei und dass er den fühlenden Wesen sehr wenig nutzen werde. Die Sonnenstrahlen, die in seinem Herzen zusammenkamen, bedeuteten, dass er in diesem Leben in das Buddhafeld der Dakini Vajrayogini eingehen würde. Milarepas Deutung von Rechungpas Traum war, dass Rechungpa die Erleuchtung nicht in einem Leben erlangen würde. Er müsste noch drei Leben warten, da er dreimal sein Versprechen gebrochen hatte, etwas für Milarepa zu tun.

In seinem Traum, der ihm wie ein Alptraum erschienen war, war Gampopa zusammen mit zahlreichen Tieren auf einem Feld. Dann war er umher geschritten und hatte den Tieren die Köpfe abgeschlagen. Gampopa war überrascht, als Milarepa sehr über diesen scheinbar schrecklichen Traum erfreut war. Als er Milarepa den Traum zu Ende erzählt hatte, forderte ihn sein Meister auf, ihm die Hand zu geben und hielt sie voller Zuneigung in der seinen. Er sagte, dass er großes Vertrauen in Gampopa habe, und dass dieser seine Erwartungen erfüllt habe. Er sagte ihm, dass das Köpfen der Tiere bedeute, dass Gampopa dazu in der Lage sein würde, zahlreiche fühlenden Wesen aus ihrer Gefangenschaft im Samsara zu befreien.

Milarepa sagte: „Nun ist mein Werk zum Wohl der fühlenden Wesen, mein Arbeit für den Erhalt und die Verbreitung des Dharmas beendet. Ich habe jemanden, der meinen Platz einnehmen kann.”

Gampopa hatte die Ebene erreicht, auf der er nicht mehr wie gewöhnliche fühlende Wesen atmete: er brauchte nur einmal täglich ein- und auszuatmen. Er erlebte einen kontinuierlichen Strom von Einsichten und Visionen der Buddhas in ihren wahren Formen, einschließlich der acht Medizinbuddhas und der fünfunddreißig Buddhas des Eingestehens.

Milarepa sagte seinem Schüler, dass er nun dazu bereit sei, von einem Sambhogakaya Lehren zu erhalten – von einem der Buddhakörper der subtilen Formen, die nur Arya Bodhisattvas, die eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der Leerheit haben, sehen können.. Bald würde er einen Dharmakaya – den Körper eines allwissenden Geistes, der nur den Erleuchteten zugänglich ist, erfahren.

Die Wege scheiden sich

Eines Tages sagte Milarepa Gampopa: „Ich bin sehr alt und würde gerne den Rest meines Lebens mit dir verbringen. Doch aufgrund der Kraft vorangehender Gebete müssen wir uns trennen und du musst in die zentrale Provinz von Ü (tib. dBus) gehen.“

Milarepa gab Gampopa zahlreiche Ratschläge und warnte ihn vor seinem Stolz, insbesondere wegen seiner so zahlreichen Wunderkräfte. Er sagte ihm, er solle sich von seiner Kenntnis von Vergangenheit und Zukunft und von seinen außerordentlichen körperlichen Kräften nicht überwältigen lassen; dies könnte zu einem großen Hindernis für ihn werden. Er riet ihm besonders, nicht „links und rechts nach Fehlern zu suchen“, womit er meinte, dass Gampopa darauf achten solle, dass er nicht nach den Fehlern der Menschen Ausschau halten solle, die mit ihm lebten. Er sagte ihm, dass man nie wüsste, wie die anderen Menschen wirklich sind, und dass sie dies nur selbst beurteilen könnten. Gampopa würde sie nie korrekt beurteilen können, und nicht wissen können, ob ihr Handlungen gut oder schädlich wären.

Darauf gab Milarepa Gampopa die Anweisung, an einen bestimmten Ort zu gehen und dort ein Kloster zu gründen. Er erklärte ihm, dass er dort all seine Schüler finden würde, all die Menschen, zu denen er die karmische Verbindung hatte, den Buddhadharma zu verbreiten. Er warnte Gampopa davor, in engem Kontakt mit denjenigen zu leben, die Sklaven der drei emotionalen Gifte sind – der Anhaftung, der Wut und der engstirnigen Naivität – da sie ihn infizieren würden. Er warnte ihn auch davor, in der Umgebung von Menschen mit starker Anziehungskraft und starker Abneigung zu leben, und fügte hinzu, dass Gampopa Geizhälse vermeiden solle: wenn er lange genug mit ihnen leben würde, dann würde er schließlich auch selbst soweit kommen, dass er sogar kleine Holzstückchen geizig für sich behalten würde. Er riet Gampopa viel Geduld zu haben und immer die Achtung vor seinen Lamas zu bewahren, auch wenn er sich selbst als erleuchtet ansähe. Er sollte sauber, ordentlich und freundlich zu allen Menschen sein. Schließlich sagte Milarepa Gampopa, er solle die Kraft all seiner Errungenschaften steigern, indem er seine Meditationen und seine Praktiken fortführte, bis er das letztendliche Ziel der Erleuchtung erreicht hätte.

Milarepa nahm in derselben Weise Abschied von Gampopa wie sich sein Guru, Marpa, von ihm verabschiedet hatte. Er unternahm zahlreiche Vorbereitungen, brachte Nahrungsmittel und begleitete mit seinen anderen Schülern Gampopa ein Stück des Weges. Bevor er sich von seinem Guru trennte, rezitierte Gampopa zahlreiche Lobverse, in denen er sein Glück heraus strich, in diesem Leben Milarepa begegnet zu sein. Er sang davon, wie es sein einziger Wunsch gewesen war, ihm zu begegnen und wie glücklich er sei, nicht nur das gute Karma gehabt zu haben, entsprechend der Tradition Milarepas zu studieren, sondern auch noch das gute Karma gehabt hatte, dieses Wissen mit den Lehren die er von seinen Kadampa-Meistern erhalten hatte, zu kombinieren. Gampopa fühlte sich sicher, dass er sein kostbares menschliche Leben voll genutzt hatte.

Eine letzte Brücke muss überquert werden

Sie kamen an eine Brücke und Milarepa sagte: „Nun gehe du alleine weiter. Verabschiede dich von mir. Aus glücksverheißenden Gründen werde ich die Brücke nicht überqueren.“ Dann segnete er Gampopa, und dieser überquerte die Brücke. Als er auf der anderen Seite angekommen war, rief ihn Milarepa zurück: „Komm noch einmal zurück, ich habe eine sehr besondere Lehre, die ich dir geben will. Wem sonst sollte ich diesen Ratschlag geben, wenn nicht dir?“

Gampopa fragte: „Soll ich Ihnen ein Mandala darbringen, um diese besondere Lehre und diesen besonderen Ratschlag zu empfangen?“ Milarepa verneinte dies, ermahnte ihn aber, dass er den Ratschlag nicht verschwenden sollte und dass er ihn vielmehr im Tiefsten seines Herzens bewahren solle. Dann drehte er Gampopa den Rücken zu, hob seinen Rock hoch und zeigte ihm seinen nackten Hintern. Gampopa sah, dass dieser von Hornhaut überzogen war, als handle es sich um hartes Leder.

Milarepa sagte: „Für die Praxis gibt es nichts besseres als die Meditation – gesetzt, man weiß, worüber man meditieren soll und wie man darüber meditieren soll. Ich, der ich zahlreiche Meditationsmethoden kennengelernt und Erkenntnisse in ihnen gewonnen habe, habe meditiert, bis mein Hintern hart wie Leder wurde. Es ist nötig, dass du dasselbe tust. Das ist meine letzte Lehre an dich.”

Dann sagte er Gampopa, dass es für ihn an der Zeit sei, zu gehen. Der Schüler verließ den Meister und begab sich in die Region südlich von Lhasa, wo er, wie es Milarepa prophezeit hatte, sein Kloster gründete.

Abschluss

„Das Juwelenornament der Befreiung“ ist das Ergebnis von Erfahrungen, die Gampopa auf der Grundlage der Lehren und Meditationen der Kadampa-Meister und der Tradition Milarepas entwickelte. Als er diesen Text schrieb war er aus der Sicht beider Traditionen ein verwirklichtes Wesen. Im Text kombinierte er die Weisheit beider Schulen.

Es ist ein Bestandteil der Tradition der ausführlichen Erklärungen, dass den eigentlichen Lehren immer eine Kurzbiographie des Meisters, der das Lehrbuch geschrieben hat, vorangeschickt wird. So können die Worte des Autors eine größere Wirkung auf die Schüler entfalten. Wenn man einfach ein Buch liest oder etwas studiert, ohne etwas über den Autor zu wissen, dann ist es weniger bedeutungsvoll. Ich folge dieser Tradition.

Tatsächlich gibt es keinen Unterschied zwischen uns, Gampopa und Milarepa. Milarepa war zuerst ein gewöhnlicher Mensch, voller negativer Kraft, die er durch seine schädlichen, destruktiven Handlungen geschaffen hatte. Doch er arbeitete hart daran, seine störenden Emotionen und seine Verblendungen zu überwinden; schrittweise entwickelte er Einsichten und Erfahrungen. Dasselbe gilt von Gampopa: er musste sehr hart arbeiten, um seine spirituellen Errungenschaften zu erlangen. Am Anfang ihres Pfades waren sie keine großen, erleuchteten Wesen, und es war nicht leicht für sie, zu meditieren und Weisheit und Verwirklichungen zu erlangen. Im Falle Milarepas war die Ausgangslage sogar noch schlechter als bei den meisten von uns, was beweist, dass es immer die Möglichkeit gibt, Verwirklichungen zu erlangen, wenn wir dazu bereit sind, hart zu arbeiten. Wenn wir das Durchhaltevermögen und den Mut der großen Meister aufbringen, dann können wir selbst wie Milarepa und Gampopa sein.

„Das Juwelenornament der Befreiung“ ist das Werk eines solchen großen Meisters, der zu unserem Wohl die beiden Strömungen der Kadampa- und der Mahamudra-Tradition in einen einzigen klaren Pfad zusammengefasst hat.