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Vorschlag für eine Gedenkstätte für den tibetischen Holocaust
Dharamsala, Indien, 15. Januar 1996
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger
In Jerusalem, Israel erinnert die Yad Vashem Holocaust-Gedenkstätte an die Verfolgung und Vernichtung von sechs Millionen Juden in Europa durch deutsche Nationalsozialisten. Das Museum beinhaltet eine große Anzahl an Fotografien, auf denen man jüdische Ghettos, Juden, die von der Polizei zusammengetrieben worden, Züge, mit denen Juden in Gefängnisse abtransportiert worden sind, das Leben in Konzentrationslagern, die Gaskammern und die Krematorien, in denen die Juden abgeschlachtet worden sind, sieht. Aus diesem Zeitraum werden zahlreiche Gegenstände ausgestellt, wie zum Beispiel die anti-jüdischen Propaganda-Bekanntmachungen, Gefängnisuniformen und Objekte des täglichen Gebrauchs aus den Konzentrationslagern, Schuhe, Brillen und Haare der hingerichteten Juden und so weiter. Zudem verfügt das Holocaust-Denkmal über große, abstrakte, moderne, im Freien stehende Skulpturen, die als Denkmäler dazu dienen, die Toten zu ehren. Eine wesentliche Aufgabe des Museums besteht darin, die junge Israelis daran zu erinnern, sich stets in militärischer Bereitschaft zu halten, um sich selbst verteidigen zu können, so dass diese Art der Vernichtung sich nie wieder ereignen wird. Die jungen Israelis werden dazu ermutigt, die Gräuel, die ihrem Volk angetan worden sind, weder zu vergeben, noch zu vergessen.
Um eine vergleichbare Gedenkstätte für den tibetischen Holocaust zu errichten, sind nicht
genügend Fotografien und Gegenstände vorhanden. Darüber hinaus wären abstrakte Skulpturen für die
Tibeter bedeutungslos. Mahnungen daran, militärisch gewappnet zu sein und den eigenen Feinden
niemals zu vergeben, befinden sich nicht im Einklang mit der Lehre des Buddha. Inspiriert durch das
Beispiel von Yad Vashem, jedoch ohne seine Ausgestaltung einfach zu kopieren, wird daher empfohlen,
eine Nachbildung des von den Chinesen zerstörten Tor-Tschörten von Bakhorli am Eingang von Gangchen
Kyishong zu errichten. Der Tor-Tschörten ist ein Symbol für die Zerstörung des traditionellen
Tibets und für die Ausrottung von einem Fünftel seines Volkes das für das tibetische Volk
aussagekräftiger sein wird und auch lehrreich für die Kinder. Um als ein zentraler Ort für das
Gedenken an die Toten zu dienen, der sich mehr im Einklang mit der tibetisch-buddhistischen
Tradition befindet, gibt es den Vorschlag, dass das Gebäude eine kleine Stelle zum Entzünden von
Butterlampen enthält und dass die Mönche der Klöster Nechung und Gadong diese Lampen immer am
Brennen erhalten. Eine an der Seite des Tor-Tschörten angebrachte Gedenktafel in tibetischer,
hinduistischer und englischer Spräche könnte auf seine Bedeutung als eine Holocaust-Gedenkstätte
hinweisen. Zudem müsste für die Errichtung einer solchen Gedenkstätte kein Land gekauft werden und
auch kein großes Gebäude errichtet werden, dass der täglichen Instandhaltung bedarf. Eine solche
Gedenkstätte ist wirtschaftlich machbarer, als ein Duplikat von Yad Vashem in Dharamsala. Zudem
wäre ein Tor-Tschörten für die Regierung in Indien politisch weniger heikel.
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