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Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Ansprache vor den Mönchen
von Ganden, Drepung und Sera
über den Buddhismus in anderen Ländern

Alexander Berzin
Mundgod und Bylakuppe, Indien,
22-26 Januar 1989
Übersetzung ins Deutsche: Nailu Sari

Einleitung

Ehrwürdige Äbte, Lamas, Geshes und Mönche, ich bin sehr glücklich über die Gelegenheit, Sie zu treffen. Ich wurde von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama gebeten, die drei wichtigsten Klöster, Sera, Drepung und Ganden, zu besuchen, um über die Situation des Buddhismus und der buddhistischen Zentren im Ausland zu sprechen. Da einige von Ihnen in Zukunft vielleicht ins Ausland eingeladen werden und wahrscheinlich viele von Ihnen Freunde haben, die in diesen Zentren gelehrt haben, mag es hilfreich sein, die Situation ein wenig zu erklären. Ich weiß nicht sehr viel, doch im Laufe der letzten neun Jahren habe ich in fast dreißig Ländern etwa hundertfünfzig buddhistische Zentren besucht, die den Traditionen der Gelug, der Kagyü, der Nyingma und der Sakya sowie den Traditionen des Zen und des Theravada angehören. Hiervon möchte ich Ihnen berichten, dabei etwas über die Geschichte der Verbreitung des Buddhismus im Westen sprechen und einige persönliche Kommentare und Empfehlungen geben, die auf meinen eigenen Erfahrungen beruhen.

Die Entstehung buddhistischer Zentren im Westen

Der tibetische Buddhismus ist die derzeit im Ausland meistverbreitete und bekannteste Form des Buddhismus. Von den tibetischen Schulen haben vermutlich die Kagyü die größte Anzahl von Zentren; darauf folgen die Gelug, dann die Nyingma und die Sakya. Allerdings gibt es ebenfalls eine große Anzahl von Zen- und Theravada-Zentren. Diese wurden im Westen vor der Verbreitung der tibetischen Traditionen eröffnet. Tibetische Zentren finden sich in den meisten Ländern der Erde: in allen Ländern Westeuropas, in den Vereinigten Staaten, in Kanada, in Australien und Neuseeland, aber auch in vielen Ländern Südamerikas, in zahlreichen Staaten Südost- und Ostasiens wie Singapur, Malaysia, Hongkong und Taiwan, in Südafrika und sogar in kommunistischen Staaten Russlands oder Osteuropas Polen und Ungarn in Osteuropa. Selbst in einigen kommunistischen Staaten, in denen religiöse Zentren und Zusammenkünfte verboten sind, treffen sich heimlich Menschen, die sich für den Buddhismus interessieren. Verbotene buddhistischen Bücher werden eingeschmuggelt, um gelesen und in die eigene Sprache übersetzt zu werden.

Das weltweit so große Interesse am tibetischen Buddhismus konnte hauptsächlich dank der Reisen und den Bemühungen Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas und anderer großer Lamas entstehen. Allerdings hat es nicht immer ein solches Interesse gegeben. Der Buddhismus gelangte vor rund hundertfünfzig Jahren nach Europa, wobei es sich anfänglich um den Theravada-Buddhismus handelte, der hauptsächlich aus Sri Lanka kam. Somit wurden die Texte des Theravada als erste übersetzt. Die ersten Europäer, die sich für den Buddhismus interessierten, gehörten zwei Kategorien an: entweder waren sie Universitätsprofessoren und Intellektuelle, die kein Interesse an der buddhistischen Praxis hatten, sondern die jeweilige Sprache erlernen wollten, oder es handelte sich um christliche Missionare, die das Ziel hatten, die Sprachen zu erlernen um Bibelübersetzungen anzufertigen und Buddhisten zum Christentum zu bekehren.

Erst viel später, in den 1950er Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, fingen die Menschen im Westen an, sich stärker für die buddhistische Übungspraxis zu interessieren. Dieses Interesse bezog sich zunächst auf die japanischen Zen-Traditionen. Als Antwort auf dieses Interesse begann man, im Westen Dharmazentren im Zen-Stil zu gründen. Obwohl zuvor ein gewisses Interesse an buddhistischen Sprachen und Texten bestanden hatte, gab es bis zu diesem Zeitpunkt fast keine Dharmazentren. Mit der Eröffnung der ersten Dharmazentren im Zen-Stil wuchs auch das Interesse für die buddhistische Praxis in den Traditionen des Theravada und des tibetischen Buddhismus. So kam es nach und nach zur Gründung von Dharmazentren, die diesen Traditionen folgten.

Das Interesse am tibetischen Buddhismus

Die ersten Menschen allerdings, die vor mehr als hundertfünfzig Jahren begannen, sich für Tibet zu interessieren, waren ebenfalls entweder Missionare oder Gelehrte, die sich nur für die Sprache interessierten. Sie waren es, die die Wörterbücher verfassten. Doch wegen des christlich-missionarischen Hintergrunds, den viele von ihnen hatten, haben auch die englischen Begriffe, die sie in den Wörterbüchern benutzten, oft christliche Bedeutungen oder Konnotationen. Es handelt sich nicht um präzise Übersetzungen, speziell was die Begriffe des buddhistischen Dharma angeht. Aus diesem Grund kam es zu zahlreichen Missverständnissen über den Buddhismus, über die ich später sprechen werde.

Die nächste Personengruppe, die sich für Tibet interessierte, waren Menschen, die Tibet ausnutzten, um ihren selbsterfundenen religiösen Lehren den Anschein zu geben, einer gültigen Quelle zu entspringen. Vor 1959, und besonders vor fünfzig oder hundert Jahren, wusste die Mehrzahl der Weltbevölkerung fast nichts über Tibet oder den tibetischen Buddhismus. Es war bekannt, dass Tibet das Land war, in dem antike Weisheiten bewahrt wurden, doch wusste man weder, dass es sich um die Weisheiten und Lehren Buddhas handelte, noch worin diese Weisheiten bestanden. Doch war es für die westlichen Menschen sehr wichtig, daran zu glauben, dass in Tibet diese Weisheiten existierten, denn die Weisheiten ihrer eigenen religiösen Traditionen waren größtenteils verlorengegangen. Die Übertragungslinien der westlichen Weisheiten und Lehren waren unterbrochen worden und fast niemand erinnerte sich an sie.

Obwohl die Menschen in dieser Weise einen gewissen Respekt vor Tibet hatten, war dies eine gefährliche Situation, da sie auf einer grundlegenden Unkenntnis der Inhalte der Lehren beruhte, die in Tibet aufbewahrt wurden. Es zirkulierten zahlreiche merkwürdige Vorstellungen und die meisten dachten, Tibet sei ein Land der Magie, in dem viele seltsame Dinge geschahen und in dem fast jeder besondere Kräfte besaß, mit denen er durch die Lüfte fliegen oder sich mittels geistiger Telepathie verständigen könne.

Verwirrung aufgrund von Systemen, die dem tibetischen Buddhismus ähnlich sind

Gelegentlich hatte ein westlicher Mensch eine Vision oder ein Geist sprach durch ihn. Davon ausgehend begann er dann, ein neues spirituelles System zu lehren. Ob diese Systeme gültig sind oder nicht, ist eine andere Frage. Auch in Tibet gibt es eine Tradition reiner Visionen. Doch um andere glauben zu lassen, dass ihre Lehren auf gültigen Quellen beruhen, behaupteten diese Menschen manchmal, dass die neuen Systeme, die sie lehrten, aus Tibet kämen oder dass sie ihnen von einem tibetischen Lama telepathisch zugesandt würden. Da in diesen Ländern keine Tibeter lebten und auch keine westlichen Menschen, die die tatsächlichen tibetischen Lehren kannten, verbreitete sich der Glaube, dass die Tibeter tatsächlich diese verschiedenen Anschauungen vertraten. Manchmal waren die neuen spirituellen Systeme Mischungen aus hinduistischen, muslimisch-sufistischen, buddhistischen und westlichen Glaubensinhalten. Manchmal handelte es sich einfach nur um sehr merkwürdige Ideen. So gibt es am oberen Ende des Spektrums etwa das als Theosophie bekannte System, das auf der ganzen Welt Zentren unterhält, mit einem Hauptzentrum in Madras, und gute Taten verrichtet. Am unteren Ende des Spektrums gibt es einem Engländer, der unter dem Namen Lobsang Rampa schrieb, die Tibeter würden Menschen ein Loch in die Stirn bohren, um ihr drittes Auge zu öffnen.

Sogar heute noch kommen einige Menschen neu in tibetische Dharmazentren, nachdem ihr Interesse an Tibet durch die Lektüre von Büchern solcher angeblich tibetischer Systeme geweckt wurde. Diese Menschen haben Respekt vor Tibet und werden sogar zu Förderern. Einige Zentren der Theosophischen Gesellschaft haben sogar Seine Heiligkeit den Dalai Lama eingeladen, sie zu besuchen, um zu ihnen zu sprechen, und haben einige seiner Bücher auf Englisch publiziert. Es ist daher wichtig, eine gewisse Kenntnis dieser Systeme zu haben, damit man diesen Menschen auf geschickte Weise erklären kann, welche Unterschiede zwischen den exakten Lehre des tibetischen Buddhismus und den Lehren, die dem Dharma nur ähnlich sehen, bestehen. Andernfalls werden die buddhistischen Lehren missverstanden. Einige Systeme des New Age beispielsweise behaupten, dass Menschen nur als Menschen wiedergeboren werden können, und Tiere nur als Tiere, und dass man nur in einen besseren Zustand wiedergeboren wird, jedoch nie in einen schlechteren. Viele der Menschen, die diese Systeme annehmen, denken, es handle sich hier um die buddhistischen Lehren.

Verwirrung aufgrund eines unzureichenden Studiums

Es gibt weitere Gründe für die Verwirrung über den Buddhismus. Die Pioniere, die einige der ersten Bücher aus dem Tibetischen ins Englische übersetzten, hatten nicht die Gelegenheit, den Buddhismus besonders eingehend zu studieren. Dies war nicht ihre Schuld. Viele dieser Bücher legen den Akzent auf die Magie und präsentieren die ungewöhnlicheren Aspekte, wie die aus Menschenknochen gemachten tantrischen Instrumente, ohne Erklärungen zu geben, oder nur sehr seltsame. Auch diese Bücher verbreiteten bei den westlichen Menschen sehr merkwürdige Vorstellungen über den tibetischen Buddhismus.

Ferner wurden zahlreiche Bücher von westlichen und indischen Universitätsgelehrten übersetzt, die mit keinem tibetischen Lama zusammenarbeiteten. Sie bedienten sich ihrer Wörterbücher und ihrer Sanskritkommentare und waren arrogant der Meinung, sie verstünden die Bedeutung der Texte besser als die Buddhisten selbst. Allerdings stellen sie meist bloß Mutmaßungen über die Bedeutung der Texte an. Sie haben kein Interesse an der Praxis oder an der mündlichen Tradition. Ihre Übersetzungen enthalten oft zahlreiche Fehler. Es gibt immer noch westliche Universitätsgelehrte, die auf diese Weise Bücher übersetzen, obwohl viele der jüngeren Akademiker in westlichen Ländern, die die Gelegenheit hatten, bei Tibetern zu studieren, jetzt einen offeneren Geist haben.

Verwirrung aufgrund der sexuellen Ikonographie

Eine weitere Quelle der Fehlinformation über den tibetischen Buddhismus ist das Missverständnis der sexuellen Ikonographie im Tantra. Während des 19. Jahrhunderts wurden westliche Gelehrte erstmals auf den tibetischen Buddhismus aufmerksam, als sie Gemälde mit tantrischen Gottheiten in sexueller Vereinigung sahen und tantrische Texte lasen, die Worte enthielten, deren Bedeutung mit Sex zusammenhängt. Diese Periode europäischen Denkens ist, besonders in England, als die Viktorianische Zeit bekannt, nach Königin Victoria von England. Die Menschen waren der Meinung, dass alles, was mit Sex zusammenhing, schlecht war. Daher missverstand man den Tantra und die Bilder. Der tibetische tantrische Buddhismus wurde für eine degenerierte Form des Buddhismus gehalten und Lamaismus genannt. Der Name Lamaismus war eigentlich der Name, den die Mandschu-Herrscher Chinas der tibetischen Form des Buddhismus gegeben hatten, um ihn von den chinesischen Schulen zu unterscheiden. Die frühen westlichen Forscher dachten, dass tibetische Mönche und Lamas weltlichen Sex als religiöse Übung praktizierten. Aus ihren Lektüren von Beschützer-Praktiken schlossen sie ferner, dass Lamas tatsächlich ihre Feinde durch magische Kräfte töten und ihr Blut aus Schädelschalen trinken.

Diese Gelehrten verfassten zahlreiche Bücher über den tibetischen Buddhismus voller merkwürdiger Vorstellungen und scharfen Kritiken. Daraus folgten zwei Ergebnisse. Zum einen wurden viele Menschen zum Glauben verleitet, der tibetische Buddhismus sei degeneriert und beinhalte die Praxis von Gruppensex. Daraufhin verwarfen sie voller Vorurteile den tibetischen Buddhismus. Wenn sie weiterhin am Buddhismus interessiert waren, wandten sie sich jenen Formen zu, die sie als reiner ansahen, wie dem Theravada.

Das andere Ergebnis ist gefährlicher. Durch die Lektüre dieser Bücher kamen manche Menschen, die ein großes Verlangen nach Sex haben, zu der Überzeugung, dass der tibetische Buddhismus einen Übungspfad lehrt, durch den gewöhnlicher Sex zu einer religiösen Praxis werden kann. Sie kommen zum tibetischen Buddhismus mit dem Wunsch, mehr über Sex zu lernen und über die Möglichkeiten, ihn interessanter zu gestalten. Dann haben sie mit ihren Partnern gewöhnlichen Sex, wobei sie möglicherweise in der Haltung der Gottheiten sitzen, und denken, sie seien fortgeschrittene religiöse Praktiker. Es gibt sogar einige Lehrer, sowohl Ausländer als auch Tibeter, die diese Situation ausnutzen wollen, um mit zahlreichen Partnern Sex zu haben. Entweder lehren sie einen derartigen Weg des gewöhnlichen Sex, oder sie treiben zahlreiche ihrer Schüler dazu, mit ihnen zu schlafen, indem sie ihnen vorgaukeln, dass sie fortgeschrittene tantrische Yogis seien. Dies verursacht wirklich großen Schaden.

Schwierigkeiten aufgrund unqualifizierter Lehrer

Eine weitere Quelle der Verwirrung und der Vorurteile ist die Tatsache, dass es auf der ganzen Welt zahlreiche Zentren gibt, die von nicht-buddhistischen Lehrern oder sogar von Lehrern, die behaupten, Buddhisten zu sein, geleitet werden, die einfach versuchen, soviel Macht wie möglich über ihre Jünger zu gewinnen und soviel Geld aus ihnen zu pressen, wie sie nur können. Sie sagen ihren Schülern, dass sie allen Besitz aufgeben müssen, und so alles ihrem Lehrer geben sollen. Im Namen der „Hingabe an den Guru“ erzählen sie ihnen, dass sie immer alles tun müssen, was ihnen der Lehrer sagt und nie irgendwelche Fragen stellen sollen. Es gab einen berühmten Fall, in dem ein Lehrer in Südamerika alle Mitglieder seiner Gruppe dazu aufforderte, Gift zu nehmen, und viele Hunderte sich umbrachten.

Die Menschen haben daher ein starkes Misstrauen gegen Lehrer, die die Rolle des Gurus und des blinden Glaubens zu sehr betonen. Und sogar wenn die Schüler nicht misstrauisch sind, machen sich doch ihre Eltern starke Sorgen. Manchmal können hieraus Schwierigkeiten entstehen, sowohl mit der Polizei als auch auf politischer Ebene, was die Vergabe von Visa angeht. Und falls dies je mit einem tibetischen Lehrer geschehen sollte, kann es sehr schädlich für die Tibet-Frage sein und schlecht auf das Bild Seiner Heiligkeit zurückwirken, da man in westlichen Zeitschriften sehr gerne über solche Dinge berichtet. Daher ist es wichtig, nicht zuviel über die Hingabe an den Guru zu lehren, wenn man neu in Länder kommt, die nicht traditionell buddhistisch sind, und später neue Schüler nicht darüber zu belehren.

Verwirrung aufgrund unangebrachter Konnotationen von Übersetzungsbegriffen

Heutzutage gibt es mehrere hundert tibetische buddhistische Zentren auf der Welt, in denen oftmals tibetische Geshes oder Lamas unterrichten. Trotzdem kommt es sogar mit qualifizierten Lehrern zu zahlreichen Missverständnissen. Ich habe durch meine eigene Erfahrung festgestellt, dass selbst, wenn die Missverständnisse der Zuhörer nicht von der Lektüre oben genannter merkwürdiger Bücher herrührten, sie schon allein durch die Sprache der Dolmetscher der guten Lehrer verwirrt wurden. Oder aber sie wurden durch die Sprache der Geshes und Lamas in die Irre geführt, die direkt auf Englisch oder in anderen Fremdsprachen unterrichten.

Wie ich zuvor erwähnte, wurden die meisten Wörterbücher entweder von christlichen Missionaren oder von viktorianischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts verfasst. Ihre Wortwahl hat starke christliche Konnotationen und führt so beim Leser zu falschen Vorstellungen. Wenn ein westlicher Mensch im Wörterbuch Begriffe wie dge-ba, mi-dge-ba, bsod-nams und sdig-pa nachschlägt, erhält er die englischen Übersetzungen virtue (Tugend), nonvirtue (Nicht-Tugend), merit (Verdienst) und sin (Sünde). Natürlich wird er oder sie dann denken, dass der tibetische Begriff dieselbe Bedeutung wie das englische Wort hat. Allerdings implizieren diese Worte auf Englisch, dass es einen Schöpfergott gibt, der verkündet hat, dass bestimmte Handlungen gut und andere schlecht sind. Wenn man gut handelt, erregt man Gottes Wohlgefallen und wird von ihm belohnt. Wenn man allerdings schlecht handelt, wird dies sein Missfallen erregen und man wird von ihm bestraft. Daher ist der ethische Zusammenhang, auf den die englischen Begriffe wie virtue (Tugend), sin (Sünde) etc. hinweisen, sehr verschieden von der buddhistischen Vorstellungswelt. Auf der anderen Seite wird ein tibetischer Mensch, der oder die das Wörterbuch liest und diese Begriffe sieht, fälschlicherweise denken, dass die englischen Begriffe virtue etc. dieselbe Bedeutung haben wie die tibetischen. Obwohl also weder die Tibeter noch die westlichen Menschen keine Schuld daran haben, entstehen so viele Unklarheiten und Missverständnisse.

Es gibt Hunderte von Beispielen solcher fehlleitender Übersetzungsbegriffe. Das Problem verschlimmert sich sogar noch, wenn vom Englischen in andere Fremdsprachen weiterübersetzt wird. Dann wird der englische Begriff, der ja selbst schon nicht dem tibetischen entsprach, mit einem spanischen oder einem deutschen Wort wiedergegeben, das noch nicht einmal mehr die exakte Bedeutung des englischen Wortes hat.

Empfehlungen bezüglich der Übersetzungsbegriffe

Wenn man im Ausland unterrichtet ist es daher wichtig, die Definitionen der wichtigsten buddhistischen Begriffe zu lehren, so dass die Menschen verstehen, worum sich der Buddhismus dreht. Es ist nicht notwendig, dass westliche Menschen debattieren, aber sie sollten die Definitionen von Begriffen wie byams-pa (Liebe), nges-’byung (Entsagung) usw. kennen. Die Geshes, Lamas und Dolmetscher müssen sich erkundigen, was die Bedeutung und die Konnotationen der Worte sind, mit denen die tibetischen Begriffe auf Englisch oder in die anderen Fremdsprachen übersetzt werden. So können sie nachvollziehen, wo das Missverständnis liegt. Falls die Definitionen der fremdsprachigen Begriffe nicht mit den tibetischen zusammenpassen, müssen sie andere finden, die in ihrer Bedeutung der tibetischen Definition so nahe wie möglich kommen. Dies ist äußerst wichtig. Wenn es zu Unklarheiten kommt und aus den Fragen der westlichen Schüler deutlich wird, dass sie etwas falsch verstanden haben, ist die Erklärung der Definitionen der beste Weg, um dies zu überwinden. Dann weist man darauf hin, dass wir über die Bedeutung der Definition sprechen und nicht über das englische Wort, das der Übersetzer benutzt. Denn der Übersetzer benutzt es nur, weil man es in einem Wörterbuch findet, das im 19. Jahrhundert von Missionaren geschrieben wurde, jedoch ist das englische Wort nicht korrekt.

Obwohl es gut wäre, die Terminologie, mit der die buddhistischen Begriffe übersetzt werden, eines Tages für jede Sprache auf einen einheitlichen Standard zu bringen, ist es heutzutage noch zu früh für einen solchen Schritt. Daher sollten die neuen Übersetzer nicht einfach blind die Begriffe ihrer bekannteren ausländischen Kollegen übernehmen. Diese benutzen nämlich manchmal Wörter, die zwar korrekt sind, aber so ungewöhnlich oder hochgestochen, dass die meisten ihre Bedeutung nicht kennen. Diese Begriffe verstehen die meisten normalen Menschen nicht, besonders, wenn etwas ins Englische übersetzt wird und die betreffende Person kein Englisch-Muttersprachler ist. Dies geschieht sehr oft.

Auch wenn die tibetischen Begriffe einfach zurück ins Sanskrit übersetzt werden, werden die meisten die Lehren nicht verstehen, da sie die Sanskritbegriffe nicht kennen, genau so wenig wie ihre Mütter sie kennen würden. Und auch wer die Sanskritbegriffe kennt, hat oft ein falsches Verständnis von ihnen, beispielsweise denken viele, das Wort Karma bedeute, dass uns Dinge aus Schicksal oder wegen dem Willen Gottes widerfahren. So wie es zahlreiche Jahrhunderte dauerte, Begriffe aus dem Sanskrit zu standardisieren und ins Tibetische oder Chinesische zu übersetzen, wird auch der Prozess der Standarisierung in modernen Fremdsprachen langwierig sein. Nun ist es an der Zeit, mit zahlreichen verschiedenen Übersetzungsbegriffen zu experimentieren, um festzustellen, welche am besten die Inhalte wiedergeben. Westliche Menschen sind oft ungeduldig und zu sehr in Eile, aber die Arbeit daran, die besten Übersetzungsbegriffe zu finden, kann nicht auf die Schnelle erledigt werden.

In ausländischen Dharmazentren zu unterrichten oder zu dolmetschen bedeutet also eine große Verantwortung. Es gibt zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse. Trotzdem kann das Unterrichten sehr nützlich sein – nicht nur für die Menschen in diesen anderen Ländern, sondern indirekt auch als Hilfe in der Tibet-Frage . Je mehr Menschen auf der ganzen Welt einen guten Eindruck von den Tibetern bekommen und den Lehren, die diese der Welt schenken können, desto mehr werden sie Verständnis dafür haben, dass die Tibeter ein Recht auf ihre eigene Kultur haben und auf einen Rahmen, in dem sie diese leben und fortführen können. Es gibt allerdings auch noch weitere Überlegungen.

Die Ausbildung der jungen Tibeter nicht vernachlässigen

Die Zukunft des tibetischen Buddhismus liegt nicht in den Händen der westlichen Menschen, sondern in denen der jungen tibetischen Generation. Sehr wenig von der Tradition wurde übersetzt und sehr wenige westliche Menschen haben die nötige Freizeit, um sich hundertprozentig dem Erlernen der tibetischen Sprache zu widmen und die traditionelle Dharma-Ausbildung auf Tibetisch zu erhalten. Daher werden es nicht die westlichen Menschen sein, die in der Lage sein werden, die Übertagungslinien und Initiationen fortzuführen und weiterzugeben, oder in absehbarer Zukunft die vollständigsten Lehren und Übungswege zu lehren. Es werden die jungen Tibeter sein. Deshalb muss der Hauptschwerpunkt immer darauf bleiben, dass die jungen Mönche in den Klöstern ausgebildet werden.

Wenn jedes Dharmazentrum im Ausland einen festen Geshe oder Lama und einen Dolmetscher hat, oder wünscht, einen zu haben, und wenn diese die höchsten Qualifikationen besitzen, kann es in Zukunft zu einem ernsthaften „brain drain“ kommen. Da die meisten Ausländer zu beschäftigt sind, um an mehr als zwei Sitzungen pro Woche in ihrem Dharmazentrum teilzunehmen, wird die Zeit der Geshes und Lamas größtenteils verschwendet, während an vielen indischen Klöstern die Mönche mit unzureichenden Studienmöglichkeiten zurückgelassen werden. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass ein qualitativ hochwertiger tibetischer Buddhismus in der nächsten Generation ausstirbt.

Es ist daher wichtig, dass die besten Lehrer in Indien und Nepal bleiben. Wenn Lehrer ins Ausland geschickt werden, sollten es nur jene Geshes und Lamas sein, die hier keine Lehrverpflichtungen haben. Ansonsten stellt es einen enormen Verlust für die junge Mönche und Schüler dar, wenn die besten Lehrer fortgehen, besonders jene, die die großen Texte lehren können. Die Lehrer, die ins Ausland gehen, sollten daher nicht von der besten Qualität sein. Sie sollten allerdings auch nicht von schlechter Qualität sein, nicht einfach die Klöster verlassen wollen, um den hiesigen Probleme zu entgehen und um im Westen ein angenehmes Leben zu führen. Wenn die Lehrer, die ins Ausland gehen, eine schlechte Kenntnis vom Buddhismus haben oder eine schlechte ethische Selbstdisziplin, macht dies einen sehr schlechten Eindruck. Es wirft ein negatives Licht auf Seine Heiligkeit den Dalai Lama und ist schädlich für die Sache Tibets. Die Lehrer, die ins Ausland gehen, sollten daher von mittlerer Qualität sein.

Maßregeln dafür, Lehrer in den Westen zu senden

Es wäre daher sehr gut, wenn die Entsendung von Lehrern ins Ausland und die dortigen Reisen der Lehrer und Lamas im Allgemeinen stärker kontrolliert würden. Möglicherweise wäre es günstig, wenn die Lehrer die Erlaubnis ihrer Äbte einholen müssten, um zu verreisen, und wenn all dies unter der Oberaufsicht des Rates für Religiöse und Kulturelle Angelegenheiten geschehen könnte.

Obwohl es bei bestehendem Interesse gut ist, wenn in großen Städten Zentren aller vier Traditionen des tibetischen Buddhismus vorhanden sind, gibt es zuweilen auch mehrere Zentren einer einzigen Tradition in ein und derselben Stadt. Manchmal geschieht es sogar, dass es in einer Stadt mehrere Zentren gibt, die jeweils verschiedenen Meistern folgen, die alle aus demselben Kloster stammen. Dies ist sehr verwirrend für westliche Menschen, die die buddhistische Auffassung der Hingabe an einen spirituellen Meister nicht verstehen und gerne mit anderen westlichen Buddhisten zusammenarbeiten und kooperieren würden. Wenn es an ein und demselben Ort mehrere Dharmazentren gibt, führt dies oft zur Konkurrenz. Die westlichen Menschen sehen keinen sonstigen Grund für das Nebeneinander mehrerer Zentren, die oberflächlich gesehen derselben Tradition und den gleichen Übertragungslinien zu folgen scheinen. Diese Verwirrung könnte möglicherweise ebenfalls vermieden werden, wenn der Rat für Religiöse und Kulturelle Angelegenheiten eine größere Kontrolle über die Zentren im Ausland und über die Lehrer, die dorthin gesandt werden, hätte.

Um die Zeit der Geshes optimal zu nutzen und um nicht zu viele Lehrer von den Klöstern abzuziehen, wäre es außerdem gut, wenn die ausländischen Dharmazentren sich zu Gruppen von vier bis sechs Partnerzentren zusammenschließen könnten. Jede Gruppe würde sich dann einen Geshe oder einen Lama und einen Übersetzer teilen. Der Wohnsitz dieser Lehrer würde sich nach dem Rotationsprinzip von einem Zentrum zum anderen verschieben, beispielsweise im Monatsrhythmus, so dass sie jedes Zentrum zwei oder dreimal im Jahr besuchen würden. Dies würde es den Zentren auch einfacher machen, die Kosten zu tragen, da die meisten nicht reich sind und es im Ausland, mit der Ausnahme Süd- und Ostasien, nicht die Tradition des Sponsoren gibt. Ein weiterer Punkt: wenn die Lehrer ständig verfügbar sind, wird ihre Anwesenheit oft als selbstverständlich angesehen und die Teilnehmerzahl ist gering, da das Leben der Schüler so voller anderer Verpflichtungen ist. Wenn die Lehrer dagegen nur für einen Monat da sind, werden diese Perioden zu etwas Besonderem und die Schüler würden es womöglich schaffen, sich mehr Zeit zu nehmen und regelmäßiger und intensiver teilzunehmen. Während den Perioden zwischen den Besuchen werden die Studenten die Zeit haben, über die Lehren nachzudenken, und sie unter der Anleitung älterer Schüler in die Praxis zu überführen.

Ferner brauchen Geshes usw. nicht in Zentren geschickt werden, die nicht bereits gut etabliert sind, da ansonsten wieder ihre Zeit verschwendet würde. Wenn Interesse besteht, könnten in einem Zentrum für eine große geographische Region Intensivkurse organisiert werden, aber die Zahl solcher Zentren sollte beschränkt bleiben.

Eine Möglichkeit, die Situation besser zu kontrollieren, wäre wenn der Rat für Religiöse und Kulturelle Angelegenheiten Zertifikate ausstellen könnte, die bestätigen, dass dies ein offiziell anerkanntes buddhistisches Zentrum und dies ein anerkannter Lehrer des tibetischen Buddhismus ist. Auf diese Weise könnten die Menschen im Ausland in ihre Zentren und in ihre Lehrer Vertrauen haben und wissen, dass ihr Lehrer mit der Billigung der tibetischen religiösen Gemeinschaft dort ist. Diese Zertifikate sollten allerdings verliehen werden, ohne dass der Rat die rechtliche oder die moralische Verantwortung übernimmt. Wenn sich jemand schlecht verhält, was manchmal passiert, kann der Rat sein Zertifikat zurückziehen. Es sollte niemand erwarten, dass der Rat ein wie auch immer geartetes Fehlverhalten zu verteidigen hat.

Weitere Schwierigkeiten haben sich manchmal ergeben, wenn ein Lama oder ein Geshe, der eine große Organisation von Dharmazentren leitet, einen Geshe in eines seiner Zentren einlädt, besonders, wenn der Geshe kein Schüler des Lamas ist. Es ist ganz natürlich, dass wenn ein Geshe im Zentrum einer Stadt ist, die Ausländer seine Schüler werden und ihn dazu einladen werden, zu kommen und andere Zentren in der Umgebung zu eröffnen. Womöglich fühlen sie eine stärkere Verbindung zum Geshe vor Ort als zum Lama, der die Organisation leitet. Der Geshe befindet sich in einer schwierigen Situation, wenn er das Gefühl hat, dass er dem Lama gegenüber, der ihn eingeladen hat, loyal sein muss, besonders, wenn dieser nicht einer seiner eigenen Lehrer ist. Wenn es der Rat für Religiöse und Kulturelle Angelegenheiten ist, der einen Geshe aussendet, können auch solche Schwierigkeiten womöglich vermieden werden. Die Loyalität aller Lehrer gilt einfach Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama, und jeder bemüht sich Seiner Heiligkeit zu dienen, in welcher Weise auch immer es die Situation erfordert.

Ratschläge bezüglich der Dolmetscher

Wenn die Geshes, Lamas und Dolmetscher ausgewählt und eingeladen wurden und die Genehmigung erhalten haben, in buddhistischen Zentren im Ausland zu lehren, gibt es mehrere Maßnahmen, die man im Voraus treffen kann, um bei der Vorbereitung zu helfen. Eine der wichtigsten Dinge, die man beachten muss, ist, dass ein gutes Verhältnis zwischen dem Geshe und dem Übersetzer bestehen muss. Am besten ist es, wenn der Dolmetscher ein persönlicher Schüler des Geshes ist. In vielen Fällen werden der Geshe und der Dolmetscher die einzigen Tibeter in der Stadt sein und sie werden nur einander haben, um tibetisch zu sprechen. Wenn der Geshe erwartet, dass der Dolmetscher auch die Rolle seines Helfers und Kochs übernimmt, kann dies sehr schwierig werden, wenn dieser nicht sein Schüler ist. Man muss daher sehr sorgfältig sein, wenn man wählt, welcher Dolmetscher mit welchem Geshe ausgesandt wird.

Wenn der Geshe oder Lama ohne Dolmetscher geht, muss er bereits vor seiner Abreise über adäquate Kenntnisse der Fremdsprache verfügen. Geht er, ohne irgend etwas von der Sprache zu kennen und denkt, er werde sie nur vor Ort lernen, kann dies sehr schwierig sein. Der Geshe wird niemanden haben, mit dem er sprechen kann und die Mitglieder des Zentrums werden sehr unzufrieden sein, da sie viel Geld für den Unterhalt des Geshes zahlen aber unmittelbar keine Belehrungen erhalten. Das Erlernen der Fremdsprache muss beginnen, bevor man ins Ausland geht. Wenn außerdem keine Tibeter als Dolmetscher verfügbar sind, haben die Zentren selbst die Aufgabe, einige ihrer Mitglieder tibetisch lernen zu lassen, damit sie diese Rolle übernehmen können. Es ist nichts daran falsch, den Ausländern auf diese Weise einen Teil der Verantwortung zurückzugeben.

Manchmal unterrichtet ein Geshe oder ein Lama, der keine sehr gute Englischkenntnis hat, doch in dieser Sprache. Auch wenn dies viele Vorteile hat, führt es auch zu vielen Problemen. Wenn der Lehrer nur ein einfaches Englisch spricht, kann er nur auf einem einfachen Niveau unterrichten und nie komplexere oder schwierigere Dinge vermitteln. Dies ist sowohl für den Lehrer als für die Schüler frustrierend. Obwohl es die Ausländer schätzten, wenn ein Lehrer direkt in ihrer eigenen Sprache unterrichten kann, ist es vielleicht ratsam, sich so zu verhalten, wie es Seine Heiligkeit der Dalai Lama tut. Wenn Seine Heiligkeit Ausländern unterricht gibt, beginnt er seine Ansprache auf Englisch und benutzt diese Sprache, um leicht erklärbare Themen darzustellen. Doch er bedient sich eines Dolmetschers, um komplexere Inhalte auszudrücken, oder um ihm, wenn er Englisch spricht, die Worte, die er nicht kennt, zu soufflieren.

Wenn ein Geshe oder ein Lama in einem nicht sehr guten English unterrichtet, ergibt sich als weiteres Problem, dass seine älteren ausländischen Schüler ihn womöglich verstehen mögen, die Neuen aber große Schwierigkeiten haben werden, ihm zu folgen. Wenn sie nicht verstehen können, was er sagt, werden sie nicht wiederkommen. Ist also kein Dolmetscher vorhanden, der vom Tibetischen ins Englische übersetzt, wäre es hilfreich, wenn ein älterer ausländischer Schüler das, was der Lehrer in schlechtem Englisch sagt, zusammenfassen oder übersetzen kann. Ferner ist es wichtig, dass sowohl der Lehrer als auch der Dolmetscher ein korrektes Englisch lernen. Wenn sie Englisch im „ Hippie-Stil“ sprechen, werden sich die meisten eine schlechte Meinung von ihnen bilden und die anständigen Zuhörer werden den Eindruck gewinnen, dass der Buddhismus nur etwas für Hippies ist und nicht mehr wiederkommen.

In den meisten Ländern Europas, Südamerikas und Ostasiens wird allerdings kein Englisch gesprochen. In der Vergangenheit wurde oft doppelt gedolmetscht: zuerst aus dem Tibetischen ins Englische, und dann von einer anderen, ortsansässigen Person vom Englischen in die Landessprache. Dies ist zeitaufwendig und niemand mag es. Es ist daher wichtig, dass die Geshes, Lamas und Dolmetscher nicht nur Englisch lernen, sondern auch die Sprachen der Länder, in denen sie leben.

Auch wenn ein Geshe sich beim Unterrichten eines Dolmetschers bedient, ist es wichtig, dass er selbst ein wenig die Landessprache lernt. So kann er sich etwas mit den Menschen unterhalten, wenn er Tee mit ihnen trinkt und kann einfachere Frage beantworten. Auf diese Weise entsteht eine bessere, direktere Verbindung, die sehr geschätzt wird. So erfährt der Geshe auch mehr vom Leben im Land, in dem er sich befindet. So kann er Beispiele aus dem Leben der dortigen Menschen anbringen, um die buddhistischen Lehren zu erklären. Traditionelle Beispiele und Geschichten aus Tibet oder dem Alten Indien sind in einem modernen, westlichen Kontext oft schwer zu verstehen.

Die landeseigene Kultur kennen lernen

Die verschiedenen Länder der Welt sind sehr unterschiedlich. Das Christentum unterteilt sich unter anderem in die zwei großen Zweige des Katholizismus und des Protestantismus und die vornehmlich katholischen Länder unterscheiden sich von den vornehmlich protestantischen. Im Allgemeinen haben die Menschen in katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich einen größeren Glauben und einen größeren Respekt vor der Religion. Sie haben ihre eigene starke monastische Tradition und stehen Ritualen positiv gegenüber. In protestantischen Ländern wie England oder dem nördlichen Teil Westdeutschlands sind die Menschen im allgemeinen kritischer und schätzen intellektuelles Lernen. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen für diese allgemeinen Betrachtungen. Sogar die englischsprachigen Ländern, nämlich England, die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika, sind untereinander sehr verschieden. Jedes Land hat seine eigene Geschichte und seine eigene Kultur, auf die man sich abstimmen muss, wenn man unterrichtet.

Kommunistische Länder unterscheiden sich stark von kapitalistischen Ländern. In ersteren spielt es keine Rolle, ob jemand hart arbeitet oder nicht: er wird weiterhin denselben kleinen Lohn erhalten. Deshalb haben die Menschen kein großes Vertrauen in das Gesetz von Ursache und Wirkung. Oder aber sie hegen die unrealistische Hoffnung, es genüge ein wenig mit vorbereitenden Übungen wie Niederwerfungen zu arbeiten, damit Wunder geschehen und all ihre Probleme sich in Luft auflösen. Wenn dies aber nicht geschieht, verlieren sie vollkommen das Vertrauen in die buddhistischen Lehren. Z. B. machte jemand in Polen 100.000 Niederwerfungen, brachte das Mandala dar, rezitierte das hundertsilbige Mantra, usw. Als er danach feststellte, dass er weiterhin Probleme hatte und die Befreiung bzw. die Erleuchtung nicht erreicht hatte, wurde er so depressiv, dass er Selbstmord beging. Daher ist es in kommunistischen Ländern wichtig, einen praktischen Ansatz von Ursache und Wirkung zu lehren und positiven Enthusiasmus zu vermitteln, damit die Menschen nicht utopische, sofortige Ergebnisse erwarten.

In Südostasien, wie Singapur, Malaysia, Indonesien, auf den Philippinnen, in Taiwan und Hong Kong interessieren sich hauptsächlich Chinesen, deren Kultur sich sehr von der westlichen unterscheidet, für den tibetischen Buddhismus. Japan und Korea sind wieder anders. Die Menschen in Südost- und Ostasien wenden sich dem tibetischen Buddhismus zu, um Erklärungen zu finden, die in ihren eigenen buddhistischen Traditionen fehlen oder sehr selten sind. Sie haben einen großen Glauben an den Buddhismus, aber wenig Kenntnisse. Sie sorgen sich darum, ob ihre Kinder weiterhin Buddhisten sein werden und möchten, dass sie die Relevanz des Buddhismus in der modernen naturwissenschaftlichen Welt sehen. Sie interessieren sich auch für das Zelebrieren von Ritualen, die ihren Geschäften Erfolg schenken sollen. In Ländern, in denen es keine einheimische buddhistische Tradition gibt, ist dies nicht der Fall.

Obwohl es also eine Reihe allgemeiner Merkmale gibt, die den meisten modernen Staaten gemeinsam sind, ist es wichtig, dass diejenigen, die als Lehrer oder Dolmetscher ins Ausland gehen, sich nicht nur für diese allgemeinen Merkmale interessieren und etwas über sie lernen, sondern auch über die Kultur des spezifischen Landes, in das sie gehen werden. Dies wird ihnen helfen, ihre Schüler besser zu verstehen und ihnen besser zu helfen.

Die Dharmazentren selbst sollten die Möglichkeit bieten, ihre Sprache und Kultur zu erlernen. Wenn Geshes und Dolmetscher, die im Ausland gelebt haben, in den Ferien oder endgültig in ihre Klöster in Indien oder Nepal zurückkehren, wäre es gut, sie darum zu bitten, über diese Länder mit ihren Sitten und Anschauungen Vorlesungen zu halten. Man sollte sie bitten, über ihre Erfahrungen zu sprechen, über die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert wurden und über die beste Art, die Menschen vor Ort zu unterrichten. So werden diejenigen, die neu in die betreffenden Länder gehen, gute Ratschläge erhalten. Besonders wenn jemand in einem Land gewesen ist, in das der neue Geshe oder Dolmetscher gehen wird, sollte er darum gebeten werden, die Bedingungen in diesem Land zu beschreiben.

Ausbildung vor der Abreise in den Westen

Es wäre auch gut, wenn die Geshes und Übersetzer eine Zeit lang im Umgang mit westlichen Menschen Erfahrungen sammeln könnten, bevor sie ins Ausland gehen. Möglicherweise wird es hierfür am neuen Zentrum, das der Rat für Religiöse und Kulturelle Angelegenheiten in Dharamsala baut, Möglichkeiten geben, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit der Library of Tibetan Works & Archives. Die Geshes könnten beispielsweise an den Vorlesungen teilnehmen, die in der Library für Ausländer gehalten werden und mit den Geshes und Lamas in Dharamsala sprechen, die westliche Menschen unterrichtet haben, um von ihren Erfahrungen zu lernen.

Für neue Dolmetscher könnte es besondere Ausbildungsmaßnahmen geben, die auf die Verbesserung ihrer Dolmetschfähigkeiten und auf die Entwicklung ihres Gedächtnisses abzielen. Sie könnten beispielsweise üben, indem sie einige der Tonbandübertragungen von Vorträgen Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas oder anderer Lehrer dolmetschen. Wenn diese Kassetten bereits eine Übersetzung enthalten, umso besser: so kann der neue Dolmetscher erst selbst versuchen, den Vortrag in der Fremdsprache wiederzugeben und dann hören, wie es der erfahrene Dolmetscher getan hat.

Um ihre Merkfähigkeit zu entwickeln, könnten die Dolmetscher sich gegenseitig in der Weise trainieren, in der es Tsenzhab Serkong Rinpoche mit mir getan hat. Zu jeder Tages- oder Nachtzeit konnte es geschehen, dass sich Rinpoche mir zuwandte und mich aufforderte, Wort für Wort zu wiederholen, was er oder ich selbst gerade gesagt hatte. Die Fähigkeit, dies zu tun, ist von zentraler Bedeutung, da ein Dolmetscher zu jeder Zeit geistesgegenwärtig sein und alles in der Fremdsprache wiedergeben können muss. Er muss seine Übersetzung auch wiederholen können, falls die Schüler beim ersten Mal nicht alles mitschreiben konnten.

Die Dolmetscher können auch üben, indem sie sich zuerst drei, dann fünf und schließlich zehn Minuten Unterricht auf Kassette anhören und diese dann zu übersetzen versuchen, damit sie ihre Gedächtnisfähigkeit erweitern. Dies ist notwendig, da einige Lehrer selten Pausen für die Übersetzung einlegen. Allerdings sollten sich die Geshes und Lamas angewöhnen, nur einen zu übersetzenden Satz oder sogar weniger auf einmal zu sagen. Dies erleichtert die Aufgabe des Dolmetschers und erlaubt eine genauere Übersetzung. Darüber hinaus können die westlichen Schüler so leichter mitschreiben und ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse wach halten. Ferner ist es für die Dolmetscher hilfreich, sich eine ganze Vorlesung anzuhören und nach einigen Stunden zu versuchen, sie zusammenzufassen. Der Grund hierfür ist, dass manchmal ein Vortrag oder eine Belehrung gehalten werden, ohne dass die Gelegenheit besteht, sie gleich zu übersetzen, und so muss der Dolmetscher später dazu in der Lage sein, den nicht-tibetischen Zuhörern zu erklären, was gesagt wurde.

Im Allgemeinen ist es wichtig, dass der Dolmetscher präzise ist und dem, was gesagt wurde, nichts hinzufügt oder weglässt. Die Fähigkeit hierzu kann man trainieren, indem man sich beispielsweise einen Satz von einer Tonbandübertragung anhört, ihn ins Englische übersetzt, und ihn dann vom Englischen zurück ins Tibetische übersetzt, um die eigene Version mit dem ursprünglich Gesagten zu vergleichen. Wenn ein Geshe Zweifel hat, ob das Gesagte richtig verstanden und übersetzt wurde, sollte er den Dolmetscher immer dazu auffordern, ihm seine Worte auf Tibetisch zurückzuübersetzen.

Während das vom Lehrer Gesagte nicht verändert werden darf, verhält es sich anders, wenn man die Fragen der westlichen Schüler übersetzt. Die meisten westlichen Menschen wissen nicht, wie man klare Fragen stellt. Sie haben nicht zu debattieren gelernt. Sie reden und reden vage dahin. Wenn man auf Tibetisch das Gesagte Wort für Wort wiedergeben würde, wäre das Resultat größtenteils unverständlich. Tsenzhab Serkong Rinpoche forderte mich stets dazu auf, ihm nur die Essenz der Frage zu übersetzen, nicht jedes Wort. Dann wies er mich an, das, was er gesagt hatte, so auf Englisch zu übersetzen und zu erklären, dass es die Person in Bezug auf ihre Frage verstehen könnte. Dies ist ein weiterer Grund, warum es so wichtig ist, verstehen zu lernen, wie die westlichen Menschen denken und wie sie Fragen stellen. Diese Fähigkeiten könnten gelernt werden, indem man in Dharamsala dem Dharmaunterricht für Ausländer beiwohnt und die Dolmetscher dort bittet, ihre Erfahrungen zu beschreiben.

Ein weiterer Punkt: wenn man Englisch oder eine andere Fremdsprache lernt, ist es wichtig, dass man sich nicht einfach mit dem zufrieden gibt, was man aus den Textbüchern und den Wörterbüchern gelernt hat. Wie ich schon sagte, sind die Übersetzungsbegriffe in den Wörterbüchern nicht immer korrekt. Was das Englische angeht, werden zahlreiche Redewendungen, die man in Indien benutzt, in anderen Ländern nicht verwendet. Jedes englischsprachige Land hat verschiedene Redewendungen und einige Wörter werden von einem Land zum anderen leicht verschiedene Bedeutungen haben. Wenn man daher in ein neues Land kommt, ist es sehr hilfreich, die Menschen zu fragen, was sie unter den wichtigen Dharmabegriffen in ihrer Sprache verstehen. Ein Dolmetscher sollte immer bereit dazu sein, seinen Wortschatz zu überholen und zu verbessern.

Das Wichtigste für den Dolmetscher ist allerdings nicht, dass er einfach nur die zwei Sprachen kennt und ein gutes Gedächtnis hat. Vielmehr muss er das Dharma gut kennen. Selbst die Erklärung des besten Meisters wird nicht gut mitgeteilt oder verstanden werden, wenn der Dolmetscher das Dharma nicht gut kennt, sich in der Fremdsprache nicht klar ausdrücken kann oder sich nicht daran erinnert, was der Meister gesagt hat. Oft schreiben westliche Menschen jedes Wort der Belehrungen, die sie hören, mit, um sie später studieren zu können. Das, was sie aufschreiben, sind die Worte des Dolmetschers. Wenn diese nicht mit den Worten des Lehrers zusammenpassen, kann es zu großen Missverständnissen kommen. Dies sieht man oft an den Fragen, die von den Schülern gestellt werden. Es ist sowohl für den Lehrer als für den Dolmetscher eine peinliche Situation, wenn der Lehrer sagen muss “Das habe ich nie gesagt.”

Da der Dolmetscher die Landesprache spricht, werden die meisten Einheimischen nicht immer den Geshe stören wollen, sondern werden dem Übersetzer direkt Fragen zum Unterricht stellen und ihn bitten, die Dinge besser zu erklären. Wenn der Dolmetscher hierzu nicht in der Lage ist, oder wenn er eher daran interessiert ist, aus dem Mönchsorden auszutreten und ein weltliches Leben zu führen, wird dies keinen sehr guten Eindruck vom Buddhismus und von den Tibetern machen. Diejenigen, die sich überlegen, den Mönchsorden zu verlassen, sollten dies tun, bevor sie ins Ausland gehen, und nicht danach.

[Siehe: Workshop für tibetische Dharmadolmetscher: ein Bericht.]

Ratschläge für das Unterrichten westlicher Menschen

Westliche Menschen und Tibeter zu unterrichten ist recht unterschiedlich. Obwohl jedes Land anders ist, wie ich es sagte, gibt es einige allgemeine Merkmale, die alle gemeinsam haben. Westliche Menschen möchten gerne alles erklärt bekommen und alles wissen. Sie geben sich nicht damit zufrieden, einfach eine gute Begabung (in Bezug auf den Dharma) für künftige Leben aufzubauen, indem sie den Lehren zuhören. Sie möchten gerne wissen, aus welchem Grund jeder Schritt unternommen wird und in den meisten Ländern stellen sie gerne zahlreiche Fragen. Die meisten wurden nicht in einer buddhistischen Familie oder in einer buddhistischen Kultur geboren, daher ist alles neu für sie. Es kann beispielsweise vorkommen, dass sie noch nie von der Existenz vergangener und zukünftiger Leben gehört haben. Sie sind zu Beginn kritisch und kommen nicht aus einem Milieu, in dem an die Lehren geglaubt wird. Es ist notwendig, geduldig mit ihnen zu sein. Man sollte nicht einfach denken, sie seien respektlos oder sie hätten falsche Ansichten, wenn sie etwas in Frage stellen.

Es ist sehr nützlich, etwas über fremde Religionen wie das Christentum oder das Judentum und über Psychologie zu lernen. Weniger wichtig ist es, etwas über westliche Philosophie zu lernen, da die meisten westlichen Menschen sie nicht studieren. Von der Psychologie dagegen weiß jeder etwas und sie ist sehr wichtig, um ihnen die buddhistischen Lehren über den Geist zu erklären.

Ferner prägen jüdisch-christliche Denkweisen sehr stark die Art von Fragen, die die westlichen Menschen stellen. Wenn die Geshes und Dolmetscher den kulturellen und religiösen Hintergrund der Ausländer verstehen können, werden sie ihre Fragen besser verstehen. Beispielsweise wird im Christentum und im Judentum betont, dass es nur einen Gott und nur eine Wahrheit gibt. Aus diesem Grund können die westlichen Menschen nicht akzeptieren, dass eine Lehre Buddhas verschiedene Verständnis- und Bedeutungsebenen haben kann. Sie insistieren immer und fragen „Aber was bedeutet es wirklich.“ Sie wollen die eine Wahrheit, wie in ihren eigenen Religionen. Und wenn der Geshe erklärt, dass sie in der einen Reihe von Lehrbüchern in einer Weise erklärt wird und dass ihre Bedeutung in einem anderen anders verstanden wird, ist dies für den Westler sehr schwierig. Wenn der Geshe allerdings erklären kann, dass ihr Insistieren auf der einen Wahrheit eine westliche Vorstellung ist, und das die buddhistische Denkweise anders ist, können die Zweifel und Schwierigkeiten geschickter überwunden werden. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele dieser Art.

Es ist auch sehr wichtig, über gewisse naturwissenschaftliche Kenntnisse zu verfügen, besonders was das Gehirn angeht, das Universum, die Tatsache, dass die Erde rund ist, und so weiter. Wenn die gelehrten Geshes ansonsten lehren, die Erde sei flach, werden die Leute entweder lachen und kein Vertrauen in die Lehren Buddhas haben oder nur sehr merkwürdige Menschen werden die Lehren schätzen – und nicht etwa, weil sie an sie glauben, sondern weil sie von dem angezogen werden, was von einem normalen westlichen Standpunkt abweicht, weil sie unglücklichen Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, die die Norm vertreten. Wie auf der vierten Nichtsektiererischen Konferenz der Tulkus und Äbte aller tibetischer Traditionen erwähnt wurde, die im Dezember 1988 in Sarnath stattfand, bilden die Vier Edlen Wahrheiten und die zwei Ebenen der Wahrheit die Essenz der Lehren Buddhas. Allerdings lehren die Schriften mit geschickten Mitteln eine physikalische Beschreibung des Universums, das den Anschauungen entsprach, die im alten Indien zu jener Zeit aktuell waren. Daher sollte die Essenz der Lehren Buddhas entsprechend der modernen Theorien der Naturwissenschaft und der Geographie dargestellt werden, wobei man sich vor Augen halten sollte, dass die derzeitigen Theorien sich in Zukunft ändern können. Auf jeden Fall braucht man neuen Zuhörern nicht gleich zu Beginn Unterweisungen über Höllen und über die Beschreibung des Berges Meru u.s.w. zu geben.

[Siehe auch: Tulkukonferenz über Nichtsektierertum.]

Wenn man über die physikalische Beschreibung des Universums Belehrungen gibt, ist es vielleicht eine geschickte Methode zu erwähnen, dass Buddha zwei Beschreibungen lehrte: die des Abhidharma und die des Kalachakra. Da es zwei gibt, bedeutet dies, dass es nicht eine einzige abschließende Darstellung gibt. Jede wurde aus einem spezifischen Grund gegeben. Die Darstellung des Abhidharma zielt auf die Entwicklung von Weisheit ab; die des Kalachakra darauf, eine Meditationspraxis zu haben, die eine Analogie zur Situation der äußeren Welt darstellt. Es gibt also keinen Widerspruch, wenn man auch eine dritte Darstellung akzeptiert, die der Naturwissenschaftler, die wiederum aus anderen Gründen gegeben wird. Die wissenschaftliche Beschreibung dient beispielsweise dem Zweck, eine Rakete auf den Mond zu schicken oder ein Schiff auf dem Ozean zu fahren. Buddha behauptete nie, dass man auf der Grundlage des Abhidharma- oder des Kalachakra-Models eine Rakete zum Mond schicken könne. Auf diese Weise besteht kein Widerspruch darin, wenn man die buddhistischen Modelle ebenso wie das naturwissenschaftliche Modell akzeptiert und die Lehren Buddhas werden nicht verletzt.

Man kann die selbe Technik anwenden, wenn man über den Berg Meru spricht. Die Form des Berges Meru wird im System des Abhidharma anders beschrieben als in dem des Kalachakra. Daher hat er nicht eine endgültig definierte Form. Er steht allerdings im Zentrum jedes Universums. Auch die moderne Naturwissenschaft nimmt an, dass das Universum ein Zentrum hat. Obwohl sie dieses Zentrum nicht Berg Meru nennen, kann es die Funktion eines solchen Berges ausführen. So kann es eine dritte Darstellung der Form und der Lage des Berges Merus geben, ohne dass hieraus Widersprüche entstehen.

Die Missverständnisse zwischen den buddhistischen und naturwissenschaftlichen Erklärungen ergeben sich oft aus den Übersetzungsbegriffen. Eine der häufigsten Fragen der westlichen Menschen ist beispielsweise ob Pflanzen, wie Bäume und Blumen, einen Geist haben und wiedergeboren werden. Das Missverständnis ergibt sich hier aus der Übersetzung des Wortes sems-can. Die Übersetzung fühlendes Wesen wird im allgemeinen Sprachgebrauch nicht benutzt und die meisten können sich darunter wenig vorstellen. Wenn man ihn aber um das Verständnis zu erleichtern als „lebendes Wesen“ übersetzt, wird dies zu einer Quelle von Missverständnissen.

In der Wissenschaft wird eine Kategorie von Phänomenen von den mit Leben ausgestatteten Phänomenen gebildet. Diese umschließt sowohl Tiere als auch Pflanzen, da beide Nahrung aufnehmen, atmen, Ausscheidungsprodukte von sich geben und sich fortpflanzen. Das Wort „Lebewesen“ bezieht sich also sowohl auf Tiere als auch auf Pflanzen. Allerdings haben Pflanzen keinen Geist. Wie ein Wissenschaftler Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama erklärte, besteht der Hauptunterschied zwischen Pflanzen und Tieren darin, dass die Pflanzen keine Nerven haben. Diese entsprechen nicht genau den Nerven, die Teil der Winde, Kanäle und Energietropfen sind, die im Buddhismus beschieben werden, sind aber diesen ähnlich. Da Pflanzen keine Nerven haben, fehlt ihnen die Grundlage für einen Geist und, spezifischer, die Grundlage für das Empfinden von Gefühlen des Glücks oder des Leidens. Wenn sie keine solchen Gefühle haben, können sie auch nicht die Wünsche haben, glücklich zu sein oder nicht zu leiden. Wenn sie keine solchen motivierenden Wünsche haben, können sie durch ihre Handlungen auch kein Karma schaffen. Sie können nicht vom Leiden befreit werden, wenn sie kein Leiden empfinden. Obwohl Pflanzen also zu den Lebewesen gehören, sind sie keine „fühlenden Wesen“ bzw. keine „Wesen mit begrenzter Wahrnehmung“. Und da der Buddhismus davon handelt, jene, die leiden, vom Leid zu befreien, präsentiert er Menschen und Tiere in einer anderen Kategorie der Phänomene als Pflanzen. Wenn die Kategorien allerdings verschieden definiert werden, gibt es keinen Widerspruch, wenn die Naturwissenschaftler eine Kategorie beschreiben, in der Tiere, Menschen und auch Pflanzen inbegriffen sind. Auch hier kann die Verwirrung wieder einfach überwunden werden, indem man die Begriffe und Kategorien klar definiert und abgrenzt, welche Phänomene in jeder Kategorie eingeschlossen sind. Wenn ein Geshe oder Lama dies so erklärt, werden die Ausländer dies verstehen und einsehen, dass es keinen Widerspruch zwischen der Naturwissenschaft und dem Buddhismus gibt. Dies wird ihren Glauben an den Buddhismus wachsen lassen.

Ratschläge für das Bitten um Spenden

Ein anderer Punkt betrifft, Ausländer um Spenden für den Unterhalt von Mönchen und für die Klöster zu bitten. Die westlichen Menschen schätzen es nicht direkt, von Person zu Person, um Geld gebeten zu werden oder gedrängt zu werden. Dies entspricht nicht der Sitte. Besonders wenn die Person, die um Geld bittet, ein Geshe, ein Lama oder ihr Lehrer ist, fühlen sie sich äußerst unwohl. Sie haben das Gefühl, zum Geben gezwungen zu werden und daraufhin werden sie möglicherweise schlecht über den Lehrer denken und nicht wiederkommen. Außerdem werden sie auf diese Weise im Allgemeinen weniger Geld geben, als wenn sie die Gelegenheit haben, entsprechend ihrer eigenen Gewohnheiten zu spenden. Dharmazentren haben gewöhnlich ein „Schwarzes Brett“ an einer Wand in der Nähe des Eingangs. Es ist viel angebrachter und effektiver, eine schriftliche Mitteilung oder einen Aufruf auf dieses Brett zu schreiben. Dann kann man beispielsweise am Ende einer Unterweisung einer großen Gruppe mitteilen, dass am Schwarzen Brett ein Spendenaufruf hängt. Wenn die Zuhörer interessiert sind und ihn lesen könnten, würde dies sehr geschätzt werden.

Ferner sind die meisten Ausländer eher daran interessiert, für Schulen und dafür, dass die Mönche bessere Nahrung erhalten und Medizin kaufen können oder um die Wasserversorgung und die Sanitäranlagen zu verbessern, Geld zu spenden. Mit der Ausnahme von Süd- und Südostasiaten sind sie nicht sehr interessiert daran, Geld zu spenden um Tempel oder religiöse Statuen zu bauen. Sie denken nicht in den Begriffen des Sammelns von Verdiensten oder positiver Potentiale durch ihr Geben. Sie helfen besonders gerne Kindern. Daher ist es besser, die westlichen Menschen um Spenden für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Mönche zu bitten. Und wenn die Spendengelder nicht für den zugewiesenen Zweck verwendet, werden die westlichen Menschen sehr unzufrieden und werden in Zukunft möglicherweise ihre Hilfe einstellen.

Gleichberechtigte Behandlung der Frauen

Die Position der Frauen ist im Westen sehr verschieden von der in Asien. In der Vergangenheit wurden sie als minderwertig behandelt und sie haben hiergegen sehr stark gekämpft. Sie reagieren äußerst negativ auf jede Andeutung in den Lehren, wonach eine weibliche Widergeburt minderwertig ist, oder wonach man stets darum beten sollte, als Mann wiedergeboren zu werden. Man kann einfühlsam erklären, dass man nach Ansicht der Guhyasamaja-Tantra-Literatur sowohl auf der Grundlage eines männlichen als auch eines weiblichen Körpers die Buddhaschaft erlangen kann. Da die Gesellschaft allerdings Frauen ungerechterweise mehr Schwierigkeiten bereitet, sagen die Lehren der Sutras, dass man als Mann weniger Hindernisse bei der Praxis des Dharmas haben wird.

Es ist also wichtig, dass es in den Dharmazentren gleiche Chancen für Männer und Frauen gibt, da in den meisten Ländern mehr Frauen als Männer in die Zentren kommen. Außerdem ist es wichtig zu erwähnen, dass es nicht nur Mönche, sondern auch Nonnen und Nonnenklöster gibt, wenn man beschreibt, welches die Studienbedingungen und möglichkeiten in Indien sind. Wenn die westlichen Menschen ansonsten denken, dass den Tibetern ihre weiblichen Praktizierenden weniger am Herzen liegen als ihre männlichen, werden sie keinen positiven Eindruck von der Praxis des Gleichmutes der tibetischen Mönche bekommen.

Feinfühligkeit gegenüber Minderheiten

Einige der Menschen, die in die Zentren kommen, sind Schwarze, die in Ländern leben, in denen sie schlecht behandelt wurden. Oder es können Behinderte, Blinde oder Taube sein. Oder es können männliche oder weibliche Homosexuelle sein, was in einigen Ländern nichts besonders Ungewöhnliches ist, die, wie Frauen und Schwarze, sehr in der Defensive sind, da sie von der Gesellschaft schlecht behandelt wurden. Es bedarf einer großen Feinfühligkeit und besonders geschickter Methoden, um diesen Menschen zu helfen.

Außerdem gehen in manchen Ländern, besonders in Nordeuropa und in den Vereinigten Staaten, einige Menschen nackt am Strand oder in warmen Quellen baden. Hierbei können entweder die Männer und Frauen zusammen sein oder aber die Männer mit den Männern und die Frauen mit den Frauen. Die Menschen waschen sich unbekleidet und viele macht es nicht verlegen, nackt mit anderen nackten Menschen zusammen zu sein. Dies wird nicht als barbarisch oder merkwürdig angesehen. Obwohl es für Tibeter nicht notwendig ist, diese Sitten anzunehmen, ist es nicht feinfühlig, sie zu kritisieren.

Die Unterweisung von Kindern

Unter Christen und Juden ist es gebräuchlich, Religionsunterricht für die eigenen Kinder zu haben. Dieser besteht oft in einer Stunde pro Woche am Sonntagmorgen. Die Ausländer werden es schätzen, wenn es ein ähnliches Programm mit den grundlegenden Lehren des Buddhismus für ihre Kinder gibt. Diese Programme könnten den Schwerpunkt setzen auf das Leben des Buddha, die Lebensgeschichten der großen Meister, Erklärungen der buddhistischen Feiertage, wie man ein gütiges Herz entwickelt, einfache Visualisierungsübungen und Mantra-Rezitationen. Ausländische Kinder haben nicht die Gewohnheit, Texte auswendig zu lernen und zu rezitieren. Ein einfacher tibetischer Sprachunterricht kann allerdings bei Interesse in Frage kommen.

Ferner ist es wichtig, die buddhistischen Feiertage im Dharmazentrum mit Pujas, Festen, großen Essen und so weiter zu feiern und die Kinder daran teilnehmen zu lassen. Da alle westlichen Religionen Feiertage feiern, werden die Kinder westlicher Buddhisten glücklicher darüber sein, dass ihre Familie buddhistisch ist, wenn sie ihre eigenen Feste haben, wie die christlichen Kinder ihre haben. Außerdem würden sich die westlichen Menschen unwohl fühlen, wenn man ihnen davon abraten würde, die traditionellen Feste ihrer westlichen Religionen zu feiern, wie etwa Weihnachten. Mit geschickten Erklärungen können alle religiösen und nationalen Feiertage ohne Widersprüche gefeiert werden.

Der Zugang der westlichen Menschen zum Dharma

Außerdem sind die Menschen im Ausland, besonders im Westen, sehr beschäftigt und haben nicht viel Zeit, um zu Belehrungen zu gehen oder um intensiv zu praktizieren. Sie wollen, dass die Dinge schnell gehen. Daher ist es wichtig, in einer Unterrichtsstunde viel auf einmal zu erklären, beispielsweise indem man einen ganzen Überblick vermittelt, damit die Zuhörer einen allgemeinen Eindruck von dem erhalten, worum es im Buddhismus oder in einem spezifischen Text geht. Wenn sie von der ersten Unterrichtsstunde einen guten Eindruck erhalten, werden sie möglicherweise dazu motiviert, wiederzukommen. Wenn allerdings von Anfang an alles langsam gemacht wird, werden sie dazu nicht die Zeit oder die Geduld haben und werden nicht wiederkehren.

Westliche Menschen haben außerdem oft eine gewisse Kenntnis buddhistischer Zen- und Theravada-Zentren, ebenso wie einiger hinduistischer Zentren. Um ihre Fragen beantworten zu können, ist es sehr hilfreich, etwas über deren Lehrtechniken zu wissen. Diese Kenntnis muss die Techniken betreffen, die gegenwärtig von diesen Traditionen gelehrt werden. Was man in tibetischen Lehrbüchern über die Theorien des Hinayana oder des Hinduismus findet, hat möglicherweise überhaupt nichts mit dem zu tun, was moderne Vertreter des Theravada oder des Hinduismus lehren und praktizieren. Und westliche Menschen schätzen es wenig, wenn man ihnen grob und direkt sagt, dass was sie bisher getan haben einer verkehrten Ansicht zu folgen entsprach.

Die Ausländer, speziell die westlichen Menschen, haben den größten Teil ihrer Energien und ihrer Aufmerksamkeit nach Außen gerichtet und nur sehr wenige nehmen sich die Zeit, nach Innen zu schauen. Die Belehrungen in den Dharmazentren finden meistens abends statt und die Teilnehmer kommen oft direkt nach einem geschäftigen Arbeitstag. Daher ist es zu Beginn der Belehrungen und Übungen sehr hilfreich für die Westler, sich eine kurze Weile auf ihren Atem zu konzentrieren, entweder, indem sie den Atem zählen, oder die Atemübung mit neun Runden oder etwas ähnlichem. Dies erlaubt ihnen, etwas zur Ruhe zu kommen und ihre Aufmerksamkeit nach Innen wenden, damit sie der Belehrung zuhören oder weiter meditieren können.

Die Auswahl der Lehrinhalte

Im Allgemeinen gibt es zahlreiche merkwürdige Menschen, die in die ausländischen Dharmazentren kommen. Es kommen viele, die von den seltsamen Büchern und Übersetzungen beeinflusst wurden, die ich bereits erwähnt habe, und die zahlreiche falsche Ideen und Vorauffassungen haben. Einige sind an der Erlangung magischer Kräfte interessiert, um sie gegen andere Menschen zu benutzen. Andere interessieren sich für exotische Sexualpraktiken. Wieder andere suchen einfach nach irgend etwas, das ihnen als seltsam merkwürdig mag. Nicht jeder ist in seiner Motivation und in seinen Interessen ehrlich und rein. Es ist wichtig, dass man lernt, Unterschiede zu machen und geschickt mit diesen Menschen umzugehen.

Die hilfreichste Art der Lehren für die Menschen im Westen sind die grundlegenden Lehren des Lam-rim und der Reinigung der Geisteshaltungen (Lojong, tib. blo-sbyong, Geistestraining). Die westlichen Menschen fühlen sich möglicherweise von den exotischeren, fortgeschrittenen tantrischen Praktiken angezogen. Wenn sie aber hierfür keine gute Grundlage haben oder eine unangebrachte Motivation wie jene, die gerade beschrieben wurden, kann dies für alle Beteiligten sehr schädlich sein. Welche Belehrungen man auch immer gibt, ist es wichtig, dass sie in Relation zum täglichen Leben der Menschen gesetzt werden. Die Betonung muss darauf liegen, dass man eine gütige Person wird und ein warmes Herz entwickelt.

Westliche Menschen als Nonnen und Mönche

Einige westliche Menschen werden sich dafür interessieren, Mönche und Nonnen zu werden. Erfahrungsgemäß haben aber viele zu schnell die Roben angenommen, ohne ihre Motivation und ihre Absicht sehr gründlich zu prüfen. Aus diesem Grund haben viele ihre Roben wieder abgelegt. Sie hatten keine realistische Vorstellung davon, was es bedeutet, ihr ganzes Leben als Mönch oder Nonne zu leben. Sie hatten kein klares Vorbild, nach dem sie sich verhalten konnten. Es war unangebracht, sich wie christliche Mönche und Nonnen zu verhalten, doch der Lebensstil eines tibetischen Mönches oder einer tibetischen Nonne war auch nicht der passende für sie.

Es ist daher wichtig, dass die Geshes und Lamas nie einen westlichen Menschen dazu drängen, die Roben anzunehmen. Der Wunsch muss zuerst von Seite des westlichen Menschen kommen. Dann sollte der Geshe oder der Lama ihn gründlich beobachten und auf die Probe stellen, wenn nötig auch über mehrere Jahre hinweg, um sicherzugehen, dass seine Absicht fest ist und dass er eine gute Grundlage hat. Erst nach dem Verstreichen einer angebrachten Zeitdauer können die westlichen Menschen dann zu einem großen Lama geschickt werden, um ihre Gelübde abzulegen. Niemand ist erfreut darüber, wenn die meisten westlichen Menschen wieder aus dem Mönchsorden austreten und dies ist kein gutes Beispiel für die Entwicklung der westlichen Shanga-Gemeinschaft. Ferner könnte es hilfreich sein, wenn in den indischen Klöstern eine spezielle Hausabteilung für die westlichen Menschen etabliert würde, ähnlich der, die sich für die Mongolen entwickelte.

Beschützer-Pujas

In einigen Zentren werden die Pujas für tantrische Gottheiten und Beschützer auf Englisch oder in anderen Fremdsprachen rezitiert, in großen Versammlungen, die der öffentlich sind. Sie enthalten Ausdrücke wie Blut-Trinker und so weiter, die zahlreiche merkwürdige Vorstellungen und einen schlechten Eindruck bei Neuankömmlingen und besuchenden Eltern verursachen können. Obwohl es nicht schadet, wenn man Zuflucht, Bodhicitta, die sieben Glieder und die Widmung in den Fremdsprachen rezitiert, ist es daher möglicherweise besser, wenn man die tantrischen Texte auf Tibetisch rezitiert. „Lama chopa“ beispielsweise könnte auf Tibetisch rezitiert werden und sein Lam-rim-Teil auf Englisch. Dies ist besonders empfehlenswert für öffentliche Zusammenkünfte. Dann werden diejenigen, die den Wunsch haben, mehr zu lernen und die tibetische Bedeutung zu kennen, zum Studium motiviert und die, die einfach nur so da sind, werden keine seltsamen Ideen entwickeln. Vollständige Übersetzungen tantrischer Ritualtexte sollten nur dem Privatgebrauch vorbehalten bleiben. In anderen Worten: wie es in der Mongolei und in der Republik Buriatien die Sitte ist, sollte man die tantrischen Rituale auf tibetisch rezitieren, wenn man sich in öffentlichen Versammlungen befindet.

Nichtsektierertum

Es besteht weiterhin das Problem des Sektierertums in zahlreichen ausländischen Zentren, was äußerst entzweiend und gefährlich für die Zukunft des Buddhismus und Tibets ist. Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama immer betont hat, ist das mächtigste Gegenmittel gegen engstirniges Sektierertum die Erziehung. Obwohl es wichtig ist, dass jedes Zentrum die Reinheit seiner eigenen Übertragungslinie bewahrt und nicht alle Traditionen in einen verwirrenden Brei zusammenmischt, ist es von höchster Bedeutung, dass die Lernenden auch etwas über die anderen Übertragungslinien und Traditionen des Buddhismus erfahren, sowohl über die tibetischen als auch über die nicht-tibetischen, wie den Zen und den Theravada. Auf diese Weise werden sie dazu in der Lage sein, selbst festzustellen, dass es in den Lehren Buddhas nichts widersprüchlich ist.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es sehr unterschiedlich ist, Nicht-Tibeter und Tibeter zu unterrichten. Wenn die Geshes und Dolmetscher, die ins Ausland gehen, sich allerdings bemühen, die dortigen Denkweisen und Sitten kennen zu lernen, können die größten Schwierigkeiten und Missverständnisse vermieden werden. Wenn die Tibeter auf diese Weise auf die Bedürfnisse der Nicht-Tibeter Acht geben, und diese wiederum auf die Bedürfnisse der Tibeter, besonders auf das Bedürfnis, dass die besten Lehrer in den Klöstern bleiben, kann das Verhältnis für beide Seiten äußerst vorteilhaft sein.

Obwohl ich den Akzent auf die Darstellung einiger Schwierigkeiten gelegt habe, die auftauchen können, wenn man im Ausland lehrt, und darauf, dass viele merkwürdige Menschen in die Dharmazentren kommen, gibt es dennoch zahlreiche Menschen, die äußerst ehrliche und enthusiastische Praktikanten sind. In der Vergangenheit kam der Buddhismus von Indien nach Tibet und trotz aller Schwierigkeiten konnten zahlreiche Tibeter die Erleuchtung erlangen. Ich bin davon überzeugt, dass sich in Zukunft, im Laufe des Prozesses, in dem der Buddhismus nun von den Tibetern an die verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt weitergereicht wird, dasselbe ereignen wird.

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken für diese Gelegenheit, mit Ihnen sprechen zu können und für all die Hilfe, die Sie den westlichen Menschen gegeben haben. Unter der Leitung Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas bete ich darum, dass dies zum Wohl Aller fortgeführt wird.