Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

Zur Textversion für diese Seite wechseln. Zur Haupt-Navigation springen.

Was ist Meditation

Alexander Berzin
Moskau, Russland, Juni 2012
Übertragung ins Deutsche: Benjamin Kaiser
Lektorat: Monika Dräger

Einführung

Wenn wir das Wort „Meditation” hören, dann weckt das bei vielen Menschen sehr unterschiedliche Vorstellungen. Bei einigen lässt es das Bild einer mystischen Übung entstehen, bei der man sich irgendwie auf eine andere geistige Ebene begibt. Bei anderen weckt es möglicherweise die Vorstellung einer bestimmten Art von Disziplin, die nur von gewissen Menschen in Asien ausgeübt wird. Wenn wir uns aber näher mit Meditation beschäftigen möchten, dann sollten wir uns drei Fragen stellen und diese natürlich auch beantworten: Was ist Meditation? Warum könnte ich meditieren wollen? Und wie genau mache ich es?

Was ist Meditation?

Die erste Frage ist: Was ist Meditation? Meditation ist eine Methode, um uns selbst zu trainieren um in einen heilsameren geistigen Zustand oder Haltung zu gelangen. Dies wird erreicht durch wiederholtes Erzeugen eines bestimmten geistigen Zustands, in der Regel um uns an ihn zu gewöhnen und ihn zu einer Angewohnheit zu machen. Natürlich gibt es viele verschiedene geistige Zustände und Haltungen, die heilsam sind. Der eine geistige Zustand kann einfach entspannter sein, weniger angespannt und weniger sorgenvoll; ein anderer kann konzentrierter sein oder es kann ein eher ruhigerer geistiger Zustand sein, ohne beständiges geistiges Geschwätz und Sorgen. Es kann jedoch auch ein geistiger Zustand mit mehr Verständnis für uns selbst, für das Leben und so weiter sein; und ein anderer einer mit Liebe und Mitgefühl für andere. Es gibt also sehr viele verschiedene heilsame Zustände des Geistes, die wir durch Meditation erreichen können.

Was ist der Zweck des Meditierens?

Die zweite Frage ist: Warum sollte ich diese geistigen Zustände erzeugen wollen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zwei Faktoren anschauen: Erstens, was ist mein Ziel? Und zweitens, von einer emotionalen Perspektive aus betrachtet, warum sollte ich dieses Ziel erreichen wollen?

Zum Beispiel; warum sollte ich einen ruhigeren und klareren Geist wollen? Ein offensichtlicher Grund wäre, dass unser Geist nicht ruhig ist und dies uns sehr mit Problemen belastet; es verursacht uns eine große Menge Unglücklichsein und hindert uns daran, das Beste in unserem Leben zu erreichen. Unser mit Problemen belasteter Geist kann auch unsere Gesundheit negativ beeinflussen; er kann in unserer Familie Schwierigkeiten bewirken oder Probleme verschärfen unsere anderen Beziehungen gefährden; er kann Schwierigkeiten für uns am Arbeitsplatz hervorrufen. Also, wäre in diesem Beispiel unser Ziel, eine Art Unzulänglichkeit, eine Art Problem, das wir haben, sowohl geistig als auch emotional zu überwinden. Und wir entscheiden uns dafür, die Verantwortung zu übernehmen, dieses Problem auf eine geordnete Art und Weise durch die Praxis des Meditierens zu lösen.

Welcher emotionale Zustand führt uns dazu, mit der Praxis des Meditierens anzufangen? Nun, es könnte sein, dass wir den sehr schwierigen geistigen Zustand, in dem wir uns befinden, vollkommen satt haben und wir seiner überdrüssig sind. Also sagen wir zu uns selbst, „Es reicht jetzt. Ich muss mich aus dieser Situation befreien. Ich muss deswegen etwas unternehmen.“ Und falls zum Beispiel unser Ziel ist, für unsere Angehörigen von etwas mehr Hilfe zu sein, dann wäre der emotionale Zustand in Ergänzung zu jenem Zustand des Überdrusses, ein Gefühl der Liebe und des Mitgefühls. Die Kombination all dieser Emotionen führt dazu, eine Vorgehensweise zu finden, die uns befähigt, eine größere Hilfe für jene anderen zu sein.

Es ist jedoch sehr wichtig, ein realistisches Verständnis von Meditation zu gewinnen. Es ist unrealistisch zu glauben, dass Meditation allein all unsere Probleme lösen könne. Meditation ist ein Werkzeug; es ist eine Methode. Wenn wir ein Ergebnis erreichen möchten und wir eine positive Emotion empfinden, die uns auf dieses Ziel hin treibt, dann sollten wir erkennen, dass ein Ergebnis nicht nur durch eine Ursache erreicht wird. Viele, viele Ursachen und Bedingungen müssen zusammen kommen, damit ein Ergebnis zustande kommt. Zum Beispiel, wenn ich hohen Blutdruck habe (Hypertonie), dann wäre Meditation natürlich hilfreich. Tägliches Meditieren kann mir helfen, mir weniger Sorgen zu machen. Aber Meditation alleine wird meinen Blutdruck nicht senken. Es kann helfen, aber es kann auch nötig sein, dass ich meine Essgewohnheiten ändere, mich mehr körperlich ertüchtige und möglicherweise muss ich mich auch einer medikamentösen Behandlung unterziehen. Viele Ursachen gemeinsam werden zu dem gewünschten Ergebnis, meinen Blutdruck zu senken, führen.

Die Verfahren, die in der Meditation genutzt werden, können natürlich auch dazu verwendet werden, einen negativen geistigen Zustand zu entwickeln. Zum Beispiel kann ich darüber meditieren, wie schrecklich mein Feind ist. Ich kann Meditation dazu benutzen, Hass zu entwickeln, der dann zur Ursache dafür wird, meinen Feind zu suchen und zu töten. Aber so wird Meditation gewöhnlich nicht verwednet. Meditation wird hauptsächlich dafür verwendet, einen positiven geistigen Zustand zu entwickeln, der zuträglich für uns und zuträglich für andere ist.

Wie meditieren wir?

Die dritte Frage lautet: Wie meditieren wir? Abhängig vom geistigen Zustand den wir entwickeln möchten, gibt es verschiedene Verfahren, die angewandt werden können. Aber ein Punkt, den alle Methoden gemeinsam haben, ist die Notwendigkeit zu praktizieren. „Praxis“ meint, eine bestimmte Art von Übung immer und immer und immer wieder zu wiederholen. Wenn wir unseren Körper trainieren möchten, dann müssen wir irgendeine körperliche Aktivität regelmäßig ausüben; genauso müssen wir unseren Geist trainieren.

Durch Meditation neue Geisteszustände entwickeln

Meditation beschäftigt sich mit dem Zustand unseres Geistes, weswegen es Sinn macht, eine geistige Verfahrensweise anzuwenden, um eine positive Wandlung herbeizuführen. Nun können wir physische Methoden benutzen, um zu versuchen, unseren geistigen Zustand zu beeinflussen; zum Beispiel in verschiedenen Yoga Positionen zu sitzen oder verschiedene Kampfkünste wie Tai-Chi zu praktizieren. Diese sind in sich selbst keine Meditation. Solche physischen Methoden können helfen, einen bestimmten geistigen Zustand zu schaffen, aber Meditation ist etwas, das Sie nur mit ihrem Geist machen. Nun können sie natürlich meditieren, während Sie einige Yoga Positionen ausführen oder während Sie Tai-Chi machen. Aber die physische Aktivität und die geistige Aktivität sind zwei verschiedene Dinge: die eine führen wir mit unseren Körpern aus, die andere mit unserem Geist.

Um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, kann es sein, dass wir viele verschiedene auslösende Faktoren anwenden müssen, sowohl physische als auch geistige. Es kann sein, dass wir mit dem Körper arbeiten müssen, in dem wir zum Beispiel unsere Ernährungsgewohnheiten umstellen, was wiederum unseren geistigen Zustand beeinflussen kann. Aber Meditation arbeitet mit dem Geist selbst. Wenn wir also ein bestimmtes Ziel erreichen möchten, dann müssen wir untersuchen, was wir in unserem Leben verändern sollten, sowohl physisch, als auch geistig, damit wir dieses Ziel erreichen. Wir müssen möglicherweise mit Meditationstraining anfangen, unsere Ernährungsgewohnheiten ändern, verstärkt körperlich bewegen oder all diese Dinge gemeinsam.

Wenn richtig durchgeführt, werden unsere Meditationssitzungen anfangen, unser tagtägliches Leben zwischen den Sitzungen zu beeinflussen. Wenn wir einen bestimmten geistigen Zustand während unserer Sitzung üben, entweder einen ruhigeren, eher konzentrierten oder einen eher liebevollen Zustand, dann ist es Ziel, diesen nicht nur beim ruhigen Sitzen in der Meditation zu erzeugen. Es geht darum, diesen positiven Zustand so gründlich aufzubauen, dass er zur Gewohnheit wird, eine Gewohnheit, die wir immer dann anwenden können, wenn wir sie brauchen, zu jedem Zeitpunkt des Tages. Zu guter Letzt wird es etwas, das einfach natürlich ist; es ist einfach die ganze Zeit da: wir sind liebevoller, verständnisvoller, konzentrierter und ruhiger.

Wenn wir uns nicht in einem solchen geistigen Zustand befinden, ist alles, was wir tun müssen, uns selbst zu erinnern: „Sei liebevoller.” Und weil wir mit diesem geistigen Zustand durch unser Üben so vertraut geworden sind, können wir sofort in diesen geistigen Zustand treten. Wenn wir uns zum Beispiel dabei ertappen, wie wir bei jemanden die Geduld verlieren, dann bemerken wir dies sofort und erinnern uns entweder bewusst oder unbewusst daran: „Ich möchte nicht so sein!“ Dann, wie mit einem Fingerschnipsen, irgendwie so, als würden wir nach einer Fehlermeldung unseren Computer neu starten, schließen wir diese „Sitzung“ bestehend aus schlechter Laune und erzeugen unsere Haltung wieder neu, voller Liebe für diese Person.

Diese geistigen Zustände aufzubauen, wie liebevolle Güte, ist nicht nur eine Frage der Disziplin. Um beispielsweise liebevoller zu sein, brauchen wir etwas Verständnis darüber, warum es wichtig ist, dass wir liebevoller sind. Wir können uns darauf besinnen, dass wir alle miteinander verbunden sind, indem wir denken: „Sie sind ein Mensch, genauso wie ich es bin; Sie haben Gefühle, genauso wie ich; Sie möchten anerkannt und nicht ignoriert oder unbeliebt sein – genauso, wie ich. Wir sind alle hier gemeinsam auf diesem Planeten und wir müssen miteinander klarkommen.“

Das folgende Beispiel kann hilfreich sein. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Fahrstuhl mit elf Menschen und plötzlich bleibt der Fahrstuhl stecken und Sie sind für einige Tage gefangen. Wie würden Sie sich gegenüber den anderen Menschen im Fahrstuhl verhalten? Da sind Sie – Sie stecken alle zusammen fest. Sie sind alle in der gleichen Situation; irgendwie müssen Sie versuchen, miteinander klar zu kommen. Falls Sie anfingen, miteinander zu kämpfen, dann wäre das eine Katastrophe, oder nicht? Stattdessen müssen Sie versuchen, mit jedem anderen zusammenzuarbeiten und mit jedem Geduld zu haben. Sie müssen zusammenarbeiten um zu versuchen, sich aus dieser Lage zu befreien. Es könnte also sinnvoll sein, sich diesen Planeten als einen großen Fahrstuhl vorzustellen!

Durch ausführliche Meditationen wie diese können wir einen geistigen Zustand entwickeln, der von Liebe und Toleranz anderen gegenüber geprägt ist. Es ist sehr schwierig, irgendein Gefühl allein dadurch hervorzurufen, dass wir in Meditation sitzen und uns einfach sagen: „Ich werde liebevoller sein.“ Wenn wir also fragen, wie man meditiert, dann ist eine Vorgehensweise, einen bestimmten geistigen Zustand im Geist aufzubauen – wie in diesem Beispiel um liebevoller und toleranter zu sein. Wir lernen ein geistiges Drehbuch zu benutzen, wie unser Fahrstuhl Drehbuch. Wir denken darüber nach, bis es für uns Sinn macht. Und dann, während wir ruhig in Meditation sitzen, während wir uns andere Menschen um uns herum vorstellen, entweder Menschen, die wir kennen, oder Fremde, versuchen wir, den geistigen Zustand der Liebe und des Mitgefühls hervorzurufen.

Den Geist beruhigen

Eine andere Vorgehensweise beim Meditieren ist, den Geist zu beruhigen, so dass wir in einen natürlicheren geistigen Zustand gelangen. Es gibt hier einen sehr wichtigen Punkt, der verstanden werden muss: Wenn wir versuchen den Geist zu beruhigen, dann zielen wir nicht darauf ab, einen leeren Geist zu erzeugen, wie ein Radio, das ausgeschaltet wurde. Das ist nicht das Ziel. Sie könnten genauso gut schlafen gehen, wenn das der Fall wäre. Ziel ist, alle störenden Geisteszustände zu beruhigen. Bestimmte Emotionen können sehr störend sein, so wie nervös, besorgt und verängstigt zu sein. Wir müssen solche aufwühlenden Emotionen zur Ruhe bringen.

Wenn wir unseren Geist beruhigen, dann ist das, was wir erreichen möchten ein geistiger Zustand, der sehr klar und wach ist, ein Zustand des Geistes, durch den es uns entweder möglich wird, etwas Liebe und Verständnis hervorzurufen, oder es möglich wird, die natürliche, menschliche Wärme auszudrücken, die uns allen zu eigen ist. Hierfür bedarf es sehr, sehr tiefer Entspannung – nicht nur Entspannung der Muskeln des Körpers, was natürlich nötig ist, sondern auch einer Entspannung der geistigen und emotionalen Angespanntheit, die uns alle daran hindert, irgendetwas zu fühlen – die uns im Besondern daran hindert, die natürliche Wärme und Klarheit unseres Geistes wahrzunehmen. Diese Übung dient nicht dazu, sich auszuschalten und sich in einen gedankenlosen Roboter zu verwandeln.

Einige glauben auch, Meditation bedeute, man solle aufhören zu denken. Das ist ein Missverständnis. Es geht nicht darum alles Denken zu beenden, sondern Meditation sollte alles unwesentliche, unnötige Denken, so wie ablenkende Gedanken über die Zukunft („Was werde ich zu Mittag essen?“) und negatives oder ungeschicktes Denken („Du warst gestern gemein zu mir. Du bist ein fürchterlicher Mensch.“) zu beenden versuchen. All dieses gehört in die Kategorie geistigen Abschweifens und der störende Gedanken.

Einen ruhigen Geist zu haben, ist jedoch nur ein Werkzeug; es ist nicht das letztendliche Ziel. Aber wenn wir einen ruhigeren, mehr entspannten, klareren und offeneren Geist haben, dann können wir ihn konstruktiv einsetzen. Wir können ihn natürlich dafür verwenden, uns im täglichen Leben zu helfen; aber wir können so einen Geist, während wir sitzen und meditieren, auch darauf verwenden, zu versuchen, unsere Lebenssituation besser zu verstehen. Mit einem Geist, der frei von störenden Emotionen und unwesentlichen Gedanken ist, können wir sehr viel klarer über wichtige Punkte nachdenken wie: Was habe ich bisher in meinem Leben gemacht? Oder: Was passiert gerade mit dieser wichtigen Beziehung? Ist sie gesund? Ist sie ungesund? Wir können analysieren. Das wird Introspektion genannt – mehr darauf zu schauen, was in einem geschieht. Damit wir diese verschiedenen Ergebnisse verstehen können und auf eine produktive Weise introspektiv sein können, brauchen wir Klarheit. Wir brauchen einen ruhigen, stillen Geist. Meditation ist ein Werkzeug, das uns zu diesem Zustand bringen kann.

Konzeptuelle und nichtkonzeptuelle geistige Zustände

Viele Texte über Meditation leiten uns dazu an, uns von konzeptuellen Gedanken zu befreien und uns in einem nichtkonzeptuellen Zustand niederzulassen. Zu allererst, diese Anleitung bezieht sich nicht auf alle Meditationsformen. Sie bezieht sich im Besonderen auf eine fortgeschrittene Meditation, die ihren Fokus auf die Realität richtet. Nichtdestotrotz gibt es eine Form der Konzeptualisierung, die bei allen Formen der Meditation überwunden werden sollte. Aber um die verschiedenen Formen der Konzeptualisierung, wie sie in Texten über Meditation diskutiert werden, zu verstehen, müssen wir verstehen, was wir mit „konzeptuell“ meinen.

Manche Menschen glauben, dass „konzeptuell zu sein“ sich auf die normalen, alltäglichen, verbalen Gedanken beziehe, die durch unseren Geist ziehen – die sogenannte „Stimme in unseren Köpfen“ – und das nichtkonzeptuell zu werden bedeute, einfach diese Stimme zur Ruhe zu bringen. Aber die Stimme in unserem Geist zur Ruhe zu bringen ist nur der Anfang. Wir haben dies bereits im Zusammenhang damit diskutiert, wie wir unseren Geist von unwesentlichen störenden Gedanken befreien, um einen klareren ruhigeren Geist zu entfalten. Andere glauben, damit man etwas wirklich verstehen könne, müssten wir es nichtkonzeptuell verstehen und dass sich konzeptuelles Denken und richtiges Verstehen gegenseitig ausschließe. Das ist ebenfalls nicht der Fall.

Um die Komplexität der Konzeptualisierung zu entwirren, müssen wir zuallererst unterscheiden zwischen „etwas verbal in Gedanken ausdrücken“ und „es verstehen“. Zum Beispiel können wir in Gedanken ein Gebet in einer fremden Sprache hersagen, entweder mit oder ohne Verständnis dafür, was seine Bedeutung ist. Genauso können wir etwas verstehen und sind in der Lage oder auch nicht, es in unserem Geist mit Worten zu erklären, zum Beispiel, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein.

Die Frage konzeptuelle versus nichtkonzeptuelle Wahrnehmung in der Meditation ist, wie auch immer, nicht eine Frage ob etwas verstanden wird oder nicht. In der Meditation wie im täglichen Leben müssen wir uns immer unsere Verständnisfähigkeit erhalten, ob konzeptuell oder nicht konzeptuell und ob geistig verbalisiert oder nicht. Manchmal ist die Verbalisierung hilfreich, manchmal ist sie nicht sinnvoll oder überhaupt nicht nötig. Nehmen wir als Beispiel das Sich-die-Schuhe-Binden: wir verstehen, wie wir unsere Schuhe binden. Müssen Sie jeden Augenblick verbalisieren, was mit diesem Band zu tun ist und mit jenem, wenn Sie binden? Nein. Tatsächlich ist es so, dass die meisten von uns große Schwierigkeiten hätten, in Worten zu beschreiben, wie sie ihre Schuhe binden. Dennoch haben wir Verständnis. Ohne Verständnis könnten Sie nichts im Leben tun, oder? Sie könnten noch nicht einmal eine Tür öffnen.

Von vielen Standpunkten aus betrachtet ist Verbalisierung tatsächlich hilfreich; wir müssen verbalisieren um in der Lage zu sein, mit anderen zu kommunizieren. Dennoch, Verbalisierung in unserem Denken ist nicht absolut notwendig; Verbalisierung an sich ist neutral. Wir haben einige brauchbare Meditationen, die Verbalisierung mit einschließen. Zum Beispiel Mantras im Geist zu wiederholen ist eine Art der Verbalisierung, die einen bestimmten Rhythmus oder Vibration im Geist hervorruft und aufrechterhält. Dieser gleichmäßige Rhythmus des Mantras ist sehr hilfreich; er hilft uns, auf einen bestimmten geistigen Zustand konzentriert zu bleiben. Zum Beispiel, wenn Mitgefühl und Liebe hervorgerufen werden, wenn Sie ein Mantra wie OM MANI PEME HUNG rezitieren, ist es einfacher, auf den liebenden Zustand konzentriert zu bleiben, obwohl wir natürlich auch auf einen Zustand voller Liebe konzentriert bleiben können, ohne im Geist irgendetwas zu sagen. Also ist Verbalisierung nicht das Problem. Andererseits ist es dringend notwendig, unseren Geist zu beruhigen wenn er einen nutzlosen Wortschwall vor sich hin plappert.

Also wenn es bei der Frage der Konzeptualisierung nicht um die Frage Verbalisierung oder Verständnis geht, um was geht es dann? Was ist der konzeptuelle Geist und was ist in der Meditationsanleitung damit gemeint, wenn uns gesagt wird, wir sollten uns von ihm befreien? Bezieht sich diese Anleitung auf alle Stadien und Stufen der Meditation, und auch auf unser tägliches Leben? Es ist wichtig, diese Punkte zu klären.

Konzeptueller Geist bedeutet, „Denken in Hinsicht auf Kategorien“, was in einfachen Worten bedeutet, über Dinge nachzudenken, in dem man sie in „Schubladen“ packt, wie „gut“ oder „böse“, „ schwarz“ oder „weiß“, „Hund“ oder „Katze“. Aber natürlich müssen wir, wenn wir einkaufen, in der Lage sein, zwischen einem Apfel und einer Orange zu unterscheiden oder zwischen einer unreifen Frucht und einer reifen. Bei solchen Alltagsfragen ist es kein Problem, in Kategorien zu denken. Aber es gibt andere Arten von Kategorien, die ein Problem darstellen. Eine davon ist das, was wir als „vorgefasste Meinung“ bezeichnen.

Ein Beispiel einer vorgefassten Meinung ist: „Ich erwarte, dass du immer gemein zu mir bist. Du bist ein fürchterlicher Mensch, weil du in der Vergangenheit dieses und jenes gemacht hast und jetzt sage ich voraus, dass – ganz gleich was geschieht – du immer ein fürchterlicher Mensch bleiben wirst.“ Wir haben ein Vorurteil, dass dieser Mensch fürchterlich ist und uns gegenüber fürchterlich bleiben wird – das ist eine vorgefasste Meinung. In unseren Gedanken stecken wir diesen Menschen in die Kategorie oder Schublade „fürchterlicher Mensch“. Und natürlich, wenn wir auf diese Weise denken, und wir projizieren auf jemanden den Gedanken: „Er ist gemein; er verhält sich mir gegenüber fürchterlich“, dann ist da ein großes Hindernis zwischen uns selbst und diesem Menschen. Unsere vorgefasste Meinung bestimmt, wie wir uns ihm gegenüber verhalten. Also sind vorgefasste Meinungen ein geistiger Zustand, in dem wir kategorisieren; wir stecken Dinge in Schubladen.

Es gibt sehr, sehr viele Stufen der Nichtkonzeptualisierung, aber eine Stufe ist, einfach offen gegenüber einer Situation zu sein, während sie entsteht. Nun, dies bedeutet nicht, alles konzeptuelle Verständnis fallen zu lassen. Zum Beispiel, es gibt da möglicherweise einen Hund, der viele Menschen gebissen hat, dann sind wir, wenn wir an diesen Hund in Ausdrücken der Kategorie „ ein Hund der beißt“ denken, gegenüber diesem Hund vorsichtig. Wir lassen in der Nähe des Hundes vernünftige Vorsicht walten, aber wir haben keine vorgefasste Meinung in dem Sinne: „Dieser Hund wird mich garantiert beißen, also werde ich noch nicht einmal versuchen, ihm nahe zu kommen.“ Es gibt hier ein feines Gleichgewicht zwischen der Akzeptanz der Situation, die entsteht, aber man gleichzeitig keine vorgefassten Meinungen hat, die uns daran hindern, die Situation vollständig zu erfahren.

Die Stufe der Nichkonzeptualisierung, die in allen Meditationsformen gebraucht wird, ist schließlich ein Geist, der frei von vorgefassten Meinungen ist. Eine der allgemeinsten Anleitungen ist, ohne Erwartungen und ohne Sorgen zu meditieren. Vorgefasste Meinungen über unsere Meditationssitzung können die Erwartung sein, dass unsere Meditationssitzung wunderbar verlaufen wird, oder die Sorge, dass unsere Beine wehtun werden oder der Gedanke: „Ich werde nicht erfolgreich sein.“ Diese Gedanken der Erwartungen und Sorgen sind vorgefasste Meinungen, ob wir sie nun geistig verbalisieren oder nicht. Solche Gedanken stecken unsere anstehende Meditationssitzung in die geistige Schublade oder Kategorie „eine fantastische Erfahrung“ oder „eine schmerzhafte Erfahrung“. Eine nichtkonzeptuelle Herangehensweise an Meditation wäre einfach, was auch immer geschehen wird, zu akzeptieren und damit entsprechend der Meditationsanweisung vorzugehen, ohne ein Urteil über die Situation abzugeben.

Situationen, die für die Meditation förderlich sind

Wir brauchen sicherlich eine Situation, die für die Meditation förderlich ist. Manche Menschen glauben, dass eine förderliche Situation etwas sein muss, was ich eine „Hollywood Kulisse“ nennen würde. Manche Menschen glauben, dass sie einen besonderen Raum mit Kerzen und einer bestimmten Art von Musik und Räucherwerk bräuchten; sie glauben, sie bräuchten eine komplette Hollywood Filmkulisse. Fall Sie diese Art von Umgebung möchten, ist das in Ordnung; aber es ist sicherlich nicht nötig. Es ist nötig, uns selbst Respekt zu zeigen und dem, was wir in der Meditation machen, so dass üblicherweise empfohlen wird, dass die räumliche Umgebung ordentlich und sauber sein solle. Üblicherweise ist es Brauch, den Raum zu reinigen, in dem man meditieren möchte. Räumen Sie den Raum auf; lassen sie keine Kleider verstreut auf dem Boden liegen, und so weiter. Wenn die Umgebung um uns herum ordentlich ist, hilft dies, dass der Geist geordnet wird. Wenn die Umgebung chaotisch ist, dann beeinflusst dies den Geist negativ.

Besonders am Anfang ist es auch sehr hilfreich, wenn die Umgebung ruhig ist. In der buddhistischen Tradition meditieren wir ganz selbstverständlich ohne Musik. Musik ist eine äußere Quelle, die wir abspielen, mit dem Versuch uns ruhiger zu machen. Aber anstatt uns auf eine äußere Quelle der Ruhe zu verlassen, wollen wir dazu in der Lage sein, Frieden innerlich hervorzurufen. Außerdem kann Musik ziemlich hypnotisch wirken und wir möchten in keinen Dämmerzustand geraten. Wir müssen uns nicht ruhig stellen, so als wären wir im Wartezimmer des Zahnarztes, wo sanfte Musik spielt, um uns zu beruhigen. Dies ist keine gute Atmosphäre um zu meditieren.

Wenn wir die verschiedenen asiatischen Traditionen betrachten, gibt es bezüglich der Körperhaltung beim Meditieren viele verschiedene Möglichkeiten, wie man sich zum Meditieren hinsetzen kann. Die Tibeter und Inder sitzen mit überkreuzten Beinen; die Japaner knien mit ihren Beinen unter sich gebeugt und ihre Füße zeigen nach hinten; die Menschen in Thailand sitzen mit beiden Beinen zu einer Seite gebeugt. Das Wichtigste ist, in einer bequemen Position zu sitzen. Wenn Sie gezwungen sind, auf einem Stuhl zu sitzen, ist das in Ordnung. Bei den sehr fortgeschrittenen Meditationsübungen, bei denen wir mit dem Energiesystem des Körpers arbeiten, ist die Stellung wichtig. Aber im Allgemeinen sollten wir in jeder Situation meditieren können. Es kann sein, dass Sie gewohnt sind, mit überkreuzten Beinen auf einem Kissen zu sitzen, aber wenn sie in einem Flugzeug oder einem Zug sind und nicht mit überkreuzten Beinen sitzen können, dann meditieren Sie einfach während sie ganz normal auf Ihrem Sitz sitzen.

Besonders für weniger erfahrene Meditierende ist es wichtig, dass die Umgebung ruhig ist. Für viele von uns ist es nicht so einfach, einen Ort zu finden, der ruhig ist, besonders in der Stadt. Daher meditieren viele Menschen früh am Morgen oder spät in der Nacht, wenn weniger Lärm ist. Mit der Zeit, wenn wir erfahren genug sind, dann stört uns Lärm nicht mehr; aber am Anfang ist es sehr leicht, durch äußere Geräusche abgelenkt zu werden.

Im Allgemeinen ist es wichtig, festzulegen, welche Zeit des Tages für uns persönlich die beste Zeit zum Meditieren ist. Zum Beispiel bemerken viele Menschen, dass Ihre Energie nach dem Essen abnimmt; sie werden müde, so dass dies nicht die beste Zeit zum Meditieren ist. Manche Menschen sind sehr frisch und wach, wenn sie morgens aufwachen, aber andere wieder sind für die meiste Zeit des Morgens groggy. Einige Menschen sind eher spät in der Nacht wach, aber andere kämpfen damit, wach zu bleiben, wenn sie versuchen vor dem Schlafengehen zu meditieren, was nicht produktiv ist. Daher ist es wichtig, für sich selbst zu beurteilen, welche Zeit des Tages am besten passt.

Wir müssen auch herausfinden, welche Haltung des Körpers für uns persönlich die beste ist. Wenn wir zum Beispiel mit überkreuzten Beinen sitzen, dann wird immer empfohlen, ein Kissen unter dem Po zu haben. Aber es gibt viele Menschen, die kein Kissen benutzen. Aber wenn Sie ein Kissen benutzen, dann müssen Sie selbst ausprobieren, welche Art von Kissen Sie benutzen: dick oder dünn, hart oder weich. Sie müssen eine Art von Kissen und eine der Art Körperhaltung finden, die die Beine am Einschlafen hindert und verhindert, dass Ihre ganze Sitzung aus Schmerz und Unwohlbefinden besteht. Die Meditationssitzung sollte nicht zur Foltersitzung werden, in welcher wir sitzen und uns fürchterlich fühlen, weil unsere Knie schmerzen und wir kaum das Ende erwarten können. Also ist die Art des verwendeten Kissens recht wichtig; sie kann einen großen Unterschied machen. Und wenn wir älter werden und wir nicht länger mit überkreuzten Beinen sitzen können, dann ist es gar kein Problem, auf einem Stuhl zu sitzen, natürlich sollten unsere Rücken dabei gerade sein.

Auch wird die Zeitspanne, die wir meditieren, mit unserem Vorwärtsschreiten variieren. Für den Anfang wird immer empfohlen, dass wir nur für kurze Zeit meditieren – drei bis fünf Minuten – weil es sehr schwer für uns sein wird, uns zu konzentrieren und uns länger zu sammeln. Es ist besser in einem kurzen Zeitraum konzentrierter zu sein, als ein langer Zeitraum, in dem wir geistig wandern, tagträumen oder einschlafen.

Wenn wir eine bestimmte Art der Zen Meditation ausüben, dann ist es sehr wichtig, dass wir eine Körperhaltung beibehalten und uns nicht bewegen. Aber bei anderen Formen der Meditation, wenn Sie ihre Beine bewegen möchten: bewegen Sie Ihre Beine – das ist keine große Sache. Bei all diesen Formen spiritueller Praktiken ist es sehr wichtig, entspannt zu sein; seien Sie nicht zu streng mit sich. Natürlich bringen wir dem, was wir tun, Achtung entgegen, aber machen Sie daraus kein Drama in der Form: „Ich bin ein heiliges Wesen indem ich hier sitze und ich muss vollkommen sein.“

Zur Erinnerung: eines der wichtigsten Prinzipien ist, dass alles auf und ab geht. An manchen Tagen läuft es mit unserer Meditation gut; an manchen Tagen läuft es nicht gut. An manchen Tagen möchten wir meditieren; an manchen Tagen nicht. Es wird niemals der Fall eintreten, dass Tag für Tag unser Meditieren besser und besser und besser wird. Fortschritt ist auf diesem Weg nicht linear; es wird immer auf und ab gehen. Vielleicht werden Sie nach ein paar Jahren die grundsätzliche Richtung erkennen können, dass sich Ihre Meditation weiter entwickelt, aber es wird immer so sein, dass es an einigen Tagen besser läuft als an anderen. Wie einer meiner Lehrer sagen würde: „Das ist nichts Besonderes“. Es läuft gut – das ist nichts Besonderes. Es läuft nicht gut – das ist nichts Besonderes. Sie machen einfach weiter. Was äußerst wichtig ist, ist Beharrlichkeit. Meditieren Sie jeden Tag. Genau wie beim Klavierspielen, sie müssen es jeden Tag tun. Und wenn es nur ein paar Minuten jedes Mal sind, schön. Machen Sie eine Pause und meditieren Sie dann erneut für ein paar Minuten. Es ist besser, so zu praktizieren, als für eine Stunde in einer Foltersitzung zu sitzen.

Meditation mit Konzentration auf den Atem

Viele Menschen möchten wissen: Wie fange ich an zu meditieren? Für die meisten Menschen in vielen Traditionen, ist die Methode, mit der sie anfangen, eine Meditation, die sich auf den Atem konzentriert. Wenn Sie auf den Atem konzentriert meditieren, dann atmen Sie einfach ganz normal: nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht zu tief und nicht zu leicht. Atmen Sie ganz normal durch die Nase. Sie sollten selbstverständlich nicht hyperventilieren; wenn Sie zu tief einatmen, werden Sie sehr, sehr benommen und das ist überhaupt nicht hilfreich.

Sie können sich auf den Atem an zwei Stellen konzentrieren: entweder die Wahrnehmung des Atems beim Ein- und Austreten aus der Nase, oder die Wahrnehmung des Hebens und Senkens der Bauchdecke. Wenn ihr Geist sehr viel wandert und Sie sich oben in Wolkenkuckucksheim befinden – was wir als „ ausgeflippt “ im Englischen bezeichnen – dann ist es, um auf den Boden zu kommen, sehr hilfreich, sich auf den Bauchgegend um den Nabel herum zu konzentrieren, wie sie sich hebt und senkt. Falls Sie andererseits sehr schläfrig und matt werden, dann kann die Konzentration auf das Ein- und Austreten des Atems aus der Nase helfen, die Energie zu steigern. Also noch einmal, Sie entscheiden selbst, was zu einem bestimmten Zeitpunkt gut für Sie ist. Die ganze Sache dreht sich darum, mit Gewahrsein auf den Atem konzentriert zu sein. Sie schalten Ihren Geist nicht ab; Sie sind sich der Empfindung des Atems gewahr, ohne dies in ihrem Geist zu kommentieren.

Die wirkliche Arbeit liegt darin, so schnell wie möglich zu erkennen, wann Ihre Aufmerksamkeit abdriftet und sie dann zurück zu bringen. Oder dass Sie sich aufwecken, wenn Sie matt und schläfrig werden. Das ist die Arbeit, um die es hier geht. Und wir sollten uns nichts vormachen: diese Arbeit ist nicht einfach, da wir dazu tendieren, unseren Gedanken und unserem geistigen Abschweifen sehr anzuhaften und zu vergessen, dass wir unsere Aufmerksamkeit zurückbringen müssen. Besonders, wenn störende Emotionen mit einem Gedanken verbunden sind, z.B. wenn wir an jemanden denken, an dem wir sehr hängen, den wir vermissen, oder wenn wir an jemanden denken, auf den wir wirklich wütend sind, dann ist es sogar noch schwieriger, die Aufmerksamkeit zurückzubringen. Aber der Atem ist immer da; er ist etwas Beständiges, auf das wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder zurücklenken können.

Die Konzentration auf den Atem hat viele andere Vorteile. Der Atem ist sehr eng mit dem Körper verbunden. Und wenn wir zu der Sorte Mensch gehören, der mit den Gedanken zu sehr woanders ist oder jemand, der ein „Traumtänzer“ ist, dann hilft das Konzentrieren auf den Atem, uns zu erden, uns mehr zurück in unseren Körper zu bringen, in die Wirklichkeit, ganz gleich ob wir uns an den Nasenlöchern oder auf der Bauchdecke auf den Atem konzentrieren. Ebenfalls sehr hilfreich ist die Konzentration auf den Atem, wenn wir Schmerzen empfinden. Tatsächlich wurden Atemmeditationen in einigen Krankenhäusern, besonders in den Vereinigten Staaten zum Umgang mit Schmerzen eingeführt. Wenn wir darüber nachdenken: wenn ein Baby schreit und die Mutter hält den Säugling an Ihre Brust und das Baby fühlt den Atem der Mutter ein- und austreten, dann ist das sehr beruhigend. Wenn wir uns auf unseren Atem konzentrieren, dann ist das vergleichbar, dann kann uns das helfen, uns zu beruhigen, insbesondere wenn wir starke Schmerzen haben. Und Atem kann nicht nur von physischem Schmerz befreien; er kann auch von emotionalem Schmerz befreien oder diesen lindern.

Als nächstes sollten sie wissen, was Sie mit Ihren Augen machen. In einigen Traditionen wird mit geschlossenen Augen meditiert. Der Vorteil ist, dass weniger Ablenkungen auftreten können. Der Nachteil ist, dass es viel leichter geschehen kann, dass man einschläft. Ein anderer Nachteil, mit geschlossenen Augen zu meditieren ist, dass es zur Angewohnheit wird und Sie Ihre Augen schließen müssen, entweder um sich zu beruhigen oder zu meditieren, was im täglichen Leben oft sehr schwer umzusetzen ist. Die Tibeter meditieren mit offenen Augen, nicht weit offen und um sich schauend, einfach mit einem sanften, nicht fokussierten Blick, auf den Boden gesenkt. Erneut müssen wir selbst beurteilen, was das Beste für Sie ist.

Liebe für Andere entwickeln

Sobald wir mit Atemmeditation unseren Geist beruhigt haben, können wir diesen ruhigen und wachen geistigen Zustand nutzen. Wir können ihn verwenden, um unseren emotionalen Zustand bewusster wahrzunehmen, aber wir können ihn zum Beispiel auch dazu verwenden, in einer Meditation Liebe für andere zu entwickeln. Um Liebe zu entwickeln, müssen Sie sich selbst auf einen Zustand der Liebe „ hinarbeiten“. Am Anfang reicht es nicht, einfach nur zu denken: „Nun liebe ich jeden“ und dies dann augenblicklich zu fühlen. Hinter solch einem Gedanken liegt keine Kraft. Daher nutzen Sie einen gedanklichen Prozess, um auf ein Gefühl der Liebe hinzuarbeiten, in etwa so: „Alle lebenden Wesen sind miteinander verbunden; wir sind alle gemeinsam hier. Jeder ist gleich: wir möchten alle glücklich sein, niemand möchte unglücklich sein; jeder möchte angenommen werden, niemand möchte abgewiesen oder ignoriert werden. Alle Wesen sind so wie ich.“

Und da wir alle zusammen hier sind und miteinander verbunden sind, ist Liebe das Gefühl von: „ Mögen alle glücklich sein und mögen sie die Ursachen für Glück haben. Wie wunderbar wäre es, wenn jeder glücklich wäre, wenn niemand irgendwelche Probleme hätte.“ Und indem wir uns zu diesem geistigen Zustand hin entwickeln, und zu diesem Herz der Liebe, stellen wir uns ein warmes gelbes, sonnengleiches Licht vor, das von uns ausstrahlt, mit Liebe, hinaus zu allen anderen. Wenn unsere Aufmerksamkeit wandert, bringen wir sie zurück zu diesem Gefühl: „Mögen alle glücklich sein.“

Heilsame Gewohnheiten für den Alltag entwickeln

Wenn wir uns an diese Meditationsarten gewöhnen, entwickeln wir Werkzeuge, die wir im täglichen Leben verwenden können. Sich einfach nur auf den Atem zu konzentrieren, wird nicht unsere einzige Aktivität in unserem täglichen Leben sein. Das ist nicht das eigentliche Ziel, oder? Wie auch immer, die Fähigkeit, die wir entwickelt haben, das Vermögen, immer wieder unsere Aufmerksamkeit zurück auf einen Punkt zu lenken – das können wir bestimmt in unserem Alltag verwenden. Wenn wir uns beispielsweise mit jemandem unterhalten und unser Geist anfängt zu wandern und wir denken: „ Wann hält sie endlich ihren Mund?“ und wir alle möglichen Urteile und Kommentare in unserem Geist abgeben über das, was sie sagt: sobald wir bemerken, was gerade geschieht, müssen wir all das zur Ruhe bringen und einfach nur unsere Aufmerksamkeit zurück auf den Menschen lenken und was sie sagt. Wir verwenden die Fähigkeiten die wir in der Meditation üben, um das Verständnis hervorzurufen: „ Dies ist ein menschliches Wesen. Sie möchte geliebt werden. Sie möchte, dass man ihr zuhört, wenn sie zu mir spricht. Sie möchte ernst genommen werden, so wie ich auch.“

Also ist das Ziel, dazu in der Lage zu sein, die Fähigkeiten, die wir beim Meditieren entwickelt haben, bei den Erlebnissen des täglichen Lebens anzuwenden. Unser Ziel ist nicht die Olympische Goldmedaille für die Fähigkeit, perfekt zu sitzen und zu meditieren; das ist nicht das Ziel! Stattdessen möchten wir meditieren, damit uns die Meditationspraxis in unseren Leben hilft, sowohl persönlich als auch in der Interaktion mit anderen. Und um dies zu tun, müssen wir uns mehr heilsame Gewohnheiten antrainieren. Das ist, um was es bei Mediation geht.