Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Glück: Eine eingehende Untersuchung der Rolle, die Glück in Sutra und Tantra spielt

Alexander Berzin
Mexiko-Stadt, Mexiko, Oktober 1999
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger

Teil zwei: Die verschiedenen Ebenen von Glück erkennen

Rückblick

Ich möchte mit der Erörterung des Themas von gestern Abend fortfahren. Bevor wir damit beginnen, möchte ich jedoch mit einen Ratschlag beginnen, den mir einst eine sehr weise Frau gegeben hat, und der, wie ich denke, hier relevant ist: Wenn Sie eine Gruppe von Menschen haben, die Sie zu einer destruktiven Handlung anleiten möchten, das heißt diese beispielsweise in einer Schlacht führen möchten, dann müssen Sie die Anweisung auf dem Niveau der niedrigsten Person in der Gruppe geben, sodass alle Menschen in der Gruppe diese Anweisung verstehen können und sich dann in die Schlacht begeben. Wenn Sie jedoch eine Gruppe dazu anleiten wollen, etwas Konstruktives zu tun, dann müssen Sie diese Gruppe auf dem Niveau der verständigsten Menschen innerhalb dieser Gruppe anleiten. Diese Menschen werden dann Ihre Anweisung verstehen und nach und nach die Menschen mit einem geringeren Verständnisvermögen so anleiten, dass alle Mitglieder der Gruppe in einer ausgeglichen und stetigen Art zu einem höheren Verständnis gelangen. Wenn wir also über das Thema hier auf einem sehr anspruchsvollen Niveau sprechen, ist es wichtig, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Vielmehr ist es wichtig zu verstehen, dass die Lehrer, die Sie hier haben, in der Lage sein werden, die Unterweisungen zu begreifen und dem Thema zu folgen. Die Lehrer werden das Thema Ihnen dann nach und nach mit der Zeit erläutern, da ich mich hier nicht für längere Zeit aufhalten werde. Das ist die effektivste Methode, um jedem auf dem konstruktiven Weg zur Befreiung und Erleuchtung zu helfen.

Ich möchte nicht noch einmal alle Punkte durchgehen, die wir gestern gesprochen haben, weil das den ganzen Morgen in Anspruch nehmen würde. Aber kurz gesagt haben wir gestern gesehen, dass die innewohnende Freude einer unserer sich entwickelnden Buddhanatur-Faktoren ist. Die Freude ist Teil des Netzwerkes guter Qualitäten, die jeder von uns in der einen oder anderen Form besitzt, selbst wenn sie sich auf einem sehr niedrigen Niveau befinden sollte und welche sich in die erleuchtenden Faktoren eines Buddhas verwandeln können. Wir haben auch gesehen, dass wir, wenn wir diese uns innewohnende Freude verstärken, diese Freude als eine Methode benutzen können, um unsere Netzwerke positiver Kraft und tiefen Gewahrseins auszubauen. Wenn unsere Netzwerke guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins genügend gestärkt sind und die Befleckungen beseitigt werden, die verhindern, dass sie auf ihrem höchsten Niveau arbeiten können, verwandelt sich unser gesamtes System aus Netzwerken in die erleuchtenden Netzwerke eines Buddha, das heißt zu den Buddhakörpern, und dann funktionieren diese Netzwerke auch als erleuchtenden Netzwerke eines Buddha. Das daraus folgende höchste Niveau an Glücksgefühlen, die wir erleben, wird dann Teil unseres Systems von Buddhakörpern sein. Es wird dann, gemäß des Kalachakra-Systems, unser Körper der essentiellen Natur sein.

Unsere innewohnende Freude und unser innewohnendes Glücksgefühl ist nicht nur Teile dieses grundlegenden „Paketes“ von Buddhanatur-Faktoren, an denen wir arbeiten müssen, und sie werden nicht nur Teile des letztendlichen resultierenden „Paketes“ sein, das wir als ein Buddha erlangen werden, sondern Freude und Glücksgefühle sind auch einige der Dinge, die wir als Methode dafür verwenden, die letzte Stufe zu erreichen. Das lässt sich wie folgt erklären: Wenn wir den Faktor Glücksgefühl verstärken und ihn mit einem Verständnis der Leerheit kombinieren, so dass nicht störend wirkt und wer über das Glücksgefühl, das wir erleben, nicht verwirrt sind, dann kann uns das Glücklichsein dabei helfen, Zugang zu unseren Geist des klaren Lichts zu bekommen. Beim Geist des klaren Lichts handelt es sich um die subtilste und effektivste Ebene des Geistes, mit deren Hilfe wir Leerheit verstehen können, so dass wir uns am effektivsten und schnellsten von unserem Leiden und den Ursachen des Leidens trennen können und das Leiden und seine Ursachen am effektivsten und schnellsten endgültig ausmerzen können.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass Glücklichsein, Vergnügen oder Freude in ihrer gewöhnlichen Erscheinungsform uns nicht Befreiung oder Erleuchtung bringen werden. Das kommt daher, weil diese Emotionen uns zu sehr verwirren, uns (bzw. unseren Geist) zu sehr stören. Der Fachbegriff hierfür ist, dass Glück, Vergnügen oder Freude mit Verwirrung „befleckt“ sind. „Befleckt“ heißt, dass sie aus Verwirrung entstehen, sie mit Verwirrung vermischt sind, während wir sie erleben, und dass sie noch weitere Verwirrung hervorbringen. Glück muss mit einem Verständnis von Leerheit kombiniert werden. In der Gelug-Tradition wird „untrennbare Leerheit und Glückseligkeit“ sehr betont; die Betonung liegt also nicht nur auf einem dieser zustände, sondern auf beiden Zustände als untrennbar miteinander verbunden. Das Glück, das Teil der untrennbaren Leerheit und Glückseligkeit ist, wird als „unbeflecktes“ Glück bezeichnet.

[Siehe: Befleckte und unbefleckte Phänomene.]

Glücklichsein als ein innewohnendes Merkmal unseres Erlebens der Dinge

Obwohl Freude ein Aspekt unserer sich entwickelnde Buddhanatur ist und als solcher ein innewohnendes Merkmal unseres Geistes, geht es nicht darum, dass Glück gleichbedeutend mit einem kleinen Teile unseres Gehirns ist, das chemische Impulse absondert und elektrische Impulse aussendet. Jeder von uns hat einen Teil des Gehirns und verschiedene chemische Stoffe, die in diesen Gehirnbereich abgesondert werden, die als physische Grundlage für das Glücksgefühl dienen. Doch in unserer Erörterung des Glücks als ein uns innewohnendes Merkmal unseres Geistes geht es nicht um diese physische Grundlage des Glücksgefühls.

Es geht auch nicht um den Geist als eine Art immaterielles „Ding“ innerhalb unseres Gehirns; vielmehr geht es um unseren Geist als das individuelle, subjektive Erleben von Ereignissen und Objekten. Wenn wir von Geist sprechen, meinen wir geistige Aktivität. Und dieses individuelle, subjektive Erleben von Ereignissen und Objekten beinhaltet nicht nur die rationale Seite des Erlebens der Dinge, sondern umfasst auch die auf Wahrnehmung beruhende emotionale, intuitive und gefühlsmäßige Seite unserer Erfahrung. „Geist“ im buddhistischen Kontext und umfasst alle diese Dinge.

Die Tatsache also, dass Freude und Glück innewohnende Merkmale unseres Geistes sind, bedeutet, dass Glück ein innewohnendes Merkmal unseres individuellen, subjektiven Erlebens der Dinge ist. Normalerweise wird diese Form von Glück jedoch von flüchtigen Befleckungen, überschattet, sodass wir es nicht immer erleben. Wenn wir beispielsweise in Bezug auf verhaltensbedingte Ursache und Wirkung verwirrt sind, handeln wir destruktiv, weil wir denken, dass unser Verhalten keine Folgen hätte oder dass wir durch unser Verhalten Glück erlangen würden. Aber unser destruktives Verhalten wird Resultate hervorbringen und diese Resultate werden sich als ein zukünftiges Erleben von Unglücklichsein manifestieren. Irgendwann in der Zukunft, sei es in dieser Lebensspanne oder in einem anderen Leben, werden wir dann, wenn wir etwas sehen, hören, riechen, schmecken, körperlich empfinden oder etwas denken, werden wir dies zusammen mit einem Gefühl der Unglücklichsein erleben – also das Leiden des Leidens. Das Unglücklichsein, das wir in diesem Augenblick erleben werden, wird das uns innewohnende Glücksgefühl, beziehungsweise die uns innewohnende Freude des Geistes überschatten. Selbst wenn wir uns der verhaltensbedingten Ursache und Wirkung gewahr sind, und als Resultat unseres konstruktiven Handelns, unser Sehen, Denken, Erleben der Dinge und so weiter, irgendwann in der Zukunft von einem Gefühl des Glücklichseins begleitet wird; wird das Glück, das wir dann erleben werden, lediglich gewöhnliches „beflecktes“ Glück sein – das Leiden des Wandels. Auch dieses gewöhnliche, befleckte Glück wird das uns innewohnende Glücksgefühl oder die uns innewohnende Freude des Geistes überschatten.

Aber etwas möchte ich hier sehr stark betonen: Diese innewohnende Freude des Geistes, über die wir hier reden, ist kein auffindbares „Ding“, das irgendwo in unserem Geist sitzt, und das seine eigene Existenz durch seine eigene Kraft, unabhängig von allen anderen Dingen, hervorbringt. Um es einfacher auszudrücken, ist die innewohnende Freude keinen festes „Ding“. Wir müssen uns stets an die Leerheit der innewohnenden Freude erinnern – das heißt, wir müssen uns an die Abwesenheit davon erinnern, dass die Freude auf eine unmögliche Art und Weise existiert. Es ist nicht so, dass es irgendwo in unserem Geistes ein beständiges Glück gäbe, das lediglich von Unglücklichsein oder durch beflecktes Glück überschattet würde, und unterhalb dieses Leidens aufgefunden werden könnte. Es verhält sich auch nicht so, dass dieses Glück als ein beständiges „Ding“ verschiedene Abstufungen besitzt und wir den geringsten Grad an Glück als „Unglücklichsein“ bezeichnen. Es ist auch nicht so, dass das Glück als eine beständige „Sache“ sich in Leiden verwandelt, sowie Gold in einen Armreifen verwandelt wird. Shantideva weist im neunten Kapitel seines Werkes „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ all diese falschen Ansichten in Bezug auf das Glück zurück. Selbst innewohnendes Glück ist etwas, das abhängig entsteht. Aber das ist ein komplexes Thema für einen anderen Vortrag.

[Siehe: Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattvas, Kapitel 9.]

Was ist das innewohnende Merkmal des Geistes, Glück oder Leiden?

Seit anfangslosen Zeiten sind sowohl Glücklichsein als auch Unglücklichsein Teil unseres individuellen, subjektiven Erlebens der Dinge. Unser Erleben der Dinge hat keinen Anfang und gleichermaßen haben auch unser Glück und unser Unglücklichsein keinen Anfang. Deshalb müssen wir uns ernsthaft fragen, ob sowohl Glück als auch unser Unglücklichsein die uns innewohnende Natur des Erlebens ist, was bedeuten würde, dass wir für immer manchmal glücklich und manchmal unglücklich wären, nicht wahr? Das ist eine sehr ernste Frage.

Wir müssen sagen, dass das Glück ein Teil der uns innewohnenden Natur des individuellen, subjektiven Erlebens der Dinge ist – wobei wir hier vom unbefleckten Glück sprechen und nicht von seinen befleckten Varianten – weil das unbefleckte Glück darauf basiert, die Natur der Wirklichkeit, die Leerheit, zu verstehen. Selbst das befleckte Glück ist fundierter als das Unglücklichsein, weil es auf einem Verständnis der verhaltensbedingte Ursache und Wirkung basiert und daher darauf basiert, konstruktiv zu handeln. Unglücklichsein oder Leiden zählen nicht zur innewohnende Natur unseres individuellen, subjektiven Erlebens der Dinge, weil sie auf Verwirrung gründen – und zwar entweder auf Verwirrung in Bezug auf verhaltensbedingte Ursache und Wirkung oder auf Verwirrung in Bezug auf die Wirklichkeit. Mit anderen Worten, um beurteilen zu können, ob Glück oder Unglücklichsein zur innewohnenden Natur unseres Erlebens gehören oder nicht, müssen wir ihre Ursachen betrachten.

Wenn wir es einfach ausdrücken wollen, dann ist die Ursache für Glück ein korrektes Verständnis. Die Ursache für unser Unglücklichsein ist Unwissenheit oder Verwirrung. Die Verwirrung kann durch Verständnis ersetzt werden. Je mehr wir dies untersuchen, umso mehr stellen wir fest, dass die Verwirrung der Vernunft nicht standhält. Ein korrektes Verständnis hält jedoch einer Untersuchung durch die Vernunft stand: Es ist also gültig. Verständnis und Verwirrung sind genaue Gegensätze; wir können nicht zur gleichen Zeit etwas verstehen und nicht verstehen. Wenn wir ein korrektes Verständnis über eine Sache gewonnen haben, ersetzt dieses vollständig das falsche Verständnis. Und weil dieses korrekte Verständnis bewiesen oder bestätigt werden kann, wird es jedem Test standhalten. Wenn wir dann in der Lage sind, dieses korrekte Verständnis jederzeit aufrechtzuerhalten, wird die Verwirrung nicht zurückkehren.

Wenn wir diese Fragestellung von einem anderen Standpunkt aus betrachten, sind unbeflecktes Glück oder unbefleckte Freude die innewohnende Natur des Geistes oder die innewohnende Natur des Erlebens der Dinge, weil sie mit einem korrekten Verständnis der Realität, also mit Leerheit, kombiniert werden können. Wenn ich hier davon spreche, das unbefleckte Glück mit einem korrekten Verständnis von Leerheit zu kombinieren, dann meine ich damit nicht, dass man sich auf die Leerheit des Glücks konzentriert. Ich meine damit, dass man sich mit einem unbefleckt glücklichen Geisteszustand auf die Leerheit konzentriert. In solchen Fällen muss das Verständnis von Leerheit mit einer nichtkonzeptuellen Wahrnehmung einhergehen. Aber wir wollen unsere Erörterung nicht noch komplizierter machen, indem wir hier nun auch noch den subtilen Unterschied zwischen konzeptueller und nichtkonzeptueller Wahrnehmung von Leerheit mit einem glücklichen Geisteszustand einführen.

Allgemein gesagt wird einen korrektes Verständnis von Leerheit einen unbefleckten glücklichen Geisteszustand, der dieses korrekte Verständnis von Leerheit begleitet, nicht zerstören. Das ist deshalb so, weil ein korrektes Verständnis von Leerheit Nicht die Abwesenheit der Verwirrung zerstört, welche das unbefleckte Glück charakterisiert. Darüberhinaus wird die Verminderung der Verwirrung in unserem Geisteskontinuum durch ein korrektes Verständnis der Leerheit hervorgebracht. Also kann ein korrektes Verständnis von Leerheit, das mit unbeflecktem Glück erlebt wird, diesen Prozess der Verminderung nicht aufhalten. Es behindert nicht den Aufbau der reinen positiven Kraft, die uns zur Verminderung der Verwirrung befähigt. Vielmehr wird ein korrektes Verständnis von Leerheit die reine positive Kraft aufbauen, die für die Verminderung der Verwirrung notwendig ist.

Selbst im Falle des befleckten Glücks wird ein korrektes Verständnis der verhaltensbedingte Ursache und Wirkung, das mit beflecktem Glück erfahren werden, nicht dieses befleckte Glück zerstören. Sondern das genaue Gegenteil ist der Fall. Ein korrektes Verständnis der verhaltensbedingte Ursache und Wirkung hilft uns, konstruktiv zu handeln und uns von destruktivem Verhalten zu enthalten. In dieser Weise zu handeln, ist die Ursache dafür, die positive Kraft aufzubauen, die dazu reift, die Dinge mit beflecktem Glück zu erfahren.

Auf der anderen Seite: wenn wir versuchen, ein korrektes Verständnis von Leerheit mit einem in unglücklichen Geisteszustand zu kombinieren, dann wird das Unglücklichsein keinen Bestand haben. Ein unglücklicher Geisteszustand ist immer mit Verwirrung befleckt – das heißt dieser Geisteszustand geht stets aus Verwirrung hervor und wird stets von Verwirrung begleitet, auch wenn er nicht notwendigerweise weitere Verwirrung hervorbringt. Ein korrektes Verständnis von Leerheit beinhaltet keinerlei Verwirrung, und daher geht die Erlangung eines solchen Verständnisses gleichzeitig mit der Abwesenheit der Verwirrung einher, und zwar solange, wie dieses Verständnis von Leerheit aufrechterhalten wird. Weil dem so ist, kann ein korrektes Verständnis von Leerheit nicht mit einem unglücklichen Geist erlebt werden.

Wie verhält es sich mit einem korrekten Verständnis der verhaltensbedingten Ursache und Wirkung? Selbst wenn so ein Verständnis mit einem unglücklichen Geisteszustand erfahren wird, wird dieses Verständnis doch verhindern, dass weitere Ursachen dafür angehäuft werden, in Zukunft Unglücklichsein zu erleben. Das kommt dadurch zu Stande, dass, wenn wir die leidbringenden Konsequenzen destruktiven Verhaltens verstehen und voll davon überzeugt sind, dass solche Konsequenzen entstehen, wir uns konstruktiv verhalten werden, indem wir uns destruktiver Handlungen enthalten. Möglicherweise werden wir in dem Augenblick nicht sehr glücklich sein, indem wir uns beispielsweise einer unangemessenen sexuellen Handlung enthalten, aber unsere Zurückhaltung wirkt als Ursache dafür, dass wir in Zukunft Glück erfahren werden und nicht Unglücklichsein.

Die logischen Schlussfolgerungen aus diesen Erörterungen sind sehr tiefgründig. Eine Schlussfolgerung ist, dass das Leiden an Unglücklichsein und selbst das Leiden durch beflecktes Glück – das Leiden des Wandels – flüchtige Phänomene sind. Sie sind nicht Teil unserer innewohnenden Natur des Geistes; sie sind nicht Teil der innewohnenden Natur unseres Erlebens der Dinge. Es bedarf jedoch eingehender Analysen und tiefgründiger Gedanken um dieses Verständnis zu entwickeln und um eine stabile Überzeugung der Wahrheit dieser Tatsache zu erlangen. Aber wenn wir diese Wahrheit wirklich verstehen, und davon überzeugt sind, dass sie wahr ist, wird uns das viel Ermutigung geben, dass Unglücklichsein beseitigt werden kann, wohingegen Glück etwas ist, was andauern kann. Obwohl unser gewöhnliches beflecktes Glück unausweichlich zu einem Ende kommen wird, so ist doch das unbefleckte Glück etwas, das niemals enden wird. Es ist wichtig, dies zu verstehen und davon aufgrund logischer Schlussfolgerung überzeugt zu sein, , und nicht nur darauf basierend, dass irgendjemand gesagt hat: „Glaube einfach daran, und du wirst ewiges Glück erleben.“

Glück erkennen

Wir können daran arbeiten unser Glück auf zwei Ebenen zu stärken. Wir können unser Glück entweder stärken, während es noch immer mit Verwirrung befleckt ist oder wenn es nicht mehr mit Verwirrung befleckt ist. Tatsächlich müssen wir auf beiden Ebenen arbeiten, auf einer Ebene nach der anderen. Aber bevor wir das Glück stärken können, müssen wir fähig sein zu identifizieren oder zu erkennen was genau genommen wir mit Glück meinen.

Zuerst einmal wird das Wort „Empfindung“ oder „Gefühl“ im Buddhismus definiert als die Art, wie wir das Reifen unseres Karmas erleben. Wir erleben die Dinge, die uns widerfahren, mit einer Empfindung von Glücklichsein, Unglücklichsein oder einer neutralen Empfindung als Resultat des Reifens unseres vorherigen Verhaltens. Diese Definition deckt allerdings tatsächlich nur unser beflecktes Erleben der Dinge ab, also das Erleben der Dinge, bevor wir ein Arhat, ein befreites Wesen, geworden sind. Danach erleben wir unbeflecktes Glück oder unbefleckte neutrale Empfindungen. Das ist etwas anderes, aber hiermit wollen jetzt uns jetzt nicht näher befassen.

„Glück“ wird im Buddhismus als ein entweder körperliches oder geistiges Gefühl definiert, das wir, wenn es unser Erleben der Dinge begleitet, gerne mögen und von dem wir wollen, dass es weiter anhält. Das beinhaltet nicht, dass wir an diesem Gefühl anhaften. „Anhaftung“ bedeutet, dass wir die guten Qualitäten dieses Gefühls übertreiben und wir dieses Gefühl dann nicht loslassen wollen. Die Definition von Glück besagt lediglich, dass wir es vorziehen würden, wenn dieses Gefühl weiter anhalten würde. Wir empfinden zum Beispiel ein Gefühl von Glück dabei, wenn wir unseren kleinen Kindern abends beim Spielen zuschauen. Wir erfreuen uns daran, aber wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen, haften wir nicht an dem Glück an, das wir daraus gewonnen haben, unseren Kindern beim Spielen zuzuschauen. Das ist die Definition von Glück. Glück kann sich dabei auf jeden Grad von Intensität haben; es muss nicht besonders stark sein.

„Unglücklichsein“ bezeichnet das geistige oder körperliche Gefühl, das wir, wenn es unsere Erfahrung der Dinge begleitet, nicht mögen und von dem wir wollen, dass dieses Gefühl aufhört. Diese Definition impliziert wiederum nicht, dass diese Empfindung mit einem Gefühl des Abscheus oder Aversion einhergehen muss. Abscheu und Aversion sind Übertreibungen der schlechten Qualitäten einer Sache oder Person, verbunden mit dem starken Wunsch, die Sache zu zerstören oder die Person zu vernichten. Auch das Unglücklichsein kann jeglichen Grad von Intensität haben.

Dieser Punkt in Bezug auf unterschiedliche Grade von Intensität bedeutet, dass es hier ein großes Spektrum gibt, das sich von extremem Unglücklichsein oder Schmerz auf der einen Seite, bis hin zu einem sehr geringen Grad an Unglücklichsein und Unwohlsein erstreckt. In der Mitte gibt es dann einen winzig kleinen Punkt von neutralen Empfindungen. Auf der anderen Seite der Achse setzt sich das Spektrum dann fort und reicht von einem geringfügigen Gefühl des Wohlbefindens bis hin zu einem intensiven Gefühl der Glückseligkeit.

Empfindungen geringer Intensität

In Bezug auf den Punkt in der Mitte müssen wir differenzieren zwischen einem Zustand, bei dem wir nichts fühlen, und dem einer neutralen Empfindung. Solange sich unser geistiges Kontinuum weiter fortsetzt, werden wir in jedem Augenblick irgendetwas empfinden. Wenn wir sagen, dass wir gar nichts fühlen, heißt das eigentlich, dass wir gegenüber dem Gefühl nicht sensibel genug sind, das unser Erleben der Dinge, die gegenwärtig stattfinden, begleitet. Wir sind uns der Empfindung nicht bewusst, weil wir entweder zu geschäftig sind oder weil wir vor dem Gefühl Angst haben. Es gibt alle möglichen Gründe dafür, warum wir uns denken, dass wir nichts fühlen. Aber wenn wir völlig empfänglich sind für das Gefühl, das unser sogenanntes „Erleben davon, nichts zu fühlen“ begleitet, werden wir möglicherweise entdecken, dass wir eigentlich eine neutrale Empfindungen haben; aber das ist sehr selten der Fall. Gewöhnlicherweise empfinden wir einen sehr geringen Intensitäts-Grad von Glücklichsein oder Unglücklichsein. Tatsächlich erleben wir die meiste Zeit über Gefühle geringer Intensität.

Wir können erkennen, was hier mit Empfindungen geringer Intensität gemeint ist, indem wir uns einige Augenblicke Zeit dafür nehmen, uns im Raum umzusehen oder aus dem Fenster zu sehen, bis etwas unsere Aufmerksamkeit erregt und wir darauf fixiert bleiben und es anschauen. Was wir ansehen könnte die Wand sein, das Thangka-Gemälde an der Wand; es könnte alles Mögliche sein – wie beispielsweise der Hinterkopf eines Teilnehmers. Die Tatsache, dass wir dabeibleiben, dieses Objekt anzusehen und uns nicht unwohl dabei fühlen und unsere Aufmerksamkeit auch nicht irgendwo anders hin lenken wollen, zeugt davon, dass wir das Betrachten dieses Objektes mit einem niedrigen Grad von Freude erleben. Wenn wir es ohne die geringste Intensität von Freude sehen würden und unzufrieden wären, würden wir wegsehen. Mit dieser geringen Intensität von Unglücklichsein, erfahren wir das Betrachten des Objektes als: „Ich hab keine Lust mehr, das anzugucken.“

Versuchen Sie bitte für einen Augenblick einfach wahrzunehmen, was es bedeutet, eine Empfindung geringer Intensität entweder von Glücklichsein oder Unglücklichsein zu erleben. Versuchen Sie, diesen geringfügigen Grad an Intensität wahrzunehmen. Ein Gefühl von Glücklichsein muss nicht so sein wie in einem Musicalfilm, in dem wir die Straße entlang tanzen und ein Lied singen, nicht wahr?

Also schauen Sie sich bitte im Raum um und finden Sie etwas, das Sie gerne betrachten mögen.

[Pause]

Nehmen Sie den niedrigen Grad an Freude und Glück wahr.

[Pause]

Wenn sie es leid sind, das Objekt zu betrachten, beobachten sie den geringfügigen Grad an Unzufriedenheit und Unglücklichsein.

[Pause]

Ich denke durch diese Übung und durch ihre eigene Erfahrung können Sie verstehen, dass eine niedrige Intensität von Freude nicht dramatisch ist. Nichtsdestotrotz kann diese Freude sehr beruhigend und befriedigend sein. Wir können dies auch als „Entspannung“ bezeichnen. Es ist sehr wichtig sich daran zu erinnern. Wenn wir uns angespannt oder gestresst fühlen, können wir uns einfach beruhigen und eine Blume oder einen Baum oder etwas ähnliches durch das Fenster hindurch betrachten. Dann ist dieser niedrige Grad an Freude, den wir erleben, sehr wertvoll. Dasselbe gilt auch für den Fall, dass wir uns deprimiert, gelangweilt oder einfach irgendwie „nicht gut“ fühlen. Einige Menschen verwenden diese Methode, indem sie das Bild einer geliebten Person auf ihren Schreibtisch bei der Arbeit aufstellen. Dieses Bild gelegentlich zu betrachten, kann uns ein kleines bisschen Glück bescheren, wenn uns unsere Arbeit gerade verrückt macht.

Anhaftung und sehnsüchtiges Verlangen nach Glück

Natürlich möchten wir gerne, dass sich das Glück, welches wir erleben, weiter fortsetzt, aber wenn wir an diesem Glück anhaften, zerstören wir jegliches Glück, das wir gerade haben. Und wenn wir sehnsüchtiges Verlangen nach diesem Glück empfinden, sabotieren wir die Möglichkeit dieses Glück zu erleben. Bitte erinnern Sie sich, dass Anhaftung eine Übertreibung der guten Qualitäten von etwas ist, das wir haben, und das wir nicht loslassen wollen. Beim sehnsüchtiges Verlangen handelt es sich um dieselbe Übertreibung, wobei es dabei auf etwas ausgerichtetes, was wir nicht haben und das wir besitzen wollen. Es geht hier um die Geisteshaltungen: „Ich muss fröhlich sein und Glück erlangen“, und so streifen wir nachts durch die Straßen und Bars und versuchen unser Glück zu finden. Oder wir verbringen unglaublich viel Zeit damit, uns durch alle Kanäle unseres Fernsehgerätes zu „zappen“, um irgendetwas zu finden, was wir mögen, und das uns glücklich machen wird. Wie viel Zeit verschwenden wir mit solchen Aktivitäten? Aus irgendwelchen sonderbaren Gründen denken wir, dass wir jeden Augenblick unseres Lebens unterhalten werden müssen. Genau das ist das sehnsüchtige Verlangen nach Glück.

Das ist schon amüsant, weil wir, selbst wenn wir etwas gefunden haben, was wir mögen, denken, dass es möglicherweise ein anderes Programm gibt, was sogar noch besser sein könnte, und so fahren wir damit fort, die Programme zu durchsuchen. Wir können uns nicht einmal an dem Glück erfreuen, das wir bereits gefunden haben! Und wenn wir dann schließlich wieder zu unserem ersten Programm, das uns gefallen hatte, zurückkehren, ist die Sendung beendet! Ich denke, dass dies ein gutes Beispiel dafür ist, wie sehr wir uns durch unser sehnsüchtiges Verlangen nach Glück selbst sabotieren und wie sehr es jegliches Glück, das wir erfahren, zerstört.

Für die Anhaftung gilt, dass diese entsteht, wenn wir etwas gefunden haben, das uns Freude bereitet und wir denken, dass es so wunderbar ist, dass wir diese Freude festhalten wollen. Es ist so wie wenn wir mit einem geliebten Menschen im Bett liegen und wir den Arm um diesen Menschen geschlungen haben, diese Person nun aber auf unserem Arm liegt, dann wollen wir das angenehme Gefühl nicht loslassen und daher schläft unser Arm ein und beginnt zu schmerzen. Das ist ein Beispiel für das Leiden am Wandel. Wir haften so sehr daran an, den geliebten Menschen zu umarmen, dass wir die Umarmung nicht auflösen wollen und die andere Person loslassen wollen. Wir vermengen unser Glück mit der Verwirrung der guten Qualitäten und übertreiben die guten Qualitäten des warmen, angenehmen Gefühls, das wir erleben, während wir den geliebten Menschen umarmen. Wir erkennen nicht, dass dieses Glück in Wirklichkeit ein Beispiel für das Leiden des Wandels ist.

Analyse der Anhaftung

Was ist Anhaftung? Wie ich bereits erklärt habe, handelt es sich dabei um einen Geisteszustand, der die guten Qualitäten einer Sache übertreibt – in diesem Falle vom Glück – und der das Glück nicht loslassen möchte. Anhaftung lässt das Glück so erscheinen als existiere es gegensätzlich – mit anderen Worten, als wenn es nicht in der Weise existieren würde, in der es tatsächlich existiert. Es lässt das Glück so erscheinen, als sei es eine beständige Sache, die wir festhalten könnten und die einem scheinbar festem „Ich“ Sicherheit und Glück bringt. Und indem uns das Glück so erscheint, als sei es scheinbar beständig, lässt es die Anhaftung so erscheinen, als würde Glück nicht von sich verändernden Faktoren abhängen, und so, als ob alles für immer andauern könnte. Das ist die eternalistische (ewigkeitsgläubige) Ansicht, dass, wenn wir doch bloß dieses Glück haben könnten, oder genug von diesem Glück haben könnten, oder wir dieses Glück nicht verlieren würden, alle unsere Probleme beseitigen würden.

Wenn wir in dieser Weise mit Verwirrung beflecktes Glück erleben, bewirken die Gewohnheiten unserer Verwirrung, dass unser Geist das Glück in dieser merkwürdigen, unmöglichen Weise erscheinen lässt. Unter dem Einfluss der Verwirrung glauben wir dann, dass das Glück in der Art der existiert, wie unser Geist es erscheinen lässt, und unter dem Einfluss von Anhaftung und sehnsüchtigem Verlangen handeln wir dir dann auf die Weise impulsiv, dass jegliches Glück, das wir möglicherweise erfahren würden, vernichtet wird. Wir haben zum Beispiel das Gefühl, dass wir unser Glück verbalisieren müssen, damit es uns als konkret und „wirklich“ erscheint. Wir sind beispielsweise mit jemanden zusammen und müssen das dann in Worten ausdrücken: „Haben wir nicht viel Spaß? Ich bin so glücklich!“. Sobald wir das aber aussprechen, zerstört es die ganze Stimmung. Oder wir genießen eine Mahlzeit und stopfen uns dann mit immer mehr Essen voll, um das Essen es sogar noch mehr genießen zu können. Aber in Wirklichkeit zerstören wir dadurch die Freude, die uns das Essen bereitet hat.

Das ist, nebenbei gesagt, eine interessante Frage: wie viel müssen wir von einem vorzüglichen Gericht essen, damit wir sagen können, dass wir es genossen haben? Oder wir schlafen mit jemandem und drängen danach, einen Orgasmus zu bekommen, was aber tatsächlich den ganzen Liebesakt beenden wird. Dann gehen wir beide schlafen. Durch unser Streben nach diesem höchsten Vergnügen, haben wir das Erlebnis des Liebesaktes beendet. Das ist es also, um was es geht, wenn wir von beflecktem Glück sprechen. Wir möchten gerne, dass unser Erleben dieses Glücks andauert, weil wir es gerne mögen, aber wir zerstören es dadurch, dass wir das mit Verwirrung vermischen.

Aber das Glück muss nicht mit Verwirrung vermengt sein. Wir können begreifen, dass Glück aus Ursachen und Umständen entsteht, die wiederum ständig von anderen Ursachen und Bedingungen beeinflusst werden und daher instabil sind. Infolgedessen kann das Glück, das von diesen sich ständig wandelnden Ursachen und Bedingungen abhängig ist, niemals beständig sein. Dieses Glück kann lediglich ein vorübergehender Zustand zu.

Jegliches gewöhnliches Glück, das wir erleben, wird natürlich irgendwann zu Ende gehen, einfach deshalb, weil es aus Ursachen und Bedingungen entstanden ist. Wenn wir die Wahrheit dieser Tatsache verstehen und akzeptieren können, versetzt uns das in die Lage, dass wir all das Glück, das wir erleben, genießen können, solange es anhält, ohne zu versuchen, es unnatürlich lange herauszuzögern. Wir freuen uns darüber, wenn uns jemand besucht, und wenn die Zeit gekommen ist, dass der Besuch wieder gehen muss, ist eben einfach die Zeit gekommen, dass der Besuch wieder gehen muss. Wir steigern uns nicht in eine melodramatische Szene hinein, in der wir darum flehen: „Bitte, verlass mich nicht!“ und so weiter.

Die Ursachen für Glück

Was sind die Ursachen für Glück? Wir könnten sagen: Gute Musik, gutes Essen, gute Freunde oder guter Sex, aber dabei handelt es sich in Wirklichkeit lediglich um Bedingungen. Sie sind lediglich das Ausrichtungsobjekt einer Erfahrung. Weil dem so ist, können wir gute Musik, Essen, das Zusammensein mit Freunden oder Sex – tatsächlich können wir das Erfahren des Sehens, Hörens, Schmeckens oder Berühren irgendeines Objektes – mit einem Gefühl von Glück, Unglücklichsein oder einem neutralen Gefühl erleben. Wenn uns unser Lieblingsgericht dreimal am Tag jeden Tag für einen ganzen Monat serviert werden würde, würden wir das Essen dieser Speise irgendwann nicht mehr als Vergnügen erfahren, nicht wahr? Und wie lange könnten wir unser Lieblingslied immer wieder hören, bevor wir es nicht mehr mögen würden? Selbst wenn wir mit unserem besten Freund zusammen sind, würden wir es letztendlich gerne sehen, dass er irgendwann einmal nachhause geht. Auch Sex bereitet einem nicht immer das gleiche Vergnügen. So sind also diese Objekte – Essen und so weiter – nicht wirklich die Ursachen für Glück; es handelt sich bei diesen Objekten lediglich um Bedingungen, die eine glückliche Erfahrung hervorbringen können, aber dies nicht notwendigerweise tun müssen.

Lassen Sie uns fortfahren und untersuchen, was wir damit meinen, wenn wir sagen: „Ich bin glücklich, wenn ich eines dieser Dinge erlebe.“ Wir wollen dabei das Beispiel des Zusammenseins mit Freunden verwenden: „Ich fühle mich glücklich, wenn ich mit meinem besten Freund zusammen bin.“ Wir glauben, dass das Zusammensein mit ihm oder ihr die Ursache für unser Glück ist, und möglicherweise denken wir: „Ich bin alleine; ich fühle mich einsam und mich würde es jetzt glücklich machen, wenn ich mit meinem lieben liebevollen Freund zusammen wäre. Oft wird jedoch das, was wir als „Glück“ bezeichnen, möglicherweise in Wirklichkeit nur das sein, was man im Buddhismus als „fehlerhafte Betrachtung“ bezeichnet. Das klassische Beispiel hierfür ist, wenn man Leiden als „Glück“ bezeichnet. Wir können uns zum Beispiel fragen: „warum mag ich so gern er mit meinem Freund zusammen zu sein?“. Diese Frage ist wirklich der Untersuchung wert. Wenn wir mehr Zeit hätten, könnten wir jetzt darüber in der Gruppe diskutieren, aber ich möchte jetzt nur einige der Antworten zitieren, die typischerweise gegeben werden.

Einige sagen: „Ich mag gerne mit meinem Freund zusammen sein, weil das so freudig aufregend ist. (engl. exite)“ Oft handelt es sich bei dieser Aufregung jedoch um eine Unruhe stiftende Art von Energie, weil wir Erwartungen hegen. Wir erwarten, dass uns der Andere zum Lachen bringt, dass er oder sie dafür sorgt, dass ich Spaß haben werde, mir nette Dinge sagt und so weiter. Von daher geht mit der Aufregung des Zusammenseins mit diesem Menschen ständig einer Spannung einher. Obwohl wir diese Aufregung möglicherweise als „Glück“ unterzeichnen, ist sie in Wirklichkeit eine Form von Anspannung und daher eine Form von Leiden.

Andere Leute beantworten die Frage anders und sagen: „Ich bin gerne mit meinem Freund zusammen, weil ich mich dann lebendig fühle.“ Was bedeutet das? Diese Antwort deutet an, dass wird zurzeit nicht lebendig sind. Sie ist mit sehr viel Verwirrung darüber vermengt, wie wir existieren, und sie führt zu einem äußerst starkem neurotischen Verlangen: „Ich muss mit diesem Menschen zusammen sein, um mich lebendig zu fühlen; sonst bin ich nicht wirklich ein Mensch. Ich benötige die andern Menschen, um mich meiner Menschlichkeit zu versichern.“ Natürlich ist es auch richtig, dass wir irgendwelche Formen von Beziehungen zu anderen Menschen haben müssen, um lebendig zu bleiben. Kinder, die man wie Versuchstiere im Labor ohne warmherzigen menschlichen Kontakt großgezogen hat, und alte Menschen, die man in Pflegeheimen sich selbst überlassen hat, sterben schnell, weil man sie ignoriert hat. Aber der Einstellungen, dass „Ich mit meinem Freund zusammen sein muss, um mich lebendig zu fühlen“ legt der Glaube zugrunde, dass die Gesellschaft unseres Freundes uns wahrhaft existent gemacht, als eine Art beständiges „Ich“. Das ist verkehrt.

Andere Menschen sagen: „Es macht mich glücklich, mit meinem lieben Freund zusammen zu sein, weil wir uns gegenseitig helfen uns zu entwickeln. Wir ergänzen einander gut, und der Kontakt verschafft mir das Gefühl wertvoll zu sein und gebraucht zu werden.“ Aber diese Situation unterliegt der Gefahr, dass sie mit der unbewussten Einstellung vermischt ist, in die andere Person auszubeuten, um das Gefühl zu haben gebraucht zu werden. Die Situation basiert zudem auf der Verwirrung, dass es da jemand gibt, mit dem wir uns genau ergänzen und der wiederum auch das genaue Gegenstück zu uns ist – meine „bessere Hälfte“; ohne diesen anderen Menschen bin ich nicht vollständig. Einem solchen Denken liegt eine naive und lineare Sichtweise der Realität zu Grunde, weil sie unterstellt, dass wir und die andere Person wie zwei feste Teile eines Puzzles sind, die jederzeit perfekt zusammenpassen – so als seien wir fest. Aber niemand von uns ist fest, weil alle unsere Eigenschaften von jedem von uns sich ständig wandelnden. Jeder von uns erlebt verschiedene Stimmungen und so weiter, daher ist es unmöglich, dass wir irgendwie immer zusammenpassen könnten, so als seien wir zwei statische Gegenstände, wie zwei Puzzleteilchen eines Puzzles. Auch dies ist ein tiefgründiger Punkt, der einiges Nachdenkens bedarf. Er ist sehr wahr.

All das sind wichtige Antworten auf die Frage: „Warum möchte ich gerne mit meinem Freund zusammen sein? Warum macht es mich glücklich?“ Keiner dieser unterschiedlichen Dinge, die wir gewinnen, wenn wir mit einem Freund oder einer Freundin Zeit verbringen – dass wir beispielsweise aufgedreht sind, wir uns „angeregt“ fühlen, unsere Energie erhöht wird, wir durch das Gefühl „lebendig“ zu sein inspiriert sind, und wir die Freude erfahren, einander gegenseitig zu helfen – keiner dieser Aspekte muss mit Verwirrung vermengt sein. Es muss sich dabei nicht um störende Faktoren handeln. Diese Aspekte wirken nicht aus sich selbst heraus störend. Lediglich wenn diese Aspekte mit Verwirrung verbunden sind, werden sie zu störenden Faktoren, und das ist unglücklicherweise meistens der Fall.

Die wirklichen Ursachen für das normale, alltägliche Glück

Wenn uns einmal ein bisschen genauer anschauen, was die Ursachen für das normale, alltägliche Glück tatsächlich sind, finden wir heraus, dass die Ursachen, gemäß der buddhistischen Lehre, im konstruktiven Verhalten zu finden sind: Wir handeln konstruktiv und dieses konstruktive Handeln reift zu Glück heran. Möglicherweise erfahren wir dieses Glück nicht sofort, aber irgendwann einmal, werden wir dieses Glück unabhängig von dem Ausrichtungsobjekt unserer Erfahrung erleben. Jemand kann sich möglicherweise dabei glücklich fühlen, wenn er eine köstliche Mahlzeit zu sich nimmt; jemand anders empfindet Glück dabei, wenn er einen Graben gräbt. Das Glück, dass wir empfinden, ist nicht allein vom Objekt unserer Erfahrung abhängig. Glück ist das Reifen von vorherigen konstruktiven Verhaltensweisen und Geisteshaltungen.

Was meinen wir damit, wenn wir von konstruktivem Verhalten sprechen? Wir verhalten uns dann konstruktiv, wenn wir ohne neurotisches Verlangen, ohne Anhaftung, Naivität über Ursache und Wirkung oder Naivität in Bezug auf die Realität, handeln, sprechen oder denken. Wenn wir uns konstruktiv verhalten, besitzen wir ein Gefühl für Werte – wir begreifen, was positives Verhalten und was kein positives Verhalten ist – und wir besitzen auch ein Gefühl für Skrupel – wir verhalten uns nicht in einer destruktiven Weise, die uns selbst, unsere Familie oder unsere Lehrer und so weiter, blamieren würde. Wir haben einen Sinn von Selbstachtung und ein Gefühl von Würde, und wir nehmen Rücksicht auf unsere Familie, Lehrer und so weiter. Dies ist konstruktives Verhalten, und Glück ist das, was aus diesem Verhalten folgt.

[Siehe: Konstruktive, destruktive und unspezifische Phänomene.]

Mit Hilfe eines konstruktiven Geisteszustandes halten wir uns von destruktiven Verhaltensweisen zurück weil wir die Nachteile eines solchen Verhaltens verstehen. Möglicherweise schadet unser Handeln anderen Menschen; aber es ist keinesfalls sicher, dass es anderen schadet. Wenn man z.B. das Auto von jemandem stielt, kann es sein, dass es ihnen gar nicht so sehr wehtut. Möglicherweise sind die anderen in Wirklichkeit hocherfreut darüber, dass sie das Auto losgeworden sind und sie die Versicherungssumme dafür kassieren können. Aber wir halten uns selbst davon ab destruktiv zu handeln, weil der Mensch, dem wir dabei mit Sicherheit schaden werden, wir selbst sind. Irgendwann schließlich wird die karmische Hinterlassenschaft unseres destruktiven Verhaltens als unser eigenes Erleben von Unglücklichsein reifen. Je destruktiver wir sind, und zwar sowohl in Bezug auf Intensität und Häufigkeit, desto stärker wird unsere Gewohnheit destruktiven Verhaltens, und infolgedessen werden auch das Elend und das Unglücklichsein, die sich daraus ergeben, immer intensiver und immer häufiger auftreten.

Aber konstruktiv zu handeln, heißt nicht nur, dass wir uns von destruktiven Handlungen zurückhalten, weil wir die Nachteile des negativen Verhaltens begreifen. Konstruktives Handeln heißt auch, dass wir uns in positiven Verhaltensweisen üben, weil wir die Vorteile erkennen, die ein solches Verhalten mit sich bringt. Wir verhalten uns vielleicht in dieser Weise konstruktiv und versuchen durch unser Verhalten anderen zu helfen; dabei ist es allerdings keineswegs gewiss, dass unser Handeln anderen wirklich helfen wird oder dass wir andere glücklich machen. So kann es zum Beispiel sein, dass wir für jemanden ein schönes Essen kochen, diese Personen sich aber vielleicht verschluckt und ins Krankenhaus gebracht werden muss. Vielleicht erstickt die Person sogar an dem Knochen und stirbt. Es ist also keinesfalls sicher, dass irgendeine konstruktive Handlung, die wir ausführen, selbst wenn wir diese mit einer reinen Motivation ausführen, der anderen Person Glück bringen wird. Aber es ist sicher, dass die Gewohnheit, konstruktiv und positiv zu handeln, letztendlich dazu führen wird, dass wir einen glücklichen Geisteszustand erleben werden. Das konstruktive Handeln kommt uns zugute, aber nicht notwendigerweise in einer selbstbezogenen, narzisstischen Art und Weise. Unser konstruktives Verhalten kann uns zu glücklichen Wiedergeburten verhelfen, in denen wir weiterhin Umstände zur Verfügung haben, die förderlich dafür sind, Befreiung und Erleuchtung zu erlangen.

Der spirituelle Nutzen beflecktes Glück zu erfahren

Das Glück, das wir hier gerne erfahren möchten, ist das Glück, in Verhältnissen zu leben, die förderlich dafür sind, sich weiter auf dem spirituellen Pfad zu bemühen. Aber das Glück, das wir durch konstruktives Handeln erlangen, ist mit Verwirrung vermengt. Oder vielmehr, um es präziser zu formulieren: Solange wir nicht zu einem arya (Skr. „Edler, Heiliger“) geworden sind und wenigstens eine Teil der wahren Beendigung der Ursachen des Leidens erlangt haben, wird jede konstruktive Handlung mit Verwirrung verbunden sein. Das Glück, das wir demnach als Folge dieser konstruktiven Handlung erleben werden, wird also auch mit Verwirrung verbunden sein. Trotzdem wollen wir in zukünftigen Leben auch Glück erfahren, selbst wenn es mit Verwirrung verbunden sein sollte, weil sogar das befleckte Glück ein Umstand ist, der förderlich ist, um sich in Richtung Befreiung oder Erleuchtung zu bewegen.

Natürlich ist es auch so, dass ein Zuviel an beflecktem Glück, das wir beispielsweise dann erleben, wenn wir als ein göttliches Wesen im Bereich sinnlichen Verlangens wiedergeboren werden, uns selbstzufrieden und träge machen kann, sodass wir uns nicht mehr um Fortschritt auf dem spirituellen Pfad bemühen. Aber, was wir hier erreichen wollen, ist, dass wir möglichst wenig Leiden des Leidens oder starke Schmerzen erfahren, weil es wirklich schwierig ist, auf unserem spirituellen Pfad Fortschritte zu machen, wenn wir beispielsweise verhungern.

Hierbei handelt es sich um einen sehr heiklen Punkt. Es ist zwar wahr, dass, wenn wir sehr unglücklich sind, wie beispielsweise in einer schwierigen Beziehung, die voller störender Emotionen und unangenehmen Vorfällen ist, es uns leichter ist, dazu motiviert zu werden, den Schmerzen zu entsagen und Befreiung und Erleuchtung zu suchen. Wenn die Beziehung glatt läuft und wir glücklich sind, sind wir möglicherweise nicht dazu motiviert, irgendetwas zu verändern oder irgendetwas Spirituelles zu tun. Um die anfängliche Motivation zu entwickeln, zu entsagen und das Leid zu überwinden, kann ein Erleben des Leidens des Leidens viel effektiver sein, als das Leiden der Veränderung, d. h. die gewöhnliche Form von Glück, zu erleben. Wenn wir jedoch erst einmal motiviert sind, dem Leiden des Unglücklichseins zu entsagen und dieses Leiden zu überwinden, dann wird ein glücklicher Geisteszustand für die spirituelle Praxis viel förderlicher sein, als eine Geisteszustand, der voller Schmerzen oder traurig und deprimiert ist. Ein glücklicher Geist besitzt selbst dann, wenn er mit Verwirrung verbunden ist, viel mehr Energie für die spirituelle Praxis als ein Mensch in einer beklagenswerten Gemütsverfassung.

Das mit Verwirrung verbundene Glück, das wir in einer Glück verheißenden Wiedergeburt erfahren werden, hilft uns auf andere Weise auf dem Pfad zur Erleuchtung oder Befreiung. Bei diesem Glück ist entweder gar kein oder nur sehr wenig Leidens des Leidens aber das Leiden der Veränderung vorhanden. Und weil das befleckte Glück eine Form von Leiden ist, kann uns daher, wenn wir die konventionelle Natur dieses Glücks richtig verstehen, unser Verständnis zu einer reineren Ebene der Entsagung führen. Wir müssen etwas Erfahrung mit dem befleckten Glück gesammelt haben, um es als eine Form von Leiden zu erkennen und so motiviert zu werden, aus diesen Leiden herauszukommen und Befreiung zu suchen.

Das ist ein wichtiger Punkt. Warum wollen wir mehr Glück erfahren, das mit Verwirrung verbunden ist? Wir wollen dieses Glück nicht nur erfahren, weil damit eine Verringerung des Leidens des Leidens verbunden ist, so dass wir intensiver in Richtung Befreiung und Erleuchtung arbeiten können. Sondern, wir wollen dieses Glück auch deshalb erfahren, weil das gewöhnliche befleckte Glück das Leiden der Veränderung ist, und wenn wir es als solches erkennen, wird das uns dahingehend motivieren, weiter in Richtung Befreiung zu streben, weil wir auch aus dem Leiden der Veränderung herauskommen möchten. Darüber müssen uns im Klaren sein, sonst würden wir vielleicht fälschlicherweise denken: „In Ordnung, ich möchte einfach nur ein bisschen mehr Glück erleben; selbst wenn das mit Verwirrung verbunden ist, ist gut genug für mich, und das ist mein letztendliches Ziel.“

Wohlgemerkt, einfach dem Leiden der Veränderung zu entsagen, ist nicht die umfassendste Form der Entsagung. Jeder möchte aus dem Leiden des Schmerzes herauskommen, selbst die Tiere; und viele Religionen lehren uns, dem weltlichen Glück zu entsagen und himmlische Glückseligkeit zu suchen. Die eigentliche buddhistische Entsagung ist die Entsagung des alles umfassenden beeinflussenden Leidens sich unkontrolliert wiederholender Wiedergeburten mit befleckten Aggregaten – Körper, Geist, Emotionen und so weiter – welche die Grundlage für das Erleben des Leidens des Leidens und des Leidens des Wandels sind. Doch bevor wir dem alles umfassenden, alles beeinflussenden Leiden entsagen können, müssen wir dem Leiden der Veränderung entsagen, das heißt der konventionellen Natur des gewöhnlichen, mit Verwirrung verbunden Glücks. Und um dieser Form des Leidens zu entsagen, müssen wir es erleben.

Das mit Verwirrung verbundene Glück dient dann als ein weiterer Meilenstein auf dem Pfad zur Befreiung und Erleuchtung. Dieses Glückes nicht nur ein Meilenstein, sondern auch ein Sprungbrett, weil das Erfahren dieses Glücks uns hilft, weiter voran zu gehen. Ich möchte ein Gleichnis dafür geben. Das Erleben dieses Glücks hat uns im folgenden Sinne weiter gebracht: Wenn wir uns am Ufer eines Flusses befinden würden und an diesem Ufer ein heftiges Feuer lodern würde – nämlich das Leiden des Leidens – dann wären wir jetzt auf einen Felsen in der Strommitte gesprungen. Der Felsen repräsentiert in unserer Analogie das befleckte Glück. Dass wir uns jetzt auf diesen Felsen befinden, hat uns in der Weise weiter gebracht, dass wir nicht länger am brennenden Ufer sind. Aber wer möchte schon in der Mitte eines Stromes auf einem Felsen festsitzen? Auf diesen Felsen in der Strommitte zu gelangen motiviert uns weiterzugehen, und die andere Seite des Stromes zu erreichen, weil es für sich genommen unbefriedigend ist, einfach auf dem Felsen auszuharren. Es ist frustrierend auf dem Felsen zu hocken, selbst dann, wenn es viel besser ist, als sich am brennenden Ufer zu befinden. Und wir können auch nicht einfach vom brennenden Ufer auf die andere Seite des Flusses hinüberspringen.

Ein anderer Punkt ist, dass das Glück, das aus konstruktiven Verhalten hervorgeht, nicht unmittelbar entsteht. Wenn wir beispielsweise eine Diät machen, handelt es sich um eine konstruktive Handlung, wenn wir uns selbst davon abhalten unsere Gier auszuagieren und einen Nachttisch zu essen. Aber es macht uns nicht unbedingt glücklich, wenn wir das Kuchenstück zurückweisen, oder? Das Glück, das daraus entsteht, ist nicht linear; es braucht längere Zeit bis es zum Vorschein kommt. Und selbst wenn sich das Glück zeigt, wird es nur in Intervallen hervorkommen, denn, wie wir die Welt erleben, ist in organischen Systemen ein einziges Auf und Ab, wie wir gestern erörtert haben. Es ist wichtig, dass wir über die verhaltensbedingten Ursachen und Wirkungen nicht verwirrt sind und darüber, wie Glück aus konstruktivem Verhalten erwächst. Wenn wir über Ursache und Wirkung verwirrt sind, dann werden wir enttäuscht, desillusioniert und frustriert werden usw., weil wir uns wie folgt beklagen: „Ich hab mich so sehr bemüht, gut zu sein, aber ich fühle mich immer noch elend!“ Wenn wir konstruktiv handeln, dann bauen wir positive Kraft und positive Gewohnheiten auf. Das wird auf lange Sicht dazu führen, dass wir immer mehr Glück in unserem Leben erfahren.

Das Glück vergrößern oder stärken

Wie vergrößern oder stärken wir unser Glück? Im Wesentlichen müssen wir die Ursachen für unser Unglücklichsein beseitigen, wenn wir Glück erfahren möchten. Bitte erinnern Sie sich daran, dass Glück die innewohnenden Natur unseres Geistes oder unserer Erfahrung ist, es jedoch von den vergänglichen Befleckungen des Unglücklichseins überschattet sein kann, die aus Ursachen hervorgehen, die vorübergehend sind; wenn wir unseren Geist von den Ursachen für unser Unglücklichsein befreien, die unser innewohnendes Glück überlagern, dann wird als Resultat davon Glück übrig bleiben. Dabei handelt es sich um einen dualen Prozess, bei dem sowohl das Glück ausgebaut wird, als auch die Unglücklichsein beseitigt wird. Je mehr wir das Unglücklichsein beseitigen, desto mehr Glück werden wir erfahren.

Konstruktiv handeln

Die erste Art, unser Glück stärken, ist konstruktiv zu handeln. Wie ich gerade erklärt habe, sind konstruktives Verhalten und konstruktive Gedanken gleichbedeutend damit, sich von destruktivem Verhalten zurückzuhalten, welches die Ursache für Unglücklichsein darstellt. Obwohl wir uns möglicherweise unglücklich fühlen, während wir jemandem beim Abwasch helfen, so ist es doch eine konstruktive Handlung dieser Person zu helfen. Wir haben uns der destruktiven Handlung enthalten: „Ich möchte dir nicht helfen.“ Obwohl es uns keinen Spaß macht, das Geschirr zu spülen, wird uns die Geisteshaltung der Hilfsbereitschaft auf lange Sicht dennoch Glück bringen.

Liebe entwickeln

Die nächste Methode, die wir besprechen wollen, ist das entwickeln von Liebe. Liebe ist der Wunsch danach, dass andere glücklich sein mögen und die Ursachen für Glück besitzen mögen. Liebe beseitigt Böswilligkeit, Hass und Ärger, die der Wunsch danach sind, dass andere unglücklich sein mögen. Manchmal können wir davon sprechen, dass das Beseitigen der Ursache des Leidens uns mehr Glück bringen wird; aber in anderen Fällen können wir davon sprechen, dass das Erzeugen einer Ursache von Glück eine Ursache, die uns Leiden bringen würde, beseitigen wird. In diesem Fall beseitigt Liebe den Hass, der wiederum eine Ursache für unser Unglücklichsein gewesen wäre. Uns selbst davon abzuhalten, destruktiv zu handeln, ist für sich selbst genommen eine konstruktive Handlung, die uns Glück bescheren wird. Aber sich davon zurückzuhalten, jemanden zu hassen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass wir diese Personen lieben. Es handelt sich hier um einen etwas anderen Mechanismus, aber in jedem Fall beseitigen wir durch Liebe die Ursachen für unsere Leiden.

Außerdem gibt es einen weiteren Unterschied: Wenn wir uns von destruktivem Verhalten zurückhalten, wie beispielsweise wenn wir davon absehen, uns zu weigern, anderen beim Geschirrspülen zu helfen, dann macht uns das nicht unbedingt vorübergehend glücklich – wir werden uns vielleicht sogar beim Geschirrspülen unglücklich fühlen. Aber es wird es vorübergehend glücklich machen, wenn wir liebevolle Gedanken für jemanden hegen. Das geschieht selbst dann, während wir mit der geistigen Aktivität befasst sind, unsere Liebe auf die andere Personen auszurichten, verbunden mit dem Wunsch: „Mögest du glücklich sein.“ Mit anderen Worten, wir können damit beginnen, dass wir denken: „Ich fühle mich schlecht, aber ich wünsche dir, dass du glücklich bist,“ aber wenn wir uns vorstellen, dass die andere Person glücklich ist, erleben wir doch zumindest indirekt zur selben Zeit ein wenig Glück. Es ist sehr schwierig sich Glück vorzustellen, ohne gleichzeitig einen gewissen Geschmack von Glück als Teil der Erfahrung zu erleben.

Sich an konstruktiven Handlungen und guten Qualitäten erfreuen

Eine weitere Möglichkeit unser Glücksgefühl zu erhöhen, ist sich an konstruktiven Handlungen und guten Qualitäten anderer wie auch an unseren eigenen konstruktiven Handlungen und guten Qualitäten zu erfreuen. Es geht nicht darum, dass wir uns an den destruktiven Handlung und negativen Qualitäten erfreuen. Sondern im Falle der guten Qualitäten und Errungenschaften anderer, beseitigen wir durch unsere Freude darüber die negativen Emotionen Eifersucht und Neid. Solange wir ein Gefühl von Eifersucht empfinden, sind wir unglücklich darüber, was die andere Person getan hat, oder wir sind betrübt über ihre guten Qualitäten. Wenn wir jedoch überhaupt nicht eifersüchtig oder neidisch sind, dann fangen wir an, zu sehen wie wunderbar es ist, was die anderer Personen alles erreicht hat, und wir fühlen uns glücklich dabei und erfreuen uns daran. Eifersucht und Wertschätzung schließen sich gegenseitig aus: man kann nicht eifersüchtig sein und sich gleichzeitig an etwas erfreuen; und anders herum: wenn man an etwas Freude hat, ist man nicht eifersüchtig. Das Erfreuen geht natürlicherweise mit einem Gefühl des Glücks einher – zum Beispiel: „Ich freue mich so für dich: du hast deine Prüfung gut bestanden.“ Dann sind wir glücklich.

[Siehe: Mit Eifersucht umgehen.]

Dieselbe eingehende Betrachtung gilt auch dann, wenn wir uns an unserem eigenen konstruktiven Handlungen und guten Qualitäten erfreuen. In diesem Fall ist das Erfreuen das Gegenteil vom Bedauern. Wenn wir uns an unseren eigenen positiven Seiten erfreuen, empfinden wir Glück; wenn wir unsere positiven Seiten bedauern, sind wir unglücklich darüber.

Wenn uns das Erfreuen schwer fällt, müssen wir uns auf die Vorzüge konzentrieren, die aus den positiven Dingen erwachsen, die anderer erreicht haben, oder wir konzentrieren uns auf die positiven Dinge, die aus ihren guten Qualitäten erwachsenen. Wir verwenden dabei dieselbe Methode, mit deren Hilfe wir lernen, uns an unserem eigenen positiven Errungenschaften und guten Qualitäten zu erfreuen.

Sich an unseren eigenen positiven Errungenschaften zu erfreuen ist die sicherste Methode, um die positive Kraft zu vergrößern, die wir durch unser positives Handeln ausgebaut haben. Das wird wiederum das Glück verstärken, das aus dieser positiven Kraft reifen wird. Sich an den positiven Errungenschaften anderer zu erfreuen, verstärkt unsere eigene positive Kraft entweder so stark wie die positive Kraft der anderen Person ist, oder sogar stärker.

Eine Geisteshaltung entwickeln, mit der man andere wertschätzt

Als nächstes wollen wir nun über die Geisteshaltung sprechen, mit der man andere wertschätzt. Wir handeln destruktiv und bewirken für uns selbst Unglücklichsein, weil wir selbstsüchtig sind und eine Geisteshaltung der Selbstbezogenheit besitzen. Mit einer solchen Geisteshaltung halten wir uns selbst für die wichtigste Person im Universum und haben das Gefühl, dass es die wichtigste Aufgabe in unserem Leben sei, unsere persönlichen Bedürfnisse zu erfüllen und unsere selbstsüchtigen Begierden zu befriedigen. Weil dem so ist, halten wir die Bedürfnisse, Gefühle und so weiter anderer Wesen für weniger wichtig, oder sogar für überhaupt nicht wichtig und ignorieren sie. Möglicherweise gehen wir noch weiter und beuten anderer aus oder verletzen sie sogar, um unser eigenes Ding durchzuziehen. Diese Geisteshaltung der Selbstbezogenheit bewirkt, dass wir destruktiv handeln, wobei unser destruktives Handeln noch von störenden Emotionen wie Gier und Ärger verstärkt wird. Ein solches Handeln bildet dann die Ursache dafür, dass wir in Zukunft unglücklich sind.

Wenn wir unsere Geisteshaltungen in Bezug auf uns selbst und andere gleichsetzen – indem wir begreifen, dass jedes Wesen sich wünscht, glücklich zu sein und nicht unglücklich sein möchte, und indem wir verstehen, dass wir alle miteinander verbunden sind – und auf dieser Erkenntnis basierend unserer selbstbezogene Geisteshaltung durch eine andere Wesen wertschätzende Geisteshaltung austauschen, dann werden wir konstruktiv handeln und die Bedürfnisse anderer erfüllen und versuchen zu vermeiden, andere zu verletzen. Durch dieses Verhalten werden wir in Zukunft Glück erfahren.

[Siehe: Unsere geistigen Einstellungen uns selbst und anderen gegenüber gleichsetzen und austauschen.]

Die Freude erlangen, einen ruhigen Geist zu besitzen

Als nächstes wollen wir über die Freude sprechen, die es bereitet, einen ruhigen Geist zu haben. Wenn unser Geist nicht länger mit Sorgen und verbalem Gerümpel angefüllt ist, mit dem er normalerweise verstopft ist, und wenn der Lärm und die zahlreichen Ideen und Projektionen, die wir in Bezug auf uns selbst, andere und verschiedene Lebenssituationen haben, zur Ruhe kommen, dann erleben wir eine Art von friedlicher Beglückung, mit der das Gefühl einer enormen Erleichterung einher geht. Es handelt sich um eine Erleichterung in dem Sinne, wie wir sie erleben, wenn jemand endlich seinen Rasenmäher abschaltet, und der laute, störende Krach der unsere Ohren bombardiert hat, endlich zur Ruhe kommt.

Das Gefühl anregender Freude durch ein Gefühl von körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit erlangen, die durch das Erreichen eines beruhigten und zur Ruhe gekommenen Geisteszustandes zustande kommt

Die nächste Methode, über die wir sprechen wollen, ist das Erlangen eines vollkommenen Zustandes der Konzentration von shamatha – im Tibetischen: zhinay, d. h. das Erlangen eines vollkommen beruhigten und zur Ruhe gekommenen Geisteszustandes. Ein solcher Geisteszustand wird von einem Gefühl der Leistungsfähigkeit begleitet, das auch ein anregendes und erhebendes Gefühl körperlicher und geistiger Freude mit einschließt. Es handelt sich dabei um ein sehr ruhiges Hochgefühl, und nicht um einen Adrenalin-Kick. Das kommt dadurch zu Stande, weil die Flatterhaftigkeit des Geistes, die geistige Abschweifung und die geistige Trägheit ausgeschaltet worden sind, die wiederum die Ursachen dafür sind, dass wir nicht in der Lage sind, unseren Geist in irgendeiner konstruktiven oder produktiven Weise zu verwenden. Zudem ist es auch so, dass wir uns in einer unglücklichen, unzufriedenen geistigen Verfassung befinden, wenn unser Geist zu Dingen abschweift, nach denen wir uns sehnen, oder wenn unser Geist träge ist. In einem Zustand von Shamatha ist das Glück, das wir empfinden, die anregende Freude in der Lage zu sein, sich auf das Objekt zu konzentrieren, auf das wir uns fokussieren wollen, und auch fähig zu sein, solange wir wollen fest bei diesem Objekt zu bleiben.

Das Gefühl anregender Freude durch ein zusätzliches Gefühl der Leistungsfähigkeit erlangen, die durch das Erreichen eines Geisteszustandes von außergewöhnlicher Wahrnehmungsfähigkeit zustande kommt

Die nächste Art von Freude, über die wir sprechen wollen, ist die anregende körperliche und geistige Freude, die das zusätzliche Gefühl von Leistungsfähigkeit begleitet, die mit dem Erlangen von vipashyana – oder im Tibetischen lhagthong, zu Stande kommt, also durch einen Geisteszustand von außergewöhnlicher Wahrnehmungsfähigkeit. Wir können einen Geisteszustand von Vipashyana nur auf Grundlage eines zuvor erlangten Zustandes von Shamatha erlangen. Ein Zustand von Vipashyana beinhaltet also, neben der Fähigkeit uns vollkommen konzentrieren zu können, die Freiheit von der Unfähigkeit die relative oder tiefste Tatsache oder Wahrheit in Bezug auf die Phänomene zu begreifen. Normalerweise können wir nicht vollständig verstehen, wie die Dinge existieren, was sich eigentlich ereignet, wie die Dinge, die wir erleben, existieren, und so weiter. In Bezug auf diese Dinge sind wir verwirrt; daher sind wir unglücklich. Bei der Freude, die durch Vipashyana entsteht, handelt es sich um den anregenden Geisteszustand, vollkommen frei von dieser Verwirrung zu sein. Die Freude kommt durch das Gefühl der Leistungsfähigkeit zustande, mit der unser Geist in der Lage ist, auf die tiefgründigste Art wahrzunehmen, was die Dinge sind und wie sie existieren. In diesem Geisteszustand sind wir fähig, die Tatsachen über alle Phänomene des Lebens klar zu erkennen und den Überblick zu behalten.

Wenn wir ein weltliches Beispiel verwenden wollen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Freude von Shamatha anfühlt, dann können wir dafür die Freude und Ruhe als Beispiel nehmen, die ein äußerst geübter Musiker oder einem äußerst durchtrainierter Athlet empfindet. Sie haben das Gefühl, dass sie vollkommen geübt und leistungsfähig sind. Sie können irgendein Musikstück völlig konzentriert spielen und tun das auf wunderschöne Weise, oder sie nehmen an einem Wettrennen teil und laufen wirklich gut. Es ist ein anregendes Gefühl von Freude, dass man in der Lage ist, solche Dinge zu tun. Dahingegen wäre die Freude, die man durch Vipashyana erlebt, wenn wir wieder eine weltliche Analogie verwenden wollen, beispielsweise ein äußerst brillanter Wissenschaftler oder Mathematiker oder auch ein Automechaniker, der, wenn irgendein Problem auftritt, ein Gefühl von innerer Leistungsfähigkeit, Leichtigkeit und völliger Freude darüber empfindet, dass er alle Details der Situation klar und deutlich sehen kann und in der Lage ist, das Problem zu lösen. Es handelt sich dabei um einen sehr erfrischenden Geisteszustand.

[Siehe: Allgemeine Darstellung von Shamatha und Vipashyana.]

Die vier Ebenen von Freude innerhalb des Zentralkanals erlangen

Es gibt noch andere Arten von Glückseligkeit, die wir nur durch fortgeschrittene tantrische Praktiken erfahren können, bei denen wir mit den subtilen Energiesystemen arbeiten. Beispielsweise werden wir mit fortgeschrittenen Praktiken der Vollständigkeitsstufe des Annuttarayoga-Tantra in der Lage sein zu bewirken, dass subtile kreative Energietropfen „schmelzen“ und innerhalb des Zentralkanals unseres subtilen Energiesystems hinuntergleiten. Dieser Vorgang bezieht die Praxis des tummo mit ein – d. h. die Praxis der inneren Flamme, für die vorausgesetzt ist, dass man zuvor Shamatha und Vipashyana erlangt hat und für die man zuvor zudem auf vorhergehenden Stufen der Vollständigkeitsstufe andere Erreichungen erlangt haben muss. Mit dem Abstieg dieser subtilen kreativen Energietropfen erleben wir innerhalb des Zentralkanals vier zunehmend intensiver werden und körperliche Empfindungen von Freude – die so genannten „vier Freuden“ – und zwar dann, wenn die Tropfen die immer weiter unten liegenden Chakren erreichen. Als ein Ergebnis dieser Freuden, werden die Energiewinde immer subtiler und beginnen in den Zentralkanal einzutreten, wo sie uns schließlich dazu in die Lage versetzen, Zugang zur Ebene des Geistes des klaren Lichts zu finden.

Die Freude erlangen, die durch das Eintreten, Verweilen und Auflösen der Energiewinde in den Zentralkanals entsteht

Darüber hinaus gibt es die Freude, die dadurch zu Stande kommt, dass die Energiewinde aus unseren beiden Nebenkanälen in den zentralen Energiekanal eintreten, schließlich dort verweilen und sich dann auflösen. Das erreichen wir durch fortgeschrittene Praktiken der Vollständigkeitsstufe des Anuttarayoga-Tantra entweder auf Grundlage der vier Freuden oder durch komplexe Yoga-Methoden, mit denen man die Energiewinde manipuliert. Wenn unsere subtilen Energiewinde durch die Nebenkanäle und andere sekundären Kanäle fließen, erfahren wir körperliche und geistige Nervosität und Anspannung, und wilde, unkontrollierte konzeptuelle Gedanken. Wenn die Energiewinde in den zentralen Kanal eingebracht werden, erfahren wir die Freude, von diesen Störungen unserer subtilen Energien frei zu sein.

Das unbefleckte Glück erlangen, von störenden Emotionen und Geisteshaltungen frei zu sein

Die nächste Form von Glück, über die versprechen wollen, ist die Freude oder Glückseligkeit, die man erfährt, wenn man sich für immer von den störenden Emotionen und Geisteshaltungen, wie beispielsweise Ärger, Gier, Naivität und so weiter, befreit hat. Diese Ebene der Freude entsteht dann, wenn man eine wahre Beendigung der Verwirrung in Bezug auf die Realität erlangt hat. Diese wahre Beendigung geht einher mit dem Erleben eines extremen freudigen Geisteszustandes – nämlich dem unbefleckten Glück. Was für eine Erleichterung! Wir können diese Erleichterung mithilfe eines alltäglichen Beispiels verstehen: Wir erleben Freude und Erleichterung, wenn wir am Ende eines Tages letztendlich unsere engen Schuhe ausziehen und unsere Füße frei werden von der Einengung durch die Schuhe. Nun versuchen Sie sich vorzustellen, wie viel größer das Gefühl freudiger Erleichterung sein würde, wenn wir von all unserer Verwirrung und allen unseren störenden Emotionen befreit wären, und zwar für immer von ihnen befreit wären.

Mithilfe der Sutra-Methoden befreien wir uns zuerst von der Verwirrung und den störenden Emotionen und Geisteshaltungen, die doktrinär bedingt sind. Dann befreien wir uns Stufe für Stufe von der Verwirrung und den störenden Emotionen und Geisteshaltungen, die automatisch erscheinen. Mithilfe der Methoden des Anuttarayoga-Tantra befreien wir uns von diesen beiden Ebenen mit einem Schlag zur selben Zeit. Das geschieht mithilfe eines glückseligen Klaren-Licht-Gewahrseins der Leerheit, wenn wir alle Energiewinde im zentralen Energiekanal aufgelöst haben.

Die Glückseligkeit erlangen, vom trügerischen Erscheinungs-Hervorbringen frei zu sein

Die letzte Form der Freude oder Glückseligkeit, über die wir hier sprechen möchten, ist die Glückseligkeit, sich für immer vom trügerischen Erscheinungs-Hervorbringen zu befreien. Außer wenn wir vollständig nichtkonzeptuell auf Leerheit ausgerichtet sind lässt unser Geist auf sehr subtile Weise, alle Phänomene so erscheinen, als wenn sie auf eine unmögliche Weise existieren würden – wie beispielsweise als wenn jedes Ding unveränderlich und fest aus sich selbst heraus, und unabhängig von allen anderen Phänomenen, existieren würde. Diese Erscheinungen sind trügerisch, weil es uns so erscheint, als würden sie sich darauf beziehen, wie die Dinge wirklich existieren. Auf Grundlage dessen, dass wir glauben, dass diese Erscheinungen mit der Realität übereinstimmen, entwickeln wir eine Haltung der Selbstbezogenheit, störende Emotionen, destruktives Verhalten und so weiter.

Das klare Licht des Geistes ist natürlicherweise frei nicht nur von jeglicher Verwirrung, von störenden Emotionen und Geisteshaltungen und von konzeptueller Wahrnehmung, sondern es ist auch frei vom trügerischen Hervorbringen von Erscheinungen. Aber nur wenn eine solche Ebene des Geistes als glückseliges Gewahrsein der Leerheit erzeugt wird, erreicht der Geist eine wahre Beendigung. Wie die ich gerade erklärt habe, erlangte der Geist zunächst eine wahre Beendigung unserer Verwirrung und der störenden Emotionen. Aber je häufiger wir diesen Geisteszustand erzeugen und je länger wir ihn aufrechterhalten, desto mehr Anteile dieser wahren Beendigung des Hervorbringens trügerischer Erscheinungen erlangen wir. Schließlich, wenn wir dann in der Lage sind, dieses glückselige Klare-Licht-Gewahrsein der Leerheit ununterbrochenen für immer aufrecht zu erhalten, wird unser Geist niemals wieder trügerische Erscheinungen hervorbringen. Auf dieser Stufe sind wir vollkommen erleuchtete Buddhas und erleben das glückselige Gewahrsein eines Buddhas.

Wir haben jetzt also einige Möglichkeiten aufgezählt, wie wäre mit Hilfe buddhistischer Methoden daran arbeiten können zu versuchen, unser Glück zu vermehren und zu stärken. Wir vermehren und stärken unser Glück, indem wir die graduell tiefer liegenden Ursachen für unsere Erfahrung des Leidens beseitigen.