Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Glück: Eine eingehende Untersuchung der Rolle, die Glück in Sutra und Tantra spielt

Alexander Berzin
Mexiko-Stadt, Mexiko, Oktober 1999
Übersetzung ins Deutsche: Christian Dräger

Teil eins: Die dem Geist innewohnende Freude

Einführung

An diesem Wochenende wollen wir über das Glück sprechen und über die Rolle, die das Glücksgefühl in den Sutra- und Tantra-Praktiken des Buddhismus spielt. (Anm. d. Übersetzers: mit „Glück“ ist in diesem Text das Gefühl des Glücklichseins, Engl. happiness, gemeint und nicht „Glück“ im Sinne von „Glück gehabt“.) Es gibt natürlich viele verschiedene Möglichkeiten, wie man sich diesem Thema nähern kann. Für heute Abend allerdings möchte ich vorschlagen, dass wir darüber sprechen, wo das Glück seinen Platz auf dem buddhistischen Pfad hat und an welcher Stelle des Pfades wir mit Glück arbeiten. Da wir uns dem Thema von einem buddhistischen Standpunkt aus annähern, ist es meiner Meinung nach wichtig zu wissen, wo genau das Glück im Bezugssystem aller Unterweisungen einzuordnen ist. Morgen wollen wir uns dann speziell der Natur des Glücks zuwenden und verschiedene Möglichkeiten erörtern, wie wir das Glück stärken können, und wie wir es als Pfadgeist verwenden können, der uns zur Befreiung und Erleuchtung führt.

Ich schlage vor, über dieses Thema auf einem recht anspruchsvollen Niveau zu sprechen, weil ich denke, dass das Thema aus Respekt für die buddhistische Lehre eine solche Behandlung verdient. Wir wollen den Sachverhalt nicht trivialisieren und das Thema nicht zu einer Art von Seminar mit dem Titel: „Don’t worry; be happy“ („Mach’ dir keine Sorgen, sei einfach glücklich“) machen. Und obwohl einige die Differenziertheit der Ausführungen ein wenig zu schwierig finden mögen, so lassen Sie sich dadurch bitte nicht ihr Glück beinträchtigen! Ich denke, es kann uns auf der einen Seite ermutigen zu verstehen, wie ernsthaft das Thema Glück ist, und auf der andern Seite dazu führen, dass wir eine realistischen Haltung in Bezug auf dieses Thema entwickeln. Wenn wir uns mit dem Thema näher befassen, werden wir nicht mehr nur eine vage Vorstellung davon haben, was Glück eigentlich ist und wie es zu Stande kommt. Es ist nicht so, dass das Glück dadurch zu Stande kommt, dass wir einfach Glück gehabt haben, so als ob uns die Götter zulächeln würden und wird dadurch Glück erleben. Manchmal haben wir unbewusst solche Ideen, die noch ein Erbe des Denkens aus dem alten Rom darstellen. Anders gesagt, denken wir vielleicht, wenn die Gottheit Fortuna uns zulächelt, dass uns dann das Schicksal wohl gesonnen war. (Anm. des Übersetzers: Im englischen Original wird der Begriff „good fortune“ verwendet, der sich direkt vom Namen der Schicksalsgöttin Fortuna ableitet und soviel heißt wie: „glücklich sein“, „Glück gehabt“ oder „das Schicksal hat es gut mit einem gemeint“). So funktioniert das nicht.Wir wollen jetzt näher betrachten, welche Rolle Glück im Buddhismus spielt sowie die Bemühung, dieses Glück zu vermehren.

Der Stellenwert des Glücks im Kontext des Buddhismus

Ich denke es ist der wichtig, dass wir jederzeit, wenn wir die Lehre des Buddhas erörtern, diese in den Gesamtzusammenhang zu dem stellen, wie der Buddha selbst seine Lehre repräsentiert hat. Mit anderen Worten ist es wichtig, jede Erörterung der Lehre im Lichte der vier edlen Wahrheiten zu betrachten. Die vier edlen Wahrheiten sind vier Tatsachen des Leben, die jeder Heilige, der die Wirklichkeit nichtkonzeptuelle betrachtet, als wahr bestätigen würde.

Kurz gesagt besagt die erste Wahrheit, dass das Leben Leiden beinhaltet. Oder anders gesagt: das Leben ist schwierig. Wir alle erfahren drei Arten von Leiden:

  • Die erste Art des Leidens ist grobes Leiden; das Leiden am Leiden. Dazu gehören Schmerz und Unglücklichsein.
  • Die zweite Art des Leidens ist das Leiden am Wandel. Das bezieht sich auf eine Form von Glück, die mit Verwirrung verbunden ist. Wir erleben gewöhnliche Arten von Glück, z. B. wenn wir in einem schönen Park spazieren gehen. Wenn es sich dabei jedoch um wahres Glück handeln würde, dann würde das Glück zunehmen, je länger wir spazieren gehen. Aber nach ein paar Stunden wandelt sich das Glück, das wir zunächst beim Spazierengehen empfunden haben, in Schmerz und Unglücklichsein, so dass wir schließlich anhalten und uns ausruhen wollen. Die Verwirrung entsteht hier dadurch, dass wir denken, dass das gewöhnliche Glück, das wir erleben, andauern wird, so dass wir es festhalten wollen. Aber natürlich dauert dieses Glück nicht an und dann sind wir frustriert und unglücklich. Beflecktes Glück schließt daher bereits das Leiden mit ein, dass sich dieses Glück in Unzufriedenheit verwandeln wird.
  • Als dritte Art des Leidens haben wir das „alles umfassende beeinflussende Leiden“, das sich auf all die Aggregatfaktoren unserer Erfahrung bezieht – das heißt auf die so genannten „fünf Aggregate“ unseres Körpers, unseren Geistes, unsere Emotionen und so weiter, die aus Verwirrung entstehen, mit Verwirrung verbunden sind, und welche die Verwirrung in diesem Leben und auch in den zukünftigen Leben aufrechterhalten werden. Diese Aggregatfaktoren der Erfahrung bilden die Grundlage für die ersten beiden Arten des Leidens. In diesem Sinne beeinflussen sie jeden Augenblick unserer Erfahrung allumfassend und tragen dazu bei, dass eine der beiden ersten Arten von Leiden in jedem Augenblick unserer Erfahrung enthalten ist.

Wir alle erleben diese drei Arten von Leiden, die Samsara charakterisieren – die sich unkontrollierbar wiederholenden Situationen und die sich unkontrollierbar wiederholenden Wiedergeburten mit all ihren Schwierigkeiten. Wenn wir die Wahrheiten des Leidens in Bezugnahme auf das Glück formulieren wollen, besagt die erste edle Wahrheit, dass es viel Unglücklichsein gibt. Tatsächlich sind die Dinge, wie wir sie in unserem Alltag erfahren, so verwirrend, dass wir dazu neigen, unser Elend endlos aufrecht zu erhalten.

Die zweite edle Wahrheit besagt, dass dieses Unglücklichsein uns nicht widerfährt, weil die Schicksalsgöttin Fortuna uns nicht zugelächelt hat, sondern weil es aus einer entsprechenden Ursache entstanden ist. Die Ursache ist unsere Verwirrung in Bezug auf unser Verhalten und dessen Auswirkungen, wie auch in Bezug auf die Wirklichkeit – das heißt in Bezug darauf, wie wir selber, wie andere Lebewesen und alles um uns herum überhaupt existiert. Dieser Verwirrung liegt eine tiefere Ursachenebene unserer Probleme zu Grunde, nämlich die Tatsache, dass unser Geist die Dinge in einer verwirrenden Art und Weise erscheinen lässt, so dass wir glauben, dass diese Art und Weise der Erscheinung mit der Realität übereinstimmt. Wenn wir beispielsweise unsere Augen schließen, erscheint es uns so, als wenn alle anderen Wesen aufgehört hätten zu existieren, und wir die einzigen wären, die noch da sind. Die Tatsache, dass wir in unserem Kopf eine Stimme haben, verstärkt den Eindruck, dass es in unserem Kopf ein festes „Ich“ gibt, dass dort ganz für sich selbst, unabhängig von allem anderen, existiert. Wir glauben dann, dass dies wahr sei, und dass unsere Wahrnehmung mit der Realität übereinstimmt. Dieser Irrglaube ist unsere Verwirrung, unsere Unwissenheit und unsere Verblendung. Und als Wirkung davon, fühlen wir uns einsam. Wir denken: „Ich bin ganz allein, ich Armer; niemand versteht mich“ und so weiter, und dann fühlen wir uns ganz unglücklich.

Zusammengefasst besteht die erste edle Wahrheit darin, dass wir Leiden und Unglücklichsein im Leben erleben. Die zweite edle Wahrheit besagt, dass sie aus Ursachen entsteht, nämlich aus unserer Verwirrung und der Tatsache, dass unser Geist die Dinge in einer verwirrenden Art und Weise erscheinen lässt und wir diese Erscheinungen für wahr halten.

Die dritte edle Wahrheit bezieht sich auf die wahre Beendigung des Leidens und seiner Ursachen, die gewöhnlicherweise als das „wahre Aufhören“ bezeichnet wird. Um die Leiden des Endlos-Wiederkehrens zu beenden, müssen wir uns von seinen Ursachen befreien. Und in diesem Zusammenhang ist die Tatsache äußerst wichtig, dass es möglich ist, sich vollständig von allen Ebenen dieser Ursachen zu befreien. Wenn wir uns von der Verwirrung befreien, die unser Leiden verursacht, erlangen wir Befreiung aus Samsara. Wenn wir uns zusätzlich von den Gewohnheiten der Verwirrung befreien, die bewirken, dass uns die Dinge in einer verwirrenden Art und Weise erscheinen, dann werden wir zusätzlich zur Befreiung die Erleuchtung erlangen. Als ein Buddha werden wir dann allwissend und allumfassend liebend sein, und daher die Fähigkeit besitzen, am besten darüber Bescheid zu wissen, wie wir jedem einzelnen Wesen individuell helfen können.

Die vierte edle Wahrheit bezieht sich auf den wahren Pfadgeist, der üblicherweise als „wahrer Pfad“ übersetzt wird. Diesen wahren Pfadgeist benötigen wir, um eine wahre Beendigung des Leidens und seiner Ursachen hervorzubringen. Genauer gesagt handelt es sich um einen Pfadgeist, der diese Beendigung hervorruft, bzw. um ein Verständnis, das diese Beendigung bewirken wird, und auch um einen Pfadgeist oder einen Geisteszustand, mit dem diese Beendigung erlangt wird.

Diese vier Edlen Wahrheiten, sind die grundlegendsten Lehren des Buddhas.

Buddhanatur

Wenn wir darüber sprechen, wie wir einen wahren Pfadgeist erzeugen können, der uns bis zur Befreiung und Erleuchtung führt, dann hat der große Kagyü-Meister Gampopa dazu festgestellt, dass die Buddhanatur die Ursache dafür ist, dieses Ziel zu erreichen, das kostbare menschliche Leben die Grundlage, und die Inspiration eines spirituellen Mentors die unterstützende Bedingung. Deshalb müssen wir, um dieses Ziel erreichen zu können, das Konzept der Buddhanatur verstehen.

„Buddhanatur“ bezieht sich auf ein Netzwerk von Faktoren, die es uns ermöglichen, die erleuchtenden Körper eines Buddhas zu erlangen. Bei den „Körpern“ eines Buddhas handelt es sich lediglich um eine wörtliche Übersetzung. „Körper“ bezieht sich auf Sammlungen oder große Gruppen von Merkmalen und Qualitäten, die ein Buddha besitzt und die als Netzwerke fungieren. Ein Buddha kann als ein Netzwerk verschiedenster Formen erscheinen und kann in einem Netzwerk der verschiedensten Sprachen und Verhaltensweisen kommunizieren. Der Geist eines Buddha ist ein Netzwerk vollständigen Verständnisses aller Dinge, ein Netzwerk vollkommener und unparteiischer Liebe für jedes Wesen, und ein Netzwerk des vollständig entwickelten Vermögens, jedem Wesen in geeigneter Weise zu helfen und so weiter.

Was sind es für Faktoren, die es jedem von uns ermöglichen, ein Buddha zu werden? Wir können hier drei grundlegende Arten von Faktoren unterscheiden.

Als erstes haben wir die sich entwickelnden Faktoren. Dabei handelt es sich um grundlegende Netzwerke, die uns allen innewohnend sind und die sich dahingehend verwandeln können, bzw. die sich dahingehend entwickeln können, selbst einige dieser Körper eines Buddha zu werden. Selbst jene Lebewesen, die zurzeit als Regenwürmer Geburt angenommen haben, besitzen diese Faktoren. Zwei dieser grundlegenden Netzwerke werden gewöhnlicherweise als „Ansammlung von Verdienst“ und „Ansammlung von Weisheit“ übersetzt. Ich denke jedoch, dass diese Übersetzungen irreführend sind. Bei diesen Faktoren handelt es sich nicht um so etwas wie Briefmarkensammlungen. Vielmehr beziehen sich diese Faktoren oder Ansammlungen auf Netzwerke oder Systeme, die wir alle besitzen, ebenso wie wir alle ein Atmungssystem oder ein Verdauungssystem besitzen, das jeweils aus einem Netzwerk verschiedener Organe bestehen.

Im Buddhismus wird der Begriff „Verdienst“ auch nicht in dem Sinne verwendet, als wenn wir Punkte ansammeln könnten, und wenn wir nur genügend Verdienst-Punkte angesammelt haben, bekommen wir ein „Verdienst-Abzeichen“ oder gewinnen einen Preis. „Verdienst“ bezieht sich auf die positive Kraft oder das positive Potenzial, das wir durch unsere konstruktiven geistigen, sprachlichen und körperlichen Handlungen aufgebaut haben. „Weisheit“ ist ebenfalls kein angemessener Begriff, da sich dieser Fachbegriff auf ein Gewahrsein der Realität bezieht, das man durch die grundlegendsten Faktoren erlangen kann, die im Geist von jedem Lebewesen aktiv sind, ganz unabhängig von der Lebensform, die ein geistiges Kontinuum gerade angenommen hat. Regenwürmer besitzen diese Art von Gewahrsein gleichermaßen. Allerdings klingt es ein bisschen merkwürdig, wenn man davon spricht, dass die Regenwürmer Weisheit besitzen. Selbst davon zu sprechen, dass wir, wenn wir als Regenwurm wiedergeboren werden, Weisheit besitzen, klingt immer noch ein bisschen merkwürdig. Deshalb ziehe ich es vor, von den sich entwickelnden Buddhanatur-Faktoren eines Netzwerkes positiver Kraft und eines Netzwerkes tiefen Gewahrseins zu sprechen.

Jedes dieser zwei Netzwerke wird dadurch gestärkt, dass das Netzwerk grundlegender guter Qualitäten und Potenziale gestärkt wird, welches jeder von uns besitzt. Wir haben beispielsweise alle die grundlegenden Faktoren von menschlicher Wärme, Freundlichkeit und Zuneigung. Indem wir von diesen Faktoren Gebrauch machen und konstruktiv handeln – indem wir anderen helfen – bauen wir unser Netzwerk positiver Kraft aus. Zusätzlich hat jeder von uns die Fähigkeit Dinge wahrzunehmen: Jeder von uns ist in der Lage, Informationen aufzunehmen, diese Informationen in Kategorien einzuordnen, zu verstehen, wie die Dinge sind und so weiter. Indem wir von diesen Faktoren Gebrauch machen, können wir uns auf die Realität hin ausrichten und die Realität verstehen. Auf diese Art bauen wir das Netzwerk des tiefen Gewahrseins weiter aus.

Diese Netzwerke guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins können sich in dem Sinne entwickeln, dass sie jetzt lediglich von sogenannten „vergänglichen Befleckungen“ bzw. „flüchtigen Flecken“ überlagert werden, die sich wie Wolken über diese Netzwerke schieben. Diese Netzwerke guter Qualitäten arbeiten zurzeit nicht auf dem höchsten Niveau ihrer Funktionsfähigkeit. Aber wenn wir uns von diesen Befleckungen befreien können, die diese Netzwerke guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins schädlich beeinflussen und blockieren, und wenn wir die einzelnen Bestandteile dieser Netzwerke stärken, dann werden die Netzwerke das Spitzenniveau ihrer Leistungsfähigkeit erreichen. Ihr höchstes Niveau an Funktionsfähigkeit erreichen sie als die erleuchtenden Netzwerke eines Buddha – das heißt als die „Körper“ eines Buddha. Genauer gesagt verwandelt sich ein Netzwerk positiver Kraft in ein Netzwerk der groben und subtilen Formen, in denen sich ein Buddha manifestieren kann und in die unterschiedlichen Arten, in denen ein Buddha kommunizieren kann. Ein Netzwerk des tiefen Gewahrseins verwandelt sich an ein Netzwerk des Geistes und des Herzens eines Buddhas, mit all seinen guten Qualitäten.

[Siehe: Wie man auf dem spirituellen Pfad voranschreitet: die Netzwerktheorie. Siehe auch: Die zwei Erleuchtung aufbauenden Netzwerke (die zwei Ansammlungen).]

Der zweite Faktor innerhalb dieses Netzwerkes, das wir „Buddhanatur“ nennen, ist die Tatsache, dass unser geistiges Kontinuum, d.h. unser Geistesstrom, durch Inspiration beeinflusst werden kann – Inspiration wird normalerweise als „Segen“ (engl. blessing) übersetzt. Anders gesagt, kann unser geistiges Kontinuum und die Netzwerke guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins, die in unserem Geisteskontinuum vorhanden sind, durch den positiven Einfluss anderer Lebewesen auf ein höheres Niveau seiner Wirkungsweise angehoben werden.

Die dritte Art von Buddhanatur wird als „verweilender Faktor“ bezeichnet. Das bezieht sich auf die Art und Weise, wie das gesamte Netzwerk an Buddhanatur-Faktoren existiert – nämlich als Leerheit. „Leerheit“ bezieht sich auf die Abwesenheit unmöglicher Weisen zu existieren. Mit anderen Worten, existiert dieses Netzwerk von Buddhanatur-Faktoren nicht auf eine unmögliche Art und Weise. Eine unmögliche Art zu existieren wäre beispielsweise, dass dieses Netzwerk immer nur eine geringe Leistungsfähigkeit besitzen würden und diese sich niemals verbessern könnte. Das ist aber unmöglich. Es ist unmöglich, dass diese Netzwerke nicht so beeinflusst werden können, dass sie auf der höchsten Höhe ihrer Leistungsfähigkeit funktionieren. Die Abwesenheit dieser unmöglichen Weisen zu existieren, ist dafür verantwortlich beziehungsweise ermöglicht diese Abwesenheit den Prozess einer Entwicklung, sodass diese grundlegenden Netzwerke schließlich in der Lage sein werden, als die erleuchtenden Netzwerke eines Buddha zu arbeiten. Diese Abwesenheit ermöglich das. Diese Abwesenheit unmöglicher Arten zu existieren gilt auch für die Netzwerke, wenn diese auf der Ebene eines Buddha arbeiten. Den Erläuterungen der Gelug-Tradition zufolge wird auf dieser Ebene die Abwesenheit , als der Naturkörper eines Buddha bezeichnet.

Einige Nicht-Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus schließen die konventionelle Natur des Geistes, und nicht nur seine tiefste Natur, in die Definition eines verweilenden Buddhanatur-Faktors mit ein.

Die Funktionsebenen von Grundlage, Pfad und Resultat

Die untergeordneten Netzwerke, aus denen sich die entwickelnden Buddhanatur-Faktoren zusammensetzen – also die Netzwerke guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins – können auf dreierlei Ebenen fungieren. Die drei Ebenen verhalten sich wie verschiedene Quantenebenen von Energie, wenn wir hier einmal diese Analogie aus der Physik verwenden wollen, die dazu benutzt wird, verschiedene Energieniveaus zu beschreiben, auf denen ein Elektron schwingen kann.

  • Als erstes haben wir die grundlegende Ebene, mit anderen Worten die innewohnende Ebene, bei der es sich einfach um die normale Ebene handelt, wenn wer nicht weiter versuchen, irgendetwas zu tun, um diese Netzwerke zu stärken oder zu verbessern.
  • Dann gibt es die Ebene des Pfades, wenn wir diese Netzwerke bis hin zu dem Punkt ausgebaut haben, an dem sie tatsächlich damit beginnen, sich selbst neu zu organisieren und anfangen, auf einer effektiveren Ebene zu funktionieren. Das geschieht dann, wenn wird damit beginnen, die Netzwerke von den Befleckungen und Schleiern zu befreien, die verhindert haben, dass die Netzwerke auf einem effektiveren Niveau arbeiten konnten. Insbesondere wenn unserem sich entwickelnden Buddhanatur-System etwa die nichtkonzeptuelle Wahrnehmung von Leerheit als Teil unseres Netzwerkes tiefen Gewahrseins hinzugefügt wird, wird das eine gewisse Anzahl wahrer Beendigungen von Verwirrungen und Befleckungen hervorbringen, die das System davon abgehalten haben, effektiver zu funktionieren. Durch diese nichtkonzeptuelle Wahrnehmung von Leerheit, erhält unser Netzwerk tiefen Gewahrseins seinen ersten waren Pfadgeist – anders gesagt, wird unser Pfadgeist dann die ersten Anteile der vierten edlen Wahrheit enthalten; und unser geistiges Kontinuum wird seine ersten wahren Beendigungen der Leiden und der Ursachen der Leiden erfahren – mit anderen Worten der ersten Anteile der dritten edlen Wahrheit.
  • Die dritte Ebene wird als die resultierende Ebene bezeichnet. Die resultierende Ebene ist ein Zustand, in dem man die sich entwickelnden Netzwerken auf ihr höchstes Niveau angehoben hat, das Netzwerk vollständig ausgebaut hat. Diese Ebene wird erreicht durch eine jederzeit bestehende gleichzeitige nichtkonzeptuelle Wahrnehmung von Leerheit und Erscheinungen – mit anderen Worten, eine andauernde, simultane nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der zwei Wahrheiten in Bezug auf alle Dinge. Zu diesem Zeitpunkt erlangen wir eine wahre Beendigung aller Leiden und ihrer Ursachen; wir werden zu einem vollkommen erleuchteten Buddha. Unsere Netzwerke verwandeln sich in die erleuchtenden Körper eines Buddhas und wirken dann als die erleuchtenden Körper eines Buddha.

Die sich entwickelnden Buddhanatur-Faktoren – also dieses System von Netzwerken guter Qualitäten, positiver Kraft und tiefen Gewahrseins – bilden die Ursache für das Erlangen wahrer Beendigungen und wahrer Arten von Pfadgeist. Das Erlangen der wahren Beendigungen und der wahren Arten von Pfadgeist kommt dadurch zu Stande, dass die Netzwerke bis zu einem bestimmten Niveau hin ausgebaut werden, so dass sie dann als die „herbeiführenden Ursachen“ wirken, um die wahren Beendigung und die wahren Arten von Pfadgeist, die zur Befreiung und Erleuchtung hinführen, herbeizuführen. Eine „herbeiführende Ursache“ ist eine Ursache, die sich in ein Resultat umwandelt.

Inspiration

Die Bedingung, die notwendig ist, um diese Umwandlung herbeizuführen, ist die Inspiration, wie auch die Tatsache, dass die sich entwickelnden Buddhanatur-Faktoren durch Inspiration dahingehend positiv beeinflusst werden können, dass sie weiter gestärkt werden.

Drei Dinge können uns diese Inspiration geben, das heißt, sie können uns dabei unterstützen, uns derartig zu transformieren. Die erste Quelle der Inspiration ist das dreifache Kleinod, bzw. die drei Zufluchtsjuwelen: die Buddhas, der Dharma und der Sangha. Das Dharma-Juwel bezieht sich auf Zustände, in denen das Leiden und die Ursachen des Leidens für immer beseitigt worden sind und die sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke aktiviert und bis zu dem Punkt hin angeregt worden sind, dass sie diese Zustände der Beseitigung bewirken. Mit anderen Worten, bezieht sich das Dharma-Juwel auf die dritte und vierte edle Wahrheit im geistigen Kontinuum eines Individuums – und das inspiriert uns. Auch die Buddhas sind für uns eine Quelle der Inspiration – das heißt, wir fühlen uns durch jene Wesen inspiriert, die in ihrem geistigen Kontinuum einen vollständigen Satz von dritten und vierten edlen Wahrheiten erlangt haben – also die vollständige Beendigung von allen Leiden und ihren Ursachen, einen vollständigen Satz von erleuchteten und erleuchtenden Arten von Pfadgeist. Auch durch den Sangha erleben wir Inspiration. Der Sangha sind all jene Praktizierenden, die bereits einen gewissen Anteil an dritten und vierten edlen Wahrheiten in ihrem geistigen Kontinuum erlangt haben – also einige wahre Beendigung und einige wahre Arten von Pfadgeist.

Bitte vergegenwärtigen Sie sich diesen subtilen Punkt: Die dritte und vierte edle Wahrheit entsprechen einander. Wenn Sie eine bestimmte Menge von nichtkonzeptuellem Verständnis von Leerheit erlangen, so ist diese Erlangung äquivalent mit dem Erlangen der entsprechenden Menge einer wahren Beendigung der wahren Ursache für das Leiden. Die beiden Erlangungen entsprechen einander und ereignen sich zur gleichen Zeit. Es ist nicht so, dass man erst einen wahren Pfadgeist entwickelt und dann eine wahre Beendigung erlangt. Vielmehr verhält es sich so, dass man durch das Erreichen eines Teils wahrer Beendigungen, mittels einer nichtkonzeptuellen Wahrnehmung von Leerheit, auch einen entsprechenden Teil von Arten von wahrem Pfadgeist erlangt.

Von den Buddhas, vom Dharma und vom Sangha erhalten wir also Inspiration, die wir für die uns erhebende Umwandlung unserer sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke benötigten. Ebenso erhalten wir Inspiration für die Umwandlung unserer Netzwerke von anderen leidenden fühlenden Wesen, d.h. von jenen Wesen, die einen begrenzten Geist besitzen. Sie inspirieren uns dazu, Mitgefühl zu entwickeln und an uns selbst zu arbeiten, um in der Lage zu sein, anderen Wesen so gut wie möglich von Nutzen zu sein. Durch andere fühlenden Wesen entwickeln wir eine Bodhicitta-Ausrichtung mit dem Ziel, die Erleuchtung zu erlangen, um ihnen so gut wie möglich von Nutzen sein zu können. Und wir erhalten auch Inspiration von unseren spirituellen Mentoren, die wir als ein lebendiges Beispiel dafür nehmen, was wir selber anstreben. Die Kombination dieser drei Quellen von Inspiration gibt uns in gewisser Hinsicht den entscheidenden Energieschub, der notwendig dafür ist, uns dazu zu bewegen, diese Netzwerk-Systeme auszubauen. Die Tatsache, dass diese Netzwerke nicht auf eine unmögliche Art existieren, ermöglicht es überhaupt erst, dass eine Umwandlung stattfinden kann.

Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, all diese Begriffe gut zu verstehen – die vier edlen Wahrheiten, Buddhanatur, Inspiration, die Körper eines Buddhas und so weiter. Wenn wir diese Begriffe als grundlegendes Bezugssystem unseres Verständnisses verwenden dann ergeben für uns alle Unterweisungen im Buddhismus einen Sinn. In unserem Falle können wir besser verstehen, welche Rolle Glück auf dem buddhistischen Übungspfad spielt.

Die guten Qualitäten, die unsere Netzwerke positiver Kraft und tiefen Gewahrseins stärken werden

Als nächstes wollen wir die Netzwerke guter Qualitäten ein wenig näher betrachten, die wir alle haben und die wir weiter stärken müssen, damit die Netzwerke positiver Kraft und tiefen Gewahrseins auf ein höheres Niveau springen können, wo sie dann als erleuchtende Netzwerke der Körper eines Buddha wirken.

Eine dieser Qualität ist beispielsweise die dem Geist – beziehungsweise dem Herzen – innewohnende Warmherzigkeit, das heißt die Tatsache, dass im Geist beziehungsweise im Herzen jeden Lebewesens ein gewisses Maß an Warmherzigkeit oder Zuneigung vorhanden ist, sei es als Potenzial oder in manifester Form. Einen Beleg dafür ist, dass jeder Mensch, der ein Baby auf seinem Schoß hat – ganz egal ob es sich dabei um ein menschliches Baby, einen jungen Hund oder einen kleines Kätzchen oder so handelt – natürlicherweise Zuneigung und Wärme für dieses Baby empfindet.

Eine andere Fähigkeit des Geistes ist, dass er kognitive Erscheinungen hervorbringt. Wir alle besitzen beispielsweise unsere Vorstellungskraft. Das kennen wir aus Situationen, wenn wir Durst haben und uns dann ein Glas Orangensaft oder ähnliches vorstellen können. Dazu sind wir alle in der Lage. Wir sind alle dazu fähig, Bilder oder Erscheinungen in unserem Geist hervorzurufen.

Die nächste Qualität, die wir besitzen, ist eine uns innewohnende Freude. Jetzt kommen wir zu unserem Thema, denn hier fügt sich Glück in den gesamten buddhistischen Kontext ein. Wir alle haben die Fähigkeit Glück zu empfinden. Wir kennen das zum Beispiel daher, wenn wir morgens in einem netten, warmen und komfortablen Bett liegen, dann empfinden wir ein gewisses Maß an Glück. Oder wenn wir an einem herrlichen Frühlingstag in einem wunderschönen Park spazieren gehen – wir alle wissen, wie er sich an einen solchen Tag anfühlt, wenn wir glücklich sind. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt glücklich zu sein. Es ist uns nur deshalb überhaupt möglich glücklich zu sein, weil es im Geist eines jeden Lebewesens eine ihm innewohnende Freude gibt.

Eine weitere gute Eigenschaft, die unsere Netzwerke stärken wird, ist die uns innewohnende Energie. Belege für die Existenz der Energie finden wir in dem Umstand, dass wir im Notfall alle schnell aufspringen können. Selbst wenn wir gelähmt sind, gibt es in uns zumindest einen Energieimpuls, die uns dazu bringt, dass wir aufspringen wollen.

Eine weitere innewohnende gute Eigenschaft ist die Fähigkeit, Sachverhalte zu verstehen. Wir wissen zum Beispiel alle, wie wir unsere Schuhe zu binden. Wenn Sie ihre Schuhe schnüren, wissen Sie in diesem Augenblick, wie man die Schuhe bindet Es muss sich dabei nicht um ein ausgeklügeltes Verständnis handeln. Wir haben alle ein gewisses Maß an Verständnis. Selbst eine Kuh oder ein Huhn weiß, wo sich die Scheunentür befindet und wie man durch die Scheunentür hindurch kommt. Weder die Kuh noch das Huhn laufen einfach gegen die Wand, wenn sie in den Stall hinein gehen, nicht wahr?

Jedes Lebewesen hat zudem die Eigenschaft der innewohnenden Konzentration. Wir wissen, dass wir eine gewisse Fähigkeit haben, uns zu konzentrieren, weil wir beispielsweise in dem Augenblick, in dem wir Worte aufschreiben, konzentriert sind. Wenn dem nicht so wäre, könnten wir gar nichts aufschreiben.

[Siehe: Ausgewogene Sensibilität entwickeln, Kapitel 4.]

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass alle diese Elemente in unserem Netzwerke guter Qualitäten ethisch neutrale, unspezifische Phänomene sind. Der Buddha hat diese Elemente weder als konstruktiv noch als destruktiv spezifiziert. Sie können konstruktive, destruktive oder ethisch neutrale Geisteszustände und Handlungen begleiten und in jedem dieser Fälle nehmen sie den ethischen Status des jeweiligen Geisteszustand oder der jeweiligen Handlung an. Anders gesagt, können wir ein Gefühl von Glücklichsein erleben, während wir jemanden helfen, während wir jemand schlagen, oder während wir die Straße entlang gehen.

Was wir erreichen wollen ist, dass wir uns diese verschiedenen guten Qualitäten, die jeder von uns hat, zu Nutzen machen, und sie dazu verwenden, konstruktiv zu handeln. Dann werden diese guten Qualitäten zu etwas Konstruktivem und können uns dabei helfen, Erleuchtung zu erlangen. In diesem Sinne können wir uns auf diese guten Qualitäten als die sich entwickelnden Buddhanatur-Faktoren beziehen, obwohl man über Behauptung debattieren könnte.

Die sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke als ein offenes organisches System

Die sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke unserer guten Qualitäten, positiven Kraft und tiefen Gewahrseins bilden in gewisser Hinsicht ein offenes organisches System. Als ein „offenes System“ wird etwas bezeichnet, in das einige Dinge von Außen eintreten können und andere Dinge wieder aus dem System heraustreten können. Ein „organisches“ System ist ein lebendiges System. So gelangen beispielsweise Informationen, Erfahrungen und so weiter in unser Buddhanatur-System, wohingegen körperliche, sprachliche und geistige Handlungen das System verlassen. Es ist nicht einfach so, dass wir unserem Körper Nahrungsmittel zuführen und diese dann den Körper in Form von Exkrementen wieder verlassen. Ich möchte zu diesem Thema gerne ein weiteres Beispiel geben. Zum Beispiel erlangen wir mehr und mehr Konzentration, wenn wir uns in Meditation üben; in gewisser Hinsicht tritt also Konzentration verstärkt in unser Netzwerk-System ein. Als ein Ergebnis dieses Eintritts, verbessert sich die uns innewohnende Qualität und das uns innewohnende Potenzial uns konzentrieren zu können nach und nach. Unser System erzeugt dann eine größere Anzahl an Augenblicken von Konzentration, die „nach außen gehen“, d.h., die das System verlassen. Dieser gesamte Prozess gleicht einem Rückkopplungskreis.

Das System sich entwickelnder Buddhanatur-Netzwerke folgt den Gesetzmäßigkeiten eines organischen Systems in der Weise, wie organische Systeme von den westlichen Wissenschaften verstanden werden. Die Systemanalyse lehrt uns beispielsweise, dass, wenn man einige Elemente innerhalb eines offenen organischen Systems von Netzwerken mit Rückkopplungskreis stärkt, dieses System dann schließlich eine kritische Masse erreichen wird. Wenn das System eine solche kritische Masse erreicht, bewegt es sich sprunghaft auf eine andersartige „Quantenebene“. (Anm. d. Ü.: Im Deutschen spricht man davon, dass das System einen Quantensprung macht.) Auf dieser andersartigen Quantenebene organisiert sich das System neue, so dass es auf einem unterschiedlichen Niveau arbeiten kann. Es durchläuft das, was oft als „Phasenübergang“ bezeichnet wird.

In anorganischen Systemen ist diese Neuorganisation recht offensichtlich. Wenn Wärmeenergie in das System des Wassers eindringt, erreicht das Wasser einen kritischen Punkt, durchläuft einen Phasenübergang und organisiert sich in Form von Wasserdampf neu. Bei einem anderen kritischen Punkt der Wärmeenergie, durchläuft das Wasser einen anderen Phasenübergang und organisiert sich in Form von Eis neun. Ein Beispiel für ei organisches System, bei dem dies der Fall ist, wäre, wenn jemand seinen Arm verloren hat. In diesem Falle organisiert sich des organischen Systems des Gehirns neu in der Weise, , dass die Person lernt, alle möglichen Dinge mit dem anderen Arm zu tun.

Ähnliches geschieht auch in dem offenen organischen System unserer sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke. Wenn wir diesem System genügend Kraft zuführen, so dass wir beispielsweise zum ersten Mal, mittels unseres innewohnenden Vermögens die Dinge zu verstehen, ein nichtkonzeptuelles Verständnis von Leerheit erlangen, erreicht das System eine kritische Masse. Das gesamte System durchläuft dann eine Phasenumwandlung. Das System organisiert sich neu und funktioniert nicht mehr als das System eines gewöhnlichen Wesens, sondern funktioniert nun als das Netzwerk-System eines Arya, dass heißt eines hoch verwirklichten Wesens. Die Reorganisation beinhaltet, dass man nicht nur einen Teil von Arten von wahrem Pfadgeist erlangt, sondern auch einen Teil an wahren Beendigungen, so dass das System etwas losgeworden ist. In diesem Fall hat sich das System von der doktrinär bedingten Verwirrung befreit – einer Verwirrung die darauf beruhte, dass man die nicht-buddhistischen indischen philosophischen Systeme gelernt und akzeptiert hatte. Ein solcher Zustand ist auch frei von störenden Emotionen und Geisteshaltungen, die aus der doktrinär bedingten Verwirrung entstehen.

Dass man dieses Niveau an kritischer Masse erreicht, kommt nicht dadurch zu Stande, dass man lediglich ein Element in diesem System von Netzwerken stärkt. Das System der sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke ist in sich selbst einen gewaltiges, komplexes Netzwerk einer großen Anzahl miteinander verbundener Elemente, die sich gegenseitig beeinflussen. Wir müssen viele dieser Elemente stärkern, um schließlich diese kritische Masse zu erreichen – so müssen wir zum Beispiel unser Mitgefühl, unsere Konzentration, unser Verständnis usw. stärken.

Wenn wir dieses System weiter stärken, gelangen wir zu einem Punkt, an dem das System eine weitere kritische Masse erreicht und sich selbst in der Weise neu organisiert, dass wir ein Arhat, also ein befreites Wesen, werden. an diesem Punkt hat sich das System von der automatisch entstehenden Verwirrung und von den störenden Emotionen und Geisteshaltungen befreit, die automatisch auf Grundlage dieser Verwirrung entstehen. Wir werden entweder zu einem Hinayana-Arhat oder, wenn wir uns in einem Mahayana-Pfadgeist geübt haben, ein Bodhisattva der achten Ebene. Jetzt arbeiten die Netzwerke auf der Ebene eines Arhats, dass heißt ohne das sich unkontrollierbar wiederholende Leiden. Anders gesagt funktioniert das Netzwerk jetzt so, dass es frei von Samsara ist. Wenn wir das Netzwerk noch weiter stärken, bis hin zu der Ebene, zu der es maximal ausgebaut werden kann, so dass das System frei von den Gewohnheiten der Verwirrung wird, dann wird sein höchstmögliches Niveau kritischer Masse erreichen und das System organisiert sich selbst in der Weise neu, dass wir ein Buddha werden. Das System hört dann auf, verwirrende Erscheinungen unmöglicher Arten zu existieren hervorzubringen, und verwandelt sich in die erleuchtenden Netzwerke der Buddha-Körper.

Einen wichtigen Punkt muss man hier im Sinn behalten. Obwohl diese Quantensprünge dann auftreten, wenn man ein gewisses Maß an kritischer Masse erreicht hat, und obwohl sich kleinere Quantensprünge innerhalb der größeren Quantensprünge ereignen, wird der Fortschritt, den man von Tag zu Tag macht, dennoch stets nichtlinear sein. Das wiederum ist mit den Erkenntnissen der organischen Systemanalyse konsistent und stimmt auch mit unserer alltäglichen Erfahrung überein. Tatsächlich bewegen sich die Dinge Tag für Tag, Augenblick für Augenblick auf und ab. Wir erleben nie eine stetige, lineare Verbesserung, bei der die Dinge von Tag zu Tag stetig besser werden. Es geht immer auf und ab. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, um den Prozess verstehen zu können, in dem wir stufenweise fortgeschrittenere Arten von Pfadgeist entwickeln, die uns bis zur Befreiung und Erleuchtung hinführen.

Die Systeme der sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke stärken

Die beste Art und Weise, wie man die Umwandlung dieser sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke in Buddha-Körper erreicht, ist, dass man daran arbeitet, die Netzwerke der positiven Kraft und des tiefen Gewahrseins gleichzeitig zu stärken. Das liegt daran, dass die beiden miteinander verbunden sind. Und das ist auch der Grund, warum man im Buddhismus davon spricht, sich in seiner Praxis, sowohl der Seite der Methode, als auch der Seite der Weisheit beziehungsweise des tiefen Gewahrseins zu widmen, und sich nicht nur auf eine Seite allein zu konzentrieren. An der Methode zu arbeiten, stärkt das Netzwerk der positiven Kraft, wohingegen das Arbeiten an der Weisheitsseite das Netzwerk tiefen Gewahrseins stärkt.

Auf seinem höchsten Niveau wandelt sich das Netzwerk positiver Kraft in die erleuchtenden Formen eines Buddha – also in die Formkörper, bzw. auf Sanskrit in den rupakaya – und die Netzwerke des tiefen Gewahrseins werden auf ihrem optimalen Niveau zu dem, was als „das Tiefe Gewahrsein des Dharmakaya“ bezeichnet wird, oder, allgemeiner gesagt, zum „Weisheits-Dharmakaya“ eines Buddhas. Anders gesagt, verwandelt sich das Netzwerk des tiefen Gewahrseins in das erleuchtende Netzwerk eines allwissenden und allumfassend liebenden Buddha-Geistes. Diesen Prozess so zu beschreiben ist jedoch nicht ganz präzise. In Wirklichkeit müssen wir an beiden Netzwerken arbeiten, sowohl auf der Methodenseite, als auch auf der Weisheitsseite, um eine Stärkung des Systems dieser beiden Netzwerke als Ganzes zu erreichen. Es ist nicht möglich, dass lediglich ein System oder Netzwerk unabhängig vom anderen operiert. Beide Systeme sind wechselseitig miteinander verbunden. Wenn also ein Netzwerk positiver Kraft die herbeiführende Ursache für den die Formkörper eines Buddhas ist, dann ist dafür ein Netzwerk tiefen Gewahrseins als gleichzeitig wirkende Bedingung notwendig. Und wenn ein Netzwerk des tiefen Gewahrseins als herbeiführende Ursache für das tiefe Gewahrsein des Dharmakaya eines Buddhas wirkt, so ist dafür ein Netzwerk positiver Kraft als gleichzeitig wirkende Bedingung notwendig.

Mit anderen Worten benötigen wir eine ganzheitlich ausgerichtete Vorgehensweise. Wenn wir beispielsweise einen Zustand guter Gesundheit erreichen wollen, reicht es nicht einfach nur daran zu arbeiten, das Verdauungssystem zu verbessern; wir müssen bedenken, dass das Verdauungssystem mit dem Kreislaufsystem, mit dem Nervensystem usw. verbunden ist. Den gleichen Sachverhalt müssen wir in Bezug auf all diese Systeme und Netzwerke auch in unserer Dharma-Praxis bedenken.

Die Netzwerke mit Hilfe der Methoden des Sutra-Pfades stärken

Wie stärken wir die Elemente innerhalb dieses Systems der sich entwickelnden Buddhanatur-Netzwerke? Wenn wir die Methoden des Sutra-Pfades verwenden und wir uns auf die Methodenseite konzentrieren, dann stärken wir, unsere natürliche Herzenswärme. Anders gesagt, arbeiten wir an Liebe und Mitgefühl. Und wir arbeiten mit der dem System innewohnenden Energie, um tatsächlich nach außen zu gehen und anderen, so gut wir können, zu helfen. Wenn wir diese Faktoren stärken, kräftigt dies unser Netzwerk positiver Kraft, was er uns wiederum in die Richtung führt, tatsächlich die Formkörper eines Buddha zu entwickeln, die am besten dafür geeignet sind, nach außen zu gehen und anderen in einer liebevollen Weise zu helfen. Aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir auf dem Sutra-Pfad nur mit einigen Elementen innerhalb unseres Netzwerks guter Qualitäten arbeiten, die unser Netzwerk positiver Kraft stärken. Natürlich müssen wir auch die guten Qualitäten stärken, die dazu beitragen, das Netzwerk des tiefen Gewahrseins auszubauen, was uns in die Lage versetzt, genau zu wissen, was anderen wirklich hilft.

Welche Faktoren benötigen wir auf der Sutra-Ebene um unser Netzwerk tiefen Gewahrseins zu stärken? Wir machen Gebrauch von der grundlegenden Ebene unserer fünf Arten tiefen Gewahrseins.

  • Als erstes gibt es das spiegelgleiche tiefe Gewahrsein, was uns dazu befähigt, Informationen aufzunehmen: wir alle nehmen Informationen auf, wie zum Beispiel Ansichten, Klänge und so weiter.
  • Dann gibt es das gleichsetzende tiefe Gewahrsein, was uns dazu befähigt, die Informationen in Gruppen gleicher Dinge zu organisieren, so dass wir die Informationen sinnvoll verarbeiten können.
  • Als nächstes gibt es das individualisierende tiefe Gewahrsein, was uns dazu befähigt individuelle Fälle von allgemeinen Fällen zu unterscheiden. Wenn wir die Informationen erst einmal in allgemeine in Gruppen unterteilt haben, müssen wir die spezifische Ausprägung von jedem Ereignis erkennen, um mit jeder Situation als einen individuellen Fall umgehen zu können.
  • Das führt uns zum vollbringenden tiefen Gewahrsein, wobei es sich um das Gewahrsein handelt, mit dem wir uns tatsächlich mit den Informationen in Beziehung setzen und uns mit den Informationen befassen, die wir aufgenommen haben.
  • Und dann gibt es das tiefe Gewahrsein der Realität, das uns dazu befähigt, die konventionelle Realität richtig zu begreifen. Mithilfe dieses tiefen Gewahrseins der Realität, erkennen wir, was die Dinge sind, zu welchen Kategorien sie gleichermaßen mit anderen Dingen gehören, was ihre Individualität ausmacht, und wie man sich im Einzelfall mit ihnen in Beziehung setzt. Wir wissen, was um uns herum passiert und das befähigt uns dazu, uns unter Anwendung geschickter Mittel mit den Dingen in Beziehung zu setzen. Wir erkennen, wie wir helfen können und was zu tun als. In dieser Weise verbindet uns das tiefe Gewahrsein der Realität nicht nur mit den anderen vier Arten des tiefen Gewahrseins, sondern auch mit den Netzwerk-Elementen der Liebe und des Mitgefühls.

Das tiefe Gewahrsein der Realität befähigt uns auch dazu, die tiefste Tatsache bezüglich aller Dinge zu erfassen – die Leerheit aller Dinge. Mit dem tiefsten Gewahrsein erkennen wir, dass nichts auf eine unmögliche Art existiert. Wir arbeiten also auch daran, dieses tiefe Gewahrsein mithilfe der Meditation über Leerheit auszubauen, wobei wir begleitend auch mit allen möglichen Methoden des Sutra-Pfades arbeiten, wie zum Beispiel der Entwicklung von Mitgefühl und so weiter. Wir stärken dieses Netzwerk des tiefen Gewahrseins, so dass es sich in die Richtung entwickelt, ein tiefes Gewahrsein des Dharmakaya zu werden, das heißt, dass es sich zu dem Geist eines Buddha entwickelt, der sich auch als ein Netzwerk beschreiben lässt. Der Geist eines Buddhas ist nicht nur ein Netzwerk, das die relative oder konventionelle, oberflächliche Wahrheit und die tiefste Wahrheit über jeden und alles versteht, sondern auch einen Netzwerk, das für alle begrenzten Wesen gleichermaßen vollkommene Liebe und Mitgefühl empfindet. Dieser Aspekt des tiefen Gewahrseins des Dharmakaya entsteht dadurch, dass wir auch die andere Seite berücksichtigen, und unser Netzwerk positiver Kraft entwickeln. Das tiefe Gewahrsein des Dharmakaya besitzt zudem die Stärke und Fähigkeit allen anderen Wesen zu helfen. Das kommt dadurch zu Stande, dass wir unsere Energien tatsächlich in die Richtung hin bewegen, anderen zu helfen. Auch diese Aktivität findet auf Seiten des Netzwerks positiver Kraft statt. Daraus wird deutlich, dass wir an beiden Netzwerken gleichzeitig arbeiten müssen, und auch beide Netzwerke zusammen ausbauen müssen, weil sie wechselseitig miteinander verbunden sind und sich gegenseitig stärken. Ein gutes Beispiel, welches diese wechselseitige Verbundenheit aufzeigt ist, dass ein Stärken der uns innewohnende Eigenschaft der Konzentration dazu beiträgt, dass beide Netzwerke gleichzeitig gestärkt werden – sowohl das Netzwerk positiver Kraft als auch das Netzwerk des tiefen Gewahrseins.

Auf der Sutra-Ebene ist es jedoch nicht möglich die beiden Seiten, also die Seite der Methode oder positiven Kraft und die Seite der Weisheit oder des tiefen Gewahrseins, gleichzeitig und explizit, im gleichen Augenblick des Geistes zu stärken oder an ihnen zu arbeiten. Das ist deshalb so, weil wir die beiden Elemente, die wir auf dem Sutra-Pfad vor allem benutzen, um diese Netzwerke auszubauen – also Mitgefühl und Verständnis der Leerheit – nicht in einem einzigen Augenblick unseres Geistes zusammenführen können. Mitgefühl ist auf einen konventionellen oder relativen Aspekt der Wirklichkeit gerichtet, wie beispielsweise auf ein leidendes Lebewesen. Das Verständnis von Leerheit hingegen zielt auf die tiefste Art der Wirklichkeit ab, das heißt auf die Art und Weise, wie das Lebewesen existiert. Diese beiden Elemente richten ihre Aufmerksamkeit also auf verschiedene Dinge; zusätzlich fassen sie die Objekte ihres Gewahrseins auf unterschiedliche Weise auf. Mitgefühl richtet sich auf sein Objekt – das Leiden – verbunden mit dem Wunsch, dass dieses Leiden beseitigt werden möge, dass es verschwinden möge. Das Verständnis von Leerheit konzentriert sich auf die Abwesenheit unmögliche Arten zu existieren und nimmt das Objekt seiner Aufmerksamkeit kognitiv auf, indem es die unmöglichen Arten zu existieren vollständig abgetrennt.

Mitgefühle und Verständnis von Leerheit sind also zwei vollkommen verschiedene Geisteszustände, die auf verschiedene Dinge ausgerichtet sind und die Dinge, auf die sie ausgerichtet sind, kognitiv in verschiedener Weise erfassen. Weil dem so ist, können wir nicht beide Geisteszustände gleichzeitig und explizit im gleichen Augenblick eines Geisteszustandes erfassen. Wir können diese Geisteszustände lediglich unmittelbar aufeinanderfolgend erleben; das es alles, was wir tun können. Anders gesagt, wenn wir als erstes Mitgefühl entwickeln und uns danach auf Leerheit ausrichten, wird unsere Ausrichtung auf Leerheit den Geschmack von Mitgefühl annehmen; und wenn wir zunächst ein Verständnis von Leerheit erlangt haben, wird unsere Ausrichtung dann einen Geschmack von Leerheit annehmen. So funktioniert die Praxis auf der Ebene des Sutra-Pfades. Wir müssen dann zu der allgemeinen Ebene von Tantra fortschreiten, um Methode und Weisheit in einem einzigen Augenblick des Geistes zusammenzubringen, so dass wir beide Netzwerke gleichzeitig stärken können.

[Eine detaillierte Erörterung dieses Themas finden sie unter: Die Vereinigung von Methode und Weisheit in Sutra und Tantra: eine Darstellung der Gelug-Position und der Nicht-Gelug-Position.]

Die beiden Netzwerke mithilfe der allgemeinen Methoden des Tantra stärken

Um in der Lage zu sein, diese beiden sich entwickelnden Netzwerke positiver Kraft und tiefen Gewahrseins gleichzeitig zu stärken, ist es nötig, dass wir uns nicht nur auf Mitgefühl als wesentliche Qualität unser Netzwerk positiver Kraft zu stärken, fokussieren. Wir müssen auch daran arbeiten, noch ein anderes Element innerhalb unseres Netzwerks guter Qualitäten zu stärken, das genau dasselbe tun kann. Natürlich fahren wir damit fort, unser Mitgefühl, unsere Konzentration und unsere Tatkraft anderen zu helfen, zu stärken. Allerdings erweitern wir jetzt im Tantra die Bandbreite der Elemente, die wir kräftigen.

Bitte erinnern Sie sich daran, dass wir noch über eine andere uns innewohnende gute Qualität gesprochen haben, die wir alle besitzen – die Vorstellungskraft, das heißt in die Fähigkeit des Geistes, Erscheinungen zu erzeugen. Wenn wir von dieser Fähigkeit im Tantra Gebrauch machen, stellen wir uns vor, dass wir die Gestalt einer Buddhaform annehmen, oder wir visualisieren uns selbst als eine Buddhagestalt, wie beispielsweise Avalokiteshvara oder Tara. Und wir stellen uns vor, dass wir in dieser Gestalt anderen mit Mitgefühl und geschickten Fähigkeiten helfen. Auf diese Weise stärken wir mehrere Elemente innerhalb unseres Netzwerks guter Qualitäten gleichzeitig. Das wird uns dann dabei helfen, Methode und Weisheit gleichzeitig zu praktizieren.

Den Unterweisungen der Sakya-Tradition zufolge – einer in der vier Traditionen des tibetischen Buddhismus – sind Buddhagestalten (Yidams, tantrische Gottheiten) Gestaltungen (Konfigurationen, Zusammenstellungen) der Energien im Körper. Die tantrischen Gottheiten stellen eine andere Quantenebene dar, auf der unsere Energie erscheint und wirkt; und diese Quantenebene existiert in allen Lebewesen. Ich möchte das noch einmal anders formulieren. Unsere Energie und unsere Erscheinung tritt nicht nur auf einer Quantenebene auf, sondern auf zwei solcher Ebenen. Bei der einen Quantenebene handelt es sich um die gewöhnliche Erscheinung, die wir als menschliche Wesen, als Tiere und so weiter besitzen. Bei der anderen Quantenebene handelt es sich um reine Erscheinungen als Buddhagestalten. Beide Quantenebenen existieren gleichzeitig. Als Teil unserer Buddhanatur-Faktoren besitzen wir diese beiden Quantenebenen. Und von diesen beiden Quantenebenenwollen wir hier Gebrauch machen. Wir aktivieren und stärken die Quantenebene der Buddhagestalten, indem wir einen anderen Aspekt unseres Netzwerks guter Qualitäten stärken, nämlich die Fähigkeit des Geistes, kognitive Erscheinungen hervorzubringen.

Wir wissen, dass unsere Energie, angeboren und automatisch, in sehr unterschiedlichen Konfigurationen erscheint und operiert, weil wir alle im Traum sehr unterschiedliche Erscheinungen annehmen. Unsere Traum-Erscheinung ist eine Erscheinung von uns selbst auf einer Quantenebene, die sich von der gewöhnlichen Ebene wenn wir wach sind unterscheidet; bei beiden Arten von Erscheinungen handelt es sich um unterschiedliche Konfigurationen unserer Energie.

In den allgemeinen tantrischen Praktiken gehen wir in der Weise vor, dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf ausrichten, dieses Erscheinung-hervorbringende Element innerhalb unseres Netzwerkes guter Qualitäten zu stärken. Das machen wir, indem wir uns vorstellen, dass wir selbst als eine Buddhagestalt erscheinen, die in einer mitfühlenden Weise anderen Wesen hilft. Eine solche Visualisation stärkt unser Netzwerk positiver Kraft. Mit dieser Visualisation als Methode können wir dann gleichzeitig unser Netzwerk tiefen Gewahrseins, als Weisheit, stärken, indem wir uns auf die Leerheit unserer eigenen Erscheinung als Buddhagestalt konzentrieren. Aber die Art und Weise, in der wir Methode und Weisheit gleichzeitig verwenden, muss jedoch näher erläutert werden.

Meditation über miteinander kombinierte Methode und Weisheit im allgemein Tantra

Die nichtkonzeptuelle Meditation über Leerheit zwei Phasen. Die erste Phase ist die völlige Vertiefung in raumgleiche Leerheit, während der wir explizit nur die Leerheit wahrnehmen. „Explizit“ bedeutet hier, dass unserem Geist lediglich die Leerheit erscheint und sonst nichts. Unser Geist nimmt nicht gleichzeitig die Grundlage der Leerheit wahr – also unsere Erscheinung als eine Buddhagestalt – entweder explizit oder implizit. Der Geist, der völlig in Leerheit vertieft ist, existiert jedoch nicht untrennbar vom Körper, und in diesem Fall ist die Erscheinung dieses Körpers eine Buddhafigur. In diesem Sinne entsteht unsere Erscheinung als eine Buddhafigur und unsere Konzentration auf ihre Leerheit gleichzeitig in einem Augenblick eines Geisteszustandes.

Die zweite Phase der Wahrnehmung von Leerheit ist die Phase der nachfolgenden Erlangung oder der nachfolgenden Verwirklichung – was gewöhnlicher Weise mit dem Begriff „Phase der Nach-Meditation“ übersetzt wird. In dieser Phase konzentriert sich unser Geist explizit auf die Grundlage der Leerheit, nämlich auf unsere Erscheinung als eine Buddhagestalt, die wie eine Illusion ist, und das ist eben das, was dem Geist erscheint. Gleichzeitig nimmt derselbe Geist implizit die Leerheit dieser illusionsgleichen Erscheinung wahr, allerdings ohne dass dem Geist die Leerheit selbst erscheint. Dieses Mal nehmen wir in einem Augenblick eines Geisteszustandes gleichzeitig sowohl unsere Erscheinung als eine Buddhagestalt, wie auch ihre Leerheit wahr, obwohl nur unsere Erscheinung als Buddhagestalt unserem Geist erscheint und wir nur dies explizit wahrnehmen.

Im allgemeinen Tantra, haben wir also sowohl in der Phase völliger Vertiefung, wie auch in der Phase der nachfolgenden Erlangung unserer Meditation über Leerheit, gleichzeitig, in einem einzigen Augenblick eines Geisteszustandes, eine Wahrnehmung von Leerheit und eine Wahrnehmung der Erscheinung von uns selbst in Form einer Buddhagestalt, mit (jeweils) nur einer Weise, wie unser Geist des Objekt explizit wahrnimmt. Obwohl wir dasselbe auch machen könnten, wenn wir uns auf die Leerheit unserer gewöhnlichen Erscheinung konzentrieren, so handelt es sich bei unserer gewöhnlichen Erscheinung doch nicht um etwas, das sich in die erleuchtenden Formen eines Buddhakörpers verwandeln wird. Nur unsere Erscheinung als eine Buddhagestalt – selbst wenn diese bloß in unsere Vorstellungskraft hervorgebracht wird – wird sich in diese erleuchtenden Formen verwandeln. Indem wir also die Fähigkeit unseres Geistes, Erscheinungen hervorzubringen, wie auch unser tiefes Gewahrsein von Leerheit stärken, arbeiten wir daran, die beiden Netzwerke gleichzeitig auszubauen.

Aber das ist noch nicht genug. Wir er müssen in der Lage sein, diese Aspekte von Erscheinung und Leerheit gleichzeitig zu stärken, wobei diese beiden Aspekte explizit in demselben Wahrnehmungsmoment eines Geisteszustandes wahrgenommen werden. Mit anderen Worten, müssen wir dazu in der Lage sein, uns explizit und gleichzeitig auf die beiden Wahrheiten unserer Erscheinung als Buddhagestalt – also auf die tatsächliche Erscheinung und ihre Leerheit – auszurichten. Unsere groben Ebenen des Geistes sind nicht in der Lage, das zu tun. Wenn wir die beiden Netzwerke also wirklich gleichzeitig stärken wollen, müssen wir uns Methoden der höchsten Tantraklasse, dem Annuttarayoga-Tantra, zuwenden. Wir müssen insbesondere von der subtilsten Ebene des Geistes, nämlich von der Ebene des klaren Lichts, Gebrauch machen, um die nichtkonzeptuelle Wahrnehmung der Leerheit unsere Erscheinung als einer Buddhagestalt zu erlangen.

Der Geist des klaren Lichts

Zwischen den verschiedenen Schulen des tibetischen Buddhismus gibt es viele Diskussionen darüber, welcher Art von Buddhanatur-Faktor der Geist des klaren Lichts ist. Handelt es sich bei dem Buddhanatur-Faktor um einen andauernden Faktor oder um einen sich entwickelnden Faktor? Wenn wir sagen, es handele sich dabei um einen sich entwickelnden Faktor, dann wäre er Teil unseres Netzwerks tiefen Gewahrseins und wäre Teil dessen, was sich dahingehend entwickelt, das tiefe Gewahrsein des Dharmakaya eines Buddha zu werden. Wenn wir aber sagen, dass es sich bei diesen Faktor um einen andauernden Faktor handele, wie beispielsweise die Leerheit, dann würde es sich dabei um einen Faktor handeln, der die Verwandlung ermöglicht, und der nicht Teil eines dieser beiden Netzwerken ist. Beide Arten es auszudrücken sind nur unterschiedliche Arten, denselben Prozess – wie man ein Buddha wird – wahrzunehmen.

[Siehe: Buddhanatur; erster Tag der Unterweisungen über das Uttaratantra, Teil 2.]

In beiden Fällen machen wir im Anuttarayoga-Tantra Gebrauch von der nichtkonzeptuellen Wahrnehmung der Leerheit mit einem Geist des Klaren Lichts als Weisheitsaspekt, um das Netzwerk tiefen Gewahrseins zu stärken. Der Grund dafür ist, dass es uns, mit Hilfe der subtilsten Ebene des Geistes, möglich wird, uns explizit und gleichzeitig auf die relative oder konventionelle Wahrheit der Erscheinung unserer selbst als Buddhagestalt, wie auch auf die tiefste Wahrheit dieser Erscheinung, ihrer Leerheit, auszurichten. Diese Erscheinung ist jedoch keine unreine Erscheinung: eine Erscheinung, die verwirrend wäre, da sie – weil sie unrein ist – in einer unmöglichen Art und Weise zu existieren scheinen würde, . Es handelt sich vielmehr um eine reine Erscheinung als etwas, das abhängig von Ursachen, Bedingungen und geistigen Benennungen entsteht.

Jetzt kommen wir zu der Frage, was wir als Methodenaspekt verwenden, den wir mit dieser Klaren-Licht-Wahrnehmung der Leerheit kombinieren können, so dass uns beide Aspekte gleichzeitig und explizit, in einem einzigen Augenblick eines Geisteszustandes erscheinen?

Glück verwenden

Nun wollen wir noch ein weiteres Element unseres Netzwerkes guter Qualitäten stärken und das ist die innewohnende Freude. Hiermit wird Glück in den Pfad eingeführt und als Pfadgeist verwendet. Wir wollen die Fähigkeit oder das Potenzial unseres Geistes, die Dinge mit einem Gefühl von Glücklichsein zu erleben verstärken. Wir wollen dieses Glücksgefühl so stärken, so dass es sich zu einem glückseligen Gewahrsein entwickelt – und wir wollen nicht nur, dass es sich zu einem glückseligen Gewahrsein als ein Geistesfaktor einer intensiven Empfindung von Glücklichsein entwickelt, der einen Augenblick des Geistes begleitet, sondern wir wollen dieses glückseliges Gewahrsein so weit ausbauen, dass es zu einem Primärbewusstsein eines Augenblicks des Geistes wird.

[Siehe: Das grundlegende Schema der fünf Aggregatfaktoren der Erfahrung.]

Mit der eben genannten Art glückseligen Gewahrseins können wir dieses glückselige Gewahrsein gleichzeitig und explizit mit einem Geist des klaren Lichts erfahren, der nichtkonzeptuell völlig vertieft in Leerheit ist. Der Grund hierfür ist, dass es sich bei diesen beiden Geisteszuständen in Wirklichkeit um ein und denselben Geisteszustand handelt: Der Geist des klaren Lichts, der nichtkonzeptuell völlig in Leerheit vertieft ist, ist gleichzeitig ein glückseliges Gewahrsein, das nichtkonzeptuell völlig in Leerheit vertieft ist.

Warum handelt es sich beim glückseligen Gewahrsein um eine Methode? Das glückselige Gewahrsein als Primärbewusstsein kann lediglich auf der Ebene des Geistes des klaren Lichts mit einer nichtkonzeptuellen Wahrnehmung von Leerheit erreicht werden. Obwohl der Geist des klaren Lichts automatisch nichtkonzeptuell ist, erkennt dieser Geist des klaren Lichts nicht notwendigerweise die Leerheit und ist auch nicht notwendigerweise ein glückseliges Gewahrsein. Der Geist des klaren Lichts, den wir zum Zeitpunkt unseres Todes erleben, ist beispielsweise weder glückselig, noch erkennt er die Leerheit. Nur wenn der Geist des klaren Lichts nichtkonzeptuell die Leerheit erkennt, kann es sich dabei auch um glückseliges Gewahrsein handeln.

Aber wenn das glückselige Gewahrsein ein Geistesfaktor einer Empfindung von Glücklichsein ist, kann dieses Gewahrsein mit Ebenen des Geistes einhergehen, die gröber als die subtilste Ebene des klaren Lichts sind. Dieses ist unabhängig davon, ob die Arten von Geist eine konzeptuelle oder eine nichtkonzeptuelle Wahrnehmung von Leerheit haben, und ob es sich bei der Wahrnehmung um eine völlige Vertiefung in Leerheit handelt oder um eine nachfolgend erlangte Verwirklichung. In all diesen Fällen hatte die Empfindung von Glück, die diese Wahrnehmungen begleitet, zur Folge, dass der Geist, der die Leerheit wahrnimmt, in Abhängigkeit der Intensität des Glücksgefühls immer subtiler wird. Daher ist das Stärken unseres Glücksgefühls als ein Element in unserem Netzwerk guter Qualitäten und als ein sich entwickelnder Buddhanatur-Faktor, von davon ausgehend das Entwickeln von glückseligem in Gewahrsein der Leerheit, eine Methode, um Zugang zu der Ebene des Geistes des klaren Lichts zu erlangen und um aus dieser Ebene des Geistes ein glückseliges klares Licht einer nichtkonzeptuellen Wahrnehmung von Leerheit zu entwickeln. Und dann, wie ich bereits erwähnt habe, ist es diesem glückseligen Geist des klaren Lichts möglich, eine explizite Wahrnehmung von Leerheit zu haben und gleichzeitig eine explizite Wahrnehmung einer reinen Erscheinung von einem selbst als eine Buddhagestalt.

Methode bedeutet im Anuttarayoga-Tantra nicht nur, dass man während der Phase der nachfolgenden Verwirklichung von Leerheit sich konzeptuell vorstellt, dass man als eine Buddhagestalt erscheint. Es bedeutet auch, ein glückliches Gewahrsein als eine Empfindung von Glücklichsein zu haben, die sowohl die konzeptuelle völlige Vertiefung in raumgleichen Leerheit, als auch die konzeptuelle nachfolgende Verwirklichung der illusionsgleichen Leerheit begleitet und daher gleichzeitig mit ihnen auftritt. Wir müssen also im Anuttarayoga-Tantra sowohl die Faktoren von Glück stärken, als auch die Erscheinung-hervorbringenden Faktoren innerhalb unseres Netzwerks guter Qualitäten, und diese beiden als Methode verwenden. Der Erscheinung-hervorbringende Faktor ist die Methode auf Seiten des Körpers und das glückselige Gewahrsein ist die Methode auf der Seite des Geistes. Und selbstverständlich müssen wir innerhalb dieses Netzwerks guter Qualitäten auch zusätzlich unsere Warmherzigkeit, beziehungsweise unser Mitgefühl, unsere Konzentrationsfähigkeit und unsere Energie, mit der wir nach außen gehen und anderen helfen, weiter entwickeln. Und auf der Seite der Weisheit entwickeln wir natürlich auch die fünf Arten tiefen Gewahrseins und das Gewahrsein von Leerheit weiter.

Mit den subtilsten Energiewinden arbeiten

Ich möchte noch einen weiterer Punkt erwähnen: Wenn wir im Anuttarayoga-Tantra darüber sprechen, unseren innewohnenden Energiefaktor zu stärken, dann sprechen wir nicht nur über die gröberen Energieebenen, mit denen wir anderen helfen, sondern wir sprechen auch über die subtilste Ebenen der Energie. Diese Ebene wird als „der subtilste Energiewind“ bezeichnet. Der subtilste Energiewind besitzt dieselbe essentielle Natur wie der Geist des klaren Lichts. Mit anderen Worten treten der subtilste Energiewind und der Geist des klaren Lichts untrennbar voneinander auf. Wenn wir dieses „Paket“ vom Standpunkte des kognitiven Aspekts aus betrachten, handelt es sich um das klare Licht. Wenn wir das „Paket“ vom Standpunkt seines energetischen Aspekt des aus betrachten, handelt es sich um den subtilsten Energiewind.

Aus eben diesem subtilsten Energiewind entwickeln wir das, was als „Illusionskörper“ bezeichnet wird, wobei dieser Körper dieselbe Form besitzt, wie die Buddhagestalt, als die wir uns zuvor selbst visualisiert haben. Wir können dies erst auf der zweiten Stufe der Praktiken des Anuttarayoga-Tantra, das heißt auf der Stufe der Vollständigkeit, bewerkstelligen. Auf der ersten Stufe des Anuttarayoga-Tantra, der Erzeugungsstufe, stellen wir uns lediglich vor, dass wir als eine Buddhagestalt erscheinen; und alles was wir uns vorstellen kann natürlich nur konzeptuell wahrgenommen werden.

Wenn wir jedoch mit dem subtilsten Energiewind des Geistes des klaren Lichts arbeiten und von dort ausgehend ein Illusionskörper hervorbringen, dann kann unser glückseliges klares Licht, das nichtkonzeptuell völlig in Leerheit vertieft ist, gleichzeitig auch explizit und nichtkonzeptuelle unsere Erscheinung als solch einen Illusionskörper wahrnehmen. Das kommt daher, dass die Ebene des Geistes des klaren Lichts nicht nur natürlicherweise frei ist von aller konzeptuellen Wahrnehmung, sondern auch frei von Verwirrung und den Gewohnheiten der Verwirrung ist. Die Gewohnheiten der Verwirrung bewirken nicht nur, dass gröbere Ebenen des Geistes Erscheinungen von unmöglichen Arten zu existieren hervorbringen, sondern verhindern auch, dass gröbere Ebene des Geistes explizit die zwei Wahrheiten aller Dinge gleichzeitig wahrnehmen können – dass heißt, die Erscheinung der Dinge und ihre Leerheit. Wenn wir jedoch den Geist des klaren Lichts verwenden um unsere Erscheinung als ein Illusionskörper wahrzunehmen, bedeutet das nicht, dass dieser Körper uns nicht zu erscheint, als existiere er in einer unmöglichen Art. Daher vermag dieser Geist sich gleichzeitig und explizit auf die Leerheit dieser Erscheinung auszurichten.

Auf diese Weise können wir sehen, dass wir im Anuttarayoga-Tantra gleichzeitig daran arbeiten, sehr viele Aspekte – so viele Aspekte wie möglich – unseres Netzwerks guter Qualitäten stärken, sodass wir gleichzeitig auch unsere Netzwerke positiver Kraft und in tiefen Gewahrseins stärken. Das ist der Grund, warum Anuttarayoga-Tantra so fortgeschritten und schwierig zu praktizieren ist. Dies ist auch der Grund dafür, warum diese Praktiken so effektiv darin sind, unserer in gesamte System an Netzwerken so kraftvolle und schnell zu stärken, sodass dieses System an Netzwerken wiederum die kritische Masse sehr viel schneller und effektiver erreicht, um die Sprünge auf eine andere Quantenebene zu schaffen.

Zusammenfassung

Um es noch einmal zusammenzufassen: Warum sehnen wir uns nach Glück und warum wollen wir die innewohnende Freude unseres Geistes als Teil des buddhistischen Pfades vermehren? Wir wollen dieses Ziel nicht nur deshalb erreichen, weil es eben die Natur der begrenzten Wesen ist, dass sie sich danach sehnen, Glück zu erlangen und Leiden zu vermeiden. Ein solches Streben ist natürlich auch Teil unserer Natur: Wir wollen alle glücklich sein und keiner von uns möchte unglücklich sein. Aber als Teil des buddhistischen Pfades wollen wir nicht nur in diese Richtung gehen. Es ist nicht einfach so, dass wir glücklich sein wollen und uns dann sagen: „OK, Ich möchte die buddhistischen Methoden anwenden, um so glücklich wie möglich zu werden.“ Das ist hiermit nicht gemeint. Vielmehr benutzen wir die Tatsache, dass wir alle Glück erlangen wollen und kein Leiden erfahren möchten, und erkennen, dass dieser Tatsache das Potenzial zu Grunde liegt, dass wir alle glücklich sein können. Dieses Potential ist in jedem von uns vorhanden. Wir arbeiten daran dieses Element von Freude und Glücklichsein innerhalb unseres Netzwerkes guter Qualitäten zu stärkeren, aber wir wollen nicht nur dieses eine Element allein zu stärkeren. Wenn wir lediglich Glück und Freude allein stärken würden, würde es sich dabei um lineares, nicht-holistisches Denken handeln. Wir arbeiten daran, Glück und Freude im Kontext aller möglichen anderen Elemente innerhalb unseres Netzwerks guter Qualitäten zu stärken, sodass dieses vermehrte Glück als Ursache dafür dient, uns in die Lage zu versetzen, einen Zugang zu den Ebenen des klaren Lichts des Geistes zu erlangen. Wir kräftigen also auch unser Mitgefühl, unsere Konzentration, unser Erscheinungshervorbringen , unsere Energie und so weiter.

Wenn wir die unserem Geist innewohnende Freude innerhalb des Kontextes all dieser anderen Faktoren kräftigen, dann führt uns das zur wahren Beendigung der ersten und zweiten edlen Wahrheit – das heißt zur Beendigung von Leiden und den Ursachen des Leidens. Das geschieht durch unser Netzwerk tiefen Gewahrseins, das wiederum durch unsere Netzwerke positiver Kraft verstärkt wird, das als die vierte edle Wahrheit wirkt – das heißt als ein wahrer Pfadgeist – um die dritte edle Wahrheit zu erlangen – das heißt eine wahre Beendigung. Wenn diese beiden Netzwerke positiver Kraft und tiefen Gewahrseins als Buddha-Netzwerke wirken, erfahren wir die resultierende Ebene der dritten und vierten edlen Wahrheit. Auf dieser Stufe verwandelt sich die resultierende oder höchste, effizienteste Ebene der innewohnenden Freude des Geistes in das glückselige Gewahrsein des Geistes eines Buddha. Dieser glückselige Aspekt des allwissenden, alles umfassend liebenden Geistes eines Buddhas wird in der Kalachakra-Lehre als „Körper der essenziellen Natur“ eines Buddhas bezeichnet.

Wenn wir all diese Zusammenhänge verstehen, wobei wir möglicherweise eine Zeit lang brauchen, um all dies zu verdauen, dann verstehen wir, welchen Stellenwert Glück und Freude auf dem buddhistischen Pfad haben und wie wird das Glück in einen Pfadgeist transformieren, der uns zur Befreiung und Erleuchtung hinführt.

Das war nun die Einführung in das Thema Glück. Ich hatte Sie ja bereits am Anfang meines Vortrages vorgewarnt, dass ich mir vorgenommen habe, dieses Thema auf einem recht anspruchsvollen Niveau zu behandeln, weil ich denke, dass nicht nur dieses Thema eine solche Behandlung verdient, sondern dass auch Sie diese Ebene von Differenziertheit verdienen. Natürlich muss man, um diese Ebene von Differenziertheit zu verstehen, den Aufnahmen immer wieder zuhören oder die Transkripte dieses Seminars wiederholt lesen und tief über den Stoff nachdenken. Aber hoffentlich hat diese Präsentation Ihnen eine umfangreicher Struktur gegeben, um die verschiedenen Ebenen der Lehre des Buddhas auf der Sutra- und Tantra-Ebene zu verstehen, und auch insbesondere eine umfassende Struktur dafür geboten, welche Rolle das Arbeiten mit Glück in der Lehre des Buddha spielt.

Morgen wollen wir eine rechte detaillierte Erörterung darüber führen, was Glück eigentlich ist und wie wir mit dem Glücksgefühl arbeiten. Zunächst einmal müssen wir erkennen was Glück eigentlich ist, sodass wir wissen, womit wir arbeiten, und dann müssen wir uns anschauen, wie wir tatsächlich mit den verschiedenen Ebenen von Glück arbeiten.

Obwohl unsere Erörterungen verschiedene Wege aufzeigen werden, wie wir unser Glücksgefühl in diesem Leben steigern können, ist es doch sehr wichtig, diesen Nebeneffekt lediglich als ein Sprungbrett zu sehen. Das Glücksgefühl in diesem Leben zu vergrößern ist lediglich ein vorläufiges Ziel auf dem Weg in Richtung Befreiung und Erleuchtung, was der eigentliche Zweck ist, weshalb wir unser Glück vergrößern wollen. Wir versuchen nicht einfach unsere innewohnende Freude zu vergrößern, so dass wir in diesem Leben glücklicher sein werden, so „tralala…“. Sondern wir tun dies, um leichter Befreiung und Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu erlangen.

Vielen Dank.