Das Berzin-Archiv

Das Buddhismus-Archiv von Dr. Alexander Berzin

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Bedeutung und Benutzung eines Mandalas

Alexander Berzin, Dezember 2003
Übersetzung ins Deutsche: Nailu Sari

Die Bedeutung der Mandalas

Das tibetische Wort für „Mandala“, (tib. dkyil-‘khor), bedeutet wörtlich „das, was einen Mittelpunkt umkreist“.  Das Wort Mittelpunkt bezieht sich hier auf eine Bedeutung und „das, was ihn umkreist“ – ein Mandala – auf ein rundes Symbol der Bedeutung (auch wenn nicht alle Mandalas rund sind).

Es gibt zahlreiche Mandalatypen, die im Buddhismus sowohl in der Sutra- als in der Tantrapraxis für verschiedene Zwecke benutzt werden. Die folgenden Ausführungen geben eine Übersicht über einige Mandalatypen.

Äußere Mandalas

Ein äußeres Mandala (tib. phyi’i dkyil-‘khor) ist ein Symbol für ein Weltsystem. Es wird als eine Gabe benutzt, die man einem spirituellen Lehrer darbringt um ihn zu bitten, einem Lehren, einen Satz von Gelübden oder eine tantrische Ermächtigung zu verleihen. In ähnlicher Weise wird es am Schluss der Belehrung oder der Zeremonie, mit der Gelübde oder eine Ermächtigung (tantrische Einweihung) verliehen wurden, als Dankesgabe dargebracht.

Das dargebrachte Mandala kann in einer flachbodigen Schale bestehen, die mit der Unterseite nach oben gehalten wird. Auf diese schüttet man drei Häuflein Körner oder Edelsteine innerhalb von drei konzentrischen Ringen auf, die progressive aufeinander platziert werden. Die Struktur wird von einem ornamentalen Diadem gekrönt.

    

Traditionelle tibetische Geräte zur Darbringung
von Mandalaopfern

 

Alternativ hierzu kann ein Mandalaopfer durch eine Handmudra dargebracht werden, bei der die Finger in einem spezifischen Muster ineinandergeschlungen werden.

Handgeste zur Darbringung eines Mandalas

Das Weltsystem, das durch beide Typen äußerer Mandalas am häufigsten symbolisiert wird, ist das, welches in den Abhidharmalehren, die die besonderen Wissensthemen betreffen, beschrieben wird. Es umfasst ein System von vier Inselkontinenten, die einen zentralen Berg Meru umringen und die auf ihrer Außenseite, die vom Berg abgewandt ist, von zwei kleineren Inseln flankiert werden. Im Kalachakra ist die Form des Weltsystems leicht anders, obwohl es ebenfalls aus einem Berg Meru, vier Inselkontinenten und acht kleineren Inseln besteht.

Wie Seine Heiligkeit der Vierzehnte Dalai Lama oft gesagt hat, können wir uns das äußere Mandala auch als Symbol des Planeten Erde, des Sonnensystems, der Galaxie oder des Universums vorstellen, wie sie heutzutage von der modernen Wissenschaft verstanden werden. Es macht keinen Unterschied. Der entscheidende Punkt ist, dass das Mandalaopfer die Bereitschaft symbolisiert, alles, was sich im Universum befindet, darzubringen, um Lehren, Gelübde oder Initiationen zu erhalten.

Um ein ausreichendes Maß an positiver Kraft (tib. bsod-nams, Verdienst) aufzubauen, um ernsthaft, d.h. mit einer gewissen Erfolgsaussicht, mit der Tantrapraxis zu beginnen, werden mehrere besondere Vorübungen (tib. sngon-‘gro, Ngöndro) vorgenommen. Eine Standardkomponente ist es hierbei, 100.000 Mal ein äußeres Mandala darzubringen. In diesem Fall handelt es sich beim Objekt, dem man das Mandala darbringt, meist um die visualisierte Versammlung der Buddhas, Bodhisattvas und Linienmeister, und besonders der eigenen spirituellen Meister. Wie wirksam das Mandala zum Aufbau positiver Kraft führt hängt davon ab, wie rein die Motivation und wie stark die Konzentration des Ausführenden sind. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Tiefe, mit der der Ausführende die Leerheit der folgenden Dinge versteht: das eigene Selbst, dass die Handlung des Darbringens ausführt; die Empfänger des Mandalaopfers; das Mandala selbst und die Handlung, durch die man es darbringt.

Indem man ein äußeres Mandala wiederholt darbringt baut man auch die notwendige positive Kraft auf, um die eigene derzeitige Verstehensweise zu durchbrechen und zu einer tieferen Ebene vorzustoßen. So brachte etwa Tsongkhapa (tib. Tsong-kha-pa Blo-bzang grags-pa), der Begründer der Gelug-Tradition, nicht nur fünfunddreißig Reihen von jeweils 100.000 Niederwerfungen dar, sondern auch achtzehn Reihen von jeweils 100.000 Mandalaopfern. Er tat dies, um genügend positive Kraft aufzubauen, um die Leerheit, wie sie vom Madhyamaka-Prasangika-System verstanden wird korrekt zu erfassen.

Innere Mandalas, geheime Mandalas und Mandalas der ureigensten Natur der Realität

In den Schulen der Neuen Übersetzungsperiode (Kagyü, Sakya und Gelug) ist das Anuttarayoga-Tantra die höchste der vier Tantraklassen. Es kennt vier Ebenen des Opfers, die parallel zu den vier Ebenen des Mandalaopfers stehen. Diese vier Ebenen des Opfers und des Mandalaopfers entsprechen ferner den vier Ermächtigungen (tib. dbang, Initiation, „Wang”) des Anuttarayoga-Tantras.

  • Bei einem äußeren Opfer (tib. phyi’i mchod-pa) bringt man äußere Objekte wie Wasser, Blumen, Weihrauch usw. oder begehrenswerte Objekte der fünf Sinne dar. Ein äußeres Mandala ist ein Opfer, mit dem man das äußere Weltsystem darbringt. Das äußeres Opfer und das äußere Mandala entsprechen der Vasen-Ermächtigung (tib. bum-dbang). Eine Vasen-Ermächtigung reinigt den Körper, so dass man einen Nirmanakaya (tib. sprul-sku), einen Emanationskörper, erlangen kann. Sie befähigt zur Praxis der Erzeugungsstufe (tib. bskyed-rim), während der man sich als Buddhaformen visualisiert.

  • Bei einem inneren Opfer (tib. nang-mchod) bringt man Aspekte des Körpers dar. Dies können entweder Aspekte des grobstofflichen Körpers sein, nämlich die fünf Aggregate und die fünf Elemente, oder, im Kalachakra, Aspekte des feinstofflichen Körpers, nämlich die zehn feinstofflichen Energiewinde. Diese in zwei Fünfergruppen unterteilten zehn Energiewinde werden von fünf Fleischsorten und fünf Nektarsorten, die gereinigt, verwandelt und vermehrt werden, symbolisiert. Ein inneres Mandala (tib. nang-gi dkyil-‘khor) ist ein Opfer, bei dem man verschiedene Teile des grobstofflichen Körpers darbringt, wobei man sich das eigene Rückrad oder den Rumpf als Berg Meru und die vier Gliedmassen als die vier Inselkontinente vorstellt. Das innere Opfer und das innere Mandala entsprechen der geheimen Ermächtigung (tib. gsang-dbang). Eine geheime Ermächtigung reinigt die feinstofflichen Energiewinde und die Rede, damit man einen Sambhogakaya (tib. longs-sku), einen Körper des vollen Gebrauchs, erlangen kann. Sie befähigt auf der Vollständigkeitsstufe (tib. rdzogs-rim) zur Praxis des Illusionskörpers (tib. sgyu-lus).

  • Bei einem geheimen oder verborgenen Opfer (tib. gsang-mchod) bringt man seliges Gewahrsein dar. Alternativ hierzu kann man nichtkonzeptuelles seliges Gewahrsein von Leerheit mit dem Klaren Licht, der feinsten Ebene geistiger Aktivität (ein Geist des Klaren Lichtes) darbringen. In ähnlicher Weise ist ein geheimes oder verborgenes Mandala (tib. gsang-ba’i dkyil-‘khor) ein Opfer, bei dem man glückselige Gewahrsein oder nichtkonzeptuelles glückselige Gewahrsein von Leerheit mit einem Geist des Klaren Lichtes darbringt. Das geheime oder verborgene Opfer und das geheime oder verborgene Mandala entsprechen der Ermächtigung des tiefen unterscheidenden Gewahrseins (tib. shes-rab ye-shes dbang). Eine Ermächtigung des tiefen unterscheidenden Gewahrseins reinigt den Geist für das Erlangen eines Jnana-Dharmakaya (tib. ye-shes chos-sku), eines Körpers des tiefen allumfassenden Gewahrseins. Sie befähigt dazu, auf der Vollständigkeitsstufe das Klare Licht (tib. ‘od-gsal) zu praktizieren.

  • Bei einem Opfer der ureigensten Natur der Realität (tib. de-kho-na-nyid mchod-pa, Opfer der Soheit) bringt man die nichtkonzeptuelle Wahrnehmung von Leerheit dar. Alternativ hierzu besteht es im Darbringen der unzertrennlichen zwei Wahrheiten, nämlich (1) die reine Erscheinung unserer selbst als Buddhaformen (tib. yidam, „Gottheit“) und (2) das nichtkonzeptuelle selige Gewahrsein von Leerheit mit einem Geist des Klaren Lichtes. Ein Mandala der ureigensten Natur der Realität (tib. de-kho-na-nyid-kyi dkyil-‘khor, Mandala der Soheit) ist ein Opfer des nichtkonzeptuellen Gewahrsein von Leerheit oder der zwei unzertrennlichen Wahrheiten, wie sie oben formuliert wurden. Das Opfer der ureigensten Natur der Realität und das Mandala der ureigensten Natur der Realität entsprechen der vierten (tib. dbang bzhi-pa) Ermächtigung, die auch als Ermächtigung des Wortes (tib. tshig-dbang) bezeichnet wird. Die vierte oder Wort-Ermächtigung reinigt den Körper, die Rede und den Geist gemeinsam, in unzertrennlicher Weise, so dass man einen Svabhavakaya (tib. ngo-bo-nyid sku), einen Körper der essentiellen Natur, oder, ausführlicher gesagt, einen Svabhava-dharmakaya (tib. ngo-bo-nyid chos-sku), einen Körper der essentiellen alles umfassenden Natur, erlangen kann. Sie befähigt dazu, auf der Vollständigkeitsstufe das vereinte Paar (tib. zung-‘jug) der Zwei Wahrheiten zu praktizieren.

Mandalas, auf deren Grundlage Ermächtigungen verliehen werden

Eine „anschließende Erlaubnis“ (tib. rjes-snang) wird auf der Grundlage eines „Torma“ (tib. gtor-ma) genannten Kuchens aus gerösteter Gerste verliehen, der durch einen tantrischen Meister als Buddhaform realisiert (tatsächlich verwandelt) wird. Im Gegensatz hierzu werden Ermächtigungen auf der Grundlage eines Mandalas verliehen.

Die Vasen-Ermächtigung, die in allen vier Tantraklassen vorkommt, wird auf der Grundlage der symbolischen Mandalawelt verliehen, in der eine Buddhaform oder eine Reihen von Buddhaformen leben. Es umfasst (1) das unterstützende Mandala (tib. rten-pa’i dkyil-‘khor) – nämlich einen Palast und die ihn umgebenden Umwelt – und (2) das unterstützte Mandala (tib. brten-pa’i dkyil-‘khor) aller Figuren, die sich in Palast und Umwelt befinden.

Die Grundlage für die Bezeichnung oder Zuschreibung (tib. gdags-gzhi) der symbolischen Mandalawelt während dem Ermächtigungsritual kann eine der folgenden Mandalaformen sein:

  • Ein Stoffmandala (tib. ras-bris-kyi dkyil-‘khor). Dies ist eine zweidimensionale Abbildung des Palastes und der Umgebung, die etwas einem architektonischen Plan ähnelt und auf einem Stück Stoff oder Papier gemalt wird. Sie wird normalerweise in einem verzierten quadratischen hölzernen Rahmen mit offenen Seiten und einem Dach platziert.

          Gemaltes Kalachakra-Stoffmandala
  • Ein Mandala aus gestreutem Sand (tib. rdul-phran-gyi dkyil-‘khor). Es handelt sich um eine Darstellung des Palastes und seiner Umgebung, die aus gestreutem, farbigen Sand gemacht wird und die normalerweise in der selben Art von Holzrahmen platziert wird wie ein Stoffmandala.

          Herstellung eines Guhyasamaja-Sandmandalas
 
  • Ein Mandala geistiger Stabilität (tib. bsam-gtan-gyi dkyil-‘khor). Dieses wird ohne eine physische Basis durch die gesammelte Konzentration des tantrischen Meisters realisiert.

  • Ein Körpermandala (tib. lus-kyi dkyil-‘khor, lus-dkyil). Ein solches findet sich ausschließlich in einigen Anuttarayoga-Mutter-Tantras, so wie Chakrasamvara, Vajrayogini, Hevajra und Chittamani Tara, in denen der tantrische Meister oder die tantrische Meisterin verschiedene Teile seines oder ihres feinstofflichen Körpers als Aspekte des unterstützenden und des unterstützten Mandalas realisiert (tatsächlich transformiert) hat. Um eine Ermächtigung auf der Grundlage eines Körpermandalas zu erhalten, muss man zuvor eine Ermächtigung auf Grundlage einer der drei oben aufgezählten Mandalatypen erhalten haben.

  • Alternativ zu den aufgezählten Mandalas kann gelegentlich ein dreidimensionales Mandala (tib. blo-blangs), das normalerweise aus Holz oder Metall hergestellt wird, benutzt werden.

Traditionelles dreidimensionales Kalachakra-Mandala,
im Potala-Palast, Lhasa, Tibet
 

Modernes dreidimensionales Kalachakra-Mandala,

in den USA von Arja Rinpoche hergestellet


Die nächsten drei Ermächtigungen finden sich nur im Anuttarayoga-Tantra.

  • Die geheime Ermächtigung wird auf Grundlage eines runden symbolischen Mandalas des relativen Bodhichitta (tib. kun-rdzob byang-sems-kyi dkyil-khor) verliehen. Dies bezieht sich auf Tropfen, normalerweise aus Yoghurt oder Tee, die als Basis für die Zuschreibung der feinstofflichen Energietropfen des weißen und des roten Bodhichitta dienen und die zum Kosten dargereicht werden.

  • Die Ermächtigung tiefen unterscheidenden Gewahrseins wird auf der Grundlage eines runden symbolischen Mandalas eines Mutterschoßes (tib. bha-ga’i dkyil-‘khor) verliehen.

  • Die vierte oder Wort-Ermächtigung wird auf der Grundlage eines runden symbolischen Mandalas des tiefsten Bodhichittas (tib. don-dam byang-sems-kyi dkyil-‘khor) verliehen. Dieses Mandala verweist auf das tiefste Verständnis der Leerheit.

Im Kalachakra:

  • Die Vasen-Ermächtigung wird auf der Grundlage einer runden symbolischen vasenartigen Brust verliehen, statt aus einer Vase mit geweihtem Wasser, wie in anderen Systemen des Anuttarayogas.

  • Die geheime Ermächtigung wird auf der Grundlage eines runden symbolischen Mandalas eines Mutterschoßes verliehen, der die Quelle symbolischer Tropfen, die gekostet werden, ist, statt aus einem Mandala von relativen Bodhichitta-Tropfen, wie in den anderen Anuttarayoga-Systemen.

  • Die Ermächtigung tiefen unterscheidenden Gewahrseins wird auf der Grundlage eines runden symbolischen Mandalas des relativen Bodhichittas – feinstoffliche Energietropfen die innerhalb des Körpers hinabfließen – verliehen, statt auf der Grundlage eines Mutterschoß-Mandalas, wie in den anderen Anuttarayoga-Systemen.

  • Die vierte oder Wort- Ermächtigung wird auf der Grundlage eines runden symbolischen Mandalas des tiefsten Bodhichittas verliehen, wie in den anderen Systemen des Anuttarayogas.

Symbolische Mandalascheiben

Tantrische Praktiken schließen die Visualisierung verschiedener runder symbolischer Mandalascheiben mit ein. Bei den am meisten verbreiteten handelt es sich um Mandalascheiben der Sonne und des Mondes, beziehungsweise um Symbole des Verstehens der Leerheit und Symbole der Bodhichitta-Ausrichtung, die Erleuchtung zu erlangen, um allen bestmöglich helfen zu können.

Die fünf Elemente der Außenwelt und des Körpers – Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum – werden oft durch symbolische Mandalascheiben repräsentiert, deren Farben und Formen durch buddhistische Konventionen etabliert wurden. Eine quadratische gelbe Mandalascheibe zum Beispiel symbolisiert das Element Erde.

Im Kalachakra-System symbolisieren runde symbolische Mandalascheiben von vier Himmelskörpern, die bei Eklipsen eine Rolle spielen – der Mond, die Sonne, Rahu und Kalagni (den Nord- und den Südknoten des Mondes) – vier feinstoffliche Energietropfen innerhalb des feinstofflichen Körpers. Es handelt sich um die Energietropfen des Wachzustandes, des Traumzustandes, des Zustandes tiefen Schlafes und um den vierten oder Gipfelzustand.

Mandalapaläste

Die meisten Systeme von Buddhagestalten beinhalten einen Mandalapalast, der oft als „ unermesslich herrlicher Palast“ (tib. gzhal-yas khang) bezeichnet wird, in dem die Buddhaformen dieses Systems ihren Wohnsitz haben. Die Struktur der Paläste folgt dem altindischen Vorbild, obwohl die Dächer auf einen chinesischen Einfluss verweisen. Die Paläste sind quadratisch und haben meist zwei, doch manchmal mehr als zwei Etagen, und Portale, die auf jeder Seite zu Eingangshallen und Bogengängen jenseits von jedem Portal führen. Die Wände sind von mehrschichtiger Dicke und in ihrem Oberteil von Deckenfriesen oder anderen komplexen, juwelenverzierten Strukturmerkmalen bedeckt.

Jedes architektonische Merkmal symbolisiert einen bestimmten Aspekt des Erleuchtungspfades. Im Mandala Vajrabhairavas beispielsweise stehen die vier Seiten des Palastes für die Vier Edlen Wahrheiten, die fünf Farben des Bodens und die Schichten der Wände für die fünf Typen von Tiefem Gewahrsein, usw.

Körpermandalas

Sowohl im Vater- als im Mutter-Anuttarayoga-Tantra beinhalten mehrere Buddhaform-Systeme Körpermandalas (tib. lus-dkyil). Ein Körpermandala umfasst ein Netzwerk von Buddhaformen, die im eigenen Körper, der als Buddhagestalt visualisiert wird, angeordnet werden und für deren Entstehung verschiedene Teile des eigenen unreinen samsarischen Körpers als herbeiführende Ursachen (tib. nyer-len-gyu rgyu) gedient haben. Die herbeiführende Ursache von etwas ist das, woraus man einen Nachfolgegegenstand gewinnt, wobei die ursprüngliche Ursache aufhört zu existieren (so wird beispielsweise Brotteig durch Backen zu Brot – wodurch er aufhört, als Teig weiterzuexistieren). So dient etwa im Guhyasamajasystem das unreine Form-Aggregat als erhaltenden Ursache dafür, dass an seiner statt die reine Form eines Vairochanas entsteht.

In den Buddhaform-Systemen des Mutter-Anuttarayoga-Tantra, die Körpermandalas beinhalten, so wie bei Chakrasamvara, Vajrayogini und Chittamani-Tara, entstehen die Gestalten aus Teilen des feinstofflichen Energiekörpers, nämlich aus den Energiekanälen, die ihre herbeiführenden Ursachen darstellen. In den Systemen des Vater-Anuttarayoga-Tantras, die Körpermandalas beinhalten, so wie im Guhyasamaja, sind die herbeiführenden Ursachen für die Entstehung der Gestalten Teile des grobstofflichen Körpers, so wie die Aggregate, die Elemente, die Sinnesorgane und die Gliedmaßen. In denjenigen Systemen des Anuttarayoga-Tantra, die in der Sakyatradition als „nichtdual“ bezeichnet werden und die Körpermandalas beinhalten, wie Hevajra, dienen sowohl Teile des grobstofflichen wie des feinstofflichen Körpers als herbeiführende Ursachen für die Buddhaformen.

Die obigen Beispiele beziehen sich auf unterstütze, aus Buddhaformen bestehende, Körpermandalas. Einige Anuttarayoga-Systeme, wie Guhyasamaja, besitzen auch unterstützende Körpermandalas mit einem Palast, für deren Entstehung Teile des grobstofflichen Körpers als erhaltenden Ursachen gedient haben.

Nur die Körpermandalas in den Systemen des Mutter-Anuttarayoga dienen als Grundlagen für das Verleihen von Vasen-Ermächtigungen.